Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 2 9 2 r 83 
preis fũr das Vierteljahr 3,90 Warl einschließlich B Pfg., ũr Auswãrtige 30 Pfg. s. Geschãftl. Mit⸗ 
Bringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen ohne W teilungen 1Mt. d. Zeile. Sabellen u schwieriger 
Beslellgeld 8,d Marl. Einzelnummern 10 Pis. Sah den Anforderungen entprechend hoͤher. 00 
Beilagen: Vaterstãdtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Umlsblatt der freien und Hansestadt Lubed 102. Jahrgang Nachrichten sür das Herzogtum Lauenburg. die 
heiblan: Gesetz und verordnungeblatt e — gũrfteniũmer Ratzeburg Lubec und das angren 
ννννν Ses0 —— — pp—Ü—ss zende medlenburgische und holsteinische Geblet. 
Orud und Verlag: Gebruüder B m B. in Mhed — el u Adrebhaus (Köniastr. 0) Fern sprecher 9000 u. 90001 
Ausgabe M. Grehe Uusgabe) Montag, den 30. Dezember 1912. abend⸗Blatt Ur. 659. 
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polilische Bedeutung des damaligen auffällig starken Minister— Auch im dalle ine bllerreihisherussischen Konfliktes wird 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. wechsels, der während der Kieler Woche beschlossen wurde, lag Rumänien eine wichtige Rolle spielen. Es dect nicht nur die 
M ——een— darin daß scheinbar von Bethmann-Hollweg sich seine Ver⸗ rechte Flanle der österreichischen Armee, die an der russischen 
— — — — — — trauensmänner selbst zusammenstellte ind sich gewillt geiate Grenze aufmarschiert ist, sondern fesselt auch starke russische 
Nichtamtlicher Ceil. in ede onnn neen l deen dar Auwenlige Kräfte, wenn es gemeinsam mit Oesterreich banden Sehn 
Amt übernahm, glaubte man in ihm den praktischen Geschãfts⸗ dagegen auf russischer Seite, so stößt ein Vormarsch unmittel⸗ 
mann gefunden zu haben, der lich bereits bei Erledigung des har in die österreichische Flante. Es ist daher begreiflich, dah 
Kiderlen⸗Waechter 4 , 33 bewährt hatte. Außerdem sah man Staaten ein großes Interesse haben, Rumänien auf ihre 
eine robuste Erfcheinung gewissermaßen als Symbol der Tat— Seite zu ziehen. 
u e 9 e en kraft an, mit der er die auswärtigen Interessen des Reiches Die große Rolle, die Rumänien bei jeder kriegerischen 
varũgm nnes. be g öν hene sen vertreten werde. Und die Herzen aller mannhaften Deutschen Verwidelung auf der Balkanhalbinsel und zwischen Oesterreich 
7 m 50 V i Freifrau von schlugen hoͤher, als am 1. Juli 1911 amtlich bekannt und Rußland zufällt, beruht einmal auf seiner geographischen 
Geninen Gunaberg, bei der er die Wehnacts iage gegeben wurde, unser kleiner „Panther“ sei vor Mogador Lage, dann aber auch in seinem starken und wohlgerüsteten 
be ene ä oen erschienen, um Deutschlands Interessen in Maroklo zu schützen. Seer, das das Land und seine Regierung in den Stand 
TDamals glaubte man plötzlich wieder an eine energische und schl diefe günstige Lage auch volllommen auszunutzen. Der 
l Serrn v. Schoens Nach solger Alfred v. Kiderlen⸗Waechter, Naflwolle deuische Auslandspolitik. Es ist bekannt, wie bald Koönig hat mit seiner Thronbesteigung seine hauptsächlichste 
veboren am 10. Juli 1852 in Sluttg art, machte 1870 den fran⸗ hinlerher diese deutsche Zukunftshoffnung enttäuscht wurde. Ueber Tãtigkeiti auf die Schaffung eines großen und starken Seeres 
gösischen Feldzug als Freiwilliger mit und studierte dann von die Tatigleit Kiderlens während des Ballankrieges und seine gerichtet und kann jeht mit Befriedigung auf die Ergebnisse zu⸗ 
1872 bis 1876 in Tubingen, Leipzig und Straßburg die Rechte, diplomatischen Erfolge zur Vermeidung eines allgemeinen euro— rudbliden. Der Sauptwert des Heeres liegt, abweichend von 
trat 1879 in das Auswärtige Amt ein war von 1881 bis 18834 paischen Krieges läht sich im Augenblid kein abschließendes Urteil den Seeren der übrigen Balkanstaaten, nicht so sehr in seine 
Selretãr in der Botschaft in Petersburg, von 1884 bis 1886 fallen. Soviel scheint festzustehen, daß Kiderlen an der Spitze ziffernmäbhigen Stärke, als in seiner inneren Kraft und Tüch 
in Paris und darauf Botschaftsrat in Konstantinopel. 1888 der ausgesprochenen Friedenspolitik gestanden hat und dab er tigkeit. 
