Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amisblatt der freien und Hansestadt Lübet 162. Jahrgang Nachrichten sür das herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz · und Verordnungsblattnte Fũrstentũmer Ratzeburg, Lübec und das angren 
Jal ab, befindet 
ννννοννννν να —— ——p p———s zende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Oee und Verlag Gebrner Borh es hee in Labet — Gelschat·⸗ e (Könlastr. 46) Fern sprecher 9000 u. 9001 
Ausgabe MA. Grohe Ausnale) Donnerstag, den 19. Dezember 1912. Abend⸗Blatt Ur. 643. 
u.nn. — — — —— — ——— — — — 
3 Die Rede des Ministers Kolowzow dauerte eine Stunde. des Prinzregenten Luitpold niederlegen lassen. Der Reichstags⸗ 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. Sie wurde an den Stellen, die sich auf die Fragen der abgeordnete Dr. Pfeiffer begleitete den Diretlor Jungheim. 
— — — — — Verteidigung des Staates und auf die Ballanereignisse be— Auf Befehl des Prinzregenten Ludwig findet an den beiden 
— 2 2 zogen sotgeseht durh Besfaletuenne as anf mlen Seum Tagen nach der Beifehung am drenag ind Sonnaben oe 
7— des Hauses und Zustimmungslundgebungen unterbrochen. In mittags. ein feierliches Requiem llatt, an dem die gesamte 
NNichtamtlicher Teil. der laiserlichen Loge waren einige Großfürsten anwesend. Als lõnigliche Familie und die etwa noch in München wellenden 
Kolowzow seine Erkllärung beendet hatte. wurde die Sihung sremden Fürstlichleiten teilnehnen werden, ebenso wie die 
geschlossen und die Diskussion auf Freitag vertagt. Hof⸗ und Staatsbeamtenschaft. Am Freitag, nach dem Requiem, 
kokowzow über Rußlands haltung. n, e 
Wenn den Bestrebungen der Großmächte, den Frieden zu Die Friedensverhandlungen. ae he 
sichern, bisher ein beunruhigendes Moment inne wohnte, war es Konstantinopel. 18. Dez. Von authentischer Seite ver— München, 18. Dez. Im Laufe des heutigen Taäges sind 
allein das beharrliche Schweigen der russischen Regierung. Die lautet, daß der heutige Ministerrat beschlossen habe, den tür— zu den Bessebungsfeierlichkeiten eingetroffen: Infant Don Carlos 
pessimistischen Stimmen der letzten Zeit halten ihren Grund fast kischen Bevollmächtigten Instruktionen zu übermitteln, die bon Spamen, der framsishe Bonhafler in Berlin Camnbon 
ausschließlich darin. Jetzt endlich bricht Ruhland sein langes dahin gehen, unter gewissen Bedingungen auch ohne Unter— Herzog von Ted als Verltete des KWonigs von Glohbritannen. 
Schweigen und sellt sich offen auf die Seite der Grohmäshte und zeichnung des Waffenstillstandsprotokolls seitens Griechenlands ferner der Herzog von Genug, der Grobherzog von Baden, der 
hritt für das Werk des Friedens ein. Es kann wohl keine die Teilnahme der griechischen Bevollmächtigten an den Frie— Fürst von Hohenzollern, Herzogin Phllipp pon Wuͤrtlenbers 
aünstigere Vorbedeukung sür die jetzt beginnenden Konferenzen densverhandlungen zuzulassen. mit den Hetzögen Albrecht Robert und Uuich 
geben, als daß auch die letzte unbekannte Größe durch eine London. 18. Dez. Die Times schreibt: Die Norddeutsche München. 18. Deß Der ruhere Minnser Frhr. Graf 
bekannte ersetzt worden ist. Nun werden die Diplomaten das Allgemeine Zeitung drückte nach unserer Meinung die Auf— Podewils ist seit längerer Zeit in Bordighera an Jschis schwen 
Friedensexempel lösen lönnen, diese Gewihheit haben wir nach fassung Europas aus, als sie vor einigen Tagen schrieb, daß erkrankt und muh auf Anraten der Aerzte von der Reile nah 
der gestrigen Friedensrede Kolowzows, die als das erfreulichste man den Besprechungen der Botschafter in London allgemein Munchen absehen 
Ereignis des Ausenblicks bezeichnet werden muß. mit dem Vertrauen entgegensähe, daß die Besprechungen c 3 — 
Kolowzow sührte in dieser Rede aus: Es wäre gegenwärtig eine ausgesprochene friedliche Tendenz hättan. Das Empfin— 
berfrüht, darüber zu peben, welches Mitlel gegenüber irgend den aller Nationen ist, daß es ihre Regierungen in höchstem Das Unglũck auf Zeche Achenbach. 
