Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Beelhopens Hymne: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ebre“ 
vor. Während des Gesanges begannen die Glochen zu läuten. Ka- 
nonenschläge fielen und das Geschützfeuer dröhnte aus zwei Batte- 
tijen auf beiden Seiten der DTonau. In dieses Meer von Tönen 
langen wie eine unaufhaltsam anschwellende Flut die Hochrufe 
er Menge. Als der Zug der Fürsten zur Banketk 
halle unter Vorantritt der Edelknaben sich in Bewegung 
etzte und die Sänger, von Militärkapellen begleitet, nunmehr 
Die Wacht am Rhein“ anstimmten, sangen alsbald alle 
t. In der Banketthalle lag das historische Fremdenbuch der 
Zzefreiungshalle aus, in das sich die Bundesfürsten eintrugen. 
delegrammwechsel zw sann dem Pritzreaenten umd Kaiser 
Franz Josef. 
V. Kelheim, 25. Aug. Kaiser Franz Josef richtete an 
en Prinzregenten zu seinem heutigen Namenstage solgendes 
hlückwunschtelegramm: 
In treuer Freundschaft bringe ich Dir heute meinen herz 
ichen Ghück und Segenswunsch zu dem heutigen Na— 
nenstage dar. Franz Josef. 
Dieses Telegramm erreichte den Prinzregenten Ludwig in 
delheim, der folgendes Antworttelegramm sandte: 
Versammelt in Kelheim. gedenken wir in Treue des An- 
eils Oesterreichs anden Befreiungskriegen und 
der innigen, erprobten Freundschaft, die Oesterreich— 
Ungarn mit Deutschland verbindet. Ludwig. 
Darauf ging vom Kaiser Franz Josef neuerdings fol— 
iendes Telegramm in Kelheim ein: 
Herzlich danke ich Dir für Dein freundliches Telegramm. 
Meine Gedanken sind den dort Versammelten geweiht. Ich ge— 
denke gern und mit Genugtuung der Teilnahme Oester⸗ 
eichs an den Befreiungskriegen, sowie der zwischen 
Deutschland und Oesiterreich Ungarn bestehenden erprobten 
Freundschaft. Franz Josef. 
— Aö—T 
heneralversammlung des Zentralverbandes 
für Handel und Gewerbe. 
Unber. Nachdr. verb.) S.xH. Leipzig, 25. Aug. 
Unter Teilnahme von über 400 Tholegierten aus ganz Deutsch⸗ 
and, die über 30 000 Miiglieder der Vereine sür Handel und 
Hewerbe vertreten, begann heute hier im großen Festsaal des 
Zentral⸗-Theaters die 26. ordentliche Hauptversammlung des 
Deutschen Zentralverbandes für Handel und Gewerbe, die zu⸗ 
zleich als eine Jubiläumstagung anzusehen ist, da der Ver⸗ 
band vor 25 Jahren gegründet worden ist. 
Der Vorsitzende Stadtrat Seifert (Leipzig) eröffnete die 
Sitzung mit einer Begrüßungsansprache, in der er ausführte, 
»aß der Verband sich besonders gegen die Warenhäuser 
wende, obgleich diese auf den Handelshochschulen als ein Fort⸗ 
chritt gepriesen würden. Das sei sehr traurigl Wünschenswert 
sei ein Befähigungsnachweis für die Kaufmannfschaft. 
Nach verschiedenen Begrüßungsansprachen gab Syndikus Tr. 
