Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Ausgabe A 
—— — —— — — — 
die Regimentsfeier in Rostock. 
Rostock, 10. Aug. 
Die Feierlichkeiten aus Anlaß des 128jährigen Jubilaums 
des großherzoglich mecklenburgischen Füsilier-Kegiments Nr. 90 
„Kaiser Wilhelm“ begannen gestern mit einem Begrüßungs⸗— 
abend. Im Hotel Fürst Blücher versammelten sich das Offi— 
zierkorps, die Reserveoffiziere und die ehemaligen Offiziere 
des Regiments und viele Ehrengäste. Der Großherzog, der 
vorher im Hotel den Prinzen der Niederlande begrüßt hatte, 
wurde vom Oberst v. Wright empfangen. Der Großherzog 
verlieh eine Anzahl Ordensauszeichnungen. Unter anderem er—⸗ 
hielt Generalleutnant z. D. Schultz das Großkreuz des Greifen— 
ordens. Oberst v. Wright und Oberst v. Haevernick das Komtur⸗ 
kreuz des Greifenordens, Oberstleutnant v. Falkenhayn das 
Ehrenkreuz des Greifenordens, Major v. d. Decken das Ehren⸗ 
kreuz des Greifenordens, Major zur Megede das Ritterkreuz des 
Ordens der Wendischen Krone. Prinz Heinrich der Nieder— 
lande ühergab mit einer kurzen Ansprache dem Regiment einen 
Schellenbaum. Das Geschenk der ehemaligen aktioen Offiziere 
hestand in einer Summe von 4000 M, die fur den Offiziecfouds 
beftimmt ist. Zum Bau der neuen Offiziermesse schentte die 
Stadt Rostock die Summe von 10000 M. Die Reserveoffi— 
ziere und ehemaligen Reserveoffiziere ließen 3000 Mizur An— 
schaffung eines Speisezimmers für die neue Offiziermesse über— 
reichen. Weitere Geldspenden ließen die ehemaligen Unter— 
offiziere und die ehemaligen Füsiliere überreichen. Die mecklen⸗ 
burgischen Regimenter, die Füsiliervereine von Rostockk, Wismar 
und Schwerin ließen gleichfalls Ehrengeschenke überreichen. Nach 
AUeberreichung der Ehrengeschenke fand ein Festessen statt. Der 
Großherzog brachte auf den Kaiser einen Trinkspruch aus, 
worauf die Nationalhymne gespielt wurde. Oberst v. Wright 
dankte dem Großherzog für die Auszeichnungen und für sein 
Erscheinen und schloß mit einem dreimaligen Hurra auf den 
Großherzog. Generalleutnant Frhr. v. Hanstein feierte in längerer 
Rede das Regiment. Bürgermeister Clement toastete auf den 
Großhetzog. Nach Schluß der Tafel fand die Aufführung 
eines vom Hauptmann der Reserve Dr. Schmidtgen verfaßlten 
Feilspieles statt, das in der Vorführung lebender Bilder aus 
der Regimentsgeschichte bestand. Den Schluß des Abends 
bildete ein Zapfenstreich. 
Heute morgen 7 Uhr fand großes Wecken statt. 
Der Kaiser 
mit Gefolge traf um 11 Uhr auf dem Bahnhof ein, er trug 
als Regimentschef die Uniform des Tüsilierregiments Nr. 90. 
Kaiser Wilhelm wurde am Bahnhof vom Herzog Paul Fried⸗ 
rich, dem Prinzen Heinrich der Niederlande, der à la suite 
des jubilierenden Regiments steht, und dem Großfürsten Georg 
Michailowitsch empfangen; ferner waren anwesend Staats-— 
minister Graf Bassewitz und Bürgermeister Dr. Maßmann. 
