Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

die Fehmarnlinie zu interessieren. Eine schnelle Durchgangsver⸗ 
indung Finnland —Westeuropa, wegen der, wie Herr Possehl 
meinte, das Interesse Schwedens an dieser Route beachtenswert 
sei, ließe sich, wie das Blatt behauptet, auch durch Verbesse⸗ 
rung der Verbindung Saßnitz ¶Lũbed — Hamburg erreichen (Dies 
st ein schweretr Irrtum. Di. Red.), und zu diesen Verbesserungen 
rürde sich die Leitung der preubischen Staatsbahnen wohl- 
pollend stellen. Im übrigen räumt das Blatt ein, daß die 
Fehmarnroute eine starke Konkurrenz sür die Saßmitzlinie werden 
pürde.“ (Auch das ist irrtümlich. Beide Linien werden gut 
restehen und haben zudem verschiedene Ziele. D. Red) 
crwß&ew aucu 
Der Danuk des Katsers an den Senat eimd die Bevöl⸗ 
erung Lübecks. Im amtlichen Teil der vorliegenden Nummer 
er Lübeckischen Anzeigen veröffentlicht der Senat den folgenden 
dankerlakß: V 
Se. Majestät der Kaiser hat über den ihm am Sonn⸗ 
tag, den 10. August, in Lübeck bereiteten Empfang seine leb— 
hafte Freude kundgegeben und den Senat ersucht, der Be— 
völkerung den Kaiserlichen Dank zu übermitteln. 
Indem der Senat diesem Ersuchen frendig entspricht, 
gibt er zugleich seiner aufrichtigen Befriedigung darüber 
Ausdruck, dah der Tag des Kaiserbesuches sich für unsere 
Stadt zu einem wahrhaft erhebenden Festtage gestaltet hat. 
Gegeben Lübeck, in der Versammlung des Senates, am 
13. August 1913 —— 
Geise, Dr. 
»Der kommandierende General des 9. Armeedorps, General⸗ 
eutnant v. Quast, begab sich am Dienstag abend in Be— 
gleitung des Chefs des Generalstabes des 9. Armeekorps 
Oberst y. Stolzmann und des Hauptmanns Wessig, Adjutant 
des Gencralkommandos, nach dem Truppenübungsplatz Lod⸗ 
sttedter Lager, um dort heute, Mittwoch, das Schießen um den 
Kaiserpreis abzuhalten. Donnerstag wohnt der komman⸗ 
dierende General der Besichtigung der 36. Inf.Brig. und 
Freitag einer Gefechtsübung der 18. Division im Lager bei. 
Der Brigodebesichtigung und der Gefechtsübung wird auch 
der Inspekteur der 3. Armeeinspektion, Generaloberst v. Bülow, 
heiwohnen. 
V St. Jürgen-Verein. In der letzten Versammlung, die 
fich, wie berichtet, in der Hauptsache mit den Wahlen zur Bür— 
gerschaft beschäftigte, wurde u. a. auch die Abrechnung über 
den Betrieb der Eisbahn mitgeteilt. Sie schließt leider mit 
einem Fehlbetrage ab. Weiter wurde über die krürzlich statt⸗ 
gehabte Sitzung des Verkehrsausschusses der lommunalen Ver— 
eine berichtet. Er hat, wie schon mitgeteilt, an die Verwaltungs⸗ 
behörde eine Eingabe gerichtet, in der erneut um den Bau 
einer Straßenbahn Marli— Roechkstraße gebeten wird. Ferner 
kamen verschiedene Verkehrsfragen von geringerer Bedeutung 
zur Sprache; verschiedene derselben sollen der Stratßzenbahnver⸗ 
waltung mündlich vorgetragen werden. Endlich hat sich der 
Verkehrsausschuß mit der Einrichtung einer Motorbootsfähre 
im Klughafen beschäftigt und sich in einer Eingabe für eine 
solche ausgesprochen. Sodann berichtete Herr Hauptlehrer Heydh 
über den neuen Spielplatz Buniamshof. Seine größte Länge 
wird etwa 300 m, seine größte Breite zwischen 160 und 160 m 
betragen. Es werden gleichzeitig auf ihm stattfinden 
tönnen: 2 Fußball-, 4 Schlagball-, 2 Faustball- und 6 Tennis⸗ 
spiele, ferner sind noch 5 Sprungbahnen, ein Kinderspielplatz 
und eine rings um den Platz herumführende, meist mit doppelter 
Baumreihe eingefahte Laufbahn vorhanden. Dieser Spielplatz 
wird der größte Lübechs werden. Nach seiner Fertigstellung 
wird noch für St. Lorenz ein Spielplatz zu schaffen sein. Es 
war dafür der Platz bei der Kaserne vorgesehen und die Bau⸗ 
deputation um seine Herrichtung ersucht worden. Gedacht war 
dabei nur an eine rohe Einebnung. Die Baudeputation hat 
aber einen Kostenanschlag für eine «ründliche Herrichtung des 
Platzes aufgestellt, der sich infolgedessen auf 21000 Meobelief. 