einer besonderen Frage, die durch die Ereignisse auf dem Maße diskreditieren würde, wenn sie wegen Fragen, die die Dortmund, 18. Dez. Die Ursache der Katastrophe ist, wie 
Balkan aufgestellt wird, beschlossen verden wird. Die Grund— Diplo matie lösen lann und lösen sollte in einen Krieg man vermutet, daß ein Bläser angebohrt wurde und die Gale 
prinzipien von denen sich die Regierung leiten lassen muß gestürgt würden. Wir sind davon überzeugt, daß bloß auf— sich durch einen Schuß entzündeen 
wenn die Stunde der end ingen Eutshadung geschlagen n richtiger guter Wille und gesunder Menschenverstand erforder— DdDie Teiluahne Raiser wilhelns 
sind ebenso durch unsere Vergängenh bie ie eite lich sind um einen Ausgleich im Eintlang mit den wahren Auf ein an den Kaiser abgesandtes Telegramm über das 
bestimmt sie mit den Bedingungen unserer gegenwärtigen Poll— Interessen aller herbeizuführen, Interessen, deren vitalstes und Unslüd ging solgende Antwort ein: 
tit in Einktlang zu bringen Getreu unserem Bundnis und allgemeinstes die Exhaltung des europäischen Friedens ist votsdam 18 Dez n verrn Berghauptmann Viebrecht, 
unseren Enlenten mit anderen Großmächten der Unterstähung Staatssetretär Sir Edward Grey und die Botschafter Zeche Minister Achenbach, Brambauer. Seine Maieslät der 
inserer Freunde und Verbündelen sichen fehen wir merseit der Großmächte haben heute nachmittag die Besprechungen Kaiser und König haben die Mitteilung von der Wetlerexplosion 
Nutzen darin die Gruppierungen der Mächte in Gegen— im Auswärtigen Amte aufgenommen. auf der Zeche Minister Achenbach und dem Tode so zahlreicher 
saß zu einander zu bringen. Alle Regierungen, die das Ge— Einige Friedensdelegierte sprachen heute im Auswärtigen tapferer Knappen mit schmerzlichem Bedauern 
biet der gemeinsamen Besprechung der Grundfragen der gegen— Amt vor. erhalten und lassen Sie ersuchen, den Sinterbliebenen der 
wärtigen politischen Lage verlassen würden, 1u den eine shere Wien. 18. Dez. In hiesigen diplomatischen Kreisen ver— Verunglüdten sowie den Verwundeten Allerhöchst Ihre wärmste 
moralische Verantwortung übernehmen sür die etwaige Mög— lautet daß für den Fall, daß zwischen den Griechen und Teilnahme auszusprechen. Auf Allerhöchsten Befehl, 
lichleit späterer internationaler Verwigelungen. Die Gros— Bulgaren leine Einigung wegen Saloniti zustande lommen Geheimer Kabinettsrat von Valentini 
mächte bhaben zu triftige Gründe, um nicht zu versuhen, der sollte, von den Großmächten vorgeschlagen werden würde, 
künftigen Entstehung von Verwidelungen vorzubeugen, die Salonili und ein Stück Sinterland zu internationalisieren. 
sich bis zu einer Bedrohung des europäischen Friedens aus Desterreich· Ungarn und Serbien. Das Vorgehen der deutschen Klinikerschaft. 
wachsen koönnten. Die russische Regierung hofft daß bie solda Wien. 18. Dez. Die Neue Freie Presse meldet: Der Salle a. S., 18. Dez. Der Beschluß der medizinischen 
rischen Bemühungen, von denen die Großmächte beseelt neue serbische Gesandte Jowanowitsch stattete heute dem Fatultät als Antwort auf den Streik der Mediziner wurde 
sind. ihnen helfen werden, ein Einverständnis über Minister des Aeuhern, Grafen Berchtold, seinen Antrittsbesuch diesen heute zugestellt. Darin lehnt die Fakultät die Forde— 
die Lösungen zu finden, die ihre Inleressen mi ab. Der Besuch dauerte mehr als 113 Stunden. Nach der rungen der Studenten abe Die Medier und die Fanma 
den gesehten Ansyrüchen der Balt nlaaten dersöhnen. Zusammenkunft äußerte sich Jowanowitsch sehr befriedigt über bewahren strengstes Stillschweigen über die Motive der W 
Deswegen begrühe er aufrichtigst die Initialive der brilschen den Empfang. Er hoffe, sagte er, daß sich alle Schwierig- lehnung, doch werden die Studenten heute nacht über velere 
Regierung, die eine vorläufige gemeinsame Besprehung der keiten auf friedlichen Wege würden beseitigen lassen. Die Schrilie beraten. 