Zum Ehrendienst war Generalleutnant v. Winterfeld komman— 
diert. Nach herzlicher Begrüßung bestiegen die Herrschaften 
einen offenen Vierspänner und fuhren, vom Publikum lebhaft be⸗ 
grüßt, durch das Spalier der Innungen, Vereine, Jugendwehr 
und Schulen zur Wallpromenade. Das Wetter war bedeckt 
und reqnerisch 
Zum Feldgottesdienft 
hatte das Regiment, auch das in Wismar stehende 2. Ba⸗ 
baulon, auf der Wallpromenade Aufstellung genommen, mit 
dem Regimentskommandeur v. Wright und den direkten Vor—⸗ 
gesetzten des Regiments bis zum kommandierenden General 
des 9. Armeekorps, Generalleutnants v. Quast. Um 11 Uhr 
trafen die Großherzogin, die Großherzogin⸗Mutter Anastasia, 
die Kronprinzessin mit ihren beiden ältesten Söhnen sowie die 
Serzogin Marie Antoinette ein und nahmen im Kuaiserzelt 
Platz. Als der Kaiser und die Fürstlichkeiten, die ihn am 
Bahnhof empfaugen hatten, auf der Wallpromenade eintrafen, 
begrüßten die Füsiliere den Kaiser mit einem kräftigen „Guten 
Morgen, Maiestät!“ Darauf begrüßte der Kaiser die an— 
wesenden fürstlichen Damen. Nach der Vorstellung des beider— 
seitigen Gefolges begann der Gottesdienst mit dem Chorale, Die 
Hinmel rühmen des Ewigen Ehre“; daran schloß sich der Choral 
„Nun danket alle Gott“ an. Garnisonprediger Pastor Tinim 
hielt darauf eine Ansprache über den Spruch: „Sei getreu bis 
in den Tod,. so will ich dir die Krone des Lebens geben.“ 
Im Anschluß daran legte er dar, wie das Füsilierregiment 
Nr. 90 allezeit dieses Wort zu seinem Grundsatz gemacht habe. 
Schließlich sagte er: „Wir gehen, wohin wir geschickt werden, 
wir richten aus, was uns befohlen wird, soll es sein, ziehen 
wir jauchzend hinaus in Not und Tod, mit dem Willen zum 
Sieg, bis an den Tod treu. Das geloben wir in dieser 
Stunde aufs neue unserm teuern Großherzog und Herrn und 
unserm in Ehrfurcht geliebten Kaiser.“ Der. Gottsdienlt schlost 
mit dem Niederländischen Dankgebet. 
Sodann hielt der Großherzog an den Kaiser eine An—⸗ 
sprache, in der er für den Besuch des Kaisers dankte und 
seine und seines Regiments Dankbarkeit dafür ausdrückte, daß 
der Kaiser die Stelle des Chefs des Regiments übernommen, 
hat. Er schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hurra auf 
den Kaiser. Der Kaiser erwiderte mit kurzen Worten des 
Dankes sür den warmen und herzlichen Empfang, drückte seine 
Freude datüber aus, an der Spitze des Regiments Nr. 90 
die Stelle des Chefs innezuhaben, und brachte ein Hurra auf 
den Großherzog aus. Dann brachte der Kommandeur des 
Regiments. Oberst v. Wright, ein dreimaliges Hurra auf den 
Kaiser aus. Nun wurden die Auszeichnungen bekannt gegeben. 
Es erhiellen u. a. den Roten Adlerorden dritter Klusse mit 
Schleife Oberst v. Wright, den Stern zum Kronenorden zweiter 
Klasse Generalmajor z. D. Mulenz-Rostock, den Kronenorden 
dritter Klasse Oberstleutnant Windell und Oberstleutaant a. D. 
d. Weltzien. Der Kaiser schritt darauf mit dem Großkherzog 
die Front des Regiments ab, sodann die Front der alten 
Krieger, die ei mit einem „Guten Morgen, Kameraden!“ be— 
grũüß?e. Der Monarch beehrte viele alte Leute mit Ansprachen. 
Darauf nahm der Kaiser mit dem Großherzog den Vorbeimarsch 
des Regiments und der alten Soldaten entgegen. 
Von hier begaben sich der Kaiser und der Großherzog mit 
Gefolae nach dem Rathause, wo die 
Begrüßung durch die Stadtvertretung J 
erfolgte. Auf dem Wege wurden sie vom Publikum, den 
Schulen und den Jung⸗Deutschland-Vereinigungen auf das leb⸗ 
hafteste begrüßt. Vor dem Rathause stand die Regiments⸗ 
kapelle des Regiments Nr. 90 und spielte die Nationalhymne. 
