Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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Wöochentlich 13mal (Wochentags morgens und i C 22 6 ——575* QAusgabe 4 und B) sür die 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ n— e er E unm Q Zeile 20 Pfg. Kleine Anzeigen (Arbeits marlt usw. 
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— — Beilagen: Vater adtische Blätter. — Der Familienfreund. — 
Amisblatt der freien und hansestadt Lübed 162. Jahrgang Nachrichten sür das Herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz⸗ und Verordnungsblatt 8 e ee e 22 
ν ο lisiti de vrnn zende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Oruck und Verlag: Gebruder Barens Gaem. v. S. in pent e Adreßhaus Koniastr. 9). Vernsprecher 9000 u. 9001. 
Ausgabe MA. Groe Ausgabe) Montag, den 25. Dezember 1912. Abend⸗Blatt Nr. 650. 
Faden ss reÊÊñ ee ae auf dem Balkan nicht vorhersagen. Wenn ndliec zu einen 
i hier n. es unglüdcli z 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. oh leiner Zusnnnng den Vorschiagen der volshaler· Bluche tane e urde bannt νν 
en — — —— — — Vereinigung politische Nebengeschãfte machen lann. bpt. die Rolle Europas nicht beendet 
—u V— sein, denn die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten lönne den 
Brandherd vergröhßern. Frankreich würde eine Vermittlung 
Nichtamtlicher Teil. Eine wohlverdiente Abschüttelung anbieten und sich bemühen, die Mächte zur Aufrechterhaltung 
Berlin, 21. Dez. Die Natio nalliberale Korrespondengz wird des Friedens zu bestimmen. Aber so aufrichtig die W. 
in ihrer nächsten Nummer solgende Erklärung bringen: Die fichten Frankreichs sind, ebenso sehr ist es entschlossen, der 
Zur internationalen Lage. in der Dezember⸗-Nummer der Nationalliberalen Rundschau heiligen Sache der Nationalehre Respekt zu verschaffen. Ceb— 
Die internationale Lage ist erheblich klarer und günstiger rũher Pommersche Rundschau) belanntgegebenen Veroõ ffent⸗ hafter Beifall) Poincars wurde beglüdwünscht. 
geworden. Denn die sechs Regierungen der beteiligten Groß n tn l eee 
eee e e renden Ausschuß der Gesamtpartei zu folgender Erklärung: Stettin hinterland und Eisenbahntarifpolitik. 
delszugang zum Adriatischen Meere erhalten solle, im Puinßip Der gelchäftsführende Ausschuß verurteilt aufs schärfste 9?übed, 28. Deʒ. 
zugestimmt. Da auch Serbien nach einer alletdings nin die in diesen Veröffentlichungen enthaltenen Anariffe gegen In dem am letzten Sonnabend abend abgedruckten Vortrag von 
antlichen Mesdung dem Vorschlage der Bolfhalen verenn den Abgeordneten Bassermann, dem die Partei gerade dafũr Dr. N. Hansen über „Die wirtschaftlichen Verschiebungen an der 
ung dustimme ist fur die siebde Sosung ver ben zu besonderem Danke verpflichtet ist, dab er die Führerschaft Nord⸗ und Ostseeluste von 1847 · 1912 war auf den Vortrag 
serbischen Streitfrage die Bahn frei denachte Freiub sind auch unter schwierigeren Verhältnissen beibehalten hat. Ebenso des Stettiner Kommerzienrats Manasse wiederholt Bezug ge— 
die Einzelheilen der Art und Weise, wie der doppelle Bon entschieden verurteilt der geschãftsführende Ausschuß die sachlich nommen worden. Wir sind jetzt auf Grund einer privaten 
schlag durchzuführen sein noch nan feltaelege und da es igh völlig ungerechtfertigten und längst widerlegten Angriffe gegen Zuschrift in der Lage, aus diesem Vortrage die wichtigslen 
hierbei vor allem um die Worenung Moanens handelt, blei den Abgeordneten Schiffer, dessen Verhalten vielmehr als in Angaben Manasses über Stettins organische Verbindung 
der Diplomatie noch ein gut Sind Arbeit übrige Aber ver jeder Beziehung loyal ausdrüdlich anerkannt wird. Der ge⸗ mit dem Sinterlandeundseine Eilenbahnpolitil 
Entschluß aller beteiligten Mächle, einen friedüden Maleich Mastsführende Ausschuß erblidt in dem Vorgehen des Serrn zu machen. 
