Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Bundesstaaken, ohne daran durch das Aussand gehycbert zu 
werden, die von ihnen für nötig erachteten Schiffahrts— 
oerbesserungen einführen können. Ich möchte wünschen, daß 
die Wohltaten des neuesten Reichsschiffahrtsgesetzes recht bald 
auch den beiden Verkehrsgebieten zugute kommen möchten, auf 
denen dieses zurzeit wegen des Einspruchs des Auslandes leider 
noch nicht möglich ist. Der Redner ging dann noch auf die 
wasserbaulichen Anlagen ein, welche bezwecken, weite Land⸗ 
gebiete mit billiger Elektrizität zu versorgen, und konstatiert. 
daßß wir in Preußen augenblicklich mit einer ganz ungewöhn— 
ich großen Fortentwicklung der Wasserstraßen beschäftigt sind. 
Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß für alle zurzeit in 
Preußen in Ausführung begriffenen Arbeiten zugunsten der 
Binnenschiffahrt mehr als 600 Millionen Morxk bewillsigt 
vorden sind. (Lebhafter Beifall.) 
In seinem Bericht über den Stand der Wafser— 
traßen in Bayern betonte der Geschäftsführer des 
Bayerischen Kanalvereins Steller Mürnberg). daß die 
Umgestaltungen auf dem Balkan die verbündeten Reiche 
Deutsichland und Oesterreich-Ungarn veranlassen müßten. ge— 
neinsam dahin zu wirken, die technischen und wirtschaftlichem 
hemmungen zu beseitigen, die bisher einer regeren Entwicklung 
»es Donauverkehrs noch entgegenstanden. Der Vortragende 
rwähnte besonders die Zollpolitit der beteiligten Staaten 
ino die Tarifpolitik einerseits der Eisenbahnen, andererseits 
der Donau⸗-Dampfschiffahrts-Gesellschaften Oesterreich Ungarns. 
ẽer gedachte hierauf der Gündung des Bayerischen Lloyd und 
neinte, mit dieser Gesellschaft sei ein Wer? geschaffen worden, 
ruf Grund dessen Bayern befähigt sein werde, mit den 
hesellschaften Oesterreichhß und Ungarns zu beiderseitigem 
stutzen über Maßnahmen zu weiterer Belebung des Donau⸗ 
derkehrs mit Erfolg zu verhaudeln. Der Redner besprach dann 
zor allem die Bestrebungen zur Regulierung der oberen Donau 
ind des Donau⸗-Main-Kanals. 
Die Schiffahrtsverhältnisse in Wärttemberg 
zehandelte Syndikus Bayer GEtuttgart) unter besonderer 
Herücksichtigung der Neckar-Kanalisierung. An der Schiffbar— 
nachung des Oberrheins von Basel bis Konstanz ist Württem⸗ 
heros Industrie lebhaft interessiert, wenn sie auch nicht aktiv 
daran mitarbeiten kann. Sie bearüßt die erfolgreichen Be— 
nebungen die auf die Ausdehnung der Rheinschiffahrt in 
»en Bodensee gerichtet sind. Die aktive Mitarbeit an der 
Schiffbarmachung des Neckars von Mannheim bis Plochingen 
st für die württembergische Industrie von jeher eine Haupt- 
rufgabe gewesen, ihre Verwirklichung bildet zurzeit ihre Haupt- 
orge. Der Redner erörterte dann die Aussichten hierfür für 
die nächste Zukunft. — Handelskammer-Syndikus Braun 
Konstanz) behandelte den Stand der Wasserstraßenfrage in 
Baden. — Schließlich sprach Geh. Regierungsrat Professor 
Flamm (Charlottenburg), der Vorsitzende des Zentralvereins 
ür deutsche Binnenschiffahrt, über die zerstörenden Wirkungen 
ꝛer Schiffsschraube auf die Kanalsohle. Der Vortrag wurde 
durch eine Reihe von Lichtbisdern ergänzt. — Am Abend 
and ein Festmahl im InseHotel statt. 
J 2 
534. Allgemeiner Deutscher Genossenschaftstag. 
IV. 
(Nachdr. verb.) 8. & E. Posen, 21. Aug. 
