Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausqahe — 
Tagesbericht. 
Lübecd, 24. August. 
Entwurf 
zu einem neuen lübeckischen Einkommensteuergesetz. 
—4. 
Keine Erhöhung der Mindeststeuergrenze. 
Die Senatsvorlage schlägt ämes 3 vor. Einkommen von 
nicht mehr als 600 H steuerfrei zu lassen, Die mit, der er— 
neuten Prüfung der Senatsporlage, betraute Kommission der 
Bürgerschaft hät in hrer Mehrheit den Anfrag der Min— 
derheit die Grenze des steuerfreien Einkommens 
hinaufzusetzen, nach eingehender Beratung 
lehnt. Eine Erhöhung auf 1000 M. wie von einem Mit— 
gliede angeregt war, hätte bereits einen Ausfall von rund 
37,900 MV herbeigeführt. Bei einer Erhöhung auf 800 Mi 
hätte der Ausfall immer noch rund 12 000 Mibetragen. Da 
anderseits die Erhöhung der Mindeststeuergrenze, wollte man 
nicht zugleich eine Verfassungsänderung ovrnehmen, einer 
Reihe von Familienvätern — bei einer Erhöhung der Mindest⸗ 
steuergrenze auf 1000 Meäüber 300 — das Wahlrecht ge— 
nommen hätte, und allzu große Härten durch Anwendung des 
8* 7T. EErlaß der Steuer) beseitigt werden können, hat die Kom⸗— 
mission davon Abstand genommen, überhaupt irgendeine Er— 
höhung vorzuschlagen. 
Die Einnahmen des Steuerpflichtigen auf Grund der 
Reiche verficherungs ordnung und des Angestelltenversicherungs⸗ 
gesetzes follen steuerpflichtig bleiben. 
Der Anregung eines Mitgliedes, duszusprechen, daß die 
auf , Grund, der Reichsversicherungsordnung und des Ver— 
sicherungsgesetzes für egeeee bezogenen Leistungen vom Ein— 
kommen abzugsfähig seien, hat die Kommission ebenfalls nicht 
folgen können. Es würde das eine Ungleichheit in der Be— 
teuerung der Sieuerpflichtigen bedeutet haben. Die genannten 
Bezüge sind richtiges Einkommen, ebenso wie beispielsweise die 
Pensionen der Beamten. Der Umstand. daß die Bezugsbe— 
rechtigten der in Frage stehenden Zahlungen bereits durch 
Krankheit, Unfall und Alter in ihrem Einkommen geschmälert 
seien, kann auch nicht herangezogen werden; denn abgesehen 
davon. daß manche Personen, wenn ihnen eine Unfallrente 
und Krankengeld zugesprochen wird, nicht schlechter stehen als 
vorher, gibt es auch große Bevölkerungskreise, wie die kleinen 
Gewerbetreibenden und die in freiwilligen Kassen Versicher⸗ 
len, die ebenfalls durch Unfall und Krankheit eine empfind⸗ 
liche Einbuße in ihrem Einkommen erleiden und doch keine Er— 
leichterung bei der Einkommensteuer erfahren. Diesen gegen— 
über würde die angeregte Bestimmung eine Ungerechtigkelt be— 
1tem 
Steuerfreiheit des „Gnadenvierteljahrs“. 
Sodann empfiehlt die Kommission, einer Anregung des 
Senatskommissars folgend. die Einfügung einer Bestimmung. 
wonach das Einkommen, welches Hinterbliebene von Beamten 
für das Gnadenvierteljahr beziehen. von der Steuer freibleibt. 
Die Witwe eines Becmten hat an sich gemätzes 10 Absatz,3 
alles Einkommen, das ihr vom Tode ihres Mannes zufließt, 
also auch die Beträge des Gnadenvierteljahrs, zu versteuern. 
Es ist das eine unbillige Härte, da diese Beträge gerade als 
eine Zuwendung vedacht find, die der Witwe üͤber die ersten 
durch den Tod des Mannes verursachten Sorgen hinweghegen 
joll. Es kommt hinzu, daß die Steuer für die gesamten Be— 
träge, von dem wesentlich niedrigeren Witwengeld zu zahlen 
ist. Die Kommission will daher, ebenso wie dies üun Großherzog⸗ 
tum Oldenburg und Fürstentum Lübed bereits der Faäll ist 
die Beträge des Gnadenvierteljahrs von der Steuer besreien. 
