Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

rreude sei, daß sie nun in ihre herrliche, liebe alte Kirche 
zutückziehen könnten, und sprach allen denen, welche direkt 
oder indirekt an der weitläufigen Restaurationsarbeit mit— 
zewirkt haben, seinen wärmsten Dank aus. 
Die Gemeinde, welche vollzählig versammelt war, be— 
sichtigte nach dem Schluß des Gottesdienstes mit Interesse und 
mit Dank die Kirche und äußerte ihre Zufriedenheit darüher, 
aß fie sich wieder unter ihrem eigenen Dach befände. Die 
dirche schien nach ihrer Restauration hellere, mildere Be— 
enchtung zu haben und eine schöne vervollständigte Aus— 
chmückung. Unter den Anwesenden wurde der holländische 
Minister Baron van Welderen Rengers, Legationsrat von 
Verdy du Vernois, Hofrat Buxbaum, der deutsche General 
»on Krentzki, als Repräsentant für Stochholms Konsistorium 
»er Pastor Dr. Strandell bemerkt. 
Der in der Liturgie vorkonmende Chor „Wir preisen 
ich“ war fomponiert vom Gemeindeorganisten Musikdirektor 
d. Angust Lundh. Nach der Evpistel folgte die Einweihungs⸗ 
ymne, komponiert vom Gemein dekantor Musikdirektor Julius 
Wibergh, sowie nach dem Glaubensbekenntnis ein von Lundh 
irenponierter Weihnachtsgesang für Baß und Sopransolo, ge— 
nilchhten Chor und Orgel, in welchem die Solopartien vom 
hderen Opernsänger Sjöberg und der Frau Dr. Sterzel ge— 
ungen wurden. Sämtliche Stücke, welche der Feier des Tages 
angemessen waren, wurden von Dr. Wibergh dirigiert, unter 
dessen Leitung der Kirchenchor seinen alten guten Ruf wieder 
zefestigte. Nach der Predigt sang der Chor „Heilige Nacht“ 
ind nach Schluß des Gottesdienstes wurde auf der ebenfalls 
enovierten Orgel Präludium und Fuge von L. Lundh, sowie 
ine Festbumne von Heren Musikdirektor Gustav Säag aespielt. 
XX 
Neueste Nachrichten und Telegramme. 
Das englifche Königspaar und die DeutschWritische 
Vereinigung. 
V. Berlin. 81. Dez. Die Deutsch-Britische Vereinigung 
u Berlin empfing im Auftrage des Königs und der Kör 
tigin von England ein an den Gründer, Generalsekretär 
dionel Caro gerichtetes Telegramm folgenden Inhalts; Ich 
in beauftragt, Ihnen, Ihrem Komitee und den Mitgliedern 
der Deutsch-⸗Britischen Vereinigung den Dank Ihrer Maiestäten 
des Königs und der Königin für Ihre guten Wünsche auszu—⸗ 
prechen und Sie zu versichern, daß die Majestäten Ihre Adresse 
u würdigen wissen, die Sie soviel zur Festigung der guten 
Beziehungen zwischen beiden Laͤndern tun. (gez.) Ponsonby 
Zur Lohnbewegung in der Bimnenschiffahrt. 