Die heutige Sitzung des Allgemeinen Genossenschaftstages 
zegann mit der Hauptversammlung der Handwerkergenossen⸗ 
chaften. — Zunächst sprach Rechtsanwalt Trecelius (Charlotten⸗ 
zurg) über Schlußfolgerungen aus der Statistik über die 
hrundsätze und die wirtschaftliche Lage der Handwerkergenossen⸗ 
schaften. Er bestritt in seinen Ausführungen, daß die Behaup⸗ 
lung, das Genossenschaftswesen vermöge die Lage der Hand— 
verker nicht zu bessern, allgemein richtig sei, wenn auch ein— 
elne Fehlschläge vorgekommen seien. Die Rohstoffgenossen⸗ 
Faften prosperieren, weniger gut stehen die Werk- und Pro⸗ 
ultiogenossenschaften. Die Gründe für Mißzerfolge liegen in 
Irganisation und Kalkulation oder mangelhafter Leitung. — 
Lin Beschluß wurde in dieser Sache nicht gefaßt. — In der 
2. Hauptversammlung für gemeinsame Angelegenheiten aller 
enossenschaften stellte Dr. Crüger zum Thema „Verbands⸗ 
tevision“ einen Antrag, in welchem an der Revifion 
testgehalten, dagegen von einer Beteiligung an ge— 
chäftlichen Unternehmungen seitens des Revisionsver⸗ 
zandes unbedingt abgeraten wird. — Der Antrag wurde 
mgenommen. — Justizrat Schultz (Filehne) behandelte die 
ESchulze-Delitzschen Genossenschaften und die Landwirtschaft 
inmer Bertdsichtigung der Verhältnisse im Osten“. worauf Dr 
»raußen. Aber — war es Zufall oder lam es Astrid nur so 
or? — spielte er nicht merkwürdig viel hier nach ihrer 
Zeite zu? 
Einmal aufmerksam geworben, begann sie darauf zu achten, 
und wirklich — nein, es war keine Täuschung mehr! Jetzt 
ben zeigte es sich ja ganz eklatant. Er hatte da am Risch 
ßlatz zu nehmen, auf einem schon bereitstehenden Stuhl. Aber 
udem er sich niederließ, gab er diekem unauffällig eine Wen— 
dung, so daß er das Geficht auch jetzt wieder ihnen zukehren 
onnte, und nun, wo er längere Zeit zu sprechen hatte, suchte 
ein Auge ganz deutlich ihre Loge — sie beide hier 
sffortsekung folat.) 
7Tpoq2- unst und Wissenschaft. 
Lüubeck 22. August. 
ztadthallen⸗Theater. 
„Der lächelnde Knabe“. 
Fin Scherzspiel aus alten Tagen in drei Akten 
von Max Dreyer. 
Wir kennen befseres von Max Dreyer. Sein „Probe⸗ 
andidat“. sein, Tal des Lebens“ und selbst seine Großmama“ 
virken doch frischer, namentlich straffer im Bau und in der 
öervortehrung der Pointe, als dieses kleine Scherzspiel, wie 
rees bescheidentlich selbst nennt; doch darum sei es ihm 
zerzichen. „Der lächelnde Knabe“, der klingelnde Titel gefiel 
o gut, daß er her mußte, wenngleich von diesem musteriösen, 
auberhaften Menschengebilde auch meistens nur ein peinliches 
Zuäcken zu hören ist und nur zweimal, soviel ich mich 
erinnere, konstutiert wird, daß er lacht. Der erste Akt weist 
ine etwas ertötend langatmige Exposition auf, von der auch 
der Rotstift des Regisseurs ohne Gewissensbisse die größere, 
ber nicht bessere Hälfte streichen könnte. Dann wird der 
hesagte Knabe gefunden und verrichtet durch seine mehr oder 
