Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

seueste Nachrichten und Telegraͤmme. 
vom valkan. 
W. Sofia, 16. Aug. Rach dern Bocbeimarsch der Truppen 
wurde in der Kathedrale anlählich des Jahrestages der 
Thronbesteigung des Könias ein feierliches Tedeum 
elebriert, dem die königliche Familie, die Mitglieder der Re— 
zierurg, das diplomatische Korps, das Offizierkoros, die frühe— 
en Minister, die städtischen Honoratioren und ein überaus zahl⸗ 
eiches Publikum beiwohnten. Auf dem Platze vor der Kathe— 
»rale und in den Straßen hatte sich eine große Menschenmenge 
angesammelt, die dem Könige, den Prinzen, seinen Gehilfen, 
»em Generalissimus General Timitriew herzliche Kundgebungen 
zereitete. 
W. Belgrad, 16. Aug. VenizeLos, Wukotitsch und 
Basitich sowie die übrigen Deleg rten sind hier einge— 
troffen und von den Ministern und dem Bürgermeister von 
Belgrad im Hafen empfangen worden. Die Bevölkerung brachte 
»en Delegierten stürmische Kundgebungen dar. 
Der Bukarester Friedensvertras und die Mächte. 
Wien, 16. Aug. Von einer Person, die über die Stim- 
nung im Auswärtigen Amt aut unterrichtet ist erfährt 
nan folgendes- In hiefigen diplomatischen Kreisen wird darauf 
zerwecsen, daß die Thronrede des englischen Königs die Ueber⸗ 
xugung von der Stabilität des Bukarester Friedens wesent— 
ich herabgemindert hat, indem sie gar nicht von dem Bula— 
ester Friedensvertrag, sondern nur von der Einstellung der 
Feindseligleiten als einem erfreulichen Ereignis spreche. Im 
zusammenhang mit der Londoner Meldung, daß Ruspland 
ioch keine difinitive Entscheidung über seine Haltung gegenüber 
»em Butatester Vertrag getroffen habe, und daß die Peters— 
zurger Regierung noch mit der Prüfung des Verttages be— 
chäftigt sei, wird hier angenommen, daß die Revisionsfrage 
ioch keineswegs aus den Verhandlungen der Mächte ausge— 
chaltet ist. Eine Intervention der europäischen Mächte dürfte 
luch durch die Verschärfung der Adrianopel-Frage geboten sein. 
Bukarest 16. Aug. Graf Berchtold ließ durch den hie— 
igen ölterteichisch-ungarischen Gesandten eine Note überreichen, 
n der er dem Ministerpräsidenten für den erfolgreichen Ein— 
zriff Rumäniens und das Zustandekommen einer vorläufigen Ab⸗ 
nachung unter den Kriegführenden beglücwünschte. So sei 
der Wunsch Europas, das Blutvergießen auf dem Balkan möge 
aufhören, erfüllt worden. — Der Ministerpräsident dankte für 
die Anerkennung, fügte aber hinzu, er köme sich der Ansicht 
»es Grafen Berchtold, daß das Ergebnis der Bukarelter Ver— 
andlungen nur eine vorläufige Abmachung darstelle, nicht an⸗ 
ichliehßen. Die Großmächte, sagte er, hätten in den Variser, Ber⸗ 
ner und Londoner Vertrag eingegriffen, weil es sich bei 
hnen um die Festlegung der Beziehungen zwischen der Türkei 
ind den christlichen Staaten handelte. Der Bubkarester Frie— 
zenspertrag beziehe sich nicht auf die Türkei, sondern regele nur 
zen Besitz der gewonnenen Gebiete unter den cristlichen 
Staaten. 
Paris, 16. Aug. Die während der letzten Wochen in 
den Hintergrund getretene Frage, in welcher Form die Groß⸗ 
nächte von der Pforte Bürgschaften für die in Klein—⸗ 
rdien und Arabien einzuführenden Reformen verlangen 
sollen, beschäftigt, wie man hier versichert, die europäische 
Diprematie aufs neue. Es heißt, daß die SFroßmächte willens 
eien, sich solidarisch zu erllären, um jeden Aufschub der Re⸗ 
tormen zu verhindern, dagegen die Integrität der nach dem 
tzukaresser Vertrag der Pforte verbleibenden Gebiete mit Aus—⸗ 
chluß des umstrittenen Gebietes von Adrianopel zu verbürgen. 