Einen nennenswerten Einnahneausfall wird diese Neuerung 
uicht, bringen. — —. 
Keine geketzliche Festlegung der Windest⸗ und Höchstzahl der 
iährlich zu erhebenden Steuereinheitssätze. 
Im s8 5 Abs. 1 des Senatsentwurfs wird bestimmt. daß 
die Einkommensteuer auf nicht weniger als vier und höchstens 
Auf sechs Einheitssätze festgesetzt werden soll. Die Bürger— 
ichaftskommission einpfiehlt die Streichung dieser Bestimmung. 
„ Die gute Wirkung dieser Bestimmung nach außen ist sicher⸗ 
lich nicht zu leugnen. Da jedoch bei der heutigen Finang age 
damit gerechnet werden muß, daß trotz dieser Sollvorschrft 
und des guten Willens, ihr zu folgen, vielleicht schon bei 
der ersten Budgetheratung nach Erlaß des neuen Einkommen— 
tenergesetzes über sechs Einheiten hinweggegangen werden muß, 
empsiehlt die Kommission, schon um beĩ auswärts Wohnenden 
keine Irrtümer zu erwecken. die Streichung dieser Worte. 
Ablehnung einer Aenderung der vom Senat vorgestligenen 
Einheitssätze der Steuer. 
Im Abs. 2 des 8 5 isst die Skala der Einheitssätze der 
Stener von Einkomnien von 600 Mubis über 40 000 M 
aufgeführt. 
Von einem Mitgliede der Kommission war eine ver— 
änderte Steuerstala vorgel«gt worden. welche die kleineren Ein— 
kommen geringer besteuern, den entstandenen Einnahmeausfall 
aber durch erhöhte Steuerfätze hei den grötßzeren Einkommen 
wieder gusgleichen wollte. Die Kommission ist dem nicht ge— 
jo at. Lüheck besitzt verhältnismähig, mur wenige große Ein— 
kommen. Die jetzt bestehende Progression der Einkommensteuer 
bringt es schon mit sich daß von den Einkomnmen über 6000 MN., 
d. s. 4,60 o der Siteuerzahier, 6728 o0 der Steuer aufgebracht 
werden, während demgegenüber von den Einkommen von über 
2000 bis 6000 M, d. f. 18,86 60 der Ssenerzahler. 20 176 
der Steuer und von den Einkommen bis 2500 Vi. des. 76, 54 04 
ber Steunerzahler, nur 12,55 00 der Steuer aufgebracht werden 
Jalresbericht der Steuerbehörde von 1911)7Kaänn man 
s daher einerseits nicht als billig bezeichnen, diefes Ver— 
ältnis weiter zuungunsten der größeren Einkommen zu ver— 
chieben. so ist es andererseits aͤußerst hedenklich durch eine 
veitere Verstärkung der Progression die Gefahr herauftu— 
deschwören, die größeren Einkommen, auf die doch der lübedische 
Staat. wie das Vorstehende ergibt. in hohem Maße ange 
wiesen ist. zur Abwanderung zu deranlassen oder vom Zuzige 
sernzuhalten. Besondere Vorsicht ist für Lübed in dieser Hin— 
icht deshalb geboten, weil hier bereits eine hohe Fenahe 
3 erhoben wird, und weil serner bei einer höheren Be— 
teuerung der größeren Einkommen diese in Lübed ichlechter 
gestellt wären, als in viesen preußischen Städten qlescher Größe 
und insbesondere in Hamburg. Vor, allem muß Bedacht darguf 
zenommen werden. die Einkommensteuerverhältnisse gegenüber 
Hamburg, richtig abzuwägen, da sonst leicht die bereits be— 
sehende ständige, erheblich Abwanderung nach dort noch ge— 
ziieigert werden würde. 
Abgrenzunng der Steuersinfen. 
