Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

berwiesen worden, wohin sie gehören, in das Fabelreich. Trotz— 
dem aber taucht jetzt wieder eine Kaiserlegende auf, die sich 
nun schon gar nicht mehr damit abgibt — wenn auch frei 
erfundene —, Tatsachen zu erzählen, sondern die sich einfach 
aufs Kombiniseren verlegt. Tas Echo de Paris will von einem 
natürlich „wohlunterrichteten“ Osmanen eisahren haben, man 
erwarte in Konstantinopel die persönliche Initiative des Kaisers 
zu einem Versuche, die Adrianopeler Frage durch eine den Bul⸗ 
garen günstige Transaktion zu regeln. Auch das wird ver⸗ 
mutlich ein Märchen sein, aber die wstematische Arbeit, mit 
der Kaiser Wilheln. wieder in den Vordergrund der politischen 
Bühne gerückt werden soll, hat doch immerhin eine so ernste 
Bedeutung, daß man sich auch in Deutschland die Frage vor- 
legen muß. ob in den letzten Monaten der Balkankrise denn 
wirklich etwas geschehen ist. was auf ein starkes persönliches 
Eingreifen des deutschen Kaisers zugunsten einer Partei hin-⸗ 
deuten könnte. Diese Frage muß glatt mit Nein beantwortet 
werden. Höchstens, daß der Augenblick nicht sehr glücklich ge— 
wählt war, den griechischen König zum Feldmarschall der preußi— 
schen Armee zu ernennen, aber die einzige Kundgebung des 
Kaisers über seinen Anteil an der Friedensvermittlung, die Ant⸗ 
wort auf des Rumänenkönigs Telegramm, trägt so sehr den 
Stempel vorsichtiger Zurückhaltung und läßt auf eine intime 
Verständigung mit Herrn von Bethmam⸗Holwea, der ja gerade 
an dem Tage, da das Telegramm abging, in Swinemünde 
weilte, schliehben, daß man sich daraus w:klich keine Sorgen 
ahet gye Wiederkehr des „persönlichen Regiments“ zu machen 
raucht. 
Protest der Malissoren. 
W. Wien, 15. Aug. Die Albanische Korrespondenz meldet 
rus Skutari: Die Häupter der Stämme Hoti, Grudi, Klementi, 
Kastrati und Schkreli haben sich in eorpore zu dem englischen 
Admiral Burley begeben und folgende Erklärung abgegeben: 
Die Stämme der Malissoren erkennen die von der Bot— 
schafterkonferenz festgesetzte Grenze nicht an. Sollten die 
Großmächte den in dem Vrotestprotokoll niedergelegten Be⸗ 
schwerden der Albanesen gegen die «˖ Grenzfestfetzung kein 
Gehör schenken, so ist ein Krieg zwischen Montenegro und den 
Malissoren unausbleiblich. Wenn auf das Memorandum bis 
sum 20. August keine zustimmende Antwort erfolgt, werden 
die Malissoren gegen Tuzi marschieren.“ * 
Gleichlautende Erklärungen wurden bei dem österreichisch⸗ 
ungarischen und dem italienischen Konsul abgegeben. Der eng⸗ 
lische Admiral und die Konsuln entgegneten, dan sie die Er— 
lärungen an ihre Regierungen weitergeben wollen. 
Adrianopel. 
St. Petersburg, 15. Aug. Die Botschafter Deutschlands, 
Desterreich-Ungarns, Frankreichs und der Türkei und die Ge⸗ 
sandten Rumäniens und Serbiens hatten mit dem Miiniste 
des Aeußern Ssasonow längere Unterredungen. Der Meinungs 
austausch der Diplomaten wurde durch die gestrige Zirkularnote 
der Türkei hervorgerufen, die in der Form eines Anhanges an 
die letzte Antwort des Großwesirs gehalten ist. Obgleich der 
Inhalt noch geheim gehalten wird, verlautet doch, daß St. 
