Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgabhe . 
krinnerunge 
an 1813. 
die Schlacht au der Katzhkich. 
26. August. 
Un die Spitze der 105 000 Mann zählenden schlesischen 
Aimee war der 7ljährige kühne Reiterführer Gebhard von 
Blücher gestellt worden, dem der glänzend begabtée General— 
major v. Gneisenau als Stabschef zur Seite trat. In 
einträchtigen Zusammenarbeiten haben, die beiden Männer 
Großes und Zerrliches erreicht. Gneisenaus gewaltig kühne 
Pläne konnten nur von der machtvollen Person Blüchers ver— 
rinklicht werden; und umgekehrt war Blücher sich wohl bewußt, 
dahß er sein Erfolge den umfassenden Kenntnissen Gneisenaus 
zu verdanken habe. Auch das Hauptquartier war vorzüglich 
zusammengesetzt. Trotz dieser glänzenden Voraussetzungen war 
die schlesische Armee infolge der vielen inneren Widerstände. 
die dem Oberkommnando von mehreren Unterführern entgegen— 
gebracht wurden, mehr denn einmal nahe daran, in eine 
bedenklich Lage zu kommen. Es war und bleibt kein ge— 
ringes Verdienst Blüchers, daß er diese mamnigfachen, wider— 
stieitenden Elemente durch eine vorsichtige Behandlung zusammen— 
gehalten und für eine große Sache nutzbar gemacht hat. Er 
legte damit in die unüberwindlich geltenden Streitkräfte 
Napoleons die entscheidende Bigeg durch die man, freilich 
nach mühevollen Taten, zu dem Pölkerringen bei Leipzig schritt, 
das den endgültigen Sieg der Alliierten über den fremden 
Eroberer besiegelte. Ungeheures ward von den Befreiungs— 
truppen heute vor hundert Jahren an dem harmlos scheinenden, 
aber durch Regengüsse leicht erregbaren Nebenflüßchen der Oder 
geleistet und Blüchers Ruhm als des populärsten Reitergenerals 
qaus den VBefreiungskriegen heftet sich besonders innig an diesen 
Sieg. Wenn man in den schon bald verstaubten Büchern 
der Geschichte jener Zeit liest, empfängt man einen gewaltgen 
Eindruck von der Größe der Waffentat und dem Heldenmut 
der Soldaten, die sie vollbrachten. Die dem 26. August vorauf⸗ 
gehenden Tage hatte es ungaufhörlich geregnet, und als der 
Schlachtentag heraufdämmerte, goß es in Strömen von dem 
grauverhängten Himmel. Der Boden war allenthalben zu 
Morast aufgeweicht, in dem die Kanonen his an die Achsen 
versanken und die Pferde dier Reiter ebenso wie die Fuß— 
mannschaften nur schwer vorwärts kommen konnten. Von Zeit 
zu Zeit mußten die völlig durchnäßten und von den bereits 
ausgestandenen Strapazen schwer mitgenommenen Truppen halt 
machen, um Atem zu schöpfsen. Ein Nordwestwind wehte dem 
schlefischen Heer, das aus einem preußischen Korps (Yorch und 
zwei russischen (Kangeron und Sucken) bestand, scharf, ins 
, so daß es keine hundert Schritt weit um sich sehen 
onnte. 
— Um 4210 Uhr vormittags schwärmten die Franzosen aus 
Seichau hervor und griffen die Vortruppen Langerons än, die 
von der Uebermacht der Feinde auf das Plateau rechts der 
Neiße zurüchgedrängt, wurden. Durch den Regen hatten bereits 
alle Gewehre verisagt. Da also wenig Aussicht bestand, gegen 
die feindliche Uebermacht sich lange behaupten zu können, faßte 
Blücher den Plan, die Feinde durch passives Verhalten noch 
mehr aus, das Plateau hervorzulocden, sie dann anzugreifen 
und den steilen Rand hinab in die wütende Neiße und in die 
Kattbach zu stürzen. Es war Z3 Uhr nachmittags. Die beiden 
Korns bereiteten sich zum Angriff vor, währenddessen der 
Regen an Gewalt noch so zugenommen hatte, daß Horch wie 
er sagte Jeine eigenen Finger vor lauter Regen nicht zählen 
kannte. Da sprengt der greise Blücher in Begleitung des 
Prinzen Wilhelm mit seinem Gefolge vor die Front der Teuppen 
Hhords um sie zum Kampfe anzufeuern. „Kinder, heute gilt's! 
