Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Stuben berichtete über die Satzungen der Allgemeinen Versor⸗ 
gungskassen, die in der am Dienstag in Posen abgehaltenen 
Beneralversammlung angenommen worden waren. Nachdem die 
Erwartung der Genossenschaften, dah die allgemeine Versor— 
gungskasse als Ersatzkasse zugelassen werde, nicht in Erfüllung 
zgegangen ist, müssen wir die in dem Gesetz gegebene Möglichkeit 
ins Auge fassen, die Kasse als Zuschußfkasse einzurichten. Die 
neuen Satzungen behalten die Ruhegehälter, Witwen- und 
Waisenpension in unveränderter Form bei. Sie schaffen eine 
neue Abteilung von versicherungspflichtigen Mitgliedern, denen 
die Kasse als Zuschußkasse dienen soll. Die Reichsversicherungs— 
anstalt für Angestellte bietet nicht diejenige Versorgung, auf die 
die Mitglieder und Angestellten Anspruch zu haben glauben. 
Es ist in Aussicht genommen, dan Angestellte aller Genossen⸗ 
schaften nicht nur Mitglieder des allgemeinen Verbandes sein 
können, sondern die Mitgliedschaft erwerben müssen. Ein 
Zweifel über die Notwendigkeit der Einrichtung der Zuschuß— 
kassen kann nicht mehr bestehen. 
Der Versammiung der Baugenossenschaften. 
die am Nachmittag stattfand, wohnten Regierungsrat Scheidt 
als Vertreter des Reichsamts des Innern, ein Vertreter des 
»reußischen Ministers für Handel und Gewerbe und die Ver— 
ireter der Landesversicherungsanstalten für Hannover und 
Schleswig-Holstein bei. Zunächst sprach der Geschäftsführer der 
Berliner Baugenossenschaft über die Mietekalkulation. Er be— 
zründete einen längeren Antrag, der bei Errichtung der Bauten 
solide und sachgemäße Ausführung und die Verdilligung spä— 
terer Reparaturkosten verlangt. Dann berichtete Privatdozent 
Dr. Waldedcer über die Erfolge der städtischen und ländlichen 
Baugenossenschaften im Osten. Er stellte fest, da die Bau⸗ 
genossenschaftsbesiedeling im Osten gegenüber anderen Landes⸗ 
teilen verhältnismäßzig schwach entwickelt sei. 
Am heutigen Donnerstag gehen die Verhandlungen weiter. 
Pααα. ÄαααααXαααιαOαανα 
Die Balkanfrage. 
Das Stetnewerfen aus dem Glashause. 
Es war zu erwarten, daß die Meinungsverschiedenheiten 
die zwischen Berlin und Wien über die Revision des Bukarester 
Friedens bestanden, in der russischen nationalistischen Presse 
lauten Jubel ausgelöst haben. Die größte Bedeutung legt 
naturgemäß die Nowoje Wremja diesen Meinungsverschieden- 
heiten bei, aus der sie sofort eine tiefgehende Differenz 
zwischen den bisherigen Verbündeten macht. Das Blatt be— 
hauptet, die deutsche Politik sei zu den Bismarckschen Traditionen 
in bezug auf die Balkanpolitik zurückgekehrt, deren Richtlinie 
eine vollkommene Nichteinmischung in jegliche Balkanhändel ge⸗ 
weien sei. Diese Ausführungen stimmen allerdings nicht ganz 
überem mit dem Standpunkt, den die Nowoje Wremja noch 
kürzlich in derselben Frage eingenommen hat, daß nämlich 
Deutschland anscheinend jetzt die maßgebende Rolle auf dem 
Balkan übernommen hätte. Die aus demselben Anlaß zwischen 
Rußland und Frankreich entstandene Meinungsverschiedenheit 
hat naturgemäß nach Ansicht des Blattes nicht die mindeste 
Bedeutung. 
