Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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Wochentlich 13mal (Wochenlags morgens aud cD Qusgabe 4 und B) sũr bie 
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preis fr das Vlerteljahr 830 Wart einschliehlich FI Vig ine Auwãrtige 0 Pfg. s. Geschãstl. Mit· 
Briuggeld in Lůbecd. Durch die Post bezogen ohne Aingen ele Tabellen· u schwleriger 
Bestellgelbd 8,800 Mart. in eννν id vin 3 37— Sar ben Anforderungen entsprechend höber. o0 
Beilagen: Vater dtische Blãtter. — Der Familienfreund. 
Amisblatt der sreien und hansestadt Lübed 162. Jahrgang Nachrichten sür das Herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz· und Verordnungsblatt sürsteniũmer Rateburg, Lübed und das augren 
ne— α ννννν Jende medclenburgische und holsteinische Gebiet. 
Drud und Verlag: Gelander Bore G. me b. S. in Lubel — el ht haus Göniastr. 46). Fern sprecher 9000 u. 9001 
Ausgabe M. Grohe Ausgabe) greitag, den U. Oktober 1912. aAbend⸗Blatt Ur. 50. 
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T— Thr erobert. Eine Bestätigung dieses Telegramms fehlt aller— Wehrpflicht auf ihrem Gebiete. Das Gebiet der Malissoren 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. dinos noch. wird eine Art Mililärgrenze bilden. Dafür sind die Mirditen 
—— — — — Auch in den anderen Staaten, Serbien, Bulgarien, und Malissoren entschlossen, im Kriegsfalle auf der 
Amfang der heutigen Nummer 6 Selten. Griechenland und in der Türkei andererseits d e Seite der Türken zu kämpfen 
der Kriegsbegeisterung einfach über die ellenbrecher der 
Nichtamtlicher Ceil. sa e hinweg. Die Presse dieser Länder arbeitet England und die Pforte. 
treulich und dankbbar im Rahmen der Volksempfindung, u es London, 10. Olt. Es wird offiziell mun 
3 würde ihr äußerst schwer fallen und übel genommen werden, Edward Grey den britischen Botschafter in Konstantinopel be 
krieg und volksleidenschaften auf dem wenn sie es wagen solite, einen völligen Umschwung der öffent— auftragt hat, der türkischen Regierung kund zu tun, daß Eng⸗ 
Balkan. lichen Meinung herbeizuführen. Am deutlichsten tritt das land die Beschlagnahme griechischer Schiffe in den turkischen 
o Lubed, 11. Ott. in Bulgarien hervor. König Ferdinand, der bisher alles Gewässern als durch das internationale Gesetz für nicht ge— 
i hat iat, um seine Krone nicht in einem vielleicht unglüclich ver— rechtfertigt ansieht, und daß die britische Regierung fest ent 
VUnser großer Lübeder Ehrenbürger Veele br laufenen Kriege aufs Spiel zu setzen, sieht sich ijetzt vor schlossen sei, seine Handelsinteressen am Goldenen Horn unten 
einmal gesagt, daß in unserer Zeit die Kriegsgefahr nicht in einer neuen dringlicheren Gefahr, nämlich diese allen Umständen zu wahren. 
Begehrlichkeiten der Regierungen, sondern in den Leiden ee h eine ildeee mpo rung eitnee volte hu 
schaften der Völker liege. Wer die Einzelheiten der bis— e slene enn eeli mne die ee e Eine türlische Anleihe? 
herigen kriegerischen Verwickelungen auf dem Ballan etwas Kriegshelden wider Willensschicken würde. Und Newyorl, 10. Olt. Eine Finanznachrichten⸗Agentur meldet, 
naher verfolgt hat, der wird diesem Ausspruch auch heute noch Koönig Peter von Serbien und der Griechenkönig? Wer traut in Washinglon verlaute, daß angeblich auf diplomatischem Wese 
recht geben. Für die Turkei wie für die sämtlichen vier Ballan⸗ ihnen Ehrgeiz nach kriegerischen Lorbeeren zu? Unterhandlungen über die Uebernahme einertürkischen 
staaten gilt dieser Ausspruch mehr als die Behauptung eines Derjenige, der am wenigsten zu verlieren hat, der Serr der Anleihe von 50 Millionen Dollars durch ein ame— 
grohen Wirtschaftshistorikers wonach die Ursache aller Scaren Berge er war der erste, der die Kriegserklärung ritanisches Bankensyndikat st attfänden. Es seien J. P. Mor— 
Kriege der lehten beiden Jahrhunderte in erster Linie —— ⏑ ⏑ —— dan & Eo. Kuhn Loeb & Co. und andere beteiligt. 
