Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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W entlich 8mal (Wochentags ve2 4 ——** negabe 4 and h) sũe bie 
abends Sonntags morgens) ersheinend Bezuga S — Zeile W Vfg Aleine Anzeigen (Arbeilsmarkt usw) 
preis fũr das Vierteljahr 320 Wart elnschließlich n E e GOe unm 13 Vla., fũr Auswãrtige 80 Pfa. . Geschãftl. Mit⸗ 
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Adelb ngeln ummer; ———— Sau den Ausorderungen entsprechend bãber. 50 
:e ν Beilagen; Vaterstãdtische Blãtter. — Der Familienfreund. n e 2 
Amtsblatt der frelen und hansestadt Lübed 162. Jahrgang Nachrichten sür das Herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz und Verordnungsblatt Be sũrstentũmer Ratzeburg, Lũbed und das angren⸗ 
————— — — ’p’ udeggefddœœœrruheeeeꝰ S ανννα zende medlenburgische und holsteinische Geblet. 
rud und Verlag: Gebruder Borchers Gm. d. S. in Lun⸗ — Gelchattertene Adreßhaus Köniastr. 46). Fern sprecher 9000 u. 9001. 
Ausgabe M. Groe Ausgabe) mittwoch, den 13. November 1912. aAbend⸗Blatt Ur. 578. 
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3 Oester reichs Programm im Konflikt mit Serbien. zug von Buchs nach Wien abgehe. — Aus München wird be⸗ 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. Frankfurt a. M. 12. Nov. Von unterrichteter Seite wird richtet, daß Pferdehändler, die in Wels (Oberösterreich) Pferde 
vvvv nv ’; V;C V der Frantf. Ztg. aus Wien gemeldet: Infolge der Vorlschläge, ankaufen wollten, unverrichteter Sache zurüdkehren muhten. 
Au fang der heutigen Nummer 6 Seiten. die Herr Danew nach Budapest brachte und von dort aus da die Regierung den Verkauf von Pferden untersagt haben soll 
m ÑÔne Cei —— mitnimmt, bleibt die albanische Frage derzeit noch in 
. Schwebe. Danew ist heute nach längeren Unterredungen m 
demm Grafen Berchtold ins bulgarische Sauptquartier zurüd— Die oͤsterreichischen Donaumonitore. 
gereist. Er nimmt dorthin das ganze Programm Oesterreich- Durch die Blätter geht die Nachricht von einer Mobil— 
Der Balkankrie Ungarns dem Balkanbunde gegenüber mit. In bezug auf machung der österreichischen Donauflottille Das lenkt die Auf⸗ 
0 Serbien lautet es folgendermaßen: Ein Hafen entweder am merksamleit auf diese kleine Flußstreitmacht, die unsere Nachbar— 
Aegãischen Meere oder ein Freihafen an der Adria, aber monarchie auf der Donau, ihrem wichtigsten Verkehrswege, 
Der Adriakonsiikt. nicht im albanischen Gebiete, mit einer Bahn durch Bosnien unterhält und augenblicklich in der Nähe von Semlin, gegen— 
Noch ist es ungewiß, ob die Bulgaren vor den Toren und besonderen Tarifbegünstigungen. In bezug auf Albanien über von Belgrad, stationiert hat Die offizielle österreichische 
Konstantinopels haltmachen oder ob sie ihren Siegeslauf bis ist jede Konzession ausgeschlossen. Eine Einkreisung ihrer Bezeichnung lautet „Donau⸗Wachtboote“. Es handelt sich um 
an die äußersten Grenzen Europas fortseßen werden. Aber Sũdostgrenze duldet die österreichisch-ungarische Monarchie nicht 8 Schiffe, die in den Jahren 1893 1909 erbaut worden sind. 
