Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

—* 5 —— 
— * —A —ã—7 
— F ——7— 1 — — 
— 343346 343 
F —1 * — J . * 5 
336— z38 F 3 E423 
——z13 —766 —z3 8 J. —4 — 
—3946 82* ** ——656 
MAM — —8 x 2— J — J 
ci —** * 2 n * 
— 
— 53 — 
* J —82 WR * 7 — F9 — 
— S 4 — — 
J88 —53* — —2 — 4 /37 * 437 
3 —— 6 * —33 9 94 J. * 
— * — J — 48 8 — 53 — J5 3 —73 4 J 
—— 37 —4334 ——753 
*3 — —53— — —E 55 —416 —3 *4 
e J —* ——z3 ——— 4 
2 —* * — 5* —215 — 8 
k 5 c wog A 8 S. 5* 
F * 
* 4 
Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens unlb 
abends, Sonntags morgens) erscheinend Bezugs⸗ 
preis fũr das Vierteljahr 3,30 Mark einschließlich 
Bringgeld in Lũbeck. Durch die Post bezogen ohne 
Bestellgeld 3.30 Mark. Einzelnummern 10 Pfg. 
Angeigenpreis (Ausgabe 4 und B) für die 
Zeile 20 Pfg. Aleine Anzeigen (Arbeitsmarkt usw) 
18 Pfg. fũr Auswaͤrtige 30 Pfg. s. Geschafti. Nit⸗ 
tellungen 1M. d. Zeile. Tabellen⸗ u. ichwieriger 
San den Auforderungen entsprechend hoͤher. 06 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 163. Jahrgang Nachrichten für das herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz und Verordnungsblatt ede n Fürstentũümer Ratzeburg, Lũbed und das angren 
EEEEEEEEEEEE —XV ———— ee zende mecdlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Nuck und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. 5. m Lubed. — Geschaãftsstelle Adre ßuaus (Komastr. 46). Fernsprecher 8000 u. ooo1. 
Donnerstag, den 21. Auqust 1913. Abend⸗-Blatt Ur. 42. 
— 
Erstes Blatt. Hierzu 2. Biatt. 
— A—⏑—⏑f⏑—⏑— ⏑— y»—2—,—⏑—⏑——⏑⏑— —⏑ü02&2————————7üü—7ü—üü2—7—æ—[c1U![!ÑW D 728 or ¶ Xæ OααααααααÄäÄäOà äOXπσαα äαäOααν— 
Umfang der heutigen Ny—mer 6 Seiten. 
— EX—…’——r———— —— ——⏑ sιιαιαιαιαιααασαÑσαααëä ä8 
Nichtamtlicher Ceil. — 
Genossenschaftliche Sorgen. 
In Posen hält gegenwärtig der Verband der auf Selbsthilfe 
beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften 
seinen 54. Allgemeinen Genofssenschaftstag ab. Die Zeiten, da 
dieser Verband als freisinnig-fortschrittliche Gründung des 
bedannten Genossenschaftspioniers Schulze-Delitzsch unter der 
Ungunst der Behörden und der konservativen Machthaber stark 
u leiden hatte, sind vorüber. Kraft gibt Ansehen? Gestern 
begrühten die Vertreter der Reich-⸗- und Staatsbehörden in 
märmsten und anerkennendsten Worten die Posener Tagung, 
und der Oberpräsident der Provinz, Exzellenz Schwartzkopff, 
rühmte ausdrüdllich dem 1883 verstorbenen Gründer und seinen 
Anhängern nach, daß sie über den Genossenschaftsinteressen 
das Gesamtwohl nie vernachlässigt, sondern mit ihren Bestre— 
bungen auch dem Vaterlande gute Dienste erwiesen hätten 
Trotz dieses Wandels der Zeiten und des behördlichen Ver— 
haltens hat der Allgemeine Verband keinen Anlaß zu Jubel 
und Triumphgeschrei. Unter der scharfen Konkurrenz zahlreicher 
nener und kräftiger Genossenschaftsverbände und unter der 
wirtschaftlichen Ungunst der letzten Jahre wächst er nur ver— 
hältnismähig langsam, wenn er auch längst die Kinderkrank— 
hciten überwunden hat und einen starken, gesunden Mann dar— 
stellt. Nüchterne, kaufmännische Auffassung seiner Aufgaben, 
tolzes Unabhängigkeitsgefühl gegenüber allen behördlichen Be— 
vormundungsverfuchen, Vielseitigkeit der genossenschaftlichen Be— 
jstrebungen: das sind seine Tugenden. In unserer reklame— 
jemohnten Zeit hat das ein sprunghaftes Wachstum, aber 
ugleich auch schmerzliche Rücksschläge verhindert. Unter der 
Leitung des Verbandsanwalts, Landtagsabgeordneten Pro⸗ 
ressor Dr. Crüger, Charlottenburg, steht die Schultze-Delitzsche 
Gründung heute nicht nur nach Alter und Verdienst, sondern 
auch nach Einfluß und Umfang führend an der Spitze des 
deuischen Genossenschaftswesens. 