e Fampfunet utterrlave der Wellau irtt. Stündlich erwartet man in Konstantinopel den Ab— 
uchen sei. bruch der diplomatischen Beziehungen. Man sagt, Griechenland Mm j j 
Mon muß die völkischen Verhältnisse des Balkans und ihre bebe vorgeben und die beiden anderen Staaten würden ge⸗ Deuische Wirtschaftsgũter im Kriegsgebiet bedroht 
besonderen Eigenschaften zugrunde legen, wenn man die ganzen meinsam folgen. Ueber ganz Rumelien und den Sand— Der Präsident des Deutschen Handelstages hat soeben 
Wirren auf dem Ballan verstehen will. Diese Ansicht haben schat Novibazar ist bereits der Belagerungszustand an das Auswärtige Amt folgende Eingabe gerichtet: 
wir von Anfang an vertreten, und die jetzige Situation gibt bchangi worden und es sleht bereits fest daß die öffentliche vBon nehreren Seiten ist uns mitgeteilt worden, daß 
Uns immer mehr Recht. Man muß die großvölkischen Bestre— Meinung in allen Bauptstädten der Balkanländer die Beschlagnahme griechischer Dampfer durch die fürkische 
hungen der Balkanvöller im Zusammenhang mit den sonst in keine Berüchsichtigung der Mächtenoten mehr wünscht. Regierung eine erhebliche Schädigung deutscher Interessen be— 
hnen lebenden Vollsanschauungen betrachten. Wer z. B. weiß, Ja, venn vwir die Wünsche der Mächte deute. Die griechsschen Dampfer — genannt wird von einei 
daß das Ideal jedes Montenegriners ist, ein Seld zu werden, An Stundefrüuhererfahren hätten“, diese Worte Seile der am 23 September von Nicolajew abgegangene 
dan triegerischer Sinn und die Lust am Wenteuer ihm im des Konie ela ind beeid end sur die Situation Auch in Dampfer Kiramai leien mit für deutsche Importeure 
Blute liegt, wer hört, daß tapfere Männer, die sich im letzten ii lann die Regiennng ucht mehr, vie sie will Auf beslimmten Gütern namentlich rusischer Gerste, beladen und 
Turkenkrieg besonders ausgezeichnet haben, im BSeimatlande die Nindienng, daß ein alles Reform Srade in Kraft gesett die deutschen Importeure seien daher nicht in der Lage, den 
gtohe Verehrung genießen, so daß ihre Taten noch heute in der erden solle sind erregte Straßendemonstrationen von ihnen eingegangenen Lieferungsverpflichtungen nachzu— 
Crinnerung fortleben, der versteht eher, daß Montenegro, ein n Konslaninopel gefolgn bei denen der Großwesirsffent— kommen. Es wird betont, daß von der Reichsverwaltung zu 
Ländchen mit der Einwohnerzahl Bremens, soviel kühnen Wage— sich beleidigt wurde. Der Belagerungszustand wurde ver— ethebende Vorstellungen deshalb wohl mit Erfolg verbunden 
mut besaß, allein eine Kriegserklärung loszulassen, worüber sich hãngt. um die Regierung zu schüßen Militär und Volr sein wörden, weil ein Krieg zwischen der Türkei und Griechen— 
selbst hier die Lübeder Schulknaben amüsiert haben. Mit dieser sind weit davon entfernt, die moralische Schuld an— land zurzeit noch nicht ausgebrochen, die Beschlagnahme der 
Stimmung im Volke selbst muhte der montenegrinische Miniatur⸗ Merkennen, welche die Türkei unter dem alten wie unter dem griechischen Dampfer also nicht zu Recht erfolgt sei Wir 