Fragen über die Liquidation des Krieges, bei denen die Konversation zwischen Oesterreich Ungarn und Serbien werde Greifswald. 18. Dez. Die Klinikerschaft der hiesigen 
Interessen der Mächte mitspielen, vorschlage. Die sympathische so bald als möglich beginnen, natürlich erst nach seiner Audienz Universilat vaschasiale sih hene nit ven Universilatssireit 
Aufnahme, der dieser Vorschlag in den Hauptstãdten Europas beim Kaiser. in Halle. Es wurde beschlossen ein Sympalhielelegramm nach 
begegne, ebenso die Zusammenkunft der Botschafter in London, Die Lage vor Tschataldscha. Halle zu senden und sich ferner mit der hiesigen nediginischen 
die soeben begonnen habe, müßten, so hoffe die russische Re— London, 18. Dez. Nach einer Meldung der Times haben Fakultät in Verbindung zu sehen sowie bei dem Vorsibenden 
gierung, die friedliche Lösung der gegenwärtigen Krisis er— die Verbündeten an der Tlschataldscha-Linie insgesamt 180 000 der Leipiger Klinitferschaft die Einberufung ines außer⸗ 
leichtern. Der Minister schloß: Durchdrungen von dem auf⸗ Mann stehen, denen 140 000 Mann türkische Truppen gegen— oͤrdenchen Verband lage⸗ aller deutschen Klnikerschaften zum 
richtigen Wunsche, alle Mittel zur Erhaltung des europäischen überstehen 4. Jan. nach Halle zu beantragen Man dindie di⸗ Soffnung 
Friedens anzuwenden, drückt die rusische Regierung die Soff bal ei e g 
at. e Aegl dle 22 be guten Verhältnis wischen Lehrern und 
sng aus, daß mit Gottes Hilfe unsere Bemuhnngen von Er— au der Beisetzungsfe er in München. Shidenten in Greifswald hie ein gütliche Beilegung möglich 
fölg gekrönt und die lünftigen Ereignisse die vitalen Inter⸗ München, 18 Dez Ver Denlshe Reihslag bal haute durch sein werde. Trotdem wurde beschlossen nach Neujahr in 
essen Rußlands nicht berühren werden, die zu verteidigen wir seinen Direltor Geheimrat Jungheim einen mächtigen Lorbeer den Streil zu treten, wenn die Forderung aller deutschen Kli 
herufen sind im Namen dar Ehre und Würde unse es 8 ranz mit aroher Schleife in den Reihsfarben an de Ba nikerschaften nicht anerkannt werd⸗ 
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goldblondes Lödchen, von schwarzem Seidensaden anmen Aber auch er war an Er hatte an scacec Mei⸗ 
Tante Dora. gebunden, und ein paar welte Rosenblätter sielen raschelnd ß religiöse oder ee ni e 
Novelle von Therese Deede. zur Erde, als Anita das Häubchen über ihre Finger zog gedacht hleran nicht! les was dau mibh nneb bo 
Schluß) Machdrud verboten) D i j ih an nirn da 
Sch i Darum also! Anitas Herz lopfte laut und ihre Wangen war so gut, ach, war so lieb!“ Das Schhmerzenswort Gretchens 
Die junge Frau legte das Blatt wieder zu dem Gelde und wurden dunkelrot. Ja freilich! Ihr strenger Vater hatte der fiel ihm ein und so manches Erlebnis aus leiner und der Kame— 
schaute ergriffen zum Fenster hinaus Die Lindenblätter ütterten Schwester einen solchen Fehltritt nie verziehen, und tein Ein— raden leichtsinnigen Vergangenheit! Er ging leise in die Schlaf⸗ 
eise im Winde und auf dem See ließ die Sonne bubernde luß war mächlig genug gewesen, sie hier, in dem lleinen Orte, lammer und schaute lange mit tiefen Ernst auf das selbst 
Lichter spielen, die wie Feuersunken hin und her huschten. sestzubannen, da in ihrer Jugend ein Fräulein von Aschheim noch im Alter und im Tode so edel schöne Antlitz der Frau, die 
Weshalb war dies edle Leben hien so hingeschwunden, wie noch keinen Weg zu eigener Lebensbetätigung fand, als sis durch viele Jahre einsamen Kampfes gegangen war und doch 
ein Bach im Sande? Was halle ihlen Valen bewogen die vom herlömmlichen Pfade abgewichen war. Wie oft hatle Frieden erlangt hatte. 