Der 1359 gegründete „Allgemeine Verband der ouf Selbst⸗ 
hilfe beruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften“ hat 
von Anfang an seine Bestrebungen auf die genossenschaftliche 
Vereinigung aller Wirtschaftskräfte gerichtet. Billigerem Erwerb 
dienen seine Kredit- und Konsumvereine, seine Rohstoff- und 
Baugenossenschaften, gemeinschaftlicher Ausnutzung von Kapi— 
talien. Meschinen, Verkaufshallen, Wasserkräften usw. sind seine 
Werlkgenossenschaften gewidmet; den Verkauf auf gemeinschakft 
liche Rechnnna besorgen seine MRhsabe a Magazingennfte 
—— 
schaften, und gemeinschaftliche Produktion wird in den Pro—⸗ 
dut!ingenossenschaften gepflegt. Einzelne dieser Betätigungs— 
elder sind inzwischen von Sondergenossenschaften Arbeiterkon- 
sumvereinen, ländlichen Genossenschaften) in Angriff genommen 
ind mit riesigem Erfolg ausgebaut worden. Immerhin zählt der 
Zchultze-Delitzsche Allgemeine Verband gegenwärtig unter den 
estehenden 33 600 Genossenschaften noch 1480 mit 1008 000 
Mitgliedern unter überhaupt 5,1 Millionen Genossenschaftlern. 
Uber die Leistungsfähigkeit der meisten Genossenschaftsvereine 
ängt nur zum Teil an der Größe der Mitgliederziffern. Wich— 
tiger ist die Arbeit der Einzelorganisationen auf solider ge— 
ofsenschaftlicher Grundlage, die richtige Erkenntnis der wirt— 
chaftlichen Gesamtlage, der kaufmännisch-⸗genossenschaftliche Geist, 
er Verwaltung und Genossenschaft beherrscht. Sie schaffen 
as gegenseitige Vertrauen, das die Genossenschaften zu ihrer 
egensreichen Wirksamkeit so notwendig brauchen, wie der Fisch 
nas Wasser zum Leben. Daneben sind sie natürlich stark ab— 
Hängig von der wirtschaftlichen Konjunktur. 
Diese wirtschaftliche Konjunktur ist aber im letzten Jahre 
den Genossenschaften wenig günstig gewesen. Krieg und teure 
Zeiten haben insbesondere die Kreditgenossenschaften und Vor— 
chußvereine stark behindert, hier und da wohl auch zu unge 
unden Gründungen geführt. Auch die genossenschaftliche Bau 
ätigkeit hat arg gelitten. Die allgemeine Kriegsfurcht ha* 
lellenweise geradezu genossenschaftliche Krisen herbvorgerufen, 
yon denen freilich die straff zentralistisch organisierte, herkömm 
ich mit großer Vorsicht geleitete Schultze Delitzsche Genossen⸗ 
chaftcbewegung im großen und ganzen verschont geblieben ist. 
