Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Uebungsritt. Vom 19. bis 21. August d. J. findet 
der Gegend zwischen Hagenow und Mölln in Lauenburg 
unter Leitung des Majors und Abteilungskommandeurs im Feld— 
Art.Reat. Nr. 60 von Stodhausen ein Uebungsritt der Sanitäts- 
ffiziere statt. Es nehmen teil: der Oberstabsatzt Dr. Ramin, 
segimentsarzt des Infanterie-Regiments Nr. 162, die Stabs— 
irzte Tr. Posemann, Bataillonsarzt des 3. Bataillons Gre— 
radier⸗Regiments Nr. 89, Dr. Sauer, Bataillonsarzt des 
3. Bataillons Infanterie-Regiments Nr. 75, Dr. Jorns, vom 
Radettenhaus Plön, Tr. Rintelen, Bataillonsarzt des Jäger⸗ 
Bataillons Nr. V, Tr. Hübner, Bataillonsarzt des 3. Bataillons 
Infanterie⸗Regiments Nr. 76, und Assistenzarzt Zillwer vom 
Bataillon Infanterie⸗Regiments Nr. 76. 
M. St. 2. Orgelkonzert in St. Marien. Kaum schloß sich 
der eherne Mund unserer schönen Marienorgel, der erst bei der 
üngsten Anwesenheit des Kaisers seine hehren Weisen erschallen 
ieß, als man sich auch schon wieder zu neuem Tun rüstete 
und wiederum ein in all seinen Räumen dicht besetztes Gottes⸗ 
haus erzielte. In unserer vielbietenden Zeit und bei dem 
Interesse, das man in den weitesten Kreisen heutzulage immer 
pieder wachzurufen sucht, dürfte man bald das hochpreilens⸗ 
werte Ziel erreichen, daß selbst der alte herbe, nie wieder er⸗ 
eichte Joh. Seb. Bach in seinen wuchtigen Werken Gemeingut 
»es Volkes werden wird, denn allmählich kehren die öfter ge— 
hörten Werke wieder und das Ohr übt sich. Herr Organist 
Lichtwark brachte dem Leipziger Thomaskantor alle 
Ehren ein mit der Ausführung der Fantasia in G⸗Dur, 
die ihren Glanzpunkt in dem fünfstimmigen Mittelsatze findet, 
während der Anfangs- und Schlußsatz durch Passagenwerk einen 
zrellen Gegensatz abzugeben bestimmt ist. Als weitere Orgel⸗ 
zaben empfingen wir das Flügelsche Choralvorspiel „Wie schön 
euchtet der Morgenstera“ und Saint Saëns „Communion“, 
velch letzteres Stück mit seiner genialen, übersinnlichen Aus—⸗ 
»xudsweise ein feierliches Kirchenbild vor unserem inneren Auge 
erstehen läßzt. Trotzdem wir den „Hymnus“ von Fähr— 
nann am Sonntag erst gehört hatten, fefselte 
uns das schlußbildende triomphale Stück doch so sehr, daß 
vir bis zum Ende aushielten. Unsere einheimische Altistin 
Frl. E. Boldt machte uns die Freude, endlich einmal wieder 
den leider viel zu sehr vernachlässigten großen Dratorium— 
Komponisten Max Bruch zu Worte kommen zu lassen. Sie 
ang das geistliche Lied für Alt aus dem Oratorium „Gustav 
Adolf“ welches schöne Werk hier unter Prof. Stiehl seine 
erste und letzte Aufführung erlebte. Das Material der Sängerin 
ein wirklicher Alt) ist weich und schmiegsam und hat die 
Mirtelloge. seit wir Frl. Boldt zuletzt hörten, sehr gewonnen. 
die Aussprache ist eine recht gute und auch der Vortrag, 
oweit das zu Singende der Individualstät der Sängerin ent—⸗ 
pricht, ist warm und zu Herzen gehend. Für das plastische 
Bruchsche Lied „Es ist ein Kriegsmann, der heißt Tod“, 
»ermißten wir allerdings in seinem ersten Teile den großen, 
zreiten Ton und das Unerbittliche das in den Worten 
äegt. Sehr viel besser lag der Sängerin das „geistliche Lied“ 
»on Alb. Becker, das mit viel Wärme und Innigkeit vorge— 
kragen wurde. Ein Geiger, Herr Häns Müller aus Ham— 
zurg, führte uns ein Adagio von Locatelli für Violine und 
Irgel vor und ein „Sanctus“ von Karg-Elert. Bei nicht 
ehr großem Ton, aber glockenreiner Intonation, möchten wir 
der Wiedergabe des in Lisztscher schwärmerisch-katholisieren der 
Manier erklingenden „Sanctus“ den Vorzug geben. Für den 
Locatelli“ hätten wir einen größeren und breiteren Ton 
zewünscht. 