J 9 
— 4 24 24 
004 A —⏑————— 
* —— * 2 * — * 
Montag, den . Auqust 1915. 
a 
F Sa 
— — 
* — 
—JJ —— 
—— 
Abend⸗Blatt Ur. 402. 
Der Kaiser und der Großherzog wurden von den Bürgermeisteru 
mpfangen und durch das Treppenhaus des alten Rathauses in 
en Fürstensaal geleitet, den Oelbilder von mecklenburgischen 
rürstengeschlechtern zieren. Hier hatten sich der Rat und die 
zürgervertretung versammelt. Nachdem der Kaiser und der 
zroßherzog sowie Herzog Paul Friedrich und Prinz Heinrich 
er Niederlande den Stadtvertretern gegenüber Aufstellung 
enommen hatten, hielt Geh. Kommerzienrat Bürgermeister 
lement eine Ansprache. Er ging in seiner Ansprache darauf 
in, daß Rostod die Regierung des Kaisers zu seinem Auf— 
hwung habe ausnutzen, Handel und Wandel sördern und 
ine Einwohnerzahl verdoppeln können. In Dankdarkeit ge⸗ 
enke die Stadt des Gnadenbeweises, durch den sie mit dent 
ach iht genannten kleinen Kreuser „Rostock“ zu den Schiffen 
er Flotte treten durfte. Sie gedenke auch des hohen Schöpfers 
er starken Flotte, unter deren Schutz die Rostocker Handelsfuutte 
dieder größere Bedeutung erlangt habe. Seine Ansprache 
chloß mit den Worten: Gott segne, Gott schütze des Kaiers 
Majestät, unser allverehrter und allergnädigster Kaiser 
PVilhelm II.“ Hurra, hurra, hurra! Das dreifache Hoch fand 
regeisterten Widerhall. 
Der Kaiser ergriff den Pokal und erwiderte: 
Ich bitte die Herren, meinen herzlichsten Dank entgegen— 
unehmen für die freundliche Begrüßung in dem alten ehr— 
vürdigen Rathaus. Dem Großherzog bin ich sehr zum Danke 
nerpflichtet für die gnädige Einladung zum heutigen Tage, 
zie mir vergönnt, in den Mauern Rostocks zu weilen. Ich 
sreue mich der guten alten Beziehungen, die meine Füsiliere 
mit der Stadt immer gehabt haben und hoffe, daß diese 
ruch in Zukunft erhalten bleiben. Ich bin von hoher Freude 
erfüllt und dankbar bewegt über den freundschaftlichen und 
tauschenden Empfang, den mir die Bürgerschaft beiderlet Ge— 
cchlechts hat zuteil werden lassen. Ich hoffe, daß es der 
Stadt Rostock vergönnt sein wird, auch fernerhen in friedlichen 
zenen sich weiter zu entwickeln, und ich freue mich, daß ich 
er Geschichte und der Bedeutung der Stadt Rostock dadurch 
zabe Ausdruck geben können, daß ich ihren Namen neben 
den Namen anderer großer deutscher Städte in meiner kaiser— 
ichen Marine verewigt habe. Möge Handel und Wandel 
der Stadt weiter gedeihen und blühen unter Gottes Hand! 
Das ist mein Wunsch! 
Der Kaiser leerte den Pokal und nahm die Vorstellung der 
Inwesenden entgegen. Darauf begab sich der Kaiser zur 
MNarienkirche, wo er von Vastor Brochmann und dem Kirchen- 
orstand begrühßt wurde. Unter Orgelklang betrat der Monarch 
ie Kuche, die er eingehend besichtigte. Um 1 Uhr verrieß der 
zaiser die Kirche und trat eine Rundfahkrt durch die Stadt an— 
vie ihn 
— —A 
könmen. Rostock liegt nicht weit von der See und der Blick 
iber Wasser auf die allgemeine Weltgeschichte schärft unser 
Juge für die Aufgaben der Gegenwart. Das mögen die 
hzerren den jungen Studenten zu Gemüte sühren. Wir 
rauchen Männer für unsere Zeit, und dazu möge Gott seinen 
zegen geben. 