Die Bestimmung des Absatzes Z des 85, daß jedes ange— 
angene Hundert, für voll gerechnet wird, bringt' mancherlei 
Härten. Zwar find überall, wo im Gesetz Steuerskalen fest 
oesetzt sind, gewisse Härten bei den Grenzen der Siglen nicht 
zu vermeiden. Es ist auch bis jetzt vergeblich versucht hier 
eine befrie digende, alle Härten beseit'gende Lösung zu finden. 
Man wird sich daher darauf beschränken müsfen. die größten 
dätten abzusteslen. In Lübed sind in dieser Beziehung dbeffere 
Berhältnisse als auswärts, weil die Steuergrenzen hier von 
Hundert zu Hundert verlaufen, doch kommt es auch hier. 
sbesendere bei den Beamten. durchaus nicht sellen vor, 
Wß jemand mit seinem Einkommen gerade noch eine höhere 
Zteuerstusfe errcicht nach Abzug des höheren Steuetfatzes ober 
ich schlechter steht, als wenn er in der niedrigeren Steuer— 
tufe verhlieben wäre. Derartige Härten müssen aber auf 
eden Fall vermieden werden. Die vorgeschlagene Bestimmung, 
daß. die eintretende Erhöhung der Sleuer nicht größer sen 
aurf, als das angefangene Hundert, trägt den voistehenden 
*rwägungen nach Ansicht der Kommiss'on am besten Rechnung. 
zen nennenswerten Ausfall bringt diese neue Bestinmung 
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Sonntag, den 24. Auqust 1915. Morgen⸗Blatt Ur. 426. 
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wean wint —daststannmer für das Gebiet der freien Hanfje⸗ 
ttadt Lübeck. Im Bericht üher das Geschäftslahr 1912,13 wird 
unächst Mitteilung gemacht über den Stand der gesetz— 
ichen, Regelung der, Aufhebung der, auts⸗ 
errlichbäuerlichen Verhältniffse und die Ab— 
süsung der Realiasten, und erklärt, daß die Landwirt⸗ 
haftslammer mit, der Stellungnahme der Bürgerausschuß⸗ 
ommissijion zum Abhlösungsgesetz zufrieden sein könne. da die 
Zommission in allen wesentlichen Punkten die Ansichten der 
andwit tschaftskammer zu den ihrigen gemacht hat. Ueber 
ie noch strittig gebliebenen Punkte, hat die Landwirtschafts⸗ 
ammer sich gutachtlich geäußert und sie hofft nun mit der 
Züroerausschußkommission datz gunmehr die Senatsvorlage 
pätestens zum 1. Aprilen. J. Gesetz werden wird. Weiter 
eilt der Jahresbericht mit, daß sich die Züchter, des rot⸗ 
unten Rindviehes im lübeckischen Staatsgebiet zu 
iner „ZZüchtervegeinigumg zufammengeschiofsen, haben. 
)er, Vorstand des Vereins ist zugleich als Körkonimission be— 
ellt worden und hat im letzten Frühjahr 15 rotbunte Stiere 
ngelört; im Herbst, nach erfolgter Aufstallung des Rind 
ehes. gedentt die Körkommission guch eine Körung des Milch 
siehes vorzunehmen. Mit Unterstützung der Landwirtschafts 
amn.er hat die Vereinigung zwei gule Dedlssiere erworben. 
rerner wird im Jahresbericht mitgeteist, daß das Arbeits 
‚ebiet wie auch die Mitgliederzahl der Herobuchgesell— 
chaft Lübed (Vereinigung der Züchter des schwarzbunten 
ie derungsviehes) im letzten Jahre eine erhebliche Erweiterung 
rfahren hat. Die Zahl der Gesellschafter ist von 68 auf 95 
zestiegen. Das Geschästsgehiet erfuhr dadurch eine Erweite- 
ung, daß die lübedischen Domänen und manche Hufner aus 
n Enklgven Behlendorf, Albsfelde. Ritzerau. Russe Poggensee. 
