Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

. zu. — I J— V— 
A 9 5 * 3 4 
A 356c——— 
*AA ——— 
J— 
Ausgabe AM. 
Dder Krupp⸗Prozeß. — 
2. Tag. 
(Fortsetzung aus dem Morgenblatt.) 
Verhandlungsffährer: Wissen Sie, wer das 
Malterial Herrn Liebknecht, übergeben hat? Zeugde; Meiger 
esten Ueberzeugung nach kann nur Herr v. Menen in Frage 
ommen. Verhandlungsführer: Sie selbst kommen nicht 
in Frage? Zeuge: Nein, ich wäre ein Idiot, wenn 
sch mich mit Herrn Liebknecht in Verbindung gesetzt hätꝛe. Man 
hereitet sich doch nicht selbst Unannehmlichkeiten. Berhand⸗ 
duüngsführer: Es ist die Rede davon geweten, daß Sie 
hei der Verwahrung der Kopien nicht die sotwendige Sorg— 
kalt und Vorsicht geübt hätten; so haben Sie Kopien mit in 
Ihre Wohnung genommen. Zeuge:, Ich habe einige Kopien 
mit in die Wohnung genommen, um sie dort zu vernichten, im 
Bureau hätte ich dazu keine Gelegenheit gehabt. Berhand- 
ungsführer:, Sie haben das Material nicht etwa ab— 
ichtlich zurückbbehalten, vielleicht um eine Waffe in der Hand 
u behalten, wie es Herr v. Metzen getan hat? Zeuge; Nein, 
venn mir, derartiges in den Sinn, gekommen wäre, hätte ich 
dem Direktor Dreger von dem Gespräch mit Herrn v. Metzen 
icher keine Mitteilung gemacht. Das Material habe ich, mit 
iach Hause genommen in der Absicht, es dort zu vernichten, 
etonders das beschlagnahmte Notizbuch. Ueber actillexistische 
heheimnisse Kruppfcher Patcute glaube ich nie gesprochen zu 
saben; keineswegs habe ich über Kruppsche Seheimsachen ie— 
nals etwas verlauten lassen. Rechtsanwalt Alhrecht: Hat 
der Zeuge nicht neben seinen Umzugskosten zuch Ausgaben für 
Möbelverrechnung in die Liquidation hineingeschustert? Reuge: 
Has entsprach den Abmachungen mit dem Dirxektorium, Rechts- 
inwalt UÜllrich: Hatte der Zeuge Aussicht oder Hoffnung, 
einmal Geschäftsvertreter der Fixma, Krupp in Berlin zu wer— 
den? Zeuge: Eine ähnliche Aussicht ist mir eröffnet wor— 
veun ich habe, auch kein Hehl daraus gemacht. Auf das Herab— 
drücken der Krupppreise mußte bei eineren Heereslieferungen 
hingearbeitet werden, weil die Armeeverwaltung ein Interesse 
daran hatte, daß Krupp sich auch an diesen Lieferungen be— 
eilige. die bis dahin absichtlich abgelehnt wucden. Rechts— 
mwalt UllIrich: Mußte nicht Krupp die kostspieligen Vorver— 
uüche auf die Vreise schlagen? Zeuge: Gewiß, es mußte 
deshalb gauf die Konkurrenzpreise eingewirkt werden. Rechts— 
anwalt Ullxich: War, der Zeuge dahin instruiert, daß es 
wischen der Armee und Krupp lkein Geheimnis gebe? Zeuge: 
Das trifft zu, je mehr Krupp erführt, desto hefser für die 
Armee. Rechtsanwalt Dr. Wirth: War es dem Zeugen ver— 
boten, kameradschaftlichen Verkehr zu beruflichen Zwechen zu 
pflegen? Verhandlungsführer:; Wir wollen doch hier 
nicht der Urteilsbildung im Hauptprozeß in Moabit vorgreifen. 