Petersburger diplomatische Kreise stark unter dem Eindrud der 
Erklärung der türkischen Regierung ständen, dah man nicht nur 
Adrianopel behalten, sondern auch ernste Gegenmaßregeln er— 
areifen wolle, falls Bulgarien die Greueltaten auf dem eroberten 
ehemaligen türkischen Gebiet nicht einstelle. Obgleich die Türkei 
prinzipiell mit der, in der Antmort des Großwesirs an die 
Viachte erwähnten Grenzlinie einverstanden sei, so behutte sie 
sich doch vor, eventuell das Gebiet jenseits der Maritza zu be— 
jsetzen, um die Bulgaren zu zwingen, direkte Verhandlungen 
mit der Türkei zu führen. Dadurch soll der Beschluß der Lon— 
doner Konferenz hinfällig gemacht werden, was den endgültigen 
Verlust Adrianopels für Bulgarien bedeuten würde. 
* 
Deutsches Reich. 
Das Kaiservaar. Das Kaiserpaar sowie Prinz Oskar 
unternahmen gestern früh kurz nach 73 Uhr einen längeren 
Spagziergang durch die Stadt Homburg und den Hardtwald 
auf die Saalburg und kehrte zu Futß wieder ins Schloß 
zurück. Der Kaiser hörte dann den Vortrag des Chefs des 
Miitärkabinetts, Generaladiutanten, Generals der Infanterie 
Fihan. v. Lynckeer, des Kabinettchefs d. Valentini und später 
den Vortrag des Gesandten, Wirklichen Geheimrats v. Treutler. 
Nachmittags begaben sich die Majestäten und Prinz Oskar im 
Automobil nach Schloß Friedrichshof zum Befuch des Prinzen 
und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und blieben dor 
—2* 
„Rinder, habt euch doch nicht sol Ihr seid mitunter 
komische Leutchen. Macht euch doch das Leben nicht selber 
nit Gewalt schwer. Es gibt euch ja doch keiner nen roten 
deller dafür.“ 
Und mit philosophischer Gelassenheit rauchte sie weiter. 
Einige Minuten gingen so im Schweigen dahin. Aber 
da horchten die drei plötzlich auf. Von drinnen aus den Wohn 
räumen des Hauses klang eine Unterhaltung herüber, die 
immer lebhafter wurde, und nun Hörten sie deutlich eine tiefe 
iaute Mannesstimme: 
„Ja, du lieber Gott, was sollt ich denn machen? Ich 
mußte das Pferd doch haben. Mit dem Emir kann äich doch 
unmöglich meine Abteilung vorführen. Der alte Verbrecher 
schmeiht mir womöglich die ganze Befichtigung um. Und du 
weißt doch, was diesmal auf dem Spiele steht: schneide ich 
schlecht ab, dann kann ich mir getrost den Zylinder kaufen. 
Und wo bleibt Ihr dann alle, du und die Mädels ? 
„Papa! Also doch schon da!“ * 
Und Astrid griff rasch nach eͤhrer ZJigarettenfchachtel 
nen im Hause aber vernahm man jetzt die Antwort der 
Mutter: 
„Ich und die Kinder! Ja, wene du nach uns nur etwas 
eher gefragt hättest, eh e du deinen Pferdekauf vornahmst. 
Der Herbst steht vor der Tur — wovon nun unsere Winter⸗ 
zarderobe bezahlen?“ 
„Na, mein Gehalt ist doch auch noch da!“ 
Aber es klang nicht mehr aanz so ficher. 
„Dein Gehalt! Als ob du nicht selber wüßtest, daß das 
glatt draufgeht für den Haushalt.“ 
Eine Pause, dam aber wieder die verärgerte Stimme 
des Vaters: 
„So werden die Kerls mit der Bezahlung für eure 
Sachen eben gefälligst warten bis zum Jamar, den nächsten 
Zinsen — ich kamn's doch nicht ändern. Was sein muß, muß 
jein. Und damit basta!“ 
Laut hörte man drinnen eine Tür zuschlagen. Dann wurde 
es still. Auch die drei Mädchen vecharrten in Schweigen. 
Auf Ediths Mienen lag ein trüber Ernst. Wie ein Ahnen 
künftiger Tinge. Vielleicht war das auch ihre Zukunft. Ihre 
Eltern hatten einst aus Liebe geheiratet — sie wiͤhte es von 
auch zur Abendrafel. — Gegenüber den neuerdings aus 
Athen verbreiteten Gerüchten von einer für Mitte September 
jeplanten Reise des Kaisers nach Korfu verlautet an zu— 
tändiger Stelle, daß, so lange die Choleragefahr besteht, der 
Kaiser Korfu nicht besuchen wird. Die Fahrt der „Hohen— 
ollern“ nach Venedig, die in den nächsten Wochen erfolgen 
rollte, ist einstweilen abgesagt worden. Die bevorstehende 
seise des Reichskanzlers v. Bethmann-Hollweg nach Homburg 
d. d. Söhe ist dadurch veranlaßt worden, daß der Kaiser 
den Kanzler zur Geburtstagsfeier des Kaisers Franz Josef, 
mm 18. August, in das kaiserliche Hoflager nach Bad Homburg 
eing laden hat, ebenso wie den österreichischungarischen Bot⸗ 
chafter und die anderen Herren der Botschaft. 
