Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens erschelnend. Bezugs⸗ 
preis für das Viertelsahr 3,80 Wark einschließlich 
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s Pfg., füũr Auswärtige 830 Pfg. f. Geschãftl. Mit⸗ 
ilungen 1Ml. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Satz den Anforderungen entsprechend höher. o 0 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hhansestadt Lübed 163. Jahrgang Lachrichten für das herzogtum Lauenburg, die 
heiblatt: Gesetz und Verordnungsblatt t e ru ee e hũrstentũmer Katz eburg, Lubed und das angren 
—V In rchis de⸗ ———— zende medlenburgische und holfteinische Gebiet. 
drudd und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. H. in Lübed. — Geschäftsstelle Adrezuus Gönigstr. 46). Fernsprecher 9000 u. 9001. 
Sonnabend, den 2. August 1915. 
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Morgen⸗Blatt Ur. 385. 
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Sosfia, 1. Aug. Die Sobranje votierte neuerdings einen 
Kredit von 50 Millionen. 
WM. Bukarest, 1. Aug. Bigs gestern abend sind sieben Cho— 
erafälle in der rumänischen Armee festgestellt worden. 
W. Wien, 1. Aug. Die Neue Freie Presse meldet aus 
dalafat: Widdin ist porgestern bis neun Uhr abends von 
en Serben bombardiert worden. Auf beiden Seiten sind ins⸗ 
esamt über tausend Mann getötet worden. Durch das Bom⸗ 
ardement ist die halbe Stadt in einen Trümmerhaufen ver⸗ 
pandelt worden. Zweihundert Einwohner sind getötet und 
chshundert verwundet worden. Die Versuche der Serben, noch 
orgestern in Widdin einzudringen, sind durch die bulgarische 
Irtillerie vereitelt worden. Gestern morgen sechs Uhr wurde 
as Bombardement auf eine Entfernung von sechs Kilometern 
pieder aufgenommen und dauerte mittags noch heftig an. Nach— 
nittags um drei Uhr fuhren die rumänischen Delegierten auf 
inem Dampfer nach Kalafat über die Donau nach Widdin, 
in den Kriegführenden die in Bukarest beschlossene Waffencuhe 
ritzuteilen und den Befehl zur Einstellung der Feindseligkeiten 
u übermitteln. 
Erstes Blatt. Hierzu 2. Biatt 
und die Feuilletonbeilage „Der Familienfreund“. 5 
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Umfang der hetutigen Nummer 8 Seiten. 
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Ein englischer Bericht ũber die deutsche 
koloniale Tätigkeit. 
In der Zeitschrift United Empire, die, wie schon ihr Name 
zesagt. dem britischen Reichsgedanken dient, ist ein Bericht über 
die deutschen Kolonien im Zeitraum von 1911 bis 1812 ent⸗ 
alten, der in mancher Beziehung interessant ist. Der Be—⸗ 
hlerstattetr, L. Samulton, stellt fest. daß, das Bexichtsiahr 
I1. April 1911, bis 31. März 1912 — in jeder Bezjiehung 
eine Periode friedlichen und stetigen Fortschritts“ gewesen ist. 
wVwas die Verwaltungstätigkeit betrifft, so wird, festgestellt, 
ahß der neu von, Frankreich erworhene Teil von Kamerun 
berwaltungstechnisch noch nicht vollständig eingerichtet ist. ob— 
wohl verschiedene Aenderungen im Verwaltungsdienst vorge— 
tonimen worden sind. In Südwestafrika ist ein Jort— 
chritt auf dem Wege zur Selbstverwaltung dadurch gemacht 
vorden. daß man örtlichen Körperschaften das Recht des Land⸗ 
hesitzes zugestanden hat. Es besteht allgemein das Bestreben. 
n sämtlichen Kolonien Cingeborene zu den niedrigen Bureau— 
arbeiten heranzuziehen; die Ergebnisse sind befriedigend ge— 
vwesen. Der Landvermessung und der Anlage von Landkarten 
it in sämtlichen deutschen Kolonien eine eingehende Tätigkeit 
zewidmet worden. Deuischland stellt weitgus die besten afrikas 
tischen Landkarten her. Bei dieser Arbeit wurden in großem 
Maßstabe junge Schutztruppenoffiziere verwandt, die dabei wie der 
hre hervorragende Leistungsfähigkeit in der Kartographie und 
ie Vorzüglichkeit ihrer Schulung an den, Tag legten. Was 
de Zunahme der weißen Bevölkerung betrifft, so ist diese in 
Südwestafrifa und Ostafrika am bedeutendsten gewesen. In 
DOstafrika hat sich auch die Eingeborenenbevölkerung vermehrt. 