Gejsudheitszustaund. In der Woche vom 27. Juli bis 
2. August war die mit lere Sterbl'chkeit der dru'schen Großftädte 
zeringer als in den drei Vorwochen; sie blieb auch erheblich 
um fast 15 Prozent) niedriger als in der gleichen Woche des 
VLoriahres. Die Gesamttsterblichkeit (auf tausend Einwohner 
und auf das Jahr berechnet) betrug in: Posen 25,9, Stettin 
9,3, Halle 17,8. Dortnund 17,1, Danzig 16,9, Breslau 16,3, 
Aachen 15,1, Augsburg 14,9, Gelsenk'rchen 14,9, Köln 14,6, 
Braunschweig 14,5, Duisburg 14,4, Königsberg 14,4, Lübeck 
4.1, Magdeburg 13,9, Chemnitz 13,5, Hamburg 13,5, Bochum 
13, 1, München 13,1, Mannheim 13,0, Mainz 12,9, Bremen 
12,6, Altona 12,5, Nürnberg 12,4, Düsseldorf 12,3, Erfurt 12,3, 
Stuttgart 12,2, Karlsruhe 12,1, Eiberfeld 12,0, Hambug 11,6, 
ßerlin 11,2, Schöneberg 11,0, Leipzig 10,9, Charlottenburg 10,7, 
Blauen i. V. 10,7, Straßßburg 10,7 Krefeld 10,2, Dresden 
O,2, Kiel 10,1, Essen 9,9, Frankfurt a. M. 9,9, Hannover 9,8, 
Saarbrücen 9,7, Wilmersdorf 9,3, Kassel 9,1, Wiesbaden 8,3 
Mülheim a. d. R. 7,9. Barmen 7.0. Neukölln 6,9. Die Sterhe— 
m ganzen Stubaigebirge als eine ganz besonders geglückte und 
nit vollendetem Verständnis durchgeführte Anlage, geradezu 
ils ein Vorbild eines wirkliche Gefahren vermeidenden und 
-chönheiten erschliehenden Hochgebirgspfades. Das ausgezeich⸗ 
nete, bei Hirzel in Leipzig erschienene Buch des Alpenvereins⸗ 
zekretärs Dr. Josef Moriggal: „Von Hütte zu Hütte“ bezeichnet 
»ereits in dem im vorigen Jahre herausgegebenen zweiten 
Bßändchen den von der Lübeder Sektion gebauten Weg als den 
‚neuerbauten, hervorragend schönen Weg der Alpenvereins— 
Sektion Lübeck, die kürzeste Verbindung vom Becherhaus zur 
Dresdener Hütte“. Die Sektionen Bremen, Hannover, Hildes⸗ 
heim, Magdeburg, Dresden und Teplitz haben sich die schöne 
Aufgabe gestellt, die „Pfaffengruppe“ der Stubaier Alpen zu 
rschließen: durch ihren „Lübecher Weg“ hat sich die Lübecker 
Sektion mit einem Schlage den älteren, durch ihr verdienstvolles 
Wirken weithin bekannt gewordenen Sektionen ebenbürtig an 
ie Seite gestellt. Schon heute erfreut sich der Lübecker Weg 
vestlich von der Brennerstrahe eines ähnlichen Rufes wie der 
erühmte Landshuter Weg auf dem westlichsten Teil der Ziller⸗ 
aler Alpen östlich von der Brennerstrahe. Möge der heute, 
rei Tage nach dem Kaiserbesuche, eröffnete Weg von allen 
Inglũdsfällen verschont bleiben! 
Lubecd, den 13. Aug. 1913. 
Dr. Wilhelm Ohnesorge. 
Theater, Kunfst und Wisseenschaft. 
