Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

— be 
J -F 
— — 
— — 
2 83 66 
3 —A 8 
z—— 
* 
—E 
—— 
Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens un⸗ 
abends, Sonntags morgens erscheinend. Bezugs 
preis für das Vierteljahr 8,80 Mark einschließlic 
Bringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen ohne 
Bestellgeld 358830 Marl. Einzelnummern 10 Pfg. 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund 
Anzeigenpreis CAussgabe A und B) für die 
Zeile 20 Pfg. Kleine Anzeigen (Arbeitsmarkt usw. 
5 Pfg., für Auswärtige 30 Pfg. s. Geschäftl Mit 
eilungen 1Ml. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Satz den Anforderungen entsprechend höher. 0 0 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübeck 163. Jahrgang Lachrichten fur das herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz⸗ und Verordnungsblatt BB⸗ —3 Fürstentũmer Ratzeburg, Lübed und das angren⸗ 
—o—— — eze — —E —— zende mecklenburgische und holsteinische Gebiet, 
drudd und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. S. in Lübeck. — Geschäftsstelle Adrennuus Gönigstr. 46). Fernsprecher 9000 u. ↄ001l. 
Atee 
Erstes Blatt. Hierzu 2. Blatt — 
sowie „Vaterstädtische Blätter“ Nr. 44. 
Umfang der heutigen Nummer 10 Seiten. 
————⏑⸗ ——— —AXXEZECC 
lnichtamtlicher Teil. 
Politische Wochenschau. 
Am Balkan ist Waffenstillstand eingetreten und Friedens— 
verhandlungen haben in Bukarest begonnen. Schon der Umstand, 
daß die Waffenruhe vor dem Abschluß des vorläufigen Friedens 
eintrat, bezeugt den mäßigenden Einfluß, den Rumänien auf 
Serben und Griechen ausübt. Auch die rumänische Geschäfts— 
leitung, die den Beteiligten in weitem Umfange Sonderver— 
handlungen gestattet, ist wohl geeignet, das Zustandekommen 
des Friedenswerkes zu fördern. Ob indessen sein Abschluß binnen 
wenigen Tagen erreicht werden kann, erscheint trotzdem zweifelhaft. 
Die Ansprüche der Sieger werden sich mit dem Versuch Bul— 
gariens, aus seinem Schiffbruch möglichst viel zu retten, wohl 
nicht schnell in Einklang bringen lassen. Bleibt in dieser Beziehung 
ein Zweifel berechtigt, so dauert die Unklarheit betreffs der neuen 
Adrianopel-Frage unvermindert fort. Aus Sir E. Greys Er— 
lärungen geht hervor, daß daie Mächte noch unschlüssig sind, 
relche Lösung der Adrianopel-Frage sie versuchen sollen. Man 
chwankt offenbar zwischen der Geneigtheit, auch der Türkei 
die Geltendmachung desselben Eroberungsrechtes zu gewähren, 
dessen die Balkanstaaten gegen den Willen der Mächte sich be— 
dienten, und zwischen der Auffassung, daß die Autorität des 
Londoner Vorfriedens von der Türkei nicht verletzt werden dürfe, 
umal da in der Skutarifrage die gewaltsame Einmischung 
Europas erfolgte. Wer unbefangen urteilt, darf die schwierige 
Lage der Großmächte nicht verkennen. Soll ihr einmütiges 
Zusammenwirken aufrecht erhalten werden, so bleibt kaum etwas 
anderes übrig, als ein zwischen jenen beiden Auffassungen liegen— 
des Kompromiß zu schließen, dessen Erz'elung naturgemäß nicht 
leicht ist. Bei der Schwäche des ottomanischen Reiches handelt 
die Pforte weise, wenn sie sich nicht darauf versteift, Adrianopel 
unter allen Umständen zu behaupten. Schon die sichere Aussicht, 
daß sie sehr bald mit dem erstarkten Bulgarien um Adrianopels 
willen einen neuen Kampf würde bestehen müssen, sollte sie 
dem Verzicht auf die Maritzastadt geneigt machen, wofern sie 
eine bessere Grenze und sonstige Vorteile dafüt erhält. Ob zu 
den Vorteilen eine neue Zollerhöhung gehören wird, wie aus 
französischer Quelle verlautet, sei dahingestellt. Der finanziel'en 
Kräftigung der Türkei käme eine Zollerhöhung gewiß zustatten; 
— V 
der übrigen Staaten, die wirtschaftlich durch die iangen Balkan— 
rerwickelungen stark genug in Mitleidenschaft gezogen sind. 
