Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

— * 
39 —— * F — 
44 — * 4 
* d3 —* 3 * 
R * * —9— 1 
Ausgabe 4. 
heer und Flotte. 
Kein „Fliegendes Geschwader“. DTie der Täglichen Runde 
chau entnommene Nachricht von der Bildung eines fliegenden 
veschwaders ist, so wird von unterrichteter Seite geschrieben, 
eider ein Märchen. Von einen, solchen Geschwader von 
Auslandskreuzern ist schon oft gesprochen worden, besonders bei 
dem Flottengesetz von 1906, die Verhältnisse haben sich aber seit- 
dem wesentlich geändert, und zwar vornehmlich durch das Flotten- 
zesetz von 1912. Nach diefem Gejetz ist die Gesamtzahl der 
zroßen Kreuzer unverändert geblieben mit 20. Die Material- 
eserve von 4 grohen Kreuzern wurde aufgebraucht durch ihre 
Finstellung in die Schlachtflotte, für die 12 verfügbar sein 
nüssen, und die Begründung des Gesetzes sagt ausdrücklich, daß 
in Mißstand der Flotte beseitigt werden soll durch Bildung 
ijnes dritten aktiven Geschwaders, und als Schiffe, die hierzu 
enommen werden sollen, find ausdrücklich die 4 großen Kreuzer 
ʒer Materialreserve genannt. Tamit ist gesagt, daß das zuerst 
zeschehen muß. Wir haben aber zurzeit erst 4 große Kreuzer 
ꝛei der Flotte, und wenn wir die Besatzung hätten, hätten 
vir ganz gewiß nicht die „VYorch“ kürzlich außer Düuenst gestellt, 
us die „Sendlitz“ in den Dienst trat. Damit ist außerdem 
zleichzeitig gesagt, daß auch für ein fliegendes Geschwader keine 
Besatzung da wäre, wie das auch aus den Personalvermehrungs- 
ahlen des Gesetzes von 1912 flar zu vernehmen ist; denn es 
vird doch niemand auf den Gedanken bommen, die Ausgestal- 
ung der Schlachtflotte nach dem Gesetz von 1912 zugunsten eines 
liegen denGeschwaders aufzuschieben. Außerdem sind aber auch 
eine Schiffe da. Die vier neuesten großen Kreuzer sind in 
der Flotte. Der Vermehrungsbau Keist im Bau, 5 Schiffe 
ind Seekadetten- und Schiffsjungenschusschiffe, 2 sind als Sta— 
ionäre in Ostasien, 3 sind Artillerie- und Torpedo-Versuchs- 
ind Schulschiffe, dann bleiben als einzige neuere noch „VYorch“ 
ind „Roon“, auf die wir doch selbstverständlich für den Kriegs— 
all in der Heimat nicht verzichten können, und die 3 alten 
Zchiffe „Prinz Heinrich“, „Prinz Adalbert“ und „Friedrich Carl“. 
die wären wohl wenig zu solchem Zweck geeignet. Auch die 
Kachricht des Umbaues des Kreuzers, Yorch“ zu diesem Zweck 
Atbehrt der Begründung; vorläufig ist auch an die Bildung 
ines fliegenden Geschwaders auch mit kleinen Kreuzern nicht 
u denken, so erwünscht es auch wäre. 
Aus den Nachbargebieten. 
Hanjestãdte. 
Bremen, 7. Aug. Todesfall., Aus einer Sommer— 
rische, in der der Direktor der Realschule in der Äitstadt, Prof. 
Ar. Otto Hergt, die Ferien verbrachte, kommt die überraschende 
Trauernachricht, daß diefer noch so ungemein rüstige Mann dort 
nfolge Herzschlages gestorben. Er stand erst vor der Voll 
endung seines 62. Lebengijahres. Im Jahre 1800 ijt Prof. 
Dr. Hergt als Vertreter des Gelehrienstandes in die Bürger⸗ 
schaft gewählt worden und hat diefer bis Ende 1908 angehört. 
Großherzogtum Oldenburg und Fürstentum Lübedk. 
Ahrensbök 7. Aus. Bahnprozekt. Der Landrat 
ꝛes Kreises Stormarn hat zur weiteren Besprechung des Pro— 
ekts üher den Bau einer Eisenbdahn von Bad Olbesloe nach 
Ahrensbök eine Versammlung am Freitag in Oldesloe anberaumt, 
Lauenburg. 