Ihr sollt beweisen, ob ihr euren König und euer Vaterland 
tebt! Da ist der Feind, — auf! — Jeigt, euch als wackere 
Preußen!“ Diese populäre, markige Sprache verfehlte nicht 
hre Wirkung auf die ihn vergötternden Soldaten. Er forderte 
sie weiterhin auf, sich in dem Regen nicht mit dem Schießen 
abzugeben. sondern dem Feinde gleich mit dem Bajonett auf den 
Leib zu gehen. Und als die Zeit zum Aufbrechen gekomnten 
war, sagse er in seiner drastischen, die schriftgemähen Aus— 
drücke gern umgehenden Art: „Nun, Kinder, habe ich genng 
Franzosen herüher, den wollen wir die .... flügel umkrämopen, 
daß alle rüdwärts lobolz schießen sollen, nun vorwärts!“ 
Und nun ging der blutige Kriegstanz los. Hundert Kauenen— 
schlünde spiellen mit ihrer dröhnenden Mu'if auf, weiten ihr 
derderbliches Feuer aus. Die Franzosen exwiderten das Feuer 
und rüdten mit grober, Energie vorwärts. Mit großer Kalt— 
bsütigkeit, ohne nur einen Augenblick in Unordnung zu ge—⸗ 
raten, schoben sich die preußischen Bataillone gegen den Feind 
vpor. Endlich hatten sich die Feinde so reit zenähert, daß 
die Franzosen die Preußen mit Lartätschen erreichen konnten. 
Diese fielen wie Hagel in die Bataillone und rissen ganze 
Flieder zu Boden. Dann griffen die Frauzosen zu ihrem 
kleinen Gewehr und überschütteten die Duatschen mit einem 
wahren Kugelregen. Bis guf zwei Schritte waren sich die feind⸗ 
lichen Reiben entgegengerückt und starr sah man sich Auge in 
Auge, Da riefen die preußischen Offiziere: „Drauf! Drauf!“, 
und im Nu nahmen die Soldaten das Gewehr vertehrt und 
schlugen mit dem Kolben in die Franzosen hinein. Rardon 
ward nicht gegehen und, nach zwanzig Minuten, der mörderischen 
Arbeit lagen die feindlichen Vierecke zerschmetkert am Boden. 
Was vom Feinde das Plaleau schon erreicht Jatte, wurde zi⸗— 
rückgestoßen und zum Teil den steilen Nand zur wütenden 
Neiße hinabgestürzti. 
Doch nun graff die französische Kavallerie in den Kampf 
ein. In geschlossenen Reihen brach sie mit wildem Ungestüm 
hernor und drohte die preußischen Reihen zum Wanlen zu 
bringen In diesem entscheidenden Augenblick war, Blücher 
wieder der fühne Husar aus alten Zeiten. Ueberall in den 
porderen, Reihen war er persönlich, auf, das eifrigste bemäht, 
seine Reiterei zu sammeln, um die feindliche zu veriaggen. Dem 
Jünglingsfener, das in ihm erwachse, konnte er nicht zaehr 
widerstehen. zog den Säbel, setzie sich an die Spitze und mit 
lautem „Vorwärts! Hurra!“ und Trompetentlang färzten sich 
diese Geschwader guf den Feind, brachten ihn in Unordnung 
und warfen ihn eine Strede zurüc. Doch von der dahinter— 
stehenden Intgnterie und Kavalierie wurde Blücher mil feinen 
Reitern so obel empfangen, daß er sich zurüdiehen mußte, 
bis er Verstärkung erlangte. Sofort ging es »neiner neuen 
Alttacke vorwärts. Der Franzosen, die sich im Rüden von den 
Russen mit eiserner Gewalt umklammert sahen, pemächtidfe sich 
das grause, Entsetzen. Und nun hegann eine der wildaten 
Fluck Ru, die man je gesehen hat. Als die keindliche Reiferei 
ganz über den, Haufen geworfen war, und sich auf das hinter 
ihr stehende eigene Fußvolk stürzte, aab Blücher Befehlum 
Vorrücken des Fußvelks beider, Korps. Der Feind floh. So— 
lange es über die Ebene ging, fand ieder Flüchtling einen Weg 
quer über die Felder. Als aber die Fliehenden on den Abhang 
lamen der das Ufer der wütenden Neiße umtieht, entstad in 
den Hehltvegen die, fürchtertichste Verwirrung. Die Reiten 
ritten das Fußpolk nieder. Diese aher stießen mit dZem Vajoneit 
auf die Pferde. um Plak zu «cwinnen. Als aber dann der 
sange Zuqg der Kanonen und Munitionswagen im lüchtigsten 
ßalopp den engen We⸗oen zweilte, erreichte die Verwirrung 
und das Geschrei der Flüchligen den höchsten Grad. 
