Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Neueste Nachrichten und Telegramme. 
Vom Balkan. 
Nach dem Friedensschluß. 
Sofia, 14. Aug. Gestern trafen hier mehrere Regi— 
grenter ein, die vom Publikum stürmisch begrüßt und mit 
Blumen beworfen wurden. Die Fahnen waren mit Krãnzen 
umwunden König Ferdinand beobachtete den Einmarsch 
vom Fenster aus. Heute trifft der Delegierte Tontschew hier ein. 
Die Revisionsfrage. 
Paris, 14. Aug. In den Blattern wird die Meldung, 
daß Oesterreich-Ungarn gemeinsame Schritte der Großmächte 
zur Sicherung der verschiedenen Nationalitäten in den ein— 
zelnen Balkanstaaten angeregt hat, sympathisch aufgenommen; 
man sieht darin ein Anzeichen dafür, daß Oestenreich⸗ 
Ungarn nunmehr endgültig auf die Redision des Bu— 
karester Friedensvertrages verzichtet hat. 
W. Budapest, 14. Aug. Simsichtlich der Frage, welche 
Saltung Oesterreich Ungarn degenüber einem even— 
tuellen Wechsel der ruffischen Politik in der Revisionsfrage ein⸗ 
nehmen werde, meldet der Pester Lloyd aus Wien: Eine 
Ueberraschung könnte nicht bereitet werden, da in Wien stets 
ein gewisses Mißtrauen herrschte, ob die Bulgarenliebe Ruß⸗ 
jands sich nachhaltig genug erweisen werde. Von einem Zu⸗ 
sammenwirken Rußlands und Oesterreich⸗ Ungarns für Bul— 
garien kann natürlich nicht mehr gesprochen werden, sobald sich 
die Wandlung in der russischen Positik bewahrheiten sollte. Un— 
rerändert bleibt jedoch das Interesse O⸗sterreich⸗ Ungarns an 
einer Ordnung auf dem Balkan von halbwegs genügender Zu— 
berlässigkeit. Infolgedessen wird die Vlovarchie alles aufbieten, 
um eine allzu weitgehende Demütigung Bulgariens nach Mög- 
lichkeit hintanzuhalten. 
W. Wien, 14. Aug. In hiiesigen Regierungskreifen wird 
die Revisionsabsicht trotz der Meldung von dem Rüch⸗ 
tritt Rublands, die übrigens amtlich noch nicht beglaubigt ist, 
rkoch immer aufrecht erhalten. 
Adriano pel. 
Konftantinopel, 14. Aug. In diplomatischen Kreisen wird 
versichertt, daß alle Großmächte entschlossen seien, ihren 
Standpunkt in der Adrianopelfrage unbedingt durchzuführen. 
Eine gemeinsame Aktion sei nicht vorgesehen, vielmehr bleibe 
die Beteiligung an einem altiven Vorgehen sowie die Wahl 
geeigneter finanzieller oder militärisher Mittel ieder Großmacht 
überlassen Wie der Tanin schreibt, soll Bulgarien unter 
Umständen entschlossen sein, erneut um den Besitz Adrianopels 
den Kampf aufzunehmen. 
W. Petersburg, 14. Aug. Wie der Rietsch aus Regierungs- 
treisen erfährt, wird Ruhland keine Schritte zur Ver-— 
treibung der Türken aus Adrianopel unternehmen, wenn es kein 
europäisches Mandat dazu erhält. Es wird nicht isoliert vor— 
gehen, damit internationale Verwichsungen vermiebden werden. 
Die bulgarischen Grausamleiten. 
VParis 14. Aug. Der Deputierte George Berrn erklärte 
in einem Brief an den Minister des Aeußern, bezu g⸗ 
nehmend auf die Meldungen über Greueltaten der bulgarischen 
Eoldaten, nicht nur Europa, sondern die gesamte Welt habe 
die Pflicht, die Schandtaten zu verdammen, die an die 
Episoden der Geschichte erinnern und sich nicht erneuern dürften. 