Raßzeburg, 7. Aug Kreistag. In der 107. Sitzung 
am Mittfwoch wurde u. a. der Antrag des Kreisgusschusses auf 
Beschaffung eines Automobils für den Kreis einstimm ig an⸗ 
zenommen. Bei der Beratung über die Gewährung von Bei— 
hilfen an die Veteranen des Kreises aus Anlaß des Kegjerungs— 
uhiläums des Kaisers wurde beschloffen, aus den Mateln des 
Dn einen Reservefonds einen Betrag von 50000 Muzu ent— 
nehmen. 
Großherzo gtũmer Medlenburg. 
Schwerin, 7. Aug. Ernenpung. Kommerzienrat 
Bühring, Inhaber der Firma Johr“ Uhle,ist“ von 
— —“ —— — 3— 2 
Pariser Mode. 
Auf der Ausstellumng der Luxushunde entscheidet sich in 
sedem Jahr die Hundemode. Ist sie auch weniger kapriziös 
Us die, die mit ihren bizarren Launen dem weiblichen Ge— 
chmach vorsteht, hat doch auch sie ihre Phantasien, ihre An⸗ 
prüche und Gefsetze. 
Wenn die Damen sich also in Begleitung ihres Hundes 
ruf die Straße und in die Salons wagen und nicht für unge— 
zildet gehalten werden wollen, so müssen sie wissen, was im 
dundemilien in dieser Saison getragen wird. Es ist das eine 
aamz elementare Vorsicht. Wir leben doch nicht mehr in der 
Zeit, wo man sich mit einem ledernen Halsband und einer 
deine begnügte, die bisweilen durch eine große „sichtbare“ 
Bandschleife erheitert wurde. 
Leder und Bandschluppen waren vor zehn Jahren modern, 
wenn man so sagen darf. Ehrenwerte Damen, die ihren vier⸗ 
zeinigen Liebling zwischen zwei Dominopartien auf den 
Monthelon⸗Square oder in die Alleen des Parks Monksouris 
ühren, ziehen ihn noch so an. Aber ein feiner distinguierter 
dund wendet sich mit Abschen von einem so ordinär wirkenden 
onsemble. 
Natürlich, Leder wird auch noch getragen, aber nur unter 
»er Bedingung, daß Halsband und Leine in Farbe und Aus— 
ührung genau übereinstimmen. Tas Halsband darf selbstver⸗ 
tändlich nicht kahl sein .... das wäre zu banal! Es muß 
durch die Kunst eines geschichten Juweliers aufs kostbarste zise⸗ 
iiert sein, und Edelsteine, Brillanten und Perlen mühsen ihren 
Slanz und Reichtum in den Dienst seiner Verschönerung stellen. 
Aue Kombinationen werden gestattet, vorausgesetzt, daß sie 
armonisch sind und daß sie sich anmutig ins Ganze fügen! 
Weiß, blau rot, grün, Kupfer, Silber Tuürkifen. Saphre, 
Rubinen in Cabochonform, das alles sind Elemente, mit denen 
ich Wunderwerke vollbringen lassen. Ist Ihre Busldogge dunfel, 
o dürfte rotes Leder mit vergoldetem Silber das Kleidsamste 
ein, ist fie dagegen weißz, so wählen Sie lieber weihes Leder 
nit Türkisen! Binden Sie ihm um des Himmels willen nicht 
mehr das groteske Halsband ous sich sträubenden, steifen 
Dachshaaren um, was eine Zeitlang so modern war, aber sich 
vollkommen überlebt hat! 
Für die kleinen langhaarigen King Charles ist ein schmales, 
veiches, seinmaschiges Silberhalsband, das von einem winzigen, 
nit Edelsteinen besetzten Schloß gehalten wird. das Kleidsamste. 
Zehr elegant, aber nicht fuͤr iederhumdee zu tragen und 
cfolgedessen nicht jedem Vierfüsslet zu empfehlen, ist das gan 
——J— — » 46 F 44 
—— — 73 328 
„ 6 133 — 7— * 
0 WA 
— 
* 
—— 
—32 
Donnerstag, den 7. Auqust 1913. 
