Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Aus den Nachbargebieten. 
Sroßherzogtum Oldenbura und Fürstentum Lũbedl. 
Schwartau, 17. Aug. Die 1000. Sitzung hielt 
oer Etadtrat seit Bestehen einer Ortsvertretung Freitag ab. 
dus diesem Anlaß gab der Bürgermeister einen historischen 
leberblick über die Entwickelung des Gemeinwesens. Nach In⸗ 
tafttreten des Gesetzes über das Gemeinwesen von 1857, der 
»riten Eemeindeorbnung, die den Gemeinden die 
Selbstverwaltung verlieh, hielt die Gemeindevertre⸗ 
ung Schwartaus am 1. November 1859 ihre 
rste Sizung ab. Was die Emfwickelung des Ortes seit dieser 
zeit anbelangt, so ist die Einwohnerzahl von 1581 auf 3335, 
also um mehr als das Doppelte gestiegen. Auch die Steuer⸗ 
taft hat sich außerordentlich enfwidelt. z. B. in den letzten 
»Jahren von 41800 Meauf 50 956 M. — Sodann stand 
die Kanalisation im Riesebusch erneut zur Beratung. Die Ueber⸗ 
nahme der Kosten hat der Stadtrat schon in der vorigen 
Sitzung abgelehnt, weil der Landesverband Eigentümer der 
Straße ist. Dieser will nun die Arbeiten ausführen, wenn 
die Stadt 400 Meubeistenert. Es wurde beschlossen. diesen Be— 
trag zu bewilligen unter der Vorgaussetzung, daß die An⸗ 
lieger. die infolgedessen zu den Kanalisationsabgaben heran— 
gezogen werden, hiermit einverstanden sind. — Zum ständigen 
Hehilfen beim Wasserwerk wurde Arbeiter Langpaap⸗Schwartau 
ewählt. — Schließlich wurde noch beschlossen, den Ratsherren 
ür Vertretungen usw. prinzipiell keine Entschädigungen zu ge⸗ 
vähren. 
K. Ahrensbök, 17. Aug. Auszeichnung. Kauf— 
nam J. Dose, Hauptmann der freiwilligen Feuerwehr, er⸗ 
jielt eine Auszeichnung für 2sjährige und Feuerwehrmann Un⸗ 
alaube eine solche für 30jährige treue Dienste — Die Stelle 
eines Sauptlehrers an der Volksschule ist zur Be— 
werbung ausgeschrieben. — Im Wege des Enteignungs— 
derfahrens sollen von seiten der Direktion der Eutin— 
Lübecker Eisenbahngesellschaft zur Vergrößerung der Bahnhofs— 
mlagen hier etwa 900 qm Land erworben werden. Die be— 
reffen den Parzellen gehören Hotelbesitzer Weidemann. — Eine 
Jungviehschau mit einer Geflügel- und Gartenbauaus- 
dellung soll hier am 28. und 29. Sept. stattfinden. 
Großherzo atüũümer Merllenburs. 
—A 
der Privatschule wird Frli. Klara Beth, Lübeck, eintreten. Die⸗ 
elbe hat die Staatsvrüfung in allen Lehrfächern, auch in 
Franzößch und Englisch bestanden. Bis zum 1. Olt. d. J. 
ehlt aber immer noch eine Lehrkraft für den verschwundenen 
brivatlehrer Lehmann. — Verkauft haben die Erben des 
Büdners Fr. Törber, Vitense, die Büdnerei (Moosbänkkuten) an 
»en Arbeiter K. Frank. Schaddinasdorf. für 120000 M aum 
. September 
eranstaltetes Tanzturnier stattgefunden. Unter den Gästen sah 
nan Prof. Bruno Paul und Gattin, den Architekten Prof. 
dreis, den jungen Werner v. Bleichröder, die Zeichner 
hristophe und Lindenstädt und viele andere Versön— 
chkeiten der Berliner Gesellschaft. Aus den Konkurrenzen, bei 
enen Professionals ausgeschlossen waren, gingen als Sieger 
olgende Paare hervor: Im Tango: Reg.Baumeister 
taiser mit Frau Prof. Bruno Paul, Prof. Kreis mit einer 
ekannten schönen Sportlady aus Budapest, Herr Bernheim 
nit Frl. Scherer; im One Step und Boston: cand. jur. 
Zein, Preisträger bei der Tanzkonkurrenz im Admiralspalast, 
nit Frl. Goldschmidt, Reg.Baumeister Kaiser mit Frl. Kustig, 
brof. Kreis mit Frau Prof. Bruno Paul. 