Zwei Verliner Therater ohne Direk oren. Augenblidlich ist 
s noch nicht bestimmt, wer in der nächsten Spielzeit das 
Theater des Westens und das Theater am Nollen— 
orfplatz leiten wird. Bekamtlich hat Direktor Monti die 
Direktion des Theaters des Westens niedergelegt. Ein Nach— 
olger, der sowohl dem Besitzer wie der Theateraufsichts- 
zehörde genehm wäre, ist noch nicht gefunden. Aehnlich liegen 
ie Verhältnisse beim Theater am Nollendorfplatz. Der frũhere 
Direktor Charlé ist ausgeschieden. Wie es heißt, wird Herr 
Zavrel, der in diesem Sommer bemerkenswerte Inszenierungen 
im Münchener Künstlertheater ausgeführt und den Direktor 
ereits in der vorigen Spielzeit vertreten hat, die Leitung 
bernebmnen. 
ille unter den Kindern im ersten Lebensjahre haben seit der 
zorwoche wesentlich zugenommen, während jene unter den 
oͤheren Lebensaltern beträchtlich abnahmen; die günstigeren 
zerhältnisse gegenüber der gleichen Vorjahrswoche haben sich 
doch bei letzteren weit weniger als bei den Kindern geltend 
emacht. Die Säuglingssterblichkeit (im Vergleiche zur Ein⸗ 
ohnerzahl) war am größten in Posen. Stettin, Gelhsensirchen, 
zalle, Tortmund, Bochum, Hamborn, Mannheim, Dülsseldorf 
uisburg, Danzig, Königsberg, Breslcau, Erfurt, am geringsten 
agegen in Wilmersdorf. Straßburg, Barmen, Franb⸗ 
urt a. M. Muhlheim a. d. R. Elberfeld, Schöne 
erg, Wiesbaden. — Unter den Todesursachen haben 
ie vorherrschenden Krankheiten der Verdauungsorgane seit der 
origen Woche beträchtlich ztgenommen, während die der At⸗ 
iungsorgane in fast gleichem Maße abnahmen. Die Tuber—⸗ 
ulose blieb fast unverändert, ebenso der Scharlach und 
ie Influenza. Seltener wurden die Diphtheriefälle, häufiger 
agegen Masern, Keuchhusten, Unterleibstypyhus und Ge— 
nickstarre. 
SEin Feuer kam gestern abend auf dem Holzlagerplatz 
der Firma Sager & Klüßmann an der Wielandstraße zum Aus⸗ 
»xuch. In der Sägerei hatte sich die Exhaustoranlage in 
Zrand gelaufen. Die Feuerwehr. löschte die Flammen, bevor 
ie einen nennenswerten Schaden anrichten konnten. 
Hanfestãdte. 
Hamburg, 14. Aug. Guleine Nachrichten) Ju- 
welendiebstähle. Aus dem verschlossenen Zimmer eines 
dotels wurde einem Rittmeister aus Kolmar ein goldenes Kollier 
nit Perlen und Brillanten im Werte von 750 M gestohlen. — 
kinem Kaufmann in der Sierichstrahe wurden für 5000 MArm⸗ 
änder mit Brillanten und sonstige mit Edelsteinen besetzte 
-chmudgegenstände sowie 48 M Bargeld, fünf Wechsel über 
200 M. ein solcher über 11000 Muund einer über 5000 M 
us der Wohnung gestohlen. — Großer Rohkaffee— 
Diebstahl. Die Kriminalpolizei nahm einen Gastwirt und 
inen Agenten wegen Verdachts der Hehlerei in einem großen 
Johkaffeediebstahl fest. Turch die polizeilichen Vernehmungen 
tt bisher festgestellt worden, daß der Gastwirt von einem ge⸗ 
vissen „Willy aus Holland“ 24 Sad Rohkaffee, die einen reellen 
Vert von 3000 Meähaben und aus dem Freihafen stammen 
ekauft hat. Der Wirt hat dann den Kaffee mit 100 Auf⸗ 
hlag sofort an einen Agenten weiterverkauft und dieser hat 
ie Ware mit 200 60 Aufschlag an eine Kaffeerösterei weiterge⸗ 
eben. Der Inhaber der Rösterei, der das Diebesgut in gutem 
zlauben an die Reellität feines Kaufes erworben hat, kommt 
Is Mittäter bei der Angelegenheit nicht in Frage. Er wird 
ber wohl den Schaden zu tragen haben, weil bei ihm noch 
2 Sad Kaffee, die zu der gestohlenen Ware gehören, beschlag⸗ 
& worden sind. Den Dieb hat man bisher noch nicht er⸗ 
ni 
Schleswig⸗Holstein. 