begleitete er Kaiser Wilhehn nach Petetsburg Stodholm und im Verfols dieser Bemühungen eine zeitweise allerdings sehr Rach dem Gesetß vom Jahre 1910 dauert die Dienstpflicht 
Kopenhagen und nahm seitdem als Vertreter des Aus wärtigen borübergehende Annäherung an Frankreich hecbeiführte. Als letzkes im ganzen 21 Jahre, von denen 7 Jahre auf das altive Seer, 
Amtes an den Reisen des Kassers teil. Nachdem er von 1888 ãuheres Dolument seiner politischen Tätigkeit darf man wohl 10 Jahre auf die Reserve und 4 Jahre auf die Miliz tommen. 
bis 1894 als vortragender Vat in der politischen Abteilung die fürzlich erfolgte Erneuerung des Treibundvertrages hin— Die Dienstzeit bei der Fahne beträgt bei der Infanterie zwei 
des Auswãrtigen Amtes gewirkt hatte, wurde er 1894 zum Ge— flellen. Sie ist zwar unter sehr chwierigen Umständen und trotz Jah e, bei den anderen Waffen drei Jahre. Die übrige Zeit 
landten bei den Sansestädten 1805 zun Gesandten in Kopen⸗ bieler französischer und englischer Intrigen erfolat, aber sie wird auf Urlaub verbracht. Eine der rumänischen Armee eigen— 
hagen ernannt und 1900 als solcher nach Bularest verseßst. gilt heute wieder als feste Grundlage für die Erhaltung des artige Einrichtung ist der sogenaunte „Wechseldienst“. Er be— 
Die Kunde von dem plötzlichen Ab eben des Leiters un Mopaschen Friedens und Gleichgewichtes Ein Freund der sleht darin, daß sich bei den Truppen nur ein ganz geringer 
92 lonunt kute ebenso überraschend Plasse war Klderlen nicht. Die deutsche Presse hat sich nur zu attiver Stamm befindet und daß die dienstpflichtigen Leute 
deee ee een e etrene de ers usin ber die nangelnde Mormation durch das Auswärtige abwechselnd nur auf kurze Zeit eingegogen werden. um daun 
Mn vBochaft sch ter des dretterrn von Marswalt — Amt unter seiner Leikung beklagen müssen. Dieser Unsstand wieder entlassen und durch neue Mannschaften ersetzt zu werden 
n in nn ugenblich wo die europãische Lage hoch⸗ hat nafürlich auch manches dazu h aigetragen, dah er zuletzt in Es ähnelt dies in gewissem Sinne dem alten preußischen 
8 u wo wir fast annehmen durfen, daß der Ballan Deulschlands Oeffentlichkeit wenig genannt wurde und häufig Krümzersystem. Dieses System liefert zwar eine größere Zahl 
g findet Welche Komlilationen für die in der Maroktofrage Angrifse erfahren hat, u denen er nicht von Soldaten, die aber nur minderwertig ausgebildet sind. 
altung der Mächte sich daraus in det nächsten Zulunft ent schweigen durfte und denen er besser mit durchschlagenden Argu⸗— Seit einer langen Reihe von Jahren wird aber diese Art 
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e nnen, ist vo fig in ein Tunkel gehüllt. Soviel menten hätte entgegentreten sollen der Dienstleistung immer mehr eingeschränkt und ist jetzt nur 
ist uns aber bereits klar geworden, daß Rumänien bei der noch in geringem Umfange borhanden Sierzu gehören die 
Fortsetzung des Ballankrieges eine ausschlaggebende Rolle spielen nR i i 
es2 e sogenannten „Kalaraschen“⸗Regimenter der Kavallerie. Die 
uh. Im Sinbnid auf diese Tatsache ist das Ableben Kiderlens Die rumãnische Armee Mannschaften dieser Regimenter haben selbst ihr Psferd, ihre 
gegenwãrtigen Augenblick doppelt schmerzlich denn Kiderlen (Von unserem militärischen Mitarbeiter.) Uniform und Ausrüstung zu stellen und dienen im ganzen 
nach seiner 10jährigen diplomatischen Tatiateit in Bulka⸗ Einen gewichtigen Machtfaltor bei allen Verwidlungen auf 200 Tage, davon im ersten Jahr 180 Tage, im zweiten Jahr 
Goldenen Horn als einer der besten Kenner der dem Ballan bildet die rumänische Armee. Es ist bekannt, 40 Tage und im dritten Jahr 30 Tage. 