Die Frage wird zurückgezogen) ß Bßeuge Braudt (auf 
Befragen)? Den Angeklagten Tilian lernte ich auf einem 
Kegelabend kennen, wobei ich ihm meinen Wunsch vortrug, den 
ich für völlig harmlos hielt. Ich wollte nämlich die Konkurrenz⸗ 
preise wissen. Regelmäßig fanden die Zusammenkünfte nicht 
statt. Meine früheren Aussagen in der Unkersuchungshaft sanden 
unter dem Eindruck einer seelischen Depression statt. Ich hatte 
Selbstmordgedanken und litt noch unter den Folgen 
einer Gehirnerschütterung. So ist es gelommen, daß ich nich! 
Serr meiner Sinne war. Das Protokoll ist voll Unrichtig— 
leiten. Mit Tilian traf ich mich in einfachen Bieclolalen. 
Wenn ich auch einmal das Bier und etwas Essen bezahlt habe, 
— 
gefaßt. Von Sektgelagen ist keine Rede. In jsechs Jahren 
haben wir zu Hause vielleicht acht Flaschen Sekt getrunken. 
Auch in, Winzerstuben haben wir keine Sektgelage veranstaltet. 
Kleine Darlehen von 10520 Mähat Tilian mir stets gleick 
wiedergegeben. Anklagevertreter Dr. Welt: Der Zeuge hat 
bei jeiner Vernehmung nie etwas davon verlauten lassen. Hätte 
er es getan, dann wäre selbstverständlich jede Rücksicht geuommen 
werden. Zeuge Brandt: ‚Es tut mir deute leid, daß 
ich von meinem krankhaften Zustand keine Mikteilung gemacht 
habe, ich war eben völlig gebrochen. Kurz vor meiner Ver— 
haftung hatte ich mir durch einen Unfall eine Gehirnerschülte— 
fung Zugezogen, die mir sehr zu schaffen machte. Rechtsanwalt 
Dr. Barnau beantragt die Ladung des vraktischen Arztes 
Dr. Wangemann⸗Friedrichshagen, der Brandt hei seinem Un— 
fall behandelt hat. Dr. Wangemann doll sich über de .Art 
und Schwere des Unfalles und seine Folgeerscheinungen außern. 
.Der Zeuge macht, dann Mitleilüngen über seine Be— 
ziehungen zu Dröse. Er hat früher bekundet, Dröse hätte eine 
Gefälligkeit von ihm verlangt und u. a. gewünscht, von Krupp 
angestellt zu werden. Darauf habe er geantwortet, er woile 
in dem gewünschten Sinne tätig sein, wenn er als Gegenleistung 
von Dröse Nachrichten erhalte und dieser hm Auszüge aus 
dem Bestellbuch beschaffe. Heute behauptet der Zenge. die 
damaligen Aussagen seien falsch gewesen oder nicht recht wieder 
gegeben. Ich befand, mich, wie ich vorhin schon auherte, be 
meiner Vernehmung in einem ganormalen Zustand. Ich kann 
dem Argeklagten Dröse gar, nicht ein solhhes Versprechen ge⸗ 
macht haben, denn mein Einfluß ging nicht so weit umn Drose 
bet, Krupp anzubringen. Anflagevertrefer Dr. Welt: Sie 
hätten die Unterstützung des Herrn v. Schütz nachsuchen dönnen. 
Zeuge:,. Herr v. Schütz hätse es unbedingt abgelehnt, etmas 
in einer soschen Sache zu tun. Er hatte mir voch sirite ver⸗ 
boten, zur Erlangung von Informationen unerlaubte, Mitrel 
anzuwenden. Der Zeuge betont dann nochmals, er habe keime 
Auszüge von Dröse erhalten und fährt fort: Wenn ich frühe? 