Itzeboe 14. Aug Biercinbrecher wurden hier von 
er. Polizei festgenommen. Zuerst wurden von zwei Nacht⸗ 
olizeisergeanten der Arbeuer F Küthmann, Bremen, 35 Jahre 
ilt. und „der 80jähr. Gärtner Vizens Kuchowski, Posen, ver⸗ 
aftet. Beide fühtten in einem Sack Sau und. Eßwaren 
ouie in der Kleidung verstedt weitere Shuhwaren ve dig 
Re Aus „kinem in der Nacht zum WMiltwod, bei dem Schuh⸗ 
nacher Andersen in Heiligenstedien verübten Einbruch her— 
ührten. Mittwoch morgen gelang es der Polizei noch 
zweiweitere Däebe festzunehmen. Es sind dies der Bar— 
bier RK. Wünsche und der Arbester Adalbent Koscelniak. 
—Elmshorn, 14. Aug. Rach dem Genussevonge— 
ratenem Hafleischschwererkranff sind in Voßloch 
N Iwei Familien acht Personen. Der hinzugezogene Arg ette 
kleischvergiftung fest. 
Gettorf, I4. Aug. Von einem Bullen auf⸗ 
zespießil. Auf dem Euͤte Grunhorst wurde beim Mielken aul 
der Weide ein Arbeiter von einem wild gewordenen Bullen an— 
Jegrisfen, und aufgespießt. Er erlitt saͤwere Verletzungen an 
der Brust und am Halse. 
Großherzoatümer Medckllenbura. 
Warnemünde, i4 Aug, Beim Spiesenertru nken. 
Die siährige Tochter des Oberlehrers Janeil aus Duisburg 
der sich mit seiner Familie zum Besuch bei seinem jetzt hierfelbst 
vohnenden Schwiegervater aufhält. ist beine Spieten eden 
ständig mit Wasserlinsen bewachsenen Friebhossteich ge⸗ 
allen und ertrunken, da der Unfal nicht hemerkt worden war. 
——33 de ndie Wohming der Eltern gerade dem Teich gegen⸗ 
ber efin * 
Greyesmatblen 14. Aug. Verkauft hat Senator 
Dieterich seine Markt-dipotheke an Aposhere Held, Warin, zum 
Oktober 
seueste Nachrichten und Telegramme. 
Zum Tode Bebels. 
W. Berlin, 14. Aug. Nachdem bereits in den gestrigen 
Abendblättern eine Würdigung des Wirkens Bebels zum Aus— 
ruck gekommen war, ergehen sich auch die Morgenblätter in 
ängeren Betrachtungen über die Entwicklung und Bedeutung 
es verstorbenen Parteiführers. — Im Vorwärts heißt es: 
deiner der sozialdemokratischen Führer hat jemals so das Herz 
er Masse besessen, als Bebel; das Proletariat sah in ihm Fleisch 
om eigenen Fleisch, den Mann seines völligen Vertrauens, 
er sich im einzelnen vielleicht irren konnte. von dem aber jeder 
ußte, daß er mit allen Fibern seines Herzens in der Ar— 
eiterschaft wurzelte. Er errang sich eine so angesehene Stel⸗ 
ung und eine solch allgemeine Verehrung in der deutschen 
Sozialdemokratie, wie sie nie ein anderer Führer besessen hat. 
DT. Varis, 14. Aug. Der Tod Bebels gibt der franzosi⸗ 
hen Presse Veranlassung, Bebels Leben und Wirken in spalten⸗ 
angen Ausführungen zu beurteilen. Tabei preist man zweier 
ei, einmal seinen Protest gegen den Krieg von 1870/71, der 
ym in Frankreich die dauernde Anerkennung aller Bevölfe 
ungskreise ficheree und dam seinen „Nationalismus“. Bebes 
ilt den Franzosen als ein nationalistischer Sozialist. So über⸗ 
hreibt der Matin seinen Artikel: „Deutschland verliert in Bebel 
inen großen Sozialisten und einen großen Patrioten“. Das 
»ournal urteilt: „Kein Franzose wird jemals vergessen, dah 
zebel einer der wenigen Deutschen war, der gegen die Fort⸗ 
etzung des Krieges nach dem Sturze Napoleons lich erhob 
benso wie gegen die Annexivn Ehah- Lothringens. Er pro— 
estierte oftmals von der Tribüne des Reichstags herunter 
Ind mußte sein Vorgehen dann mit Festungshaft büßen. Dae 
krinnerung daran hat ihm die dauernden Symwathien aller 
franzosen gefichert.“ Der Figaro führt aus: „Der Soʒialismus 
erliert seinen bekanntesten Führer. Um ein wirklich großer 