schöne Schwester, die doch sicher ein Stolz der Familie, eine Anita ihres Vaters Ansichten über diese Dinge gehört, wie Die Männer brachten nun den schlichten Sarg; der Schul— 
Freude des Bruders gewesen war, hier der Vergessenheit zu hroff hatte er sich geäuhert über manche Bestrebungen der lehrer und seine Frau halfen den Leuten beim Einlegen 
überlassen? Kein Wort gab Aufschluß darüber, das Schreib— Meuzeit. Jeßt konnte lie sich seine ungewöhnliche Heftigkeit dabei der Leiche, und viele Kinder trugen Feldhlumen, Eichenlaub 
pult barg nichts Bemerkenswerkes nehr In einem uneren aten! ir ihn war die Schwester tot nach einem solchen und Rosen herbei und schmüdten die Toten Sie uhle uun 
Schubfache lagen nur Tücher, Schürzen und dergleichen uühliche Schimpf. den sie der Ehre seines alten Hauses angetan hatte. ganz unter Blüten auf ihrem leßten Lager, das erst am nächsten 
Gegenstände, und ganz hinten in der Ede ein weißer Schlelen Für ihren Unterhalt sorgte er vflichtgemähß ihr Mann war Morgen geschlossen werden sollte. m 
zu einem Päcdcchen zusammengewidelt und mit einem schwarzen nicht mehr über seine Lippen gekommen! Anita begriff jeht A die Leute fort waren, lrat Anita nochmals an den 
Bande umwunden. Anita holte das Pädchen hervor und löste alles! Sarg und schob das Echleicipaacen unter das Kissen. auf dem 
den Knoten. Ein Ruf höchster Ueberraschung entfuhr ihr und „Arme Tante Dora!“ murmelte sie troßdem. Aber auch das slille Gesicht lächelnd ruhle. Zärklich slrich sie über die 
unwilllürlich schaute sie sich um, ob die Tür zum Schlafzimmer ihr Vater tat ihr leid. Was mußte der stolze Mann gelitten kalte Wange der Toten und sagte leise: 
auch wirklich geschlossen sei und das bleiche Gesicht dort haben! Wie won 9 hlen Uber iie, Heina! Wer wein wie 
auf dem Lager nicht Zeuge wäre, daß ihre Hand jetzt an Eifrig suchte sie weiter, aber es fand sich nichts. Die an i n re d e n 
etwas rührte, was wohl längst vernichtet sein sollte und auch Tante hatte offenbar längst jede Spur vernichtet und sich 3 u t undenten 
oernichtet wäre, wenn der Tod nicht überraschend gekommen doch nicht trennen können von diesen Sahen, die ür in aller h 
wäre. Stille geborenes und bald gestorbenes Kindchen nur kurze Zeit Und Seinz legte gerührt den Arm um seine kleine Frau 
In dem ergrauten Schleiertuche lag alles beisammen, was benutzt hatte. Rätselhaft blieb dieles; aber der ungen Fran und lüßte sie herzlich auf den weichen, rosigen Mund. 
ein hleines Menschenkind auf seinem ersten Lebenswege nötig und Muttter, vor deren geistiges Auge jetzt zwei blondlocige 
hat, vergilbt und alt, aber zierlich und voll Sorgfalt ge— Kinder traten, die zu Hause in ihren weißen Betten lagen, — 
arbeitet, vom kleinen Spitzenhäubchen bis zum selbsigestricten waren diese vergilbten alten Sachen unendlich rührend und ihr 
Windelbande. Ein lUeiner Briefumschlag enthielt ein winziges Mann fand sie bei seiner Rückkehr in heißen Tränen
	        
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