Wenigstens die Regelung der albanischen Verhältnisse ist 
von der Londoner Botschafter-Vereinigung insofern zu einem 
—— 
boater, Knne und Mißenschatt. 
. K. Keosihare Autographen. Aus Paris wird berichtet: 
Ansehnliche Preise erzielten einzelne Stücke einer sehr schönen 
Autographensammlung, die kürzlich zur Versteigerung gelangte. 
kin Brief von Karl IX. an seine Schwester, die Königin von 
Spanien erzielte 1453 Frs.; eine merkwürdige Randbemer— 
ung Napoleons J. auf einem Briefe von Marmont: „Wenn es 
vahr ist, daß dieses Dorf den Aufruhr gepredigt hat, so müssen 
300 Mann dorthin gesandt werden und die drei Männer, die 
zen Aufruhr gepredigt haben, müssen ausgeliefert werden oder 
nmag muß sie mitten auf dem öffentlichen Platz hängen. Wer— 
den die Männer nicht ausgeliefert, läßt man das Dorf plündern 
ind niederbrennen“, wurde mit 1115 Frs. bezahlt, währand eine 
indere Randbemerkung, „Napol“ unterzeichnet, nur 455 Irs. 
ꝛxzielte. Ein sehr schöner Brief des Papstes Sixtus V. an 
Henri III. brachte 1710 Fes., ein Brief des Herzogs von 
Fnahien 300 Frs., ein Brief der Kaiserin Josephine an Menne— 
»al 510 Frs., eine einfache Quittung La Fontaines 330 Frs., 
ein Brief der Marquise von Sévigné 545 Frs, ein Billett 
don Charles Stuart, genannt der „Junge Prätendent“, 210 
Francs und eine Quittung von Xaintrailles, einem der kriege— 
ischen Begleiter der Jungfrau“ von Orleans, 350 Frs. 
dt. Der neue Rektor der Beriiner Universität. Aus Ber⸗— 
in schreibt man uns: Die Frage, wem die Würde des Rek— 
tors für das neue Studienjahr der Berliner Universität zu— 
tallen würde, ist in den letzten Tagen eifrig diskutiert worden. 
Man nannte mehrere Namen, aber wie unsicher die Vermu— 
tungen waren, ergab sich bereits aus der verhältnismäßig hohen 
Zahl der Nennungen. Nun ist die Wahl vor sich gegangen und 
gleich in dem ersten Wahlgang wurde sie zum Abschluß 
gebracht. Von 95 Stimmen vereinigten sich ⸗24 zur Wahl des 
Heh. Regierungsrats Prof. Dr. Max Planck, des bedeutenden 
Physikers. Planck ist seit Jahren der leitende Direktor des 
Instituts für theoretische Physik, und gehört dem Lehr— 
körper der Berliner Universität schon seit 20 Jahren an. Er 
teht noch in der Vollkraft der Jabr,, ist heute ein 85iähriger. 
Sein äußerer Entwickelungsgang verlief glatt und einfach und 
führte ihn rasch dem Lehrstuhl zu, dem er lein Haubtschaffen 
widmen sollte. In München habilitierte er sich, sünf Jahre 
darauf ist er auferordentlicher Professor in Kiel, 1889 landet 
ex in Berlin. Einen Ruf nach Mien, der ihn im Jahre 
Sonntag, den 3. Auguft 19153. 
gewissen Abschluß gelangt, als das Verfassungs- und Ver-1 
vallungs-⸗Statut erledigt wurde. Während sich die Wiener 
Presse über den Inhalt dieses Statuts befriedigt äußert, tritt 
n Rom über die Gestaltung der albanischen Südgrenze noch 
eine gewisse Unruhe hervor. 