Ori n· daß die Türkei in diesem Frühjahr und Sommer vergebens Die genaue Friedensstãrke des Seeres wird geheimgehalten 
— r 2 Vr hat er an der Spitze des Auswãrtigen versucht hat, mit Rumänien ein Bündnis zu schließen, unter Im Jahre 1911 betrug der budgetäre Friedensstand etwa 4349 
Amtes en * m 26. Juni 1910 wurde er bei dem all⸗ dem Versprechen einer ansehnlichen Gebietserweiterung. Offiʒ ere, Aerzte und Beamte, 3650 länger dienende Unter 
gemeinen Minis erwechsel bei wolchem Rhenbaben durch Lentze Rumänien hat zwar dies Anerbieten abgelehnt. Es ist aber vffiziere und etwa 87 000 Mann, im ganzen ungefähr 95 000 
e bei welchem Furst Radorin Garis) als Botschafter hlar, daß ein Eingreifen in den jetzigen Balkankrieg von ent— Mann und 20600 Pferde. Der tatsãchliche Friedensstand hat 
den 2 schied erhielt und bei sein wenig erfolareicher scheidender Bedeutung gewesen wäre. Bulgarien hätte nimmer— den budgetären nahezu erreicht, ihn teilweise, namentlich im 
ener Schön den Pariser Boschafterposten belam. mehr seine groß angelegte letzte Offensive durchführen können, Mandver. sogar erheblich überschritten. Im Jahre 10911 
mi r Leifuna unserer ausmãärtiaen Volitif betrauf Die wenn es sich zugleich gegen Rumänien hätte wenden müssen wurden 39 500 Mann eingestellt Der rumänische Soldat ist 
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Die Spitzenkonigin. Besonderes etwas anderes, als was jede Frau in unserer hättest sie vom Ladentisch heruntergenommen, da habe ich 
Romnan vn Ban⸗ an Gesellschaftssphäre sich leisten lann?! Ta heißt es immer, geglaubt, es sei eine Dummheit, eine lindische Dummheit 
6. Zorhen — der belannte Fondsmaller Hermann Brunner, und alle Leute von dir gewesen, die du nachher bereut hast, und du würdest 
dortsetzung.) Machdrud verboten.) n e Millionen in deine Taschen fliegen, und wenn so etwas nie, nie wieder tun!. . . Und dann habe ich mit 
es nachher dazu kommt, und du sonst eine Schneiderrechnung Todesangst im und mit oll i 
As die beiden Gatten allein waren standen sie sich eine von tausend Mark bezahlen, dann fängst du an zu lamentieren sicht un 87 
en sprachlos es 13 n e u als wärst du ein kleiner Beamter!“ Jahr und Tag Angst gehabt, es ird doh noch etwas 
7 * Kampfe aufeinander stürnen wollen, ihre beider⸗ tschüttelte nur den Kopf und si mierh. — 
e eaee pua opf und sagte, ohne sie anzu eet nn .. und nun siehe ich heute wieder vor 
xine Niederlage erleiden werden. „Ich habe in dem vergangenen Jahr t ü rh z 
Wer Frau Ellinor war die Stärlere und die Mutigere. fünfundzwanzigtausend a dich e u un 2 J bie Schlafen o 
— enen eee eeenee t n btente ichier verzweifelt den Kouf, als wollie er 
ig von eine lch jekt ins Bodshorn jagen lassen weißt, das Geschäft liegt schlecht, schon seit Jahren, und du a io i i ei 
fannst! Du hättest dich doch auf jeden Fall vorher mit mir weißt auch, wie ich Johannes und Käte dadurch benachteilige. i 2* — dunei uberralb. 