Fritz Ehrhardt Ceipzig) einen Rückblick auf die 285jährige 
Tätigkeit und die Entwicklung des Zentralverbandes für Handel 
und Gewerbe. Hierauf sprach Handelshammersyndikus Dr. Ro dche 
Hannover) über „Kommunale Wirtschaftsunternehmungen“. Er 
var der Ansicht, daß wirtschaftliche Unternehmungen der Kom— 
nunen nicht gutgeheihßen werden könnten. Hierzu lag ein An—⸗ 
rag des Vereins zur Wahrung städtischer und geschäftlicher In— 
reressen in Koblenz vor, der von Kaufmann Hofmann (Koblenz) 
begründet wurde. Derselbe lautet: „Die 26. Hauptverfammlung 
des Teutschen Zentralverbandes für Handel und Gewerbe erhebt 
kinspruch gegen die Beschaffung von Lebensmitteln durch die 
ommunen, sofern nicht eine auberordentsiche Notlage vor— 
janden ist, und ersucht den Deutschen Handelstag und die Han— 
»elskammern sowie die Gewerbe⸗- und Handwerkskammern, die 
Interessen des DTetailhandels und Kleingewerbes, die durch dieses 
Vorgehen schwer geschädigt werden, nach Möglichkeit zu ver— 
reten.“ — In der Aussprache ocklärten sich sämtliche Redner 
nit der Resolution einverstanden. Hamam (Hamburg) bean— 
tragte folgenden Zusatz: „Es eischeint unbedingt nötig, daß 
bei etwaiger Bildung von Notstands⸗ oder Teuerungsausschüssen 
eitens der Gemeinden oder der Städte Vertreter der amtlichen 
uind fachlichen Handelsvertretungen els Sachverständige zugezogen 
verden.“ — Ein Antrag Hamover will die Worte „sofern nicht 
ine außerordentliche Notlage vorhanden ist“, gestrichen wissen. 
der Antrag wurde samt dem Zusatzantrag unter Streichung der 
rwähnten Worte angenommen. 
Hierauf referierte H. Behn, Lübech über „Ausbil⸗— 
sßung des weiblichen kaufmännischen Personafls“ 
———00 — — — —— 
„ie eine, eine kleine keche Blondine, fragte, auf die Stühle 
deutend, mit unbefangenster Miene: 
„Die Plätze sind wohl noch frei?“ 
Nein, solche Unverfrorenheit! Aber doch in all den ent⸗ 
üsteten Mädchenherzen ein geheimer Neid: Warum hatte man 
»as nicht selber gewagt? Tas atte man von seiner Schicklich- 
eit, seiner Zurüdhaltung! Und alles lugte, auf das höchste 
jespamt, weiter zu dem Tisch am Fenster hin: Wie würde 
er sich nun benehmen? 
Mit unveränderter Ruhe hatte Heinz Keßler die Annähe—⸗ 
ung der jugendlichen Tamen geschehen lassen. Erst jetzt, bei 
»er Anrede der einen, wandte er eicht den Kopf herum, als 
hemerkte er sie nun erst. Einen Augenblich sah er die kecke 
Fragerin stumm an, aber mit einem seltsamen, erstaunten Blich, 
»aß sie doch ihre Sicherheit zu verlieren begann. Tann aber 
uickte er, ein wenig nachlässig: 
„Bitte sehr. Ich wollte sowieso gehen.“ 
Und mit einem gemessenen Gruh stand er auf. 
Der dreisten kleinen Blondine schoß das Blut ins Gesicht. 
SZie verstedte ihr Antlitz hinter dem breiten Hutrande. Aber 
sie hörte doch das leise Raunen und Kichern an allen Tischen 
rinasum. Brillant! Die hat er abfallen lassen. Und die eben 
noch so enttäuschte Sittsamkeit triumphierte alsbald wieder. 
Auch Kyllburg hatte den Vorgang beobachtet — mit geteilten 
Empfindungen. 
Im Grunde konnte auch er Keẽsler seine Anerkennung nicht 
versagen. Und doch wieder ärgerte es ihn, daß er sich so 
henommen. Es wäre ihm selber eine gehetme Genugtuung ge⸗ 
vesen, wenn sich jener anders gezeigt, wenn doch einmal 
zei ihm der eitle, eroberungslustige Theaterheld zum Turch— 
bruch gekommen wäre. Denn dan er dies trotz seiner äußeren 
Reserve war, das ließ er sich nicht ausreden. Mein Gott, kein 
Wunder auch, wenn einem Tag ur Tag so viel Weihrauch ge— 
treut wurde! Tas muß ja den Kopf benehmen. Und über— 
zaupt — es geht keiner ungestraft unter die Komödianten. 
Tas Geschäft färbt ab. 