Der Balkan⸗-⸗Umsturz scheint den Unternehmungsgeist des 
kxpräsidenten Castro neu beflügelt zu haben. Man muß 
ndessen doch wohl abwarten, ob die revolutionäre Bewegung 
n Venezuela tatsächlich auf den alten Verschwörer zurückgeht. 
reider wird die Unsicherheit der Regierungsverhältnisse, wie 
ie in Ländern von der Vergangenheit Venezuelas überliefert ist, 
nehr und mehr auch in Mexiko heimisch, wo die eiserne 
zand des Porfirio Diaz endlich Ruhe geschaffen zu haben schien. 
zür die europäischen Gläubiger Mexikos macht sich diese Ent— 
zickelung in dem starken Fallen des Kurses der mexikanischen 
ztaotspapiere recht unangenehm bemerkbar. Umgekehrt können 
zicht minder zahlreiche europäische Gläubiger Chinas mit Ge— 
tugtuung den Sieg dier Zentralregierung über den rebellischen 
Süden feststellen. 
Finanziell-wirtschaftliche Gründe haben das Ende der Landes⸗ 
rutonomie Böhmens herbeigeführt. Die tschechische Verwal⸗ 
ungskunst, auf jede mögliche Weise die Deutschen zu benach- 
eiligen, ist damit zusammengebrochen. Ob jedoch die Zusammen— 
etzung des von der Regierung gebildeten Verwaltungs-Aus— 
schusses eine rechtmäßige Behandlung der Deutschen gewährleistet, 
ist bei der Persönlichkeit des Versitzenden, Grafen Schönborn, 
und wegen des Nationalismus von 5 tschechischen Mitgliedern un 
so zweifelhafter, als der Tschechenfreund Graf Thun Ctattfhalter 
Böhmens bleibt. 
Die Stille in der inneren Politik Deutschlands 
zurde durch den Beginn des Krupp-Prozesses in recht 
merfreulicher Weise unterbrochen. Daß die Oeffentlichkeit nur 
in beschränktem Maße ausgeschlossen wird, ist zu begrühen, da 
jerade die Oeffentlichkeit derartiger Strafverfahren ein wirk 
ames Vorbeugungsmittel gegen Verfehlungen bedeutet, wie 
jee dem Krupp⸗Prozeß zugrunde liegen. Daß die sozialdemo- 
ratische Presse alle ihre Trommeln und Trompeten in 
Zewegung. setzt, um diesen Prozeß agitatorisch auszubeuten, 
st im gegenwärtigen Augenblick doppelt begreisflich. Denn der 
ßericht den der Parteivorstand an den lommenden 
kengaer Parteitag erstattet hat, muß auf Grund der Mitglieder— 
bewegung, die innerhalb der letzten 9 Monate bei der sozialdemo— 
kratinczen Partei stattfand, Stagnation feststellen. Nur um 1,3 06 
jat die Mitgliederzahl gegen das Voriahr zugenommen, während 
der Zuwachs in den letzten 3 Jahren zwischen 13,600 und 16, 100 
betrug. Die Einnahme an Beiträgen aus den Organisationen 
st aber nicht einmal um 1,300, sondern nur um 0O. Se⸗ gestiegen. 
Infolgedessen ging die Gesamteinnahme von 1,97 Mill. M 
. J. 1911-12 auf 1,68 Mill. Mei. J. 1812- 13 zurück. 
essenungeachtet konnte die Partei nicht weniger als rund 
15 000 Miäihrem Vermögen zuführen. Das ist ein Betrag, der 
zie bürgerlichen Porfteien mahnt jede Ueherschäkung der soriof- 
1907 traf, lehnte er ab.' Geh. Rat Planck hat neben seiner 
hrtätigkeit eine nicht allzu umfangreiche, aber in ihren Er— 
jebnissen bedeutende wissenschaftlich-schriftstellerische Wirksamkeit 
intfaltet. Ihr Schwerpunkt liegt in der Fundierung der Lehre 
»on der Erhaltung der Energie. „Prinzip der Erhaltung der 
Fnergie“, so nennt sich eines der Werke, in dem er zum ersten 
Nale diesen Forschungskomplex aufgriff. Ihm fsolgte der 
Grundriß der allgemeinen Thermo-Chemie“, dann die „Vor— 
»sungen über Thermo-Dynamik“ und die „Vorlesungen über 
ie Theorie der Wärmestirahlung“. Planck ist Mitglied der 
zerliner Akademie der Wissenschaften, auch Mitglied der Aka— 
emie von Upsala. Zu Dekanen sind gewählt: Professor 
hzarnack (Theologe), Kahl (Jurist), Sehring Mationalöko— 
om), Passow (Ohrenarzt), fämtlich Träger berühmter Namen. 
