Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgabe M. 
Aus den Nachbargebieten. 
Sanfestãdte. 
Hamburg, 22. Aug. Sein 70. Lebensjahr voll- 
ndete Tonnerstag der Senior de. Hamburger Notare Dr. Gustav 
8Sartels von der Notariatsfirnna Tres. Bartels, v. Sndow, 
kemé und Ratijen. 
DT. Obstsegenin der Marsch. Ueber eine überreiche 
Ibsternte wird aus dem Marschgebiet der Elbe gemeldet. Die 
Bäume biegen sich unter der Fülle des Segens. Im Alten 
dande, an der Lühe, auf Finkenwärder und überall an den 
anderen Orten im Gebiet der Niederelbe werden die gleichen 
Beobachtungen gemacht. Baum an Baunm, alle Arten, hängen 
»oller saftiger Früchte. Auf der Lühe, dem berühmten Lande 
der Kirschen, sind z. B. soviel Zwetschen gewachsen, daß die 
Bäume nicht mehr grün, sondern blau aussehen. Däe sauren 
Zwetschen werden ausschließlich nach England geschicht, wo sie 
u Marmelade verarbeitet werden, da dort der Zucker erheblich 
zilliger als bei uns ist. Auch die Aepfels und Birnenernte 
»erspricht ein überraschend gutes Resultat. 
Zum Juwelendiebstahlam Jungfernstieg. Die 
genaue Besichtigung des Tatortes hat ergeben, daß die Diebe 
— allem Anschein nach handelt es sich um zwei Leute — mit 
em Diebeshandwerk nicht unbekannt zu sein scheinen. Es wurde 
in Trikothandschuh gefunden. Tas ist ein Beweis dafür, daß 
die Räuber sehr vorsichtig vorgegangen sind, um sich nicht 
oursch Fingerabdrücke zu verraten. Auch eine Beißzange lag 
m Raume, die dirch die Täebe dorthiw gebracht wurde. Im 
Schaufenster befanden sich drei Kolliers im Werte ron 20000 
Mark, die unberührt blieben. Auch der große Tresor, in dem 
währenmd der Nacht die meisten und wertvollsten Stücke unter⸗ 
jebracht werden, ist unversehrt geblieben. Ueber die Zeit der 
Ausführung ist man noch im Unklaren, ebenso darüber, 
vie die Tiebe in das Haus g Lommen sind. Der Wärter, 
»er nachts seine regelmähigen Rundcänge um 10, 1, 4 und 
Uhr 50 Min. gemacht hat, will nichts Verdächtiges bemerkt 
saben. Es besteht die Vermutung. daß die Räuber vor 10 Uhr, 
ilso vor Schluß des Hauses, sich eingeschlichen und im Keller 
versteckt gehalten haben. Die Strickleiter ist aus Bootstauen 
gefertigt, was vielleicht darauf hindeutet, daß man die Diebe 
Anter der seemännischen Bevöllerung zu suchen hat. 
Eine Fahrt der Kronprinzessfin mit ihrem 
Patenschiff. Wie der Norddeuische Lloyd mitteilt, wird 
Kronprinzesfin Cecilie am 16. Sept. d. J. auf ihrem Paten⸗ 
schiff, dem Schnelldampfer, Kronprinzessin Cecilie“ des Nord⸗ 
deutschen Llond, eine Ztägige Fahrt von Bremen nach der enge 
fsischen Küste unternehmen. 
Schleswiga⸗Holstein. 
Kiel, 22. Aug. Die neue staatliche Realschule 
'oll voraussichtlich schon Ostern 1914 eröffnet werden. Sie 
rird vorläufig in der Mittelschule an der Iltisstraße unter— 
gebracht. 
Oldesloe, 22. Aug. Niedergebrannt ist das 
Doppelhaus der Frau Köhne, Königstraße. das von sieben 
Familien bewohnt war. Mehrere Familien sind nicht versichert. 