So rief es sich Kyssburg m Stillen zu. Mit beflissenem 
Nachdruck, als gälte es rine andere Stimme zu übertönen, 
»zie ihm leise sagte: Ist das anständig? Mit welchem Recht 
arteilst du so über jemand, den du doch noch gar necht kennst? 
der Redner führte aus, dan die Ausbildung der weiblichen kauf— 
rännischen Angestellten sehr viel zu wünschen übrig lasse 
ks sei notwendig, daß die jungen Mädchen eine Fortbildungs— 
chule besuchen, eine Pflichtfortbildungsschule wäre indessen nicht 
inzustreben. Die meisten Frauen scheiden gewöhnlich zwischen 
ent 20. und dem 30. Lebensjahre aus dem kaufmännischen Be— 
uf aus, da sie dam heiraten, und so würden unnötigerweise 
iele Kosten verschwendet. Die gröhten Bedenken gegen die 
zflichtfortbildungsschule erblicht Nedner in dem Mangel einer 
inheitlich geregelten Lehrzeit, die für das weibliche Personal 
icht so besteht, wie für das männliche. Wenn nicht auch eine 
jortbildungsschulpflicht der weiblichen gewerblichen Angestellten 
urchgeführt ist, läht sich die Schulpflicht der weiblichen Handels⸗ 
ingestellten auch nicht gut durchführen. Es wurde dann folgende 
desolution angenommen: „Der Deutsche Zentralverband für 
zandel und Gewerbe erblickt in dem öffentlichen kaufmännischen 
Interrichtswesen ein tüchtiges Mittel für die nötige Hebung der 
Leistungsfähigkeit des weiblichen kaufmännischen Personals. Die 
lusdehnung des Fortbildungsschulzwanges auf die weiblichen 
aufmännischen Angestellten kann solange nicht gutgeheißen 
berden, als für weibliche Angestellte nicht ebenso wie für männ⸗ 
iche eine ordnungsmäßige mehrjährige Lehrzeit eingeführt und 
icht auch das gewerbliche weibliche Personal dem Fortbil—⸗ 
ungsschulzwang unterworfen ist. Tagegen erklärt der Deutsche 
»entralverband für Handel und Gewerbe, schon jetzt tunlichst 
wallen Städten für weibliche Handelsangestellte geeignete öffent⸗ 
che Fach- und Fortbildungsgelegenheit mit freiwilligem Schul— 
esuch einzurichten und hält in dieser Beziehung namentlich die 
rrichtung von einjährigen Handelsvorschulen sowie von Ver— 
äuferinnenschulen oder Kursen für wichtig.“ Die Resolution 
urde angenommen, außerdem ein Zusatzantrag König (Dessau), 
n welchem die gesetzliche Lehrzeit für die weiblichen Ange— 
tellten gefordert wird. 
Hierauf referierte Stadtverordnete Junchersdorf 
Dresden) über das Thema „Das Konsumvereinswesen 
n Deutschland, eine wirtschaftliche und po— 
itische Gefahr für das Reich“. Hierzu war von dem 
Jerein gegen das Unwesen in Handel und Gewerbe in DTresden 
olgende Resolution eingebracht worden: „Der Zentralver— 
andstag erblicht in dem weiteren Wachsen der Konsumvereine, 
adem Uebergang derselben zur Eigenproduktion und in der 
ngen Verbindung der Konsumvpereine mit der sozialdemo⸗ 
catischen Partei eine schwere Gesahr nicht allein für den im 
zandel selbständigen Mittelstand in Stadt und Land, sondern 
uch für Staat und Reich selbst. DTurch den Ausbau der Or⸗ 
anisation der Konsumpereine erwächst nach und nach ein in sich 
bgeschlosener Staat im Staate, dessen finanzielle Kräfte den 
Sozialdemokraten gegebenenfalls zur Verfügung stehen. Ein 
ingreifen gegen diese durchaus ungesunde Entwicklung von 
ztaats wegen erscheint dringend geboten, wenn nicht mit dem 
Schwinden des selbständigen Mittelstandes dem Staat seine bis— 
erige wirtschaftspolitische Grundlage entzogen werden soll.“ 
In der Aussprache beschwerte sich Damm (Furtwangen), 
zah die Konsumvereine dem Gesetz zuwider auch an Nichtmit—- 
lieder verkaufen; es ließe sich das aber sehr schwer feststellen, 
a den Detaillisten durch das Gesetz verboten sei nachzuforschen, 
ver von den Käufern Konsumvereinsmitglied sei. — Der 
zorsitzende Stadtrat Seifert stellte darauf fest, dah diese 
tlagen berechtigt seien, aber es ließe sich nichts dagegen 
nachen, da den Detaillisten in dieser Richtung die Hände völlig 
ebunden seien. — Janssen Elberfeld): Im Wuppertal sind 
ach der Landtagswahl Flugblätter verteilt worden, auf 
elchen die Namen derjenigen Kaufleute standen, die bei den 
landtagswahlen bürgerlich gewählt hatten. Gört! hört!). 
