Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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Wöochentlich 19mal (Wochentage morgens und ¶ 22 * 2 —2— r. 
abends, Sonntags morgens) erschelnend. Bezugs· 7—11— 9 2 s Vig. sũr Auswãrtige 0 Pfa. s. Geschafl. M · 
preis für das Vierieljahr 830 Wart einschlleßlih —0 1R — ss 
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—— eilagen; Vatern adtische Blãtter. ¶ Der Familienfreund. ⸗⸗— 
d hansestadt Lübect Nachrichten sür das herzogtum Lauenburg, dle 
Umtsblatt der freien und h 2. Jahrgang ibea indd 
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Beiblatt: Gesetz · und Verordnungsblattt —* 222 he und bolseinsche 6biei 
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vrug undo BVerlag· Georuder Boeervers G. m. b. v. mn ⁊ orekhaus Gonialtr· 48) erlrener booo u an. 
Ausgabe M. Große Ausgabe) Montag, den 18. November 1912. Abend⸗blatt Ur. 580. 
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m n tellen. Tagsuber wurde mehrfach von den Batterien grunde, ohne daß in diesem Augenblick beabsichtigt wird, 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt, ua Kriegsschiffe vor Derkos liegen ihn wegen der Adriafrage allein zu verwirklichen. 
owie eert ß u Was die lurlischen Bemühungen um Erlangung eines 
griffen mit Geschütfeuer ein. Nach der Anschauung der Offi 2 utueen 2 
Gesetz⸗ und Vgorhmneeblatt ziere ist es unmöglich, bei Tschataldscha noch zu kämpfen, aller⸗ Wasfenstillstandes anbelangt, so scheint er für den Augen⸗ 
der freien und aunea Nr. ñ dae ebenso auch r die Bulgaren dieje Slenne u beenn m faltisch eingetreten zu sein; vereinbart aber ist e 
Geset, die Eingemeindung des Städtchens Trapemünde sowie ohne die gesamte bulgarische Armee durch Cholera zu gefährden. nicht. 
der Landgemeinden Gueversdorf, Siems, 
vine re e i b Im Granatfener von Slutati. Abslauen der russischen Kriegsstimmung 
ae Ein in dem belagerten Skutari weilender englischer Arzt Gon unserem Petersburger Mitarbeiter.) 
— entrollt in einem Bericht traurige Bilder von seinem Auf⸗ ueg. St. Vetersburg, 15. Nov. 
Amfang der heungen »ummer 6 Seuen— enthalt in dieser von der Beschießung heimgesüchten Stadt. Wie in Petersburger Diplomatenkreisen verlautet, ist die 
— — „Ich sah eine Frau, die ihr Kind in den Armen trug, als Spannung wegen der Ariahafenfrage im Abflauen. Die russi— 
Nnichtamtlicher Teil. eine Granate niederfiel, den Säugling in zwei Teile zerriß sche Nationalisten⸗Presse hat in diesen Tagen das Denkbarste in 
und die Mutter unberührt ließ. Und eine andere Frau stand chauvinistischer Kriegshetze geleistet und es gab Tage, in 
in der Tür des Hauses, als eine Granate Über ihren Kopf denen das lleine schreiende Säuflein vom Erfolge beglüdt zu 
in das dahinter liegende Zimmer flog, krepierte, die zwei werden schien. Die Deroute der Petersburger Bõrse nahm 
er d9 an r eg. Kinder der unglüclichen Mutter tötete und das BSaus in lein Ende, so daß selbst den Baissiers bange wurde. Es 
7 Flammen setzte. Im Hospital erlebt man schrecliche Bilder. waren ernste Tage. Jetzt wird aus London und Paris ge— 
Die Cholera und die aus ichislose Lage bei Tschataldscha. Und man möchte darüber verzweifeln. daß die türtischen meldet: Böorse fest auf günstige Ballanlage“ Somit haben 
Bularest, 17. Nov. Nach Meldungen, die brieflich aus Patienten. Männer wie Frauen — die Frauen fast immer wir es wieder einmal erlebt. daß in Europa der Wille zum 