eeee den er 927 wie du gestohlen hast! . ge—ssoh—len!. .. Weibl! 
ernehmen setzen müssen, Das ist das lehte, was wir Selbst will ich mich ja gern einschränken und tue es in jeder hie in d. 3 
—neee e — Weise, aber die Wirtschaft muß doch aufrecht erhalten werden! nn daz gur i h n nn sh u 
Er schuttelte erst nur den Kopf, dann sagte er mit ton— . Kate ist in dem Aller, sich zu verheiraten, und ich denle en rn 
loser Stimme: mit Angst und Sorge daran, wie ich auch nur eine Aussteuer h u 2 ma en niht geh Dr 
er can hat mir die Soitzen gezeigt da nd sie, sur sie aufringn son.« Er ging vor ihr im Zimmer auf und ab und sagte mit 
in w uff e nn ier mae hochnütig die Achseln. Vorlaäufia dumpfer Stimme: „Serrgott im Himmel, gib mir Kraft und 
Die schöne Frau ging schnell nach dem Tischchen hin und hatte sie erreicht, was lie wollte. Sie hatte ihren Mann, u lnd tlib wrper vu r 
fahte in den Zobelmuff hinein, um mit einem Ruf der Ent— für Minuten wenigstens, von jener gräßlichen Spitzengelchichte wenden und au lie lostunnd. rie er: Dentn du de 
nn die cere n een hee ene aeblach gar int mich — an unsere Kinder ..und an dein 
„Dieser Schurke, er hat sie gehrent!“ „Es Ist schlimm genug,“ sagte sie, „daß du nicht eigenes! ir sind doch entehrt, vor der ganzen Welt ge— 
Za wie du ilinee die du selbtt detdienst und woher nn dan en dentiat Ex bleibt mir nichts anderes ubriag, alß nur 
Ib weichenn Chevreaurleder belleideter Fuß stampfte Gewissenhafligleit. Alle anderen Maller spekulieren auf eigene ugel m den Kopf zu schieben! Johannes mun seine 
eruf den dicken Teppich, welcher das Parkett bededte. Faunst. wenn es auch ehnnal verfolen sta du nalurüich nicht! nisorm ausgiehen und Zate nn aue Wunsfet Lehrerin 
Du sollst mir das nicht vorhalten!. Bin ich etwa Du begnügst dich mit den paar Mart, die dir deine eurlagen Lder ust a Aehnlihes werden! Sie betommt nie 
2 n bin iennnn ee in nd Wechselgesafe nbngenne im Leben einen Mann mehr, und Efsi 
esehen und du lennst meine leidenschaftliche Vorliebe dafür! Ja,.“ bi 3 2 Er hielt an und horchle an der Tür, an welcher in diesem 
ne brtthen / Ist denn das auch ein vdessen 37 e ee naenbn in ui dehen aut n 
soiche 8 i von Frauen, denen ihre Erscheinung lange Enltüsiung über die leschtfertgen Worte seines Weides „Wer ist deun da? sraate er unwirsch 
erechtigung gibt, wie mir die meine, Tausende, bemerkbar macht Ich, i ine feine Sli ch me 
Pelonmen don hren Geien neen er rnnes machten. 5 ch, Papa,“ erwiderte eine feine Stimmen „Ich möchte 
fragen gar nicht nach der Söhe der n: e in Ja, da ist wenigstens einer von uns beiden ehrlich. ..“ dir gern gulen Tag sagen. It Mama auch da?“ 
e neee ene e den uent e e ie Hände und preßte sie gegen seine Brust. „Sage Und der Mann, trotz all seines Z2Zornes und der Empörung, 
nn aen eben dien n a m inor, was soll denn us uns werden, wenn du die seine ganze Seele aufwühlte, konnte seinem weichen Gemüt und 
—— eee m— he eschichlen machst! As ich vor zwei Jahren die Brillant⸗ seiner Zartheit doch nicht Salt gebieten, als er die Stimme 
ich heiratetenen Kaunn ich es micht nlnen n r bei dir fand, du weiht doch noch, damals, wo seines Kindes, seines Lieblings, vernahm. Er ging zur Tür, 
s eene en erst so eifersüchtig war und dich in einem ganz schlechten riegelte diese leise auf und ließ Efsi herein, ein zartes Ge— 
etwas Verdacht hatte .. . . wie du mir damals erzähltest. du schoͤpfchen von kaum zehn Jahren. die unfer einer wilden
	        
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