Elauben Sie nicht, unter diesen Umständen, Herr Minister, heißt 
es in dem Schreiben weiter, daß die Regierung sich selbst eine 
Ehre erweisen würde, wenn sie, wie so oft unter anderen 
Umständen, die Initiative zu einem wirksamen Protest gegen 
solche Verletzungen des Völkerrechts ergreifen würde? Berry 
fügte hinzu. er hätte die Aufforderung von der Tribüne an den 
Minister gerichtet, wenn das Varlament nicht geschlossen wäre. 
* 
Der deutsche Ozeanrekord. 
W. Bremen, 14. Aug. Ter Schnelldampfer Kron⸗ 
prinzessin Cäcilie“ des Norddeutschen Lloyd hat 
auf seiner letzten Fahrt nach Newpork den deutschen Re— 
kord für die Ozeamnfahrt zwischen Cherbourg und Ambrose 
Channel⸗Feuerschiff ge schla gen. „Kronprinzessin Cäcilie“ fuhr 
mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 23,4 
Knoten und legte die Ozeanfahrt in 5 Tagen 
14 Stunden und 24 Minuten zurüch 
Reichs tagsersatzwahl in Samburg. 
Hamburg, 14. Aug. Für den 1. Hamburger Wahl⸗ 
treis (Gamburg-Ost) wird durch Bebels Todeine Er— 
satzwahl zum Reichstag nötia. Bebel wurde hier 1912 
mit 20633 Stimmen gewählt, gegen 29099 nationalliberale, 6331 
freisinnige, 274 Zentrums⸗ und 196 Wirtschaftliche Vereinigungs⸗ 
Stimmen. Im Jahre 1007 hatten die entsprechenden Zahlen 
gelautet: 21683 sozialdemokratische, 4607 nationalliberale, 5979 
freisinnige, 287 Zentrums-⸗ und 136 deuisch-soziale Stimmen. 
Mit noch größerer Stimmenzahl, nämlich mit 22046 war Bebel 
1903 gewählt worden. Bis 1877 hatte Bebel den Wahlkreis 
Flauchau im Reichstag vertreten, bis 1881 Dresden II, 1893 
bis 1888 Straßburg, in den übrigen Jahren war er Vertreter 
don Hanmburaq J. 
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Luftfahrt . 
W. Hamburg, 14. Aug. Der Flieger Lt. Schuz 
ist heute morgen 949 Uhr zum Fluge nach Königsberg aufgen 
stiegen. Er gedenkt von dort nach Köln zurüchzufliegen. Sein 
Begleiter ist Leutnant von Teubern. 
W. Hamburg, 14. Aug. Das Luftschiff „Sachsenw“, 
das heute morgen 6 Uhr 28 Min. zu einer Fernfahrten ach 
Flensburg mit sieben Passagieren aufgestiegen war, ist dort 
nach gut verlaufener Fahrt um 9 Uhr 40 Min. bei strömen⸗ 
dem Regen gelandet und um 10 Uhr 26 Min. zur Rückfahrt 
nach Hamburg wieder aufgestiegen. Kurz nach 1 Uhr traf das 
Luftschiff über Hamburg ein und wurde 1 Uhr 15 Min. wieder 
n der Halle geborgen. 
W. Vetersburg, 14. Aug. Der Aeroklub erhielt vergan- 
gene Nacht ein Telegramm, daß der Flieger Ja noir bei 
dem Flecken Beresowo, im Gouvernement Pfkow gelandet 
ist. Tas Flugzeug ist beschädigt. Janoir bittet um Zufendung 
von Benzin und Ersatzteilen. Nach der Ausbesserung fliegt 
Janoir nach Petersburg weiter. 
Die chinesischen Unruhen. 
Hongkong, 14. Aug. Der neue Grunverneur von Kwantung 
General Lung zog in Konton mit 5000 Mann ein. Die Nicht— 
erfüllung einer Soldversprechung führte zu einer Meuterei 
pon 6000 Mann der alten Besazung. Die Meuterer beschossen 
und plünderten die Stadt des Hourecneurs. Der Yamen wurde 
Ausgeraubt und verbrannt. Die Femdemiederlassung wird 
durch dreihundert indische Soldaten aus Hongkong sowie durch 
neun fremde Kriegsschiffe, darunter das deutsche Kanonenbool 
„Iltis“ und das Flußkanonenboot „Tsing da u⸗“ beschützt. 