Alle diese Erfahrungen haben dem Genossenschaftsanwalf 
Dr. Crüger Veranlassung gegeben, in seinem ausführlichen Jah 
esbericht dem Allgemeinen Verband und der Genossenschafts 
ewegqung überhaupt den Grundsatz der Nüchternheit und ge— 
chäftlichen Solidität erneut ins Gedächtnis zu rufen. Genossen— 
haften sollen keine Himmelsstürmer, auch keine Wohltätigkeits 
nstolten, sondern auf der Grundlage kaufmännischen Denlens 
zeleitete Organisationen sein, die sich bemühen, durch Zusammen— 
assung der wirtschaftlichen Einzelkräfte alle die Erfolge zu 
rzielen, die der einzelne für sich allein nicht oder doch nicht in 
leichenn Maße erringen könnte. Wirtschaftlich Schwache sollen 
urch die genossenschaftliche Verbindung die Vorteile des Groß⸗ 
apitals und des Großbetriebes erhalten. Wo diese Ziele un— 
errückt im Auge behalten werden, da ist natürlich kein Raum 
ür politische und religiöse oder irgendwelche anderen Sonder⸗ 
wecde. Deshalb werden alle gesunden Genossenschaftsarren 
inschließlich der sogenannten agrarischen ländlichen, der fälschlich 
ils freifinnig bezeichneten städtischen gewerblichen Genossen— 
chaflen und der „sozialdemokratischen“ wie „christlichen“ Ar— 
eiterkonsumvereine doch letztlich nur dem einen großen Zwede 
ienstbat sein müssen und dienstbar sein können: der Kräftigung 
er wirtschaftlich scwachen Volksgenossen im grausamen Kon— 
urrenzkampf unserer Zeit. 
In diesem Sinne hatten der Oberpräsident von Posen 
— Whyyy — — 
und der Genossenschaftsanwalt Dr. Crüger durchaus recht, wenn 
sie den Genossenschaften ein hohes vaterländisches Verdiens 
nachrühmten. 
Die Tagung. 
Unter Beteiligung von über 1200 Genossenschaftsvertretern 
aus allen Teilen des Reiches, zahlreichen Kommissaren von 
Reichs⸗ und Staatsbehörden wurde am Mittwoch früh im 
Saal der neuerbauten Kal. Akademie zu Posen der 54 allge— 
neine Genossenschaftstag des von Schultze-Delitzsch begründeten 
Verbandes der auf Selbsthilfe gegründeten dentschen Erwerbs— 
and Wirtschaftsgenossenschaften eröffnet. 
Zum Leiter der Tagung wurde Justizrat Dr. Alberti-Wies⸗ 
baden bestimmt, zu stellvertretenden Vorfitzenden Verbands— 
direktor Dr. WilserKarlsruhe. Herbert-Bromberg und Simon— 
Posen. 
Den Geschäftsbericht 
iber die Tätigkeit des Verbandes erstattete der Anwalt des 
Verbandes Dr. Crüger. Danach bestanden am 1. Januar 
1913 33 657 Genossenschaften. 25023 Genossenschaften, die 
ur Statistik becichteten, hatten 5162450 Mitglieder und ein 
igenes Vermögen von 720,2 Mill. M. Dr. Crüger ging in 
einem Geschäftsbericht auch auf die Entwichlung des Genossen⸗ 
chaftswesens ein. In der Besprechung der Stellung der Ge— 
rossenschaften in Posen zum Nationalitätenkampf verteidigte 
der Redner die Genossenschaften gegen die Vorwürfe Schmollers, 
daß sie freisinnig⸗-fortschrittlich seien, und betonte, daß die 
Senossenschaften Kulturträger seien für die Allgemeinheit und 
ich nicht in den Dienst des Nationalitätenkampfes stellen 
önnten. Der Redner wandte sich weiter gegen die von der 
Mittelstandsvereinigung erlassene Warnung vor der Bildung 
von Submissionsgenossenschaften. 
Darauf wurde in die Erörterung der gemeinsamen An— 
gelegenheiten aller Genossenschaften eingetreten. Zunächst be— 
gründete Verbandsdirektor Justizrat Kühler-Zweibrücken einen 
Antrag des Verbandes selbständiger Erwerbs- und Wirtschafts— 
genossenschaften. Der Allgemeine Genossenschaftstag wolle 
zeschließen: 
J. Die Auslegung, die 8 105 des Bürgerlichen Gesetz- 
buches in der Rechtsprechung gefunden hat, erheischt unbe⸗ 
dingt die Schaffung einer gesetzlichen Bestimmung, durch die 
der gutgläubige Vertragsgegner einen unverkennbaren Geistes— 
hanken vor Schaden aus einem mit dem Geisteskranken ab⸗ 
geschlossenen Rechtsgeschäft beschützt wird. 
2. Das Reichsjustizamt wird gebeten, eine Aenderung 
des betreffenden Gesetzes baldmöglichst herbeizuführen. 
