Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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teilungen 1Mk. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund 
Amtsblatt der freien und hansestadt Lũbed 13. Jahrgang Nachrichten für das Herzogtum Lauenburg, die 
veiblatt: Gesetz· und verorduungsblatt swte 3 Siurftentũmer Katzeburg, Lübed und das angren 
EE¶¶¶ —eS —— ι zende mecklenburgische und holsteinische Gebiet. 
Oruck und Verlaga: Gebrüder Borchers ß. m. b. S. m Lübed. — Geschãftsstelle Adreuuaus (Königstr. 46). Fernsprecher g000 u. 9001 
Sopnabend, den 23. August 1913. 
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Ausqabe 
Abend⸗Blatt Ur. 425. 
Erstes Blatt. hierzu 2. Biatt. 
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Umfang der heutigen Nummer K b Seiten. 
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Nichtamtlicher Teil. — 
2 — 
Sozialdemokratische Wünsche. 
Man kann der Sozialdemokratie noch so schatf ablehnend 
zegenüberstehen und wird doch das Bedürfnis empfinden, sich 
über die wichtigeren Vorgänge in ihr, über die Stimmungen 
und Meinungen, die die Massen bewegen, auf dem Laufenden 
zu erhalten. Nur genaue Kenntnis des Gegners garantiert 
wirklsame Belämpfung desselben. Deshalb verdienen die An— 
träge der Parteivereine Aufmerksamkeit, die an den bevor— 
stehenden Parteitag in Jena gerichtet sind und eben im Vor—⸗ 
wärts veröffentlicht werden. Sie geben ungewollt ein zutreffen— 
des Spiegelbild der Wünsche und Bestrebungen, welche gegen— 
wärtig die Sozialdemokratie bewegen, und lie lassen schon 
jm voraus erkennen, welche Fragen demnächst auf dem Partei⸗ 
tag am meisten die Gemüter beschäftigen werden. 
Rein äußerlich fällt die diesjiährige rote Wunschliste durch 
ihre Kürze aus. Teilweise erklärt sich das wohl aus dem Be— 
schluß des letzten Parteitages, daß nur noch Antcäge von 
Parteiorganisationen veröffentlicht werden dürfen. Die früher 
durch ihre Naivität oft hervorragenden Anträge einzelner Partei— 
genossen sallen jetzt ganz unter den Tisch. Aber der tiefere 
Grund für die verhältnismäßig geringe Zahl der Anträge liegt 
doch wohl darin, daß es den sozialdemokratischen Vereinen an 
Stoff zu neuen Vorschlägen und Wünschen fehlt. Es geht der 
Partei gegenwärtig gut, die Menge der 110 Reichsstagsabgeord— 
ꝛeten hat alle Agitationsmöglichkeiten — leider — nach Kräf— 
ien erschöpft, aufregende Streitfragen sind auch nicht vor— 
handen das Parteistatut ist eben erst neu revidiert, die Partei— 
leilung hat keine hervorstechenden Dummheiten gemaächt, so 
muß man sich mit seinen Anregungen und Wünschen bescheiden. 
Nur ein Antrag kehrt in verschiedenen Formen immier 
wieder: der Parteitag soll „die planmäßige Erziehung der 
Arbeiterklasse zum politischen Massenstreik in die Wege leiten“. 
