Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

in sehr schönes Stück, welches das kleine interessante Thema 
dit viel Läuferpassagenwerk umgibt und es in allen möglichen 
Inlagen und Schattierungen immer wieder neu erscheinen läßt. 
herr Organist Lichtwark verstand es vorzüslich, diesen Umstandi 
jußerst klar in die Erscheinung zu bringen. Ein melodienreiches. 
nodern anmutendes Intermezzyo cus der E Moll⸗Sonate von 
osef Rheinberger, dem auf instrumentalem wie auf vokalem Ge— 
siete vielgewandten und hochbedeutenden Musiker, wußte durch 
ie feine Registrierung und die vornehme Art der Wieder- 
abe viel Stimmung zu machen. Zum Schluß hatte Reger mit 
iner Passacaglia (ür diejenigen, die es angeht: Ein alter 
fanz, ein Teil einer Suite, der Chaconne verwandt) das Wort. 
Wenn uns je der Vergleich mit Bach aufgefallen ist, der so 
oft mit dem großen Kontrapunktisten angestellt wird, so war 
es bei diesem großzügigen, genialen Werke der Fall, das in 
einer Polyphonie und gewaltigen Turcharbeitung allerdings kein 
o leichtes Verständnis finden dürfte. Herr Lichtwark bewäl— 
tigte das sehr schwere Werk in bewundernswerter Weise. Herr 
F Bähnbke, der hier bestens eingeführte Sänger, unterbrach 
die Orgelvorträge mit zwei geistlichen Liedern: eins von Tvorak 
ind eins von Karg⸗Elert. Seine vortreffliche Schule, die hů bsche 
veiche Baritonstimme und das Vorwärtsstreben des Sängers 
machen es zum Genuß, ihm zuzuhören. Schade, daß die Lieder 
ein wenig tief lagen; der Sänger konnte sich nicht recht nach 
seiner hübschen Höhe entwicheln. Vor überagroßer Sentimentalität 
aber wird Herr Bähnke sich zu hüten haben. 
SSFrauengewerbeschule. In der hiesigen Frauengewerbe—⸗ 
schule wurde am Dienstag morgen die neue Leiterin Fräulein 
Flara Stohlmann in ihr Amt eingeführt. Zu diesem Zwecke 
hatten sich die Mitglieder der Vorsteherschaft, die Lehrerinnen 
ind Schülerinnen in den Räumen des Kindergartens vereinigt. 
Nach einem gemeinsamen Gesange begrüßte Herr Schulrat Prof. 
Or. Wychgram namens der Vorsteherschaft und zugleich als 
Vertreter der Oberschulbehörde in längerer Ansprache die neue 
Leiterin. Er gedachte dessen, daß die Schule nicht mur bestimmt 
iei, die jungen Mädchen auf allen Gebieten häuslichen Wirkens 
auszubilden. sondern ihnen auch Gelegenheit biete, sich auf wissen— 
chaftlichem und künstlerischem Gebiete fortzubilden, und betonte, 
daß die Schule trotz geringer Mittel und bescheidener Räumlich—⸗ 
eiten auf den genannten Unterrichtsgebieten wirklich Tüchtiges 
qgereistet habe. Wie die Feier begonnen, so schloß sie auch mit 
ꝛinem gemeinsamen Gesang. Die neue Leiterin der Schule steht 
mm 33. Lebensiahre und ist Tochter eines Arztes. Nach Besuch der 
höheren Mädchenschule in Gütersloh und der Lehrerinnenbildungs⸗ 
anstalt der Gewerbe⸗ und Handelsschule des Frauenbildungs⸗ 
oereins in Kassel bestand sie vor der Königl. Prüfungskom— 
mission zunächst das Handarbeitslehrerinnenexamen und später 
auf Grund der Vorschriften des preußischen Ministers für Handel 
und Gewerbe über die Ausbildung von Gewerbeschullehrerinnen 
vom 23. Januar 1907 die Fachprüfung für Schneidern. Nach 
mehrmonatlicher praktischer Tätigkeit in einem Braunschweiger 
Atelier, wirkte sie bis zu ihrer Wahl zur Leiterin der hiesigen 
Frauengewerbeschule als Lehrerin für Schneidern, Wäschean— 
fertigung und Handarbeiten, legte auch vor kurzem die Meister— 
prüsung für Schneidern ab. Die erfolgreiche bisherige Tätig— 
eit der neuen Leiterin bietet die Gewähr dafür, daß die ihr 
anvertrauten Schülerinnen eine tüchtige Ausbildung echalten 
werden. Da auch die übrigen Lehrkräfte der Schule sich in 
den ihnen überwiesenen Fächern bewährt haben, so steht zu er— 
warten, daß die Schule unter der neuen Leitung ihre segens⸗ 
volle Tätigkeit mit reichem Erfolge fortsekzen wird. 