K. „Polizeiftunde“ in Newyort. Wilde Szenen voll Ge— 
chrei und Gewalttat spielten sich in den letzten Nächten um 
Uhr früh in einigen der elegantesten Restaurants von New- 
jork ab: die Hüter des Gesetzes kämpften mit allen Mitteln 
m die Einhaltung der Polizeistunde. Es herrscht ein gewisser 
zwiespalt der Meinungen über die Hendhabung dieser so wich— 
igen Institution. Die Inhaber der großen Hotels und Reftau— 
ants behaupten, daß sie auch nech der offiziellen Schließung 
noch Speisen verabreichen dürften, lo slange die Bars offen 
rären. Die Polizei aber ist anderer Ansicht und hat einigen 
testaurateuren, die ihr Gebot übertraten, gezeigt, daß sie nicht 
ait sich spsahßen läßt. In den eleganten Salons des Broadway 
ntfaltete sich jenes blendende üppige Leben, wie es im Lande 
»es Tollars und besonders in Newyork nachts seinen Höhe— 
unkt erreicht; elegante Herren und Tamen saßen beim Souper, 
ls mit dem Schlage der ersten Morgenstunde Polizisten die 
zäume betraten und die Anwesenden zum Verlassen des Lokals 
ufforderten. Als die in ihrem Vergnügen Gestörten sich wei— 
erten, griffen kräftige Polizistenarme nach ihnen; Herren im 
xẽrack und Damen in kostbarster Gesellschaftstoilette wurden nicht 
ur aus den Türen herausgedrängt, sondern besonders Wider⸗ 
enstige hoben die Männer der he'Aꝛen Hermandad auf die 
cchultern und trugen die Strampelnden und Kreischenden hin⸗ 
ius. Einige der Herrschaften wurden über das Parkett weg⸗ 
eschleift und vor der Türe unsanft rliedergesetzt. In dem Ge— 
vühl der heftigen Kampfszenen wurden Juwelen und Geld— 
»örsen verloren; die Salons alichen Bouillonkellern nach einer 
nauferei, die Tische, mit köstlichen Telikatessen beladen, waren 
imgestürzt und teures Porzellan-Service in tausend Stücke zer⸗ 
chmettert. Ein Rattenkönig von Klagen, angestrengt von den 
ruf so unsanfte Weise Entfernten und von den schwer leschädigten 
PVirten, wird den Schlusseffekt dieser turbulenten Szenen bilden. 
C.K. Vom luftigen Onlel Sam. Höchste Gefahr. Arzt: 
„Mrs. Brown läßt mich eben zu ihrem Jungen holen; da muß 
ch schnell machen.“ Seine Frau: „Ist der Junge denn so 
rank?“ Arzt: „Das glaube ich nicht, aber Mrs. Brown hat 
in Buch Was man tun muß bevor der Arzt kommt“, und da 
eißt's schnell da sein, bevor sie's tut.“ — Falsch verstan⸗ 
en. „Ist der Mann reich, den deine Schwester heiratet ?“ 
Sicherlich nicht, denn jedesmal, wenn von der Heirat die 
dede ist, sagt Papa: „Der arme Mann!“ — Was sagt 
NRama nun? Die Mama hat dem kleinen Willie eingeschärft, 
mmer recht höflich zu sein und ieder Dame seinen Sitz anzubieten. 
zines Tages fäbhrt er mit seinem Vater in der Straßenbahn 
ach Hause und da es sehr voll ist, setzt ihn Papa auf sein Knie. 
kine hochelegante Dame findet keinen Platz, und sogleich springt 
Willie von seinem Sitz herunter und sagt: „Bitte, wollen Sie 
icht hier Platz nehmen?“ — Zweideutig. Er: „Wenn 
vir nicht im Boot wären, würde ich Sie küssen.“ Sie: „Rudern 
Zie mich augenblicklich ans Land!“ — Der Rabenvater. 
Er ist ein schlechter Kerl.“ „Wieso denn?“ „Wenn seine 
leine Tochter ihn um ein Stücdk Kuchen bittet, dann fragt er 
ie, ob sie nicht lieber eine goldene Uhr haben möchte, wenn sie 
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Hortnachrichten. 
Die Europawoche, die im vorigen Jahre in Kiel und in 
ziesem Jahre in Frankreich abgehalten wurde, wird voraussichtlich 
erst wieder 1918 nach Deutschland gelegt werden. In diesem 
Jahre begeht der Norddeutsche Regatta-Verein sein fünfzig— 
ähriges Bestehen. Für 1914 hat sich als Bewerber für die 
kuropawoche bekanntlich Spanien gemeldet. Wahrscheinlich aber 
verden die Spanier zugunsten der Norweger, die ihr Unab— 
jängigkeitssubiläum feiern, bis 1915 zurüchstehen. 1916 werden 
vohl die Engländer und 1917 die Franzosen zur Uebernahme 
er suropawoche sich melden. 
Vermischtes. 