Hegenteiliges behauptet habe, so ist dies auf den Einfluß meiner 
jeelischen Depression zu setzen.“ Angeklagter Dröse habe ihm 
auf seinen Wunsch Einblick in das Bestellbuch gegeben. Auge— 
klagter Dröse: Nein, das war das Forderungsbuch, in 
den keine Preise enthalten sind. (Es wird festgestestnn, daß der 
Inhalt der, Bücher sich materiell nahezu dedt.) Z3euge: Welches 
Material ich von dem Angeklagten Schleuder erhalten habe, 
fann ich nicht sagen, regelmähige Zusammenfünfte hatten wir 
nicht. welche Geldbeiräge ich ihm gegeben habe, weiß ich nicht 
mehr. im ganzen vielleicht 200 Miafür seine Auslagen, für 
ZRutomobile und Porto. So viel ich weiß, habe ich ihm keine 
Weihnachts gratififgsipnen gegeben. Angetiggter Sheen der? 
Ich habe tatfächlich nur meine Auslagen exstattet erhalten, nie— 
nals habe ich Brandt gefagt, daß ich im Dalles sei. Zeuge: 
Ich habe das leßztere aber des öfteren herausgehört aus feinen 
dedewendungen. Von dem KAngeklagten Hoge habenich einzeine 
otizen üher Konkurrenzpreise erhalten, Rechtsauwalt Ulir ich 
Betrafen diese Preise die kleinen Feidhaubißen? Hat Soge sich 
urch Blumenarrangements an Frau Brandt revanciert? 
Zeuse; Die meisten Kornwalzen bezogen sich auf diese Wafie. 
Heldgeschenke habe ich ihm nicht gemacht. es waren immer 
Auslagenerstattungen. Hinst verkehrte bei uns zu Hause und 
da bringen die, Herren, durchweg Blumen mif. Rechtsanwalt 
Alhrich: Hinst bestreitet, Wehnachtsgratifikatignen erhalten 
zu haben. Zeuge Brandt; Das, stimmt. Beifiker Saupt- 
mannged · Langendaorff: Es ist doch eigenartig, dah. waäh— 
rend Braudt die Verbindung aus geschäftlichen Rüdssichten suchte, 
die Angellagten ihm die Rachrichten gis Freundschaf!« hewe'se 
gaben. Zenge: Hätte man mir Geldforderungen vorgelegt, 
o hälte ich die Beziehungen sofort abgebrochen. Kriegsgerichls- 
rat Dr. Welt: Dem üÜngeklagten Schmidt rechne ich es hoch 
an. daß er Gewissensbisse hatte und sich verseßen lief. Ver 
handiungsführer? Besonders sollen Sie sich dem An— 
geklauten Hoge gegenüber als künftiger Direktot oder als Nach— 
solger des Herrne v. Meben aufgespielt haben. Angeklagter 
So qe:; Zeuge Brandi hat mich derartig ausgefragt“ daß h 
nur seine Ansichten und Erfahrungen, zu bestattgen hatte 
Zeu F Ich war über alles informiert. Angetlagter Hoge: 
Ich hatte in meiner Rafe vieifach mit Bauten zu tun und 
Fuutteg B. bei Teznponanlagen auch mit Unternehmern ver⸗ 
adeht VBexrhandlungs ührer: Das ist efiwas ganz 
andere im. Verkehr mit Brandt waren Sie zu Auskünften 
nicht rechtiaf NAndetigater k ehbeu. „c 
m 
— 9 —— J 
—V — 49 3 
——— 4 — 6 — 
— 8 —5*22 — — — 
— V⏑————— — — 6 “ 
—— — —38 —5 
it 
Sonnabend, den 2. August 1915. 
Abend⸗Blatt Ur. 386. 
jenntoorschriften ungehorsam gewesen zu sein. Dag ich durch 
ßandschlag zur Verschwiegenheit verpflichtet worden bin, ist mir 
richt bewußzt. Ich habe den Handschlag durch den Genetal zut 
ils Begrüßung gufgefaßt. Berhandlungsführer: Das 
haben Sie als Offizier geglaubt, Herr Leutnant Hoge? Be— 
vegung.) Darauf tritt eine halbstündige Pailse ein. Vor—⸗ 
äufiger Schluß 1 Ahr itt fit 
achmittagssitzung. 