DDie Teilnehmer am englischen Ferienkursus der Teachers 
Guisd versammelten sich am Mittwoch nachmittag im Kolosseum. 
Nachdem bei herrlichem Sonnenschein, der auf die vorauf— 
gegangenen Regenschauern folgte, im Garten der Kaffee einge— 
nommen war, begaben sich die zahlreich erschienenen Damen 
ind Herren in den verdunkelten Saal, um einem Lichtbilder—⸗ 
Vortrage des Herrn Direktor Dr. Schwarz, über Lübed zu 
auschen. Redner skizzierte zunächst die Lage Lübecks auf einem 
Hügel, von der Trave und Wakenitz begrenzt, besprach danm 
die nockh erhaltenen mittelalterlicher Gebäude, Tore und die 
alles beherrschenden Kirchen und zeigte an einer Auswahl von 
refflichen Lichtbildern, wie die einfachsten Bachsteinbauten mit 
den steilen Ziegeldächern, von Grün und Wasser umgeben, die 
hjerrlichen Durchblicke von engen und krummen Straßen auf die 
Kirchen mit den handgefertigten Ziegelsteinmauern, den schlan— 
sen, mit Patina bedeckten Turmhelmen in Gemeinschaft mit 
den alten Giebelhäusern, ein so überaus malerisches Zusammen⸗ 
virken hervorrufen, das auf jeden Fremden so unvergeßliche Ein— 
drücke hinterlasse und den Lübecker so fest an seine Heimat banne. 
Der herrlichen Portale mit den reich verzierten Türen und 
Oberlichtern, den Einrichtungen der Patrizierhäuser wurde ge— 
acht und zuletzt auch einige Schandflede im Straßenbilde gerügt, 
owie Beispiele unseres neuen Baustils in harmonischer Wir— 
ung mit den alten Gebäuden gezeigt. Der sehr anregende Vor— 
rag wurde von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall belohnt. 
X Vom Internationalen Polo⸗Turnier der Travemünder 
Sporiwoche. Am Dienstag morgen hat, wie wir schon be— 
richteten. das amerikanische Polo-Handikap stattgefunden, doch 
var es mehr ein internes Spiel, da sich nur 2 Mannschaften A 
Dr. Neubauer, Lt. Heinrich, H. Hasperg, Dr. Emden) weiß 
zgegen R (Ob.Lt. v. Wedel, E. Bouncker, H. Reese und H. 
Duensimg) gegenüberstanden, demm das Dresdener Team war, 
vie ebenfalls schon mitgeteilt, durch den Sturz des Herrn von 
Arnim am Montag nicht vollftändig. Außerdem mußte auch 
Reg. Ritz durch seinen Sturz am Montag ausscheiden, wãhrend 
3 andere Spieler durch kleine Unglüdsfälle (Rippen⸗ 
zuetschungen usw.) nicht spielen konnten. Das Team A ge—⸗ 
vann 2 Goals, während Team B 4 Goals erkämpfte, womit 
bas Spiel beendet war. Unparteiischer war G. Barsdorf. 
Diebstahl. Aus einem Kleiderschrank eines Gasthofes 
an der Obertrave sind in den ietzien Tagen nachbenannie Gegen⸗ 
tände gestohlen: Ein dunkles blau⸗ imd chwarzgesiceiftes 
derrenjacdett und ebensolche Weste, eine hellbraune lederne Hand⸗ 
asche und eine weiße Damenbiuse. 