Der Kaiser besichtigte nach der Vorstellung der Professoren 
zie Urkunden und das alte Zepter der Universität. Es 
'olgte ein Frühstück im großherzoglichen Palast, zu dem auch 
zie Spitzen der Zivil⸗- und Militär- sowie städtischen Behörden, 
'erner das Offizierkoross des iubilierenden Regiments geladen 
varen. 
Abreise des Kalfers. 
Als der Kaiser dann mit dem Grokßher;og und den übrigen 
rürstlichkeiten wieder auf dem Bahnhofe eintraf, rräsentierte 
ie auf dem Bahnhofsplatze aufgestellte Ehrenkompagnie. Der 
zaiser schritt mit dem Großherzog die Front der Kompagnie ab 
und nahm den Vorbeimarsch entgegen. Auf dem Bahnsteige 
zerabschiedete sich der Kaiser in herzlichster Weise von dem 
ßroßherzog und den übrigen Fürstlichkeiten. Um 314 Uhr 
etzte sich der Hofzug unter begeisterten Kundgebungen des 
Bublikums in Bewegung. Der Kaiser winkte noch lange vom 
Wagenfenster aus. 
Theater, Kunft und Wissenschaft. 
Der endgültige Entwurf sür ein Rechethatergesetz ist, wie 
nan schreibt, nunmehr im Reichsamt des Innern ferkig gestellt. 
ks erübrigt sich nur noch, die Begründung zu der Vorlage zu 
ollenden. Es ist daher mit Sicherheit anzunehmen, daß die 
Vorlage noch in diesem Jahr dem Bundesrat zur Beischlutz⸗ 
assung unterbreitet wird. Ob es möglich sein wird, den 
hesetzentwurf dort so rechtzeitig ferlig zu stellen, daß er noch 
m Laufe der nächsten Tagung an den Reichstag gelangen kann, 
äht sich heute noch nicht feststellen. Bekanntlich gehen die 
Anschauungen zwischen den Bühnenleitern und den Angestell⸗ 
en über verschiedene grundsätzliche Fragen des Entwurfs sehr 
beit auseinander. Eine gründliche Durchs ra ung im Bund:s-— 
at ist daher zu erwarten. Ueber die Ansichten der an der 
zesetzlichen Regelung Beteiligten bessand bei der Aufstellung 
»er Vorlage kein Zweifel, da sie alle Gelegenhet hatten, sich 
u dem Vorentwurf zu äußern. Der Entwurf zerfällt in zwei 
Urtikel, deren erster die Paragraphen 32, 322, 832b, 326. 
Za, 33b und 35 der Gewerbeordnung abändert. Der zweite 
Irtikel regelt die privatrechtlichen Beziehungen zwischen Büh— 
tenunternehmern und Bühnenmitgliedern, zu denen auch die 
Utileleder des Orchesters gerechnet werden. 
Graf Hülsen uudd Dertiche Montaägszeitung. Der General⸗ 
ntendant der Kgl. Schauspiele in Berlin, Graf Hülsen, hat 
egen den Verfasser eines in der letzten Nummer der Deutschen 
Nontagszeitung erschienenen Artikels, der sich mit sein r Person 
eschäftigt, Strafantrag gestellt. Die Polizei hat in dieser 
Ingelegenheit Freitag an zwei Stellen Haussuchungen vorge— 
lijommen, um den Verfasser des Attikels zu ar nitteln. 
Provinzmisere. Unter dieser Spitzmarke berichtet die B. 
3.,.: Das Mindestmaß an Schauspielergagen in Deut'chland 
veist wohl das Sommertheater in Mühlacker bei Pforthsm auf. 
kine Annonce dieser Direkt'on in einer Bühnenzeitschrift wirft 
»as traurigste Schlaglicht auf die Verhältnisse in der Provinz. 
zie lautet: Für ein solides, reelles Engagementsverhältnis 
dird sofort 1 kom. Alte, sowie 1 Herr f. Chargen gesucht. 
zedingungen: je 1 Teil, 1 Mark Honorar, 145 ört'. Benefiz, 
Teil Zetteltragen, sowie ganzes Souffleurjournal zu ver— 
eben. — Man denke: 30 Mark Monatsgage und Neben— 
inkommen durch Austragen der Theaterzettel! — Das isl 
och lange nicht das Schlimmste. Es gibt imn der dunkelsten 
zZrovinz „Kunstinstitute“, an denen die Priester und Prieste— 
innen der dramatischen Musen tatsächlich sür den „Bürger⸗ 
ichen Mittagstisch‘“ arbeiten, den die Schmierenmutter (alias 
Direktorsgattin) täglich zubereitet. 