Das Generalstreikthema, das früher schon so aus— 
giebig die sozialdemokratischen Parteitage beschäftigt und zu 
lseidenschaftlichen Streitigkeiten zwischen Radikalen und Revi— 
sionisten in den Versammlungen und Parteischaften geführt 
hat, lebt neu auf. Das angeblich erfolgreiche Vorgehen der 
belgischen Sozialdemokratie auf diesem Wege, die Drohung 
des Revisionistenführers Dr. Frank mit dem „äußersten“ Kampf⸗ 
mittel hat den berauschenden Gedanken an die Allgewalt des 
Prolexariats wieder kräftig' in die Höhe getrieben. „Alle 
Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“ ist offenhar 
eher das Leitmotiv zahlloser sozialdemokratischer Versamm-— 
ungsreden der letzten Sommermonate gewesen. Und nun soll 
zie „Massenaktion“ zur Erringung eines besseren preußischen 
Pahlecechtes, zur Einführung der Arbeitslosenversicherung durch 
„as Reich, zur „zielsicheren und erfolgreichen Förderung höchster 
debensinteressen des Proletariats“ in Anwendung gebracht wer⸗ 
»en. Wenn man die immer wiederkehrende Forderung in den 
Unrrägen großstädtischer Parteivereine liest, kann es kaum noch 
inem Zweifel unterliegen, daß der lange verblaßte Traum der 
Zozieldemokratie vom Zukunftsstaat gegenwärtig vom Glauben 
in die Allmacht des Generalstreiks abgelöst ist. Dieser Glaube 
sibt der agitatorischen Kleinarbeit ein neues Ziel, verleiht der 
rmüdenden Tagesagitation neue Schwungkraft. Schade nur, 
ah schon alle früheren, eingehenden Diskussionen über 
as Themao keinen irgendwie gangbaren Weg zur Rerwirk—⸗ 
ichung eusfindig machen konnten. „Wenn die Jeit gekommen 
ein wird, werden sich die Mittel zur Durchführung ganz von 
elbst ergeben“ dieser Trost der Radikalen, der früher schon 
o wenig Eindrud auf alle besonnenen Elemente machte, wird auch 
iesmal allein am Schluß der neuen Generalstreikserörterungen 
tehen. Es gibt gute Kenner der Revisionisten in der Sozial 
»emokratie, welche der Ansicht sind, daß eben wegen der Aus— 
imhtsosigkeit diese Streitfrage auch von dem Dr. Frank und 
engeren Gesinnungsgenossen neu aufs Tapet gebracht sei, um 
die Massen dadurch von der unbequemen Verfolgung des Um— 
chwungs in der praktischen Parlamentspolitik der Führer ab—⸗ 
ubringen. 
Gegenwärtig hätte dann diese Berechnung noch keinen 
roßen Erfolg aufzuweisen, denn gerade die parlamentarische 
zaltung der Reichstagsfraktion in den Fragen der Wehrvor— 
age und ihrer Dechkung hat dank der unerbittlichen Zensoren⸗ 
atigkeit der „vier wilden LGLedebour, Liebknecht, Leutzsch 
ind Rosa Luxemburg) lebhafte Beachtung in sozialdemokratischen 
barteikreisen gefunden. Aber die Zustimmung überwiegt dabei 
Ffenker die Mißbilligung. Nur die Organisation von Halle 
„bedauert die Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion zu 
WMehrbeitrag und Vermögenszuwachssteuer als einen Verstoß 
egen einen fundamentalen sozialdemokratischen Grundsatz, als 
inen schweren, politischen Mißgriff“ und beantragt Varteitags— 
zeschlüsse, welche durch „die Anwendung einer besseren Taktik 
in Zukunft die Fraktion vor ähnlichen Entgleisungen bewahren“. 
Wie in der Fraktion werden voraussichtlich auf dem Parteitag 
die Kritiker in der Minderheit bleiben. Dagegen scheint eine 
charfe Abrechnung mit den Reichstagsboten bevorzustehen, die 
um größten Unwillen verschiedener Vereine „bei wichtigen Ent— 
cheidungen aus nicht erklärlichen Gründen der Abstimmung 
erngeblieben sind“. Das wird ein Sturm im Waoasserglase 
verden. 