o⸗ Derpaste wurde ein Arbeiter von hier, der vorsätzlich 
wei Schaufensterscheiben in der Huxstratze durch Sieinwurf 
ertrümmerte. Wegen gleichen Vergehens ist er schon mehrfach 
rbestraäft. — Festgenommen wurde eine Ärbeiterin qus 
Womasfen. die sich des Diebstahls von Kaffee zum Nachteu 
ner hiesigen Kaufmannsfirma schuldig gemacht hafte 
o. Lübeder Sommertheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt 
an uns: Der Sudermannabend, Heimat“ war auch zum dritten 
Male gut defsucht und wohnlen der Vorstellung viele Ausländer 
»es hiesigen Ferienkursus bei. Morgen wird Filmzauber“, 
diese reizende melodiöse Operette, zum 10. Wiale gegeben, 
achdem sie bereils neun ausverkaufte Häuser erzieit hat In 
dem berühmten Volksstück von, Léon: ., Gebildete Menschen“ 
velches Sonnabend hier zum ersten Male gegeben wird, pielen 
die Herren Heydeder, Hoß. Ambronn, Boegel, Göbel, Wallis, 
ind die Damen Pestel, Baliy, Reichardt, Heydegder und Riccardo 
die Hauptrollen. Sonntag wird Puppchen? zum 4. Male 
Beim, letzten Male war es wieder total ausverkauft. 
as Benefiz unseres allbeliebten Arno Hoß findet am Dienstag, 
dem 12. Aug., sait und wird er darin cine seiner besten Rolien: 
in. swielen 
seueste Nachrichten und Telegramme. 
Der Kaiser in Swinemünde. 
Swineminide, 7. Aug. Der Kaiser stattete gestern nach⸗ 
aittag um drei Uhr dem Bauhof der Hafenbauverwaltung 
inen Besuch ab und besichtigte dort das drei Meter lange 
Nodell der neuen Kaiserjacht, das zu diesem Zwecke aus 
ztettin herbeigeschafft worden und in der Speisehalle der 
afenbauverwaltung ausgestellt war. Die Besichtigung dauerte 
inger als eine Stunde. Der Kaiser kam zu Fuß und trat 
uch wieder zu Fuß die Rückkehr an. Den Rest des Tages blieb 
er Kaiser an Bord der „Hohenzollern“ und arbeitete in seinen 
däumen. Im Laufe des Nachmittags besuchten die Kinder des 
Ilbecker Kinderheims auf besonderen Wunsch des Kaisers den 
einen Kreuzer „Kolberg“ in Begleitung ihrer Schwestern und 
ehrer. Heute früh von 10 Uhr bis 2411 Uhr wohnte der 
daiser den Seeschießübungen der Artillerie bei und unter—⸗ 
ahm dann mit der Segeliacht „Iduna“ eine Fahrt. Den 
anzen Tag über war eine zahlreiche Menschenmenge vor der 
caiserjacht versammelt, ohne aber den Kaiser an Bord zu 
hen. Zur Teilnahme an den Schießübungen sind hier ein— 
etroffen: Generalinspekteur der Fußartillerie General von Lau—⸗ 
er, der Hümmandeur des zweiten Armeekorps, General der 
znfanterie v. Linsingen, und der Chef des Generalstabes des 
weiten Armeekorps, Oberstleutnant Freiherr v. Hammerstein⸗ 
ñßesmold. 
Luftfahrt. 
W. Berlin, 7. Aug. Gestern abend 7,48 Uhr landete der 
ranzöhbische Flieger Janoir mit einem Deperdussin-Ein⸗ 
ecder ohne Passagier auf dem Flugplatz Johannis:hal. 
c war um 5 Uhr früh in Etampes bei Paris aufgestiegen, 
atte sich unterwegs verflogen, war unter anderem in Holland 
esichtet worden und mußzte verschiedene Zwischenlandungen vor— 
ehmen. Günstiges Wetter vorausgesetzt, gedenkt Janoir heute 
ach Petersburg weiterzufliegen. Er will sich mit dieser Luft⸗ 
eise um den Michelinpreis bewerben. 
Für 700 000 Francs Schmuchksachen entwendet. 
Genf, 7. Aug. Eine internationale Diebesbande sucht schon 
ingere Zeit die Schweizer Expreßzüge heim. Ihr neuestes 
pfer ist ein Juwelenreisender, dem im Expreß Genf— Frei⸗ 
urg —Bern Schmucksachen entwendet wurden, deren Wert sich 
uf 700 000 Francs beläuft. Alle Grenzstationenund die großen 
uweliergeschäfte wurden von dem Diebstahl in Kenntnis ge— 
etzt. 
kin Dunamitlager in die 9 zgffloaen. — Sechzein Haufer 
er 
.7. Johannes burg —S 7. Aug. In der Orttchaft 
vermiston in BritischSüdafrika ereignete sich ein schweres 
zxplosionsunglück. Ein großes Dynamitlagetr, das 
treilende Arbeiter während des großen Streiks am Wiswaters⸗ 
tand angelegt hatten, flog in die Luft. Es erfolgte eine un⸗ 
zeheure Detonation, die kilometerweit hörbar war, und 
ine gewaltige Feuergarbe stieg in die Luft empor. 
dach den bisherigen Ermittlungen wurden sechzehn Häuser zer— 
tört und zahlreiche Personen verletzt. Bei der Größe 
er Explosion läßt sich die Zahl der Verpundeten bezw. 
oten bis jetzt nicht genau feststellen; jedenfalls ist 
er angerichtete Schaden enorm. 