Um 13 Uhr eröffnete der Verhandlingefüh er Kriegsgerichts- 
at Di. Coerrens wieder die Sizung. Major Sames 
»om Feuerwerkslaboratorium in Spandau gibt Kenntnis von 
iner Verfügung der Feldzeugmeisterei, die dem Unterpersonal die 
derpslichtung zur strengsten Dienstverschwiegenheit guferlegt. 
Oberstleutnant Jung vom Kriegsministerium wird 
»ann darüher vernommen, ob eine Verfügung besteht, durch die 
er, Firma Krupp Vorrechte eingeräumt werden. Er hemerkt: Die 
Behanuptung, daß die Firma Krupp eine Vorzugsstellung genieße 
ritt sehr haͤufig auf und ist auch jetzt wieder vorgebracht worden 
Ich bin seit 1899 im Kriegsministerium tätig und habe seit dem 
»auernd mit den Ausschreibungen zu tun. Ich kann die Behaup⸗ 
ung von der Existenz einer derartigen Verfügung nur guf das 
nischiedenste zurudweisen. Es besteht eine Vecfügung, die vor— 
d,reibt, daß die Firma Krupp zu den Ausschre:bungen zugezogen 
verden muß, wie die Aufträge später erteilt werden, ist eine ganz 
indere Sache, Ich wiederhole, daß eine VBerfügung, durch die 
»er Firma Krupp eine Vorzugsstellung eingeräunit 
vird, mir nicht bekannt ist. Wenn s'e existieren würde. müßte 
ie mir unter allen Umständen bekannt sein. — 
Es werden darauf die Protokolle über die kommissarische Ver— 
iehmung von Offizieren verlesen, die ergeben, daß es den Zeug— 
eldwebeln streng untersagt ist, mit den Vertretern einzelner Fit— 
nen zu verhandeln und ihnen Auskünfte zu ecteilen. Zeuge 
Major a. D. Wellenhaupft bekundet ebenfalls. daß es dem 
Personal der Feldzeugmeisterei nicht gestattet ist. Vertretern der 
ßrivatindustrie Auskünfte, nament!ich solche über ene 
reise zu geben, der Verkehr mit diesen Herren liege lediglich den 
Zezernenten Ob. Auch diesem Zeugen ist von einer Verfügung. 
ie vorschreibt, daß Krupp von allen Aufträgen einen gewissen 
Brozentsatz erhalten muß, nichts bekannt. 
Zeuge Friedrich, Sekretär im Reichsversicherungsamt, 
»in ehemaliger Feuerwerket, hat mit Tilian enge Freundschaft 
ehalten. Er bekundet: Tilian erschien mir stets als ein ehr— 
icher, aufrichtiger und offener Mensch. Ich hatte von seinen 
zusammenkünften mit Brandt Kenntnis, auch von den Familien- 
estlichkeiten bei Brandt. bei denen es hoch hergegangen seln 
oll. Wir haben uns gelegent ich gegenseitig mit Fleineren Be— 
rägen ausgeholfen. Später zog ich mich von Tilian zurück 
oeil er. sich anscheinend mehr zu Brandt hingezogen fühlte. 
kinen Vertraguensbruch habe ich Tilian nicht zugetaut. Wäre 
ch anderer Meinung gewesen, so hätte ich nicht so freundschaft— 
ichen Verkehr mit ihm gepflogen. 
Zeuge Rahn Bureaudiätar der Gemeinde Steglitz: Der 
ngeklagte Hinst ist mein Freund. Wir sind zusammen bei der 
zeldzeugmeisterei gewesen. Et hat mir 100 NMaugeliehen. Den 
stamen Brandt hat Hinst mir gegenüber niemals genannt. 
hinst. behauptete, das Geld von seinem Onkel in Hamburg, 
en ich persönlich kennen gelernt habe, erhalten zu haben. 