könig rechnen und die gestrige Lulukomödie in zweiter nglartischen Regiment durch hartnädige Verschleppung sind dringend gebeten worden, die Reichsverwaltung zu bitten, 
Auflage, welche sein jüngster Sohn, der Artillerie— der masßedonischen Reform auf sich geladen hat, sfie daß sie bei der türkischen Regierung mit Nachdrud für die 
tapitän Prinz Peter, im Sauptquartier spielte, als er drängen zum Losschlagen. So wird die Friedensaktion Freigabe der griechischen Dampfer, die mit für deutsche 
unter den Klängen einer Musikkapelle den ersten Kanonenschuß der Großmächte durch die Volksleidenschaft zur Ohnmacht ver— Empfänger bestimmten Gütern beladen sind, eintrete. Dem— 
abfeuerte, war eine eigenartige Mischung von patriotischer dammt sein und Moltke hat Recht bekommen, als er den zu gemäß beehren wir uns, die Bitte auszusprechen. daß die 
Notwendig keit und komisch wirkendem Größenwahn. Und Anfang zilierlen Ausspruch machte Reichsverwaltung sich der in Frage kommenden Interessen an— 
doch soll diese Komödie ihre Wirkungnicht verfehlt ih * nehme und für die Wwendung der zu erwartenden erheb— 
haben; denn nach einer Drahtmeldung aus dem Grenzort Desterre hs Interven. nn.· k lichen Schädigungen nachdrücklichit eintrete“ 
Podgoritza haben die Montenegriner gestern trotz helden— Infolge Vermittlung Oesterreichs sind zwei Hauptfor— 
mütiger Verteidigung der freiwilligen Türkentruppen die wich— derungen der Malissoren von der Türkei be— — — 
ligste Befestiguna Derschisch unter beiderseitia starken Verlusten williat worden nämlich Steuerfreiheit und Erfüllung der 
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J 3 3 venobunastafel als zukünftiger Gatte eines Engels in Men— dem Seebad Coney Island, dem Heringsdorf der Bewohner der 
die Dollarprinzessin. esan und Erbe eines Milliones. Es schlen als wolle dmerffanischen Ofttuste. Die halbstündige Ueberfahrt nach der 
Roman aus der Gegenwart ihn das Schidsal mit einem Schlage für alles Ungemach und Insel war prächtig. Mit Wonne empfanden unsere von der 
pon Karl Döring. alle Leiden entschädigen, die er in der HSeimat erduldet. Juliglut halb geschmorten Freunde die erquiclende, kühle See— 
Doch die alte Seimat sollte nun hinter ihm liegen, er hatte brise und sahen dem munteren Spiel der großen Fische zu, 
(30. Fortsetzung.) Machdrudh verboten.) ein neues Vaterland gefunden, und begeistert rief er: „Ja, die bis in die nächste Nähe des Dampfers heranschwammen 
Selten hatte wohl in dem Hause des Brauers eine so herzlich gern,“ als der Herr Gerichtspräsident aufstand und als und gefräßig nach den Bissen schnappten, die die Reisenden 
peranügte Stimmung geherrscht, wie an diesem Nachmittag. deutlichen Wink mit dem Zaunpfahl darauf trant, daß man ihnen zuwarfen. Bald tauchte die Insel auf und Coney Is⸗ 
Kurt und Daisy sahßen auf dem Sofa Hand in Hand und schmie— den Herrn Verlobten nun hoffentlich recht bald als Bürger land lag in seiner ganzen Pracht vor ihnen. 