Dder Friede von Bußarest. 
Die Bedingungen. 
W. Bukarest, 7. Aug. In der gestrigen Konferenz der Dele⸗ 
ierten ist der Friede zwischen Griechen, Serben und Bulgaren, 
oie schon kurz gemeldet, geschlossen worden. Die Konferenz 
at bis 8 Uhr abends gedauert und sie begann um 3 Uhr nach⸗ 
nrittags mit besonderen Zusammentünften zwischen Bulgaren und 
zriechen und Bulgaren und Serben. Man ist in allen Punkten 
deinem vollständigen Uebereinkommen gelangt. Die 
riechische Grenze geht von Mesta aus nach der Eisen— 
ahnlinie Saloniki —Serres. Sie erhebt sich dann über den Eng⸗ 
aß Struma, den sie durchschneidet, über Rupel. Kawala 
erbleibt den Griechen. Die serbische Grenze folgt 
r Wasserscheide zwischen Struma und Wardar, den Bergen 
wogro und Mala Planina entlana. Dann macht die Grenz⸗ 
nie eine ausgesprochene Biegung gegen Westen und geht über 
en Fluß Struma, wobei Strumitza den Bulgaren ver— 
leibt. In das Protokoll der Sitzung wurde das serbisch⸗ 
ulgarische Einverständnis als vollzogene Tatsache einge— 
agen. Der serbische Delegierte Spailaiko witsch hielt eine 
lede., worauf der rumänische De egierte Disescu antwortete. 
deute wird das Protokoll auch für die Griechen 
mierzeichnet und an der Redaktion des Friedensvertrages 
earbeitet. Es ist bestimmt worden, daß eventuelle Vor- 
ehalte von seiten der Bulgaren nicht direkt in den Frie— 
ens vertrag eingetragen werden, sondern in einen Annex 
es Vertrages. Man hat sich heute fehr eifrig bemüht, eine 
de vision des Vertrages durch däe Mächte zu ver— 
reiden. Rußland machte eine mit dem jüngsten Schritt Oester⸗ 
ichs ũübereinstimmende Demarche. Die drohende Revision ver—⸗ 
immt die Griechen und Serben, die ihren Instruktionen gemäß 
ie letzten Konzessionen machen, indem sie das Hinterland bis 
uim eigentlichen Kawala abtreten, und die Serben auch Stru— 
nitza den Bulgaren lassen. Auch die rumänische Opposition 
t wegen der Revisionsanfprüche der Mächte verstimmt. Der 
ühere liberale Mimister Costinescu schreibt, daß eine Reviston 
urch die rumänischen amtlichen Kreise verhindert werden und 
ah ein Frieden à la Berlin, nicht à la San Stefano, ein 
efinitiver Frieden zustande kommen müsse. In der Konferenz 
sbst wurde nichts über ein Einschreiten der Mächte mitge— 
ilt. Denn man hofft, durch esnen gemäßigten Frieden eine 
de vison zu vermeiden dder sie wenigstens auf die 
zrage von Kawala zu beschränken. Eine ungeheure Menge 
rwartete auf den Straßen die Entscheidung: Wrieden oder 
trieg. 
Der Krieg ist beendigt! — Es lebe der Krieg? 
Berlin, 7. Aug. Kaum schweigen die Kanonen am Struma 
nd auf den Abhängen des Balkan, da kommt auch die erste 
bhüchterne Kunde von dem Erwachen der bulgarischen Willens⸗ 
ärke im Widerstand gegen den türkischen Vormarsch. Der 
dampf um Adrianopel wird also vielleicht der Tragödie 
etzter Teil werden, wie er auch den Inhalt des ersten Aktes 
usgefüllt hat. Dienstag war, wie aus Sofia gemeldet wird, 
ius der Richtung Adrianopel —KütschükWak Geschütz⸗ 
»onner vernehmbar. Die Türken haben ihr 
dager im Osten von Mustafa Pafchaabgebrochen. 