Die Regierungstruppen, die Verstärkung aus Kwanasi erhielten, 
zewminnen jetzt die Oberhand. TDie teleraphische Verbindung 
nit Hongkong ist durch die Aufständischen unterbrochen. 
Von der Grönlanderpedition. 
W. Koenhagen, 14. Aug. Das Komité der Gröonland— 
exveditien des Hauptmanns Koch erhielt heute mit dem Grön— 
andschiff „Godthaab“ einen Bericht des Hauptmanns Koch 
iber den Verlauf der Expedition, in dem es heißt: Am 
. April verließ die Expedition das Winterquarkier auf dem 
Inlandscis mit fünf Schlitten und fünf Pferden, um den 
200 Im langen Marsch über das Inlandseis nach der Westküste 
ßrönlands anzutreten. Nach einem beschwerlichen Marsche wurde 
im 11. Juli das vorletzte Pferd wegen Futtermangels ge— 
chlachtet. Am 2. Juli sichtete die Expedition vom Inlandseis 
zus Land. Hier mußte das letzte Pferd geschlachtet werden, 
iachdem es 1100 km über Grönland zurückgelegt hatte. Die 
kapedition setzte ihren Marsch fort und hatte an den solgenden 
Tagen viele Schwierigkeiten zu überwinden. Sie mußte untet 
inderem wegen des Wetters unter einer Klippe 35 Stunden lang 
ohne Speise liegen, da der Proviant aufgezehrt war. Am 
15. Juli wollte man weiterziehen, aber die Teilnehmer waren 
o erschöpft vor Hunger, Kälte und Feuchtigkeit, daß sie nicht 
»ermochten, sich einen Weg durch den Schnee zu bahnen. 
Zie schlachteten einen Hund, der ihnen auf dem ganzen Wege ge— 
olgt war. Sie kochten das Fleisch und waren gerade dabei. das 
Miahl zu beginnen, als ein Segelboot auf dem Fiord östlich von 
Pröven bemerkt wurde. Durch Schüsse und Signale riefen 
ie das Boot herbei. Es gehörte dem Vastor Chemnitz, der sich 
seibst im Boote befand und die sehr erschöpften Polarforscher mach 
Pröven brachte, wo sie mit großer Liebenswürdigkeit von dem 
Leiter der Kolonie aufgenommen wurden und sofort die nötige 
Pflege erhielten. 
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* 
W. Hannover, 14. Aug. Zum Nachfolger des ver— 
storbenen Stadtsyndikus Eyl wurde heute einstimmig 
oon den städtischen Kollegien Senator Dr. Weber⸗Hannover ge— 
wählt. Ferner bewilligten die städtischen Kollegien 20 000 M 
iür die Anschaffung von 200 Milligramm Mesothorium zu Ver—⸗ 
suchszwecken im städtischen Kronkenhause. 
Chur 14. Aug. Die Talfahrt der Leiche Bebels 
von Passug vollzog sich heute um Mitternacht in aller Stille. 
Die Leiche war in einen einfachen, schwarzgestrichenen Holzsarg 
mit Vietallbeschlägen gebettet worden. Der Sarg wurde auf 
einem gewöhnlichen Wagen befestigt, der mit einem Segeltuch 
überpamnt war. Die Leiche wird vorläufig in der Friedhofs 
karelle aufgebahrt. 
Zütich, 14. Aug. Bebel wird im Volkshaus aufgebahrt. 
Die Leichenfeier ist auf Sonntag nachmittag angesetzt. 
Bebel wird auf dem Zentralfriedhof beigesetzt. Unter Vor— 
ansritt von 500 Kranzträgern werden die Delegationen des 
Neichstages des schweizerischen Nationalrates, des Zuüricher 
Tantonrates und des Stadtrates einen großen Zug bilden 
denen die Abgeordneten zahlreicher Organisationen, die sich be 
reiis zu Hunderten angemeldet haben, folgen werden. 