Großes, Lob zollt der Berichterstatter der deutschen Unter— 
richtstätigkeit. Er stellt fest, daß die Zahl der Eingehorenen— 
tinder. welche die Schulen besuchen, sich stark vermehrt hat und 
abß die Ursache dafür hauptsächlich die friedliche und, harmoniiche 
Weise ist. in der die Missionen und die Verwaltungen ein— 
inder in die Hand arbeiten. Der Bericht lobt das erfreu— 
iche Schauspiel des Zusammenarbeitens, von Negierung. 
Missionen und Schutztruppe in der Verwaltung der Kolonien 
ind bei der Erziehung der Eingeborenen. Bei der Auf— 
zählung der Eisenbahnbauten des Berichtsiahres wird festgestellt, 
daß die deutschen Behörden nun anerkennen, daß man von 
dem mm afrikanischen Eisenbahnen angelegten Gelde nicht so— 
fort, eine hohe Verzinsung erwarten kann, daß aber mit ein 
wenig Geduld und Opferwilligkeit schließlich sowohl in finanzieller 
vie in kultureller Hinsicht erstaunliche Ergebnisse erzielt werden. 
Was den auswärtigen Handel der Kolonien betrifft. so wird 
das Anwachsen der Einführ von 128 Millionen auf 142 Mil⸗ 
ionen Mark betont und, das Sinken der Ausfuhr von 101 auf 
8 Millionen mit der Verminderung der Diamantenförderung 
u Südwestafrika und der Ausfuhr von Phosphat von Deutsch⸗ 
deuguinea erklärt. Der übrige Ausfuhrhandel hat zuge— 
ommen. 
Bezüglich der einzeinen Kolonien entnehmen wir dem Bericht 
merkennende Bemerkungen über den Erfolg der unermüdlichen 
zemühungen, die Schlafkrankheit zu bekämpfen. Der rasche Bau 
er Usambara⸗Bahn nach dem Kilimandscharo habe dort den 
nfluß der englischen UÜUganda-Bahn beseitigt. Weiter: Je 
iehr die Bahn Daressalam —Udjidi (Zentralbahn) sich Taborg 
ähert, um so mehr, Güter, die früher über Miransua— Port 
Lorence nach der Uganda⸗Eisenbahn gingen, fallen nunmehr 
er genannten Zentralbahn zu; die kluge Politik der Vermin— 
exung der Frachtsätze um 25 bis 50 Prozent hat dies 
istande gebracht. Bei Neu-Kamerun werden die Grenzper— 
andlungen mit England erwähnt; es wird auch betont, daß 
as Schiffahrtsabkommen der britischen Schiffahrt dasselbe Recht 
ie der deutschen giibt, und daß die Beziehungen zwischen 
en deutschen und den britischen Grenzkommissaren sehr freundlich 
naren. Zurzeit sind Verhandlungen mit Spanien im Gange. 
ie sich auf das Rio⸗Muni⸗Gebiet beziehen, das gemäß seiner 
age, eingezwängt zwischen der neuen und der alten Südgrenze, 
dentsche Hände übergehen sollte. wodurch, wie der Becicht 
gt, auch die Verhältnisse in, dieser vernachlässigten Gegend 
hr verbessert würden. Die alte Kamerun-Kolonie erfreut sich 
nes wachsenden Wohlstandes. Der Kautschukhandel verspricht 
ir die Zukunft große Erfolge. Den Bemerkungen über Südwest- 
rika sei die Feststellung entnommen, daß, die deutschen 
hutztruppen nicht nur als Soldaten tätig sind, sondern daß 
e sich auch auf andern Gebieten bewähren. So seien z.. B. 
i Südwestafrika 700 Kilometer Eisenbahndamm auf der Kari⸗ 
b— Windhuk- und Windhuk— Keetmanshoop-Linie von den 
hutztruppen gebaut worden. Aus den übrigen Mitteilungen. 
e der Berichkerstatter über den Rest unserer Kosonieg gibt, 
ad die sich im wesentlichen auf die deutschen Lesern bekannten 
rtsächlichen statistischen Angaben beschränken, sei noch erwähnt. 
aß er feststellt, daß während der chinesischen Revolution 1911 
is 1912 etwa 12000 Chinesen nach Tsingtau ausgewandert 
nd, „wo sie gewiß waren, geordnete Regierungsoechältnisse 
nzutreffen“ 
Die Nordlandreise des Kaisers. 