veniger geruhsame Anwesenheit allerlei Wunderdinge. Er ver⸗ 
jilft einem tüchtigen Major a. D. zur Frau und zu einem 
Dampfschiff. vereitelt die Ränke böser, gewinnsüchtiger Geschäfts⸗ 
herren, vereinigt eine geschiedene. würdige Dame mit ihrem 
Ehegesponst, heilt eine schwärmerische Jungfrau von ihrem 
Ranzosenkult fast ganz und halb von ihrem Empereurkult 
und gibt ihr einen Bräutigam, kurz, es ist ein „zauberhaftes 
Gehtimnis“ nicht nur für einen leicht „spinnenden“, früheren 
Früger über „Mitgliedschaft der Genossenschaft vet der Ge⸗ 
nossenschaft“ referierte. Sein Antrag wurde angenommen, eben⸗ 
o der, den Bundesrat um Aufgabe des Termins für die Auf⸗ 
ebung des Schechsstempels zu ersuchen. Nachmittags tagte die 
zauptnersammlung der Konsumvereine unter dem Vorsitz des 
Fabrikbesitzers Nolte (Lüdenscheid). Dr. Crüger sprach hier— 
et über die „Aufgaben der Konfumvereine“ und wandte sich 
nesonders gegen die Theorien von Wilbrandt und Adolf 
Vagner. die den Feinden der Konsumvereine nur Wasser auf 
ie Mühlen lieferten. Er betonte, das Ziel der Schul,e-Delitz⸗ 
hen Genossenschaften sei nicht die Gemeinschaft, sondern die 
echnische, geschäftliche und soziale Hebung des einzelnen. In 
jer Diskussion wurde namentlich dagegen Stellung genommen, 
daß den Beamten die Gründung und Zugehörigkeit zu Konsum⸗ 
dereinen erschwert werde, und gefordert, daß die Beamten in 
ieser Richtung das gleiche Recht haben müßten wie die Ar—⸗ 
eiter. — Die zu diesem Referat vorliegenden Anträge fanden 
Unnahme. — Nach einem Referat des Verbandsrevisors Wilms 
Lüdenscheid) über die bei Aufstellung von Bilanzen zu be— 
chtenden Grundsätze folgte ein Referat von Direktor Berger 
Görlitz);“ über den Wert seiner sachgemäßen Kalkulation. Er 
eilte folgenden Antrag: „Da die kaufmännische Kalkulation die 
srundlage für das Gedeihen jedes Geschäftsbetriebs ist, wird 
»en Konsumvereinen empfohlen, den größten Wert auf eine 
olche zu legen; besonders die immer wachsende Eigenproduktion 
nfordern schärfste und sich wiederholende Kalkulotionen. Zu 
iesem Zwed ist ein Kalkulationsbuch anzulegen, in welches sämt⸗ 
iche Waren zum Einkaufspreise einschließlich aller Spesen über— 
ichtlich eingestellt sind, so daß sich nicht nur die Einkaufs⸗ 
reise ergeben, sondern auch die Mengen der im Laufe des Ge—⸗ 
chäftsijahres bezogenen Waren und die Konditionen, zu welchen 
ie einzelnen Einkäufe betätigt wurden. Dieses Kalkulations— 
nuch bietet die Gewähr, daß die Waren zum wirklichen Ein⸗ 
—D 
räßige Uebersicht über den Verbrauch der einzelnen Artikel in 
edem GSeschäftsjahr und schließlich eine leichte Uebersicht über 
ie verschiedenen Konditionen der einzelnen Lieferanten, mas 
zei Bestätigung neuer Käufe immer von Vorteil ist.“ Der An—⸗ 
rag wurde angenommen und sodann die Versammlung ge— 
chlossen. 
Die Balkanfrage. 
Ein Finanzboykott gegen die Türkei? 