Nensch zu sein, fehtte August Bebel die intellektuelle Macht, 
och ist sein Ableben für die Sozialdemokratie noch unbe— 
echenbar.“ Aehnliche Bedenken für die Zukunft der deutschen 
zozialdemokratie sprechen die anderen Blätter aus. Die wo⸗ 
alistische Humanité erscheint mit einem Trauerrand und es 
seißt in ihr: „August Bebel verkörperte die mächtigsten Eigen⸗ 
chaften der emporstrebenden und bämpfenden Arbeiterklasse, der 
r entstammt und der er sein ganzes Leben widmete: ein 
eben voll Milhe und Arbeit. voll anermüdlicher Kämpfe unt 
Ifer.“ * 
Sondon, 13. Aug. Die Londoner Abendblarter aller wWar— 
eirichtungen kündigen heute den Tod Bebels in langen Artikeln 
in. in denen der Charaktereigenschaften und Verdienste des 
Berstorbenen gedacht wird. Tie Blätter geben die Lebensbe— 
chreibung Bebels und zitieren bekannte Aussprüche von ihm— 
Der Star schreibt: „Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß 
Deutschland, hätte es einen Präfidenten der deutschen Republil 
u wählen gehabt, August Bebel gewählt haben würde. Aehn— 
iche von Hochachtung für den Verstorbenen zeugende Urteile 
inden sich in allen liberalen und konservativen Zeitungen. 
Vom Balkan. 
Die Adrianopeler Delegation. 
W. Wien, 14. Aug. Nachmittags wurde eine viergliedrige 
Abordnung der hier weilenden Adrianopeler Delega— 
tion in Vertretung des Ministers des Aeußern vom Sektions— 
hef Freiherrn v. Machio empfangen. Sie überreichte ein Memo— 
andum, in dem gebeten wird, zu gestatten, friedlich unter der 
»ttomanischen Herrschaft weiterleben zu dürfen. — Machio ver— 
prach, das Memorandum an den Minister des Aeußern weiter— 
zugeben. 
Die Türkei und die Rede Greus. 
DT. Komsftantinopel, 14. Aug. Die Rede Sir Edward 
Freys im Unterhause hat in türkischen Kreisen recht unangenehm 
zerührt. Man weist darauf hin, dan die Wiedereroberung 
Thraziens durch die Tüsken ebenso gerechtfertigt gewesen ist, 
bie die Eroberung und Annektierung bulgarischer Gebiete durch 
stumänien. Die Türkei habe nicht; anderes getan, als Rumä— 
sien. Es habe genau wie dieses die Notlage Bulgariens aus 
senutzt. Für die Türkei sei aber noch ein besonderer Grund 
raßgebend gewesen, diese Gebiete wieder in seinen Besitz zu 
ekommen. Sie habe religiöse, historische und nationale Vor 
echte auf Thrazien, was bei Ruänien nicht der Fall sei. Die 
kürkei könne niemals in die Räumung Adrianopels einwilligen 
chon aus Gründen ihrer eigenen Sicherheit nicht, denn ein Auf 
seben Adrianopels werde unfehlbar eine Militärrevolution her— 
ufbeschwören. 
* 
W. Bremen, 14. Aug. Die dem Metallarbeiter« 
derband angehörenden Werftarbeiter Bremens werden 
heute über den Zeitpunkt der Beendigung des Streils Be— 
chluß fassen, ebenso die anderen beteiligten Organisationen. 
DT. London, 14. Aug. Die britische Mittelmeer—⸗ 
lotre verläßt am 10. Aug. unter dem Befehle des Ad— 
rirals Berkeleyn Milne ihren Stationshafen Malta, um einige 
ranzsösische an der afrikanischen Nordküste gelegene Häfen 
u besuchen und sich am 25. Aug. vor Gibraltar mit einem 
rus England kommenden Geschwader zu vereinigen. Dieses ver⸗ 
inigte Geschwader wird darauf gemeinsame Manöver— 
fahrten unternehmen. 
DT. London, 14. Aug. Italien und Frankreöich 
haben, nach einer Meldung der Times aus Washington, ihre 
Teilnahme an der anläßlich der Eröffnung des Pana— 
nakanals stattfindenden Weltausstellung zugesagt. 
DT. London, 14. Aug. Fürst und Fürstin Lich— 
to wsky haben gestern abend London verlassen und sich zu 
längerem Aufenthalt auf ihren Landsitz Kuchelna in 
Schlesi en begeben. 