Die deutsche Petersburger Zeitung beschäftigt sich mit diesen 
Ausführungen unter der Ueberschrift Steinewerfen aus dem 
Hlashause“. Sie rät nämlich dem Nationalistenblatt, nicht zu 
früh über die Differenzen zwischen Wien und Berlin zu trium⸗ 
phieren. sondern lieber vor seiner eigenen Tür zu fegen, 
denn in derselben Nummer bringt die Nowoje Wremjia einen 
Artikel über die Panslawisten, deren Interessenvertreterin das 
Blatt doch sonst ist. Es spricht ihnen plötzlich nahezu jede 
Existenzberechtigung ab und prophezeit den slawischen Brüdern 
auf dem Balkan eine Gottesstrafe durch neue Bruderkriege und 
inneres Hinsiechen. Die Petersburger Zeitung hat durchaus recht, 
wemn sie sich bemüht, den Jubel der russischen Nationalisten 
iber deutscheösterreichische Differenzen etwas zu dämpfen. Aber 
das Blatt sollte nur nicht vergessen, daß es selbst vor wenigen 
Tagen der russischen Presse das Material zu derartigen Artikeln 
über Verstimmungen zwischen Berlin und Wien gegeben hat. Ein 
langer Artikel war diesem Thema gewidmet, der mit der 
Annahme schloß, daß aus den Meinungsverschiedenheiten über 
die Revisionsfrage doch wohl ein Bodensatz zurüdbleiben würde. 
Das Steinewerfen aus dem Glashause sollte also auch die 
Petersburger Zeitung unterlassen. dok. 
Rückhzug der türkischen Truppen. 
WVW. Konflantinopel, 20. Aug. (Meldung der Petersburger 
Telegraphen-Agentur, Der Großwesir besuchte heute den 
russischen Botschafter und erklärte, das Gerücht über die Absicht 
der Türkei, Dedeagotsch zu heseken und über die Grenzen Bu— 
— — 
Aber auch in Gerda war jsetzt der Bann gebrochen, und als 
Astrid, hingerissen, weit über die Logenbrüstung vorgeneigt, 
ihrer Bewunderung mit den anderen Ausdruch gab, da lehnte 
sie sich geflissentlich in ihren Sessel zurüch die Hände re— 
gungslos im Schoß. In einer Anwandlung von Selbstver⸗ 
achtung, daß auch sie sich hatte einfangen lassen. Von einem 
so wohlfeilen Lockmittel. Massenköder! Je mehr sich die an— 
dern ereiferten, desto kühler blickte sie auf sie herab. Sie 
liebte es nicht, mit aller Welt zu teilen. 
EWortsekung fosat J 
Theater, Kunst und Wissenschaft. 
Stiftung Lilli Lehmanns für das Mozarteum in Salzburg. 
Aus Salzburg wird dem Wiener Fremdenblatt gemeldet: 
Die Kammersängerin Lilli Lehmann hat der Stadt Salzburg 
für das Mozarteum 200 000 Kr. gespendet, wovon sie sich eine 
ährliche Lebensrente von 4000 Kr. ausbedungen hat. 
C.K. 400 000 Maals „Kaufpreis“ für einen Baßseball⸗ 
Spieler. Aus Newyork wird berichtet: Die zahllosen Enthusi— 
asten des Baseballspieles, dieses amerikanischen Lieblingssportes, 
erörtern vorl Aufregung das Angebot der Baseball-Truppe von 
Washington, die den berühmten Spieler Cobb, der gegen— 
värtig sür den Baseball-Klub von Detroit spielt, für sich 
oerpflichten will und dem rivalisierenden Klub als Kaufpreis 
für die Abtretung Cobbs die Summe von 400 000 Mugeboten 
hat, was selbst für Amerika einen bisher unerhörten Rekord 
darstellt. Cobb bezog von dem Kluß in Detroit bisher ein 
festes Jahresgehalt von nahezu 36000 M, das aber in Anbe— 
tracht seiner Popularität und seiner Anziehungskraft auf das 
Publikum zu Beginn dieser Saison auf 62000 Muerhöht 
worden ist. Es scheint, daß der Klub, der gegenwärtig 
„Eigentümer“ Cobbs ist, selbst dies Angebot von 400 000 M 
ablehnen will. Der höchste Preis, der bisher für einen Baseball— 
Spieler bezahlt wurde, betrug 909000 M. Wenn man be— 
denkt, daß der Präsident der Vereinigten Staaten für sein 
Amt nur 300000 M Jahresgehalt bezieht, ist diese hohe Be⸗ 
wertung eines Baseball-Spielers nicht ohne eine gewisse Komik, 
aber Enthusiasten halten die für Cobb gebotene Summe für 
durchaus angemessen. 
zariens zu rücken, sei ganz unbegründet. Nur aus strategischen 
vründen und weil man die Absichten der Bulgaren nicht genau 
enne, hätten die Türken die Maritza überschritten. Der Groß— 
vesir werde heute noch an den türkischen Oberbefehlshaber die 
tategorische Weisung senden die Truppen zu— 
rüczuziehen. 