Zeugin Friseurin Frau Wiczorek wird eindring'ich auf 
die Seiligkeit des Eides verwiesen. Sie gibt mit schwacher 
Ztimme eine Darstellung ihres Verhältnisses zu Schleuder. 
derhandlungsführer: Sie waren eifersücht'g auf 
schleuder. Weshalb? Zeugin: Wegen seines Verkehrs mit 
randt Verhandlungsführer: Auf Brandt brauchten 
ie nicht eifersüchtig zu sein. (Heiterkeit, Zeugin: Das nicht. 
ch vermutete aber, daß er sonst noch Verkehr habe. Schleuder 
at mir öfter erzählt von seinen Beziehungen zu Brandt und 
zesagt. er habe Brandt unbedenklich Nachrichten gegeben. Eine 
röhere Summe zu Weihnachten hehauptete Schleuder aus der 
Triegerkasse erhalten zu haben. Ich habe Braändt nie kennen 
zedernt, wollte Schleuder aber von diesem Verkehr abhalten, 
umal ich ihm nicht recht glaubte. Etwa zweimal hat Schleuder 
nir Geld gezeigt, das er, von Brandt erhalten haben wollte 
zrößere Aufwendungen hat Schleuder nicht gemacht. Ange— 
lagter Schleuder: Ich habe niemals behauptet, das Geld 
»on Brandt erhalten zu haben, Rechtsanwalt Grasse: vat 
ie Zeugin den Brief selbst geschrieben oder hat ihn der Verein 
er Rediofreunde geschrieben? Zeugin: Den Brief habe ich 
elbst geschrieben. Rechtsauskünfste habe ich gesucht nur, als mir 
er, Angeklagte mit einer Anzeige bei der Keiminalpol'igei 
rohte, falls er noch einmal verletzende Briefe erhielte. Vom 
kheaterbesuch hat er mir auch erzählt. Daß er mir gesagt 
ätte, er schriebe heimlich aus Dienstbüchern ab und erhalie 
afür 10 M. kann ich nicht behaupten. 
Aufs eindringlichste pon dem Vertreter der Anklage befragt, 
uklärt die Zeugin: Schleuder hat mir nachher einmal gesagt. 
»as Geld sei für seine Auslagen gewesen. 
Die ZSeugin wird vereidigt und darauf bis morgen ent— 
assen. Sodann wird die abgebrochene Vernehmung des Zeugen 
Zrandt fortgesetzt. Zeuge Brandt: Pfeiffer war ein Schul— 
amerad von mir, mit dem ich lange verkehrt habe. 
Die Vernehmung wird abermals unterbrochen. um den 
eugen Dausel, der morgen in Urlaub, gehen will, zu ver— 
sehmen. Intendantursekreiär Dausel bekundet, daß Pfeifser 
viederholt Darlehen aus einem Darlehensperein erhalten habe. 
Die Rüdzahlung erfolgte in Raten von 5—520 M. 
Sodann wird die Vernehmunqg des Zeugen Brandt wieder 
rufgenommen.. 
—Zeuge Brandt: 1907 habe ich Pfeiffer wiedergesunden. Es ist 
nöglich, daß ich von seinen Erzählungen dann und wann etwas 
ebrauchte. Wir haben öfter zusammen zu Mittag gegessen. Sie— 
en⸗ oder neunmal sind wir im Theater gewesen. Daß Pfeiffer 
nanchesnmal bezahlte, stimmt. Die Weihnachtsgeschenke habe ich 
nuf Veranlassung, meiner Frau den Pfeifferschen Kindern gemacht. 