Neumünster, 22. Aug. Eisenbahnbauprojekt 
Neumünster — Kirchbarkau. In einer vom Komitee zur 
Förderung des Baues abgehaltenen Versammlung wurde be— 
richtet, dasz die Kosten auf 1470 000 Muveransch'agt sind. Für 
Grunderwerbskosten sind 180 000 Meerforderlich. Geplaut ist 
die Aufbringung eines Aktienkapitals in Höhe von einer Mil— 
lion M. — Von den Vereinen ehemaliger Jäger 
und Schützen in Hamburg und der Provinz Schleswig— 
Holstein wurde in Neumünster eine Vertreterversammlung abge— 
halten. An alle ehemaligen Jäger und Schützen soll die Auf— 
'orderung ergehen. sich zu beteiligen an der 50jährigen Jubi— 
Buntes Allerlei. 
Besteigung des Numkamgipfels im HSimalayagebirge durch 
den Italiener Piacenza. Die Turiner Stampa meldet aus 
Karail: Der italienische Alpinist Mario Piacenza, der gegen⸗ 
värtig eine Forschungsreise dunh den Himalaja mit Führern 
uus dem Tal Aosta umternimnrt, erreichte den bisher don nie— 
nand erstiegenen, 7200m hohen Gipfel Numkam nach sehr 
chwierigem Aufstiege. Er hißte dort eine kleine italienische 
Fahne. Piacenza und seine Begleiter übernachteten sechs Nächte 
n einer Höhe von 600m. Sie latten mit hohem Schnee und 
strenger Kälte zu kämpfen. Piacenza plant noch andere wichtige 
Besteigungen. Tie Reihe der böchsten Gipfel des Himalaja 
riegt in der zentralen Kette, der zwei Vorketten, eine nördliche 
und eine südliche, vorgelagert sind. Die Kämmlinie hat eine 
durchschnittliche Höhe von 5000 - 5800 m. Einige Gipfel im 
Westen des Satladsch erreichen 7000m. In der Hauptkette im 
Norden von Nepal wurden 18 Gipfel über 7600 m, 40 über 
000 m und 120 ũüber 6100 m Höhe gezählt. Die hervorragendsten 
ind vor allem der Gaurisankar oder Mount Everest mit 8840 in, 
»er Kantschindschanga mit 8888 w und der Dhawalagiri mit 
3176m Höhe. Die drei Gebrüder Schlagintweit. die bherühmten 
deutschen Forschungsreisenden, erstiegen schon im Jahre 1856 
bei einer Forschungsreise im Himalaja einen der höchsten Bexge 
Tibets am Ibi-Gamin bis zu einer Höhe von 6770m. Zum 
Vergleich mit den Gipfeln des Himalaja seien einige der be— 
anntesten Berghöhen anderer Etpteile und Länder angeführt: 
Der höchste Berg Europas ist der Montblanc mit 4810 m in den 
Savoyer Alpen: der höchste Berg Teutschlands ist die Zugspitze 
n den Nordtiroler Kalkalpen mit 2968 m Höhe. Ter höchste Berg 
Afrikas ist der 6010 m hohe Kilimandiaro in Deutsch-Ostafrika. 
Der mächtigste Berg Nordamerikas ist der Mount Mac Kinley 
6238m) und der höchste Berg Südamerikas der Aconcagua in 
»en argentinischen Kordilleren mit seinen 6970m. Der eben⸗ 
alls weltberühmte Chimboraffo in den Westkordilleren Ecuadors 
weist dagegen nur 6247 m Höhe auf. 
nge. Des Kaisers neuer Oberhof⸗ und Hausmarjchall. Graf 
August zu Eulenburg, der seit 1800 des Kaisers Oberhof- und 
sausmarschall und seit 1907 auch mit der Verwaltung des 
Mmisteriums des königlichen Hauses beauftragt ist, wird, wie 
man weiß, zum Herbst von seiner Stellung an der Spitze der 
aiserlichen Hofhaltung zurüchtreten. Er hat sich hierzu seines 
sohen Alters wegen entschlohen. denn am 22. Oft. wird e 
Freitag, den 22. Auquit 1013. 
läumsfeier des Lauenb. Jäger-Bat. Nr. 9 in Ratzeburg. Ferner 4 
zeschloß die Versammlung die Stiftung einer Spende. 
