Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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Ve ochentags morgens — 959 3 —* Angeigenpreis Ausgabe 4 und b) sur dee 
abends Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ — 532 — — Zeile 20 Pfg. Kleine Anzelgen (Arbeilsmartkt usw.) 
reis für das Bierieljahr 830 Wart einschließlich n E e I3 e unmn sb Pfon r Auswariige Pl s Geschasn ii 
Bringgelbd in Lũbed. Durch bie Post bezogen ohne teilungen 1Mt. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amisblatt der freien und Hansestadt Lũbed 162. Jahrgang Nachrichten sür das Herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz· und Verordnungsblatt e t n n gürstentũmer Ratzeburg, Lübecl und das angren⸗ 
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—ss 422 —— Q— — —— —— zende meclenburgische und holsteinische Gebiet. 
Drud und Verlag: Gehruüber Borrers Bimb s in Lühed. — Geschafissftelle Wreß baus (Köniastr. 46) Fernsorecher 9000 u. 9001 
Ausgabe M. Greie Ausgabe) Sonnabend, den 24. Februar 1912. abend⸗Blatt Ur. 100. 
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Erstes Blatt hierzu 2. Blatt Ddas Ende des Made in Germany“. Einzelheiten über den Genossen“ Scheidemann. 
12. dondon, 23. debr Die Sbg. Nachrichten shreiben hierzu: üne 
mfang der heutigen Nummer 6 Seiten. Mit sorgenvoller Aufmertsamkeit beobachfte man in Eng— Daß der auf vier Wochen zum zweiten Prasidenten 
—— ——⸗⸗⸗⸗⸗⸗⸗⸗⸗ꝰẽ sand den Eroberungszug des deutschen Außenhandels, der in auserkorene „Genosse“ Scheidemann für dieses Amt der 
Nnichtamtlicher Teil Großbritannien und seinen Kolonien wachsende Erfolge erringt. denkbar ungeeignetste Mann ist, zeigt deutlich sein politischer 
Nun hat im englischen Unterhause E. A. Goul⸗ Werdegang, der treffend beleuchtet wird durch die zahl⸗ 
ding ein neues Gesetß eingebracht, das hauptsäch— reichen ee m di 
3 3 j i z im ist, i en Ausbreitumg er am ruhmrei SHerrscherhause der Sohenzollern in 
Die Erbschaftssteuer und die einzelnen te e ane den Ländern Reichstagssitzung vom 10. Dezember 1909 ũbte. Auch sonsl 
Parteien. englischer Flaggeeinen Riegelvorzuschieben.“ ist seine politische Weltanschauung die aller waschechten So— 
Lubed. 24 debr. Als vor Jahren das englische VParlament jenes Gesetz zialdemolraten vom schlimmsten Radikalismus. Nur einige 
—ñ r annahm, das bestimmt, daß alle in England und in eng— dieser Blüten, die sich beliebig vermehren lassen, mögen ein 
Die Frage, wie sich die einzelnen Parteien des Reichstages e lonien enaeinten nnsttieeneu ie bentlih sn- Bild des Mannes geben, der über unsere Volksvertretung wacht. 
r Erbschaftssteuer stellen wollen, steht jetzt in erster Linie bar die Mgabe des Sestellunglandes ragen müßten, glaubte König Friedrich Wilhelm IV. wurde von Scheide- 
norrnde Besantich hnt de Rate die Rahlab n ban en icae lfene en Wenntampfe nnt der mann in der Reichstagesigung von 5. Degemben 1908 mi 
struer ab dun 3 trum dealeichen Dus snd mit den deutschen Konkurrenz geschmiedet zu haben. Aber das an—⸗ dem Ehrentitel Possenreißer belegt, wofür er einer 
en Zentrum · ospitierenden Elsa Nern n 163 Stim fangs so eiftig verhehnte Mage in germans“, Ordnungsruf einsteden mußte. Als höchstes schwebt Serri 
men. Dabei ist die Wirtshaftliche Vereinigung mit das un auf allen Industt ieprobuklen deutscher Fabritation Scheidemann im politischen Ringen natürlich die Fahne de— 
den „Reformern“, die sich der Rechten zuzählen lassen, auftauhen mußle erwies ih bald als eine zwei— unerbittlichen Klassenkampfes voran. Wie Bebel 1903 in 
on einberngen. Oinn bonen w fneidige Waffe für die Engländer; das Wort Dresden, so hat Scheidemann verschiedentlich seine Todfeind- 