Von den übrigen Anträgen sind nur noch Z über die 
Maifeier zu erwähnen, die einheitlich eine Besteuerung der 
Barteibeamten und Arbeiter in Varteigeschäften fordern, welche 
»urch die Maifeier keinen Lohnausfall erleiden. Diese Frage 
ijt auf dem letzten Parteitag mit einer ungewöhnlichen Leiden⸗ 
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schaftlichleit breitgetreten und zugunsten der Steuerfteiheit der 
Angesiellten entschieden worden. Es scheint jedoch, als habe 
»er Neid der weniger glücklichen Parteigenossen die keinliche 
Ungelegenheit noch einmal aufrollen wollen. Da machen; die 
Zozialdemokraten von Mülheim, Wipperfürth, Gummersbach 
»en sehr vernünftigen Vermittlungsvorschlag, daß küuftig die 
Maifeier einheitlich auf den ersten Sonntag im Mai verlest 
perde. Schade nur, daß dieser Vorschlag zur Güte schon 
zft gemacht und ebenso oft abgelehnt worden ist. 
Ueberblidti man die bisher vorliegenden 63 Anträge, zu 
dnen später noch diejenigen des Parteivorstandes treten wer⸗ 
den, so läßt sich unschwer voraussagen, daß auf dem Jenenser 
Parteitag die Taktik der Reichstagsfraktion und der Massen— 
treik die wichtigsten und lebhaftesten Debatten zeitigen werden. 
ODb damit ein besonders interessanter Verlauf in Aussicht steht“ 
20or 
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534. Allgemeiner Deutscher Genossenschaftstag. 
Machdrucd verboten.) 8. &H. Posen, 22. Aug. 
Der heutige dritte und letzte Verhandlungstag des 54. All⸗ 
jemeinen Deutschen Genossenschaftslages wurde mit der Ha upt⸗ 
»ersammlung der Kreditgenossenschaften unter 
»em Vorsitz des Verbandsdirektors Feldheim Gurg bei 
Magdeburg) eröffnet. Verbandsdirekttor Kurz EGtettin) sprach 
iber „Schifferkreditkassen“ und legte nach längeren Ausfüh— 
ungen einen Antrag vor, der sich gegen die Errichtung eigener 
Zchifferkreditkassen ausspricht, dagegen Realkreditinstitute zur 
zefriedigiung des Anlagekreditbedürfnisses der Schiffer emp— 
iehlt. Der Antrag wurde nach kurzer Debatte angenommen. 
Nachdem Direktor Brodführer den Bericht der Ge⸗ 
iossenschaftsabteilungen der Dresdener Bank erstaättet hatte, 
eferierte Justizrat Jarechi (Posen) über „KKeform des 
sypothekenrechts“. Der Referent bemerkte e'nleitend, 
»ah im Laufe des letzten Jahrzehnts in dem sinkenden Kredit— 
vert des städtischen Grundbesitzes eine Erscheinung hervor⸗ 
jetreten sei, die, für weite Kreise bedrohlich und ve hängnisvoll, 
das aufmerksame Interesse der Volkswirte und Juristen 
gefunden habe. Man habe bereits ohne Uebertreibung von 
iner 
Not der zweiten Hypotheken 
prechen können. Die Diskreditierung der hypothekarischen An⸗ 
agen beim großen Publikum sei im wesentlichen durch Mängel 
»er Gesetzgebung verursacht, die den Hypotheken nicht den⸗ 
enigen dinglichen Schutz gewährt, der ihnen gebührt. 
Der Redner sucht dies an einem bis ins einzelne durchge⸗ 
ührten Beispiel zu beweisen. Besonders die Zession von 
Mieten, für die sich der Vermieter auf Kosten des Hypothek⸗ 
zläubigers Geld verschaffen kann, ist ein großer Uebelstand, 
inter dem auch das Ansehen des betrefsenden Hauses leidet, da 
anspruchsvolle Mieter nicht gern in einem Hause wohnen bleiben, 
wenn sie sich erst bei einem Rechterfahrenen Rat holen müssen, an 
C 
die für solche Komödiantenhuldigungen nicht das geringste Ver— 
tdändnis hat!“ 
Gerda sprach nichts weiter mebr auf diesem Heimwege. 