W. Paris, 14. Aug. Die Aufregung unter den 
Wiunzern im Aube-Departement, deren Weine nicht zur 
Fhampagnerfabrikation zugelassen werden, ist wie— 
Rrum im Wachsen begriffen, weil das Parlament auseinander 
zjing, ohne ihren Wünschen Rechnung zu tragen. In der 
ßemeinde Baroville nahmen die Winzer eine Tages— 
»rdnung an, in der sie erklärten, daß sie sich, als außerhalb 
»er bürgerlichen und wirtschaftlichen Gesellschaft stehend und 
olitischen Rechte beraubt betrachten und den Gemeinderal 
zur Niederlegung des Amtes, sowie alle Gemeinden des De— 
partements zur Nachahmung des Beispiels auffordern. Der 
Semeinderat von Baroville hat der Aufforderung entsprochen. 
W. London, 14. Aug. Mehrere britische Schiffahrts⸗ 
geseilschaften geben bekannt, daß die Ankündigung der Hera b⸗ 
seßsung der Zwischendeckspreiße bei der Canadian 
Bacificbahn⸗Gesellschaft die eigenen Fahrpreise nicht beein⸗ 
flussen werde. 
W. Leith, 14. Aug. Der Ausstand der Dodarbei— 
ter der viele Wochen dauert, ist heute beendet wöorden. 
In einer Versammlung der Arbeiter wurde beschlossen, die 
Arbeit am Montag zu den alten Bedingungen wieder aufzu⸗ 
nehmen 
W. Riga 14. Aug. Gegen 2800 Safenarbeiter haben 
die Arbeit niedergelegt. 
W. Victoria, GBritisch-Columbia), 144. Aug. 400 Sol⸗ 
zaten sind mit zwei Maximgeschützen nach Nanaimo und Lady 
Smith gesandt worden, um die durch die Aufstände der 
BßBergarbeiter gestörte Ordnung wieder herzustellen. Die 
Streikenden sind die Herren der Stadt. Sie haben alle nicht 
mm diralisierten Arbeiter weggeiaat. Der Materialschaden ist 
oeträchtlich. 
Washington, 14. Aug. Nachdem der Entschluß Englands 
bekanntgeworden ist, auf Bermuda die Flottenbasis zum Schutze 
der Interessen am Panamakanal zu verstärken, verlautet, daß 
die Vereinigten Staaten jetzt mit Holland Ver— 
handiungen anbahnen wollen, die den Ankauf der In— 
seln Curacao und Bonaire wördlich von Venezuelg 
sum Zwed haben. Die Regierung beabsichtigt, hier gleich— 
alls eine Flottenstation zu errichten. um die amerilanischen 
Interessen am Panamakanal zu wahren. 
Newnork. 14. Aug. Eine sensationelle Wendung hat die 
Uuffäre des wegen Mißbrauchs von Wahlgeldern angeklagten 
Fouverneurs des Staates Newyork, Sulzer, genommen. 
Zeine Frau hat die Erklärung abgegeben, vaß fie die Schnul— 
Aige sei, da sie ohne Wissen ihres Mannes einen Teil des 
Wahlfonds. der ihm für seine Wahl im Jahre 1912 zur Ver—⸗ 
gung gestellt worden war, zu heimlichen Bzrsen— 
pvekulationen benutzzt habe. In der Newyorker Presse 
wird die Erklärung Frau Sulzers mit großem Mißtrauen auf— 
genommen. Man hält ihr Geständnis für nicht den Tatsachen 
entsprechend. Es fei lediglich ein unzulänglicher Versuch der 
Frau, ihren Gatten zu retten. 
W. Essen a. d. R., 14. Aug. Auf der Zeche „Ludwig“ 
in Essen-Rellinghausen explodierte beim Abteufen eines 
neuen Schachtes gestern abend ein durch Bohrarbeiten bloß— 
gelegter. bei früheren Sprengungen nicht loszgegangener 
Sprengschuß. Durch die umherfliegenden Gesteinmassen 
vurde ein Bergmann getötet, ein anderer schwer und 
drei weilete leicht verletzt. 
W. Serajewo, 14. Aug. Sämtliche sech envnvz, DOie 
in Gornia⸗Tuzla und Bukinie an Cholera erkrankt sind 
rind gestorben. Neue Cholerafälle haben sich nicht ereignet 
Beide Ortschaften sind streng abgesperrt. Jala, Spreca und 
Bosna sind als verseucht erklärt worden. 