)as beruhte übrigens auf Gegenseitigkeit. Daß ich auch anderen 
reunden höhere Geldgeschenke gemacht habe, kann ich nicht sagen. 
ab Pfeiffer mir Mitteilungen für Kornwalzen gemacht hat, kann 
ch nicht beschwören. Verhandlungsführer: Haben Sie 
onst noch von Beqmten Mitteilungen aus dem Kriegsministerium 
rhalten? Zeuge: Nein, ich gebe aber zu, daß mündliche Mit- 
eilungen Pfeiffers die Unterlage für eine Kornwalze darstellen 
onnten. Berhandlungsführer: Sie haben vor dem 
lntersuhungsrichter erklärt, Sie hätten von Pfeiffer über den 
tand der Ansichten des Kriegsministeriums in der Hau bitz en— 
rage Mitteilungen erhalten und erfahren, daß die Verwaltung 
as Ehrhardtsche Geschütz vorziehe. Sie haben ferner gesagt 
ßzfeiffer hätte Ihnen einen Materialauszug aus dem Militäretat 
egeben. Zeuge: Ich habe dieses damals angenommen. Be— 
hwören kann ich es aber nicht. Die Möglichkeit will ich auch nicht 
estreiten Verhandlungsführer: sSaben Sie in der 
ritischen Zeit auch von anderen Herren außer Pfeiffer Rachrichten 
ius dem Kriegsministerium erhalten? Zeuge: NeinVer— 
»andlungsführer: Die Nachrichten können, wie aus der 
etreffenden Kornwalze hervorgeht, aber nur gus dem Kriegs- 
ninisterium stammen. Zeuge? Ich glaube auch heute noch, daß 
Ifeiffer der Uebermittler ist. Bei den Hunderten von Meldüngen. 
nit denen ich zu tun hatte, kann ich es mit Bestimmtheit nicht be— 
aupten. Uebrigens hat mein Gedächtnis seit meinen Unfall sehr 
jeütten. Verhandlungsführer: Es ist doch meckwürdig, 
ah Sie sich solche Freunde ausgesuht haben, von denen Sie im 
inblich auf die dienstliche Stellung etwas erfahren konnten 
enuge: Ich tat dies, weil Herr v. Schütz mir den Auftrag er 
eilt hat. Nachrichten zu sammeln. An Pfeiffer habe ich mich aus 
„ielsem Grunde nicht angeschlossen. Später seoh ich mir aller—⸗ 
nings: Wenn du etwas von Pfeiffer erfährst, dann benutzt du 
s guch, Rechtsanwalt Barngu: Glauben Sie, daß Pfeiffer 
gurch die 100 M, die er zu Weihnachten von Ihnen ethalten 
at, und durch die Einladung zu Mittagessen sich veranlaßtege⸗ 
ühlt hat. eine Pflichtverletzung gegenuͤber feinen vorgesetzten Be— 
zörden au begehend Zeune“ Masen Eindrud babe ich nie ge— 
An 
habt. Das Geld zu Weihnachten yeve ich Pfeiffer auf Veran— 
lafsung meiner Frau gegeben, Pfeiffer befand sich nsolge von 
Krankheiten und reichem Kindersegen in bedrängter Lage. Ich 
hielt es für meine Freundespflicht, ihm zu helfen. zumal da es 
nir nicht schwer fiel. Bei unseren Zusammenkünften ging es 
eineswegs lukullisch her. Wir aßen eine Kleinigkeit von 60 bis 
30 Pfemnig und franken dazun2 bis 8 Glas Bier Rechtsanwali 
Bar nau: Haben auch Vertreter von anderen Firmen bei den 
zehörden verkehrt und versucht, solche Auskünfte zu erlangen? 
zZeuge: Darüber möchte ich keine Auskunft geben. Redtsan- 
valt Barnau: Das genügt mir. Auf weitere Fragen er— 
lärt der Zeuge, daß er mit einem Vertreter der Firma Ehrhardt 
eine Beziehungen unterhalten habe. 
nngeklagter, Pfeiffer: Nachdem Brandt in der Vorunter— 
uchung in so destimmter Weise behauptet hat, ich sei der Lieferant 
er Kornwalzen, kann ich mich doch nicht zufrieden geben, daß er 
ich jetzt mit einer so lauen Einschränkung beänügt. (NHät erhobener 
zZtimme:) Ich behaupte Brandt gegenuüber, daß er von mir kein 
Naterial,erhalten hat, mit dessen Hilfe besspieisweise er 
ie Kornwalze 6c aufstellen konnte. Verhandlungs-— 
üschrer: Ich möchte den Angeklagten doch ersuchen, hier keine 
Borträge zu halten, sondern sich mit der Stellung bon Fragen 
u begnügen. Was könnte Brandt denn veranlaßi haben. Sie, 
»er Sie sein bester Freund waren, fälschlich zu bezichten? An⸗— 
zeklagter: Diese Frage hat mich fast täglich befchäftigt. Ich 
habe aber keine Antwort gefunden. Vielleicht wollte er es vec 
hindern. daß ich meinen Weg ging, während er erledigt war. 