Konstantinopel hier eingelaufen sind erscheint, wie einige als Opfer der in die Stadt einfallenden Granaten — sich Kriege nicht vorhanden ist und deshalb selbst in der ver⸗ 
auslãndische Offiziere berichlen die am Donnerstag und Frei— hartnädig weigern. eine Amputation zuzulassen. Sie ziehen fahrensten Situation ein Ausweg gefunden wird, und auch, 
tag die Verteidigungslinie bei Tichataldscha besuchten, dort den Tod vor, den sie übrigens nicht im geringsten fürchten. daß der Staat, der sich am entchlossensten zeigt und An⸗ 
die Lage aussichtslos. Die Schützengräben sind nur Die Soldaten im Hospital — ich sah etwa 150 Verwundete stallen trifft das Schwert in die Wage u werfen, die 
teilweise ausgehoben; Berge von Schanzzeug, sowie große — lind wadere fröhliche Gesellen. Ein völlig zerfetzter Un— anderen zum Nachgeben zwingt Nur die von Rom allerdings 
Mengen von Siacheldraht liegen besonders auf dem am meisten glücklicher bat mich, ihn doch ruhig sterben zu lassen. was er dementierte Geschlosenheit des Dreibunde⸗ bei der nur mühsam 
gefährdeten nördlichen Flügel unbenußt umher. Die Mann— mit Gleichmut tun könne, da er noch am Morgen mit seinem lascherten Uneinigkeit der Tripleentente in den orientalischen 
schaflen sind infolge der Cholera messt nicht mehr imstande eigenen Bajonett fünf der Feinde ins Jenseits vo rausgeschidt Fragen bat den Siesa uber das wiedergefundene 
zu arbeiten. In den Schutzengräben halten vereinzelte Sol⸗ habe Ich bin voller Bewunderung für die turtischen Sob⸗ Eutopa davongetragen. eine Geschlossenheit die eo 
dalen Wache, während zahllose Kranke auf den Feldern dahinter daten. sowohl für die Offiziere wie für die Gemeinen und problematisch sie auch war, im entscheidenden Augen 
sich stöhnend in Krämpfen winden und sterben Auf den ich bin felt überzeugt daß sie schwer verleumdet werden. blide noch zutage trat. Auch der Umstand, daß der Ver— 
Wegen die strahlenformig von eingelnen Korps zur Zentrale. wenn man ihnen Barbarei uschreibte ox8 reter des bulgarischen Volles Sobrane Präsident Danew, 
zum Bahnhof Sademtoöj führen, wanken unzählige holera— b6bGoeben in Konstantinoyel der Vater des Vierbundes dem Zar Ferdinand, von der 
kranle Soldaten umher in der Soffnung, mit Hilfe der Bahn Pera, 17. Novp. Der PVanzerkrteuzer „Goeben“ ist Sonn-⸗ Heeresleitung vollig in Anspruch genommen, in politischen 
aus dem verseuchten Gebiet entfliehen zu können. Auf dem abend vor Pera eingetroffen Vor der Front und in Kon⸗ Dingen plein pouvoir erteilt hatte, in Budapest ausschliehlich 
Bahnhof Hademtöj befindet sich in einem Salonwagen das stantinopel ist heute noch Ruhe mit den Vertretern Oesterreichs Deutschlands und Rumänien⸗ 
Oberkommando unter Nasim Pascha und im Stationsgebäude lonferierte. hat in Pelersburg sehr bedenklich gestimmt, aber 
das Kommondo des ersten Korps unter Ali Risa Pascha. Dieser auch den Gedanken nahegelegt, daß der Balkanvierbund ein 
war an Cholera hoffnungslos erkrankt und sollte sterbend nach Zur Adriafrage. Glied mehr in der Kette werden könnte, die den Dreibund mit 
Konstantinopel gebracht werden. Auf dem Gelände um den Die Nachrichten. denen zufolge der österreichischserbische Rußland verbindet. Das Dilemma wischen der Abneigung gegen 
Bahnhof herum lagen Tausende von erkrankten Soldaten Gegensatz in der Adriafrage lich von neuem verschärft habe, den Krieg einerseits und der ewigen Kriegsgefahr infolge des 
