Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Neuefte Nachrichten und Telegramme. 
Zu dem Sparkassenraub in Samburg. 
W. Wilhelmsburg (Elbe), 21. Aug. Heute morgen gegen 
10 Uhr erschienen, wie schon kurz berichtet, in einem Automobil, 
das die Nummer J. S. 1657 trug, vor der höesigen Sparlasse 
zwei Männer, die sich in das Banklokal an der Kirchenallee 
begaben. Sie drangen auf die dort befindlichen drei Beamten 
mit vorgehaltenem Rerolver ein und verwundeten den Schalter 
beamten Bethke, der dem Befehl „Hamde hoch!“ nicht nach— 
kam, durch einen Schuß in den Kopf schwer, so daß er bewußtlos 
zusammenbrach. Die beiden Räuber schwangen sich sodann über 
die Brüstung des Kassenraumes und raubten aus der Tageskasse 
213,50 M. Sie versuchten sodann, den Tresor zu öffnen, was 
aber mißlang, da die Schlüssel nicht zu finden waren. Mit 
ihrem Raube fuhren die Räuber dann im Automobil in der 
Richtung der Hamburg⸗Harburger Chauffee von dannen. — Der 
schwerverletzte Beamte Bethke mußte in das Marienkrankenhaus 
in Harburg übergeführt werden. — Von den Tätern glaubt 
man, in dem einen einen Kellner erkannt zu haben, der in 
einer hiesigen Wirtschaft Ende vorigen Jahres beschäftigt war 
und seit dieser Zeit auch ein kleines Sparguthaben bei der 
Spaxkasse hinterlegt hatte. Tie Tat scheint seit langem ror-— 
bereitet gewesen und das Sparkonto zu diesem Zwece eingerichtet 
worden zu sein. 
Die angebliche preußische Wahlreform. 
Berlin, 21. Aug. In Sachen der preußischen Wahlreform 
und der angeblichen Vorbereitung für eine neue Vorlage an 
den Landtag liegt nach bestimmten Erklärungen von unter— 
richteter Stelle keinerlei Faktum vor, das den Mitteilungen einer 
hiesigen Parlamentskorrespondenz irgend eine Unterlage böte 
Die Lage der Dinge hat sich in kelner Weise geändert, viel- 
mehr kann unter den obwaltenden Umständen nur immer wieder 
darauf verwiesen werden, daß die erste Voraussetzung für eine 
neuerliche Inangriffnahme des Planes die Herstellung einer Par—⸗ 
teikonstellation bildet, die den Erfolg eines neuen Reformver— 
suchs einigermaßen gewährleistet. Tiese Konstellation aber her— 
beizuführen, liegt außerhalb der Macht der Regierung. Taß 
bis dahin alles einschlägige Material von den zuständigen 
Stellen gelammelt und bearbeitet wird, ist so selbstoerständlich, 
r ꝙ nicht immer wieder von neuem versichert zu werden 
raucht 
Der neue KruppeProzeß. 
Berlin, 21. Aug. Eine hiesige Korrespondenz verbrei— 
et über den Fortgang der sogenannten Krupp-Prozesse neuer— 
dings allerhand fragwürdige Mitteilungen. So soll sich das 
gegen den früheren Angestellten Krupps Brand eingeleitete 
Untersuchungsverfahren auf eine größere Zahl von Versonen, 
namentlich auch frühere Direktoren der Firma Krupp, darunter 
ruch auf den Landrat a. D. Röttger. jetzigen Vorsitzenden des 
Zentralverbandes deutscher Industrieller, ausgedehnt haben 
Rachrichten ähnlicher Art, vermutlich aus derselben Quelle 
gingen bekanntlich schon früher durch die Vresse. Wie wir 
dazu von zuverlässiger, unbeteiligter Seite erfahren, cathalten 
auch die jetzigen Mitteilungen offensichtliche Unrichtigkeiten und 
werden auf die Machenschaften bestimmter interefsierter Kreise 
und teils auf das Sensationsbedürfnis gewisser Blätter zurüd⸗ 
zuführen sein. Man wird darum gut tun, ihnen mit größter 
Zurückhallung zu begegnen und die Eröffnung des Haupt⸗ 
versahrens oder die Verhandlung abzuwarten, über deren Ter— 
min gleichfalls völlig aus der Luft gegriffene Mitteilungen 
verbreifet merden 
Katholikentag. 
