Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

auch eine außerordentlich bedeutsame politische Seite, 
die vor allen Dingen durch einen gesunden Egoismus aller 
Beteiligten zu lösen sei. i 
Bulgarische Siegesmeldungen. — 53 
DT. Sofia, 31. Juli. Nach den hier vom Kriegsschauplatz 
ingetroffenen Meldungen ist es Griechenland, das infolge 
seiner schweren Niederlage den sfünftägigen Waffenstillstand ver⸗ 
langt hat, um seine Truppen sammeln zu können. Im 
Gebiet des Mesta-Flusses dauern die Kampfentwickelung und 
der Rückzug der griechischen Truppen fort. Bei Radowista 
wurden zwei montenegrinische Brigaden von den Bulgaren ge— 
schlagen. Die Serben sind in den Kämpfen um Küstendil hinter 
die Wasserscheide zurückgeworfen. Die Sobranie bewilligte 
50 Millionen Franken sür Kriegszwecke. 
Deutsches Reich. 
DT. Der Kaiser auf der Truppenschau in Mainz. Der 
Kaiser wird am 13. August, morgens 8 Uhr, zur Truppenschau 
in Mainz eintteffen. Daran wird sich eine Frühstüchkstafel im 
Großherzoglichen Schloß schließen, worauf der Kaiser im Auto 
nach dem bei Kreuznach gelegenen Soohnwalde fahren wird, um 
der Einweihung der Gesetzestafeln für den Jäger aus Kurpfalz 
bcizuwohnen. Hierauf fährt er nach Homburg. 
Kriegsminister und Presse. Dem Reichsverband der 
deuthchen Presse gina folgendes Schreiben des preußischen 
Kriegsministers zu: „Fur die freundliche Uebersendung der 
Nummer 6 der Mitteilungen Ihres Verbandes sage ich auf— 
richtigen Dank. Ich habe mit großem Interesse von den Ver⸗ 
handlungen über die Aufgabe der Presse in Krisenzeiten und 
über die Behandlung von militärischen Nachrichten durch die 
Presse Kenninis genommen und ich kann Sie versichern, daß 
s dieses Einblicks in Ihren Meinungsaustausch nicht bedurfte, 
um mein Verständnis für die Bedeutung der Presse im allge— 
meinen wie für Ihre Bestrebungen im besonderen zu wecken. 
Sie wollen überzeugt sein, daß ich der deutschen Presse die 
Erfüllung ihrer schweren, verantwortungs⸗- 
vollen Aufgabe, soweit es an mir liegt, mit allen 
Kräften erleichtern werde. v. Falkenhayn.“ 
Die dentsche Turnerschaft und das Berliner Tageblatt. Die 
Folgen der wüsten Pöbeleien seines Lespziger Mitarbeiters gegen 
die Deutsche Turnerschaft machen dem Berliner Tageblatt noch 
dauernd schwere Schmerzen, deren es sich schon mehrfach durch 
einen Phrasenschwall und sonst bei hm bekannten Mittelchen zu 
erwehren gesucht hat. Selbst der Chefredakteur mußte aus der 
Sommerfrische herbei und höchstselbst einen Artikel von Stapel 
lassen, der die Sache allerdings nur noch verschlimmert hat. 
Dieser gibt zwar selbst zu, daß die bekannten Aeußerungen un—⸗ 
gerecht und anstößig sind, bezeichnete den Artikel des Herrn 
K. P. im ganzen aber als ein Muster schöner und patrio— 
kischer Berichterstattung, d. h. er unterstteicht die Ausführungen 
seines Leipziger Mitarbeiters noch einmal ganz nachdrücklich 
Dias wird der Deutschen Turnerschaft nur lieb sein können, 
denn nun kann keinerlei Zweifel mehr an der wahren Gesinnung 
des Berliner Tageblattes gegen die Deutsche Turnerschaft be— 
stehen und erfreulicherweise mehren sich ja auch die Stimmen 
deutscher Turnerschaften, die jede Verbindung und Berührung 
mit dem Berliner Tageblatt ablehnen. Selbstverständlich reden 
die Herren in der Jerusalemer Strabe immer um den klaffenden 
Widerspruch in ihren beiden ersten Erklärungen herum, als ob 
ie gar nicht beständen, aber dadurch gerät die Sache noch lange 
nicht in Vergessenheit. Das Berliner Tageblatt ist selbst schuld 
dahn ihm nun von allen Seiten seine Sünden vorgehalten wer— 
den, daß vielen nun endlich ein Licht aufgeht über seinen 
wahren Charakter. Tas letzte wünscht recht deutlich selbst 
ein bekannter Liberaler, der in seiner Korrespondenz„Deut⸗ 
scher Bote“ aus eigener Erfahrung schreibt: „Die deutsche 
Presse hat mit Befriedigung verzeichnet, daß sich auf diese 
Weise endlich einmal eine Stelle gesunden, die dem B. T. 