Abend⸗Blatt Nr. 395. 
der Königin Wilhelminag der Niederlande zum niederländischen 
Idnn für beide mecklenburgischen Großkherzogtümer ernannt 
vorden. 
Rost ock, 75T. Aug. Die AUusschmüchung der Straßen 
nläßlich des Kaiserbesuches beschränkt sich nicht nur 
iuf die Kaiser-Wilheln- und Alexandrinenstraße. Die Stadt 
ißt auch, auf der Wallpromenade, am Kriegerdenkmal, auf 
er Kröpelinertorbrüde, guf dem Schröder-, dem Gertrudenplatz 
ind auf dem Markte Flaggenmasten aufstellen, die mit Gir— 
anden umwunden und keilweise mit solchen verbunden werden. 
— Abgestürzt und tot. Einer der begeistertsten Anbänger 
es Bergsports hierselbst, Dr. med. Th. Husche, ist auf seiner 
rerienreise in Tirol abgestürzt und fand dabei seinen Tod. 
.Dasso w, 7. Aug. Seinen 75. Geburtstaa begeht 
eute Kirchenrat Wilhelm Sellin. —— 
— Shönberg, 7. Aus, Zu einer argen Schlä— 
erei kam es zwischen vier fremden Wanderern, wobei auch 
as Messer gezogen wurde. Die Messerhelden wurden dem 
mtsgericht zugeführt. — Fischmarki. Der erste hier von 
iner Haimburger Firma veranstaältete Fischmarkt hatte den Er— 
oͤlg, daß in. Kürze der Markt geräumt wurde. Es, wurden 
egen 400 Pfund Fische, das Pfund durchschnittlich zu 30 Pig. 
bgesetzt. — Einquartierung. Im nächsten Monat wird 
nsere Stadt anläßlich der Herbstübungen mehrmals Einquär— 
erung erhalten. An einem, Tage werden rund 1300 Mann 
intreffen. — Unfall. Von dem vollen Fuder guf die 
scheuntenne stürzte der Arbeiter Schütt aus GrMoszahn. wen 
in anderer vollbeladener Wagen gegen das Fuder rolite, auf 
em Sch. stand. Dieser verleßte sich eine Schulter derart, daß 
r sich sogleich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Dieß— 
a hl. Aug der Schlafstube der Gastwirtschaft in Schlagresdorf 
uen 832 MBargeld, eine Damenuhr und 2 Herrensiegelringe 
Aahlen. 
—VEQHEEEEZCZLLAXMèéI 
Antergang in kaum passierbarem Packeis gleich nach dem Ver— 
alsen des Schiffes wahrscheinlich. Ich verlor mein Expeditions— 
chiff „Lövenfkiold“ durch Eispressung am 28. Juni beim Nord-⸗ 
ap des Nordostlandes. Sonst ist alles wohl. 
DT. Eine neue Theorie ũber din, Titanic“⸗Untergang. Eine 
ieue Theorie über den Untergang der „Titanic“ ist in letzter 
zeit in amerikanischen Marinefachkreisen aufgetaucht. Der Kapi⸗ 
än des englischen Dampfers „Luciline“, Remnant, behaup— 
et in der Newyork World, es bestehe die größte Wahrscheinlich- 
eit dafür, daß die „Titanic“ nicht infolge eines Zusammen— 
toßes mit einem Eisberg untergegangen sei, sondern auf ein 
inter dem Wasserspiegel befindliches Felsenriff aufgelaufen sei, 
»as den Kiel des Dampfers aufgerissen hätte. Kapitän Rem⸗— 
iant will auf seiner letzten Fahrt an der Unglücksstelle der 
Titanic“ einen nur wenige Meter unter dem Meeresspiegel 
uhenden Schiffsbug entdectt haben, der nach seiner Ausicht 
»ie untergegangene „Titanic“ ist. Das hydrographische Burtau 
er Vereinigten Staaten beabsichtigt auf Grund dieser An— 
jaben neue Meeresmessungen vrornehmen zu lassen, um fest— 
ustellen, ob sich an jenem Ort ein auf den Schiffskarten nicht 
erzeichneter Gebirgszug unter dem Wasserspiegel befindet 
„O7T. Bergiftungen an Maxgarine, Nach dem Ge— 
uufse von Margarine erkrankten in Wanne sieben Personen an 
bergiftungserscheinungen. Die am schwersten darnie derliegen den 
ind Kinder die nach dem Krankenhause gebracht werden mußten. 