W. Metz, 21. Aug. Bei der gestrigen dritten und letzten 
Festversammiung des Katholikentages in französischer Sprache 
dröchten Präsident Fürst Löwenstein und Bischof v. Benzler 
ihre Befriedigung über den schönen Erfolg aus und dankten 
denen, die dazu beigetragen haben. Präsident Fürst Löwen—⸗ 
tein sogte der Erfolg des Kongresses der französisch sprechen⸗ 
den Lothringer habe die optimistischen Hoffnungen übertroffen. 
Dies sehe jedoch nicht in Erstaunen, wenn man die Berührungs— 
punkte einzuschätzen wisse, welche die katholische NReligion für 
Lethringer und Altdeutsche darstelle. Es habe gewiß Schwie— 
rigkleiten gegeben, die man vor allem der Politik verdanke. 
Dhne ihre Einmischung wären sich die Altdeutschen und die 
ringeberenen Lothringer schon seit langem näher gekommen. 
Fürst Löwenstein dankte namens der Altdeutschen und schloß: 
Auf Wiedersehen auf dem nächsten Kongreß in Mänster! 
-Die letzte geschlossene Versammlung unter dem Vorsit 
des zweiten Vizepräsidenten Rechtsanwalts Dr. Trunk hefaßte 
sich mit noch unerledigten Ausschußanträgen. U. a. wurden 
Resomtionen angenommen, in denen Bekämpfung der Aus— 
wüchse der Kinotheater, gesetzliche Einführung der Konzessions— 
pflicht für die Kinotheater, Verbot eines gleichzeitigen Schank— 
betriebes, gesetzliche Regelung der Bild- und Plakatzensur und 
Verbot des Besuches seitens Kinder und Jugendlicher gefor— 
fordert werden. In das Zentralkomitee wurden neugewählt: 
Brandes-München-Gladbach, Gröber-Heilbronn, Kinuingaer-Meü 
und Domkapitular Sahler-Würzburg. 
— Kurz nach 10 Uhr begann die vierte öffentliche Ver⸗ 
jammlung, die Schlußsitzung des Katholikentages, die von dem 
Abg. Hön mit der Verlesung einiger Telegramme eröffnet 
wurde. Danach sprach der Beneficiat Gerstenberger-Würzburg 
über Katholizismus und Presse. Den letzten Vortrag hielt 
Dominikanerpater Bonaventura-Berlin über die Entcheistlichung 
des öffentlichen Lebens. Dann folgte die Schlukansprache des 
Präsidenten Fürsten zu Löwenstein. 
Quftfahrt. 
W. Samburg, 21. Aug. Das Marineluftilchiff 
„L 1“ unternahm heute morgen b,45 Uhr eine Fernfahrt, 
die als Ziel Helgoland hatte. Das Schiff fuhr die Elbe ab—⸗ 
wärts über Medel, Otterndorf und Cuxhafen nach Helgoland, 
wo es um 10354 Uhr eintraf. Als das Schiff „Helgoland“ 
possiert halte, geriet es in eine dichte Nebelbank. Es kehrte 
und fuhr im Nebel zurück nach Cuxrhaven. Die weitere Fahrt 
eritreckte sich über Brunsbüttel und Glückstadt, die Elbe ouf⸗ 
wärts über Hamburg nach dem Flugplatz Fuhlsbüttel, wo 
um 1.45 Uhr glatt die Landung erfolgte. 
Maßrmahmen der Mächte gegen die Türkei. 
Petersburg. 21. Aug. An unterrichteter Stelle wird be— 
stätigt, dak zwischen den Großmächten, wenn auch noch nicht in 
effizieller Fortm, Pourparlers schweben, die den russischen 
Vorschlageiner finanziellen Aushunzerungder 
Türkei zum Gegenstande haben. Bei den Htoßrinächten sei 
vertiaulich angefragt worden, wie sie sich zu einer solchen 
Anregung stellen würdan. Danach sollten alle Regierungen ihren 
Einflugß bei den Bank- und Finanzkreisen jhres Landes dahin 
gellend machen, daß der Türkei unter keinem Vorwande Geld— 
mittel zur Verfügung gestellt werden, solange sie nicht in der 
Adtianopeler Frage einlenkt. Von deutscher Seite sei er⸗ 
widert worden. daß man sich nach einer Verständigung unter 
den übrigen Mächten nicht ausschließen werde, daß man viel— 
nehr als am wenigsten interessierte Macht jedem Vorschlage 
sich anzuschließen bereit sei, der die Billigung der übrigen 
Mächte gefunden habe. 