Lauenburg. 
ARatzeburg, 22. Aug. Bersonalnachricht. Leh— 
erin Clausen wurde an die Schule zu Klipplesf (Apenrade) be— 
ufen. — Eine Körung der Ziegenböcke sand im Kreise 
sum ersten Male statt. Von 49 vorgeführten Böchen wurden 
n 20 Ortschaften 36 angekört. 
AKlempau, 22. Aug. Dier Schulvorstamd beschloß, 
die etwa 200 m vom Orte entfernte Schule mit elektrischem Licht 
u versehen. 
Großherzogtümer Medlenburg. 
Schwerin, 22. Aug. 329 Begnadigungenanlähß— 
ich des kaiserlichen Regierungsiubiläums. Aus 
snlaß des 2sjährigen Regierungsjubiläums des Kaisers hat in 
Necklenburg-Schwerin in 329 Fällen eine gänzliche oder teilweise 
zegnadigung von Personen, die zu Geld- oder Freiheitsitrafen 
erurteilt worden waren, stattgefunden. 
Rostock, 22. Aug. Das Rostocker Reuterdenk— 
nal eine Nachbildung? Nach einer Zuschrift, die das 
3. T. veröffentlicht, soll das von der Jury einstimmig zur Aus— 
ührung empfohlene, mit dem ersten Preis ausgezeichnete Pro—⸗ 
kt des Reuterdenkmals für Rostock eine zwar nicht im Sime 
es Urheberrechts, aber vom lklünstlerischen Standpunkt uner— 
zubte Nachbildung sein. Die auf dem Postament ruhende 
xigur des Hanne Nüte sei nichts anderes als die genaue 
topie eines Modells ron Ludwig Richter. Dir Rost. An. hat sich 
ofort an den Bildhauer Ewald Holz in Nürnberg, von dem der 
Attwurf des Rostocker Reuterbrunnens stammt, mit der Bitte 
im Aufklärung gemand 
Sportnachrichten. 
Der Oeresund von einem Schweden durchschwo mmen. Der 
hwedische Student der Medizin Nils Steaström durch— 
hwamm, wie aus Koöpenhagen gemeldet wird, die 16 kim 
ange Strecke Landskrona —Skodsborg in 9 Stunden 20 Min. 
rotz des recht stürmischen Wetters und des ziemlich hohen See— 
angs hatten sich elf Teilnehmer, sämtlich Schweden und 
arunter eine Dame, zu dem Wettschwimmen gemeldet. Um 
O Uhr 39 Min. vormittaas nahm das Schwimmen vom Hafen 
1Landskrona aus in Gegenwart einer großen Menscheumenge 
rinen Anfang. Schon nach 48 Min. gab der erdte Schwimmer 
uf; dann folgte in kleineren oder größeren Zeitabständen die 
Rehrzohl der anderen Schwimmer. Frl. Jennn Dahlitröm gab 
ls vorletzter Teilnehmer auf, nachdem sie die Zälfte der Stredcke 
8. Km) in 4 St. 10 Min. zurückgelegt hatte. Dem Sieger, 
er somit als erster den Oeresund durchschwommen hat, wurden, 
ls er in Skodsborg an Land ging, von Tausenden oon Bade— 
ästen und Ausflüglern stürmische Ovationen bereitet. Er machte 
inen durchaus frischen Eindruck und komte noch zu Fuß den 
Veg nach dem Sanatorium zurüchlegen, wo er sich massieren 
ien. Er kehrte noch an demselben Abend von Kopenhrgen mit 
em Dampfer nach Malmö zurück. Der Sieger Latte vorher 
roch nie an einem Meffschmimmen feilgenommen 
Cuftfahrt. 