und Hunderte von Toten. Die Belämpfung der Seuche erscheint werden von unterrichteter Seite nicht bestätigt. Ein falsches Gegenũberstehens der Tripleentente und des Dreibundes anderer⸗ 
ummöglich. Bei Derkos, wo die Wasserleitung für Konstanti— Bild geben auch die gestrigen Meldungen über die Saliung seits, einer Gefahr, die durch keine Phrasen von Friedensbürg 
nopel beginnt, steht ein Wachtkommando, von dem Donnerstag der Tripleentente zur Adriafrage insofern, als sie den Ein schaften und Gleichgewicht beseiligt werden kann, legt in Peter— 
nacht 12 Mann starben und 15 Mann schwer erkrankten. Da drucd erweden, daß die Tripleentente beabsichtige die Adria⸗ burg den Gedanken an eine Umgruppierung nahe; denn der 
selbst dort Latrinen fehlen, so besteht die Gefahr, daß die frage sofort vor eine europäische Konferenz zu bringen. Tat⸗ Gegensatz zwischen den nebeneinander lebenden Deutschen und 
Konstantinopeler Wasserleitung verseucht wird. sächlich will die Tripleentente leine derartige Loslosung der Slawen liehe sich durch keinen Krieg aus der Welt schaffen 
Drei Aerzte, die sich in Derkos befinden, können nichts Adriafrage von dem Gesamtkomplex der Balkanangelegen- wohl aber durch friedliches Zusammenarbeiten. Einer der stö 
weiter tun, als für die Bestattung der Leichen sorgen. Die heiten, die möglicherweise auf einer euxopäischen Konferenz renden Umstände ist der serbisch, schwäbische“ (deutsche) Gegen⸗ 
Offiziere, die weit vor die kürkischen Linien ritten, konnten ihre Erledigung finden werden. Der Konferenzgedanke stehl satß. Er ist geschichtlich keineswegs begründet, sondern ein 
außer einigen vorgeschobenen bulgarischen Balterien leine Bul⸗ eben nach wie vor, auch für die Adriafrage, im Binter— lũnstliches Wert der Provokation. Die Namen der Personen, 
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Glück auf! Straße entlang, von dem sie erst heute früh eine Ansichtskarte teure Wagen. Das klostet doch ein sündhaftes Geld 36 
r aus Berlin erhalten hatte. Immer näher kam die Gestalt weih wirklich nicht, wie wir dazu kommen Mubht du denn 
1 Roman von Sans Dominit. éA und jetzt schellte auch schon die Glode der Außentür Zitlernd sberhaupt heute nachmittag nicht ins Bureau?“ 
25. Fortsetzung) Machdrud verboten.) setzte die Frau Stadtrat ihren Fuß auf einen eisernen, auf Seute nachmittag nicht. Mutter Aber nun mach dich 
Ein Lächeln flog bei diesem Gedanken über sein Gesicht ber Diele befindlichen Sebel und betätigte dadurch einen ur sertig. Wir werden eine wundervolle Fahrt nachen Ich 
und ruhig griff er jeßt zu einer Zeitung und vertiefte sich alten Drahtzug, welcher die Tür öffnete. denke, du wirst viel Schönes sehen und auch manches Schöne 
n en n Und dann stürmte Kurt Gradiz in das Zimmer v h seussentund 
e ufsässigen Kreter un s ziem isharmoni on⸗ 4 4 n* — mmer no eu und lamentierend ging die Frau 
jert der Schutzmächte schienen ihn in diesem Augenblich voll— un e ses s3 Stadtrat in ihr Schlafzimmer, während Kurt Graditz sich in 
lommen zu absorbieren. Kali und Kalisalße schienen in dieser zi wirst du nih mn nehr enlbehren brauchen 86 einen uralten Sessel aus masswem Mahagoniholz warf, dal 
De nd in inn ur die r ee bi ur den du n e een n enis und bergenng das wurmstichis· Mobe in aen dugen aaee 
Generaldireltor Trenkmann nih vorhanden zu sein. n esensanag un beben. Während die Frau Stadträtin sich ihrer Tollette widmete. 