W. Hamburg, 31. Des. Das sozialdemokratische Ham⸗ 
»urger Echo bespricht unter dieser Ueberschrift in seiner heutigen 
dusgabe das Ergebnis der Verhandlungen des Arbeitgeber— 
erbandes für Binnenschiffahrt mit dem Transportarbeiterver⸗ 
»and und dem Zentralverband drer Maschinisten und Heizer 
am 28. und 29. d. M. in Berlin. Am Schlusse der Notiz 
yeißt es, daß der Zentralverband der Maäschinisten und Heizer 
auf die bereits mitgeteilte Erklärung des Arbeitgeberverbandes 
zrklärt habe, „daß seine Konferenz bereits auf den 26. und 
27. Janugt festgesetzt ist und daher eine entscheidende Antwort 
zis zu diesem Termin vertagt werden muß.“ Diese Dar— 
tellung läßt die Auffassung zu, als ob sich der Arbeitgeber— 
erband, mit letzterwähnter Vertagung einverstanden erklärt 
habe. Wie uns von berufener Seite mitgeteilt wird, ist dies 
nicht zutreffend; denn den Arbeitnehmerverbänden ist in der 
rwähnten Versammlung ausdrüdlich zu verstehen gegeben wor⸗ 
den, daß, der Arbeitgeberverhand undedingt eine Entscheidung 
»is zum 15. Januar, herbeigeführt zu sehen wünscht. Der Zen⸗ 
ralverband der Maschinisten und Heizer wird sich also darüber 
lar szin müssen, daß er, wenn er nicht bis zum 15. Jamuar 
eine Antwort erteilt hat, den Arbeitgebern die volle Aktions⸗ 
reiheit zurückgibt und mit seinem Verhalten unabsehbare Kon⸗ 
equenzen auf sich ladet. 
Die ungarische Wahlreform. 
V. Budapest, 31. Dez. Der Entwurf der Wahl⸗ 
eform wurde von dem Abgeordnetenhause mit großem Bei— 
an aufgenommen. Es wurde vbeantragt die Vorlage einem 
pezialausschuß, zu überweisen. Zwei Milglieder der Regie— 
ungspartei haben ihren Austritt aus der Regierungspartei 
ngemeldet, weil sie die Ausdehnung des Wahlrechts nicht 
ür, weitgehend genug halten. Die Wahlreformvorlage ver⸗ 
nehrt die Zahl der Wähler um 800000 oder um 7506 
er. bisherigen Wählerzahl. Das Wahlrecht beginnt für die 
Idsolpenten von Mittelschulen mit dem 24. Jahre, für alle 
anderen, Wähler mit dem 30. Jahre. Induftrielle Arbeiter 
mirssen ständige Beschäftigung während zweier Jahre, landwirt⸗ 
qaftliche eine solche von füunf Jahren nachweisen. Angalpha— 
eten erhalten das Wahlrecht nur, wenn sie vierzig Kronen 
Zteuerleistung oder sechzehn Joch Grundbesitz nachweisen. Die 
Abstimmung, ist in den, größeren Städten geheim, in den länd⸗ 
ichen Bezirken öffentlich 
Krieasgreuel. 
W. London, 31. Desz. Daily Telegraph veröffenthicht 
inen langen, Bericht seines Budapester Korrespondenten über 
ie Greuel, die während des Krieges von den Serben 
n Albanzien verübt worden seien. Diese Greuel seien be— 
eits von österreichischen, englischen und norwegischen Kriegs⸗ 
sorrespondenten festgestellt und neuerdings durch Berichte er— 
ae worden, die die österreichischen Behörden gesammelt 
Jaben. 
Bestrafung Streilender. 
. W. Varis. 31. Dez. Auf Anordnung des Marineministers 
ind gegen 280 Arsenalarbeiter Lorients, die an dem Pro— 
eitst reif Fr 16. —— teilgenommen haben. Disziplinar⸗ 
naßnahme geftroffen. 
e 2— 
Wi. Berlin, 31. Dez. Der Reichskanzler empfing den 
Botschafter Fürsten Lichnowsly, den öfterreichisch-ungarischen Bot⸗ 
chalter v. Szoegeny-⸗Maorich und den englischen Botschafter Goschen. 
Das Kaiserpaar beauftragte den Reichslanzler mit ihrer Vertre⸗ 
ung bei der Beisetzung des Staatssekretärs v. Kiderlen-⸗Waechter. 