Weniqge Augenblicke genügten, um manche dieser Engpäfse 
ADD 
niedercefabren. Kanonen fuübhren ineirander und so entstand 
Dienstag, den 26. August 1913. 
Ail, unheilvoltes, Ageneines Stocken. SBns gunze el—o ruug 
voll verwundeter und toter Menschen und Pferde, voll weg⸗ 
geworfener Flinten, Tschakos, Tornister und Patronentaschen. 
In einem einzigen Hohlwege fand man 4 Kanonen, 2 Haubitzen 
ind 39 Pulperwagen. Alle Zäune waren in kurzer, Zeit von 
den Fliehenden wie umgelegt. Hunderte von Franzosen warfen 
ich, erschöpft durch Wunden oder Hunger, in die Bauernhäuser 
und erwarteten hier in stiller Verzweiflung den Tod oder die 
Gefangenschaft. Alles sloh der wütenden Neiße oder der Katz— 
dach zu. Das preußisch-russische Geschütz eilte nach, pflanzte 
ich ain Nande auf und schleuderte Tod und Verderben, den 
Flüchtigen nach. Flüchtig war die Verwirrung des Feindes 
in den Flüssen selbst, die, durch den unaufhörlichen Regen zu 
Strömen angewachsen, Brücken und Stege fortgerissen hatten. 
sin großer Teil der Menschen und Pferde fanden den Tod in 
en Wellen Die glücklich hinüberkamen, zerstreuten Fich ienseits 
egellos. Die Niederlage des Feindes war in der fürchterlichen 
Hlacht, die kaum zwei Stunden gedauert hatte, entschieden. 
Theodor Körner. 
Zu seinem 109. Todestage. 
(26. August.) 
Am 23. September 1791 wurde Karl Theodor Körner als 
Zohn des Oberappellationsgerichtsrats Tr. Christian Gottfried 
dörner geboren, seine Mutter war die Tochter des Kupfer⸗ 
techers Stock aus Leipzig. Er wurde zusammen mit seiner drei 
lahre älteren Schwester Ewnta und einem angenommenen Mäd— 
hen erzogen. In dem Hause sernes Vaters verkehrten Künstler 
nd Dichter sowohl wie Siaatsmänner — Schiller, Goethe, 
zeinrich von Kleifsft und Schlegel waren keine seltenen Gäste, 
Nozart spielte hier in diesem Kreise zum ersten Male die Par— 
itur von „DTon Juan“. Daß dies alles von außerordentlicher 
zedeutung für die Erziehung des Knaben war, braucht nicht 
esonders erwähnt zu werden. 
Körner war als Kind schwächlich, und erst mit der Kräfti⸗ 
ung seines Körpers entwickelte sjich auch sein Geist, denn ihm 
urde das Lernen bis dahin schwer; aber noch in großer Ju— 
jend liebte er schon die Musik — soll er doch sogar kompo— 
iert haben —, seine Instrumente waren Violine und Zither. 
Das größte Interesse zeigte er jedoch für die Dichtkunst. In 
einem 15. Jahre verfaßte er das Gedicht „Amor und seine 
zeerscharen“, dem schon kleinere Arbeiten für häusliche Feste 
»braufgegangen waren. „Des Feldpredigers Kriegstaten“ ent— 
tand mit 17 Zahren. 
Körner wurde, wie fast alle sene bekannten Zeitgenossen, 
zauptsächlich durch Privatlehrer unterrichtet, jedoch besuchte er 
auch die Kreuzschule zu Tresden. Von 1808 bis 1810 studierte er 
u. Freiberg auf der Bergakademie, um sich durch eifrige Arbeit 
ine selbständige Stellung zu erringen. Aus dieser Studienzeit 
tammen einige kleine Arbeiten, für die man sonsi keine Ver— 
nlassung finden kann und die daher ihrer Eigenart wegen den 
eser befremden können. Es fsind dies das dramatische Gedicht 
Der Kampf der Geister mit den Bergknappen“, das „Berglied“ 
nd 3,Des Bergmanns Leben“, die unter der Ueberschrift 
Knospen“ erschienen sind. 