die Tür weist. Erfreulich wäre es, wenn damit eine Er⸗ 
ziehung des deutschen Pubrekums einseten sollte, 
dieses übelste aller deutschen Blätter planmäßig von 
sich fern zu halten, so lange, bis schließlich auch das Ausland 
den unseren Interefssen oft so nachteiligen Wahn aufgibt, das 
B. T. verkörpere die öffentliche Meinung Deutschlands und 
piegele das deutsche Geistesleben. Diese grundverkehrte Auf⸗ 
fassung ist wohl wesentlich darauf zurüchzuführen, daß in 
Deutschland und im Auslande infolge einer langjährigen, über⸗ 
uus eifrigen Propaganda das B. T. Überall vornweg ist, wo 
Und wirklich, vor dem bezeichneten Laundryladen blieb der 
chinese stehen, schloß die Tür auf und trat ein. 
„Also schon zurüch Dann duürfen wir darauf rechnen, sofort 
neinem Kollegen zu begegnen.“ 
Was kaum den Bruchteil einer Minute später geschah. 
Die Kollegen blickten sich an wie Mämer, die sich durch 
inen Blick zu verständigen verstehen. Die kurze Pause, die 
entstand. wirkte auf Bill wie die Vorbereitung auf ein Unheil. 
Schließlich meinte der andere: 
„Säüng⸗Fu!“ e ———, rg 
* stieß einen leisen Pfiff der Ueberraschung durch die 
ne. 
„Das ist ja moch viel schümmer, als ich geahnt habe!“ 
meinte er dann leise, damit Diuch ihn nicht hören sollte. 
Hier gilt es, sehr schnell zu handeln!“ 
Der Kollege nidte. 
Bill wandte sich an Dich: 
„Ich glaube, wir wissen wo Mihß van der Straaten ge— 
fangen gehalten wird. Langsam —“, als Dich freudig unter⸗ 
brechen wollte — „hören Sie mir zu. Die Schwierigkeiten 
find jetzt nicht etwa überwunden, sondern fangen erst an. Mein 
Rat ist, gehen Sie nach Hause und legen Sie jich schlafen. 
Helfen können Sie uns nichts. Morgen, wenn wir Glüdh 
haben, ist Miß van der Straaten frei!“ 
„Und wenn wir kein Glück haben?!“ 
Tnrisekung fosotJ 
— — 
Theater, Kunst und Wissenschaft. 
Ehrungen Roseggers. Aus Krieglach in Steiermark 
wird zum 70. Geburtstag Roseggers am Domerstag gemeldet: 
Der Dichter hat sich den Huldigungen seiner Anhänger durch 
eine kleine Reise entzogen. Nichtsdestoweniger läßt es sich die 
Bevölkerung seiner Heimat nicht nehmen, ihn auf ganz beson⸗ 
dere Weise zu ehren. In der Sommerfrische Krieglach, die sich 
Peter Rosegger als Erholungsort gewählt hat, prangten 
Mittwoch alle Häuser im Flaggenschmuck. Zwischen den Fenstern 
vieler Häuser sieht man das Bild des Dichters. Abends 
versammelte sich die Bevölkerung und zahlreiche Sommergäste 
auf dem Hauptplatze des Ortes, wo zu Ehren des Dichters 
eine Serenade stattfand. Bei Eintritt der Dunkelheit loderten 
auf allen umliegenden Bergeshöhen, auf der Oett. dem Som⸗ 
man „Zeitungen, Reiselektüre“ verlangt. Im Bahnhofsbuch— 
zandel wird das Berliner Tageblatt den Reisenden geradezu 
rufgedrängt. Wir haben auf vielen Reisen in langer, 
orgfältiger Beobachtung die Erfahrung gemacht, daß die ganze 
indere Presse im Bahnhofsbuchhandel syst ematisch zu⸗ 
unsten des Berliner Tageblattes zurüchgedrängt wird. 