Nachdem „die Mächte“ sich über einen politischen Drudck auf 
zie Türkei, der diese bewegen könnte, das wiederbesetzte „hei⸗ 
ige“ Adrianopel wieder den bulgarischen Ghiaurs zu über—⸗ 
assen, nicht ein'gen konnten, wird die Möglichkeit einer „finan⸗ 
iellen Aushungerung“ zwischen den Kabinetten erwogen. In 
Zetersburg tut man so, als sei man bombenfest von der Zweck 
näßigkeit eines solchen Versuchs überzeugt. In Wirklichkeir 
bird man nirgends besser als in Vetersburg wissen, wie wenig 
eutzutage finanzielle Abhängigkeiten die Bewegungsfreiheit 
iner wagemutigen Regierung zu beschränken brauchen. Es hat 
a sogar oft den Anschein, als ob im internationalen poli— 
ischen Leben der Gläubiger öfter nach der Pfeife des Schuld 
ers tanzen müsse als umgekehrt, was übrigens im modernen 
rivaten Leben auch nicht selten vorkommt. Die Geschichte der 
etzten großen chinesischen Anleihe konnte alle, die noch keine 
helegenheit gehabt hatten, Blicke hinter die finanziellen Ku— 
issen der modernen internationalen Politik zu tun, darüber be— 
ehren, dah das Ideal der Einigkeit: Europas sofort seinen 
tzten Schimmer von Wahrscheinlichkeit verliert, sobald die aus 
manderstrebenden politischen Interessen der Mächte mit finan 
ellen Banden z usammengefügt werden sollen. Die Anleihen, 
ie die chinesische Regierung vor dem Zustandekommen der 
roßen Anleihe, gegen den Willen der beteiligten Banken mit 
ußenstehenden Finanzgruppen, abzuschließen vermochte, bewiesen 
hlagend, daß die Gewinnsucht auf dem internationalen Geld 
iarkt jederzeit stärker ist als das Bestreben, einem Schuldner⸗ 
raate gegenüber gemeinsame Interessen wahrzunehmen. Man 
raucht nur zu erwägen, daß die französische Regierung gerade 
nit Rücksicht auf die Interessen französischer Gläubiger der 
ürkischen Regierung in letzter Zeit der russischen türkeifeind⸗ 
ichen Balkanpolitik entgegengewirkt hat, um dem Finanz- 
hoykott gegen die Türkei ein glänzendes Fiasko prophezeien 
u können. 
Adrianopel und die Diplomatie. 
Nach Ansicht der Pariser Dip'omatie hat der türkisch-bul⸗ 
agrische Streit um Adriamopel alle Schärfe verloren. Eine neue 
natsapot.eter mit sensitiven Nerven und dito Händen. Das 
Wertvolle ist eine oft sehr hübsche, treffsichere Zeichnung der 
zeit um 1820, das Treiben in einer kleinen alten Ostseestadt, 
ind kecke Lichter und feine Pointiertheiten in der Farb— 
sebung des ganzen, scherzhaft erfaßten Milieus. Einzelne 
Figuren, wie der Ratsapotheker, der Schiffsreeder Brodersen 
ind das schwärmerische Brigittchen sind sehr hübsch gezeichnet 
ind helfen neben drastischen Komikerrollen über das oft leise 
aus dem Imern aufsteigende herzhafte Gähnen hinweg. 
Gespielt wurde wirklich sehr nett. Helga Bally gab 
n Sabine eine gute, feine, liebeheischende Bürgertochter, in 
»er der Stolz und der Geschäftsgeist des alten Hauses lebt 
ind die, wenn auch in Jahren, doch junge Empfinden hegt. 
zohanna Riccardo erfüllte ihre schwärmerische Jung⸗ 
aädchenrolle mit viel Wärme und Singabe, oft mit starkem, 
»utwarmem Temperament; ihr Spiel zeugt, wenn auch in 
Fielem noch nicht ausgeglichen und abgeklärt, stets von ernster 
Arbeit, von Aufgehen in der Rolle, von wirklicher Freude 
in der Darstellung. Felici«d Pestel ist eine ganz routi⸗ 
iierte Komikerin; ihre drastische Krischane Kluckuhn war in 
Zpiel und Sprache zwerchfellerschütternd; sie und Ju lius 
zeydecher, der in famoser Maske und Haltung den Rats- 
oten Kluckuhn gab, als Partner, sind stets ungebändigter 
eiterleit sicher. Sehr gut gefiel Hans Wallis als 
Tobias Lindenström, der poetische, Geister und Zauber witternde 
ensitive Ratsapotheker. Maske und Spiel waren famos und 
is ins kleinfte durchgeführt. Fritz Göbel als Maijor war 
echt ansprechend, ebenso Otto Bögel als Schiffsreeder 
zrodersen, der zeitweise sogar recht gut und mit Humor 
ersuchte, aus sich herauszugehen. Walter Weymann 
immt mir seine Rollen stets zu weichlich er gab den Arzt 
hert Gerdes. Friedrich Ambronn (als Ratssyndikus) 
„ergißt, daß natürliche Steifheit noch nicht dargestellte Steif— 
xeit ist. Das Zusammenspiel war recht hübsch. Der sonst 
refflichen Regie seien die Schreitöne der Babys, sowie die 
»es Waldhornes zu tiefgründigerer Ausgestaltung warm ans 
— — Ohr gelegt. Dr. K. 