Durdführung des Bularester Friedensvertrages. 
W. Athen, 20. Aug. BSeute mittag fand ein Minister- 
at statt, in der Ministerpräsident Venizelos die 
kinzelheiten über die Verhandlungen in Bukarest mit— 
eilte und die freundschaftliche Gesinnung von Rumänien und 
zerbien hervorhob. Der Ministerrat erörterte die Frage der 
zestimmung der Grenzen, sowie die Lage und Unterbringung 
»er zahlreiceen griechischen und muselmanischen Flüchtlinge, die 
nassenweise der an Bulgarien abgetretenen Länder verlassen. 
Ferner wurde der Beschluß der Bevölkerung von 
ßümüldschina mitgeteilt, der griechische Armee auf 
zriechisches Gebiet zu folgen. Was die an Bulgarien abge— 
lretenen Gebiete Thraziens betreffe, s würdendie grie— 
hischen Truppensie unverzüglich räumen. Aber es 
ei gewiß, daß die Bulgaren nicht imstande sein würden, zur 
rechten Zeit Truppen und Beamte dorthin zu schicken. Daher sei 
zeschlossen worden, die Besetzung der südlichen Gebiete einige 
Tage zu verlängern. 
Athen, 20. Aug. Ein Beamter des Ministeriums des 
Reußern ist gestern abgereist, um den Text des vom König 
zaurifizierten Friedensvertrages nach Bukarest zu 
bringen. 
— Wie die Blätter melden, griffen mehrere bulgarische 
Komitatschis Melnik an, wurden jedoch durch eine grie— 
hische Kompagnie und die Bevölkerung Melniks zurückgetrieben. 
Die Bevölkerung soll die Stadt angezündet, die Kostbar— 
eiten fortgeschafft und sich nach der gariechischen Stadt Demir— 
issar begeben haben. 
Berlin, 20. Aug. Die griechische Gesandtschaft 
eilt im Auftrage ihrer Regierung folgendes mit: Einige Kon—⸗ 
lantinopeler Zeitungen veröffentlichen eine offizielle Mit— 
eilung, derzusolge der griechische Befehlshaber von Dedeagatsch 
»em Kommandanten der türkischen Armee vorgeschlagen haben 
oll. die Stadt nach der Räumung durch die Griechen zu be—⸗ 
etzen. Die Nachricht ist in allen ihren Einzelheiten falsch. Die 
ariechischen Truppen werden das zu räumende Gebiet gemäß den 
von Griechenland übernommenen vertragsmähigen Verdpflich— 
tungen verlassen. 
Belgrad. 20. Aug. König Peter ratifizierte durch einen 
Erlaß den Friedensvertrag. 
Aihen, 20. Aug. Infolge eines Abkommens zwischen 
Zriechenland und der Türkei werden die Meerengen von 
jeute ab für die griechischen Dampfergeöffnet. Die 
Türkei gibt die griechischen Dampfer frei, die sie von Beginn 
der Femdseligkeiten im Bosporus zurückgehalten hatte. Die 
ürkische Flagge wird frei im Aegäischen Meere wehen. 
Ein montenegrinisches Blatt über Kaiser Wilhelm. 