?chtetstaken und, Tramm, welche bisher in züchierischhet Be— 
iehung mehr mit dem Herzogtum Lauenburg als mit Luded 
n Verkehr standen, für die Herdbuchgefelischaft gewonnen wur— 
»en. Des weiteren verdient hervorgehoben zu werden. dah 
s der Herdbuchgesellschaft gelungen ist, nicht nur mit den 
ben genannten lübeckischen Landwirten engere Beziehungen anzu⸗ 
napsen, sondern auch eine Anzahl benachbarter Landwiete aus 
em, Herzogtum Lauenburg, dem Kreise Stormarn und den 
ürstentümern Lübeck und Ratzeburg zum Anschluß und 3 
Ritarbeit heranzuziehen und damnit den bisher etwas 
errissenen Zuchtbezirk abzurunden. Neu angekört wurden ini 
rrühiahr 1812 rund 330 Kühe und 50 Sliere. mithin rund 
80 Stüd. Entsprechend der bedeutend angewachsenen Mit— 
zliederzehl stieg das Ergebnis der Körung im Jahre 1913 
un 00 uf, 800 Rinder. — Unterstuͤzt wurde die 
der dbuchgesellschaft von der, Landwirtschaftskammer mit einem 
Beihag von 4800 WVi. welcher wiederum wie in früheren 
Jakren zum Ankauf guter ostfriesischer Zuchtstiere verwenden 
wiurde. Insgesamt taufte die nach Königsberg gesandte Kom— 
nission sieben junge, schöne Bullen im Alter von durchschnitt— 
ich 14 bis 15 Monaten. Sie wurden unter großem Andrange 
er Mitglieder am 21. Oktober v. J. „Jierselbst versteigert. 
Sämtliche Käufer sind anscheinend mit den auf diese Weife 
ezogenen Tieren und nicht minder mit der Nachzucht der 1910 
jelauften ostfriesischen Bullen recht zufrieden. Die Herdbuch⸗ 
zeellschaft hat daher in Aussicht genommen. aquch mit dem 
Bezug von Zuchtmaterial aus diesfem hochstehenden Zucht 
»ezirk fortzufahren. — Angesichts der regen Täligkeit und 
des in stetiger Zunahme befindliken Geschäftskreises der beiden 
zenannten Rindviehzuchtvereine konnte der Umfang der Ge— 
chäfte der, von der Landwirtschaftskammer, eingesehten, Kör- 
ommission für schwaärz⸗ und rotbuntes Rind— 
vpieh nur ein geringer sein. Angekört wurden durch diese 
Körkommissionen von der schwarzbunten Zuchtrichtung 25 und 
von der rotbunten 7 Stiere. Auch hiert wird das vorge 
führte Zuchtmaterial laut Bericht der Körkommissionen von Jaͤhr 
u Jahr besser. Abgekört wurde ein schwarzbunter Stier. 
Von den quswärtigen, in lübeckischen Entlaven tatigen 
Rindviehzuchtvereinen wurde der St. Georgsberger Rindoeh— 
uchtverein mit 400 Muunterstützt. Die Summe dient als Bei— 
hilfe zum Ankauf, von zwei Dechstieren für die Gemeinden 
Hiesensdorf und Behlendorf. Unterstützt wurde ferner der 
m Berichtjahr ins Leben getretene Bullenhaltungsverein 
Düchelsdors, welchem sämtliche Hufner im Ort als Mitglieder 
eigetreten sind. mit 200 M, ais Beihilfe für den vom 
Icrein in Leusahn gekauften erstklasssgen schwarzbunten Zuücht— 
»ullen. — Die Taätigkeit der Pferdezuchtgenofssen- 
sch aftt. über deren Gründung im Voriahle berichtet werden 
omnte. war auch im Jahre 1912 durch die Nachwehen der 
Maul⸗ und Klauenseuche beeinträchtigt. Wie im Voriahre. 