W. Wien, 7. Aug. Die Blätter begrüßen den Abschlußß 
es Bukarester Friedens als ein Ereignis von auhßzer⸗ 
rdentlicher Tragweite und heben die Bemühungen Rumäniens 
m das Zustandekommen des Friedens rühmend hervor. Den 
zukarester Abmachungen werde ho⸗sfentlich bald im Interesse der 
rultur und der Menschlichkeit ein dauernder Friede folgen. 
W. Berlin, 7. Aug. Die bulgarische Gesandtschaft demen⸗ 
ert die Meldung der Agence de Athenes aus Saloniki, daß 
uf Aufforderung des Königs von Bulgarien die in den Moscheen 
on Xanthi befindlichen wertvollen Teppiche nach Sofia ge— 
racht werden sollten 
W. Konstantinovel, 7. Aug. (Meldung des Wiener t. k— 
Tel-Korr.⸗“Bureaus.) Geslern abend fand eine Versammlung 
zer Botschafter beim Markgrafen Pallavicini statt. Es wird 
ersichert. nachdem die Botschafter ihre Ansichten ausgetauscht 
zätten, sei eine völlige Uebereinstimmung festgestellt worden. 
Die beschlossene Demarche wegen Adrianopels 
indet wahrscheinlich heute statt. 
W. Konstantino pel, 7. Aug. Der Wali von Adrianopel tele⸗ 
raphiert die Aussagen dreier Türken, die sich in der Gefangen⸗ 
chaft der Bulgaren befanden und nach dem Zwischenfall in 
ztarazagora entkommen sind. Sie kennen die Zahl der Ge— 
öteten nicht. Der Wali fügt hinzu, Bulgariensei für die 
ßefangenen ein Schlachthaus. Er schlägt eine diplo⸗ 
natische Untersuchung vor. 
* * 
W. Berlin, 7. Aug. Die Postordnung soll, laut der 
Lossischen Zeitung, dahin geändrrt werden, daß cine Gebühr 
on 20 Pfennig für Warenproben von 250 bis 
2000 Gramm erhoben wird, wobei die Unterscheidung, ob 
Handelswert oder nicht, in Wegfall kommt. 
W. Bremen, 7. Aug. Der seit 18 Monaten andauernde 
Streit der hiesigen Klempnergesellen ist in einer 
estern abgehaltenen Versammlung, in welcher mit großer Mehr—⸗ 
eit die mit den Arbeitgebern getroffenen Vereinbarungen an— 
enommen wurden, beendet wurde. Die Arbeit ist heute 
rüh 8 Uhr in allen Betrieben aufgenommen worden. 
W. Bremen, 7. Aug. Wie das Bösmannsche Telegr. Bureau 
rfährt, tritt die Ermähigung des Zwischendeckfahr— 
reises nach Kanada infolge des Vorgehens der kanadischen 
bacific⸗Eisenbahn auf fsämtlichen kontinentalen Linien ein. 
W. Selsingfors, 7. Aug. Der wegen Widerstandes 
jegen das Gesetz betreffend die Gleichberechtigung der 
dussen in Finnland von einem Petersburger Gericht 
u Gefängnis verurteilte Nystader Ratsmann Blom 
st zur Verbüßung seiner Strafe unter polizeilicher Bededungç 
rach Petersburg gebracht worden. 
W. Paris, 7. Aug. Aus Mekines wird gemeldet: Die 
ranzösischen Truppen wurden im Lager von Amras von neuem 
»on aufständischen Marokkanern angegriffen. 
zin Hauptmann, ein Unteroffizier und zwei Mann sind gefallen. 
die Marokkaner wurden unter starken Verlusten zurück 
eschlagen. 
W. Barzelona, 7. Aug. Die amtlich festgestellte Zahl 
»er Streikenden beträgt in Berzelona 26 445, in anderen 
Irten 27573. Der Gouverneur unterbreitete einer Abordnung 
»er Streikenden einen Vermittlungsvorschlag des Ministers des 
Innern. Die Abordnung stellte die Antwort sür morgen in 
Aussicht. 
— In Tarrasa kam es zwischen Streikenden und Arbeits- 
villigen. die mehreren Gewerken angehören, zu Tumulten. 
* 
e 
W. Düsseldorf, 7. Aug. Ein Fabrikarbeiter namens Walner 
türzte beim Angeln in der Nähe von Schnellenburg in 
den Rhein. Er schlug mit dem Kopf auf Böschungssteine 
ind trug schwere Verletzungen davon. Der 13jährige Sohn 
prang dem besinnungslosen Vater nach und es gelang ihm, 
iesen im letzten Augenblick aus der reißenden Strömung zu 
wolen. 