3. B. Zur Resorm der Fahrkartenstener. In der Oeffentlich⸗ 
leit ist wiederholt und dieser Tage wieder dem Wunich nach 
lufhebung oder doch wenigstens Reformierung der Fahrdarcen⸗ 
seuer Ausdruck gegeben worden. Es ist bekannt, daß die Reichs 
egierung auf Anregung des preußischen Staates mehrfach eine 
weckmäßigere Gestaltung der am 1. August 1908 eingeführten 
kahrkartensteuer vorgeschlagen, aber damit beim Reichstag keinen 
Erfolg gehabt hat. Ueber den gegenwärtigenStand der Frage einer 
Reform der Fohrkartensteuer erfahren wir folgendes: An maß- 
rebender Stelle wird noch heute der Standpunkt ver— 
reten, daß die Fabrkartensteuer in ihrem Aufbau verfehlt sei 
und die Schuld an der starken Abwanderung aus den höheren 
in die niederen Wagenklassen der deutschen Eisenbahnen trage. 
In dieser Erkenntnis hat nicht nur die preußische Regierung, 
ondern mit ihr eine Reihe anderer Bundesstaaten wiederholi 
Vorschläge zur Reform der Fahrkartensteuer ausgearbeitet, die 
ibereinsimmend davon ausgingen, durch eine geringere Be—⸗— 
teueruna der 1. und höhere Besteuerung der 3. Wagenklasse 
inen Ansgleich unter den Fahrgästen, die der Steuer unter— 
iegen herbeizuführen. Eine Besteuerung der 4. Wagenklasse 
am dagegen nicht in Frage. Diese Reformversuche der ver— 
ündeten Regierungen fanden beim Reichstag keine Gegenliebe; 
ãmtliche Vorschläge fielen entweder schon in der Budgetkom— 
aission oder im Plenum unter den Tisch, weil der Reichstag 
inmaledem Verlangen? der Regierung, einen Ersatz für den 
Ausfall der ganzen Fahrkartensteuer zu schaffen, nicht entsprach, 
ind zum zweiten keine Neigung hatte, dem Wunsch der Regie 
ung entsprechend die 1. und 2. Klasse durch eine, wenn aud 
noch so geringe Mehrbelastung der 3. Klasse zu entlasten. Grund 
ätzlich steht die Regierung noch heute auf dem Standpunkt, daß 
zine Aenderung der Fahrkartensteuer gerade im Interesse des 
kisenbahnverkehrs und der Reichsfinanzen dringend erwünsch! 
ei. Wenn jetzt der Hansabund einen Appell auf Aufhebung der 
Fahrkartenfteuer an die Reichsregierung richtet, so wendet er 
ich an die falsche Adresse. Es darf daran erinnert werden, daf 
s nicht die Regierung, sondern der Reichstag von 1905 ge 
vesen ist, dessen Mehrheit damals in die Stengelsche Finanz— 
eform die Fahrkartensteuer verflocht. Die Regierung hat ver— 
ucht, mit dieser Steuer auf den Verkehr so gut auszukommen, 
wie sie es vermochte; daß sie keinen besseren Erfolg hatte, 
ist gewiß nicht ihre Schuld, und man wird von ihr nicht er 
varten können, daß sie nach mehreren fehlgeschlagenen Ver— 
uchen zur Reform der Fahrkartensteuer gerade bei der jetzigen 
Sestaltung des Reichstages einen neuen Aenderungsvorschlag 
inbringt. Die Mahnung des Hansabundes sollte vielmehr 
in den Reichstag gerichtet werden. Sollte dieser in seiner 
iächsten Session die Initiative ergreifen und etwaige Anträge 
uf eine zwedmäßigere Gestaltung der Fahrkartensteuer zum Be 
iqrutß erheoen, so durfre die Fichsstegierung — wäs mun 
ach ihrer bisherigen Haltung als selbstverständlich erwarten 
arf — diesen Anregungen bereitwillig Gehör scheaken. Einer 
ölligen Aufhebung der Fahrkartensteuer könnte sie nuch un— 
eren Irformationen jedoch nur dam zustimmen, wenn für den 
dadurch entstandenen Ausfall in den Einnahmen dar Reichskasse 
ꝛcller Ersatz durch andere Einnahmequellen geschaffen wird. 