nicht das, was sich im letzteren Falle etwa an wilden blutigen und wird darüber auch auf keiner Konferenz verhandeln. Das älteste Boot aus dem Jahre 1893 besitzt einen Gehalt von 
Szenen bei den verzweifelten Moslims von Stambul er— Der Ton der russischen Presse 30 Tonnen, 3 spätere einen solchen von 40 Tonnen, die übrigen 
eignen wird, und auch nicht die Frage, ob die Bulgaren dann wird dagegen von Tag zu Tag kriegerischer. So schreibt die vier 12 bezw. 15 Tonnen. Ihre durchschnittliche Fahrt⸗ 
Konstantinopel wieder herausgeben würden, beschäftigt jetzt Nowoje Wremija: geschwindigkeit beträgt 18 Knoten, wobei das langsamste Boot 
in erster Linie die Kabinette der Großmächte. Die grözte „Serbien hat nichts zu befürchten, solange Rußland, Frank⸗ mit 14, die schnellsten mit 22 Knoten anzuseten sind. Die 
Sorge ist dem drohenden Konflikt zwischen Oesterreich-Ungarn reich und die Mehrheit des englischen Volkes hinter ihm steht. Armierung besteht aus insgesamt 7 Kanonen und 8 Maschinen 
und Italien auf der einen Seite und Serbien auf der anderen Der Drud, den Oesterreich- Ungarn augenbliclich auf Ser— gewehren, die entsprechend auf die einzelnen Boote verteil 
zugewandt. bien ausũbt, hat nicht allein eine neuerliche Festigung des sind. Sämtliche Schiffe sind mit Benzin- oder Petroleum— 
Bis jetzt ist von Oesterreich Ungarn und Italien, die Dreiverbandes zur Foige gehabt, sondern auch eine Besserung motoren ausgestattet. mmn 
l un un u z keine e der Beziehungen der Balkanstaaten zu den Dreiverbands- 
iens an der albanischen Küste zulassen wollen, noch leine nãchten. 
militãrische Gegenaltion, wie Mobilisierung oder Besetzung Demgegenüber meldet die Frift. Ztg. aus Petersburg: Amerikanischer enn als Folge der 
der albanischen Säfen durch Kriegsschiffe, unternommen wor— Die internationale Lage wird jeht in vielem ruhiger 2 2* 222 
den. In Paris stellt man lich den weileren Gang der Dinge beurteilt. Man betont zwar noch die Einigkeit der Triple S entspricht den politischen Sitten der Vereinigten Staaten 
vor, dahß Oesterreich- Ungarn auch nach der Einnahme von entente, erklärt aber dabei, daß diese durchaus friedlich dun Ameritd dah drren sanuliche im Auslande beslaupinte 
Durazzo durch die Serben weiter geduldig zuwartet und seine ischen Wien und Belgrad vermueln woller vie Geshiossen Botschafter ihren Abschied einreichen, sobald ein neuer Präsi— 
hoffnungen auf eine lommende Konferenz seßt. Die Drei— e drehine ve ν dent der Union gewählt ist. Dies geschieht auch dann, wenn 
bundstaalen werden sich aber schwerlich auf eine Konferen, n don nn Peio haben voricnsia bewirlii. dab der gespanne die Prasidentenwahl keine ndere politische Partei ans Ruder 
einlassen wenn nicht im voraus unbedingt feststeht, daß Ton gegen Oesterreich gemildert (2) wird c gebracht hat. Waãhrend es aber in letzterem Fall dann und 
Mbanien eine autonome Verwaltung mit Ausschluß der Serben — wann vorgekommen ist. daß ein Botschafter von dem neuen 
on der Adria erhält. Desterreichisch⸗ ungatische Mobilifation. Vrãsidenten in feinem Ante bestätigt wurde, zieht ein polilischer 
Die Verhandlungen in Budapest. Der Konflikt zwischen der Donaumonarchie und Serbien hat Eystemwechsel wie er jetzt durch den Sieg des Demtraen 
Wien, 12. Nov. Die Zeit meldet aus Budapest Der sich nun derartig verschärft, daß Oesterreich Ungarn zur Mobili— Wilson über den Republitaner Taft eingeneten ist, stets den 
frühere rumänische Ministerpräsident Carp ist, wie verlautet, sation seiner Streitkräfte zu Lande und zu Wasser schreitet, wie Rüdtritt aller Botschafter nach sich Dabei it zu beng 