Die Margarinevorräte sind polizeilich beschlagnahmt worden. 
D7T. Von einem Auto totgefahren und in den 
Lhausseegraben geworfen. Auf der Landstraße von 
Jempen nach Hülst wurde, wie aus Krefeld gemeldet wird, 
Mittwoch nachmittag ein führerloser Wagen angehalten. Bald 
arguf fand man im Chausseegraben die Leiche des Kutschers. 
Nach Art der Verletzungen, die den Tod des Mannes herbei— 
zeführt haben, nimmt man an, daß der Kutscher, der neben 
einem Wagen herging, von einem Automobil überfahren und 
uuf der Stelle getoͤtet wurde. Die gewissenlosen Automobilisten 
chleppten die Leiche in den Graben und fuhren daunn unerkannt 
— Die Leiche wurde beschlagnahmt und eine Untersuchung 
ingeleitet. 
Glückhiche Stadt. Ein gesegneter Ort in unserer steuer—⸗ 
chweren Zeit ist das etwa 2000 Einwohner zählende Klingen-— 
perg a. W. Auch in diesem Jahre erhalten die Einwohner 
vieder je 44“0 Maus der Stadtkafsse. Städtische Steuern 
ahlen sie schon seit Jahren n icht. Der Reichtum der Stadt 
zesteht in einer Tongrube, die 400 000 MUeberschuß gibt. 
Eine entsetzliche Tragösdie, hat sich Dienstag früh 
iuf der kleinen Insel Isle of Orleans im St. Lorenz-Strom in 
Fanada ereignet. Dort bewohnt die aus 7 Köpfen bestehende 
zamilie des Lotsen Williers ein hölzernes, einsam gelegenes 
3lockhaus. Als der Lotse nun Dienstag ein englisches Schiff in 
en Hafen führte, bemerkte er von der Kommandobrücke aus, daß 
zhammen aus seinem Hause hervorschlugen. Das Schiff sleuerte 
urf das Haus zu, und Mannschaften gingen sogleich an Land. 
Sie fanden aber nur noch die verkohlten Leichen der Frau und 
er Kinder des Lotsen vor. 
Eine halbe Million unterschlagen. Vor kurzem 
ourde der Rechnungsrat Moritz Freiherr von Kuhn. der Sohn 
es ehemaligen Kriegsministers, in Inusbruck verhaftet unter 
em, Verdacht, Unterschlagungen in Höhe von einer halben 
Hillion Kr. zum Schaden der Deutschen Alpenländischen Volks— 
ank, begangen zu haben. Auch der frühere Buchhalter dieser 
Zank ist unter dem Verdacht der Beihilfe verhaftet worden. 
„4ImTegernsee ertrunken. Mittwoch nachmittag gegen 
Uhr kenterte auf dem Tegernsee ein Boot, in dem sich der 
Kammersäenger Slhezak, und der Sänger Sturmfels 
efanden. Während Slezak sich retten konnte ist Sturmfels 
rtrunken. 
DD. In einem Tunnel vom Zuge zermalmt. 
dandleute aus dem Dorfe Barrios suchten bei einem Gewitter 
zuflucht in einem Eisenbahntunnel bei Burgos in Spanien. Als 
ie auf dem Gleise einen Güterzug ankommen sahen. drängten 
ie sich auf das zweite Gleise. In diesem Augenblick brauste aus 
er entgegengesetzten Richtung ein Schnellzug heran. Eine ganze 
amilie. bestehend aus Mann, Frau und Tochter, wurde getötet. 
‚er Zug zermalntte ihre Körper. Mehrere andere Personen 
erlitten schwere Verlekungen. 
bα 
Bermischies. 
Keine Spur von Schröder⸗Stranz. Der Mißerfolg der 
orwegischen Hilfsexpedition. Das Blatt Tidens Tegn in 
tristiania erhielt folgendes Telegramm aus Spitzbergen vom 
.Aug.: Lerner traf heute morgen hier ein. An Bord 
er „Löpenskjold“ erreichte er am 65. Mai auf dem Nordostland 
as Nordkap. Sier blieb er, vom Eis eingesperrt, 
echs Wochen lang und benutzte die Zeit zu Schlittenreisen. Von 
zchröder-Stranz wurde keine Spur gefunden. 