Das Wehrgesetz für die Schutzgebiete 
ovom 22. Juli 1913 hat folgenden Wortlaut: 
1. 
Für die Erfüllung der Hehepflicht bei den Schuhtruppen 
ind das Erlatzwesen in den Schutzgebieten, in denen Schutz— 
ruppen bestehen, gelten die allgemeinen reichsgesetzlichen Vor— 
chriften nach Maßgabe der 88 2 bis 8. 
2. 
Wehrpflichtige Meichzangesuhe, die ihren Wohnlitz oder 
hren dauernden Aufenthalt in einem Schutzgebiet haben, können 
ur Erfüllung ihrer Dienstpflicht bei den Schutztruppen zuge— 
assen werden. Durch kaiserliche Verordnung ktann bestimmt 
Derden, daß wehrpflichtige Reichsangehörige, die ihren Wohnsitz 
der ihren dauernden Aufenthalt in einem Schutzgebiet haben. 
ndem eine Schutztruppe besteht, ihre Dienstpflicht im Schutz- 
ebiet zu erfüllen haben. 
Andere wehrpflichtige Reichsangehörige können die ihnen 
bliegenden oder freiwillige Uebungen bei den Schutztrupper 
ibleisten, falls der Reichskanzler (Reichskolonialamt) und das 
usländige Kriegsminifterium (8 8) zustimmen. 
Uebungen der Landwehrmannschaften können auch inn An— 
chluß an einzelne Truppenteile einer Schutztruppe erfolgen. 
3. 
Die aktive Dienstzeit in d Schutztruppe für Südwestafrika 
heträgt zwei Jahre. 
84. 
Wehnrpflichtige Reichsangetorcge können der aktiven Dienst— 
flicht als Ein- oder Mehrjährig-Freiwillige in der Schutztruppe 
ür Südwestafrika genügen; haben sie in Europa hren Wohn— 
itz, so bedarf es der Zustimmung des Reichskanzlers (Reichs⸗ 
olonialamts) und des 53 — Kriegsministeriums (8 8). 
Der Reichskanzler (Reichskolonialamt) wird ermächtigt, in 
»en Schutzgebieten, in denen eine Schutztruppe besteht, Aus— 
sebungsbezirke zu bilden und an Stelle der im 8 30 des Reichs— 
nilitärgesetzes vom 2. Mai 1874 GReichsgesetzbl. S. 45) da⸗ 
ür vorgesehenen Behörden besondere Schutzgebietsersatzbehörden 
u bestellen. Die Geschäfte der Ersatzkommission und der Ober⸗ 
rhatzkommission dürfen hierbei ein und derselben Behörde über⸗ 
ragen werden. 
Bei den Aushebungen sirde eine Losung nicht statt. 
Militärpflichtige Reichsangehörige, die ihren Wahnsitz vder 
hren dauernden Aufenthalt in einem Schutzgebiet haben, in 
jem eine Schutztruppe besteht, sind im Aushebungsbezirk des 
auernden Aufenthaltsorts oder in Ermangelung eines solchen 
im Aushebungsbezirk des Wohnsitzes gestellungspflichtig. 
Militärpflichtige Reichsangehörige, die sich vorübergehend 
n einem solchen Schutzgebiet aufhalten, können sich im Aus— 
vebungsbezirk ihres Aufenthaltsorts gestellen. 
87. 
Weiche Däaenyststellen die im 8 31 des Reichsmilitärgesetzes 
vvrgeschriebenen Stammrollen zu führen haben, bestimmt der 
sᷣouverneur. Die Anmeldungen können schriftlich erfolgen. 
88. 
Die Zeit der Einstellung und die Zuweisung zu einem 
Lruppenteil wird für die zu einer Schutztruppe ausgehobenen 
Nannschaften vom Gouverneur, für die zum Heer oder zur 
Narine ausgehobenen Mannschaften von den Kriegsministerien 
der dem Reichsmarineamt bestimmt. 
Dae Zuständigkeit der Kriegsministerien bestimmt sich nach 
m Geburtsort des Wehrpflichtigen oder, falls er nicht im 
deichsgebiet geboren ist, nach dem letzten Wohnsitz der Eltern 
der Familienhäupter im Reichsgebiet. Ist ein solcher Wohnfitz 
richt zu ermitteln, so entscheidet die Staatsangehörigkeit des
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.