anzubahnen, bürgt wohl mit Sicherheit dafur dah auh de Gebeimen Justizrats Ludewig eine schwere, mit den Pflichten Es hat sich von jeher schwer für Stettins Zulunft ge⸗ 
Einzelheiten durch friedliche Vereinbarungen berden getegen gegen die Partei nicht zu vereinbarende Schädigung der na— rãcht. dab es mit Vorpommern, Rügen und den drei Oder— 
werden. Die Genugtuung, die über die Leistung der Bol tionalliberalen Partei. S — mündungen im Osnabrüder Frieden den Schweden zuge 
schafter⸗Konferenz laut wird, ist daher nicht unberehtigt. Die Der geschãftsführende Ausschuß des Zentralvorltandes der prochen wurde. Die Besitzverteilung. die damals santtionen 
Arbeit der Diplomatie verdient jedoh banahn — nationalliberalen Partei. —3 — wurde, mußte jede ortganische Verbindung Stettins mit dem 
unter dem Gefidpuntt Merennung ba e Dr Friedberg. Vorsitzender Seinrich Pringz zu Schö naich Carolath Sinterlande unterbinden Wahrend der nordischen Kriege I00 
Dauerndes zu leisten verspricht. Sind doch mit der Schaffung zweiter Vorsitzender, Dr. Krause, dritter Vorsitzender.“ bis 1729 war die Sitettiner Schiffahrt fast ganz gehemmt. 
eines serbischen Sandelszuganges zum Adriatischen Meere die 1521 ahlte die Stettiner Reederei noch 128 Saiffe. 1720 
berechtigien Interessen Serbiens gewahrt Wein dies der Fall poincaro über die Balkankrisis uur noch 33 Im Stodholmer Frieden 1720 erhielt Konis 
ist, lönnte Rußland trotz des Drängens seiner VPanslawisten Friedrich Wilhelm .. Vorpommern bis zur Peene, Slettin, Alt⸗ 
nach einer russischen Prestige Polit auf den friedlichen Stand⸗ WVaris 21. Dez In der heutligen Sihung der Kammer damm, Gollnow. das Haff, Usedom und Wollin in der Oden 
punkte beharren, den es nach der Versicherung feiner Diplo— erklärte Ministerpräsident Poincars, er sei vor der Kammer mündung. Swine und Dievenow. Wolgast und die Beene, 
matie von Anfang an eingenommen hat. Immerhin muß nach zu eben so großer Zurückhaltung verpflichtet wie vor der die damals fast einzig für die Schiffahrt in Betracht amen, 
den letzten Dumaverhandlungen anerkannt werden daß die russi Kommission für auswärtige Angelegenheiten. Er wiederholte blieben im schwedischen Besiß Dadurch wurde narutlich aug 
sche Regierung gegenüber dem panslawistischen Draufgängerium dann ausführlich wie die Komplikationen auf dem Ballan wieder ein Aufschwung Stettins gehenunt, weil Ssweden auf 
keinen leichten Stand hatte, und die große Rede des Pre— unrermeidlich wurden, zählte alle die Ereignisse der letzten der Peene hohe Zölle erhob. Dies änderte sich erft, als Fried— 
mierministers Kokowtzow kann angesichts der russischen Zu— Monate auf und wies wieder auf die Interventionen hin, rich der Grobhe 1746 Swinemünde zum Seehafen machte 
stimmung zu den Vorschlägen der Botschafter-Konferenz leinen die unternommen wurden, damit der Friede nicht gestört Der große Köms hob auch sämtliche Niederlagen und Gerecht 
Mißdeutungen mehr unterliegen. Auf die Frage, ob die werde. In einem längeren Rückblick hob Poincars das voll— samen auf und öffnete den freien Weg zum Binnen 
günstige Wendung auch erfolgt wäre, wenn Oesterreich- Ungarn ständige Einvernehmen zwischen Frankreich, Rußland und Eng— lande. Von 1744 bis 1746 ließ er den Finowkanal wieder 
keine umfassenden militärischen Maßnahmen getroffen hätte. land hervor. Poincaré erinnerte des weiteren daran, daß herstellen bezw. neu bauen. Als 1814 der lehte Teil pon Pom— 