Im Sinblick auf diese hohen Kosten dürfte die Anlage dieses 
Spielplatzes in weite Ferne gerücht sein. An diese Ausführungen 
schloß sich eine kurze Aussprache, in der der Bau einer geschmach⸗ 
vollen Brüde über den Kanal im Zuge des alten Bahndammes 
angeregt wurde. Die Kosten würden wohl zu einem guten Teile 
durch den Verkauf von Bauplätzen an der Westseite des Eifen⸗ 
bahndammes zwischen dem Kanal und der Geniner Chaufsee 
wieder eingebracht werden können. Tarauf wurde erwidert, daß 
sich die Baudeputation bereits mit diesen Fragen beschäftigt 
habe. Ter Bau einer Brüde werde nicht gerade übermäßig 
teuer werden. Aber sobald die Brüche fertig sei, werde ohne 
Frage die Pflasterung des ganzen Bahndammes gefordert werden 
und das sei ganz natürlich, denn sonst habe die Brücke eigent⸗ 
Ach keinen rechten Zwech. Daͤe Pflasterung des ganzen Bahn- 
dammes aber werde eine ganz gewaltige Summe kosten, die 
durch den Verkauf von Bauplätzen nicht wesentlich werde her⸗ 
abgemindert werden können, da die Anlage von Sielen, sowie 
Gas⸗ und elektrischen Leitungen auch mancherlei kosten werde. 
Zudem sei noch fraglich, ob das aufaeschüttete Gelände zwischen 
dem Bahndamm und den Arbeitergärten vom Roten Kreuz 
jetzt schon so weit sich gelagert habe, daß es für eine Be— 
hauung verwandt werden könne. 
Oftseefahrt der Sachsen“. Das Luftschiff Sachsen“ 
tieg an Montag um 4 Uhr 15 Min. in Hamburg unter der 
Führung von Herrn Kapitän Hacker mit 19 Passagieren zu einer 
Fahrt auf, die über Lübech Travemümde, bis auf die 
Dstsee hinaus ausgedehnt wurde. Das Schiff fuhr ungefähr 
35 Min. über die Lübecker Bucht hinweg. Auf der Rückehr 
wurde den Ostseebädern an der Bucht ein Besuch abgestattet. 
Die Rückahrt erfolgte ferner über Segeberg nach dem Flug⸗ 
olaß Fublsbüttel, wo um 7 Uhr 15 Min. glatt gelandet wurde. 
Die Fabrwa serbelenchtung der Trabe von Travemünde 
nach hier wird am 21. Aug., abends, wieder in Betrieb gesetzt. 
Bläãne über die Stellung und Kennung der Lichter sind im 
Lotsenamt in Travemünde und im Hafenamt hier erhältlich 
— — — 
D „Offiziers töchter“ von Paul Grabein, dem 
hekannten und beliebten Romanschriftsteller, ist der Tilel des 
neuen Romans, mit dessen Abdruck wir heute beginnen. Der 
Verfafser versteht es in überaus eleganter, lebhafter Sprache. 
den Leser ständig zu fesseln und ihn zu inniger Anteilnahme 
in der Heldin, der Tochter eines hohen Offiziers, die einen 
genialer Schauspieler heiratet, zu bewegen. Die aufeinander 
blatzenden Anschauungen zweier grundverschiedener Gesellschafts- 
ireise bedingen den Konflikt, der aus dem Leben geariffen, 
»en Leser vom Anfang bis Ende gefangen hält. 