DJ. London, 14. Aug. König Manuel verläßt kom— 
nenden Sonntag England, um sich zu seiner Hochzeits— 
eier nach Sigmaringen zu begeben. Als Vertreter de— 
englischen Königspaares wird der Prinz von Wales der Hoch— 
zeit des früheren Königs von Portugal mit der Prinzessin 
Auguste Viktoria von Hohenzollern beiwohnen. 
DT. Newyork, 14. Aug. Wie der Berichterstatter des 
Newyork Herald meldet, haben die Angehörigen der eng⸗ 
ischen. deutschen und französischen Kolonie in 
Mexiko eine großze Versammlung emnberufen, un die 
iugenblickliche politische Lage und die Mission Linds zu be 
prechen. Die Ausländer werden nicht gegen die Vereinigten 
SZtaaten Stellung nehmen, sondern deren Vorgehen im In— 
teresse eines dauernden inneren Friedens begrüßen. 
UT. Newyork, 14. Aug. Der Bericht des Spezialgesandten 
des Präsidenten Woodrow Wilson lautet sehr befriedigend. 
die Verhandlungen John Linds mit dem von 
ßuerta ernannten mexikanischen Minister des 
luswärtigen nehmen einen zufriedenstellenden 
Fortgang. Die ganze Art und Weise des Empfanges Linds 
zurch den Minister läßt auf einen völligen Umschwung in dem 
Vethalten der mexikanischen Regierung den Vereinigten Staaten 
segenüber schließhen. Während Huerta noch vor einigen Tagen 
lichts von einer friedlichen Verständigung wissen wollte, zeigt 
r jetzt Neigung zu Unterhandlungen. In einer Unterredung mit 
erschiedenen Mitgliedern des Kabinetts soll Lind ausdrücklich die 
neigennützige Haltung der Vereinigten Staaten hervorgehoben 
ind erklärt haben, daß Präsident Wilsons Politik nichts weiter 
zeabsichrige, als geordnete Zustände in Mexiko zu schaffen. 
dind hat den Minister gebeten, ihm eine Antwort auf leine 
Vorschläge erst nach eingehender Beratung mit General Huerta 
zu oehen 
* 
W. Berlin, 14. Aug. Während aus dem ganzen deut— 
chen Reiche sowie aus der Schweiz Kälte gemeldet wird, 
dauert in den Vereinigten Staaten von Kansas bis Texas 
die Hitze bis zu 38 Grad Celsius an. Die Flüsse 
ind eingetrocknet; die Ernten durch Regenmangel vernichtet. 
W. Berlin, 14. Aug. Als gestern im Dynamowerk der 
diemens⸗ SchuchkertWerke am Nonnendamm ein Motor auf 
eine Elastizttät geprüft werden sollte, flog dieser 
olötzlich, Iautt dem Berliner Tageblatt, bei einer Drehgeschwindig⸗ 
eit von 4000 Touren auseinander und zerstörte einen 
Teil der massiv gebauten Halle. Von 20 Ingenieuren und 
Monteuren die sich in der Halle befanden ist keiner vor⸗ 
etzt worden. 
W. Berlin, 14. Aug. Der Vorstand der Deutschen 
durnerschaft hat dem Generalferdmarschall von 
»er Goltz anläßlich seines fiebzigsten Geburtstages die Ehren⸗ 
urkunde der Deutschen Turnerschaft verliehen. 
W. Berlin, 14. Aug. Die Einweihung des neuen Kamsm er⸗ 
erichtsgebäudes soll am 16. September stattfinden. 
W. Berlin, 14. Aug. Zum Konkurs der Firma 
—„chlieben & Co. erfährt die Voss. Ztg. daß auf Drängen 
ahlreicher Filialisten nunmehr gegen die Firma bei der Staats⸗ 
mnwaltschaft Anzeige erstattet worden ist wegen Betruges und 
Interschlagung von Kautions⸗ und Depotwechseln. Sicherheits⸗ 
vechsel sollen zu Kundenwechseln cestemepelt worden sein. Die 
Bassiven sollen über vier Millionen Mark betragen 
W. Bocholt, 14. Aug. Als an der neuerbauten Liebfrauen, 
irche ein Turmktreuz angehracht werden sollte, stürzte dieses 
zerunter und erschlug einen Arbeiter, während ein an— 
derer schwer verletzt wurde. 
DIT. London, 14. Aug. Der Chefarzt des Krankenhauses 
von Hnkart. Dr. Roberts, der sich seit mehreren Jahren der 
J 
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