DT. Wasserflugzeugwettbewerb. Danzig, 21. Aug. Zum 
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kuge eingetroffen. Von bekannten Fliegern sind Hirth, Thelen 
ind Vollmöller anwesend. Der Chef des Marineflugzeugwesens, 
Zizeadmiral Dud, wird den Versuchen beiwohnen 
PT. Uebetlaudfiug Osnabrüd — Döberitz. Osnabrück, 
I. Auq. Oberlt. STeffens, der heute fruh 55 Uhrauf 
mem Albatros-Eindecker hier aufgestiegen ist. ist nach 2tun- 
ijger Tahrt in Döherik alIc dee— 
einen 75. Geburtstag feiern können. Zu seinem Nachfolger 
st der bisherige Oberstallmeister Freiherr Hugo von Reischach 
estimmt, über desfen Persönlichleit und Laufbahn die N. G. C. 
inige interessante Angaben zu machen weiß. Die Familie Rei— 
hach, die in zwei freiherrlichen und zwei gräflichen Linien 
lüht. gehört zum schwäbischen Uradel und hat ihren Namen 
»em Stammgut Ruschach im Lande Hohenzollern entnommen. 
Ihr erster Almherr, Diepolt von Reischach, erscheint urkundlich 
m Jahre 1019 und sie kann ihre Stammreihe ohne Unter— 
rechung bis zum Jahre 1369 zurückfüühren. Ter Oberstallmeister 
it der zweiten, sogenannten Unterländischen Linie des freiherr— 
ichen Hauses entsprossen und wurde am 1. Sept. 1854 in Frank— 
urt a. M. geboren als der älteste Sohn des Freiherrn Albert 
on Reischach, der 1876 starb. Seine Mutter, Bertha, war 
ine Tochter des Frankfurter Bankiers Peter Bonn aus dessen 
zhe mit Lilla Cotta und Cottaisches Blut flietzt auch von väter⸗ 
cher Seite in seinen Adern, da seines Vaters Mutter eine Freiin 
'otta von Cottendorf, eine Tochter des berühmten Verlegers 
nserer Klassiker, war. Freiherr Hugo von Reischach wurde mit 
O Jahren Leutnant im Regiment der Gardes dau Corps und trat, 
urch eine äußerst elegante Erscheinung und gesellschaftliche Ge— 
»andtheit unterstützt, dadurch zum Hofe in nähere Berührung, 
aß er während mehrerer Zahre Vortänzer auf den Hofbällen 
»ar. Dies geschah während des letzten Abschnittes der Regierung 
es Kaisers Wilhelmn J., als die Töchter des damaligen Kron— 
rinzen, des späteren Kaisers Friedrich III., die Hoffestlich- 
»iten durch ihre Anmut belebten. Er trat dann, nachdem er 
ereits 1888 zum Oberhofmarschallamt kommandiert worden war, 
8386 als Kammerherr ganz in den Hofdienst über und die 
laiserin Friedrich wählte ihn 1888 nach dem Tode ihres Ge— 
tahls zu ihrem Hofmarschall. DTiesen Posten hatte er dreizehn 
ahre lang, bis zum Tode der Naiserin Friedrich im Jahre 1901, 
me. Im Jahre 1905 ernannte der Kaiser ihn an Stelle des 
hrafen Ernst Wedel zum Oberstallmeister. Tie Uniform der 
zardes du Corps trägt er noch jetzt als Oberst à la suite 
er Atmee. Seit 1906 ist er auch preußischer Wirklicher Ge— 
eimer Rat. Am 10. Okt. 1887 vermählte Freiherr Hugo von 
deischach sich zu Schloß Rauden mit der Prinzessin Margarete 
on Ratibor und Corvey, Prinzessin zu Hohenlohe⸗Schillings— 
ürst. der jümgsten Schwester des jetzigen Herzogs Viktor von 
datibor, mit der er im vrorigen Jahre die silberne Hochzeit 
eiern konnte. Er hat eine Tochter und zwei Söhne, von denen 
er ältere Leukhnant im Garde-Jäger-Bataillon ist. Tas Ober— 
Abend-Blatt Ur. 423. 