so wurden der Pferdezuchtgenossenschaft auch in diesein Jahre 
300 Mauzur Unterstützung des Änkauss von rheinisch belgischen, 
sannoverschen und oldenburgischen Zuchtfohlen zur Verfügung 
zestellt. Die Summe ist jedoch nicht gebraucht worden da 
s für die Landwirte im Geschäftsjahr die erste Sorge war, 
»em, durch die Maul- und Rlauenseuche milsgenommenen Rind— 
diehbestand aufzuhelfen. Der iedeien wird dafür in den 
aächstkolgenden Jahren voraussichtlich erhöhte Fürsorge zuge- 
vendet werden können 
gaben deutschen Maßes und Gewichtes beim Verkauf gepackter 
Waren innerhalb Deutschlands. Berichterstatter: Fritz Borr— 
mann, Berlin. — Kathedersozialisnius und der reguläre De— 
ailhandel. Berichterstatter: Hans Nientimp, Bochum. — Die 
ieuzeitliche Entwichlung der Warenhäuser. Berichterstatter: 
Karl Pfannkuchen-Barmen. — TDie Reform der Gewerbesteuer 
ür den Detailhandel. Berichterstatter: Dr. Lohmann, Mei— 
derich-Duisburg. Wegen der in Leipzig veranstalteten Inter— 
nationalen Baufach-Ausstellung wird eine besonders starke Be— 
teiligung erwartet. 
Ein „tüchtiger“ Navigateur. Ein sonderbarer Vorfall 
reignete sich nach dem Neust. Wochenblatt im dortigen Safen. 
dommt da ein schwedischer Gaffelschoner mit Steinen beladen, 
jeran und erbittet sich einen Lotsen. Dieser übernimmt sein 
rühreramt und der Hafen wird llott erreicht. Hierauf fragt der 
chwedische Kapitän, ob denn noch nicht ein Schlepper erschiene, 
im fein Schiff nach Lübeck zu bringen. Nun stöllte sich der 
Irrtum heraus, er hatte den Neustädter Hafen mit der Ein— 
jahrt in die Trave verwechselt. Flugs wurde das Schiff 
zewendet und mit gutem Winde aus Nordwest gings gen Trave⸗ 
münde. 
GBGeschmackvolle Zusanmmenstellung. In einem unserer Kino⸗ 
heater wird jetzt in friedlichem Nebeneinander vorgeführt? 
Bebels letzte Fahrt“ und ein — „grokartiger Körnerfilm“. 
In einer Reklamenotiz werden die „markant hervortretenden“ 
Hruppen des sozialdemokratischen Parteivorstandes gerühmt. — 
Es geht nichts über eine etwas geschmachvolle Zusammenstellung. 
Nochmals der „Bestellzettel“. Als Seitenstück zu dem 
inem Kaufmann in Burg a. F. zugesandten komifschen Besiell— 
ettel wird uns von einem langiährigen Abonnenten noch foil— 
zender, von ihm selbst aus früheren Jahren aufbewährter 
Brief mitgeteilt: „Liber Herr Mat-isen, Schiken sie mir 1Högel 
EDu wie e. (Sollte heitzen: Häkeletu.)“ Als weiteres Beispiel, 
ras auch aus einer ungenauen und unverstandenenBestellung wer— 
den lann, wird uns von derselben Seite folgendes mitgeteilte In 
einer hiesigen Musikalienhandlung ward einst von einem dienft 
mädchen gefordert: De Abenddöhr to Trin Dora, oder de 
Marktsohrt nob de Plöner Möhl. (Sollte heißen: Dindrah, 
oder die Wallfahrt nach Ploermel.)“ 
b. Lũbeder Sommerthyeater. Aus der Theaterkanzlei schreibt 
man uns: Auch zum 13. Male war die reizende Operette 
Filmzauher“ gang ausverkauft und wird wohl bdis Schluß 
der Spielzeit (14. Sept.) ihre Anziehungskraft beibehalten, 
»enn die Melodien sind so einschmeichelnd, daß man sie gern 
in paar mal hört. Ebenso ist es mit Puppchen“, welches heute 
Sonnlag) zum 6. Male gegeben wird. Montag verabschiedet 
ich fur diese Spielzeit unser Heydeder in einer seiner besten 
ollen, als Musenfett in „Filmzauber“. Dienstag wird das 
iebliche Scherzspiel Der lächelnde Knabe“ wiederholn und Wirt— 
voch ist zum Benefiz unserer verdienstvollen Künstlerin Fri. 