Wo. Berlin, 31. Dez. Gegen den Hoteldieb Löwy 
uus Wien fand heute die gerichtliche Verhandlung statt. Der 
Angeklagte hatte seinerzeit in mehreren Berliner Hotels fort⸗ 
zesetzt Diebstähle verübt. In einem Falle waren ihm allein 
ür etwa 8000 MJuwelen in die Hände gefallen. Bei seiner 
Festnahme hatte Löwy den ihn verfolgenden Beamten mit einer 
Zrowningpistole bedroht, so daß dieser gezwungen war, von 
oer Schußwaffe Gebrauch zu machen, wobei ein Vassant ver—⸗ 
etzt wurde. Löwy wurde zu fünf Jahren Zuchthaus 
ꝛerurteilt. 
Mt. Memel, 31. Dez. Da die Tarifverträge in der Memeler 
hdolzindustrie mit dem heutigen Tage abgelaufen sind und die Ver⸗ 
sandlungen zwecks Aufstellung der neuen Tarife noch nicht zu Ende 
zeführt werden lonnten, trat abends in der gesamten Memeler Holz⸗ 
dustrie, ausgenommen zwei Plätze, die weiterlaufende Taxifverträge 
haben, eine Betriebseinstellung ein. 
W. Stettin, 31. Dez. In Kortenhagen, Kreis 
Hreifenhagen, drangen vergangene Nacht Einbrecher in die 
Behausung des Gastwirtes Wendland und versuchten, die durch 
das Geräusch wachgewordenen Eheleute zu er morden. Tet 
Mann erhieit zwei Beilhiebe an der Stirn, die, Frau elf 
Wieiserstiche, von denen einer am vals lebensgefährlich ist. 
Da das Ehepaar noch vernehmungsunfähig ist, ist näheres 
noch nicht festzustellen gewesen. Auch die Nachforschungen ver⸗ 
mittels Polizeihunden sind bisher, erfolglos geblieben. 
Hamkburg, 31. Dez. Zu Wiitgliedern der Handelskammer 
wurden die ausscheiden den Herren Curt Schede, i. Fa, C. &M. 
Schede: Rud. Sieverts i. Fa. Hamburg-Bergedorfer Stuhel— 
rohrfabrit von Rud. Sievert gewaählt. Die Herren Eduard 
Woermann, i. Fa. C. Woermann und Max M. Warburg, 
. Fa. Warburg E Co. wurden wiedergewählt. 
Als Mitglied der Seemannskasse wurde Herr F.C. Braurs⸗ 
Hw, i. Fa. F. GC. Bramslöw, wiedergewählt. 
W. HGamburg, 31. Dez. Heute morgen fand man am 
Brandenburger User einen Schlachtermeister mit einer Schuß— 
vunde in der Schläfe bewußtlos auf. Im Hafenkrankenhause 
um Sewußtsein gelangt, gab er an, von einem Schlachter⸗ 
neister aus Rotenburg (Hannover) niedergeschossen worden zu 
ein. Auf den Täter wird gefähndet. 
W. Halle, 31. Dez. Vergangene Nacht vergifte te 
»er Goldschmied Zankeseine Frau, seine beiden Kin— 
»er im, Alter von drei und anderthalb Jahren und dann sich 
elbst. Einem Freunde teilte er brieflich mit, daß die Ursache 
„ierzu mißliche Vermögensvderhältnisse seien. 
W. Bentheim, 31. Dez. In dem benachbarten Ohne 
ntstand vergangene Nacht auf dem von dem Pächter Beckmann 
ewirtschafteten Schulte-Wiffingschen Hofe Feuer,, das die 
ZStallungen einäscherte. Von den zwei Knechten, die in einer 
zrennenden Scheune schliefen, wurde einer gerettet. Er ist 
iedoch so schwer verbrannt, daß er starb. Die Leiche des 
inderen Knechtes liegt noch unter den Trümmern. 
