Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
bends, Sonntags morgens erscheinend. Bezugs⸗ 
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eilungen 1Me. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
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cche RIßtter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 163. Jahrgang Nachriqhten sur das Herzogtum Lauenburg, die 
zeiblatt: Gesetze und Verordnungsblatt ää , — gFürftent ümer Ratzeburg, Lübed und das angren 
ιαεεσασασσσσ— —— ———— IAII— zende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Drud und Verlag: Gebrüder Borcbers G. m. b. H. m Lüũhbech. — Geschäftsstelle Adren u— GKöniastr. 46). Fernsprecher 9000 u. 9001. 
Sonntag, den 19. Auauft 1915. 
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Morgen-Blatt KRr. 400. 
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aiser. Dir?“ 
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er Einladung des Hohen Senates der freien und Hansestadt Lübeck folgend, weilt heute Seine Wajestät der Kaiser, unseres deutschen 
9 Vaterlandes Führer und Schirmherr, zum dritten Male als Gast in unserer Vaterstadt. Mit freudiger Genugtuung wurde die 
Hunde seinerzeit aufgenommen, daß der Kaiser im Jahre seines 25. Regierungs-Jubiläums den Wunsch hat, unter Lübecks 
Bevölkerung zu weilen, die in treudeutschem Sinne verharrend noch die Erinnerung an seine letzten Besuche bewahrt. Nach seinem 
kinzuge im Jahre 1801, als der Kaiser jenes alle Lübecker mit Stolz erfüllende Wort von der „deutschesten der deutschen Städte“ 
prach, war es der bedeutsame Eröffnungstag des Elbe-Trave-Kanals am 16. Juni 1900, der Anlaß gab zum zweiten Besuche. Die 
kmpfindungen, die damals Lübeck beseelten, sind auch heute die gleichen, da der Kaiser bei uns weilt, auch ohne daß besonderer Anlaß ihn 
ils den Vertreter Alldeutschlands an offizieller Feier teilnehmen Jäßt. Und ebenso, wie es für ihn nicht eines besonderen Anlasses bedurfte, 
inter seinen Lübeckern zu weilen, denen er oft in Travemünde in der Pflege des edlen Wassersportes nahe getreten ist, ebenso bedarf Lübecks 
Bürgerschaft nicht eines besonderen Anlasses, um sich des Besuches zu freuen und dem Kaiser zuzujubeln, ihn aus leuchtenden Augen zu 
zrüßen als einen der Ihren, als einen Mann von deutscher Art, von deutschem Holz, als tatkräftigen, von hohem Sinnen erfüllten Fürsten, 
er die Inkarnation alles dessen ist, was sich Vaterlandsliebe und deutsche Kraft wünscht, sich wünscht und dem ganzen Volke, dessen wir 
Brüder sind und Teil. Als vor Wonatsfrist auch in Lübeck die Glocken dröhnten, als sich 25 Jahre vollendeten, da uns sein kraftvolles 
Friedensregiment beschert wurde, da klang es aus aller Herzen so recht auf, da zeigte es sich, welche Fülle deutscher Liebe und Treue, 
eutscher Verehrung des Starken und Freien in allen Herzen lebt, wie es oft nur still glüht unter der Asche des Alltages, wie es aber hervorbricht, 
zleich glühendem Lavastrom, ein Quell der Wärme und des Lichts, den Haß und Mißgunst, den irregeführter Sinn nicht zu trüben vermag. Damals 
zat auch der Kaiser die Liebe des Volkes als das schönste empfunden, das ihm zu seinem Feste beschert ward, jene Liebe, von der es im deutschen 
Weihegesang heißt: „Nicht Voss' noch Reißige sichern die steile Höh', wo Fürsten stehn: Liebe des Vaterlands, Liebe des freien 
Manns gründet den Herrscherthron wie Fels im Meer!“ Wurzelnd in dieser Liebe, um die der Kaiser hat kämpfen müssen und 
die deshalb soviel wertvoller und fester gegründet ist, weil er sie errungen hat, errungen gegen den Unverstand und gegen die Schwerfälligkeit, 
ja oft auch den bösen Willen, kann der Kaiser sein Lebenswerk fortführen, das in den Worten gipfelt: „Stärke und Frieden.“ JFenes 
Wort, in dem sich ihm die bedächtige. ehrenhafte und tatkräftige Art des hansischen Geistes enthüllte, der ihn selber beseelt, das Wort, das 
er bei seinem Besuche des Lübecker Yacht-Clubs im Ratskeller fand, und dem er bedeutsame Prägung gab, das Wort: „Das Fähnlein ist 
eicht an die Stange gebunden, es kostet aber viel, es mit Ehren wieder abzunehmen“, es ist ihm Richtschnur gewesen seines hohen Amtes, 
s wird es auch bleiben, solange das deutsche Volk sich eins weiß mit seinem Führer, wird es ihm bleiben und dem Volke, das vertrauend 
iuf seine Kraft sich mächtig entfaltet, das niemand zu Liebe und niemand zu Leide seinen Weg sucht, das die Bruderhand aller zu ergreifen 
vünscht, die sich ihm friedlich nahen. Noch die letzten kaiserlichen Worte, die vom Fuße der Frithjofstatue in Norwegen in die Welt klangen 
ils ein Appell an alle Germanen, an alle Indogermanen, sie waren Worte des Friedens und Worte innerster Kraft. Auf das deutsche 
-chwert gestützt, will der Kaiser den Frieden bringen, den Frieden der Ehre allen, die in gleicher Treue und Geradheit des Sinnes ihn ehrlich 
vollen. Dieses seines Friedenswerkes Segen hat auch unsere Hansestadt verspürt. Wenn der Kaiser diesmal auf dem' Bahnhof in Lübeck 
intrifft, gibt schon er ihm ein Bild des neuen tatkräftigen Geistes der Stadt; wenn er nach dem Besuche der ehrwürdigen Warienkirche im 
Kathause in vertrautem Gespräche mit den Leitern unseres Staatswesens weilt, wird er den eigentümlichen Zauber empfinden, der sich aus 
der starken und stolzen Tradiiion des alten Hauptes der Hansa und dem pulsierenden tatkräftigen Leben der neuen Zeit, des werktätigen 
Schaffens webt. Wenn er die Straßen Lübecks durchfährt, und die Flaggen der Hansa sich denen des Deutschen Veiches vermählen, dann 
vird er empfinden, daß Lübecks Bürgerschaft heute wie einst treu steht zu des Deutschen Reiches Kraft und Herrlichkeit, aus den freudig 
»ewegten, ihm zujubelnden Scharen wird er die Gewikheit mitnehmen, daßk nirgend als in Lübeck die Worte deutschen Grußes wärmer und 
1aufrichtiger klingen: 
Zeil Dir im Siegerkranz, 
Zerrscher des Vaterlands, 
zeil Kaiser, Dii 33*8 
Fühl in des Thrones Glanz 
die hohe Wonne ganz: 
ziebling des Volts zu sein! 
Jeil Kaiser, Dir! 
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