Rãumung des bulgarischen Gebiets. 
W. Konftantinopel, 21. Aug. Nachrichten aus diploma— 
lischen Kreisen zufolge setze sich Griechenland mit Bul— 
zarien wegen der Uebergabe der zu räumenden Teile Thra— 
ziens ins Einvernehmen. 
— Der türkische Kommandant von Enos teilt mit, daß der 
zriechische Metropolit in Dedeagatsch die Griechen und 
Muselmanen aufgefordert habe, auszuwandern. Die Bulgaren 
vürden am Freitag in Dedeagatsch einrücken, das der Metro— 
zolit heute verlasse. In Enos treffen täglich muselmanische 
Emigranten aus Dedeagatsch ein. 
* 
W. Paris, 21. Aug. Das Echo de Paris will erfahren 
haben, dah sich die Stimmung für den Bau eines unter— 
eeischen Tunnels zwischen England und Frank— 
ne ich so gebessert habe, daß die Ausführung des Vlanes inner— 
jalb der nächsten fünf Jahre als gesichert gelten könne. Der 
Tunnel, me'nt das Echo de Varis, würde die englische Flotte 
von der Aufgabe befreien, die Versorgung Englands mit Lebens⸗ 
mitteln zu beschützen. Die englische Flotte könnte alsdann 
iede Invasion oder die Annexton Belgiens oder Hollands 
durch eine andere Macht verhindern. 
W. Paris, 21. Aug. Der Matin meldet: Die Leitung der 
russischen Armee wird Maßregeln zur Beschleunigung 
der Mobilmachung ergreifen. Die Beschlüsse sollen in Zu— 
ammenhang stehen mit der Anwesenheit der französischen Mili— 
ärmission in Petersburg, an deren Spitze General Joffre, der 
ünftige Generalissimus der französischen Armee, steht. Die 
russische Armee wird infolge der Maßregeln, die sich haupt— 
ächlich auf den Bau strategischer Eisenbahnen beziehen, fast 
benso schnell mobil gemacht werden können, wie die fran— 
zösische. Ter Kaiser von Rußland hat dem General Joffre den 
Mexcunder⸗Newsky-Orden mit Brillanten und dem General 
DeAmade den Weißen Adlerorden mit Brillanten verliehen. 
W. Berlin, 21. Aug. Heute morgen wurde die Post— 
schafinerswitwe Seiler mit ihren beiden Kindern in ihrer Woh— 
ung in der Forster Straße bewußtlos aufgefunden. 
Ddie Wohnung war mit Gas gefüllt. Der zweiiährige Sohn ist 
ot. Frau Seiler und die achtjährige Tochter sind so schwer 
jergiftet. daß wenig Hoffnung besteht, sie am Leben zu erhalten. 
Dder Beweggrund zur Tat ist Lebensüberdruß infolge schwerer 
wirtschaftlicher Bedrängnis. 
Wa. Göttingen, 21. Aug. Geheimer Justizrat Profefor 
von Bar, Mitglied des Internationalen Schiedsgerichtshofes 
im Haag ist auf der Reise nach Oxford im 87. Lebensjahre 
gestorben. 
W. Neustadt, 21. Aug. Gestern abend ist der Leiter der 
volnischen landwirtschaftlichen Einkaufs- und Verkaufsgesellschaft, 
Rolnik Wittkowski, als er mit einer größeren Geldsumme 
zom Lande nach der Stadt zurückkehrte, von einigen Strolchen 
äberfallen und der ganzen Barschaft verqubt 
worden. Der Ermordete ist der Sohn eines angelehenen Bürgers 
aus Samter. 
DJT. Kassel, 21. Aug. Eine aufsehenerregende 
Szene spielte sich hier bei der Verhaftung eines Schlossers ab, 
der im Verdacht stand, in einer hiesigen Fabrik umfangreiche 
Metalldiebstähle ausgeführt zu haben. Beim Trafsport des 
Verhafteten nach dem Gefängnis riß er sich los und flüchtete. 
Als er sich bedrängt sah, zog er einen Revolver und feuerte 
auf seine Verfolger mehrere scharfe Schüsse ab, die jedoch alle 
fehl gingen. Der Fliehende entkam in seine Wohnung, vo er 
n der Käche die Gashähne öffnete und sich zu vergiften suchte. 