Wenn sich auf großen Stationen, wie das ja sehr oft der Fall 
st, Züge nach Berlin mit dem die Zeitungen von Berlin herbei— 
ührenden Zuge kreuzen, so schleppt der junge Mann vom Bahn⸗ 
ofsbuchhandel todsicher zunächst nur das Berliner Tageblatt 
serbei und zwingt es als einzige erhältliche Reiselektüre den 
Fahrgästen des anderen Zuges auf. Erst wenn dieser die 
Bahnhofshalle verlassen hat, werden auch die anderen Berliner 
3lätter ausgelegt! Tas ist eine, wie gesagt, aus hundert⸗ 
fach beobachteter Praxis herausgegriffene Erscheinung. Wir 
können aber hinzufügen, daß Beschwerden gegen ein solches 
Verfahren an die zuständigen Stellen, das heißt bei den großen, 
diesen Machenschaften fernstehenden Leitern des Bahnhofsbuch- 
yandels und schlimmstenfalls beim Eisenbahnminister regelmäßig 
Erfolg haben und das B. T. um diese höchst unverdiente Be— 
borzugung zu ungunsten der gesamten übrigen Presse bringen 
Es liegt nur an dem reisenden Publikumselbit, 
das aufdringliche B. T. in seine Schranken zurüchzuweisen 
ind den anderen Blättern die Bahn freizumachen. Wenn die 
»eutschen Reisenden diesen Wink befolgen, dann tun sie ein 
rutes Werk micht nur für die deutsche Presse, sondern 
iuf die Tauer, wie schon angedeutet, auch für die Beurteilung 
eutschen Geisteslebens und deutscher Politik im Auslande; 
enn sehr viele falsche und gefährliche Urteile über Deufschland 
ind darauf zurüchzuführen, daß man wegen jener äußerlichen 
ßerbreitung des B. T. dieses Blatt für ein „führendes deut⸗ 
hes Organ“, für eine „Spiegelung deutschen Geisteslebens“ 
‚ält.“ — Wir haben neulich schon d'e Erklärung der Leipziger 
zastwirte-Imnung gegen das Berliner Tageblatt m'tgeteilt: 
arauf hat dieses den Leipziger Gastwirten „mannhafte Un— 
vahrheit“ vorgeworfen. Aber die Leipziger bleiben die Ant⸗ 
gort nicht schuldig; nun hat die Gastwirte-Innung in Leipzig 
ine neue Versammsung abgehalten, in der nochmals die Ange 
egenheit zur Sprache kam und nach kurzer Erörterung folgenden 
Untrag zeitigte: „Ter sächlische Gastwirte-Verband wird er— 
ucht, fich mit dem Deutschen Gastwirte⸗Verbande 
n Verbindung zu setzen, damit in sämtlichen Lokalen 
des heute 45 000 Mitglied er zählenden Reichs ver⸗ 
bandes alle im Verlage von Rudolf Mosse erscheinenden 
ßlätter nicht mehr aufgelegt werden.“ Daß es 
den Leipziger Gastwirten mit ihrer Empörung gegen das Ber— 
iner Tageblatt und ihrem Beschlusse ernst ist, ann man daraus 
ntnehmen, daß auch dieser neue Antrag einstimmig ange— 
nommen worden ist. Die Wirkung werden die Herren in Berlin 
nicht erwartet haben. 
* * — 
Ausland. 
Frankreich. 
Ein neuer Zwischenfal in RNanchy. Der Lothringer Zeitung 
vird aus Nancy gemeldet, daß dort gestern morgen auf der 
m Kanal vor Anker gegangenen Jacht des Berliner Hut⸗ 
abrikanten angeblich Merten während seiner Abwesenheit von 
inem Arbeiter die deutsche Fahne herunterseris— 
en und verbrannt worden sei. Der Arbeiter sei sofort 
ur Polizei gesührt und zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt 
vorden. Das Blatt Lorrain zog Erkundigungen in Nancy ein. 
zisher stellte es fest, daß ein betrunkener Deutscher die Flagge 
jom deutschen Schiff heruntergerissen und verbrannt habe. Er 
jei sofort verhaftet worden. 