der 6aguer der Erbszaftssteuer würde also zunächt wurde zueinem Ehrentitel und in fernen Ländern zu schaft gegen die bürgerliche Gesellschaft zum Ausdruck ge— 
173 nn sark sin dog snd bet dn Konsrrvatinen und einer wirksamen Reklame für die Leistungsfähig— bracht: „Keine Ruhe bis zum Tage der Abrechnung!, rief 
auch bei den kleineren Gruppen der Rechten ein paar Eigen— teit deutschen Fleihes und deusscher Albeit. Man hat er in einer Versammlung im Volkshause zu Leipzig am 
rddlet denen man Spnrutbien fur die Erbspuftssteuer nach- inzwischen in England voll Bitternis erkannt, daß die deutsche 8. März 1910 aus (Leipziger Volkszeitung Nr. 55 vom 
sagt Die ganse Linke ist für die Erbschaftssteuer, d. h. Industrie und der deutsche Sandel in lürzester Zeit aus diesem 9. März 1910). „Gerade ein Wahlrecht, wie es in Mainz 
46 Nationalliberale 43 Fortschrittler und 110 Sozialdemokraten, susens des Kanals heselliglen bemeinlichen Semmshuh besteht, gibt vorzügliche Gelegenheit, den Klassenkampf zu 
also im ganzen 199 Abgeordnete Dazu treten 13 Reichs— Siebenmeilenstiefel des Forlsheiltes zu machen destanden führen. und das ist die Sauptsachet, meinte er auf 
uateilern wahrend die Wilden“ sich gleihmähig auf beide und nun will man das gefährliche Made in Germany“ wieder dem Jenaer Parteitage 1905 GProtokoll S. 220) Die So— 
Schlachtreihen verteilen. Das Endresultat ist, daß für die beseitigen. Der neue sieht vor, daß alle in Eng— ialdemokratie müsse unentwegt auf dem alten Klassenkampf— 
Erbschaftssteuer eine erhebliche Mehrheit im land hergestellten Etgeugnisse als brilische Waren bezeichnet tandpunkt stehen bleiben, ein Entgegenkommen gegen 
Reichstage vorhanden ist Nun denlt aber die Reglerung verden Die Produtte des Auslandes aber sollen nicht mehr die bürgerliche Gesellschaft Iönne nie zum Ziele füb— 
offenbar nicht daran, die Erbschaftssteuer mit Gewalt durchzu⸗ die Bezeichnung ihres Usprungslandes ragen, sondern schlicht ren und der Stimmzettel sei nicht das Mittel die politische 
den denn es wurde sonst dahin kommen, daß sie die die Aufschrift „not britine Man will damit die propagan— Macht zu erringen.“ Warteitag der niederrheinischen So 
Sozialdemokratie um gutes Wetter bitten distische Wirtung für Industrieleistungen des Auslandes be— zialdemokratie. Solingen 11. und 12. Oltober 1908 laut 
mühte. Und es handelt sich ja um eine Dedung für die seitigen und vor allem das für Deutschland so rasch ehrenvoll Vorwärts Nr. 242 vom. 15. Oltober 1908.) 53 
Wehrvorlagen. Da die Sozialdemokraten diese ablehnen gewordene „Made in Germany“ aus der Welt schaffenn Mit Auch Scheidemann will, wie alle Genossen?“, das deutsche 
werden ist es sehr fraglich, ob lie unter solchen Umstãnden der Aufschrift „notbritisbaberhofftmandas Vaterland macht- und wehrlos machen. Es sei erinnert an 
für die Erbschaftssteuer stinmen werden Selbst wenn sie sich Nationalgefühl der Käufer und Konsumenten die Reichstagssißung vom 30. März 1911, wo er die 
nur der Abstimmung enthielten, würde dann keine Mehr— aufzustacheln. Waren, die dieser Vorschrift nicht entsprechen, Expedition nach China einen Sunnenzug nannte, an die 
heit mehr fur die Erbschaftssteuer zu erzielen sein. würden künftig von der Einfuhr in England und in Englands Sitzung vom 5. Dezember 1908, in der er unsere Politik 
Wahrscheinlich wird die Regierung aber eine ganz neue Kolonien ausgeschlossen, während britischen Produkten im Falle im fernen Osten als „eine Kette von Lächerlichkeiten“ be— 
Erbschaftssteuer einbringen, die auch der Rechten der Versendung in die Kolonien ein Konsularattest beigegeben zeichnete und von einer „Walderseeoperette“ usw. sprach. 