Man fand den Dieb bewußtlos auf, doch gelang es, ihn wiedet 
zerzustellen und zu seiner Verhaftung zu schreiten. Bei einer 
zaussuchung wurden aroße Mengen gestohlenen Kupfers ge— 
tunden. 
W. Leipzig, 21. Aug. Das Reichsgericht verwarf die 
Revision des Zinngießers Johann Straßer, der am 13. Mai den 
zreußischen Militärattache, Major von Lewinsky und den Polizei—⸗ 
zberwachtmeister Bohlender in München auf der Straße erschosser 
jat und vom Schwurgericht zweimal zum Tode verurteilt worden war. 
W. Bern, 21. Aug. In dem kleinen Dorfe Uelcken, Kanton 
largau. ermordete der 22jährige Knecht Karl Beck 
us dem Kanton Solothurn seine früheren Pflegeeltern, den 
dandwirt Acklin und dessen Frau nachts, verwundete die herbei— 
rilende 85 jährige Mutter der Frau mit einem Beilhieb und raubte 
erhebliche Barbeträge. Am nächsten Tage wurde er in der 
Rähe von Säckingen verhaftet. 
W. Pola, 21. Aug. Bei Schießversuchen trat bei einem 
39,5 Zentimeter⸗Geschütz eine schwere Havarie eines Bodenstückes auf. 
Hierbei wurden drei Vormeister getötet und Vizeadmiral 
Hraf Lanjus, Präsident des marinetechnischen Komitees, an beiden 
Beinen schwer verletzt. Ferner wurden drei Vormeister und 
zwei Zivilarbeiter schwer verletzt, während mehrere Personen. darunter 
ein Ingenieur. leicht verletzt wurden. 
a 
W. Kaiserliche Marine. Eigetroffen: „Straßburg“ am 
20. Aug. in Alexandrien, „Möwe“ am 20. Aug. in Mafia 
und am 21. Aug. in Daressalam, „Grille“ am 20. Aug. in 
Nordernen. In See gegangen: „Kaiser“ am 18. Aug., das 
l. Geschwader ohme „Oldenburg“ am 19. Aug. und „Olden 
»urg“ am 20. Aug. von Kiel nach Wilhelmshaven gegangen 
„Hyäne“ am 20. Aug. von Travemünde, „Grille“ am 20. Aug 
»on Borkum und am 21. Aug. von Norderney. — Indienst. 
tellung: Die 2. Minensuchdivision am 20. Aug. in Cuxhaven 
— Privatpakete nach Ostasien: An die Besatzungen der in Ost—⸗ 
isten stationierten Schiffe und des Kreuzergeschwaders fowie an 
die Besatzung des Gouvernements Klautschau einschließlich des 
ostasiatischen Marinedetachements lönnen Privatpakete lostenfrei 
zesandt werden, wem sie bis zum 29. Aug. bei der amtlichen 
Speditionsfirna Matthias Rohde & Joergens, Bremen, mit 
Post und Porto bestellgeldfrei eintreffen. Verpackung und Ver— 
ladung betragen 30 Pfg. und sind dieselben bei der annehmen- 
den Postanstalt zu entrichten. 
— 
Cubecker Seeamt. 
Machdruck verboten.) Lübeck, 21. Aug. 
In heutiger Sitzung des Seeamts kamen rplaende Sachen 
zur Verhandlung: 
1. Am 26. Juli 1913 ging der in Lübeck beheimatete Tampfer 
„Sedina“, Unterscheidungssignal IINH, von Lubech nach Riga 
1b. Erst kurz vor Abfahrt des Schiffes kam an Stelle eines 
desertierten Heizers der Heizer Ulrich Zigerlig an Bord. Wie 
sich nachträglich herausstellte, machte Zigerlig seine erste Fahrt. 
Er war bisher Schlosser gewesen und machte den Eindrudk eines 
kräftigen, gesunden Menschen. Aerztlich untersucht war er vor 
Antritt der Fahrt nicht. Am nächsten Tage, morgens von 
71 Uhr ab, hatte er zusammen mit einent anderen Heizer im 
Heizraum Tiemst. Da es fast windstikl war, war es dort sehr 
heiß, etwa 59 Grad Celsius. Zigerlig begab sich bald wieder 
an Dech um zu trinken. Nach sungerer Zeit war er noch nicht 
zurück. Ter Maschinist, dem das gemeldet war, sand ihn in 
seiner Koie. Er nahm an, daß Z3. die Arbeit des Heizens zu 
schwer sei und fragte ihn, ob er nicht wenigstens Kohlen 
trimmen könne; es solle ihm dabei noch ein Junge helfen. 3. 