Zur Berliner Intendantensrage schreibt das B. T.: Es ist 
ach unseren Informationen nicht mit unbedingter Sicherheit zu 
cwarten, daß Herr v. Chelius das ehrenreiche, aber auch 
ornenvolle Amt des Generalintendanten, falls es ihm ange— 
ragen wird, annimmt. Vielleicht glaubt er sich vdicht mehr 
ing genug dasür, und es ist auch denkbar, daß er selbst den 
Nangel jeder praktischen Vorarbeit vermißt, wie sie Hülsen 
reinerzeit aus Wiesbaden mitgebracht hat. Wenn Chelius 
blehnt, käme vielleicht der jetzige Wiesbadener Intendant, 
derr v. Mutzenbecher, in Frage, der das Hoftheater dort nach 
zen Intentionen Hülsens leitet, sich aber im Spielplan des 
Schauspiels manche Freiheit gönnt, die das Berliner Institu 
ich glaubt versagen zu müssen. 
Maxim Gorki schwer erkrankt. Aus Mailand wird 
elegraphisch gemeldet, daß Maxim Gorki sich nach Rimini 
egeben hat, weil seine Krankheit sich sehr verschlimmerte. Die 
lerzte hoffen jedoch, daß ihm das Klima Riminis Heilung 
ringen wird. 
Ein Automobilunfall der Schauspielerin Helene Odilon. 
delene Odilon, in Lübed noch bestens den älteren 
heaterbesuchern in Erinncrung, unternahm Donnerstag vor—⸗ 
nittag eine Autofahrt nach Laibach. Ihr Gatte Dr. Prad⸗ 
van, welcher den Kraftwagen lenkte, wollte unterwegs einem 
ntgegenkommenden Radfahrer ausweichen. Das Automobil 
berstürzte sich dabei. Dr. Pradwan und ein zweiter Insasse 
zurden leichter verlekt. Helene Odilon wurde bewußtlos 
Morgen-Blatt Nr. 387. 
. 
demokratischen Stagnation zu vermeiden und an Opferwillig⸗ 
keit es den, Genossen“ gleich zu iun. Macht die Stagnation der 
Sozialdemokratie ihrer Parteileitung Sorgen, so sieht sich die 
sozialdemokratische Reichssstagsfraktion wegen der 
Zustimmung zum Wehrbeitrag und zur Besitzsteuer in Parteiver⸗ 
ammlungen immer heftigeren Angriffen ausgesetzt. Der Aus— 
tausch anmutiger Bezichtigungen zwischen Kautsky und 
Mehring tut ein übriges, für die Würze der Jenaer Ven— 
handlungen zu sorgen! bpt· 
heer und Flotte. 
Die neuen Kriegsschulen. Die Erhöhung der Offizieretats 
die durch die neue Heeresvorlage notwendeg geworden ist, 
hat zu außerordentlichen Maßnahmen der Heeresverwaltung ge— 
führt, um den Fahnenjunkern den Besuch der Kriegsschulen zu 
ermöglichen. Der Bau von zwei neuen Kriegsschulen in Brom— 
berg und Erfurt soll dem Zwech dienen, der erhöhten Anfor— 
derung von Offizieren gerecht zu werden. Sie werden aber erst 
1914 und 1916 so weit sein, dak sie für Lehrzwecke zu be— 
rutzen sind. Die Heeresverwaltung hat darum zunächst eine 
zedeutende Dienstverstärkung der Kriegsschulen Danzig, Neiße, 
Slogau, Kassfel und Metz angeordnet. In den ersten drei Kriegs— 
chulen sind zwei neue Hörsäle eingerichtet worden, von denen 
ieder 25 Kriegsschüler mehr aufrunehmen imstande ist. Die 
Kriegsschule Kassel erhält 24 Hörer mehr als bisher und in 
Metz ist ihre Zahl um 12 vermehrt worden. Ferner wurden 
in Groß-Lichterfelde zwei besondere Kriegsschulklassen errichtet, 
in denen 90 Kadetten nierrichtet werden. Dadurch sind 90 
Plätze auf den Kriegsschulen, für die Fahnenjunker frei ge— 
vorden, die ihre Vorbildung auf Gymnasien und anderen An— 
dtalten erhalten haben, so daß insgesamt rund 300 Mehrstellen 
für den ersten Bedarf geschaffen worden find. Nach Fertig⸗ 
tellung der Kriegsschulen in Bromberg und Neiße sind im ganzen 
2 Kriegsschusen vorhanden 
Ueueste Nachrichten und Telegramme. 