b. Lübeder Sommertheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt 
nan uns: Die entzückende Operette „Filmzauber“ mit ihren 
tezenden emschmeichelnden Melodien wird heute zum 12. Miole 
Ageben. Donnerstag ist der lustige frische Schwank von Direktor 
Tibert: „Die tolle Prinzeß“, der von vielen Vühnen als 
Repertachlüch so beliebt ist und jetzt auch ins Englische übersekst 
nird. Freitag wird das „Puppchen“ wieder seine lustigen 
Leisen ertönen lassen. Sonnabend ilt das Blumenthelsche 
ustspiel „Niobe“ mit Else Strohm-Ambronn in der Titel⸗ 
olle. Vorbereitet wird das vorzügliche neue Lustspiel von 
denz: „Wieselchen“, und die Dreyersche Komödie aus heitern 
Tagen: „Der lächelnde Knabe.“ Direktor Albert arbeitet gegen—⸗ 
pärtig wieder an einem neuen Schwank, welcher sich betitelt: 
„Der Senotorenhesm“ 
Hanjesiãdte. 
Hamburg, 13. Aug. (Kleine Nachrichten.) Eine 
ßhratis-Extrafahrt nach Friedrichsruh. Sonntag 
rschien in einer Hamburger Zeitung ein Inserat, in dem Damen 
ind HSerren der Hamburger Gesellschaft zu einer Gratisfahrt 
iach Friedrichsruh eingeladen wurden, um dort an der Aufnahme 
ines Bismarck-Films teilzunehmen. Die Herrschaften waren ge— 
zeten, sich zwischen 9 und Be Uhr am Montag vormittag im 
Wartesaal erster und zweiter Klasse des Hauptbahnhofes ein⸗ 
ufinden, wo der Regisseur der „Eilo-Film-Ges. m. b. H.“ die 
rötigen Anordnungen treffen würde. Vorgeschrieben war für 
zerren Gehrod und Zylinder, für Damen helle Festgewandung. 
zur angegebenen Zeit herrschte im Wartesaal erster Klasse im 
zauptbahnhof ein wahrhaft sestliches Treiben. Ehrwürdige 
zerren im Bratenroch und glänzend gebügelten Iylinderhüten, 
ZNamen in duftigen weißen Kleidern, jaunge Leute in Studenten- 
racht und Abzeichen waren erschigaen, um an der Bismarckhuldi⸗ 
ungs⸗Freifahrt teilzunehmen. Man wartete und wartete, aber 
ver nicht kam, war der Regisseur der „Eiko-Gesellschaft“. Man 
vartete bis 10 Uhr, und als er immer noch nicht lam, da hob 
in großes Murren an; man holte das Adreßbuch und das Te— 
ephonbuch, schlug darin nach, aber eine „Eiko⸗Film-Ges.“ war 
lürgends zu finden. Da verlief sich das Volk, schimpfend und 
nurrend über den dummen Streich. 
Großherzogtum Oldenburg und Fürftentum Lübed. 
K. Eutin, 13. Aug. Fortbildungsschule. Die 
Kegierung verfügte, daß der Unterricht an den gerwerblichen 
Foribildungsschulen bei 6 Wochenstunden auf 7 Monate, bei 
J Wochenstunden auf das ganze Jahr auszudehnen ist. 
sleueste Nachrichten und Telegramme. 
August Bebel *. 
C.T.O. Züͤrich, 13. Aug. GPrivattelegr. d. Luͤbedciischen 
Amzeigen. Der Reichstagsabgeordnete August 
SZebel ist gestorben. 
Vom Fremdenlegionär Trömel. 
DT. Paris, 13. Aug. Der in der Fremdenlegion die— 
ende frühere Bürgermeister von Usedom, Trömel, ist nach 
iner Meldung der Pariser Blätter zur weiteren Untersuchung 
eines Geistes⸗ und Gesundheitszustandes vom Lazaratt in Saida 
iach dem großen Militärhospital in Oran gebracht 
rorden. 
Die französischen Chauvinisten fordern Ausnahmegehetze. 
DT. Paris, 18. Aug. Das bekannte deutschenfcesserische 
hauvinistenblatt Libre Parole hat sich noch nicht über den 
Zwischenfall“ von Luneville beruhigt. Es verlangt Aus— 
iahmegesetze gegen deutsche Reisende und Einwanderer. Es 
zerlangt ferner, daß die Ausstellung einer Deklaration, die 
etzt gegen Entrichtung von 1,45 Frs. und Vorzeigung standes— 
imtlicher Papiere jedem gegeben wird, erschwert werde. Jeder 
Deutsche, der aber diese e Bedingungen nicht erfüllen 
könne oder sich nur das mindeste zuschulden kommen lasse, soll 
ofort ausgewiesen werden können. 