)er „Lövensktjold“ ging zugrunde, aber Lerner bildete mit der 
bgemusterten Mannschaft eine neue Expedition. Er hatte 
eichlich Proviant, drei Schiffsboote und neun Hunde. Es wurde 
ine Bootsfahrt vom Nordkap nach Treurenberg beschlossen. In 
Ostündiger schwerer Arbeit wurde die Ausrüstung der Expe— 
ition von acht Teilnehmern auf drei Schlitten über das Eis 
ebracht. Eine Fahrt von 22 Stunden mit eintgen Stunden 
iuhe brachte Lerner nach Treurenberg, von wo aus Staxrud 
eit dem 17. Juni vergebens versucht, das Nordkap zu er⸗ 
eichen. Als Lerner ankam, war es Staxrud fast gelungen, 
en „Herzog Ernst“ wieder flott zu machen. VLerner schickte 
ine Mannschaft an Bord, und beide Exrpeditionen versuchten 
engebens, durch die Hinlopenstraße Green Harbour zu erreichen. 
taxrud hielt weitere Nachforschungen auf dem Nordostlande 
ir überflüssig. Man hielt es für das sicherste, den Landweg 
4wählen um die Bismardstraße zu erreichen, wo man am 
. August ankam. Lerner versprach dem Schiffer des „Herzog 
inst“ 1000 Kr., wenn er das Schiff innerhalb einer Woche 
ach Green Harbour bringen könne. Die Sudpassage war 
nmöglich, worauf der Schiffer das Schiff in vier Tagen über 
ie Nordküste dorthin brachte. — Die Frankfurter Zeitung er— 
ielt von Lerner das erste Radiotelegramm sfolgenden 
znhalts: Die deutsche Hilfsexpedition kam heute, 
en 5. August, über Treurenberg bei der Däneninsel in Green 
arbour ein. Alle Winterhütten des Nordostlandes wurden auf 
chlittenreisen von über 600 km Ausdehnung genaqu durchsucht. 
son der Schröder-Stranz-Abteilung wurde 
eider keine Spur mehr gefunden Daher ist ihr 
infache, gelackte, mittelbreite Lederhalsband. Eine reizende 
Combinaison“ für Spitze und Affenpinscher ist der Brustriemen, 
er Hals und Brust zugleich umschließt. Auf einem schwarzen 
pitz ist solch ein weißer, mit matten Opalen besetzter Brust⸗ 
iemen von denkbar günstigster Wirlung. Seitdem wir „Grey⸗ 
ounds“ und „Coursings“ haben, können die italienischen Wind⸗ 
unde nicht mehr anders als mit einer hellfarbigen Dede, 
ie mit einer passenden Borte eingefaßt ist, auf die Straße 
ehen — worüber die ewig frierenden übrigens sehr er— 
reut sind. 
Für Automobilfahrten und Reisen find englische Stoffe und 
zelze das Korrektteste, warme, den Körper umschließende Mäntel 
ind weiche, dunkelfarbige Vlaids sind da am vraktischsten. Die 
n der Seite angebrachte Tasche wird nicht mehr geiragen, und 
as Taschentuch, das man dort hineinzustechen pflegte, ist eben— 
ils ganz aus der Mode gekommen. 
Am Meer, wo ein etwas nachlässigerer Anzug gestattet ist, 
pricht man dem Tragen des pportmännischen Swenters“ das 
Wort. Jedoch dürfen sich mur kurzhaarige Hunde diese Mode— 
mune erlauben, die andern würden, so ausgestattet, unwei— 
erlich die Spottlust ihrer vierbeinigen Kollegen herausfordern. 
myfehlenswert ist noch das Mitnehmen eines Waterproofs“, 
esonders heutzutage, wo fast das ganze Jahr hindurch schlechtes 
Vetter ist. 
Der große Schich nun, der sich sicherlich am längsten halten 
zird, weil er immer anständig aussieht, ist der Gebrauich von 
chuhwerk. Fürs Land gibt man starlem, breitem, widerstands⸗ 
ihigem den Vorzug, in der Stadt dagegen werden seiner ge— 
rbeitete Schuhe getragen, die die Vierfüßler bei Besuchemachen 
n Vorzimmer abzulegen pflegen, um sie gegen andere aus 
zammet und Atlas einzutauschen. Es wäre doch wirklich un— 
öflich und unerzogen, die blanken Parkettfußböden oder hell—⸗ 
arbigen Teppiche zu beschmutzen! 