Ur⸗ und Erstaufführunge. 777: 10*0, ein Turf- und Toto⸗ 
chwank in drei Starts von Otto Schwartz und Karl Mathern, 
rregte bei seiner Erstaufführung im Residenztheater zu Dres⸗ 
zen hochgradig die Lachlust der Zuschauer. 
Von den Bühnen. „Belinde“, das Drama Herbert 
fulenbergg, das in Hamburg und anderwärts bereits nach⸗ 
‚altigen Erfolg hatte, wird voraussichtlich zur Frösfrung des 
tleinen Theaters unter der neuen Direktion Altman endlich 
ruch in Berlin gegeben werden. Dort w'rd auch Eulenbergs 
dier noch nicht gespieltes Drama „Anna Walewska“ zur Auf— 
ührung gelangen. — Der neue Leiter der Schauburg zu 
hannover, Direktor Brümmer, hat die neue Operette von Josef 
znaga „Kanderl“, die im Herbst in Leipzaia die Urauffüh— 
ung erlebt, erworben. 
David Popper gestorben. David Vopper, der soeben in 
zaden bei Wien gestorben ist, war einer der bedeutendsten 
kellisten der Gegenwart. Bis in sein hohes Alter hinein ließ 
r sich auf seinem Lieblingsinstrument, wenn auch nur noch 
elten, hören. Und alle, die dieses Genusses einmal teilhaftig 
jseworden sind, werden es nicht vergessen, welch wundervollen 
Pohllaut er dem Cello abzugewinnen wußte. Popper ist 
einahe 70 Jahre alt geworden. Er war geborener Prager, 
iber schon in jungen Jahren zog es ihn aus der Heimat fort in 
ie Welt hinaus. Seine Konzertreisen süh ten ihn durch ganz 
kuropa. Von 1868 bis 1873 wirkte er als erter Cellist am 
er Wiener Hofoper, und zwar verdankte er diese Stellung 
Zans v. Bülow. Auch mit Wagner war er befreundet, und 
t hat in seinem Teil redlich dazu beigetragen, der Wagner—⸗ 
hen Musik zum Siege zu verhelfen. Verheiratet wor er mit 
er bedeutenden Pianistin Sofie Menter, doch wurde im 
jahre 1886 diese Ehe wieder geschieden. Im letzten Abschnitt 
eines Lebens wirkte Popper als Professor an der Unga— 
ischen Landesmusikakademie in Budapest, und ein seltsamer 
zufall wollte es, daß er noch am Morgen seines Todes in An— 
rkennung der Verdienste, die er sich in dieser Stellung er⸗ 
vorben hatte, ein Diplom erhielt, das ihn zum Königlich unga⸗ 
ischen Hofrat ernamte. Auch als Komponist ist Popper 
viederholt hervorgetreten und auch in dieser Eigenschaft hat er 
»em Inftrument, das er sich erwählt hatte, die Treue gehalten. 
Zo hat er unter anderem ein Requiem für drei Celli veröffent⸗ 
icht. 
— 
zur Universität 
ührte. Hier wurde er von dem Vizekanzler, Wirkl. Geh. 
Legationsrat Dr. v. Buchka, und dem Relktor Prof. Dr. 