Astrid dagegen war äußerst mitterssam. Tas kleine Abenteuer 
wob dem glänzenden Tarsteller in ihren Augen nur noch eine 
seue Gloriole. Begeistert schwärmte lie von seinem Spiel und 
einer Persönlichkeit. 
Schweigsam war Gerda auch dann zu Haus beim Ent— 
leiden. Sie teilte ja mit Astrid das Schlafzimmer. Nun laqg 
ie im Dunkeln auf ihrem Lager, aber der Schlaf wollte nicht 
ommen. 
So kühl sie vorhin alles abgemehrt hatte, sie fühlte doch 
die Erregung, die in ihr nachzitterte. 
Aber war das virklich nur, wie sie sich selber glauben 
nachen wollte. die Entrüstung über jene Keckheit, oder nicht 
roch etwas anderes? 
Plötzlich kam ihr wieder jener Eindruch zum Bewußtsein, den 
ie während Keßlers Spiel gehabt hatte. Jener seltsam -läh⸗ 
nende und sie doch wieder tief aufstörende Bann. Und wie 
ie jetzt darüber grübelte, sich selbst sezierend, da wußte sie 
lötzlich: Es war im Grunde nicht der Künstler gewesen, der 
ie so faszimiert hatte, sondern der Mensch — der Mann, der 
ich in seinem Spiel offenbarte. 
Ein Mann, in seiner Art ihr ganz neu, wie ihr noch keiner 
isher begegnet war: der Typ des Herrenmenschen, des Siegers. 
Ind doch war zugleich noch etwas anderes an ihm. Etwas 
Berborgenes, das sie leis erzittern ließ: die dämonische Krast 
einer Leidenschaft, wie sie sich in seinem Spiel offenbart hatte. 
denn diese Töne konnte nur finden, wem sie selber nicht 
remd waren. 
Tas war es, was Gerda von Henning nicht zur Ruhe 
sonmmen ließ in dieser Nacht. Sie hatte ein Gefühl, als ob 
»a heute in ihr, ganz in der Tiefe ihrer Natur, etwas ge4— 
wecht worden sei. Und es kam über sie wie eine dunkle Furcht 
vor sich fselber. 
Offizierstöchter. 
Roman von Paul Grabein. 
G. Fortsetzung.) Machdrud verboten.) 
Astrid pochte vor Wonne das Herz. 
„Du — der spielt ja zu unä her! Sieh doch nur!“ 
Sie raunte es hinter dem Fächer der Schwester zu. 
Gerda war natürlich diese Worrnehmung gleichfalls nicht 
mtgangen. DTennoch erwiderte se gelassen: „Wohl nur ein 
zufall.“ 
Aber insgeheim dachte sie: Gar kein Zweifel, es galt ihnen. 
Und sie wußte noch mehr, lie fühlte es förmlich körperlich: 
oie Blicke des Mannes dort unten suchten nur eine von ihnen 
— sie selber war gemeint! 
Rascher ging da ihr Ateinn. Was sollte das? Was hatte 
das zu bedeuten? 
So ging der Akt zu Ende. In der Pause haͤtte Astrid 
hrennend gern ihre Gedanken weiter mit der Schwester ausge— 
tauscht. Sie war in einer heimlichen Erregung voll prickeln⸗ 
der Spannung. Tas war ja deradezu wundervoll! Doch 
endlich einmal etwas wie ein Erlebnis, eine kleine Sensation! 
Und ein leiser Rausch von Stolz und befriedigter Eitelkeit über—⸗ 
kam sie. Daß sie beide solchen Eindruck auf den berühmten 
Künstler gemacht hatten! 
Aber der Austausch dieser Gedanken verbot sich leider; 
denn es traten Bekannte zu ihnen in die Loge und blieben 
während der ganzen Pause. 