Die Nordlandreise des Kaisers. 
V. „Bertgen, 2. Aug. Der, Kaiser ist gestern abend 
) Uhr 45 Min. vor Bergeneingetroffen“ Der Kaiser 
rahm hente das, Frühchüd bei dem Konsul Mohr ein und ge— 
denkt bis zum 4. abends oder 5. NAugust gzanz früh hier zu 
bleiben. Die Ankunft in Swinemünde ist am 6. August nach— 
mittaas. Hier herrscht kühles Meftor gfrn Bord ist alles wohl. 
Unfall des Prinzen Friedrich Sigismund. 
W. Danzig, 2. Aug. Prinz Friedrich Sigusmund 
on RPreußen, der seit gestern dem hiesigen 2. Leibhusaren 
tegiment zugeteilt ist hat heute mortgen einen Unfall 
erlätten Das Pferde, das der Prinzritt, bu mte 
Jusund a dhn pee Der Primnz hat einz8 
Buusncch des rechten Wadenbeines ertitten und sich 
in die Behandlung des Professors Barth begeben 
— — — — 
nach Cilli transportiert. Im dortigen Spital wurden bei ihr 
gefährliche innere Verletzungen festgestellt. — Wie eine spätere 
Meldung besagt, ist die Odilon wieder bei vollem Bewußtsein. 
Karl Lamprecht nach Hamburg berufen? In Leipzig heißt 
es, der berühmte Historiker der dortigen Universität, Ge— 
zeimrat Prof. Dr. Karl Lamprecht stehe mit der Ham 
zurger wissenschaftlichen Stiftung in Unterhandlungen, um die 
sNachfolgerschaft des kürzlich nach München gegangenen Geheim— 
ats Prof. Dr. Erich Mards zu übernehmen. Lamprecht soll 
ingeblich nicht abgeneigt sein, den Ruf anzunehmen. Es hat 
denig Wahrscheinlichkeit, daß die sächsische Regierung und die 
Iniversität Leipzig einen Gelehrten wie Lamprecht leichten 
herzens ziehen lassen wird. Sucht sie doch im Gegenteil, wie 
der Fall Köster gezeiat hat. hervorragende Gelehrfe festzu— 
jalten. 
Ein neuer Handn entdedt. Unter dem musikalischen Bestand 
er alten Hofkapelle des Fürsten zu Fürstenberz in Donau— 
schingen wurde eine bisher ganz unbekannte Sinfonie in 
D-Dur von Josef Haydn aufgesunden. Die Sinfonie weist die 
iblichen vier Sätze auf. 
Für ein Reichsfümmonopol tritt Reg. Rat Dr. Frilinghaus 
ein. Man dürfe die Gelegenheit zu einer gesetzlichen Regelung 
der Materie jetzt, da die Konzessionsnovelle dem Reichstag 
zugehen soll, nicht versäumen. Eine Aktiengesellschaft der Film— 
ndustrie wird in ähnlicher Weise, wie sie für das Petroleum— 
nonopol geplant ist, vorgeschlagen. Das Reich kann sich einen 
Teil der Aktien sichern oder in anderer Weise am Gewinn 
zeteiligt werden. Von dieser Gesellschaft soll jeder Film, der 
in Deutschland aufgesührt wird, entliehen oder gekauft werden, 
pährend es dem Unternehmen äberlassen bleiben soll, ob es 
die Films kaufen oder selbst herstellen will. Neben dieser 
Aktiengesellschaft sollen andere Verleihinstitute nicht mehr be— 
tehen, angekaufte Films dürfen nur im eigenen Betrieb benutzt 
verden. 
Zolas „Germinal“ im Filnn. Der Minenarbeiterroman 
„Germinal“ von Emile Zola ist für den Film bearbeitet worden. 
kine französische Gesellschaft wird ihn herausbringen. Die 
eingehende Milieuschilderung des großen Romanziers ist fün 
»ie Uebersetzung ins Kinematographische eine aute Unterlage.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.