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VI. Kaiserliche Marine. Eingetroffen find: „Straßburg!! 
am 12. Aug. in Alexandrette, Goeben“ mit dem Chef der Mittel⸗ 
meerdivision am 13. Aug. in Merfina“, Condor am 30. Juh 
in Maron (Hermitinseln) und am 4. Aug. in Friedrich-Wis 
helmshafen auf Neu-Guinea. 
— — —— 
Ferienbrief von der Oftseeküste.“) 
»Ostseebad Niendorf, Juli 1013. 
In den Wettbewerb der Ostseebãder ist mit Erfolg das 
einstige Fischerdorf in seiner veschaulichen Ruhe eingetreten. 
Im Laufe der Jahre ist ein Neubau nach dem andern entstan⸗ 
den, Hotels, Pensionen und Privatwohnungen ermöglichen mit 
hren verschiedenen Preisen auch Minderbemittelten, sich Tage 
der Ruhe und Erholung zu gönnen; der wundervolle, aus⸗ 
jedehnte Strand, an dem sich die Larriche, breite Promenade 
ntlang zieht, ist von zahlreichen Badegästen stark belebt, ein 
Strandkorb neben dem andern bietet hnen Schutz vor Sonne 
und Wind, während fleißige Hände Burg an Burg gegraben 
haben, die geschmückt find mit den verschiedensten Namen, aus 
Steinchen oder Tannenzapfen gelegt, und deren bunte Fähnchen 
und Wimpel lustig im Winde flattern, dem ganßen Strand ein 
buntes, liebliches Aussehen zu verleihen. Und so in fried—⸗ 
icher Ruhe das Strandleben genießend, atmen die vielen Kur— 
zäste die reine, ozonhaltige Seeluft ein, während sich dem 
Auge die mamigfaltigste, reizwouste Aussicht bietet auf die 
ffene See im Osten, die im Norden gelegene, ferne Hafenstadi 
Neustadt, der sich nach Westen die sehr malerische Küste von 
daffftrug, Scharbeutz und Timmendorf anschließt. Auch an 
Spaziergãngen fehlt es unsern Badecästen nicht. Schöne Kie 
fern⸗ und Fichtengehölze an der Promenade, Eichen⸗ und Buchen⸗ 
waldungen landeinwärts, erstrechen sich bis hart an den Strand 
und diese seltene Verbindung von See und Wald ist ein beson⸗ 
derer Vorzug unseres Bades. Dem Segel⸗ und Rudersport zi 
huldigen, bietet sich reichliche Gelegenheit; wem hierzu der Ma 
ehlt, und wer zu viel dem Meere opfern muß, möge die fass 
täglich stündlich an der 220 Meter langen Tampffchiffsbrüge 
mlegenden DTampfer benutzen oder auf den Bünken des Brüden— 
kopfes die reine Luft einatmen und die so oft wechselnde Fär— 
bung der See beobachten, die vom hellsten Grün bis zum 
tiefsten Blau sich zeigt. — Die Kinder haben Stiefel und 
Schuhe ausgezogen, waten im Wasser, lassen Boote schwimmen 
uind sitzen unentwegt auf dem Steg mit einer Angel. hoffend, 
einen Fisch zu fangen, was allerdings vergeblich. Es ist eine 
vahre Freude, all die bebräunten Gesichter zu fehen, wie sie sich 
‚häuten“, denn die Sonne hat es zu gut gemeint, allerdings 
gegen den Willen mancher schönen Jungfrau, die rot wie ein 
Krebs ausschaut, die aber durchaus gegen dieses „Fellen“ ist, 
va sie befürchtet, „ihm“ nicht mehr zu gefallen. — Wem 
diese beschauliche Ruhe micht gefällt, findet Abwechselung in 
urkonzerten und Réunions, denen sich Hauskapellen in meh— 
eren Hotels anschließen. Seit Eröfsnung der Eisenbahn ist 
»er Verkehr, namentlich der Passanten, ein sehr großzer ge— 
vorden. Wenn diese Verbindung auch noch nicht hinreichend ist 
vas namentlich den hier an Wochentagen bereits 8 Uhr 3 Min 
ankommenden letzten Abendzug betrifft (während wir Sonntags 
ine halbe Stunde länger aushäusig sein dürfen), ist zu hoffen, 
»ah die Eisenbahndirektion bald «auch diesem Uebelstand ab— 
ilft, damit den geschäftigen, verdienenden Papas noch die 
Möglichkeit eines Abendbesuches bei ihrer Familie gegeben wird, 
umal ein Abend an der schönen See mit gutem Schoppen von 
iesen nicht verachtet werden wird und deren Familien dann 
in längerer Kuraufenthalt in der stärkenden Sommer- und bald 
olgenden Herbstluft gestattet werden dürfte. Und alle, die diese 
Freuden des Bade- und Strandlebens nun genossen, sie werden 
raurigen Herzens scheiden, während wir ihnen ein fröhliches 
„Auf Wiedersehen 1914!“ zurufen. 
