Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Dieser Moden⸗Vericht 
ber Lũbeckischen Anzeigen erschein 
allwõchentlich Sonntaas 
Woden-Bericht 
der Lübeckischen Anzeigen und Lübecker Zeitung. 
— 
Die Modedame. 
Beschreibung zu unseren Abbildungen 
Nr. 61711. Eine jede Frau braucht ein Morgenkleid. Biele glauben nun, ein 
olches nach jedem Muster herstellen zu können; dies ist jedoch ein Irrtum, denn wenn 
nan ein Morgenkleid nach einem kleidsamen Dessin und aus einem hübschen Material 
— das durchaus nicht zu teuer zu sein braucht — anfertigt, kLann man ein solches auch 
es Nachmittags, selbst wenn Besucher vorsprechen sollten, anbehalten. Man wird fich 
ilsdann ebensogut angezogen wissen wie in einem Nachmittagskleid. So ein schönes 
ind zugleich praktisches Kleidungsstück kann man sich nach Muster Nr. 61711 selbst an · 
ertigen. Dieses Kleid hat gehobene Taillenlinie, Aermel, die in tiefe Armlðcher ein⸗ 
zesetzt sind, und Bretellen, die man eventuell auch weglassen kann. Der Nock ist rund 
zeschnitten und hat Sonnenplissee, jedoch ist in demselben durchaus nicht zuviel Weite 
enthalten, und die Falten beeinträchtigen auf keinen Fall die schlanke Form. Nr. 6171 
'ann auch mit kleiner Schleppe ausgeführt werden. Betreffs des zu verwendenden 
Materials erübrigt es sich, etwas Passendes anzugeben, da es so viele hierfür geeignete 
Stoffe gibt und jede Dame ihren eigenen Geschmack auch in dieser Richtung zur Geltung 
bringen kann. Material für den 
Morgenrock mit Bretellen bei 
einer Oberweite von 91 em: Von 
30 em breitem Stoff 675 . 
Von 70 em breitem Stoff für den 
Bürtel 6bß em. Von Band für 
die Schleifen 11880 m. Von Ein⸗ 
satz 435 m. Schnitt erhältlich 
in 7 Größen. 
Nr. 61899. Die mit neben⸗ 
stehender Nummer versehene 
drapierte Bluse zeichnet sich 
durch Schick und vornehme Ein⸗ 
fachheit aus. Nr. 61899 hat 
die modernen langen Schultern, 
und die an diese angesetzten 
Aermel sind lang oder halblang 
vorgesehen. Die Bluse ist auf 
fester Futtertaille gearbeitet und 
schließt je nach Belieben mit einem 
Stehkragen oder kleinem Aus— 
schnitt ab. Die Drapierung an 
der linken Seite ist sehr wirlungs- 
voll. Ein Frackansatz ist für 
eventuellen Bedarf vorgesehen. 
Material bei einer Oberweite von 
31em für die Bluse mit kurzen 
Aermeln: Von 100 em breitem 
Stoff 1,40 m. Schnitt erhältlich 
in 7 Größen. 
Nr. 61900 ist ein hübscher 
drapierter Rock, der aus jedem 
weicheren Material hergestellt 
werden kann. Der dreiteilige 
Rock wird mit Vorder oder 
Rückenschluß versehen. Zu beiden 
Seiten des Vorderpaneels sind 
Drapierungen angebracht und das 
Rückteil ist in Falten gelegt. 
Nr. 61900 hat gehobene oder 
reguläre Taillenlinie. Die An⸗ 
fertigung ist nicht schwierig. Man 
kann dieses hübsche Kleidungs 
stũck als separaten Rock oder in 
Zusammenstellung mit einer ge⸗ 
eigneten Bluse als ganzes Kleid 
tragen. Material bei einer Taillen⸗ 
weite von 61 em: Von 100 cm 
breitem Stoff 3,45 m. Schnitt 
erhältlich in 8 Größen. 
Nr. 62100. Eine besonders 
kleidsame Hemdbluse, die sich 
für praktische Zwecke sehr gut 
eignet, ist unter Nr. 62100 illu- 
striert. Alle neuen Details sind bei 
dieser Bluse vertreten. Die Aus⸗ 
führung mit flachem Kragen ist sehr 
kleidsam und für warme Tage 
mpfehlenswert. Es ist auch ein Stehkragen für eventuellen Bedarf vorgesehen. Ferner 
ind auch zweierlei Aermel vorhanden. Man kann fast jedes beliebige Material ver⸗ 
venden. Material bei einer Oberweite von 91 em für die Bluse mit kurzen Aermeln: 
Von 80 em breitem Stoff 1,95 m. Von 70 em breitem, abstechendem Stoff für den 
Umlegekragen, die abstebenden Manschetten und den Gürtel 65 em. Schnitt erbältlich 
in 7 Größen. 
Nr. 62333. Ein reizendes Kleid für junge Mädchen wird uns unter Nr. 62333 
bor Augen geführt. Dieses kann aus Voile, Baumwollkrepp usw. hergestellt werden. 
Es sind zweierlei Arten Aermel vorgesehen, die, lang oder halblang ausgeführt, in 
tiese Armlöcher gesetzt werden. Der runde Halsausschnitt wirkt bei dieser Bluse wohl 
besonders hübsch, es ist aber auch ein Stehlragen vorgesehen für Damen, die einen 
solchen vorziehen. Die Bretellen können je nach Belieben angewendet oder weggelassen 
verden. Durch die kleinen Fältchen im Vorder⸗ und Rückteil der Bluse wird eine sehr 
schöne Wirkung erzielt. Der angefügte zwei· oder dreiteilige Rock hat seitlich und 
hinten bis zu den Hüften gehende Fältchen. Material für ein siebzehnjähriges Mädchen 
ür das Kleid mit Bretellen und dreiteiligem Rock: Von 70 em breitem Stoff 5,25 m. 