Das Schuhwerk hat natürlich das Armband vertrieben, das 
rit der Zeit auch zu „gemein“ geworden war. Ein paar Hunde⸗ 
andys versuchten vergeblich, das Armband mit Uhr zu sancieren. 
aese Mode hat sich jedoch nicht akklimatisieren lönnen, und 
ie eleganten Pariserinnen, die augenblicklich in der Rue de 
zaris in Trouville und Rue de Gontaut-Biron in Teoville 
lanieren, haben nicht die große Genugtuung, von der Pfote 
hres Lieblings die Stunde abzulesen, wo das weihe Tailleur—⸗ 
leid mit der Linonrobe vertauscht werden muß. 
DTenn trotz des traurigen, regnerischen Som⸗ 
wers kann man jetzt doch unmöaglich von etwas anderom 
—X 
als leichten Roben und schattigen Hüten plaudern. Es scheint 
uch, als ob die Koketterie der Frauen auf den Himmel und 
eine beständigen Regengüsse pfeift, indem sie sich mit lachen⸗ 
en, hellfarbigen Frivolitären schmückt. Man ist doch schließlich 
m Sommer und hat sich doch die Kleider machen lassen, um 
ie anzuziehen! .. . Und unter dem klatschenden, niederrauschenden 
kegen schreiten unsere Pariserinnen in transparenten Linonroben 
einher, die sie allerdings unter imposanten Watervdroofs ver— 
techen! 
Eines schönen Tages wird ja nun wohl auch endlich mal 
die Sonne und mit ihr der Sommer kbommen! Es ist doch 
richt möglich, daß der Gott des Meeresstrandes und der Vade— 
orte sich so grausam zeigt, um jene beständig in Melancholie 
u „baden“.... 
Wir wollen also mutig von schneeigen Chiffons und bla— 
migen Hüten reden: überall, wohin das Auge blickt, nur Bänder 
und Spitzen und Spitzen und Bänder. Spitzen oben und Spitzen 
inten. Volants, Rüschen und „Chichis“, die den Eindrudh er— 
veden, als liefen sie einer denr andern nach, weil sie so har— 
nonisch übereinandergesetzt und gerafft sind. . ... Daͤe Röche 
leichen Lampenschirmen und die Frauen erwecken absolut den 
kindruch, sich geirrt und ihren Rock verkehrtrum angezogen zu 
saben! Wir wollen nicht weiter darüber diskutieren, ob diese 
neue Bewegung hübsch ist: vorausgesetzt, daß sie gefällt; das 
st alles, was man von ihr verlangt! Es gibt kein Kleid 
nehr, das micht plisstert. gekräuselt oder drapiert wäre, und 
venn die Mode je einen aglüdsichen Einfall gehabt hat, so ist 
s der ihres scharmanten Eklektizismus, der einen ganz hellen 
och mit einem ganz dunklen Jackett zusammenbringt. Oft ruhen 
ruch die Malines- oder Tüllvolants auf einem schwarzen oder 
unkelfarbigen Atlasfond, was den Anschein erweckt. als trügen 
sie Frauen Meßgewänder! Der Gegensatz von Schwarz und 
Veik ist mehr denn je modern, aber die kommende Farbe ist — 
aun! Kestanien- oder „Flohbraun“, das das ewige Marineblau 
iblösen kommt. Und da die Saison außerordenilich kalt ist. 
ieht man schon jetzt überall Pelzwerk triumphieren. Die Pac 
iserinnen, die noch in Paris sind, führen jeden Morgen auf dem 
Zentier de la vertu herrlich rote Füchse spazieren, die sie fröstelud 
mm die nadten Hälse schlingen. Gefärbter Fuchs ist nämlich 
as letzte Wort des letzten Schicks! Man bringt seine Farbe 
nait der der Roben in Einklang, aber rot trägt den Sieg über 
zrün, blau und gelb davon! Es ist das wieder mal eine 
eue Kaprice.... aber schön ist sie nicht!!.... Lulu.,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.