) Unsere Abonnenten und Leser bitten wir, zur Erweiterung 
dieser Spalte ihre Erfahrungen und Erlebnisse in den einzelnen 
Badeorten uns in Form solcher Ferienhriefe mitteilen zu 
wollen. 
Aus den Nachbargebieten. 
Großkherzo gtümer Mecdlenburg. 
Sichwerin, 14. Aug. Eine Verweiblichung der 
Voltsschule in Mechlenburg⸗Schwerin, die nach den 
Vierteljahrsheften zur Statistik, Heft JV. S. 203, hefürchten 
verden könnte, liegt doch noch in weiter Ferne, denn nicht 1121 
dehrerinnen gab es 1912, sondern nur 199. Wahrfcheinlich 
ind in der großen Zahl sämtliche Handarbeitslehrerinnen, auch 
»ie auf dem Lande, mitgerechnet. Lehrerinnen gibt es nur in 
den Städten, in Dörfern nur in zwei Badeorten. Allerdings 
st die Zahl der Lehrerinnen gestiegen. 1900 gab es 121 Leh— 
rerinnen, in den Jahren 1906 und 1912 war ihre Zahl auf 
1650 bezw. 199 angewachsen. Tatsache ist auch, daß in einigen 
leinstädten sich die Zahl der Lehrerinnen in den letzten zehn 
Jahren verdoppelte oder gar verdreifachte, während sich die 
zahl der Lehrer wenig oder gar nicht verändert hat. Trotz- 
em hat dies nur in ganz vereinzelten Fällen einen abnormen 
Prozentsatz der Lehrerinnen gezeitigt. Aber im großen und 
ganzen kann man von einer Verweiblichung der WVolksschule 
aicht reden, und es ist quch kaum zu befürchten, daß diese Ge— 
ahr eintreten wird, denn manche Kleinstädte fsangen schon an 
inzusehen, daßz sie sich bei dieser Art von Sparsamkeit arg 
derrechnet haben. Und die Ritter, die aus demselben Grunde 
im Primzip für die Anstellung von Lehrerinnen sind, sind in 
der Praxis über den Versuch bisher nicht hinausgekommen 
Schönberg, 15. Aug. Fischmarkt. Der zweite 
von einer Hamburger Firma hier abgehaltene Fischmarkt hatte 
so reichen Zuspruch, daß der ganze Norrat von etwa 600 Pfd 
nach Verlauf einer Stunde geräumt war. 
88 Grevesmühlen, 15. Aug. Ein Remontemarkt 
zum Ankauf von warmblütigen Zugpferden im Alter von 5 
bis 10 Jahren für MaschinengewehrüKompagnien fand heute 
am Ploggen⸗-See statt, der mit rund 80 Tieren beschicht war. Von 
diesen kaufte die Kommission 56 zu Preisen von darchschnitt⸗ 
üch 1300 Mean. 
„Rehna, 15. Aug. Der erste Verkaufbilliger 
Nordseefische verlief Mittwoch sehr gut. Die Preise sind 
maähig. Hauptfächlich werden die Schlutuper und Dal⸗ 
sower Fischerwagen unter dieser Konkurrenz zu leiden haben. 
Rehna, 15. Aug. Verkauft hat Erbpächter Banch 
Warenstaͤdt seine ca. 20 000 Quadratruten große Erbpachtjtelle 
an Landwirt Willert in Saniß für 67 500 Mzum 185. Sept—
	        
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