Schnitt exhältlich in 6G Größen. von 14 bis 19 Jabren 
Das Amt einer großen Modedame ist nicht immer leicht und nicht immer 
dankbar zu bekleiden, denn der Anzug, den sie trägt, fordert die Kritik in die 
Schranken, und nicht immer werden die Urteile in bisrreter Weise gefällt — 
im Gegenteil. Selbst Frauen, die den Anspruch erheben, zu den wohl · 
erzogenen, zu den gebildeten gerechnet zu werden, lassen sich oft hinreißen, 
beim Anblick neuer, ihnen gänzlich ungewohnter Moden, laut Kritik zu üben, 
zu verspotten, was ihnen nur deshalb ungeheuerlich scheint, weil sie sich vor 
Linien und Farbenzusanimenstellungen sehen, die für ihr Auge gänzlich ungewohnt 
find und für ihr Portemonnaie umerschwinglich, die sie aber, unter gleichen 
Verbältnissen lebend wie ihre Mitschwestern wahrscheinlich felber tragen würden. 
Es ist geradezu belustigend, sich baran zu erinnern, welchen Sturm der 
Entrüstung der enge Nock entfeffelte, als er Mode wurde — man konnte 
sich des Spottes gar nicht genug tuni Heute nach zwei Jahren hat man sich 
zand gemächlich und ganz gut an ihn gewöhnt, nachdem man zuerst „Charakter 
eweisen“ wollte, laut pro⸗ 
klamierte, der „Humpel⸗ 
rock“ sei schauderhaft, einer 
Dame“ unwürdig und über· 
dies höchst unkleidsam, nach⸗ 
dem man sich eine ganze 
ee ong Anen hatte, 
indem man r zu tragen, 
was man für meho „lady- 
Uke“ hielt — nämlich den 
Faltenrock. (Als ob ein paar 
Falten in einem RNock ge⸗ 
nügen koönnten, mir zu zeigen, 
wo ich eine „lady“ zu finden 
habel ...) 
Und als der enge Rock 
das Vorurteil besiegt hatte, 
als man sich auch dort mit 
einer Enge eng befreundet 
atte, wo man es besser nicht 
getan hätte — da begann 
ganz dieselbe Tragikomödie 
der gegenteiligen gegen⸗ 
wärtigen Mode gegenüber; 
man fand, daß die Falten auf 
dem Rocke nichts weniger 
als das erhoffte Ideal seien, 
auch sie bargen nicht das ge⸗ 
wünschte Maß von Noblesse 
in sich, und vor allem: diese 
Falten „machen dick“. 
Freilich, ein Rock oder ein 
Jackenschoß, der rings um 
die Taille eingekräuselt oder 
gar in Falten gelegt ist, ver⸗ 
größert den Körperumfang, 
daran muß man sich nun mal 
gewöhnen, und je schneller 
man sich in das Unvermeid⸗ 
liche fügt, um so besser. Das 
Unvermeidliche? — Ja, so⸗ 
fern man die Mode nicht als 
„quantité négligeable“ be-⸗ 
trachtet, denn die Modedame 
hat den drapierten Rock, hier 
und da sogar recht reich 
drapiert, anerkannt, sie trägt 
ihn nachmittags, abends und 
ogar vormittags zum wollenen 
Trotteurkleide. Die panier⸗ 
artigen Raffungen, der Rock, 
dessen Bahnen sich vorn 
kreuzen und in tiefe Falten 
eingelegt sind, Röcke, die 
dinten eine Art Langen 
Capuchon bilden (der überdies 
mit einer Quaste beschwert 
wirdh. Rocke, hie aus drei übereinder fallenden Plissees bestehen, solche, die 
leine Tüllüberwürfe haben, rings um den unteren Nand mit Pelzstreifen 
besetzt, so daß diese kleinen Ueberwürfe keck abstechen, und zahllose andere 
Varianten des garnierten Rockes — sie sind nicht länger eine gewagte 
Apartheit, ein Monopol der großen Modedame, nein, jede Frau, die uͤch 
elegant und modern kleidet, kleiden kann, trägt sie. 
Denn über diesen einen Punkt werden sich die Frauen mit der Zeit klar 
werden müssen, so unliebsam diese Entdeckung auch sein mag — es wird von 
Jahr zu Jahr schwerec, die Mode, das was man wirklich unter Mode versteht, 
zu befolgen; ständig mehren sich die Pflichten der großen Modedamen, ständig 
wird es schwerer, ihnen gerecht zu werden, und zwar nicht nur deshalb, weil 
mit der Güte und Kompüziertheit der Ausführung der einzelnen Gegenstände 
ꝛie Preise steigen, sondern auch deshalb, weil diese komplizierten, kostbaren 
Dinge an die Trägerin selber erhöhte Anforderungen stellen Es gibt heute 
zahlreiche Moden, die sich von vornherein für die Allgemeinheit verbieten — 
nicht nur wegen des Kostenpunktes, rer wegen der Anforderungen, die 
ne in ästhetischer Beziehung an die Frauen siellen M. v. Suttner 
Nachbruck auch mit Quellenangade verdoten. 
Fur samtliche dlesem Modebericht zu 
Grunde legenden Schnittmuster 
der Fa. Butterick, Berlin, haben wir 
den Alleinverkaut füũt Lũbeck und 
Umqegend. 
OLSTENMAVSI 
—X 
Bazarartikeln wãhrt nur noch weniqꝗe Tage. 
HOLSTENHAVS LUDBECA. 
Der Verkauf in
	        
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