Tango⸗Turnier in Heringsdorf. Die diesjährige Saison in 
den deutschen Bädern steht im Zeichen des Tango. So hat 
ekt in Serinasdorf ⸗in nom Mmerican Dancing Eluhb 
doim Einkauf verlange man ausdrücklbijeh Pronu 
Es geht auch anders. Der Tägl. Rundsch. wird folgend— 
Speisenfolge übersandt: 
Hotel Schweizerhof, Vulpera (also Schweiz). 
Zur Jubiläumsfeier S. M. Kaiser Wilhelms 11. 
Speisenfolge: 
Kaiserin-Viktoria-Luise-Suppe 
Konstanzer Seeforellen, Kaiser-Friedrich⸗-Tunte 
Doppellendenstück nach Hohenzollernart 
Erbsen in Butter geschwungen 
Schaumbrot Kaiser Wilhelm II. 
Spargel mit Sedaner Tunke 
25jähriger Jubiläums- Fasan 
Eingemachte Birnen 
Schwarz⸗Weiß-⸗Rot 
Prinzessin-Biktoria⸗-Luise⸗-Kuüchen 
Nrachtisch. 
Vulpera ist ja auchinternational“ und der dortige Schwei⸗ 
erhof lein ganz kleines Hotel. Und doch wagt man eine deutsche 
zpeisenfolge. Zweifellos sind also die Schweizer ihren Ber⸗ 
iner und Frankfurter Kollegen an Mut voraus. 
Nachdem jetzt der Londoter Kristall⸗Palast Nationaleigen⸗ 
um geworden ist, ist eine Untergrundbahn geplant nach dem 
kinschirnensystem August Scherl. Der Tunnel wirb nicht, wie 
ei den jetzigen Londoner Untergrundbahnen, tief unter der 
krde, sondern unmittelbar unter dem Straßenniveau liegen, so 
daß keine Aufzüge benötigt werden, die den Untergrundbahnbau 
o stark verteuern. 
tk. Die Stadt, wo das Trinkgeldgeben und Nehmen ver⸗ 
»olen ist. Wie dem Tägl. Korresp. aus Newyork gelschrieben 
pird, ist nun die Gesetzesvorlage, wonach das Trinkgeldgeben 
ind ⸗nehmen in Hotels, Restaurants oder anderen öffentlichen 
dokalen verboten ist — bei einer Geldstrafe von 40 bis 200 
Mart!! —, nachdem der Stadtrat von St. Vouis einstimmiqg 
ie Vorlage befürwortet hatte, tatsächlich Gesetz geworden. Da 
as Geletz obendrein bestimmt, daß der Denunziant die Hälfte 
er Geldstrafe erhalten soll, sind bereits am 1. August, dem 
tage des Inkrafttretens, Hunderte von Anzeigen bei der 
Polizei eingelaufen. Man darf einigermaßen gespannt sein, 
vie diese, unserer Meinung nach etwas radikale Lösung der 
Trintgeldfrage nun weiter Ergebnisse zeitigt. 
DTD. Unglüdkbei einer Felddienstübung. Bei 
iner Felddienstübung der gesamten rihen Sorhen 
urde ein Kanonier des 64. Feldart-Rgts., der die Zweige 
ines Baumes beseitigen wollte, von der Kartusche eines gerade 
bgefeuerten Geschützes getroffen. Der Luftdrug zerschmetterte 
em Kanonier die Schädeldecke. so daß der Verunglückte in 
offrungslosem Zustande ins Lazarett gebracht werden mußte 
die Uebung wurde, sofort abgebrochen. 
DT. Ausgrabung eines Sünengrabes im Bei— 
ein, der käiserlichen Familie. Unter Leitung des 
gfahlgrgbenforschers Architekten Thomas aus Frankfurt a./M. 
zurde Freitag oberhalb des Gotischen Hauses, westlich der 
klisabethenschneise ein Hünengrab ausgegraben. Hierbei wurde 
uch, wie aus Homburg v. d. BSohe berichtet wird, der 
zZuonzeschmuck einer Frau gefunden. Das Grab wurde vom 
kaiserpaar und dem Prinzen Oskar Freitag nachmittag be— 
ichtigt. Der Fund soll dem Saolhurg-Museum überwie en 
oerden. 
DDP. Mißglücktes Eisenbahnattentat. Unbe⸗ 
annte Attentäter durchschnitten in der Nocht zum Freitag vor 
dem Bahnhof von VBarangeville unweit Nancyh die 
eitungsdrähte zweier Weichen. Glücklicherweise konnte eine 
atastrophe vermieden, werden, da die: Signalscheiben auf 
Halt“ stehen blieben, so daß zwei kurz hinterejnander fahrende 
cchnellzüge vor den Weichen anhielten. Als der Aufenthatt 
or den Weichen länger als eine Stunde andauerte, forschte 
»as Zugpersonal nach und fand, daß die Leitungsdräbte 
erschnitten waren. Die von Epinal und Lunéville in der 
ichtung nach Nancy fabrenden Versonenzüge erlitsen menr— 
tündige Verspätungen 
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