zina dann wieder in den Heizraum. Er trimmte anfangs 
einigermaßen, ließ bald darauf aber in seiner Arbeit nach und 
setzte sich dabei nieder, so daß cu die Kohlen nicht ordentlich 
erreichen konnte. Als infolgedessen der andere Heizer nicht 
genug Kohlen hatte, um Tampf zu halten und der Dampfdrudk 
fiel. kam der Maschinist Sch. in den Heizraum und zeigte dem 
3., wie er Kohlen trimmen und daß er dabei stehen müsse. 3. 
tand auch auf und fing an, zu trimmen, wie es ihm gezeigt war. 
Der Maschinist half zunächst noch aus einem andern Bunkerloch 
trimmen und ging dann wieder fort. Bald darauf fiel dem 
andern Heizer auf, daß wieder leine Kohlen kamen. Er sah nach 
und fand Z3. scheinbar schlafend, halb sitzend, halb liegend, im 
Bunker. Auf seine Anrufe erhielt er von 3. keine Antwort. 
Er zog nun 3. aus dem Bunker heraus und versuchte, ihn in 
rine sitzende Stellung zu bringen. Z. fiel aber wieder um. 
Der nun hinzukommende Maschinist, der die Maschine nicht 
—ER 
oslle. TDa der Heizer aber selbst so müde war, daß er mit 
zilfe eines anwesenden Schiffsjungen 3. die steile Treppe nicht 
hochtragen konnte, so wurde dieser zunächst in den Maschinen— 
raum gebracht, in dem es nicht so heiß war, wo aber auch 
toch etwa 40 Grad Celsius herrschten. Man nahm an, daß 3. 
hne ernstlich krank zu sein, nur schlaff geworden sei. Auf Be— 
ragen des Maschinisten, ob ihm besser sei, sah er diesen an, 
jab aber keine Antwort. Z. wurde dann durch inzwischen be— 
orderte andere Leute an Tech getragen; dort verstarb er bald 
zarauf, ohne daß angestellte Wiederbelebunasversuche Erfolg 
satten. Ein als Passagier mitfahrender Arzt stellte als Todes— 
irsache Hitzschlag fest. Ter Spruch des Seeamts lautete: Der 
veizer Ulrich Zigerlig ist am 27. Juli 1913 auf dem Lübecker 
dampfer „Sedina“ während der Reise von Lübeck nach Riga 
m Seiszraum erkrankt und bald darauf verstorben. Es ist an— 
unehmen, daß Hitzschlag die Todesursache gewesen ist. Tie 
Rentilationseinrichtungen des Schiffes waren ordnungsmäßig. 
Der Schiffsleitung und Besatzung ist kein Vorwurf zu machen. 
2. Der zweiten Verhandlung lag folgender Sachverhalt zu— 
grunde: Der Lübecher Dampfer „Bylgia“, Unterscheidungs— 
ignal PBLM, befand fsich am 5. März d. J. bei ziemlich un— 
uhiger See und frischem Wind auf der Reise von Montevideo 
nach St. Vincent. Der Trimmer Werner Beed trat zusammen 
mit einem Heizer morgens um 4 Uhr seinen Dienst im Heiz 
raum an. Um 45, Uhr ging Beedchk an Deck, um auszutreten. 
Das Schiff hatte Holz als Deckladung. Um vom Logis nach 
dem Heizraum zu kommen, mußte man die Deckladung über— 
cettern. Beeck kehrte nicht zurück und war bei der Durch— 
suchung des Schiffes nirgends zu finden. Ta angenommen 
wurde, daß er über Bord gefallen sei, wurde das Schiff gedreht 
und fuhr denselben Kurs etwa eine Stunde lang zurück, doch 
onnte selbst bei schärfstem Ausguch von Beeck keine Spur mehr 
zemerkt werden. Das Schiff setzte dann seine Fahrt fort. Der 
Spruch des Seeamts ging dachin: Der Heizer Werner Beeck 
t am 5. März 1913 auf der Resse des Lübecker DTampfers 
„Bylgia“ von Montevideo nach St. Vincent verschwunden. Es 
st anzunehmen, daß er bei schwerem Seegang durch einen un—⸗ 
zlücklichen Zufall — vermutlich durch eine überkommende See 
— über Bord geraten und ertrunken ist. Es trifft keine Person 
der Schiffsbesatzung ein Verschulden. Die angesichts der Decks— 
adung getroffenen Maßrogeln zur Sicherheit der Besatzung 
varen ausreichend. Die Maßnahmen zur Rettung des Verun—⸗ 
glückten waren zweckmäßig. 