Vom Balkan. 
Berchtold begugw in vjcht Majorescu. 
Wien, 13. Aug. Das Eis scheint gebrochen zu sein. Aus 
zukarest wird gedrahtet: Aus Anlaß der Unterzeiknung des 
zriedensvertrages hat der österreichischungarische Gesandte dem 
MNinisterpräsiderte Majorescu den Glückwunsch des 
ßrafen Berchtold übermittelt. 
Dieser Glückwunsch war natürlich auf alle Fälle zu er—⸗ 
varten. Daß er aber schon jetzt erfolgte und gerade vom 
rutlichen Bureau der politischen Welt mitgeteilt wird, legt 
ie Annahme nahe. daß es sich hier um den ersten Schritt 
ur Einwilligung in den unter Rumäniens Führung geschlossene 
rxriedensvertrag handelt. — Nach einer Meldung der Preu— 
zentrale soll die österreichisch ungarische Regierung tatsächlich sich 
nit Rücksicht auf die Undurchführbarkeit ihres Planes. 
ine Revision des Bukarester Friedensvertrages herbeizuführen. 
zereits veranlaßt gesehen haben, ihre Absicht fallen zu 
lassen; sie soll alle diesbezüglichen Vorschläge und Antzäge 
zurückgezogen haben. 
Grey über eine Intervemtion. 
London, 13. Aug. Am Schlusse seiner schon erwähnten 
dede sagt. Grey, das europäische Konzert habe ein großes 
ziel, nämlich die Lokalisierung des Krieges, gehabt. Es sei 
veise gewesen, sich darauf zu heschränken. Mehr zu erstreben. 
annte das ganze Kon⸗ gefährden. Es sei leicht, von der 
Stärke der europäischen Mächte zu sprechen und wie sie ihren 
Willen geltend machen könnten, wenn sie nur wollten. Natür⸗ 
ich könnten sie eine Flottendemonstration vornehmen. aber 
venn sie bei den letzten Ereignissen hätten intervenieren sollen, 
jätten sie Truppen gebrauchen und riskieren müssen, daß diese 
jetölet würden. Es sei überaus schwierig. die europäischen 
Mächte dazu zu bringen, daß sie Geld bewilligen und Truppen 
rwenden außer, wo die Interessen ihres eigenen Landes 
n Frage kämen. Es sei etwas sehr Fragwürdiges, einen 
drieg zu führen, um den Frieden zu erzwingen, 
iber man müsse nicht annehmen, daß wenn die Mächte als 
Hanzes keine Gewalt angewandt hätten, keine von ihnen unter 
allen Umständen so handeln würde. Wenn eine gewalt⸗ 
ame Intervention eurtreten sollte, würde sie wahr⸗ 
scheinlich nicht durch das europäische Konzert 
A1s Ganz es geschehen oder indem das europäische Konzert einem 
Mitaliede das Mandat erteile, sondern eine oder die andere 
ßroßmacht könnte so herausgefordert werden, daß 
sie in eigenem Interesse auf eigene Hand vorginge 
Heiratsplãne der Baltaufurften. 
DT. Bukarest, 138. Aug. Die in Bukarest begonnene An⸗ 
riäherung der Ballkanstaaten soll durch Familienbande sort⸗ 
jesetzt und gefestigt werden. Es scheint eine Reihe von Hei⸗ 
aten geplant zu sein, die verwandischaftliche Beziehungen zwi⸗ 
chen Rumänien, Griechenland, Serbien und Rußland schaffen 
ollen. Wie die Daily Mail sich aus Bularest melden läßt, 
oll der Bjährige Kronprinz Georg von Griechenland die 18iähr. 
Zrimzessin Eüsabeth von Rumänien, eine Enkelin König Carols, 
eiraten. Prinz Carol, der älteste Sohn des rumänischen Thron⸗ 
olgers Ferdinand, soll nicht, wie es bisher hieß. die älteste 
Lochter des Zaren, die Großfürstin Olga, sondern die zweite 
bochter, die Großfürstin Tatjang, zur Gemahlin erhalten. Prinz 
arol steht im 20. Großßzfürstin Tatiana im 17. Lebensiahre 
fndlaüh soll der 42jährige Kronprinz Alexander von Serbien 
„um Gatten der ältesten Zarentochter der Großfürstin Olga, be— 
timmt sein. . 