Kleine Mitteilumgen. Franz Lehar hat sich entschlossen, 
eine neue Operette, „Die ideale Gattin“ zunächst im 
Theater an der Wien aufführen zu lassen. Die Berliner 
Störung des Friedens wegen dieser Frage hält nian für ausge— 
chlossen. Ter Temps bemerkt, dah man in Wien eine Neu— 
ralisierung oder eine Entfestigung der bei der Türkei verblei— 
enden Stadt erörtert. Deutschland dagegen soll sich zugunsten 
birekter Verhandlungen zwischen Konstantinopel und Sofia auf 
ihnlicher Grundlage ausgesprochen haben. Frankreich wird, wie 
»as genannte Blatt besonders betont, fich der Haltung Eng—⸗ 
ands und Rußlands anschließen. Da dieße beiden Staaten aber 
»on jeglichen weiteren Schritt der Konstantinopler Votschaften 
abraten, spricht sich die französische Regierung damit zugunsten 
einer abwartenden Politik aus, d. h. sie befürwortet jedenfalls 
direkte türkischbulgarische Verhandlungen mit dem offenkundigen 
Ziel, Adrianopel dem posmanischen Reich zu überlassen. Tafür 
müssen natürlich der bulgarischen Regierung einige Zugeständ⸗ 
nisse gemacht werden, die in der Schaffung einer neutralen 
Zone, der Schleifung der Befestigungswerke von Adrianopel oder 
etwaiger Gebietsabtretungen, namentlich der auf dem rechten 
Maritzaufer liegenden Vorstadt von Adrianopel liegen könnten. 
Toetfchew nach Bukarest abgereist. 
Wie dem Temps aus Sofia gemeldet wird, ist der erste bul 
arische Friedensunterhändler, Jinanzminister Tontschew, nach 
Bukarest abgereist. Der Zwech semer Misfsion ist noch unbekannt, 
doch wird ihr im diplomatischen Kreifen große Bedeutung bei— 
gemessen. 
Die Adrianopler Sondergesandischaft. 
Diplomatische Kreise Petersburgs behaupten, daß die aus 
Eingeborenen aus Adrianopel bestehende Gesandtschaft, die auf 
eine dauernde Zugehörigkeit der Stadt zum türkischen Reich 
hinarbeitet, in amtlichen russischen Kreisen keinen Erfolg gehabt 
hat. Der Minister des Aeußern, Ssasonow. der den Empfang 
der Misfion ablehnte, beauftragte den Ministerialrat Fürsten 
Turbetzkoi mit der Entgegennahme der Denkschrift. Die Gesandt 
schaft ißt von Petersburg nach Berlin weitergereist. 
Botschafterwechsel in Bularest. 
Der Zar hat vor seiner Abreise nach Livadia den bisherigen 
russischen Gesandten in Bukarest, Schubeko, empfangen. Schu⸗ 
beko fährt nicht nach Bukarest zurüch, sondern wird zum Bot 
schafter in Wien ernannt 
Zigeunerüber fall auf das rumãnische Königspaar. 
Aus Bukarest wird gemesdet: Auf das Automobil, in dem 
ich das rumänische Königspaar befand, hat ein Ueberfall durch 
Banditen stattgefunden. Als das Königspaar im Automobil 
u dem unweit von Sinaia geiegenen Schloß Comarnic fuhr, 
tellten sich mehrere Zigeuner auf die Landstrahße und gaben dem 
Chauffeur ein Zeichen, anzuhalten. Einige andere versuchten mit 
vorgehaltenen Revolvern das Automobil zum Stehen zu bringen. 
Der Chauffeur erkammte die Gefahr und fuhr so rafch als 
r konnte zwischen den Banditen hindurch. Ter von ihnen er 
zffnete Steinhagel komte das Automobil nicht mehr erreichen 
Durch die Geistesgegenwart des Chauffeurs blieb das Königs- 
paar unverletzt. Die Staatspolizei ergriff strenge Maßnahmen 
um der Zigeunerbande habhaft zu werden. 
ꝑ 
Deutsches Reich. 