braucht man in diesem Augenblid nicht näher einzugehen. Die Desterreich- Ungarn seit November klar und deutlich zu ver mern in preußischen Besiß überging, war für Stettin di— 
Tatsache daß der Standpunkt des Dreibundes allgemeine Gel— stehen gegeben habe, daß es keine territorialen Absichten der— Möglichleit eines grohßen Aufschwunges gegeben. Aber nun hin 
tung erlangt hat, nachdem die in erster Linie beleiligte Drei⸗ folge. So dann kam der Ministerpräsident auf die Initiative derte wieder der von Dänemark bis 1857 erhobene Sundzoll 
bundmacht Vorkehrungen militärischer Natur getroffen, wird in Englands in der Berufung der Botschafterlonferenz zu sprechen. die Entwicklelung des Stettiner Handels, so daß Stettin sich am 
Paris schon jetzt sehr unangenehm empfunden. Bemüht sich sowie auf die Beschlüsse, die diese hbereits gefabt habe, nament⸗ westlichen Sandel nicht genügend beteiligen konnte. Manasse steln 
doch der Matin, die Balkanstaaten dadurch aufzubringen, daß lich über die Frage emes Adriahafens. Poincarẽ erklärte, er es geradezu als ein eigenes Verhängnis Stettins hin, 
er von einer Unterwerfung der Triple-Entente unter das ge— sei überzeugt, daß sich Serbien diesem Standpunkt anschließen dahß es im Laufe seiner ganzen Entwidelung durch u 
rüstete Oesterreich snris ⸗ Ohne Zweifel wird in Waris diefer werde Man kann das Ergehnis der Friedensverhandlungen hohe Abaaben wirtschaftlich gehemmt worden fei. 
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3 3 2212 dünner schwarzer Schnurrbart nach beiden Seiten ausgestrichen Daß sie ein Unrecht beging, dieses Gefühl halte sich bald 
Die Spitzenkönigin. war. und mit der Zeit vollständig verloren. Ebenso auch die Furcht 
Roman von Hans Hyan. Kümmern Sie sich nur nicht darum meine Gnädigste! vor der Entdedung, welche sie in Ansang oft fast wahn— 
¶. dortsetzung.) Machdruck verboten.) Seien Sie lieber froh, daß Sie noch nicht im Kittchen sitzen! sinnig gemacht, wenn sie irgend einen Gegensland erbeutet hatte 
Er zögerte keinen Augenblick mit seiner Antwort. Venn ih ollte. batte ich Sie einfach festnehmen lassen und mit diesem nun aus dem Geschäst auf die Strabe hinaus 
Es liegt nicht im Interesse der Sandlung Madame, sunen! Das bleibt. wie Sie eben ganz tichtg andeuteten strebte. 
õoffentliches Aufsehen zu erregen. Die Firma wendet sich in Bon meinem Sause ie absolut u berlassen Jetzt auf einmal kehrten jene Bengstigungen tausend G 
solchen Fällen jedesmal an den Gatlen der Diebin ind fordert lagn uu auf und e eeeee zurũch Sie sah, wie von grellem Lichte übersirahln, die urd 
von diesem einen einigermahen nstiedentellenden Ersatz für a ist ja egal! Das ist mir egal! Ich habe nichts ge⸗ baren Folgen, denen ihre Uebeltat nicht allein sie selbst 
die gestohlenen Waren!“ su — p a 2. — sondern auch ihre ganze Familie aussetzte. Ihr Gatte, was 
„Wollen Sie damit sagen, daß es Ihre Absicht ist, meinen 22 griff ihre Rechte verltohlen nach dem Queeg würde er sagen, wenn man sie jeht als Diebin nach Bause 
Gatten zu benachrichtigen die Mode mit sich brachte — ehr groben Zobelmuff, den brachte. und Käte und Johannes besonderß der 
Er maten phne eine Miene zu verziehen. sie neben sich auf den Sitz des e hingelegt hatte. Und ihr eigenes Kind, ihre Effi o, o e ar lich aus. 
Merdinas! Ich werde im Auslrage der Sandlung mit S r dee de davon!“ laate er. immer mit zudenlen! 