W. Balestrand, 1. Aug. Bei der gestrigen offiziellen Früh⸗ 
lũdstafel anläßlich der Einweihung des Frithiofdenkmals über⸗ 
ab der Kaiser dem König von Norwegen eine gröhere 
Zronzestatue Frithjofs. Heute um 1 Uhr war Früh— 
ückstafel an Bord des Schiffes des Königs von Norwegen. 
zIm Laufe des Nachmittags soll die „Hohenzollern“ nach Bergen 
n See gehen. Das Wetter scheint sich aufzuklären. 
Ein schwerer Unfall bei einer Brückenschlagübung. 
WM. Straßburg, 1. Aug. Bei einer Brückenschlagübung 
chlug gestern mittag in der starken Strömung des hochgehenden 
kheins ein mit 10 Mann besetzter Ponton um. Zwei Pioniere 
zes 15. Bataillons, Skrade gus Kottbus und, Vaul Schimank 
uus Friedberg, fanden den Tod in den Wellen. Ein dritter 
Pionier hat einen Beinbruch erlitten. 
Zur Weihe des Völkerschlachtdenkmals. 
sleueste Nachrichten und Telegramme. 
Vom Balkan. 
Die Großmächte und die Türkei. 
Sofia, 1. Aug. Von hoher, genau informierter Stelle ver— 
rutet, daß der Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg bei der 
zerliner türkischen Botschaft die Forderung erhoben habe, die 
ürkei solle Thrazien räumen. Auf die Antwort des Bot— 
hafters, daß dies gleichbedeutend wäre mit einer Revolution 
ider Türkei, sei ihm bedeutet worden, daß es ganz gleichgültig 
zäre, wieviele Revolutionen ausbrechen. Europas Beschluß müsse 
nter jeder Bedingung erfüllt werden. 
Konstantinovel, 1. Aug. Der türkische Thronfolger ist in 
zirklilisse feierlich empfangen worden. 
Die Verhandlungen. 
Sofia, 1. Aug. Eine informierte Persönlichkeit teilte mit, 
»er Waffenstillstand werde verlängert werden, wenn nach Ab— 
auf der fünf. Tage definitive, auf den Präliminarfrieden ab— 
ielende Beschlüsse noch nicht gefaßt worden sein sollten. 
Verschiedene Balkan⸗Nachrichten. 
London, 1. Aug. Es wird heute bekannt. daß die Bot⸗ 
chaffer beschloffen haben Montenegro ein Darlehen von 25 
Nillienen Mark für die Räumung Skutaris zu bewilligen. 
veipzig, 1. Aug. Tas Programm für die seerliche Weiht 
»es Völkerschlachtdenkmals am 18. Oktober ist zußammengestellt. 
der Kaiser wird an diesem Tage vormittags 1080 Uhr auf 
em Hauptbahnhofe eintreffen urd vom König von Sachsen 
mpfangen werden. Am Bahnhof findet ein großer militärischer 
kmpfang statt. Von da aus wird die Fahrt nach dem Denkmal 
ngetreten., wo um 1124 Uhr die Einweihungsfeier mit dem 
ßesang des Niederländischen Dankgebets: „Wir treten zum 
zßeten“ ihren Anfang nimmt. Dann hält Kammerrat Thieme. 
er Vorsitzende des National-Komitees, die Festrede. Darauf 
bird der Kaiser mit den anderen Fürstlichkeiten das Denk— 
tal besichtigen. Während dieser Zeit wird ein Männerchor 
n der Krypta singen. Später wird der Kaiser die Russische 
ßedächtniskirche und das neue Rathaus besichtigen. Nach— 
nittags 6 Uhr findet im Leipziger Gewandhaus die königliche 
Tafel statt. Der Kaiser reist abends um 8 Uhr nach Potsdam 
urück 
Theater, Kunfst und Mißsenschaft. 