in den Flugblättern wird den sozialdemokratischen Wählern 
mpfohlen, bei diesen Detaillisten nichts zu kaufen, sondern 
ur in den Konsumvereinen. (Eneutes Hört! hört! und Un— 
uhe). Bei der letzten Reichstagswahl haben wir Gott sei Dank 
inen nationalen Mann in den Reichssstag entsenden 
znnen. Da hatten wir aber auch geheime Wahl. Trotzdem 
aben die Genossen es in Erfahtung gebracht, wer in der 
eheimen Wahl gegen den Sozialdemokraten gestimmt hatte 
Benn sich der Bürgerstand einmal aufrafft, um seiner nat'o— 
jalen Pflicht zu genügen, so ist der Dank für die Gewerbe— 
reibenden der Verlust der Kundschaft. (Sehr wahr!) — Die 
Resolution wurde hierauf angenommen und die Weiterbera— 
ungen sodann auf morgen (Dienstag) vertagt. 
——— 
Das ist doch sonst nicht deine Gewobhnheit. Also Voreinge⸗ 
nommenheit, Feindseligkeit. Aber“ warum? Was sür einen 
Anlaß dazu hat dir ejner andere denn gegeben? 
Mit zusammengezogener Stirn blidte Kyllburg auf den 
Brand seiner Zigarette. Tann folgte sein Blich Keßler, der 
etzt das Café verließ. 
Da drückte er kurz seine Zigarette in der Aschenschale aus. 
Bald darauf ging auch er. 
⸗ * 
(Fortlebung folat.) 
Theater, Kunft und Wissenschaft. 
DT. Das Neue Hessische Landesmustum in Kassel. Das neu 
rbaute Hessische Landesmuscum ist Sonnabend feierlich er— 
iffnet worden, wie wir bereits berichteten. Die aukerordentlich 
ielseitigen Sammlungen des Muscums verdanken ihre Ent— 
ehung der Liebhaberei hessischer Fürsten des 17. und 18. 
zahrhunderts. 1775 wurden die wertvollen Schätze zuerst der 
zeffentlichkeit zugänglich gemacht und von Friedrich dem Zwei— 
mn in einem eigenen Hause, dem Musenm Friedericianum 
ntergebracht. Unter der Regierunszeit Jeromes damen viele 
ostbarkeiten des Mnseums abhanden, und erst als Hessen⸗— 
rafsel preußisch geworden war, wurde die Verwaltung und 
rganisation des Museums straff und ziebewußt gehandhabt. 
doch es zeigte sich bald die Notwendigkeit eines Neubaues, der 
n Jahre 1906 endgültig beschlossen wurde. Der preußzische 
andtag bewilligte seinerreit 400 000 MeZuschufz zu den Bau—⸗ 
osten. Weitere 400 000 Mewurden durch namhafte Stiftungen 
on Körperschaften und privater Seite aufgebracht. Im Auf⸗ 
rage des Kultusministeriuns begann dann im Jahre 1010 
zrof. Theodor Fischer-München mit dem Bau des neuen 
zauses, zu dem die Stadt das Grundstück geschenkt hat. Das 
rwnumentale Haus fügt sich dem Stadtbilde aufßerordentlich 
orteilhaft an. Das Museum ist durch die Sammlungen der 
ztadt Kassel, der Gewerbehalle, des Vereins für Hessische 
5 chichte und Volkslunde und durch viele Neuerwerbungen sehr 
rweitert worden und gibt in seiner Gesamtheit ein getreues 
Bild von Kunst und Gewerbefleihn des Hessenlandes bis auf 
misere Tage. 
Vom Balkan. 
Griechische Seeresreform. 