Verband baltischer Getreideexporttute. Gestern fand unten 
droßer Beteiligung von den Hafenplätzen der deutschen und rus— 
jischen Ostsee, sowie Herren aus Dänemark in Königsberg ti. Pr 
die Jahresversammlung des Verbandes baltischer Getreideexpor 
teure statt. Nachdem der Vorsitzende, Konsul William Cohn 
Rostoch, die Gäste bewillkommnet und den Jahresbericht er 
tattet hatte, fand die Ersatzwahl für das verstorbene Vorstends 
mitglied Waldemar Sörensen-Kiel statt, an seiner Stelle wurde 
Franz Manasse-Berlin gewählt. Eine längere Diskussion fand 
iber die bisherigen Erfahrungen des dänisch-baltischen Kon— 
trakts statt. Es wurde beschlossen, in Kopenhagen die gemein 
ame Neurevision des däamnisch-baltischen Kontraktes in Vor 
ichsag zu bringen insbesondere soll eine Hinzufügung bei der 
der Wtutter Jjeibst — und nun dieser Ton zwischen ihnen! C— 
war ja nicht das erstemal, daß sie unfreiwillig Zeugen einer 
solcher Auseinandersetzung wurden. 
(Fortleung folat. 
Welt und Wissen. 
DT. Untersuchung der Schuldfrage im Balkandrama. Der 
Präsident der Columbia-Universität, Butler, hat sich als Vor— 
itzender der Carnegiestiftung für internationale Arbitcage an 
erschiedene bedeutende Vertreter der internationalen Wissen— 
chaft gewandt, um ein Komitee zu bilden, das sich mit der 
Untersuchung der Schuldfrage an dem Ausbruche des Balkan— 
rieges befassen soll. Für Deutschland ist an die Professoren 
Zorn und Lamasch die Aufforderung zur Beteiligung an der 
Untersuchung dieser Frage ergangen, für Rußland an Mul— 
wokow, für Frankreich an Destournelles. 
* 
DT. Ehrendoktoten der Universität Leyden. Aus Anlaß 
der Einweihung des Haager Friedenspalastes hat die Univer— 
ität Leyden Ehrendoktoren ernannt und zwar den holländischen 
Staatsrat Asser, den in Wien lebenden, mit dem Friedens⸗ 
iobelpreis ausgezeichneten Schriftsteller Alfred Fried, den fran 
ösischen Rechtsgelehrten Professor Renault und den amerika— 
ruischen Staatssekretär Root. Fried und Renault werden das 
Diplom perlönlich in Empfang nehmen, Root läßt sich durch den 
Sekretär der Carnegie-Stiftung, Mr. Scott, vertreten. Staats⸗ 
at Asser hat von dieser Ehrung keine Mitteilung mehr erhalten 
rönnen, da er Dienstag gestorben ist. 
o 
Der Magensaft des Schweines als — Seilmittel! 
Dak, man tierische und pflanzliche Stoffe als Heilmittel ver⸗ 
vendet, dürfte wenig neues sein; aber man beschränkte sich bis 
yor kurzem im wesentlichen darauf, den betteffenden Tieren nur 
ß3lut abeuzapfen. Nach einem von dem Physiologen Dr. Hepp 
jefundenen Heilverfahren eignet sich aber auch der Magensaft 
zewisser Tiere ganz vorzüglich zu Heilzwecken, besonders eben 
bei solchen Leuten, deren Magen nicht genügend Verdauungs— 
äfte absondert und infolgedessen die Verdauung hemmend 
eeinflufst. Dr. Albert Neubinger bespricht dieses Heilverfahren 
kFis-Klausel beantragt werden, dahingehend, daß die Dokunent 
Aufnahme finden müssen, wenn bei Beginn der Einladung nach 
veislich die Fahrt in See möglich ist. Bei der Vergütung fun 
Mindernaturalgewicht wird außer einer redaktionellen Aenderung 
eantragt, das Hektolitergewicht durch einfache Multiplikatiop 
des Metergewichts mit 100 zu ermitteln. Es wird ferner der 
Wunsch ausgesprochen, daß der Pa sus gestrichen werde, daß bei 
Streitigkeiten zwischen dem Kontrolleur und dem Empfänger 
etzterer das Recht hat, von der Behörde Sachverständige zur 
Brobenahme zu fordern, da dieser Passus sich als demoralisie⸗ 
dend erwiesen habe, indem er Differenzen in der Probenahme 
jervorruft, wenn dem Empfänger einer kleinen Stadt daran ge 
egen sei, an Stelle des Kontrolleurs, des Abladers, einer 
ihm genehmen Probenehmer von seiner Behörde ernanni zu be 
kommen. Die Versiegelung der Muster in Glasflaschen soll 
unzuläfsig sein, auch soll die schwedische Gewichtslatitude künftig 
nicht mehr anerkannt werden. Der Vorstand wird beauftragt. 