Goethes Gehurtstagsfeier 1313. Goethe hat seinen Ge— 
jurtstag vor 100 Jahren mit dem Herzog Carl August zu— 
ammen in Ilmenau verlebt. Interessante Einzelheiten über den 
herlauf dieses Tages, dessen Erinnerung nun bald wieder 
nor uns heraufsteigt, teilt Freiherr von Egloffstein in der Fort— 
etzung seiner großen Arbeit über Carl August während des 
trieges 1813 mit, die er im neuesten Heft der Deutschen Rund— 
chau veröffentlicht. Carl August hatte ebenso wie Goethe im 
Juni und Juli das Bad Teplitz aufgesucht, um sich hier von 
den großen Sorgen und Aufregungen der letzten Monate zu 
erholen. Der malerisch gelegene böhmische Badeort, den er 
einmal „meinen alten getreuen Helfer“ nennt und den er all— 
ährlich besuchte, tat seine Schuldigkeit. „Von unserm theuren 
Herzog“, schreibt Goethe am 24. Juli an die Gräfin O'Donell, 
‚werden Sie unmittelbar gehört haben. Das Bad tut seine 
alte gute Wirkung und der Umdgäng mit so viel Personen, 
die er lieht und schätzt, macht ihn froh, und so iit zu hoffen. 
daß die Cur gut anschlagen werde.“ Aber auch Goethe ge— 
rann durch die Heilquellen alte Kraft und Lebensfreude wieder. 
„Goethe ist ganz wie neugebohren,“ meint der Herzog in einem 
aus Teplitz an Voigt am 13. Juli gecreten Brief. Der wei— 
narische Staatsmann Wolfskeel, der ihn später in Dresden 
riedersah. fand den Dichkter auffallend frisch. Goelhe wohnte 
in der Elbestadt der Feier des Napoleonstages bei, der statt 
am 15. August schon am 10. mit außerordentlichem Gepränge, 
mit Feuerwerk und Illumination begangen wurde. „Seit vor— 
gestern,“ so berichtet Wolfskeel am 12. Augnst seinem Fürsten, 
‚ist Hr. Geh. Rath v. Göthe hier. Er lebt blos in den Kunst— 
chätzen dieser so reich damit versehenen Stadt. Daß er an 
Peucers Arr am 10ten Abends — bei der Beleuchtung der 
Stadt zur Vor Feier des Napoleonstages — tundenlang der 
vogenden Menge in den Straßen solgte und tags darauf 
»en Frauenthurm 230 Stufen hoch bestieg, um die Songe unter— 
zehen zu sehen, sind Beweise glücllich vollendeter Cur.“ Dieser 
Bericht, den der Herzog bertits in Ilmenau erhielt, wohin er 
ich zur Nachkur begeben hatte, mag ihn auf den Gedanken 
jebracht haben, den alten inzwischen nach Weimar zurückge— 
sehrten Freund zu sich einzuladen. „Döbereiner“ — der 
ekannte Jenenser Chemiker — schreibt er an Voiat —. 
macht sehr schöne Versuche auf dem Eisenhammer. Sagen 
zie Goethen, daß ihn diese Versuche sehr interessieren würden, 
rsolle her kommen.“ Der Dichter mochte sich zunäüchst des 
zlechten Wetters wegen zu dem Ausfluge nicht entschließen, 
ber zwei Tage vor seinem Geburtstag machte er sich auf den 
Beg, wie aus einem Brief Karl Augusts an Voigt hervor— 
eht, in dem es heißt: „Gestern abend ist Goethe ganz unver⸗ 
»fft angekemmen und heute ist er mit mir vier Stunden lang 
ritten.“ Das war jedenfalls sür den bajährigen Dichter, der 
cht so, wie sein fürstlicher Herr gewohnt war, ein gut Teil des 
ages auf dem Pferde zu verbringen, eine recht küchtige 
eistung. Seiner Freude über den nuverhofften lieben Besuch 
ib der Herzog durch eine sinnige Geburtstagsfeier Ausdruck, 
it der er den Gast am 28. August überraschte. „Morgen“, 
ertraute er Voigt an, „wollen wir seinen Geburtstag durch 
lerhand Gereimtheiten begehen.“ Die liebenswürdig heitere 
uldigung hat Goethe in einem Brief an seine Frau Christiane 
schildert: „Ich wachte zeitig auf, ohne mich des Tages zu er⸗ 
mern. Ein Kranz mit Glüdk auf! von Bergrat Voigt, den 
ir Dienemann ans Bette brachte, erinnerte mich erst. Ich 