in einer Sondermission hier eingetroffen. Er ist der Ueber aus folgenden Meldungen hervorgeht:;: sichtigen daß die Botschafterposten in den großen Sanpadeen 
bringer eines Handschreibens des Königs Carol an den Kaiser Vola, 12. Nov. Beute ist der Mobilisierungsbefehl für die der Welt, namentlich Europas, außerordentlich slart begehrt 
Die Mission Carps scheint darin zu bestehen, die Anspüche Kriegsmarine ausgegeben worden. werden, hauptsächlich der glanzvollen Repräsentaon wegen, 
Rumäniens mit der durch die Erfolge der Bulgaren ge— Semln, 12. Nov. Die Donauflottille wird heute mobili— die als eine Berufspflicht mit ihnen verbunden ist. Wir 
chaffenen neuen Situation in Einklang zu bringen. siert. werden es also erleben, daß einer der amerilanischen Bot⸗ 
Budapest, 12. Nov. Kaiser Franz Josef empfing heute Reichenbera i. B. 12. Nov. Die offizielle Kundmachung schaster nach dem anderen sich ins Privatleben zurüchzieht, so⸗ 
nachmittag den Erzherzog Franz Ferdinand in halbstündiger einer teilweisen Mobilisierung für die Reservejahrgänge des bald für Mr. Taft der Augenblick gelommen ist. das Weibe 
Audienz. Erzherzog Franz Ferdinand empfing sodann den Jahres 1902 wird sür Donnersag erwartet. Inzwischen haben Haus zu räumen. Dies gilt auch von dem Berliner Bot— 
Brafen Berchtold in Privataudien; Am Nachmiltag besuchte schon zahlreiche Reservisten den Einberufungsbefehl erhalten. schafter Mr. G. A. Leishman, der erst seit dem Herbst des 
raf Berchtold den Präsidenten der bulgarisfchen Sobranse Genf, 12. Nov. Nach einer Meldung der Suisse haben in vorigen Jahres beim deutschen Reiche beglaubigt und be 
Danew während dieser einen 1stündigen Besuch des Ser Genf wohnende österreichische Reserveoffiziere telegraphisch den kanntlich ein zum Carnegie-Stahlkonzern gehbrender vielfacher 
tionschefs beim Ministerium des Aeußern Grafen Widenburg Befehl erhalten, sich bis Freitag bei ihren Regimentern zu Millionär ist. nge. 
empfing. melden. Es wurde ihnen mitgeteilt, daß Freitag ein Sonder— — 
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Glück auf! „Dieser Zauberer,“ fuhr Graditz fort fing allerlei Leute „So darf ich wohl annehmen, Serr Geheinrat dahnen 
omnan o ein und stellte sie in seinen Dienst. Die mußten ihm die Märchen Sie interessiert, und daß Sie gewillt sind e wene 
n Sanus Dominit. silbernen Schätze mit bewachen helfen rfolgen.“ 
(21. Fortsetzung) Machdrud verboten.) g u ee 
„Nun,“ warf der Geheimrat ein, „ebdenfalls sheint er i Walde lief auch ein Menschentind umher welthes „Zas Dnnen Sie getrost annehnen, mein lieber Freund,“ 
wie mnir mein Sohn sagtes doch bei Ihnen die bernhnn sich die Schäte des Zauberers schon ange mit Neugier und sagte der Geheimrat mit einem wohlwollenden Lächeln. 
Hintertũr weagelassen zu haben, die er sonst immet einbaut, Interesse von weitem angeschaut hatte. — p Das freut mich“ entgegnete Kurt Gradiß Ich bitte um 
jene Hintertür, durch die er schließlich in jedem Augenblid aus Sollte dieses Menschenlind vielleicht Kurt Graditz heihen?“ einen Augenblick Entschuldigung.“ 
den veras⸗ heraus daun. c fragte der Geheimrat lãchelnd Mit diesen Worten erhob er sich und ging in den Vorraum, 
Kurt Graditz schmunzelte auffallend vergnügt Der Name tut ja nichts zur Sache. JZedenfalls hatte wo er Mantel und Altentasche abgelegt hatte. Nach wenigen 
„Im Gegenteil, Serr Geheimrat entgegnete er In dieses Menschenlind schon von weiten gesehen, daß unter den Selunden trat er wieder in den Salon und entnahm feiner 
diesen Vertrag ist selbstverstndlich eine wunderschöne, breite Schãätzen des Zauberers noch ganz andere Dinge lagen, von Altentasche zwei wohlvorbereitete Verträge. 