und dem Zentrum angenehm sein kann. Man werden soll, worin ausdrücklich bestätigt wird, daß die Artitel Seine Sympathie für die Revolution hat er wieder— 
nimmt an, daß diese neue Erbschaftssteuer — starke Erzeugnisse der englischen Industrie sind. Der Vorschlag holt bekannt. Die Umltürzler in Rußland sind nach leiner 
Rüdsichten auf den landwirtschaftlichen Grund— und der Geletzentwurf haben bereits die freud Ansicht „die tapferen Kämpfer der russischen Repolution“. 
besitz nehmen und schärfere Maßnahmen zur steuer— dige Zustimmung einer ganzen Reihe von eng— (Sitzung des Reichstags vom 20. März 1911.) Unter leb— 
pflichtigen Erfassung des beweglichen Kapitals lischen Sandelskammern gefunden und man glaubt, haftem Beifall der sozialdemokratischen Partei gab er in 
bringen wird. Für eine derartige Kombination, die dem Schatz— mit diesem Mittel die Handelsbeziehungen Eng ands zu seinen gleicher Sitzung die schmachvolle Erklärung ab- „Wir haben 
selretãr Wermuth das Bleiben im Amte ermöglichte, wäre Kolonien enger zu gestalen und zugleich lästigen Nebenbuhlern für Frankreich und für die große französische 
eine Mehrheit der bürgerlichen Parteien voraussichtlich zu Schwierigleiten zu berelten. . K. Revolution die denkbar weitestgehenden Sym— 
haben ñ— — nathien“ 
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Fliege „Mein „Leibhusar“ ist auf der Strede geblieben! Egal! „Das war weiter nichts wie Pech, Serr Oberst, mit einem 
Wenn nur der Oberst gut abschneidet!“ anderen Pferde wär mir's wahrscheinlich auch passiert!“ 
Roman von Sorst Bodemer. „Braver Kerl!“ rief ihm Söllow zu. „Nachher erzählen Söllow sagte dazu: We 
* Sie mir ein bißchen mehr und setzen sich einstweilen auf meine Den Ritt darunter macht Ihnen aber so leicht keiner nach! 
¶9. Fortsetung.) ————— Machdrud verboten.) Tusnelda!⸗ Es war ein Spielen auch mit dem eigenen Leben!“ 
Wenn ich versuchte, mit den beiden Schwadronen gegen Der Oberst löste den ihm gestellten Auftrag zur Zufrieden— Meitzen zuckte nur die Achsein. Der Oberst drehte den 
Schloßhof vorzugehen?“ — heit seiner Vorgesetzten. Als „Offiziersruf!“ zur Kritik geblasen Hals in der Binde hin und her. Einem so zu Danle ver— 
„Nein, Herr Rittmeister, aber attadieren Sie bei jeder wurde, ritten Söllow und Meitzen erst einmal mit dem Tier— oflichtet zu sein dem man vor wenigen Wochen mit Eleganz 
sich bietenden Gelegenheit den zurüchgehenden Feind!“ arzt des Regiments zum „Leibhusar“ Der lag, halb ver— den Stuhl vor die Tür gesetzt, war doch furchtbar peinlich. 
Bu Befehl verr Oberst!⸗ unken im Sumpf, und warf den Kopf hin und her. Die Und um nur etwas zu sagen, stotterte er heraus: 
DTDer xittmeister von Sollow wollte gerade seinen hohen Untersuchung ergab einen Bedenbruch. „Natürlich müssen Sie mir erlauben, Ihnen den Leib— 
Fuchs herumwerfen, als, mit Schnutz bededt, zerrissen, blutige „Reif für die Kugel,“ sagte der Tierarzt. „Schade drum. husar“ zu erstatten, damit trag ich meine Danlkesschuld noch 
Striemen im Gesicht, Meihen angaloppiert kam. Soll ich?“ lange nicht ab, aber ...“ 
„Herr Oberst, der Feind marschiert in unsere rechte Flanke, Meitzen nickte nur und drehte sich um. An seinem bild— Hoch richtete sich Meihen im Sattel auf, stramm lag seine 
wahrscheinlich versucht er über TDrawehn uns seinen Truppen schönen „Leibhusaren“ hing er mehr wie an der „Schaute“ rechte Hand an der Czapla, sein Gesicht belam einen steinernen 
entgegenzuwerfen!“ Aber, was half's? ..Ein dumpfer Knall wälzte sich über die Ausdruch. 