Einen gleichlautenden Antrag hat der Verband der Er— 
werbs⸗ und Wirtschaftsgenossenschaften Schlesiens gestellt. Ohne 
Debatte wurde der Antrag einstimmig angenommen. 
n Ie Tagungsort für das nächste Jahr wurde Mainz be— 
immt. 
Der Bericht über die Fürsorgekassen des allgemeinen Ver— 
bandes wurde nvon Direktor Lorenz Stüben erstattet. Direktor 
— — —— — — 
hin, zu dem Manne. an dem da die tausend Augen wie gebannt 
hingen. 
Abwägend, musternd schätzte sie seine äußere Erscheinung 
ab. Ohne Frage ein recht vorteishaftes Aeußeres. Hoch, sehnig. 
chlank. eine richtige Sportsmannfigur. Nichts von der weich 
ichen Schönheit des typischen Heldendarstellers. DTer Mann sah 
eher aus wie ein Kavallerist, ein Herrenreiter. Dazu paßte auch 
das Gesicht. Ein trockener, fast hagerer Kopf — aber sehr 
schnittig — und die Hände: ein paar sehnige, schlanke Hände, 
ohne jeden Schmuck. Nur am kleinen Finger der Linken ein 
englischer Herrenring, anscheinend mit sehr wertvollen Steinen. 
Und diese Hände waren von e ner fseltenen Ausdrucksfähig⸗ 
leit. Für gewöhnlich zwar von einer beherrschten Ruhe, aben 
m Affekt zuckte es durch sie hin, durch die leidenschaftlich auf⸗ 
chwellenden Adern, wie ein Glutstrom aus verborgenen Tiefen. 
—Ubnd es war, als ob allmühlich eine seltsame suggeltive 
Macht von diesen Händen auf Gerda ausströmte. Eine Macht, 
die den Widerstand in ihr langsam befiegte und in das Gegen⸗ 
teil wandelte. Heinz Keßler begann auch sie in leinen Bann zu 
iehen. Ohne, daß es ihr zum Bewußktsein kam, folgte sie seinen 
Hesten, seinem ganzen Spiel, mit einer steigenden Spannung 
hing ihr Ohr schließlich an seinem Munde, gewärtig jedes neuen 
Wortes. Und nun empfand sie auch den eigenartigen Reiz 
seiner Stimme. Ein Instrument von edler Schönheit, das er 
mneisterhaft beherrschte. Sie schloß endlich sogar die Augen, 
trotz des Tämmerlichts in dem verdunkelten Zuschauerraum, um 
ich ganz dem Zauber dieser Mannesstimme hinzugeben, ihren 
dunklen, weichen Werbelauten, bei denen es sie seltsam über— 
rieselte, und dann wieder dem eidenschaftlichen Aufflammen 
von einer ungeahnten elementaren Gewalt. Gleich einem Sturm, 
der ihr den Atem benahm, das Herz klopfen machte und doch 
wohlige Schauer in ihr wachrief. 
Und nun, nach einem letzten wilden Aufbranden, das die 
hörer bis in die Tiefen erschütterte, plötzlich ein jäher Abbruch 
— der Altschluß. Der Vorhang fiel nieder, das Licht im Zu—⸗ 
chauerraum flammte wieder hell auf. 
Da löste sich der Bann über den Hunderten. Ein rasender 
Beifallstaumel brach aus. Immer wieder und wieder rief der 
kosende Lärm wilden Händeklatschens und jubelnder Bravos den 
Gaĩst an die Rampe 
Offizierstöchter. 
Roman von Paul Grabein. 
(7. Fortsetzung.) Machdrud verboten.) 
Wegwerfend sagte es Aĩtrid und Gerda meinte im 
qleichen Ton: 
„Was geht uns das Pridatleben des Mannes an? Uns 
interessiert er doch nur als Schauspieler. Und wenn er da 
hervorragendes leistet, ist mir alles übrige höchst gleichgültig.“ 
„Do seid ihr mir unverständ ich,“ beharrte Edith. „Wenn 
ich so einen Schauspieler als Vertreter einer Idealfigur auf 
der Bühne sehe, mit großen, edien Worten, und weiß, er ist 
in Wahrheit eine ganz niedrige Natur — dann wird mir doch von 
oornherein jede Illusson zerstört. Nein, ich verlange vom 
Künstler, daß er auch als Mensch nicht klein ist.“ 
„Na, wenn die Leute alle so dichten wie du, könnten die 
Theater man getrost die Bude zumachen,“ erktärte Aitrid, und 
Herda entschied: 
„Jeder nach leiner Fasson. Wir zwingen dich ja nicht, 
dir das Stück amzusehen, aber aß uns auch unsfer Verqnügen. 