Im weiteren Verlaufe der Auseinandersetzung. in der der 
Verhandlungsführer den Angeklagten Pfeiffer wederholt ersucht, 
eine pathetischen Redensarten zu gebrauchen, nennt Pfeiffet 
die Handlungsweise Brandts perfide, während 
Brandt bemerkt, er bedaure aufs tiefste, daß Pfeiffer durch den 
zegenwärtigen Prozeß schweren Schaden leide. Verhand- 
ungsführer (zu Brandt): Haben Sie auch von Geheimrat 
Becder vom Kriegsministerium Material für Kornwalzen bekom⸗ 
nen? Zeuge: Nein. Rechtsanwalt Dr. Wirth: Haät sich 
uch Tisian durch Sträuße usw. erkenntlich gezeigt? Zeuge 
zrandt: Gewiß, das ist so üblich Zeugin Frau Brandt: 
Qie meisten Angeklagten haben bei uns kameradschaftlich ver— 
ehrt. Dabei ging es sehr solide zu. Bei ihren Besuchen haben 
uns die Herren stets Blumen milgebracht. Rechts nwalft 
Dr. Barnau: Die Zeugin soll belunden, daß auf ihr Anraten 
em Angeklagten Pfeiffer an Stelle von Geldgeschenken Geld zu 
Weihnachten geschidt worden sei. Zeugin: Das trifft zu. Wie— 
piel es gewesen ist, weiß ich nicht. Daß mein Mann einen schwe⸗ 
en Unfall zu Weihnachten gehabt hat, trifft ebenfalls zu. (Die 
Zeugin gibt, eine Darstellung des Vorganges Mein Mann 
eidet auch jetzt noch an den Folgen. der Verkehr mit Herrn 
Kfeiffer war besonders freundschaftlich. Kriegsgerichtsrat Dr. 
Welt: Ist an Ihren Mann nicht herangetreten woörden, seine be— 
astenden Aussagen zu modifizeren? Zeugin; Daruhber ver— 
weigere ich die Aussage. Kriegsgerichtsrat Dr. Welt; Ich bitte 
un Gerichtsschluß, um eine Aussage zu erzwingen. ONQou gin: 
Ich habe mich mit, dem Angeklagten nur kurz begrüßt. Neines 
Bissens hat eine Unterredung direkt oder jndirekt mit meinem 
Manne nicht stattgefunden. Seit der Untersuchungshaft ist mein 
Manmnn gedächtnisschwach und vollständig gebrochen. Ver⸗ 
handlungsführer: Es handelt sich darum. ob Ihr Mann 
jetzt gedächtnisschwach ist. Zeugin: Daß jemand an meinen 
Moanmn herangeétreten ist, kann ich nicht beeiden. Ich bitte, mir 
bis morgen Zeit zu lassen. 
Nach längerem Hin und Her wird die weitere Vernehmung 
der Frau Brandt ausgesetzt. Die Besprechung einer Reihe von 
Kornwalzen findet in nicht ffentlicher Sitzung statt. die 
den Rest der heutigen Vernehmung gussüllen wird. Schluß der 
öffentlichen Sitzung 43 Uhr. 
Die morotoe Sitzüng beginnt 94 Uhr vormittags. 
Aus den Nachbargebieten. 
Hansestãdte. 