Als Keßler im Zwischenakt in seine Garderobe trat, fand 
er einen wahren Blumenflor von fast betäubendem Duft in 
dem engen Raum. Da aebot er diktatorisch: 
„Hinaus mit dem Zeugs! Ich habe keine Lust, Kopfschmerzen 
vu kriegen.“ 
Nur eine mattgelbe Marechal Niel zog er aus einem 
Strauß, wie in einem plötzlichen Einfall, und befestigte sie 
m Aufschlag seines Roces. 
Dann kam der Schlußakt. Mit Neugier harrte Astrid der 
sommenden Tinge, und auch in Gerda war jene dunkle, ge— 
seime Spannung. 
Während der ersten Auftritte hatte Keßler nicht zu er— 
cheinen; aber dann kam seine groe Szene, wo er von seiner 
allgewaltigen, kein Hindernis kennenden Liebe zu sprechen hatte, 
ind da geschah es plötzlich wieder — ja, geschah etwas, das 
ßerda in geheimem Erschrecken zusammenfahren ließ. Kehßler 
pielte — sie fühlte es ganz deutlich, wie in einem geheimen 
dontakte — nur zu ihr hin, und jetzt, wo er von seiner Ver⸗ 
hrung für die geliebte Frau sprach, mit leidenschaftzitternden 
Worten, da suchten seine Blicke mit grüßendem Aufleuchten sie, 
ind er drüdte dabei die Nose, die er spielend zwischen den 
Fingern gehalten, für einen Monent am seine Lippen. J 
Einen Atemzug lang fühlte Gerda ihr Herz stoden, dann 
iber schoß es ihr heiß in die Schläfe. Was für ein Glück 
daß aller Blicke wie gebamtt an Keßler hingen! Keiner der 
inderen ahnte so, wem dieser geheime Gruß galt. Sie wähnten 
iuch diese Bewegung in seiner Rolle begründet. Nur Astrid 
illein verstand außer ihr noch die Geste richtig. Ihre Hand 
tieß erregt unter der Logenbrüstung gegen Gerdas Knie; 
„Tu — das galt dir!“ 
Beifallsstürme brachen los, a's nun das Stück zu Ende 
var; offenbar standen Keßler zahllose Hervorrufe und Kranz- 
penden bevor, und das Publikum war schon begierig auf dieses 
etzte Schauspiel. Aber lofort erhob sich Gerda; jetzt, wo 
vieder das helle Lampenlicht auf sie fiel, ganz unnahbarer 
ztosz. Und dem gefeierten Gast, der sich gerade nach ihrer 
Seite dankbar verneigte, den Rücken kehrend, mahnte sie die 
-„chwester, die gern noch geblieben wäre: 
„Komm — daß wir dem Gedr'inge entgehen.“ 
Der Bursche wartete schon draußen vor der Loge mit ihren 
Abendmänteln, und in angemessenem Abstand folgie er nun 
den jungen Tamen auf ihrem Nachhausewege. 
„Nein, das war doch aber toll!“ raunte Asftrid der 
Schwester zu. „Das mit der Rose! Was sagst du nur dazu?“ 
„Eine Unverschämtheit — nichts weiter.“ 
Und in der Tat brannte in Gerda helle Empörung. Wie 
onnte er es wagen, ihr, die er heute zum erstenmal gesehen, 
»as zu bieten? Für wen hielt er sie dem? 
„Aber es war doch im Grunde eine Huldigung für dich — 
reilich etwas temperamentvoll. Toch dafür ist er eben Künst⸗ 
er,“ beschwichtigte Astrid. 
„Und ich bin die Tochter des Oberstleutnants von Henning, 
* 
„Na, bist du so weit ?“ 
Astrid sah sich nach der Schwester unt. 
Berda nickte, und so verliehen sie zusammen ihr Zimmer. 
war die Nachnittagsstunde. wo man nach altem Brauch
	        
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