Ich vehe!“ 
titzenden Besucher zum Ausstehen zwang, blieb im Zuschauer— 
aum vielfach nicht unbemerkt, und auch die Darsteiler auf 
der Bühne nahmen davon Nodtiz. 
Keßler hatte gerade eine Steile mit stummem Spiel, wo er 
»erloren vor sich hinzublichen hatte. Er benutzte als routi— 
nierter Schauspieler, der zudem hier vor dem Publikum des 
leinen Provinztheaters nur mit geringer Hingabe seine Rolle 
pielte, diese Minute dazu, um mit flüchtigem Rundblick das 
zaus zu mustern. So gewahrte er auch den Vorgang drüben 
nder Loge, wie sich plötzlich die Tür der Rüchwand auftat, 
wei junge Damen eintraten, ihre Abendmäntel von den Schul⸗ 
ern in die Hände eines Dieners oder Burschen hinter ihnen 
dleiten liehen und dann, sehr respektvoll begrüßt von den 
ibrigen Logeninsassen, nach vorn fraten, um ihre Pläͤtze ein— 
unehmen. Unwillkürlich sah er daher nach ein vaar Minuten 
ioch einmal hinüber und gewahrte nun erst, daß es zwei 
iufsallend schöne und distinguierte Erscheinungen waren, ja die 
eine von ihnen sogar eine Schönheit ersten Ranges, so rassig 
und apart, wie er sie bisher vielleicht üÄherhnupt noch nich 
gesehen hatte. 
Da kam es plötzlich über ihn. Sein Spiel, seine ganze 
haltung, die bisher fast etwas Gelangweiltes und Lässig es 
iehabt hatte. wurde mit einem Male belebt. Es war, als 
b es sich nun erst für ihn bohnte, zu zeigen, was er ver⸗ 
nochte, ja daß es ihn jetzt sogar Jodie, feine reiche Kunsi 
u entfalten. Immer mehr kam sein Temperament, seine hin— 
eißende Verde zum Durchbruch. Die Zuschauer gerieten all⸗ 
nählich in einen wahren Bann. Atemlos lauschten fie, hingen 
hre begeisterten Blice an dem al'nenden PRhänomen dor 
oben auf den Brettern. 
„Ist er nicht grandios? Geradezu fabelhaft ?“ 
Ganz entzückt flüsterte es Astrid der Schwester zu. Aber 
diese antwortete nur mit einem refervierten Neigen des schönen 
dauptes. Sie wollte sich von diesem Bann, der da alle 
ingsum förmlich fasßzinierte, nicht mitreißen lassen. Komö— 
Aiantentrids, diese Theaterleidenschaft, unecht wie die bemalten 
Pappfulissen da — sie würde sich doch davon nicht blenden 
assen! Und mit gewaltsam angespamter Kritik, mit einem 
geheimen. kühlen Spötteln um die Lippen schaute sie aur Bühne 
— 
* 
Der Abend der Aufführung war gekommen. Das Gastspiel 
des berühmten Tarstellers, der nur einer persönlichen, huld⸗ 
oollen Einladung Prinzeß Julianens gefolgt war, hatte sich 
zu einer Sensation für Ellerstedt ausgewachsen, wo die be— 
kannten Gerüchte über Stück und Hauptdarsteller bereits von 
Haus zu Haus gedrungen waren. Nun war der große Mo⸗ 
ment da, wo man den Vielberufenen von Angesicht zu Angesicht 
sehen sollte. Tas Theater mar daher ausverkauft, jeder Platz 
hesetzt. 
Nur in der ersten Parterreloge, unmittelbar neben dem 
Proszenium, waren bei Beginn des Stückes die beiden Sessel 
in der vordersten Reihe noch leer. Es waren die Abonnements— 
plätze der Familie Hemming. Erst als das Spiel begonnen und 
ein Teil des ersten Aktes bereits vorüber war, erschienen die 
Inhaber dieser Plätze. Gerda und Astrid waren es, die, 
wie vorgenommen, heute die Bulette bemitzten. Ein kleiner 
Aufenthalt zu Hause hatte ihre Verspätung bewirkt. 
Ihs Eintritt während des Spiels, der die hinter ihnen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.