Hamburg, 2. Aug. Kleine Nachrichten) Ihren 
igenen Mann getötet. Die Frau Pflanzner geriet am 
21. Juli mit ihren Manne in Streit. Im Verlaufe des Streits 
exregte sich die Frau derart, daß sie ein Messer vom Tisch riß 
ind es ihrem Manne in den Unterleib stieß. An der dabei 
erhaltenen schweren Verletzung ist der Mann jetzt im St. Georger 
Frankenhaus gestorben. Die Frau geriet in Haft. — Meu— 
Aernde Chine sen. Unter den dnesschen Feuerleuten des 
am Freitag von Neworseans aufgekonmmenen englischen Dampfers 
„Norman Monarch“ brach am 10. Juli eine Mieuterei aus, 
die einen sehr gefährlichen Charakter annahm und den Kapitän 
wang, zwei Tage später Newport News anzulaufen, wo 14 
Aufrührer in Haft genommen wurden. Für die Chinesen ist 
»uropäisches Ersatzpersonal angemustert worden. Fünf von den 
Hieuterern verwundete Seeleute befinden sich in ürztlicher Be— 
zandlung. — Ein ganzerOchse gestohlen. Ein un— 
zlaublich frecher Tiebstahl wurde am Freitag morgen in der 
Papenstrahße ausgeführt. In dem Schlachthause eines dort woh— 
nenden Schlachters erschien nämlich, als auf kurze Zeit der Besitzer 
dieses verlafsen hatte, ein Unbekannier mit einer schottischen 
Karre, lud einen geschlachteten Ochsen im Werte von 400 M 
auf und fuhr von dannen. Hinsichtlich der Person des Jäters 
fehlt jeglicher Anhalt. J J 
Bremen, 2. Aug. Ein verwegener Straben- 
aub wurde gestern morgen ausgeführt. Als der Kassenbone 
der Speditionsfirma JI. H. Bachmann 8000 Muvon der Bark 
zeholt hatte, womit Löhne für die Arbeiter bezahlt werden 
ollten, wurde er in einer schmalen Gasse plötzlich von zw7 
Mänmnern angehalten. Bevor der Bote zu sich selbst kom— 
nen konnte, ergriff ihn der eine der Männer, streute ihm 
Bzfeffer in die Augen, während der ander? ihm Salz in drn 
HRund stovfte, wahrscheinlich um ihn am Schreien zu verhiadern. 
Der Bote wehrte sich verzweifelt, doch hatten die Straßenräuber 
»ald gewonnenes Spiel. Der eine nahm die beiden gebundenen 
Heldsäcke an sich, schwang sich auf ein Fahrrad und suhr davon, 
während der andere zu Fuk das Weite suchte. Das alles 
spielte sich außerordentlich schnell ab. Der Bote nahm sofort 
»ie Verfolgung auf. Ihm schloß sich sofort eine große Men— 
chenmenge an. Die wilde Jaad aging durch verschiedene 
Straßen, doch wagte man nicht, den Räuber aufzuhalten, da 
er ieden mit vorgehaltenem Revolver bedrohte. Frst in der Nähe 
der Hauptstraße gelang es, ihn festzuhalten. Dort hatten näm— 
liich Telegraphenarbeiter, die von fern den Vorfall gesehen 
hatten, einen Telephondraht über die Straße gespannt, wodurch 
der Räuber zu Fall kam. Nur mit Mühe gelang es den herbei— 
eilenden Volizisten. ihn vor der Wut der Menge zu schützen. 
Schleswia⸗Hosfteirn. 
Oldesloe 2. Aug. Den Neubau'seines Haupt— 
»astorats hat das Kirchenkollegium im Prinzip beschlossen. 
Zur Errichtung eines Gemeindehauses wurde der Kirchenvorstand 
»eauftragt. der nächsten Versammlung bestimmte Pläne zu unter— 
hreiten. — Die bürgermeisterlose Zeit Oldesloes 
vird voraussichtlich am 1. Sept. zu Ende sein. Magisirats- 
ꝛisessor Müller in Aschersleben, der die Wahl angenommen hat. 
vird wahrscheinlich am 1. Sept. sein Amt antreten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.