Zörner und den Dekanen empfangen. In der Aula der Univer— 
ität hatte der Lehrkörper Aufstellung genommen sowie die 
hargierten der studentischen Verbindungen in Wichs mit Fab— 
sen und gezogenem Schläger. Der Kaiser, der in Begleltung 
es Großherzogs erschien, wurde von dem Rektor mit einer 
linsprache empfangen. in der dieser etwa fsolgendes sagte: 
Arer Majestät danken der Lehrkörper und die Studentenschaft 
ür die Gnade des Besuches. Wir können uns nur dadurch 
ankbar beweisen, indem wir Eure Maiestät bitten, die schönsten 
nnd besten Schätze unseres Archivs und unserer Bibliothek in 
lugenschein nehmen zu wollen. Unsere Unipersität, die dritt⸗ 
lteste des Deutschen Reiches, wird in sechs Jahren ihr 800jäh— 
iges Jubiläum feiern. Sie war in ihren Anfängen das 
zildungszentrum des Nordens. Dann folgten schwere Zeiten 
er inneren Wirren und äußeren Bedrängnis. Erst im Jahre 
867 wurde die Universität vom Großherzog Friedrich 
zranz II. neu organisiert. Von da beginnt die neue Zeit der 
zlüte. In den 25 Jahren, in denen Eure Majiestät uns den 
hrenvoll erhaltenen Frieden beschart hat, stieg die Zahl der 
ztudenten von 340 auf 1005. Der Friede ist unerläßlich für 
„ie Wissenschaft. Er schafft Ideale und wissenschaftliche Werte 
5r erzieht, wenn auch nicht ein kriegslustiges, so doch kriegs— 
arkes Geschlecht. Die Universität hat vor hund ert Jahren 
nächtig zur Erhebung des deutschen Volkes beigetragen. Von 
dostock aus fand unser Landesherr starken Beistand, als er als 
rster es wagte, dem fremden Eroberer den Rücken zu lehren 
ind sich an die Seite Preußens zu stellen. Im Jahre 1870 
rellte die Universität Rostock die meisten Kämpfer, Aerzte 
ind Krankenpfleger von allen Universitäten. Darum sei es ihr 
jeute vergönnt, in der Aula dem Kaiser, dem Förderer des 
friedens und der Wissenschaft zu hu'digen. Seine Maiestät der 
taiser lebe hoch, hoch hoch! 
Der Kaiser erwiderte: 
Ich bitte Sie, meinen herzlichsten Dank entgegenzunehmen 
ür die freundliche Begrüßung seitens des Hercn Rektors und 
»er Herren Professoren und Studenten. Ich freue mich 
ußerordentlich, den Fußz in die Aula dieser ehrwürdigen Univer⸗ 
ität haben setzen zu können, deren Geschichte sie eben so vor⸗ 
refflich stizziett haben. Wir haben gerade jetzt 100 Jahre 
inter uns seit der Zeit. wo die Wiedergeburt und Wieder—⸗ 
enesung des Volkes Preußens und des ganzen deutschen 
olkes, das den Fuß des korsischen Eroberers von seinem 
stacken abschüttelte. Bei der aufblühenden Begeisterung, die 
amals das ganze Volk ergriff, war die studentische Jugend in 
rster Reihe und ich hofse, daß dieser Geist auch noch heute 
ebendig ist. Wenn wir an jene Zeiten zurüddenken, so treten 
»or allem zwei Bilder vor unsere Augen: das des großen Feld⸗ 
narschalls, dessen Standbild hier vor der Universität steht 
ind das Bild der Königin Luise. Warum? Ich glaube, der 
Hrund ist, weil beide, die hochselige Königin und mecklenbur—⸗ 
nische Prinzessin und der Feldmarschall Gebhard Leberecht von 
3lücher die einzigen waren, die damals, als unser Vaterland 
usammenbrach unter der Uebermacht des Korsikaners, nicht 
aran gezweifelt haben, daß er zu Fall zu bringen sei. Die 
Zömigin ist mit der Hoffnung gestorben. Der Feldmarschall hat 
zie Hoffnung in die Wirklichkeit übersetzt. Wir wissen, daß 
r immer von dem einen Gedanken beseelt war, den Korsen 
nederzuwerfen, der Deutschland so gedemütigt hatte. Diese 
Bilder möge unsere Jugend immer vor Augen haben, und 
venn sie sich auch in die klaren Gewässer der Wissenschaft ver⸗ 
ieft. soll sie doch aucs den Blick auf die Gegenwart richten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.