Wir verzeichnen noch folgende in französischen Blättern ver— 
breitete Lesart: 
W. Paris, 31. Juli. Nach einer Blättermeldung aus 
Nancy Lrafen gestern nachmittag auf dem Rhein-Marne-Kanal 
wei Vergnügungsjachten ein, deren eine, „Meteor“, dem 
Berliner Kaufmann Merten, die andere, „Ajax“, einem Lüt⸗ 
icher Kaufmann gehört. Jede Jacht hißte dem Brauch ent⸗ 
prechend die Nationalflagge. Der Anblick der deutschen 
xlagge rief bei den Hafenarbeitern eine roße Erregung 
jervor. Einer riß sie herunter, als sich Merten in der 
Ztadt befand, und warf die Flaggenstange in den Kanal. Das 
ylaggentuch nahm er mit. Bald darauf wurde der Hafen— 
ibeiter Schengen als der Uebeltäter ermittelt. Er legte sofork 
in volles Geständnis ab und erzählte, daß er die Flagge im 
Hofe seines Hauses verbrannt habe. Das Zuchtpolizei-erichf 
—— — Arn 
mer, der Malleiner Alpe und dem Foggenberger Kogel mäch- 
tige Hdhenfeuer auf. die das Signal für das Anzünden 
der Freudenfeuer auf allen Bergen der Waldheimat gaben. 
dann erstrahlten auch die Fenster des Ortes in Lichterglanz. 
zahlreiche Transparente mit den Initialen des Dichters und 
»er Inschrift „Heil, Rosegger! Heil dem Waldschulmeister!“ 
usw. leuchteten in die Nacht hinaus. In Graz ist Donnerstag 
im Landeshause in feierlicher Weise eine Gedenktafel 
mthüllt worden. Mehrere steirische Orte haben den Dichter 
zum 70. Geburtstage zum Ehrenbürger ernannt. 
Zu dem Ausschlugg des Nostoder Korps ,Visigothia“ aus 
d»em Kösener S. C. 'versendet das Korps folgende Darstel⸗ 
ung: „Auf dem diesjährigen ordentlichen Kösener Kongreh ist 
Visigothia“ auf Anzeige eines ausgeschiedenen Mitgliedes, 
hne vorher davon benachrichtigt zu sein, im Wege des 
dringlichkeitsantrages mit vier Rüffeln und Suspension auf 
wei Semester bestraft, weil sie durch drei Beschlüsse alten 
zerren, die nur Schleife haben durften, fahrlässigerweise im 
ßegensatz zu den Kösener Statuten das Band verliehen und 
iese Angelegenheit nach Bekanntwerden verschleppt habe. Der 
zute Glaube wurde dem Korps ausdrücklich zugebilligt. An— 
gzesichts der schweren Vorwürfe beschloß die Alteherrenschaft 
on sich aus die völlige und dauernde Suspension des Korps, 
»as, seit 31 Jahren bestehend, 18 Jahre lang unter den 
chwierigsten Verhältnissen das Korpsstudententum in Rostock 
epräfentiert und hochgehalten hat. In dieser Suspension und 
»er Gründung eines neuen Korps durch drei Inaktive, das den 
rüheren Aktiven die Möglichkeit geben sollte, Korpsstudenten 
u bleiben, sah der außerordentliche Kongreh in Leipzig eine 
Inbotmäßigkeit gegen die Beschlüsse des diesjährigen ordent— 
ichen Kongresses. Ein deswegen gestellter Antrag auf Aus— 
chluß wurde nach den Ausführungen alter Korpsstudenten am 
zonnabend als gegen die Kösener Statuten verstoßend abge⸗ 
ehnt. Nach deren Abreise wurde am Sonntag von zurück⸗ 
ebliebenen Gegnern ohne neue Tatsachen die Frage neu aufge⸗ 
ollt und der Antrag auf Ausschluß nunmehr gegen den drin⸗ 
enden Protest des Vororts und des Vorsitzenden angenommen. 
„‚Visigothia“ beabsichtigt, die näheren Umstände, unter denen 
in solcher Beschluß gefahstt werden konnte, vorläufig nur der 
orpsstudentischen Allgemeinheit zu unterbreiten.“ 
zerurteilte ihn zu zehn Tagen Gefängnis. Nach einer weiteren 
Meldung soll er die Tat im Rausche vollbracht haben, 
ohne daß er wußte, um welche Flagge es sich handelte. 
Durch die Agence Havas wird die Ahndung dieses Zwischen- 
falls bestätigt. 