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Ein Luftichiff im leppiau. Vondomn, 54. Aug. VDer 
Bevölterung von Odiham bis Farnborough hat sich ein noch 
nicht dagewesenes Schauspiel geboten: Ein Luftschiff schleppte 
in anderes das hilflos geworden war, an einem 600 m ilangen 
Tau durch die Luft und legte so eine Strecke von 206m naud 
nehr zurück. Das kleine Militärluftschiff, Willows“ hatte bei 
Odiham Macschinenbruch erlitten und schwebte ohne Eigenbe— 
vegung über dem dortigen Flugfelde. Techniker, die den 
Schaden untersuchten, erklärten, die Maschinenreparatur würde 
40 Tage darern. Man hätte also das Gas entleeren und das 
Zuftschiff nach den Werkstätten von Farnborough bringen müssen, 
ein kostspieliges und zeitraubendes Verfahren. In Faͤruborough 
var aber das neue Militärluftschiff Eta“ zur Probefahrt 
ertig. Er erhielt Order, den Vorsuch zu machen, die Willows“ 
n das Schlepptau zu nehmen. Die „Eta“ fuhr etwa 200 m 
sjöher, um die Gefahr eines Zusammenstoßes zu vermeiden. 
kin Ofsizier und ein Mechaniker saßen in der Gondel und 
teuerten das beschädigte Luftschiff. Eine grotze Menschenmenge 
wohnte dem Schauspiel bhei 
Vermischtes. 
Kleine Tagesereignisse. B.2. In Kopenhagen sind 
wei Berliner Schlachter und ein Seemann verhaftet 
rorden, die in einem Juwelierladen Waren im Werte von 
1000 Kr. gestohlen haben. Die Einbrecher stehen auch im 
zerdacht, sich an dem jüngsten Kopenhagener Sparkassenraub 
eteiligt zu haben. Die Polizei nimmt an, daß die Verhafteten 
Nitglieder einer internationalen Verbrecherbande sind. Die 
zerliner Polizei ist von der Verhaftung der Einbrecher benach— 
ichtigt worden. — DT. Vor etwa 25 Jahren war ein Jude 
iamens Skop nach Amerika ausgewandert, ohne seiner 
Vehrpflicht genügt zu haben. Jetzt war er zur Hoch 
eit eines Verwandten nach Rußland (Warschau) zurüd-— 
zekehrt, wo ihn die Polizei sofort verhaftete. Als 46- 
ähriger Mann wird er nun seiner Wehrpflicht genügen müssen. 
Skop, der inzwischen ein reicher Fabrikant geworden ist, hat 
0 000 Rubel devonierk, um wenigstens bis zur Gerichtsverhand⸗ 
ung auf freiem Fuße bleiben zu können. — W. Mittwoch abend 
otteten sich in Hohenlimburg Hunderte von aus- 
tändigen Arbeitern der Vereinigten-Walz-Röhrenwertke 
na den Straßen zusammen und verfolgten die Ar— 
eitswilligen bis zu den Arbeitsstätten. Es kam ver— 
chiedentlich zu Tätlichkeiten. Die Ausständigen bombar— 
ierten mit Steinen das Fabrikgebäude und die Geschäftsräume; 
imtliche Fensterscheiben wurden zertrümmert. Auch Tonners— 
dag abend veranstalteten die Streikenden nach Einbruch der 
dunkelheit johlend und schreiend Exzesse. 20 Polizisten von 
zuswärts wurden zur Aufrechterhaltung der Ordnung hierher 
deordert. 
— 
Wird Harry Thaw ausgeliefert? Wie zu er— 
warlen war, läßßt die Famisie Thaw iht Gold in Mafsfen arbeiten, 
um dem entwichenen Mörder die Freiheit zu sichern. Vor dem 
Obergericht Sherbrook in Kanada erschienen Witiwoch drei der 
esten Anwälte des Landes und beantragten, das Gericht möge 
ie sofortige Vorführung Thaws beschliehen, um zu ensischeiden. 
ob Thaw ausgeliefert werden solle. Bas Gericht bewilligte 
den Antrag, und Thaws Schicksal wird sich dann entscheiden. 