DT. Athen, 25. Aug. Die griechische Regierung erachtet 
ine großzügige Heeresreform als erste, dringende Aufgabe. 
das Königliche Generalquartier soll in einen ständigen, mit 
em Kriegsministerium in Verbindung stehenden Generalstab um— 
ewandelt werden. Die Rekrutierungsarbeiten in den noeu— 
rworbenen Provinzen werden beschleunigt, die Zahl der 
divisionen um zwölf vermehrt. Die neue Grenze will man 
ark befestigen, das Kriegsmaterial erneuern und die Reserve⸗ 
ibungen verlängern. Zahlreiche Offiziere treten zur Vervoll— 
tändigung ihrer Kenntnisse in die deutsche oder französische 
Uumee ein. 
Br't'jche Meor vpeosf zierr für Griechenland. 
DT. London, 25. Aug. Wie bereits gemeldet, will die 
riechische Regierung britische Marineoffiziere als Instrukteure 
instellen. Nunmehr hat England auf Ersuchen der griechischen 
kegierung 18 Marineoffiziere unter dem Befehl des Admirals 
darr für die Reorganisation der griechischen Flotte zur Ver⸗ 
ügung gestellt. Die Offiziere scheiden während ihrer Tätigkeit 
n Griechenland aus dem britischen Flottenverbande aus, werden 
wer nach vollendeter Reorganisation unter Anrechnung ihrer 
Dienstjahre wieder eingestellt. 
Bevorstehende Erleinneng der bulgarüsch-türlichen 
Sonderrerhaudlungen. 
DT. Paris, 25. Aug. Der Konstantinopeler Berichterstaͤtter 
»es Temps meldet, daß der bulgarische Unterhändler Natsche⸗ 
vitsch noch keinen offiziellen Aufträg zur Verhandlung mit 
»er Pforte erhalten hat. Seine Regierung habe ihm viel— 
iehr bis jetzt vollständig freie Hand gelassen, damit er als 
iplomatischer Freibeuter die Stimmung am Goldenen Horn 
esistellen und erkunden könne, zu welchen Bedingungen die 
Türkei sich bereitwillig zeige. — Nachrichten aus Vetersbusg 
ind Wien, wo unter den Augen der russischen und österreichi⸗— 
chen Regierung Sonderbesprechungen zwischen den diplomatischen 
Bertretern Bulgariens und der Pforte stattfinden, lassen jedoch 
ttkennen. daß Bulgarien direkte Verhandlungen einer Inter— 
vention der Mächte vorziehen würde. Man erwartet daher 
n allernächster Zeit die Eröffnung direkter Verhandlungen mit 
»em Großwesir. 
* 
Deutsches Reich. 
Anfumft der Kaiserin in Vosen. Die Kaiserin ist gestern 
zon Bad Homburg im Sonderzuge um 4 Uhr nachmittagas in 
zosen eingetroffen. Zum Empfang vor dem Neuen Kaiser— 
avillon hatten sich eingefunden: die bereits eingetroffenen 
zrinzen und Prinzessinnen des Königshauses, Prinz August 
Vilhelm und Gemahlin, Prinz Oskar und Prinz Joachim, ferner 
ie zum Dienst bei der Kaiserin bestimmten Kammerherren: 
zchlohhaurptmann Graf Hutten-Czapski und Zeremonienmeister 
on Hardt, endlich der kommandierende General des fünften 
Irmeeferps, General der Infanterie von Strantz, der Koni— 
nandant der Festung Posen, Generalleutnant v. Koch und 
Rberprösident v. Schwartzkopff. Die Kaiserin begab sich in 
inem à la Daumont gefahrenen Wagen zum Könialichen 
kKesidenzschloß und wurde auf dem Wege dorthin von 
iner vieltausendköpfigen Menschenmenge herzlich begrüßt. Die 
Zaiserin nahm im Schlosse Wohnung. Im Ehrenhofe bhatte 
ine Komragnie des siebenten Grenadierregiments Aufftellung 
enommen. 