Preßstimmen. 
W. Wien, 13. Aug. Das Fremdenblatt begrüßt die Er— 
edigung der albanischen und der ägäischen Frage durch die 
Botschafterkonferenz mit lebhafter Genugtuung und betont, 
veiche bedeutenden Hindernisse in der albanischen Frage über— 
wunden werden muhten. Aber schließlich sei erfreulicherweise 
doch der Standpunkt Oesterreich Unaarns und Italiens durch 
sedrungen. Nur in Einzelheiten betrat Oefterreich Ungarn den 
onpromißweg umd betätigte neuerlich seine Friedensliebe und 
tetige Geneigtheit zum Entgegenkommen, wie es auch von 
Anfang an Serbien mit der Zuerkennung des wirtschaftlichen 
zuganges an der Adria den Beweis des Wohlwollens ge— 
eben habe. Das Blatt erklärt, die internationale Siche- 
ung der albanischen Aufonomie auf der Grunddage der Neu⸗ 
ralität sei die festeste Bürgschaft. daß in diesem Teile des 
halkans ein dauernder Zustand geschaffen werde und einem 
Bolke von glüchlichen Anlagen die Möglichleit zu einer ent⸗ 
prechenden Entwicklung gegeben wird. 
W. Paris, 13. Aug. Die Blätter drücken ihre Befrie⸗ 
digung über den gestern gefaßten Beschluß der Londoner 
zotschafterkonferenn in der Frage der von Italien noch 
esetzt gehaltenen türkischen Inseln und der Regelung der 
riechischalbanischen Grenze aus. — Der Matin schreibt: Die 
talienische und die griechische Regierung haben gleichmähig Ver— 
nlassung, sich zu der versöhnlichen Regelung dieser Frage zu 
eglückwünschen. — Echo de Paris schreibt: So verschwinden 
ahlreiche Gegenstände für die Polemik, ohne daß Italiens 
Stolz irgendwie verwundet wird. 
* 
W. Berlin. 13. Aug. Die Verhandlung über die von 
echs in dem Prozeß Tilian Verurteilten eingelegte Be— 
ufung vor dem Oberkriegsgericht dürfte kaum vor 
ARtober stattfinden. 
W. Stettin, 13. Aug. Heute sollen VBersammlungen 
der streikenden Werftarbeiter stattfinden. Es wird 
mgenommen, dah man dem Beschluß der Generalversammlung 
»es Deutschen Metallarbeiterverbandes folgen, und die Wieder— 
rufnahme der Arbeit beschließen wird. 
W. Mailand, 13. Aug. Seit gestern früh ist der Streik 
atsächlich beendet. Gestern abend wurde in einer Ver— 
ammlung der Arbeitervereinigung, welche den Streik prokla—⸗ 
nierte, beschlossen, alle Arbeiter in Mailand und Italien über—⸗ 
aupt aufzufordern, mit dem Streik aufzuhören. Die Nachricht 
»on der Beendigung des Streifs murde mit Genugtuung auf— 
nenommen. 
M. Varis, 13. Aug. In Les Sables d'Olonnes am At— 
antischen Ozean streiken die Sardinenfischer, weil der 
nfolge des Ueberflusses von Sardinen von den Konserven— 
abrikanten angebotene Preis zu niedrig ist. Kein Fischer— 
oot verließ den Hafen. Die Fischer erwarten vorläufig die 
Enticheidung der zweds Regelung des Streiks eingesetzten ge⸗ 
nischten Kommission von Fischern und Konservenfabrikanten. 
DT. Paris, 13. Aug. Die für den 13. bis 16. September 
ach Gent einberufene Verständigungskonserenz 
eülscher und franzöfischer Journalisten ist auf 
Wunsch des belgischen Organisationskomitees auf die Tage vora 
23. bis 26. Sept. vertagt worden. 