hetqga Bally eines der gegenwärtig besten Lusispiele: Wiesei— 
hen“ von Leo Lenz: die 16. Neuheit in der Spielzeit. Bonnera⸗ 
ag, ist ein interessanter Abend, das Verslustspiel Standhafte 
Liebe“ von Kruse, worin Ernst Albert seine Glanzroile, den Nöl 
non St. Gerwmain spielt. Vorbereitet wird das reueste Wert 
»on Gerhart Hauptmann: „Gabriel Schillings Flucht.“ 
b. Vonm „Cines“eHansa⸗Theater. Aus der Direklionskenilei 
chreibt man uüns: Die von feinem Künstlersinn getragene Reu— 
gestaltung der Innenräume ist nunmehr so weit gediehen, daß 
die Erösfnung Freitag, den 29. d. M. erfolgen tann. Das 
Theater wurde mit Rüdsicht auf das neue Gente, Vaiets-Ate 
nit Lichtspiele zu verbinden, mit nicht unerheblichen Kosten zu 
einem großzstädtischen Institui eingerichtet Die Cines“. Theater— 
Aktiengeselüschaft, Berlin, welche, wie schon miigeteiit, in ganz 
Deutschland bis nun 19 Theater besfitzt, und die' bis gur 
zächsten Saison zirka 40 Theater zählen wird, ausschließlich 
uir in Europa noch unbekannte Variebée-Nummern veschäftigt. 
velche çganziährig bei diesem großzügigen Unternehmen engagieri 
sind und nur für dessen Unternehmungen arbeiten. Durch diese, 
aach amerikanischem Muster geschaffene Einrichsung wird das 
unstsinnige Lübeder Publikum Gelegenheit haben, bei gau- 
ägigem Programmwechsel, die neuesten und wectvollsten 
Schöpfungen auf dem Gebiete der Varietskunst kennen zu 
ernen. Die vorzuführenden Films sollen ebenfalls nur erit- 
lassige Darbietungen, gestützt auf die neuesten maschinellen 
inotechnischen Erfahrungen und Erfindungen, hringen. Die 
Fintrittsrreise sollen niedrig gestellt werden, um einen Besuch 
der breitesten Volksschichten zu ermsglichen. 
b. Philharmonischer Chor des Vereins der Musitfreunde. 
In der Spielzeit 1813/14 wird der Chor zur Aufführung vrin— 
zen: Am Bußtage, dem 19. Nov. 1913. das Orotorium Indas 
Maccabäus von Händel und am Karkfreifage, dem 10. Aprü 
914, die Matthäuspassion von Bach. Außerdem wird der 
Lhor in einem Sinfoniekonzerte den Gesang der Vorzen (sechs 
timmig mit Orchester) von Brahms zu Gehör bringen. 
b. 4. Dom-⸗Orgelkonzert. Unter Mitwirkung der Altistin 
Frl. Olga Lehmann aus Lübeck werden Tonwerke von Hiller, 
Rheinberger, Buxtehude usp. zum Vortrag gelangen. 
b. Sedan⸗Spielfefsft. Sonntag, den 31. Auqust, kfeiern die 
siesigen Turnnereine mit Unterstützung der Oberschulbehotde 
»as diesjährige Sedan-Spielfest. Am Vormittag wird sich inm 
Fünf⸗, Drei⸗ und Zweikamopf die Jugend Lübeds auf dem 
Srielplatz der Lübedder Turnerschaft, unterhalb Tharlo“lenstraße, 
nefsen, während am Nachmittag auf dem Burgfelde due Turn⸗ 
prile, wie Faust- und Schlaaball staftfinden Die Sta⸗iten⸗ 
äufe um der von einem hohen Senat gestifteten, Ehrenschild 
and den Eichentranz werden auch dieses Jahr viele Zuschauer 
heranziehen Die Siegerverkündung wird am Abend öm Hause 
der Lübeder Turnerschaft erfolgen. 
d. Neue, altuelle Bilder im Schaufenster der Lübedischen 
Anzeigen: 1. Zum 83. Geburtsfag Kaifer Fronz Idief ni. 
— 2. Die Landeshuter Hochzeit. — 3. Eine Riesen⸗Sparkasse. — 
. Ein durch Ueberschwemmung des Landes herbeigeführtes 
Fisenbahnunglückh in Indien. — 5. Eine Wette um 10900 Ni. 
h. Modenbericht der Lübedcischen Anzeigen. Auf den der 
deutigen Nummer beigefügten Modenbericht, in dem M. von 
Sultner über moderne „Dessous“ plaudert, machen wir unsere 
Leser hiermit aufmerksam. 