* 10. Kapitel. Aer. mein lieber Sohn,“ stammelte die alte Dame, e n Brief aus der Tasche und begann dessen Inhalt 
Die alte Frau Stadtrat Gradttz laß in ihrem Erkerstübchen die noch danz fassungslos war bn hanett ir deng a . 2 Sill n creen 
— —— ar ein pri ae een Sreibparer 
gleiten. Trotzddem ihr von wohlnnenden Belantenen Me in:; 2 — wie man es wohl in den Dorfläden laufen bekommt, 
t s öf gar nichts Verständiges zu Mittag sür dich da. Ich selbst hab⸗ 2 5 uen n 
etenet de e e e es se da don deeen e Boen n nenetn de gge Seringe nd Taben Bindfaben und Srier 
verstridte, teurer war, als die fertigen Strümpfe, venn man da ist nur wenid übrig gebleben. ber ich werde dir en in en Mlagen suhren. Die Tinte war dieles Briesbogen⸗ 
sie im Laden kaufte, konnle ie doch von dieser alten, lieb⸗ Ruͤhrei mit Brauterioffein mas *42 — würdig. Sie war offenbar an manchem warmen Sommer 
e ührei mit rtoffeln machen ksien Du mußt doch etwas 8 5 
gewordenen Gewohnheit nicht lassen in den Magen belonnen.« zur harten Kruste zusamnengetrodnet und wieder mit vi 
„Ich muß Beschäftigung öaben.“ pflegte sie zu sagen. Lah das nur, Mutler,“ unterbrach sie Gradiß Ich habe et orden enn ihr Baier ennal d die eltens 
2 Mee gä 22 en pr Vutret i t3 Lage lam, etwas schreiben zu müssen. Und als Dritte im Bunde 
So untätig umbersitzen, wie unsere jungen Leute das jehtl bereits gegessen, und wenn du ebenfalls gespeist bast. so 
eg its gegessen ß du eben gespei muh die Feder genannt werden, nit welcher auf diesem Papier 
nachen, das gab es zu meiner Zeit nicht. Wir nahmen wollen wir heute nachmittag eine schͤne Spaßierfahrt sammen 
nag und mit dieser Tinte geschrieben war. Auch sie schien nur sellen 
als junge Mädchen auch auf die Sonntagslandpartie ein machen. Ich habe den Wagen so bestein daß tn ne uven 222 w 
Striczeug mit. Die Arbeit wird einem schließlich zur zweilen halben Sanbe hier san uh Mach di nur recht schnell u 8 n chien ars gelxalten n 
Nature Wenn ich ein Buch mit Genuh lefen wiln so mh serngn Aunde brer n mu Magh dich mur recht; jemel dann wieder von shrwerer Sand zisam nendebogen sein 
2 ven * 3. 224 Doch trotz dieser mangelhaften Aeußerlichkeiten belrachtet 
ich dabei striceen Wönnen. Aber vdas geht doch gar nicht, hub nun die Frau wui rai sen ee eee e 
8 e so saß sie denn auch jehßt und fügte Masche Zen Ai jammern an. „In einer halben Stunde kann Interesse 
Masche, während ihre Augen auf das Buch aus der Leih⸗ doch unnöglich fertig lein und dann muß ich doch auch ⸗ üchstaben: 
hibliothel gerhlet daren welches aufoeschagen auf vem dah. den seffee n nin nn n e 
lisch vor ihr lag. Diese Notwendigleit sehe ich nicht recht ein Iqh meine, Ich habe Ihren Brief gelesen, daß Sie einen guten Bauern 
Ab und zu schaute sie auch über die Brille hinweg, in wir lonnen den Kaffee auch irgendwo unterwegs trinken. Ich hof für einen Verwandten laufen wollen. Ich habe Ihren 2 
jenen Fensterspiegel, den sogenannten Spion, der ihr jede Person bdenle es ist wirklich nicht notwendig daß wir uns den ganzen gelesen, daß der geehrte Herr Graditz einen Hof mit ordentlich 
zeigte. welche die Straße entlang dam, ohne dah sie selbst Nachnttag zerreihen, weil du hier ein paar Kaffeebohnen viel Land brauchen tut und daß der Herr Graditz wohl meinen 
irgendwie gesehen werden konnte und sich von ihrem Plat ausgebrũüht hast. Beeile dich nur mit dem Anziehen, und Hof laufen wird, wo gar nicht teuer ist. Mein Sof hat zwanzig 
auch nur zu erheben brauchte —— wenn du in einer halben Stunde noch nicht fertig bist, so wird Morgen gutes Weizenland. wo man aber auch Rüben drauf 
Jetzt ließ sie das Striczeug plötlich in den Schoh finken. der Wagen eben noch ein wenig warten müssen “ bauen lann, blos das die Zuderfabrit so weit ab ist und so hohe 
uschten sie denn ihre Agen bber wor da wirklich die „Ach Gott, ach Gott,“ jammerte die alte Dame Keinen Prozente verlangen tut. Denn is noch Wiese da, auch zwanßig 
Wahrheit. Da lam ja ihr Sohn, tam Kurt Gradib Kaffee zu Hause trinken und Jo plötzlich wegfahren, und der Morgen, die wo gar nicht sauer ist. Und denn eine Koppel
	        
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