Cetinije, 20. Aug. Das der Regierung nahestehende Blatt 
Letiniski Wiestnik schreibt: Wilhelm II., der große 
Imperator des deutschen Kaiserreiches, hat mit seiner mächtigen 
zerrscherhand den in Bukarest zwischen den Balkanstaaten abge— 
chlossenen Friedensvertrag besiegelt. Er bestätigte ein mit 
chwerer Mühe zustande gebrachtes Werk, das man noch über— 
rüfen und umzustoßen beabsichtigte, wodurch der allgemeine 
Friede gestört worden wäre. Der Deutsche Kaiser konnte keinen 
Hesseren und schöneren Moment wählen, um etwas Erhabenes 
ind Glückbringendes zu tun. Von der Höhe eines durch 
ßslanz und fünf Millionen Bajonette gestützten Thrones stellte 
r sich inmitten historischer Balkanereignisse, um über diese im 
geeigneten Augenblick den Vorhang fallen zu lassen. Tiefsten 
Dank sprechen wir ihm aus. Er hatte den Zeitgeist wohlverstan— 
oen und einen unschätzbaren Dienst dem Frieden er— 
wiesen, um dessen Erhaltung er sich in diesen bewegten 
Tagen unaufhörlich bemühte. Das 2siährige Regierungsiubi— 
läum seiner weisen Regierung konnte er kaum mit zauberhaf— 
leren Strahlen beleuchten. Die Balkanstaaten hat er 
zu ewiger Dankbarkeit verpflicht et. Er bewahrte 
ie vor neuen Erschütterungen, vor einer fürchterlichen Unge— 
vißheit, indem er ihnen zur Erhaltung blutiger Errungenschaften 
eine starke helfende Hand reichte. Der Kaiser handelte im 
Simm des ehrlichen Prinzips seines Volkes: Leben und leben 
assen. Als wir alle fürchteten, dan die Resultate anserer Siege 
iestritten werden könnten, stellte sich der Kaiser auf die Seite 
»ar Gleinen und hestäfiatfe unser Nent gauf Lehen 2690* 
die Eröffnung des Lübecker Weges im Stubai. 
In bezug auf die Eröffnungsfeier des von der Sektion 
Lübeck des deutschen und österreichischen Alpenvereins erbauten 
Weges im Stubai (veral. Nr. 406 und Nr. 408 dieser Zeitung) 
rfahren wir von einem Teilnehmer noch das folgende: 
Zu der Eröffnungsfeier verschiedener neuer Wege im Ge⸗— 
hiet des Bechers (Lübecker, Meininger, Isenstein-Weg) waren 
o zahlreiche Anmeldungen aus den verschiedenen deutschen 
ind österreichischen Sektionen des Alpenvereins eingelaufen, daß 
vegen des beschränkten Raumes auf den Hütten nur ein Teil 
der Anmeldungen berücksichtigt werden konnte. Die Teilnehmer 
anden sich am Sonntag, dem 10. August, im Laufe des 
Tages allmählich auf der Dresdner Hütte zusammen. Die 
Zektien Lübeck war durch fünf Mitglieder vertreten. Eine 
Anzahl von Teilnehmern mußte wegen Raummangels von Nanalt 
iach der Nürnberger Hütte zum Uebernachten geschickt werden. 
deider trat am Nachmittag dichter Nebel ein, mit einzelnen 
kegen⸗ und Schneeschauern. 
Am Montag morgen um 6 Uhr traten 38 Touristen darunter 
üns Damen, mit etwa einem Dutzend Führern und zwei 
Trägern den Weg auf das Peiljoch auf dem neuen Lübecker 
Weg an. Das Wetter war nicht ungünstig Die Berge waren 
lar, der Himmel nur teilweise mit Wolken bedeckt, hin und 
pieder schien die Sonne. 
Oben auf dem Peiljoch angekommen, konnte man die ganze 
trace des Lübecker Weges am aperen Freiger verfolgen. Der 
LBeg selbst lag hier leider infolge der ungeheuren Schnee— 
nassen. die in diesem Sommer in Tirol gefallen sind, auf 
veiten Strecken unter Schnee vergraben. Vom Peiljoch ging es 
inab auf den Sulzenaugletscher, der weges der vielen Gletscher— 
palten mit Vorsicht am Seil überschritten wurde. Wegen des 
jelen Schnees und des unsicheren Wetters wurde die eine 
ztunde längere Variante des Weges die diese Spalten ver— 
neidet, nicht benutzt. Nach Ueberschreitung des Gletschers ge⸗ 
angte man auf der jenseitigen Moräne wieder auf den Weg, 
»er in kurzer Zeit zu einer kleinen offenen Unterstandshütte 
ührt. Hier wurde das teils von Neustift, teils vom Becher 
zurch Träger herbeigeschaffte, von der Sektion Lübeck gegebene 
Nühstüch eingenommen. Bei dem schönen Wetter herrschte e'ne 
röhliche Stimmung, zu der verschiedene Reden ron den Ver— 
ttetertn der beteiligten Sektionen, auch eines Vertreters des 
Selbstbestimmung und Selbständigkeit. De durch 
den Bukarester Frieden an den Tag gelegte geschichtliche Ge— 
rechtigkeit und der gesunde Nationalgedanke haben im Deutschen 
Kaiser einen Beschützer und mächtigen Bundesgenossen gefunden. 