Slengo graphie⸗Lehrer⸗Prüfung. Der Vorsitzende der 
yiesigen „Stenographischen Vereingung von 1903* (Schule 
Stolze⸗Schrey)y, Herr Hans Hinz, bestand vor der Prüfungs— 
omm'ssion in Waren in Medlenburg und in Berlin das Examen 
als geprüfter Lehrer der Stenographie.“ 
Die Wasserwärme in den städtischen Badeanstalten be— 
zrug am 23. August im Krähenteich 19 Grad Cels. auf dem 
Faikendamm 1814 Grad Cels. 
Der Deutsche Zentralverband sür Handel und Ge— 
verbe e. V. (Sitz Leipzig), der 13 Landes- und Provinzial— 
»erbände mit gegen 2800 Vereinen umfaßtt und rund 30000 
Mitglieder zählt, wird am 24. bis 27. August in Leipziog 
eine 26. ordentliche Hauptversammlung verbunden mit der 
feier seines 25jährigen Bestehens abhalten. Aus der reich⸗ 
saltigen Tagesordnung verdienen u. a. folgende wichtige An— 
elegenheiten, mit denen sich die Hauptversammlung beschäf— 
igen wird, besonders hervorgehoben zu werden: Rüdblick aul 
ie 25jährige Tätigkeit und Entwidllung des Deutschen Zen 
ralverbandes für Handel und Gewerbe, Berichterstatter: Syn 
»ikus Dr. Ehrhardt-Leipzig. — Hommunale Wirtschaftsunterneh 
nungen. Berichterstatter: Handelskammersyndikus Dr. Rode, 
zannover. — Die Ausbildung des weiblichen Per— 
onals. Berichterstatter: Hermann Behn, Mitglied 
»er Handelskammer Lübeck. — Das Konsumvereins-— 
vesen in Deutschland, eine wirtschaftliche und politisch 
hefahr für das Reich. Berichterstatter: Franz Junckeersdorf, 
Stadtverordneter, Tresden, Ernst Thom, Schriftleiter der 
deutschen Rundschau, Hamburg. — Festlegung des Osterfestes au 
inen bestimmten Termin. Berichterstatter: Paul Hermann. 
Zerlin. — Zusammenschluß des DTeutschen Detailhandels. Be— 
ichterstatter: John Lemmel, Hamburg. — Neuregelung der 
Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Berichterstatter: H. F 
L. Röhr, Hamburg. — Der Kamof gegen das Zugabenunwesen. 
Berichterstatter: Stadtrat Seifert, Leipsͤig. — Verschleierter 
Etagenhandel von Beaniten und Privatpersonen. Bericht⸗ 
zrstatter: Rechtsanwalt Hans Kohlmann, Tresden. — Unlauterer 
Wettbewerb im Handel und Gewerbe. Berichterstatter: 
ẽ. Krause, Berlin; Emil Baumann, Hamburg; Georg Tripp, 
Vtalied der Handelslammer in Kassel. — Forderung von An— 
Hansestädte. 
Hamburg, 24. Auꝛ». Beim Gerüsteinsturz sechs 
Personen verunglückt. Im Neubau eines Kinemato— 
araphentheaters am Gänsemarkt stürzte gestern morgen bvald nach 
Urbeitsbeginn das im großen Saal aufgestellte Gerüst zusammen. 
Auf dem Gerüst befanden sich sünf Leute, die mit Gipfserarbeiten 
beschäftigt waren. Unter dem Gerüst arbeitete e'n Mechaniker 
Richter an einem Schraubstock. R. wurde am gefährlichstem 
derleht, da ihm das Gerüst auf den Kopf stürzte. Daß er nicht 
tschlagen wurde, ist dem Umstande zu verdanken. daß die 
derabfallenden Balken und Breiter anf den Schraubit ock auf⸗ 
chlugen und von diesem aufgehalten wurden. Der Zusammen— 
»ruch erfolgte, als eben mit dem Abbruch des Herüsites be— 
ronnen worden war. Die Polizei und zwei Feuerwehrzüge waren
	        
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