den dänisch-baltischen Kontrakt auch für den Handel mit Oel 
saaten auszuarbeiten, damit das Oelsaatengeschäft nach Skandi 
navien künftighin nicht mehr ohne Zicgrundelegung einer Arbi— 
trage bewirkt werden kann. Eine Kommission ist damit beauf⸗ 
tragt, Normalcharter und Konnossemente für Skandinadien unter 
besonderer Festsetzung der Löschtage auszuarbeiten. Kielersets 
vird über Mängel bei der Verwiegung in belgischen Häfen 
zeklagt, doch war man sich schlüssig, dah hierin eine Aenderung 
»orderhand nicht herbeizuführen ist. Ein Antrag dahingehend, 
oaß die Schiffsmakler befugt seien, in Vertretung der Kapitäne 
bezw. Reeder die Komossemente rechtsverbindlich zu zeichnen, 
wurde abgelehnt. Die Versammlung nahm einstimmig eine 
kesolution an dahingehend, beim Reichskanzler vorstellig zu 
verden, den beabsichtigten Gesetzentwurf gegen den Handel in 
Futtermitteln, Düngemitteln und Sämerein nicht ein, ubringen 
bezw. eine Zustimmung demselben zu versagen, da es eine 
Beleidigung des Handelsstandes sei, ihn unter ein Ausnahme 
zesetz zu stellen, indem der Kaufmann bei diesem Geschäft nur 
ein Bindeglied zwischen Fabrikanten bezw. Landwirt und Ver— 
braucher sei. Als Ort der nächsten Jahresversammlung wurde 
Rostock in Aussicht genommen. 
DT. Schwierigleiten bei der Einstellung der Werfinrbeiter. 
Die Einstellung der Arbeiter durch die Arbeitsnachweise des 
VBerbandes der Eisenindustriellen von Hamburg-Altonga hat sich 
nestern ziemlich glatt abgewickelt. Etwa 1500 Arbeiter waren 
gegen Abend den einzelnen Werften überwiesen worden. Im 
letten Augenblick scheinen fich nun wieder Schwierigkeiten zu 
ergeben. Wie gemeldet, war vorgestern abend von verschie— 
denen Werftleitungen erklärt worden, daß die Einstellung nur 
angsam vor sich gehen könne, um festzustellen, ob die Arbeit 
auf allen Werften gleichmähig wieder aufgenommen werde 
und nicht etwa die Arbeiterschaft der einen oder der anderen 
Werft weiter in dem Ausstand verharrt. Jetzt stellt sich her— 
aus. daß in Bremen die Werftarbeiter nicht wieder zu ihren Ar— 
deitsstätten zurüdkehren wollen. Einige der Werttarbeiter, die 
vorgeftern und gestern eingestellt waren, haben die Arbeit 
wieder niedergelegt. Infolgedessen, so wird von der Werft— 
leitung erklärt, werden in Hamburg wahrscheinlich Schwterig 
keilen durch die Arbeitsnachweise der Eisenindustriellen ent— 
stehen, so daß eine glatte Abwicklung der Arbeitseinstellung kaum 
mehr geleistet werden kann. 
*e 27 
Ausland. 
Desterrein⸗Ungarn. 