Und in diesem Augenblich überreichte ein Hauptmann vom moorigen Wiesen am MNiedersee, brach sich am Mühlenkamper „Verzeihung, Herr Oberst, davon kann gar keine Rede 
Generalstabe, der mit dem Detachement geritten war, dem Walde. über Flieges Gesicht zuchte es, und dann ritten die sein! .Ich habe meine Pflicht und Schuldigkeit getan, 
Obersten ein verschlossenes Kuvert. beiden Offiziere still und in sich gelehrt zur Kritit. — weiter nichts! Und die darf man wohl von jedem Offizier 
AAuf Befehl Seiner Exzellenz des lommandierenden Herrn Der Oberst von Glottingk konnte mit dem Tage zufrieden berlangen!“ 
Generals! Soeben läuft diese Meldung beim Herrn Oberst sein. Zum Schluß hatte ihm sogat der kommandierende Ge— So, da hatte der Oberst seinen Hieb weg! Er wandt sich 
ein!“ S —— neral anerkemmend die Hand geschüttelt, das war sonst nicht unter Meitzens Worten, was er desagt, hatte er ja nicht 
Der riß den Umschlag auf. seine Art. m— so gemeint, wie es der junge Osfizier aufgefaßt, aber übel— 
Sauptquartier Schwellin. Schide soeben zu Ihrer Unter⸗ Die Truppen wurden in die Quartiere entlassen. Söllow nehmen durfte er dessen scharfe Antwort auch nicht!. .. Und 
stütung vier Bataillone, zwei Batterien, eine Eskadron auf ritt an den Oberst heran und sprach mit ihm leise und lange da brachte ihn noch Söllow volllommen aus dem Konzept. 
Grünewald. Wersfen Sie, wenn irgend möglich den Feind auf Tiefer senkte sich dessen Kopf. In der Aufregung hatte er Der fragte ihn militärisch örmlich: 2 
diese Druppen.“ gar nicht sonderlich auf Meitzen geachtet. „Haben der Berr Oberst sonst noch Befehle für mich?“ 
Da stellte sich der Oberst von Glottingk in die Bügel. „Wie? .. . Ja, die Meldung war von ausschlaggebender Nein, ich danle, lieber Söllow, und auch Ihnen meine 
Meitzens Meldung war gerade zur rechten Zeit eingelaufen! Bedeutung für mich, ich wollte Serrn Leutnant Meitzen eben Anerlennung. Sie haben heute Ihre Sache wirklich ganz 
„Herr Rittmeister von Söllow, mit Ihren beiden Schwa— danken!. . . Der „Leibhusar“ tot, wie furchtbar leid mir das samos gemacht!“ 
dronen versuchen Sie Fühlung mit dem herankommenden De— tut!.. Ach, Herr Leutnant Meitzen, ich bitte!“ Ein kurzer Händedruch ein militärischer Gruß und der Ritt- 
tachement und dem Feinde in unserer rechten Flanke zu nehmen, Der kam angeritten mit rotem Kopf; ihm war's furchtbar meister jagte zu seiner Schwadron. 
ich mache mit meinen Truppen hier eine Rechtsschwenkung reinlich, daß Söllow gequatscht“ hatte! Niiege war die Situation ungemütlich und dem Obersten 
und drüde den Gegner auf Grünewald zu!l.. Meitzen mag Sie „Meine Anerkennung, meinen herzlichsten Dank für Ihre erst recht. Der suchte nach einer Ausrede. 
begleiten!“ famose Meldung!“ —* „Serr Leutnant Meitzen, die Aufregungen heute haben mich 
Die beiden Herren warfen die Pferde herum und jagten Der Oberst reichte ihm die Sand— doch recht mitgenommen, ich bedarf jetzt der Ruhe, bei meinem 
zu den beiden Schwadronen, um sie nach dem rechten Hügel zu „Es lamen wohl viele glüdliche Umstände dazu, mein Gefechtsbericht an Seine Exzellenz den lommandierenden General 
sühren. Verdienst ist so aroh nicht!“ werde ich Ihre Leistung zu rühmen wissen! Also Adieu einst- 
„Sie, Fliege, was haben Sie Dredfink denn da für einen Bitte,. Sie haben sogar Ihren „Leibhusar“ geopfert, weilen und nochmals vielen TDant! Heute mittag darf ich 
Schinder unter sich?“ wie ich eben mit Bedalern gehört habe!“ Sie wohl bitten, mein Gast zu sein?“
	        
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