Die Initiative zu diesem Plan geht angeblich von itauenischen 
Politikern aus. Von anderer Seite wird gemeldet, daß Eng⸗ 
and den Mächten eine formelle Garantie der Integrität des 
»smanischen Reichs in seiner jetzigen Gestalt vorgeschlagen habe. 
Für möglich hält man, daß die europäische Diplomane im 
zusammenhange mit ihren Bestrebungen, einen Ausqleich in 
er Adrianopel-Frage zu erzielen, auch die Frage der für Klein⸗ 
sjien und Arabien versprochenen Reformen anrührten werde. 
Luftfahrt. 
Rölin, 16. Aug. Heute mittag stürzte heim Landen auf 
»er Kölner Fliegerstation eine Rumplertaube, wobei der 
sTpparaiin Trümmer ging und beide Insassen, datunter 
in Offizier, unter sich begrub. Letztere haben glück- 
icherweise nur leichte Verletzungen davongetragen. An— 
cheinend erfolgte der Unfall durch Motordefekt. 
— Aus dem finanziellen Ergebnis der Kälaer Natio— 
ralflugspende, die 101000 Möerbrachte, hat die Stadt 
döln fünf Albatros⸗Flugtauben geschenkte die 
aut kaiserlicher Anordnung die Bezeichnung erhielten: Köln, 
ür die militärische Fliegerftation Köln. Nachdem laut der Köln. 
3tg. der Kölner Fliegerstation jene fünf Flugzeuge nunmehr 
Aberwiesen worden find, hat gestern abend der erste Flug- 
Zernuch stattaefunden, der sehr befriedigte. 
Die Revolution in China. 
Schanghai, 16. Aug. Die Lage im Janatsetale 
hessert sich nach allgemeinem Urteil immer mehr. Die Revo⸗— 
ution wird, abgesehen von der Provinz Hunan, in zwei 
»us drei Wochen niedergeworfen sein. Die Ver—⸗ 
jältnifse in Hunan sind unklar, aber nicht ionderlich beunruhn 
end. Die Pukoubahn ist soweit wieder hergestellt, daß der 
Truppenvorschub bis Pukou ungestört ermöglicht ist. Dadurch 
rreichte das Gros der Nordtruppen den Jangtse, und ist der 
Veg nach Kiangsi und Hunan frei geworden. Peking geht 
jegen die Führer der Aufständischen energisch vor, auch gegen 
die Nolksvertreter, die dabei in Frage kommen. 
Die beiden Gouverneure in Albany. 
Newyork, 16. Aug. Gouverneur Sulzer hält sich nach 
vie vor in einem Flügel des Staatspalastes in Albany auf. 
kr hat alle Schlösser in den Türen entfernen und sie durch neue 
rsetzen lassen, zu denen nur er und seine Vertrauten Schlüssel 
esitzen. Dem Vizegouverneur Glynn, der ihn erfuchte. sein 
Imt niederzulegen, antwortete Sulzer, er weigere sich, ihn als 
mtierenden Gouverneur anzuerkennen. Das Publikum 
rimmt stark für den Gouverneur Partei, ohne sich 
iel darum zu kümmern, ob er schuldig ist oder nicht. Die 
ffentliche Meinung ist darüber aufgebracht, daß eine so kor⸗ 
upte Gesellschaft wie Tammany⸗Hall die Rolle des An—⸗ 
lägers spielen will. Mehrere Millionäre haben Sulzer gro ße 
Zzummen zur Verfügung gestellt, um sich gegen die Antlagen 
u verteidigen und sein Amt zu behalten. — Der Vizegouverneur 
zlynn lehnt es in einem Briefe an den Gouverneur Sulzer 
ib, den Vorschlag Sulzers formell die Frage, wer die Regie— 
ung führen solle, den Gerichten zu unterbreiten und erklärt, 
r beablsichtige die Funktionen des Gouverneurs auszuüben 
Keisen, Bäder und vommerfrischen. 