Tũr eingesetzt. Ich bin auch uberzeugt, dab denen dieser leine Ahnung hatte und deren Bewachung er eæEÆs wird nötig sein, Herr Geheimtat, daß ich Ihnen 
SBerr Trenlmann gerade auf diese Tür sehr viel einbildet. sich daher auch nicht angelegen sein ließ. Nicht etwa Silber ũber alles das, was ich ergrundet und ertundet habe, absolut 
Leider lennt er nur ihre Konstruktion nicht, so genau er si⸗ und Korallen, sondern wenigstens Gold und Diamanten.“ reinen Wejn einschenke Ich traue Ihnen und Ihrer Ehren— 
auch zu lennen glaubt. Den Schlüssel zu dieser Tur besitze „O, o das scheint ja interessant zu werden.“ sagte der haftigleit unbedingt. Wer nan soll Geschäfte bekanntlich 
nämlich ich. Wenn ich aus dem Vertrage hinaus will. Geheimrat und schaute Kurt Graditz gespannt an. nicht vom Kavalierstandpunkt aus betrachten. Deshalb bitte ich 
rauche ich nur eine ganz einfache Sache zu machen. So Der aber fuhr unbeirri fort Sie, diesen Vorvertrag in zwei Exemplaren mit Ihrer Unter— 
* tue, Vr mich Sert Trenkmann Weil das Menschentind wissen wollle, wie weit der Zau— schrift zu versehen. Ih werde dann meinerseits in die offenen 
n e. war ein winziger Zwischensatz den berei selbst auch auf Gold und Diamanten jah ging es zu hn Stellen sosott die Art des Schatzes seine Größe und seinen 
ich seinem Justizrat noch in den Vertrag hineinkorrigierte. ß senauen Fundort einschreiben 
Ein Satz der mich scheinbar noch meht derpflichtele und dir inn in und perdinate sich selbst. dessen Schaßg zu bewachen. So genauen — — 
Wirsteit die voll⸗ rciheil uriaaab hatte es Gelegenheit, genau zu sehen, wie weit auch da der „HSm! machte der Geheimrat, ein wenig zwetfelnd. „Ich 
eie leden von Feihen wenni dente voch Sie sind neue Schatz vorhanden war. Und sobald es alles wußte, pflege meine Geschaͤfte sonst ein wenig anders zu entrieren 
mit wiler Absicht und ilem Bewußtsein in Zrecmoanus was es zu wissen wünschte. da ging es in eine andere Stadt, Aber auch ich habe unbedingtes Vertrauen u Ihnen, und ich 
Diensie gelrelen. um 5 mutige zu finden. die ihm helfen sollen, 3 meiner * e * 
ꝑ 2 xp. 9 jenen tz zu heben Ernstfalle ein recht er Kaufmann sein lann. ehe 
ancn Mloe ae m e „Einer von diesen Männern wird wohl Hegemann heißen,“ es mit Freude auch wenn sich diese Schärfe zunächst gegen 
chichte erahlenn und wenn Sie daran Mietese aden.n sagte der Geheimrat und stieß den Rauch seiner gigarre ae— mich selbst richtet) 
lann die Notwendigkeit für mich sehr schnell eintreten, die danlenvoll von sich Mit diesen Worten lehnte sich der Geheimrat in seinen 
ben erwähnte Hinerlur selbst u benuten Wenn nun das Menschenklind jene mutigen und starken Sessel zurüd und begann den von Graditz entworfenen Ver— 
„Legen Sie los, mein lieber Freund“ rief Hegemann und Manner gefunden haben wird,“ fuhr Graditz fort so wird es trag mit Aufmertsamteit zu lesen. Ab und zu hörte man ihn 
schaute seinen Gast interessiert an. natürlich auch dafür sorgen müssen. daß es selbst einen Teil halblaute Worte murmeln: „Im Falle, daß vervpflichte 
„Nun wohl! Es war einmal ein mächtiger Zauberer, des Schatzes belommt Es weiß ja nir allein, vo er liegt, sich Serr Geheimrat Hegenann.HKFür den Fall, daß. sol! 
der saß auf einem HSorst und bewachte eifrig einen Shaß. und es will nicht leer ausgehen, wenn die anderen ihre Herr Geheimrat Hegemann gehalten sein . Im Falle einer 
Schönes Silber, Korallen, Bernstein und dergleichen Tinge Beute nach Hause tragen.“ Konstituierung lollen Herrn Graditz .zufallen. 
nehr „Das ist am Ende begreiflich“ sagte der Gehennrat. Nacdem der Geheimrat die Lelture beendet hatte, leatt 
„Das scheint ja ein Märchen zu werden,“ unterbrach ihn „Man wird also mit diesen Menschenlinde einen Vertrag machen er die Vertragsexemplare auf den Tisch. 1 
der Geheimrat. „Sie scheinen immer noch nicht der normale müfsen. Vorher wird es freilich notwendig werden, doch etwas „Ich bin bereit, diesen Vertrag zu unterzeichnen.“ sagte 
Beamte und Bureaumensch geworden zu sein, sür den Sie sich Genaueres über diesen neuen, ganz wunderbaren Schaß zu er— er und ergriff den Füllfederhalter, den er stets bei sich trug. 
rusgeben.“ fahren.“ Mit fester Hand setzte er seine Unterschrift unter die heiden
	        
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