Indem er sie vor Gefahren hütete, denen sie trotz des vielen 
»ergossenen Blutes und trotz unserer unbestreitbaren Siege aus— 
—O Beunruhigung und 
Unzufriedenheit, uns aber Prüfungen erspart. Mit Dankbarkeit 
verden wir uns stets erinnern, daß Kaiser Wilhelm als Erster 
ieine Unterschrift unter das Gefetz über die politische 
ßroshiährigkeit der Balkanstaaten setzte, das mit 
Strömen ritterlichen Blutes der besten Söhne Montenegros 
Serbiens und Griechenlands geschrieben wurde 
Deutsches Reich. 
w. Wie die Sozialdemokratie über den Kaufmannsstand 
)centt. Die Sozialdemokratie wirft fast nach allen Berufsständen 
hre Netze aus. Insbesondere sucht sie auch unter den kleinen 
ind mittleren selbständigen Kaufleuten wie unter den Hand— 
ungsgehilfen Anhänger zu gewinnen. Daher dürfte es ange— 
racht sein, dem Handelsstande vor Augen zu halten, wie die 
Zozialdemokratie in Wahrheit über ihn denkt. Nach sozial— 
emokratischer Auffassung ist der ganze Handelsstand nichts als 
in „parasitisches Gewächs“ oder eine „Schmarotzerpflanze“, und 
zie die gesamte Warenproduktion im wzialistischen Zukunfts⸗ 
taate verschwinden wird und muß, so ist damit dann auch der 
Intergang des Handelsstandes besiegelt. Mit vollkommener 
Ddeutlichkeit hat dies Bebel in seiner Schrift „Ueber unsere 
ziele“ also zum Ausdruck gebracht: „In der ietzigen Gesell— 
chaft existiert eine große Klasse von Menschen — und zwar 
licht die schlechtest gestellte — durch den Vertrieb der Produkte. 
ẽs ist das eine Klasse von Leuten, die als Agenten, Makler, 
drämer, kurz Zwischenhändler aller Art, ihre Existenz dadurch 
inden, daß ein Preisaufschlag auf den Preis der Ware erfolgt, 
»en der Konsument selbstverständlich bezahlen muß. Im sozia— 
istischen Staat würde diese Klasse verschwinden.“ Das ist das 
Schicksal, welches die Sozialdemokratie dem Kaufmannsstande 
ugedacht hat. Ebenso klar finden wir die wirklichen Gesin— 
rungen der Sozialdemokratie gegenüber den Kaufleuten in 
Bbebels Buch „Die Frau“ enthüllt. Es heißt hier auf Seite 166: 
„Sobald die gesamte Produktion der neuen Gesellschaft auf 
eine Basis gestellt ist, wie sie stizziert wurde, produziert sie 
nicht mehr „Waren“, sondern nur Verbrauchsgegenstände für 
en direkten Bedarf der Gesellschaft. Damit hört auch der 
esamte Handel auf, der nur in einer auf Warenproduktion be— 
uhenden Gesellschaft einen Sinn hat. Eine ungehrure Armee 
yon Personen beider Geschlechter und von den verschiedensten 
debensaltern wird dadurch für produktive Tätigkeit mobil. 