Wäahrscheinlich wird das kanadische Gericht nur die Nöglichteit 
aben, Thaw als nicht „wünschenswerten Ausländer“ über die 
Hrenze zu bringen. Aber selbst das ist noch fraglich. Thaw 
var über die Möglichkeit seiner Flucht so gut mformiert, daß 
r im Staate Connecticut eine Fahrkarte über Kanada' nach 
Detroit in Michigan genommen hat. Nach dem Gesetz müßte 
ha Zie lanadische Behörde diese Reise vollenden lassen, und 
ne Gesetze von Michigan erlauben eine Auslieferung nicht. Das 
hefängnis, wo Thaw vorläufig untergebracht wurde, ist von 
zerichterstattern belagert. Thaw weigert sich jedoch, sie zu 
moösangen oder sich photographieren zu lassen, bevor er nicht 
inen nencn Anzug erhalten hat. Thaw erklärt, daß er aus 
der Anstalt nur deshalb entfloh, weil seine Frau Miß Evelmn 
wieder zur Bühne gegangen sei. Das lei sein größies Leid 
u 
hHofmarschallamt des Kalsers, dessen Geschäftslokal sich im könig— 
ichen Schlosse in Berlin befindet, umfaßt die gesamte Verwal—⸗ 
ung des Hofes des Monarchen sowie die Verwaltung sämt— 
icher königlicher Schlösser und Gärten und ist auch den Hof— 
altungen der königlichen Prinzen übergeordnet. Es ist eine 
rustergültig orgamisierte Behörde, der es an Arheit in Hülle 
ind Fülle niemals fehlt. 
Ein neuer deuischer Edelsiein. Ein erfreulicher Fund ist in 
deutsch-Südwestafrika gemacht worden, und zwar ursprünglich 
„urch den verstorbenen Gouverneur von Bennigsen. Er brachte 
on einer Reise nach dort einen Kristall mit. Nachdem er 
eschliffen war, stellte sich heraus, daß es ein schöner Aqua⸗— 
rarin (eine Varietät des Berylls, auch des Topas) sei. Tarauf 
elegte die Teutsche Kolonialgesellschaft die Felder um den 
yundort. Ter Geologe Reuning fand nun dort versch;eden— 
arbige Berylle. Außer dem hellblauen Aquamarin noch goldgelb 
nd grüngelb gefärbte. Nach dem Schff ergab sich, daß der 
oldgelbe Stein noch ganz unbekannt war und in seiner Art dem 
zmaragd sehr ähmlich ist. Ter neue Stein erhielt den Namen 
Heliodor“. Er ist, wie von den Blättern der Kolonie ge— 
seldet wird, ein Edelstein, nicht ein sogenannter Halbedelstein, 
at hohen Härtegrad und schönes Feuer. Bisher murden nur 
venig Steine dieser Art gefunden. 
Ein Hund als Empfänger einer Rettungsmedaille. In dem 
?tädtchen Tudley in der englischen Graischaft Staffordshire 
purde dieser Tage der Hund eines Polizeibeamten mit der 
ronzenen Medaille ausgezeichnet, welche die „Canine Society“ 
ir Rettung aus Feuersgefahr peleiht. Ter dekorierte Vier— 
ußler, ein Airedale-Terrier, der auf den Namen „Nell“ hört, 
atte eines Tages in dem Hause, das außer der Familie seines 
zerrn noch andere Leute beherbergte, Lärm geschlagen. Alles 
ig in tiefem Schlafe und niemand achtete auf das ängstliche 
zebell des Hündchens, das im Flur des Hauses seine Schlaf— 
elle hatte. Tas Tier gab jedoch keine Ruhe und verursachte 
inen solchen Lärm, wobei es die Treppe hinauf⸗ und hinab— 
annte, wie man deutlich hören konnte, daß der Polizist, der 
rst spät nach Haufe gekommen war und sich gar nicht ermuntern 
onnte, schließlich doch hinaustrat. Es war die höchste Zeit, 
enn die oberen Räume waren bereits so dicht mit Rauch er— 
üllt, dah die Rettung der dort schlafenden Personen nur mit 
roher Mühe bewerkstelligt werden konnte. Tas Feuer konnute 
selöscht werden, bevor es gröheren Umfang annakn. Ohne 
»en wachsamen Hund wären aweifellos alle Bewohner erstickt,
	        
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