DT. Die Streiklage in Stettin. Mit der Lage in der Werfb— 
arbeiterbewegung, wie sie durch die Eigenbrödelei der Niete: 
und Schiffszimmerer und die dadurch bedingte Schließung des 
Arbeitsnachweises sich darstellt, befaßte sich gestern vormittag 
ine allgemeine, von 1500 Personen besuchte Versammlung 
der Gewerkvereine Stettins. Sie billigte einstimmig unter 
ebhaftem Beifall eine von den Vertrauensmännern gefaßte 
Resolution, welche besagt: „Die heute im Kasino zu Graboro 
agende Vertrauensmännersitzung der Gewerkvereine aller Be— 
ufe nimmt Kenntnis von dem Vorgehen einer kleinen Gruppe 
»on Werftarbeitern, der Nieter und Schiffszimmerer, und be— 
)auert, daß diese Berufe den von den Freien Gewerkschaften 
jemeinsam gefaßten Beschlüssen wegen der Arbeitsaufnahme 
»urch den Arbeitsnachweis nicht nachgekommen sind. Wir als 
Fewerkvereinler haben uns bisher den von den Freien Ge— 
verkschaften befaßten Beschlüssen gefügt, und dies war für 
ins so lange bindend, wie die Mitglieder der Gewerkschaften 
ich selbst diesen Beschlüssen fügten. Da dieses aber jetzt nicht 
nehr der Fall ist, erklärt die Vertrauensmännersitzung, ihre 
Leitungen zu beauftragen, mit denen der Freien Gewerkschaften 
Rücksprache zu nehmen, um andere Schritte in die Wege zu leiten, 
und sollte dies nicht möglich sein, selbständia vorzugehen, um 
1. 
— hrung wird im Oktober, kurz nach der Wiener Premiere, 
bhei Direktor Monti mit Frau Massary und Herrn Spielmann 
·rfolgen. Direktor Monti, der bei Lehaär in Ischl weilte, hat 
ich auch dessen neues Werk „Endlich allein“ für Berlin ge— 
ichert. — Das Deutsche Theater zu Berlin brinst 
As erste Vorstellung nach den Ferien „Faust“ 1. Teil. 
—duard von Winterstein spielt zum ersten Male den 
raust. Als Mephisto tritt Werner Kraukß vom Stadt— 
heater in Nürnberg, als Gretchen Gert rud Hackelberg 
om Landestheater in Prag das Engagement am Deutschen 
kheater an. In den übrigen Hauptrollen sind beschäftigt: 
f—milie Kurz, Viktor Arnold, Paul Biensfeldt, Wilhelm Diegel⸗ 
nann, Karl Ebert, Alfred Breiderhoff, Fritz Richard. — Das 
monym eingereichte Lustspiel „Das europäische Kon— 
ert“ wird gleichzeitig in Berlin im Deutschen Theater und 
m Wiener Deutschen Volkstheater zur Uraufführung gelargen. 
—Die Breslauer vereinigten Schauspielbühnen (Lobe- und 
Thaliatheater) unter der neuen Leitung von Dr. Hans Meyer 
md Hofschauspieler Emil Birron werden im Lobetheater mit 
iner nach den Vorbildern des Hof- und des Künstlertheaters 
m München eingerichteten Aufführung des „Hamlet“ die Winter— 
pielzeit eröffnen. 
C.K. Lorenzo Perosi und das Theater. Seit längerer 
Zeit harrt die italienische Musikwelt mit Spannung auf die 
Vollendung des neuen großen Werkes Perosis; man wußte, 
aß der Meister an einer großen Komposition arbeitete, die den 
Litel „Die Samaritanerin“ führen sollte. Der römische Schrift— 
teller Alberto Gasco hat Don Lorenzo Perosi in diesen Tagen 
zesucht und sich dabei nach den Fortschritten der Arbeit erkun— 
»igt. Perosi erwiderte mit einer interessanten Erklärung: er 
erzählte, dah er an einem bestimmten Punkt der Arbeit gespürt 
zabe, daß die Musik auf einen Bühnencharakter hindränge. Als 
»er Freund dem Meister der geistlichen Musik den Vorschlag 
nachte, die Samaritanerin zu einer Oper auszugestalten, er— 
lärte Perosi, dah er sich dazu unter keinen Umständen ent 
chliehen könne; so habe er sich auch geweigert, auf die Vor— 
chlãge, die auf eine Buhnenaufführung seines „Moses“ hin— 
trebten, einzugehen. Und er schlon das Gespräch mit der 
Harakteristischen Erklärung: „Nein, ich will es Ihnen sagen 
das Theater macht mir Angst.“
	        
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