V. Wien, 31. Dez. In vergangener Nacht begingem 
Ire i, befreundete junge Leute Selbstmord, indem sie 
Zyankali zu sich nahmen. Das Motiv der Tat ist unbekannt 
W. Tsingtau, 31. Dez. Auf seiner bisher glücklich ver⸗ 
aufenen Weltreise lief der Dampfer „Cleveland“ von der 
hamburg⸗Amerikg-Linie mit einigen hundert deutschen und ame— 
ikanischen Touristen gestern zum ersten Male den Hafen von 
Tsingtau an. Die Passagiere besichtigten die deutsche Kolonie 
nit großem Interesse. 
WVt. Rewyort, 31. Dez. Der Dampfer „La Touraine“ ist mil 
»em Expräsidenten Catr o an Bord hier eingetroffen. Die Haf en⸗ 
zehörden brachten Castro nach der Einwandererstation Ellis Island. 
vo er verbleibht, bis die Untersuchung beendelt ist, ob er näch den 
Einwanderergesetzen zugelassen werden kdann. 
WN. Kaiserliche Marine. Eingetroffen sind: Bremen“ am 
320. Dez. in Sierra Leone, „Scharnhorst“ mit dem Chef des 
reuzer geschwaders am 31. Dez. in Amoy. „München“ am 
8. Dez. in Danzig, „Pelilan“ am 27. Dez. von Kiel nach 
uxhaven und am 28. Dez. von Cuxhaven nach Kiel in 
Hee gegangen. 
Aus den Nachbargebieten. 
Bansesiãdte. 
Samburg, 1. Jan. Bahnhofserweiterungen 
rzuf der Strecke Hamburg —Wittenberge. Um die 
2eisrangsfähigkeit der Strecke HaAmburg—Wittenberge 
nit Rückficht auf die Durchführung eines sehr starken Güterzug⸗ 
erkehrs zu erhöhen und bei Ueberfüllung der Hamburger 
ßüterbahnhöfe ein Anhalten und Aufstellen der im Lauf be— 
indlichen Güterzüge ohne Beeinträchtigung der Weiterführung 
s uũbrigen Zugverkehrs möglich zu machen, sind auf einer 
roßen Anzahl von Zwischenbahnhöfen dieser Strecke Erweite⸗ 
Angen vorgenommen, die zum größten Teil schon fertiggestellt 
ind. Der Bahnhof Bergedorf hat an seinem Westende 
in neues Ueberholungsgleis für Güterzüge erhalten, das rechts 
on dem Gleise nach Berlin liegt. Auf dem Bahnhof 
zriedrichsruh ist ein neues Ueberholungsgleis für Güter— 
üge am Ostende des Bahnhofs rechts von dem Gleise nach 
amburg im Bau. In Hagenow-Land ist am Ostende 
es Bahnhofs ein neues Aufftellungsgleis für Güterzüge nach 
zamburg angelegt. Auf dem Bahnhof Ludwigslust ist 
leichfalls am Ostende des Bahnhofs ein neues Aufstellungs⸗ 
leis zu dem gleichen Zwed fertiggestellt. In Dergenthin, 
er letzten Station vor Wittenberge, wird ein zweites Ueber⸗ 
olungsgleis für Güterzüge neu angelegt. Berücksichtigt man 
woch. daß die Bahnhöfe Büchen und Ludwigslust im 
Imbau find und vganz bedeutend erweitert werden, so darfß 
non von der künftigen Leistungsfähigkett der Strecke Ham⸗ 
g ⸗ Wittenberge selbst zu Zeiten eines außerordentlich ge—⸗ 
teigerten Güterverkehrs das Beste erwarten. 
Kleine Nachrichten) Der Defraudant Brü— 
räng hat im September hierselbst bei einer Frau in der 
)hestraße gewohnt. In dieser Zeit ist er wiederholt mit 
inem Tierpräparateur und einem früheren Kapitän zur Jagd 
ach Hitzader gefahren. Der Tier präpaorateur ist Montag 
erhaftet worden und wird nach Berlin transporttert. 