Nillionen treten ein als Produkte erzeugend, die bisher 
ils Parasiten von dem Arbeitsprodukte anderer lebten.“ Hier 
berden die Kaufleute also von dem anerkannten Führer der 
Zozialdemokratie ausdrücklich als „Parasiten“, d. h. als 
mnütze Schmarotzer bezeichnet. Daß aber derartige feindliche 
Inschauungen, wie sie Bebel gegenüber dem Handelsstande zum 
lusdrucke gebracht hat, nicht etwa schon einen überwundenen 
ztandpunkt innerhalb der Sozialdemokratie bezeichnen, beweist 
iie erst. vor einigen Jahren erschienene Schrift über die Ein— 
ichtung des Zukunftsstaates von Karl Kautsky ,‚Am Tage nach 
»er sozialen Revolution“. In Uebereinstimmung mit Bebel 
vird hier ausgeführt: „Wir haben gesehen, daß das proleta— 
ische Regime dem Kleinbetrieb dort, wo er den unvollkommenen 
zetrieb repräsentiert, meist ein rasches Ende bereiten wird, 
owohl in der Industrie wie im Zwischenhandel. Auch das oben 
ehandelte Streben nach Organisation der Zirkulation wird 
ur möglichsten Ausschaltung des kleinen Zwischenhandels 
ühren, zu seiner Verdrängung teils ducch Konsumvereine, teils 
»urch kommunale Einrichtungen. Es liegt ja im Interesse der 
lebersichtlichkeit und Organisationsfähigkeit des Produktions— 
—V0 
iehmern, sondern nur mit einigen wenigen Organisationen zu 
un hat.“ Die Kaufleute können aus solchen Aeußerungen ent— 
iehmen, wessen sie sich von seiten der Sozialdemokratie zu ver— 
iehen haben. Es hieße, an den Lebensinteressen des eigenen 
Standes freveln, wollte ein Kaufmann auch im entferntesten mit 
der Sozialdemokratie vaktieren 
—TDEEEEECZO 
Hauptausschusses des Alpenvereins in Wien, beitrugen. 
Schließlich sprach auch ein Führer einige Worte. 
Nach etwa einstündigem Aufenthalt begann der Weiter— 
narsch. Leider trat bald darauf wieder dichter Nebel ein, der 
jon da ab auch an den folgenden Tagen nicht wieder nerschwand. 
ks mußte daher auch der interessante Teil des Weges über 
»en Freigergrat auf den Freigergipfel und hinab zum Becherhaus 
usfallen. Man ging, wo der Schnee am besten trug, direkt 
iuf das Kaiserin-ElisabethHaus auf dem Becher. Daß die 
deilnehmer sich durch das ungünstige Wetter nicht die Laune 
atten verderben lassen, zeigte der fröhliche Verlauf des hier 
im Abend dann stattgefundenen Festessens, bei dem Gesang 
ind Zitherspiel nicht fehlten. Hier wurden auch jedem Teilnehmer 
um Andenken von dem Vorsitzenden der Sektion Lübech eine 
lnzahl von Ansichtspostkarten aus Lübech überreicht, die der 
iremdenverkehrsverein bereitwilligst zur Verfügung gestellt hatte. 
diese kleine Aufmerlfamkeit fand vielen Beifall. Auf einer 
zöhe von 3200 m, mitten unter Eis und Schnee, dürften bisher 
chwerlich Lübecker Ansichtspostkarten zur Verteilung gelangt sein. 
Am darauf folgenden Dienstag ließen eine große Anzahl 
von Teilnehmern sich von dem dichten Nebel, der jede Aussicht 
behinderte, nicht abhalten, verschiedene Bergbesteigungen aus— 
uführen (Wilder Freiger, Wilder Pfaff, Zuckerhütl). 
Am Mittwoch trat man den Abstieg nach Ridnaun an, leider 
auch vielfach bei Nebel und Regen, was indessfen bei einem aus— 
zezeichneten von dem bekannten Tiroler Wirt Haller in Ridnaun 
ergestellten Festmahl bald vergessen war. 
Unterwegs fand noch die Eröffnung eines von Herrn Kom— 
nerzienrat Isenstein in Hannover zum Andenken an seine ver⸗ 
torbene Frau, einer eifrigen Bergsteigerin, der Seltion Han⸗— 
rover gestifteten Isensteinweges statt, der ˖ den bisherigen Ab— 
tieg um eine Stunde kürzt. 
Von Ridnaun führten zwei Stellwagen die Teilnehmer, so— 
veit sie nicht schon vorher andere Wege eingeschlagen hatten, 
ach Sterzing am Brenner. Tort trennten sie fich wieder nach 
einem Abschiedstrunk im Hotel Stötter nach allen Richtungen 
der Windrose. 
War die Eröffnungsfeier auch vom Wetter nicht begünstigt. 
o dürfte sie doch für alle Teilnehmer eine angenehme Er⸗ 
nnerung zurückgelassen haben, um so mehr, als von vielen 
Touren bei schönem Wetter heuer wohl kaum ein Bergsteiger 
n den Alpen wird erzählen können. —
	        
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