3. Ein ähnlicher Unfall passierte auf der Fahrt desselben 
Tampfers am 7. Mai 1913. De- Dampfer bekam ungefähr 
norgens 5 Uhr bei der Lotsenstation Urrengrund einen Lotsen 
ür Lovisa an Bord. Mit dem Achterausfieren des Lotsen⸗ 
hootes wurden der zweite Steuermann, ein Matrose und der 
deichtmatrose Hutjes beauftragt. Der Kapitän mahnte diese 
»rei Leute dabei zur Vorsicht. Das Schiff suhr Jangsam vor—⸗ 
värts; am Hed hing dias eine Ende der Trosse des Lotsen⸗ 
zoots über Bord, wodurch eine Schlinge entstand. Der zweite 
Steuermann geriet mit seiner linken Hand in diese Schlinge. 
hutjes sprang hinzu, um das Ende der Trosse einzuziehen und 
»as Boot fest zu machen. Er steckte seinen Arm dabei in die 
Schlinge. Ter zweite Steuermann lief, sobald er frei war 
nach der Brücke, um die Maschine rückwärts arbeiten zu lassen 
Hutjes hatte die Trosse um seinen Arm geschlungen und wurde 
olötzlich über Bord gerissen. Der Versuch eines Matrosen, ihn 
noch zu halten, mißlang. Der Dampfer ging sofort volle Krafl 
rũckwärts. Der Kapitäm ließ auch, als er hörte, daß kein 
Rettungsring vom Hinterschiff über Bord geworfen war, einen 
olchen von der Brücke nach dem Hinterschiff bringen und über 
Bord werfen. Er ließ aluch die Badbordwache an DTeck rufen 
ind ein kleines Boot bemannt über Bord setzen. Die Schiffs— 
chraube faßte die Trosse des Lotsenboots, drehte diese ab und 
as Lotsenboot geriet wieder langsseits. Hutjes wurde noch 
in paarmal an der Oberfläche gesehen, doch war er bereits 
zesunken, als das Boot die Unfallstelle erreichte. Den Rettungs⸗ 
ing hatte Hutjes, der nicht schwimmen konnte, nicht erfaht 
der Ring wurde durch die Schraube entzwei geschlagen. Bevoꝛ 
»as kleine Boot über Bord gelissen war, waren der zweite 
Steuermann und ein Trimmer dereits in das längsseits geraten( 
Lotsenboot gesprungen, doch erreichten auch sie die Unfallstelle 
zu spät. Nachdem man noch eine Stunde an der Unfallstelle 
erfolglos nach der Leiche gesucht hatte, setzte der Tampfer die 
Reise fort. Ter Spruch des Seeamts lautet: Am 7. Mai 
1918 ist der Leichtmatrose Johannes Hutjes auf der Reise des 
Lübecker Dampfers „Bylgia“ nach Lovisa beim Achterausfieren 
des Lotsenbootes über Bord geraten und ertrunken. Der Un— 
all ist insofern auf eigenes Verschulden des Verunglückten zu— 
rückzuführen, als er unvorsichtigerweise die Bootsleine um den 
Arm geschlungen hatte, die ihn dann gewaltsam über Vord ge— 
iissen hat. Die Schiffsbesatzung trifft keine Schuld. Auch die 
Rettungsmaßnahmen waren im übrigen zwedmäßig, doch wäre 
es besser gewesen, wenn sosort nach dem Unfall der am Achter⸗ 
schiff befindliche Rettungsring über Bord geworfen wäre. — 
zn der Begründung des Spruchs wurde hervorgehoben, daß 
Hutjes vermutlich auch dann nicht bätte gerettet werden können, 
wenn sofort der Rettungsring vom Achterschiff geworfen wäre. 
Da das Schiff schon einige Meter entfernt gewesen wäre und 
Hutjes nicht schwimmen konnte, hätte er wahrscheinlich quch diesen 
Rettungsring nicht erreicht. 
4. Am 10. Mai 1913 hatten die Fischer Georg Kruse, Hans 
Peters und Karl Baumgarn aus Großenbrode sich, weil ihre 
eigenen Boote beschädigt waren, vom Fischer Cordts daselbit
	        
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