Die Zahn der Oberharzer Kurgäste betrug bis zum Schluß 
der Woche in Altenau 8903, Andreasberg 2782, Buntenbod 520 
lausthel 2900. Grund 1872 Sahbnenklee-Bodswigfe 8820 
tuthäuser im Spiegelthal b. Zellerfeld 460, Lautenthal 1900 
Wildemam 2291, Zellerfeld 18385. 
Sieges feier in Bad Teplitz⸗-Schönau. Dem Kurvpublikum, 
das die Spätsaison in Teplitz-Schönau vereinigen wird, winkt 
Ende August ein besonders seltener Genuß: Am 30. August be⸗ 
zimnen daselbst die Festtage zur Erinnerung an den denkwürdigen 
Sieg der Verbündeten über die Franzosen bei Kulm, der die 
Hölkerschlacht bei Leipzig vorbereitete. Schon seit Beginn ves 
Monats August ist eine prächtige Ausstellung eröffnet, die das 
deben und Treiben vor 100 Jahren im altberühmten Kurorte 
Teplitz veranschaulicht und zahlreiche historische Erinnerungen 
uffrischt. An die offiziellen Feierlichkeiten auf dem Schlacht— 
elde nächst den zahlreichen Kriegermonumenten schließt lich eine 
Zette von Festlichkeiten in Teplitz, in deren Rahmen sich auch 
in großer Festzug fügt, der einerseits das militärische Moment 
um Ausdrud bringt, anderseits das Badeleben der guten, alten 
Zeit spiegeln wird. Wie vor 100 Jahren werden die ver 
zündeten Monarchen in ihrem Hauplaquartiere Bad Teplitz. um 
eingt von glänzendem Gefolge, ihren Einzug halten, alle mar 
tantesten Persönlichkeiten, die an der Schlacht Anteil nahmen, 
verden sich darunter befinden. Auch der Charakter der Bade⸗ 
tadt por 100 Jahren wird in möglichster geschichtlicher Treue 
ur Veranschaulichung gelangen. Die Feier wird durch die 
intsprechenden Kriegsministerien unterstützt und wird Erzherzog 
darl Franz Josef, der bekanntlich im heurigen Frühjahr die 
Teplitzer Kur mit bestem Erfolge absolvierte und eine große 
Zuneigung der altehrwürdigen Thermenstadt entgegenhringt 
in dem Festjubel teilnehmen. — — 
Der Handelsschiffbau 1907 -1915. 
Der Handelsschiffbau der Welt hat in den beiden letzten 
Jahren gewaltige Dimensionen angenommen. Bereits Ende 
Härz 1911 wurde die bisherige Rekordbauziffer des Hoch 
vnunklurjahres 1907 überschritten und seitdem hat jedes neue 
Hierteljaht, mit alleiniger Ausnahme des dritten Quartals 
911, weitere Rekordzahlen gebracht. Dem dies jãhrigen Zahres⸗ 
ericht des Vereins Hamburger Reeder ist u. a. eine graohische 
darstellung beigegeben, die diese fortwährende Steigerung der 
Zchiffbautätigkeit besonders augenfällig macht. Wir lassen im 
stachstehenden einen Schwarzdruck des betretfenden Diaaramm⸗ 
asoeer 
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CCCCC — 7 
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Es hat somit 1913 die Tätigkeit der englischen Werjten 
eine abermalige scharfe Steigerung erfahren. Auch in der 
übrigen Ländern hat die Beschäftigung der Werften zugenommen 
die Steigerung ktritt dort jedoch nicht so ausgeprägt in die 
Erscheinung wie bei England. Um die Schiffbautätigkeit Ende 
März 1913 auch in genauen Zahlen zu schildern, möge noch 
rwähnt werden, dan zu dieser Zeit in England 2063 694 
grutto-⸗Registertons, in den übrigen Ländern 1074 824 Tons 
usammen also 3138518 Brutto⸗Registertons im Bau waren 
Demgegenüber will die höchste Ziffer des bisherigen Rekord 
Abres 1907. nämlich 1284 547 Tons, fast klein erscheinen. 