Ihrem Herrn Gemahl onferieren, wie er sih zuner Frige höhnischen Grinsen. 57 Das Automobil hielt in der Ansbgcherstraße und die 
fleln od und mit welchen Belrag er sich ueeiner Vveraug, „Ich ve eht gut, dah Sie die Spitzen in den Muff junge Frau, der ihr Begleiter mit iro nischemn Grinsen aus dem 
uns gegenüber verstehen will. Teswegen bin ich zu Jhnen u haben! 3323232 2 Wagen half, schritt in halber Bewußllosigkeit und dennoch 
in das Automobil gesliegen und deswegen werde ich Sie jeht one one er um lie herum greifen, um ihr den Muff nichts von ihrer Elegang und Grazie einbühend, über den breiten 
in Ihre Wohnung begleiten! Im nächsten Augenblick jedoch prallte er entsett zurüd. Burgersteig auf das Saus zu. * 
Die schöne Frau sagte kein Wort. Sie hatte vorher mit Er hatte von der in taubengraues sämisch Leder gehüllten Vor der Tüur wandte sie sich noch einmal um und sah mit 
einer hastigen Bewegung ihre Pelziade aufgerissen und man Hand eine regelrechte Ohrfeige belommen. verlorenen Bliden nach dem Aukomobil hin, dessen Führer, do 
jah, wie unter dem Tuchkleid, das bdis an den vals geschlossen „Warten Sie blohn nrschte een das soll Ihnen schlecht noch nicht abgelohnt. wartete. 
war, ihre volle Brust sich in dem Slurm der Empfindungen, bekommen!“ Dann siel ihr Auge auf den Mann, der sie mil seinen 
die ihr Inneres bewegten, hob und sentkle Sie lachte hell auf aber er hörte aus dem schrillen Blicken vorwärts drängte. Ein scheues Mitleidflehen war in 
Wer all die Angst, die namenlose Qual, die sie erbeben Ton doch, welche Analf in ihr lebte ihrem Antlitz; wie aber ihr duntles Auge nur immer demselben 
ließ bei dem Gedanken an ihren Gatten und ihre Fanilie, wal Den Rest der Fahrt legten sie schweigend zurück Hatte sie grimmigen Hohn begegnete, da aing sie mit leicht gesentemn 
nicht imstande, den scharfen Verstand und die Konbinaons anfanas Zweifel gehegt, ob er wirllich berechtigt war, sie Kopf vor ihm her, der ihr so dicht auf den Fersen solgte 
gabe dieser Frau ganz lahm zu legen. Sie begann nahudenten in dieser Weise anzuhalten, so war sie jeht überzeugt, daß als fürchte er imner noch sie würde ihm entfliehen. : 
und gewann dabei ihre Fassung wieder. Ihre großen, sammen tatsächlich ein Angestellter des Kaufhauses an ihrer Seite sah In der zweiten Etage, an dem Mittelflügel der großer 
dunllen Augen, die durch den Kontrast zu dem Rolblond Eine dumpfe Betäubung hatte ich der schönen Frau be— Glastür, welche die ganze Etage einnahm, glänzte ein Messing 
ihles Haares doppelt anziehend wirkten, fest auf ihren Rabar mächtigt. Sie wußte ja nicht einmal, wie lange sie schon schild mit der Aufschrift Hermann Brunner“. 
richtend, sagte sie plötlich die Läden, in denen sie laufte, auf diese Art beraubte. Im Und da sie selbst völlig leilnahmslos vor der Tür stehen 
Da müssen Sie wohl eine Generalprolura von Ihrem Anfang hatte ihr bei jedem Griff in fremdes Eigentum die blieb und offenbar von ihrem Mut ganz verlassen war, grif 
Sause haben die Ihnen ein für allemal freiflelln was Sie Seele gebebt in namenloser Angst, aber allmählich hatten der Mann nach der Türklingel und schellte 
tun wollen; denn daß Sie inzwischen mit Ihrem Geschäft sich ihre Finger daran gewöhnt, das zu ergreifen und festzu⸗ VUVUnmittelbar darauf wurde die Tur geöffnel nnd das Dens 
Rüclsprache genommen haben, ist doß ganz ausgeschlossen.. halten, was nicht ihr gehörfe. Und sie war vermöge ihres mãdchen, das einigermaßen erstaunt auf den fremden Serrn 
Ich bin ja direlt vom Spihenlager duf die Straße hinaus— sicheren Austrekens und ihrer Schönheil, die überall verblüffte, blidte, sagte mit einem Knir 
gegangen dahin gekommen, überall diese Diebslähle mit großer Regel— „Ah, auten Tag, gnädige Frau, Serr Bruet warte 
Er grinste wieder, wobei hähliche geibe Zähne zum Vor— mäbigleit aufeinander folgen zu lalsen und einen bedeutenden schon auf Siel⸗ 
schein lamen zwischen seinen schmalen Lippen auf denen en Nutzen aus ihnen zu uiehen (Forfsekung folat)
	        
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