DT. Englischer Botschafterwechsel. Wie der Vertreter des 
Deutschen Telegraphen aus bester Quelle erfaͤhrt, steht die Er⸗ 
nennung des bisherigen englischen Botschafters in Madrid, Sir 
Maurice de Bunsen, zum Botschafter in Wien, an Stelle 
oon Sir Carteret, unmittelbar bevor. — Sir Maurice de Bunsen 
ist ein Enkel des früheren preußischen Gesandten Karl Josiags 
von Bunsen. in London zur Zeit der Regierung Friedrich 
Wilhelms IV., bei dem 1848 auf seiner Flucht nach England 
der Prinz von Preußen, der nachmalige erste deutsche Katfer. 
mehrere Monate wohnte. Mit der Ernennung Sir Maurice 
de Bunsens zum englischen Botschafter in Wien verfolgt die 
englische Regierung offenbar die Absicht, an Stelle des wegen 
seiner Spitzen gegen Deutschland dort nicht beliebten jetzigen 
Wiener Botschafters eine Versönlichkeit zu setzen, die in höherem 
Maße auch die deutschen Sympathien genießt. 
Frantreich. 
PT. Französischer Anarchistenlonngrefz. Ein von vielen 
Tausenden besuchter Anarchistenkongreß ist in Paris am Freitag 
zrössnet worden. 34 anarchiftische Vereinigungen aus dem 
brigen, Frankreich sind vertreten. Dazu kommt noch eine Reihe 
ranzösischer und ausländischer Anarchisten, die ohne beson deres 
Mandat erschienen sind. Der Kongreß befaßt sich vorzüglich mil 
einem engeren Zusammenschluß der Anarchistenörganisationen, 
mit dem Kampf gegen den Militarismus, der Frage des 
—1 
in einem kleinen Artikel der Münchener Wochenschrift Zeit im 
Bild an Hand einer Illustration recht anschaulich. Der Magen— 
'aft wird mit Hilfe einer Magenfistel lebenden Schweinen abge— 
apft:; dies kann ohne Schaden für die Schweine geschehen; sie 
iehmen dabei sogar an Gewicht noch ganz erheblich zu. 
Zunächst wird er in großen Gefäßen gesammelt und dann fil— 
rriert und gereinigt. Mittels einer sinnreichen Vorrichtung wird 
der Saft dann noch unter Anwendung von lomprimierter 
Kohlensäure von allen schädlichen Bakterien befreit; der so ge— 
wonnene destillierte Magensast wird in Gef?ßen, die möglichst 
siicht- und luftarm sind, aufbewahrt; er behält sein bernstein— 
'arbiges Aussehen und seine heilende Wirkung auf lange Zeit. 
Recht appetitlich ist die Geschichte aber nicht. D. Red.) 
tk. 
* “* 
Meersalz als Düngemittel. 
Die Landwirte behaupten in der Regel, daß das Meerfalz 
auf Pflanzen wie Gift wirke, aber diese Anschauung scheint nach 
den neueften Beobachtungen weit über das Ziel hinauszuschießen. 
xlache, am Meere liegende Landstreden brauchen keineswegs 
infruchtbar zu sein, und gewisse Pflanzenarten gedeihen sogar 
ehr gut, anscheinend infolge einer Anpassung an das salzreiche 
Milieu. Man darf annehmen, daß das Salz auf die Pflanzen 
wie viele Medikamente auf den menschlichen Organismus wir⸗ 
len; bei zu groher Dosis gewinnen sie den Einfluß von Giften, 
ʒei kleiner Dosis wirken sie anregend und günstig. Das scheinen 
die außerordentlich interessanten Versuche zu bestätigen, die in 
den letzten vier Jahren in Ungarn auf der königlichen land— 
wirtschaftlichen Station von Magyarowar angestellt wurden und 
lüber die Janesco Bela jetzt Bericht erstattet. Man düngte 
dort ein Rübenfeld mit 175 Kilo rohen Meersalzes auf das 
hektar. Die Folge war, daß das Rohgewicht der geernteten 
Zuderrüben 14000 Kilo höher war als auf den benachbarten, 
ucht mit Meersalz gedüngten Feldern. Weitere Untersuchungen 
verden zeigen müssen, ob durch den Nährsalzdünger der Zucker⸗ 
rtrag gesteigert oder zum mindesten nicht vermindert wird 
iber die bisherigen Beobachtungen weisen jedenfalls darauf 
hin, daß allem Anschein nach die Landwirtschaft im Begriff 
teht, im Meersalz ein sehr wirksames neues DTüngemittel zu 
robern L.C.
	        
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