Bremen, 1. Jan. Zu den Unterschlagungen 
seim Generalsteneramt ist ein neuer Fall hinzuge⸗ 
ommen. Der Ranzleigehilfe Sprenger, der in der Abteilung 
ur die Veraͤuherungsabgabe beschäftigt war, hat seit längerer 
Jett, man spricht von vier Jahren, Veruntreuungen verübt 
kr hat Hand in Hand mit einem Angestellten eines hiefigen 
dechtsanwalts und Notars, bei dem viele Immobilienverkäufe 
ollzogen werden, die Betrugereien betrieben. Kürzlich wurde 
ver unredliche Beamte auch noch zum Kanzlisten befördert; 
ber das war fur ihn das Verhängnis. Nun erhielt er 
ämlich eine höhere Dienststelle angewiesen, wodurch die Miß⸗ 
irtschaft, die er auf der alten Stelle getrieben hatte, zutage 
ommen mußte. Er wurde daraufhin Somnabend sofort ver⸗ 
aftet, ebenso sein Helfershelfer. Bislang ist ermittelt, dah 
s sich bei den Unterschlagungen um mindestens 12 000 M 
andelt. Vorausfichtlich wird der Staat bef dem Rechts⸗ 
mwalt die teilweise Deckung seines Schadens zu erlangen 
ersuchen. — Gegen die Zeitungsberichterstattung 
rzuf Umwegen sind die hiesigen Behörden im scharfer 
Veise eingeschritten. In einer hiesigen Tageszertung fanden 
ich öfters Lokalnotizen, die nach der Ansicht der Polizei⸗ 
irektion aus ihren Bureaus durch Indiskretion eines Veamten 
rlangt worden sein mußten. Insgeheim angestellte Be— 
bachtungen führten zur Entdeckung des schuldigen Bureau—⸗ 
ngestellten. Dieser gab an, er sei durch den Lokalbericht⸗ 
rsictter jener Zeltung zur Hergabe der Notizen bewogen 
ocrden, und zwar gegen Belohnung. Sierin erblickte 
ie Polizeidirektion vollendete Beamtenbestechung, und 
ie Staatsanwaltschaft schloß sich dem an. Da qaußerdem 
zerdunkelungsgefahr für vorliegend erachtet wurde, erging 
egen den Berichterstatter ein HFaftbefehl; er sitzt nun 
eit Sonntag im Untersuchungsgefängnis. 
Lauenburg. 
B. Mölln, 1. Jan. Als Seltenheft Varf es wohl 
erzeichnet werden. daj Sonntag ein Storch auf den Pinnau— 
viesen herumstolzierte. Ob ihn viellehte geschäftliche Gründe“ 
xeranlaht haben, frühzeitig nach unserer Fegend zurückzukehren, 
»der ob er sich in der Zeit verrechnet hat, lieh sich nicht 
eittessen. 
Seltsame Neujahrswünsche. 