Im Sommer 1809 unternahm der junge Körner eine Reise 
nädie Oberlausitz und in die schlesischen Gebirge, wo er überall 
»ei den Bekannten seiner Eltern mit Freuden aufgenommen 
vourde. Tie gewaltigen Naturdenkmäler verfehlten auf den 
ür alles Schöne empfänglichen Bergstudenten ihre Wirkung 
richt — rechnete er doch selbst diese Zeit zu der glücklichsten 
eines Lebens. Hier entstanden u. a. die Gedichte Am Elb— 
»runnen“ und „Auf der Riesenkoppe“. 
Zur weiteren Ausbildung bezog Körner dann im Oktober 
310 die Universität Leipzig, wo er Mitglied der Verbindung 
Makaria“ und gleich in wenig erfreuliche Händel zwischen seiner 
zerbindung und einer anderen verwichelt wurde. Tas Ende der 
zänkerei war, dah das Recht mit dem Schläger entschieden 
vurde, wodurch Körner sich eine Gefängnisstrafe zuzog. Er 
eß sich dadurch aber nicht beirren, weiter für seine Verbindung 
inzutreten, so daß er sich bald darauf wieder in derselben 
age befand, doch diesmal zog er es vor, nach Verlin ab— 
ureisen, um sich einer Strafe zu entziehen. Hierhin schrieb ihm 
ein Vater einen Brief, der recht die große Liebe erkennen läßt, 
ie beide verband; eine Herzlichkeit und ein gewisser Ernst, 
edoch kein Vorwurf liegt darin, wem er schreibt: „Du kannsl 
nir nicht schuld geben, daß ich v.nen Pedanten oder Philister 
ius dir machen will, aber von einem Jüngling von zwanzig 
Jahren, dem es nicht an Verstand und Stärke der Seele fehlt, 
anm man in wichtigen Fällen einige Besonnenheit fordern“ usw. 
Anfang Juni 1811 mußte er das Studium in Leipzig wegen 
drankheit wieder abbrechen und ging zur Erhokung mit seinen 
kltern nach Karlsbad, wo er schon im Sommer 1810 mit ihnen 
weilte. In 22 Gedichten, betitelt: „Erinnerungen an Karlsbad“, 
hesingt er den Ort und seine Umgebung. 
Im August reiste er auf besonderen Wunsch seines Vaters 
rach Wien. Mehr und mehr gab er sich hier der geliebten 
Dichtkunst hin, so daß sein Vater, nachdem er auch die pekuniären 
krfolge seines Sohnes wahrgenommen, schließlich seine Zustim— 
nung zum Uebergang zur Poesie gab. Rörner schrieb hiet 
as Trauerspiel „Konradin“ sowie „Die Braut“ und „Der grüne 
NRomino“. Die letzten beiden wurden 1812 in Wien mit großem 
zeifall aufgenommen. Hier erstanden auch „Der Nachtwächter“, 
Toni“ und „Tie Sühne“ schnefl nacheinander, von denen die 
eiden setzten sehr große Ersolde hatten. sowie auch die Ge— 
ichte „Im St. Stephan“ çam Karfreitag), „Im Prater“ u. a. 
Zurch diese Tatsachen ernnitigt, entschloß er sich, den Heldentod 
es ungarischen Grasen Zrinn in einem Trauerfpiel i gestalten. 
zchneller als man erwartete, gelanate das Werk zur Aufführung, 
enn bereits im Dezember desselben Jahres kam es wiederholt vor 
usverkaustem Hause auf die Bühne — die Ungarn waren in 
rosse Begeisterung sür Körner geraten — und am 9. Januar 
313 wurde er mit einem Gehalt von 1500 Gulden als Theater—⸗ 
ichter angestellt. „Nosamande“ und „Joseph Henyderich“ folaten 
Is größere Arbeiten, daneben auch „Der Vetter aus Bremen“, 
Der Wachtmeister“, „PRPie Gouvernante“, „Das Fischermädchen“ 
ind „Der vierjährige Posten“ jowie mehrere kleinere Gedichte. 