ꝑD 
We. Swinemünde, 16. Aug. Heute morgen wurde die 
deiche des bei dem Segelbootsunglücdck am 7. August 
ttrunkenen Kaufmannes Goldemam senior, Berlin, an Land 
getrieben. Im Safenbauhof wurde die Leiche des jüngeren 
Fräulein Hollatz-Neustettin geborgen. Vermißt wird noch die 
deiche des Goldarbeiters Poorée-Spandau. 
Bromberg, 16. Aug. Der konservative Reichstags⸗ 
1bgeordnete für den Wahlkreis Colmar-Czarnikau-Filehne, 
Butsbesitzer Ritter, stürzte bei einer Eienbahnfahrt von 
Schneidemühl nach Bromberg unmittelbar vor dem Bromberger 
Bahnhof infolge vorzeitigen Oeifnens der Wagentür aus dem noch 
n voller Fahrt befindlichen Zuge. Er zoa sich schwere Verletzungen 
im Gesicht zu. 
Genf, 16. Aug. Aus Lausanne ist der dortige Honorar— 
donsul von Mexiko Comte de Saraz, unter Hinterlafsung 
roßer Schulden geflüchtet. Er soll auch eine Erpressung an einer 
n Genf wohnenden Person verübt haben. Der mexikanische General⸗ 
onsul in der Schweiz, der von seinem Treiben erfahren, hatte ihn 
zereits vor einiger Zeit abgesetzt. 
W. Kiew, 16. Aug. Vier Personen, die ein Polizeibeamter 
n einem Straßenbahnwagen als verdächtig verhaften wollten, 
õ teten diesen durch Revolverschüsse und verwundeten einen 
weiten Polizeibeamten. Ein Uebeltäter wurde verlekt und ver— 
Niftet, die anderen sind entkomm⸗ 
heutseche Nuiterdlenet⸗ und bebens⸗ 
hepzichepuns⸗anctalt a. 6. in Hannover. 
8öe— 
Abteilung I. 
Militurdienst 
und 
Brautaussteuer— 
sersicherung. 
Qesamt- 
orsleherungs- 
nostaud: 
327 
Iillionoen Mark. 
ibtellung LI: 
FY 
ehens- 
und 
Studiengeld- 
Versiechernne. 
zu sagen: „Ich habe einen sparsamon 
Reifonverbrauch“ oder zu sagen: Ich fahroe 
Gesamt- 
Aktiva: 
144 
Villionen Mark. 
Antragssumme 1912: 36 Nillionen Mark. 
Geleistete Anaralungen: 
bis Ende 1890 1,1 ninlioner Mark 
19090 28 
— 2 v 
2 
16bs ——W— 
1912 158 
—A ðvᷣ 2 
Die Dectseche Militärdienst- und Lehens-Versieherungs-Anstalt a. 6 
in Hannover übernimmt unter sehr vorteilhafton Bedingungen 
Mĩlitürdienst-⸗, Brautaussteuer-, 
Studiengeld- und Lebens-Versicherungen, 
lis lo:atoren auch mit Einschluss von Familiententoe. Witwen-und Wsisenpension und 
pit Prämienbefreime und Zahlnng eéiner Invalidenrento im Falle der Erwerbs- 
antühigkeit. Alle Deberschüsse fallen den Versicherten zu. 1632 
Generalagentur Schwerin ĩ. M. 
Inhaber: Herr Subdirektor O, Knftep, Steinatr. 26 1. 
Jardtageninps. Iheebh. Imaegend: Peinpich Uarlens. Ficehetr. s 
43260 
Seit Jahrzehnten widmet sich ein Stamm alt— 
geschulter Kräfte der Spezialaufgabe, den 
besten Automobil- und Fahrradreifen herzu— 
ttellon. Qualitãt und Konstruktion gaben 
unserem Reifoh seinon Woltruf. 
ufthano 
»nffe PPIh2). Fanpouef. 
—
	        
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