DT. Eiune Bismardfeier wird am 31. August in Fried⸗ 
ichsruh vom Landesverband für Jugendpflege 
eranstaltet. Durch Abordnungen der Jugendvereine erforgen 
zranzniederiegungen im Mausoleum des Altreichskanzlers. 
zeneraifeldmarschall von der Goltz wird an der Bismarcsaͤule 
uf dem nahen Hamberge die Festrede halten. Mit rinem Vor⸗ 
eimarsch der Jugendvereine an dem Generalfeldmacschall von 
ber Goltz schließ! der Festakt. 
DT. Der Werftarbeiterstreil. Die Nieter und Holzarbeitet 
n Stettin haben in ihren gestrigen Versammlungen be— 
chlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen und zwar unter An—⸗ 
rkennung des Arbeitsnachweises der Unternehmer. Dadurch 
»äre der letzte Anstoß gefallen, an dem die bisherize Bei⸗ 
egung des Streiks scheiterte. Von den Werftleitungen ist jedoch 
och deine Nachricht eingetroffen, wann die Arbeitsnachweise 
ieder eröffnet werden. Die Stettiner Werftleitungen richten 
ich nalurgemäß nach den Beschlüssen des Vereins der Eisen⸗ 
adustrielien. — Die Nieter und Bohrer in Bremerhaden, 
wei Hauptlategorien der Werftarbeiter, haben heschlossen, den 
zorbud der Holzarbeiter entsprechend, die Arbeitsnachweise nichl 
inzuerkennen. Damit wird der Streik auf den Unterweserwersten 
ortgesetzt. 
Wahlprüfungen im Umherziehen? Von einem Reichs 
agsabgeordneten wird uns zu unserer Notiz „Ein Reichstags 
ericht frr Wahlprüfungen“ (Nr. 427) geschrieben: Aus inneren 
ind Guferen Gründen kann diese Mitteilung keinen Anspruch 
uf Glaubwürdigkeit erheben. Zunächst ist undenkbar, dab. ein 
Hericht bei der Masse der einlaufenden Wahlproteste an hundert 
der mehr Orte (Landgerichtssitze) hänziehen und Recht jprechen 
önnte. Ebenso unmöglich ist das in Ausnahmefällen vor— 
jesehene sofortige Verbot der Mandatsausübung, das nich! 
inmal der Gesamt-Reichstag auf reine Verdachtsgründe hin 
ussprechen darf. Vor allem aber steht der Richtigkeit der 
Neldung entgegen, daß die Mitglieder der verstärkten Ge⸗ 
chäftsordnungskommiffion des Reichstages, die sich gegenwärtig 
n Ferien besinden, vor ihrem Auseinandergehen einen derartigen 
Zorschlag weder sormuliert noch irgendwie besprochen haben. 
zs liegt ihnen lediglich der bekaunte Antrag Bassermann und 
henossen auf Einsetzung eines besonderen Gerichtshofes für Wahl— 
„rüfungen vor, und sie werden erst im Herbst, nach Wieder— 
usammentritt des Reichstages, an die geschäftliche Erledigung 
dieses Antrages herantreten. 
Ausland. 
Oeste rreich⸗ Ungarn. 
DT. Russische Audienz bei Kaiser Franz Josef. Die Wiener 
Allgemeine Zeitung meldet offiziös aus Bad Ischl: Der russische 
zoischafter am Wiener Hof, Herr von Giers, wird heute vor— 
nittog 11 Uhr vom Kaiser Franz Josef in Audienz empfan— 
sen. Die Nachricht, daß Herr von Giers beim Kaiser heute 
abschiedsagudienz erscheinen und sein Abberufungsschreiben 
betreichen werde, ist unrichtig. Der Anlaß zu der heutigen 
udienz ist vielmehr folgender; Am 18. Oktober findet in 
eipzia die Hundertjahrfeier der Vöhkerschlacht o »n Leiup⸗— 
ig stati. Bei dieser Gelegenheit wird sich Erzherzog Franz 
erdinand nach Leipzig begeben, um der Einweihung sür die, in 
er Schlacht gefallenen Hesterreicher heizuwohnen. Nun hat 
uch die russische Regierung eine russische Gedächtniskirche er— 
qu?t. und es wird die Einweihung durch einen feierlichen Gottes— 
ienst vorgenommen. Herr von Giers ist nun beauftragt, 
zalser Franz Josef zu biften, daß Erzherzog Franz Ferdinand 
jelsen Gottesdienst beiwohnen möge
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.