W. Mexiko, 13. Aug. Lind konferierte heute mit dem 
Minister des Aeußern, Frederickk Gamboa. Man erwartet 
eßt, daß Lind in der Eigenschaft als nichtoffizieller Abge— 
andter der mexikanischen Regierung eine Note 
überreichen wird, in der die Haltung Wilsons dargelegt 
vird. Die Note würde gleichzeitig in einer Abschrift den frem— 
den Regierungen zugestellt werden. 
W. Peking, 13. Aug. Tschoengtu und der Rest der Provinz 
Zzetschuan befinden sich, ebenso wie Juennan und Aweitschou 
wuf feiten der Regierung. Kansu befindet sich in Unruhe 
vort, wo die Nachricht verbreitet ist, di Mongolen seien 
m Anmarsch; im Innern ist es vollkommen ruhig. Tausend 
degierungstruppen schlugen gestern 1800 Rebellen in der 
stähe von Schanghai. Die letzteren griffen die Regie— 
ungstruppen an, indem sie Salven abgaben. Als die 
sebellen anfingen zu schwanken, griffen die Nordtruppen mit 
»em Bajonett ein und töteten 200 Mann. Lilieh Shun, 
»er aufständische Gouverneur von Kiangsi, versucht den Wider— 
tand zu organisieren. Er lehnt das Beispiel Huangksings 
ind Suniatsens verächtlich ab, die er als armselige Feialinge 
varsftesst 
* * 
W. Berlin, 13. Aug. Mit dem Umbau des Bahn— 
hofs Friedrichstraßze dürfte noch im Herbst begonnen 
werden. Es ist ein dreigleisiger Umbau vorgesehen. Zu den 
etzigen Stadt- und Fern⸗(Vorort⸗) Gleisen kommt noch ein 
zrittes Gleispaar, auf welchem Fernzüge, deren Abfertigung 
taturgemäß längere Zeit in Anspruch nimmt, halten werden. 
Der neue Bahnhof erhält drei Bahnsteige und wird nach Norden 
u verbreitert. 
W. Berlin. 13. Aug. Im Sandgelände von Steglitz, Rauhe 
zerge, hatten gestern zwei Knaben mit ihren Spaten einen Teil 
des Bodens ausgehöhlt. Sie übersahen, daß sich das Erdwerk, 
»em der Stützpunkt entzogen war, langsam zu senken hegann. 
—RD 
ind begruben die beiden Kinder unter sich. Nach 
aängerer Zeit gelang es, sie aus ihrer schrecklichen Lage zu be— 
reien. Das jüngere Kind hat sich eine Schulterverletzung zu— 
jezogen, der ältere Knabe hatte, als er gefunden wurde, das 
Bewußlsein verloren. Alle Wiederbelebungsversuche 
varen erfolglos. Ein Arzt stellte Erstidungstod fest. 
Altona, 13. Aug. Frau Dir. Scha piro, die von Mainz 
ils Polizeiassistentin nach Altona berufen war, ist bisher noch 
richt angestellt, angeblich weil sie woch russische Staats⸗ 
mgehörige ist und nicht einwandfrei hat nachweisen knmen, 
ah sie die preubische Staatsangehörigkeit erworben hat. 
W. Swinemünde. 13. Aug. Nachdem gestern die Lerchen 
her Frau Leucht? und des Leutnants von Schmidtsedk von Fischern 
reborgen worden sind, ist gestern abend noch die Veiche des 
Fränlein Hollatz gaus Neustettin, deren Schwester schon vor 
uinigen Tagen gefunden wurde, an Land geschafft worden. 
Essen, 13. Aug. Unweit der Station Hohenbudberg wurde 
inem Arbeiter, der sich gqus einem Wagen der Kleinbahn 
hinauslehnte, von einem entgegenkommenden Zuge der Kopf 
ibgerissen. R 
Innsbruck, 18. Aug. Eine in Wien verstorbene frühere 
Prostiinierte hal den Prostitulerten von Imsbruch ihr 
Zzarvermögen von 6000 Kronen hinterlassen 
das Geld soll an dieienigen Prostituierten von Innsbruck per« 
eilt werden, die zur Zeit der Beerdigung der Erblasserin unter 
bder polizeilichen Kontrolle stehen. 
W. WVaris, 13. Aug. In dem Laden eines Juweliers im 
SZeebade Deauville hat eine sehr eleganmt auftretende unbekannte 
dame ein Perlenhalsband im Werte von 33000 Frs. 
gesto hlen
	        
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