Wie Träume in der Neujahrsnäacht sich verwirklichen, so soll 
uch allen in diefen feiersichen Stunden getanen Wünschen Ge— 
vährung von o ben winken. So war es benn schon im Mittelalter 
Zrauch, daß in der Nacht des Jahresansanges Personen beider⸗ 
ei Geschlechts, uniter Verkleidungen und Masken verborgen, nachts 
n den Gassen umherliefen, an den Türen anklopften und aller— 
ei Wunschsprũche hersagten. Die ältesten solcher uns überlieferten 
Wünsche, die in der wunderreichen Nacht ihre besondere magische 
Bedeutung hatten, lauten formelhaft und feierlich: „Klopf an, 
lopf an! — Ein selig neues Jahr geh dich an! — Alles, was 
bein Her: begehrt. — Das werd' dir zu diesem Jahr gewährt.“ 
Bald aber schließen sich komische Uund aroteske HSortaungen an 
aiese Sprüche, wie auch ausgelassener NMummenschanz die 
vichtigen Stunden an der Wende zweier Jahre begleitet. Ein 
Nürnberger Neujabrswunsch des bekannten Verfassers vieler Fast⸗ 
iachtsspiele Hans Rosenblüt schließt folgendermahen: „So 
rünsch' ich dich so lange gesund, — Bis eine Linse wiegt hundert 
Pfund, — Und bis ein Muüßhllstein in Lüften fleugt — Und ein 
Floh ein Fuder Weines zeucht — Und bis ein Krebs Baumwolf 
spinnt — Und man mit Schnee ein Feuer anzündt; — Hiemit ein 
nrut's seliss neus Jahr — Und hau hin, daß dich Gott be— 
wahr!“ Aehnliche Spruche haben sich noch heute unter dem 
Volk erhalten. So berichtet Reichhardt von einem Neujahrs- 
egen, der in den Niederrheingegenden üblich ist: „Ihr sollt so 
zange gesund sein, — Bis ein Mühlstein schwimmt über'n Rhein, 
— Ihr fsollt so lange sein gesund, — Bis eine Feder wiegt ein 
Pfund. — Ihr sollt eure Tage und Jahre in Freude und Friede 
»erleben, — Bis ein Vöglein in den Himmel tut schweben. — 
Ihr sollt sie in Glück und Ruhm verbringen, — Bis sich der 
dahn auf dem Kirchturm in den Hinmel tut schwingen.“ Nicht 
ninder vriginell klingen die Pfälzer Sprüche, die aus der 
ßegend von Bergzabern aufgezeichnet sind: „J wünsch' e glück⸗ 
elig's neu's Johr., — E Lebbuche, wie e Scheuertor, — E Brezel, 
wie e Ziegeldach — Und e Bratwurst bis uf Haggebach.“ 
Oder gar derb-komischh: „Ich wünsch dir e giüdselig neu's Johr 
Und e Perũud mit Gehehor, — Un e Simmere Läus nei, — 
Das soll dein Neujohr sei.“ Freigebig mit Wünschen sind die 
Knechte und Mägde, die ihrem Herrn zu Neujahr gratulieren. 
Sie sprechen z. B. in Ostpreußen: „Wir wünschen dem Herrn 
einen reichen Tisch, — Auf allen vier Enden einen gebratenen 
Fisch; — Wir wünschen der Frau eine goldene Kron' — Und 
übers Jahr einen jungen Sohn. — Wir wünschen dem Sohn 
einen weißen Schimmel, — Daß er kann reiten bis in den 
himmel. — Wir wünschen der Tochter ein goldnes Geschnür — 
Und übers Jahr einen blanken Offizier. — Wir wünschen der 
Köchin den Besen zur Hand, — Daß sie kann kehren die Diel' 
ind die Wand.“ Im boyerisch-Böhmischen Waldgebirge gra⸗ 
uliert man sich zu Neujahr mit folgendem Spruch: „J wunsch 
ink a glüchselig's neu's Jahr, — 's Christkindl liegt in Traustem 
Haar. — An goideren (goldenen) Tisch, — Auf an jed'n Eck 
un 'brat'nen Fisch, — In der Mitt' a Glas Wei', — Könnt's 
miteinander recht lusti sei, — An goideren (goldenen) Wag'n, — 
Könnt's miteinander in Himmi einifahr'n.“ Der märkische 
Bauer wünscht den Mädchen: „Ich wünsche Jane Mad en 
Bündele Schnüre, — De leid so järne uppe Mare. — Ick wünsche 
Jane Mad en Katzennäppken, — Te hädd öten Brudmann 
mma an Serzen“ O. K. 
In Lübeck zugezogene Familien: 
Vagenfeiler, Steinhauer, Velzerstr. 30. 
. Stegmann, Arbeiter, Krähenstr. 26. 
Karck, Zimmerg. Stitenstr. 24. 
zacobsen, Percevalstr. 44. 
Bohse. Arbeiter, Warendorpstr. 12. 
.E. Wieck, Gastwirt, Am Bahnhof 7. 
adolph, Klempnerg., Johannisstr. 46. 
x. Hallier, Bootsmann, Luisenstr. 19. 