ar noch nicht angezogen. als ich Durchlaucht den Herzog, den 
zrinzen und Gefolge herankommen sah, und eilte auf die 
traße entgegen. Da gab es freundliche Begrüßungen, und 
rum waren sie auf meinem Zimmer, als drei kleine Mädchen 
it Sträußen und Goldpapierbogen auf Tellern hereintraten.“ 
ann werden Gedichte überreicht, auch eins von Serenissimo; 
mach bringen drei hübsche Mädchen Kränze, „und als die 
tzzte mir den Kranz aufsetzteé, kühte ich sie gar behaglich und 
ten es bei den andern nach. Bald da auf kamen die Mütter 
id Großmütter mit den Enkeln und kleinsten Kindern und 
rachten eine bekränzte Kartoffeltorte. Welche, so heiß sie war, 
»m Prinzen Bernhard fürtrefflich schmeckte. Und so war 
nerwartet ein sehr ar iges, mannigfaltiges, wohlgemeintes, 
rührendes Fest entstauden, wo ich im Sürtout und ohne 
alsbinde figurierte.“ Fröhlich und harmonisch verlief die Feier 
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argebraͤcht wurde. Am folgenden Abend fand noch ein zweiler 
zall auf dem Felsenkeller statt, „wo ich Euch“, schreibt der 
ichter seiner Gattin, „auch wohl hätte mögen herumspringen 
hen.“ Goethe blieb dann noch eine Woche in Ilmenau, „denn 
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in dieser Ruhe und Abgischi denhrit grlingt mir gewiß manche 
Arbeit.“ X.C. 
Klassische Gemälde für unzüchtig erkiärt. In der Kunst⸗ 
instalt von Römmler und Jonas in Dresden erschienen am 
Donnerstag Beamte der Dresdener Kriminalpolizei, um im 
luftrage der Berliner Staatsanwaltschaft sämtliche Vorräte 
weier farbiger Postkarten nach Gemälden der Gemäldegalerie 
ZRresden nebst Klischees mit Beschlag zu belegen. Es handelt 
ich um die weltberühmten Gemälde. „Venus“ von Giorgone 
nd „Batseba am Springbrunnen“ von Rubens. Die Post-⸗ 
arten waren bei einem fliegenden Händler in Berlin mit 
inderen Bildern weggenommen und durch gerichtliches Urteil 
ür unzüchtig erklärt worden, wobei das Gericht zugleich auf 
zernichtung der vorhandenen Vorräte beim Drucker und Ver— 
eger erkannte. Verleger und Drucker haben von diesem Urteil 
est jetzt durch die Beschlagnahmung erfahren. — Man sollte 
infach die ganze Kunst ausradieren, dann wäre dieses Acrger— 
iis von uns genommen! 
Das neue Dresdener Hoftheatet. Von dem Neubau des 
gl. Schauspielhauses in Dresden sind nunmehr die Gerüste 
ntfernt worden, und mächtig ragt das Monumentalgebäude 
n der Ostraallee gegenüber dem Zwinger. Die Fassade mit 
hrem sparsamen bildhauerischen Schmuck ist feriig. Den drei— 
tigen Giebel des mittleren Teiles krönt das königlich säch— 
sche Hauswappen, an das sich rechts und links eine männliche 
nd eine weibliche Gestalt in gelagerter Stellung lehnen. 
diese Gruppe ist in hartem Sandstein ausgesührt und wiegt 
wa 700 Itr. Das Giebelfeld selbst trägt in goldenen Antiqua— 
tternn die Worte „Königliches Schauspielhaus“, während zu 
eiden Seiten in etwas kleinerer Goldschrift zwei Sprüche 
agebracht wurden. „Aeltestes bewahret mit Treue — Freund— 
ch aufgefaßtes Neue“, heißt der eine, und der andere: 
Schönheit ist ewig nur eine — Doch mannigfach wechselt das 
schöne.“ Die Arbeiten sind jetzt fast nur noch auf das 
nnere des neuen Schauspielhauses beschränkt. Tapezierer, 
8tuckateure und Maler sind eifrig am Werk, und an der 
nnendekoration wurde im letzten Moment noch manche Aende— 
ung vorgenommen. Bis zur Eröffnung des neuen Hostheaters 
ehlen nur sechs Wochen. Zu der Exröffnungsfeicr wird eine 
ngewöhnlich große Zahl hervorragender Bühnendichter und 
heaterleute erwartet.
	        
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