W. Nancy, 31. Juli. (Meldung der Agence Havas.) Ein 
Mann mit Namen Schlegel wurde heute vormittag zu zehn 
dagen Gefängnis verurteilt, weil er die deutsche 
Flagge, die er auf dem Heck einer Lustjacht bemerkte, herunter— 
riß. als die Jacht den Kai von Nancy passierte. Die Jacht, 
die einem Berliner Kaufmanne gehört, ist heute vormittag 
abgefahren. * * 
DT. Trömel freigelassfen. Der Buͤrgermeister Trömel ist 
in dem Lazarett in Saida, wo er zur Beobachtung seines 
Geisteszustandes war, für dienstuntauglich infolge geistiger Min— 
derwertigkeit erklärt worden und daraufhin in Freiheit gesetzt 
worden. 
Rußlanb. 
Die finnischen Landtagswahlen. In Finnland finden am 
L. und 2. August Wahlen zum Landtag statt. Aber obgein das 
5timmrecht dieses Landes das weitestgehende der Welt ist, 
jeben die Wahlen Anlaß zu den trübsten Betrachtungen. Denn 
die e Lage Finnlands im Verhältnis zu Rußland ist 
Wnormer denn je, da nunmehr alle wichtigeren Geetze für 
Finnland von der Reichsduma gegeben werden und der finnische 
dandtag daher ziemlich bedeutungslos ist. Diese Gesfetze, deren 
rstes und hekanntestes das Gesetz über Gleichberechtigung der 
Nussen mit den Finnländern ist, werden zwar von der Bevölke— 
rung nicht anerkannt, gber da Rußland die von der Duma 
regebenen Gesetze mit Strenge durchführt, ist auch der passive 
Aderstand der Finnländer belanglos. An weiteren empfind⸗ 
chen Mabregeln gegen Finnland wird die Einverleibung eines 
ceiles des Lehns Wiborg mit dem St. Petersburger Gouver— 
iement geplant. Ferner schweben in der russischen Kriegsverwal⸗ 
ung Plaäne, die gesamten Kosten für das in Finnland liegende 
ussische Militär den Finnländern aufzuerlegen, während, diese 
ais jetzt als Ersatz für Befreiung vom Militärdienst eine Ie 
ntschä digung zu zahlen haben, die augenblicklich 122 Millionen 
Nark sinnisch beträgt und mit jedem Jahre steigt. Die finni— 
chen Kasernen sind von vornherein ohne jede Entschädigung für 
ie russischen Trupyhen in Beschlag, genommen worden. Da so— 
nit die Aussichten für eine ersprießliche Landtagswirksamkeit so 
rübe wie möglich sind, macht sich in Finnland vielfach eine 
jewisse politische Gleichgültigkeit bemerkbar, indessen ermahnt 
bie finnische Presse die Wählerschaft mit aller Entschiedenheit, 
ich lehhaft an den Wahlen zu beteiligen, weil das Gegenteil 
die russischen Gegner Finnlands veranlassen würde. die Russi— 
izterung des Großfürstentums zu beschleunigen. Das Ergebnis 
oer Wahlen, das wegen der finnischen Verkehrsverhältnisse erst 
nach einigen Wochen vorliegt, wird zweifellos das frühere sein: 
zin überwiegend radikaler Landtag, mit einer starken sozialdemo— 
kratilschen Vartei als zahlreichste Gruppe. 
Amerika. 
Die Vereinigten Staaten und Mexiko. Im Verlauf einer 
Kanferenz des Botschafters Wilson mit der Senatskommission 
für auswärtige Angelegenheiten erklärten mehrere Mitglieder, 
den Mitteilungen des Botschafters müsse ernste Beachtung ine 
perden. Der Botschafter setzte die Kommission davon in Kenut⸗ 
iis, daß Huerta die Lage beherrsche, da er die Konstitutionellen 
us ihren zahlreichen festen Plätzen vertrieben habe. Man 
alaubt indessen zu wissen, daß Präsident Wilson und Staats— 
ekretär Bryan eine glaubwürdige Nachricht erhalten haben. 
ak. die Macht der, Konstitutionellen die Schätzung des Bot— 
chafters weit übertrifft, und daß Huerta nur einen kleinen 
Teil der Republik heherrscht. Der Botschafter empfahl der Re— 
zierung, die Vereinigten Stagten sollten die Regierung Huertas 
n heschränktem Umfang anerkennen, wofür Mexiko Bürgschaften 
gehen solte im Oktober Wahlen zu veranstalten und Leben 
und Eigentum der Amerikaner zu scützen und ihre Ersatz- 
ansprüche zu befriedigen. Wilson erklärke, Huerta habe ihm 
gesagt, er werde bei den Wahlen nicht für die Präsidenkschaft 
andidieren. Der Botschafter gab der Ueberzeugung Ausdruch, 
daß Madero und aeheih Zustimmung und Billigung 
huertas ermordet worden seien. 