Fine für Beethoven bestinemte Oper „Die Rück“ehr des Ullyses“ 
am nicht zur Vollendung. Außer den wenigen angeführten 
Hedichten sei auch noch an seine beiden wohl am meisten ge⸗ 
ungenen Lieder erinnert, an das Gebet hrend der Schlacht“: 
„Vater, ich rufe dich“ und an ,Lzws vilde Jagd“: „Was 
plänzt dor: wom Warde im Sonneruhin?“ Aber noch viele 
indere Gedechte behaupthen in der Fchen Voelie an erster 
Abend-Blatt NUr. 430. 
—— 
Stelle ihren Platz. so auch daslsenige von Harras, dem kühnen 
Springer. Man sieht an dieser groken Zahl von Werken, die 
in kurzer Zeit entstanden, was der Dichter uns hinterlassen 
haben würde, wenn ihn nicht ein früher Tod ereilt hätte. 
Wie Soliman der Große in Körners „Zriny“ nur Knechte 
und keine Rechte kenut, und schon der Name allein dem Volke 
Schrecken einflöhtte, so war 1812/13 Bonaparte der Tyrann 
kuropas. Als am 3. Februar 1813 der König von Preußzen 
»on Breslau aus einen Aufruf erlieh, und zur Bildung frei— 
rilliger Jägerkorps aufforderte, stand bei dem jungen Dichter 
der Entschluk fest, die Leier mit dem Schwert zu vertauschen. 
Er griff aber vorher noch einmal in die Saiten und schuf uns 
den unvergeßlichen „Aufruf“: „Frisch auf mein Volk!“ und 
nan kann wohl die Wirkung und Begeisterung verstehen, die 
jerade dieses Gedicht auslöste. 
Am 185. März reiste er nach Breslau ab, und am 19. Märt 
trat er in das Lützowsche Freikorps ein. In dem 
Dörfchen Roggenau bei Zobten in Schlefien wurde die preu— 
zische Freischar am 27. März von dem Pfarrer Peters einge— 
'egnet; diese auberordentlich feierliche Handlung wurde mit 
einem von Körner gedichteten Choral eingeleitet und mit 
Luthers markigem „Ejn' feste Burg ist unser Gott“ geschlossen. 
darauf gings gegen den Feind nach Dresden — auf diesen 
Marsche wurde Körner zum Oberjäger ernannt — und von 
hier nach Leipzig, wo er bald (am 24. April) zum Ofsizier be— 
ördert wurde. Hatte es bisher nicht daran gefehlt, viele und 
chwierige Aufgaben zu lösen, so begann jettzt eine Zeit der 
Intätigkeit, die Körner sehr verstimmte und ihn zu dem 
zedicht „Mißmut“ veranlaßte, dem er als Ergänzung beifügt 
‚Als ich bei Schandau lange Zeit die Elbe bewachen mußte.“ 
Am 29. Mail unternahm der Malor von Lützow mit vie. 
Schwadronen und einigen Ko'aken e'nen Ritt durch Thüringen 
dörner wurde auf seinen Wunsch Adjutant des Majors. Es 
zing bis Plauen, dann trat Waffenstillstand ein, doch hatten 
die Feinde schon ihr besonderes Augenmerk auf die Lützowscher 
Jäger gerichtet, weil die kühne Schar ihnen manche Ver— 
indung abge'chnitten, Kriegsrorräte wegg:nommen und wich— 
tige Meldungen abgefangen hatte. Wie gern man den Malor 
unfschädlich gemacht hätte, geht daraus hervor, daß Napoleon 
den Divisionsgeneral Fournier trotz des geschlossenen Waffen— 
tillstandes beauftragen lieh, Lützow zu überfallen. Dieser 
vollte sich jetzt mit der Infanterle verbinden und kam glüdlich 
»is in die Nähe Leipzigs — bis Kitzen —, als er sich uner⸗ 
vartet württembergischer Kavallerie gegrrüber sdah. Körrer als 
Adiutant wurde ausgeschickt, um mit dem Feinde zu verhandeln, 
doch statt aller Antwort brachte er eine gefährliche Wunde am 
ropfe heim. Als ihn ein Kamerad in dem nahen Walde ver— 
inden wollte, wurden sie vom Feinde überrascht. Trotz großer 
5chmerzen raffte sich Körner wieder auf und rief mit lauter 
Stimme in den Wald hinein: „Die vierte Eskadron soll vor— 
rücken!“ Was er wohl se bst daum zu hoffen gewagt hatt, trat 
ein: Die Feinde flohen, vorläufig werigstens, denn bald darauf 
lehrten sie zurüd und durchsuchten den Wald, fanden den Ver—⸗ 
vundeten aber nicht. Durch die Vermittelung seiner Kameraden 
vurde er heimlich nach Leipzig zu einem Freunde gebracht und 
»on dort nach Karlsbad. Nach 14 Tagen war er jedoch schon 
vieder soweit hergestellt, daß er nach Berlin reisen konnte. 