Teélegraphisehe Kurs-und Marktherichte. 
W. Berlin, 21. Dezember. Sehlusskurse. 
OIltimo-Kurse 30 81. VUltimo Lurse. 39 31 
Abeck-Buches. Dis. 175 - — — NHbs. Am.-Packett. 154.62 156. 12 
ombarden 17.75 17.25 Nordôentseh. Lloyd 119.62 120.12 
gerlin. Handelsges. 16375 164. 5s9 Laurahuütte 163.12 163. — 
)eoutsehe BRank 249.75 249. 62 Roehumer 212.62 211.67 
)resdener Bank 150.75 15150 Dortmund. IUnion — — — — 
discontoCommand. 182.75 184. - Prnamit-Trust 173. — 173.25 
Destr. Kreditbank 19350 192 27 Prirat-Diskont: 52* 
Q n—* 
Angekommene Schiffe. 
Travemünde. 30. Dezember. 
Vass. von 
Sedina, Ehrtmann. Riga 
Den 31. Dezember. 
Westkuhten, Larsson. Kopenbagen 
Siane. Hansen,. Stettin 
Eben Ezar, Rasmussen, Burg a. F. 
Meta, Trillhagse, Fehmarn 
Pehr Brahe, Lindroos, Abo 
Riborg, Hanlen, Aggersund 
abgegangene Schiffe. 
Travemünde, 80. Dezember nach 
ra, Blomareen, Kalfsund 
le, NRiedermeyer. Memel 
aden, Möller. Kopenhagen 
»ijag. Gräslund, Norrköping 
mark, Möller, Libau 
Den 31. Dezember. 
istine, Rasmussen, Siellebronn 
. EFiggert, Furillen 
Seeberichte. 
Lübech 31. Dezember. 
WGF. S. Bertling.) Dampfer „Luba“ ist heute vorm 
934 Uhr Pillau passiert und nach Königsberg weitergegangen. 
cSolm E.Wonsild Nachf.) Laut, telegraphischer Nachricht 
ist Dampfer Borussiget, Kapt. Groglopf, heute mittag, von 
Zundsvali nach hier ghgegangen. — Laut telegraphischer Nach— 
richt ist Dampfer August““ heute vormittag von Wiborg 
nach hier abgegangen. 
Ggranz Seinrich) Laut Telegramm gus Königsberg 
ift der Dampfer, Stofholm'“, Kapt. Diekow, Dienstag mittag 
oon dort auf hier abgegangen. J 
ECGanseatische Dampfschiffahrts-Gesellschaft) Dampfer 
„Bussarde ist heute nachmittag von Stettin nach Dünlirchen 
abgegangen. 
3. A. Sudau.) Laut Telegramm ist Dampfer „Stadt 
Lübeck“, Kapt. Beeth. heute mittag in Menel angekommen. 
Elbe⸗Trave⸗Kanalschiffahrt 
Lauenbura, 31. Dezember. Die hiesige Schleule passierten: 
Nr. 293, Trauer, von Lubeck nach Dresden, 515t Stüdgut. 
Rr. 370. Westphal, von Lübeck nach Hamburg, leer. 
Wasserstands⸗Nachrichten. 
Den 31. Dezember, vorm. 8 Uhr: 4 23 
nachm. 8 Uhr: — 2. 
Wind in Travemünde 
Travemuünde. 31. Dezember. vornn. Udr WSW..83. 
nachm. 8 ꝛAdr: WSW. 5. 
Aussicht für die Witterung am 1. Jan. 
Nild. Vorwiegend trübe. Lebhaftere westliche Winde. 
Regenfoölle. 
)0⁊⁊»»— ''ü iit 
Für die Redaltion verantw.: i. V. Adolf Ney, für Tageg 
bericht: G. Wulff, für den Juseratenteil: C. Sgüder, in Lhechk
	        
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