W. Wasshington, 31. Juli. Nach einer Information aus 
dem Weißen Hause zieht der Präsident die Anerkennung des 
Bräsidenten von Mexiko, Huerta, nicht in Erwägung, obwohl 
r eine volltkommen freundliche Politik gegen Mexiko verfolgt. 
Travemünder Sportwoche 
vom 27. Juli bis 5. August 1913. 
V. 
Internationales Reit⸗ und Fahr⸗Turnier 
unter dem Protektorate Sr. Magnifizenz 
Herrn Bürgermeister Dr. Eschenburg. 
* Travemuünde, 1. Aug. 
Dem erfolgreich verlaufenen ersten Teil der Travemander 
zportwoche, den beiden Renntagen, schliekt sich jetzt der zweite 
Teil, das Internationale Reit- und Fahr-Turnier auf dem 
chöm gelegenen Platz auf dem Leuchtenfelde diesseits der 
brave an, für das die Aussichten nicht weniger als vorteil⸗ 
jaft sind. Nicht nur, daß noch zahlreiche re Nennungen 
als im Vorijahre vorliegen, auch ist wieder allererstklassiges 
Reiter⸗, Pferde- und Wagenmaterial vorhanden. 
Wir wollen nur aus der großen Liste der bekannten Herren⸗ 
reiter die Namen Oberlt. v. Löbbecke (Kür. Regt. 4), Rittm. 
Graf Bonde (schwed. Leibhus.Regt.), Rittm. v. Oest er⸗ 
lbey (M.⸗R.J. Hannover), HS. Hasperg, Samburg, Lt. 
Prinz Heinrich Reuß XXXVIII. sowie die Damen 
Frau v. Moers, Frau v. Pohl, Frauv. Krieger, 
owie den Meister auf dem Gebiete des Fahrens Graf v. Al⸗ 
vensleben-Neugattersleben, und Generalmaior von 
Morgen, die sich an den vorjährigen hiesigen Turnieren schon 
mit großem Erfolge beteiligt haben, herausgreifen. Doch 
auch andere bekannte Namen erscheinen neu auf dem Plan. 
Auch Schweden entsendet wieder einige seiner besten Herrenreiter 
neben dem eben genannten Rittmeister Graf Bonde. 
Der Vorstand des Lübeck-Travemünder Rennklubs hat in 
diesem Jahre dem bisherigen zweitägigen Internationalen 
seit- und Fahrturnier, wie jetzt die internationale Preisbewer⸗ 
zung von Reit- und Wagenpferden heißt (Concours hippique 
in für allemal benamset) einen dritten Tag hinzugefügt, da 
m den letzten Jahren die 16 Konkurrenzen auf nur zwei Tage 
derteilt, wenigstens was die Zuschauer anbelangt, für diese 
u ermudend waren, denn die Veranstaltungen zogen sich infolge 
der zahlreichen Nennungen sowohl am Freitag wie Sonntag von 
3 resp. 252 Uhr bis in den Spätnachmittag (wenn wir nicht 
rren, im Jahre 1911 sogar bis gegen 8 Uhr abends) hin. 
Fur die diesjährigen 16 Konkurrenzen, auf drei Tage, 
Freitag, Sonnabend und Sonntag, verteilt, sind ausschlieklich 
des Geländeritts, für den 20 Teilnehmer gemeldet wurden, 
nsgesamt 3600 Nemungen eingelaufen und zwar für fünf 
donkurrenzen am Freitag 114, für fünf Konkurrenzen am 
Zonnabend 81 und sechs Konkurrenzen am Sonntag 165 gegen 
338 Nemungen in 14 Konkurrenzen 1912 und zwar am 
Freitag in 7 Konkurrenzen 191 und am Sonntag in ebenfalls 
Konkurrenzen 147 Nennungen. 
Mit der Oberleitung des Turniers sind die Herren 
Rittm. v. Moers (Hus.Regt. 11), Lt. Morgen (Hus.Regt. 11), 
Dberlt. v. Seeler (Hus.Kegt. 3), Oberlt. Prollius (F.A.⸗ 
Regt. 26), sämtlich vom M. R. J. in Hannover, betraut, 
vährend die Technische Kommission sich aus den 
zerren J. C. Fehling, H. Hasperg und Rittmeister v. Moers 
Hus.-Regt. 11) zusammenfetzt. Der Vorstand besteht aus
	        
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