Vollständig genesen, begab er sich nach Hamburg und trat 
wieder bei seinem Korps ein, das fast täglich im Gefecht mit 
den Truppen des Feldmarschalls Davout lag. Hier dicht te 6ꝛ 
am 17. August das allbekannte und in diesem Jahre osft er— 
vähnte „Kriegslied für Männer und Buben“: „Das Volk steht 
auf, der Sturm bricht los“, und am 26. August, dem Tag, der 
dem Leben unseres Heldendichters ein Ziel setzen sollte, al— 
chon das Signal zum Angriff geblasen war, „Du Schwert au 
neiner Linken“. In diesen traurigen Stunden verfaßte er das 
ßed'cht „Absch'ed vom Leben“ (Die Wunde brennt), dem er zu⸗ 
etzt: Als ich schwer verwundet und hüflos in einem Gehölze lac 
ind zu sterben meinte. 
Bei Rosenberg, an der Gadebusch⸗Schweriner Chaussee, lam 
s wieder zum Gefecht, und hier sollte ihn die tödliche Kugel 
reffen. Der Feind war stärker, als man angenommen hatte, 
nußte sich aber trotzdem in den nahen Wald zurüczithen. 
Unter den ersten, die ihn verfolgten, war Körner. Er sollte 
edoch nicht weit kommen, denn die Feinde setzten sich hier noch 
einmal zur Wehr und der Dichter wucrde enes ihrer Opfer. 
Wenn auch schließlich die Lützower Sieger blieben: Körrer war 
tot, ihm konnte auch der gelehrte Wundarzt, dem er noch über—⸗ 
geben wurde, nicht mehr helfen. In der Nähe von Ludwigslust 
hei dem Dorfe Wöbbelin, wurde er unter einer Eiche mit allen 
Ehren und unter tiefer Trauer seiner Angehörigen und Kame 
raden begraben. Der Großherzog von Medlenburg-Schwerin 
schenlte die Grabstätte dem Vater des Entschlafenen. Schon 
durch einige seiner früheren Gedichte geht es wie Todesahnen 
In „Leier und Schwert“ unter der Ueberschrist: „Zugnung' 
ttehen folgende Verse. die diese Erinnernngszeilen beschtiesgen 
nögen: 
Laut tobt der Kampf! — Lebt wohl, Ihr treuen Seelen;: 
Euch bringt dies Blatt des Freundes Gruß zurück. 
Es mag Euch oft, recht oft von ihm erzählen, 
Es trage sanft sein Biid vor Euren Blick. 
Und sollt' ich einst im Siegesheimzug fehlen, 
Weint nicht um mich, beneidet mir nmein Glüchk! 
Denn was, berau'cht, die Leier vorqgesungen, 
Das hat des Schmerfes freie Tat errungen. B. 
hermischtes. 
Kleine Tagesereignifse. Am Grabe seines Vaters erschoßg 
ich auf dem Friedhof in Radebeul bei Dresd en der erste 
Borsitzende des Vereins der Buchhändler in Leipzig, Ferdinand 
Lomnitz. In einem hinterlassenen Brief an seinen Bruder gibt 
tan daß er infolge finanzieller Schwierigkeiten aus dem Leeben 
cheide. Lomnitz war seit dem Jahre 1891 Inhaber der be— 
fannten alten Verlägsfirma Georg Wiegand in Leipzig. Er 
var in Leipzeig eine sehr angesehene Versönlichkeit. Groß: Ver— 
uste bei verschiedenen Fitmen haben ihn zum Selbstmord ge— 
rieben. — Riesenunterschlagungen bei der 
Petersburger Commerz-Banlk. In der Getreideab— 
eilung der Petersburger Commerz-Bank sind Unterschlagunden 
na Höhe von 5 Mill. Meentdeckt worden.
	        
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