deten allerlei Pläne für die Zukunft, die in rosigem Lichte wie der Vereinigten Staaten begrüßen könne. Ein völlig ungewohntes Bild bot sich den überraschten 
ein offener Blumengarten vor ihnen lag. Der Ontel saß Wie wenig sich doch die Menschen im Augenblich des Augen Kurts, der noch nie einen amerikanischen Badeort 
dabei, zog an seiner Zigarre und brach zur Feier des Tage— Glüdcks selbst erkennen! Kurt hatte noch nicht das nagende gesehen hatte. Viele Kilometer lang zogen sich Tausende vor 
einer besseren Flasche den Hals. de et das en ur leichten Badehütten am meerumspülten Strande hin, eine An— 
Einige Wochen später elle Rerlob 3 Teichs verschont, auch wenn ihn ie Gunst des Schichlsals noch zahr mächtiger überdachter eiserner Viers erstrechte sich weit in 
ves ee e s se me so hoch erhebt, das Sehnen nach der Erdscholle, auf der das Meer hinaus und unzählige gigantische Sotels lagen in 
gute Partie er zu machen im Besriff stand Wagen auf unsere Mutter das erste Lallen des Kindes vernommen. einem Halbkreis am Strande. Das Sternenbanner wehte von 
Wagen rollte vor der Villa des Brauereibefigers vor, reich Zurt dachte jetzt natürlich an alles andere, als hieran. ihren bunken Dächern und seine bunten Farben leuchteten in der 
gesamudie damen und vpornehm assehende Berren dranglen Er drücdte das Sändchen seiner Braut und sah voll Liebe Sonne. Mit Erstaunen sah er das lebhafte Leben und Treiben 
2 und Zuneigung zu dem Onlel, der ihm die Wege zu seinem Uen am Strande. Wie ganz anders sah es hier aus als in 
sich um Onkel Bradbury, der sie mit dem Bräutfiagnm belannt vroly 2 h 
Nachte. p en d Rurl veren v in honnetten ln 
Auch der Verlobungstag war vergangen und Kurt verlebte oder in Binz mit dem vornehmen Modepublikum und den 
lich ee e m Mur eine glücliche Bräutigamszeit. Allerdings wurde sein Wohlbeha- gepfefferten Preilen. Kurt traute jeinen Augen kaum, als etr 
fulle man Berin Maen is hanern ne doh srn gen empfindlich durch die unerträgliche Glut des pennsylvani⸗ in der Nähe des Strandes eine Unzahl von Schaubuden er— 
n anen r en eesee schen Sommers gestört. Eine bleierne, erschlaffende Hitze lagerte blickle, in denen fette Riesenweiber, elektrische Damen, Kalbeß 
isen eenen g 9 über der Quäler-City und verdammte Mensch und Tier zur ein— mit zwei Köpfen, fürchterlich brüllende Indianer und Gemälde, 
n Gerichtspräsidenten ins Vertrauen ge tönigen Untatigkeit. die die lehten Schauer- und Mordtaten darstellten, für wenigs 
zogen und von diesem die bestimmte Zusicherung erhalten, dab inuß u 9 ir un 
ien eeern ene e an a Kurt litt trotz seiner kräftigen Natur ungemein unter den Cents zu sehen waren. Leierkasten ließen aus allen Edfen 
en ee d nn en sengenden Strahlen der Julisonne Ontkel Bradbury entging dies wangia verschiedene Melodien durcheinanderkönen, schwarze, weihe 
cihun isen r lihen ahenes da * nicht, und eines schönen Tages sagte er darum: „Padk deine und gelbe Ausrufer, Sausierer und Lebensmittelhändler tobten⸗ 
nicht e erwãhnt aan —2 nn sieben Sachen, Junge, wir sahren morgen auf ein paar Wochen schrien und kreischten wie die Besessenen durcheinander 
er eche piaenen e e ente u an die See Deinen Dienst im Geschäft dann derweile ein Ungeheure Glocen wurden vor den Buden geschwungens 
ee een se eenn ie e n anderer Kollege übernehmen. Iurz, es war ein Bild, wie es in Deutschland allerhöchstens 
alen d 4 puna Diese Worte klangen wie Musit in Kurts Ohren, denn er der belannte Hamburger Dom auf dem dortigen Heiligengeist⸗ 
prach eine ückwünsche besonders herzlich aus. fühlte sich vollständig gebrochen von dem ungewohnten Klima feld im Dezember aufzuweisen hat, nur, daß hier der helle 
Als Kurt an der Seite Daisys an der langen Tafel Am nãächsten Morgen saß er mit Daisy und deren Onkel auf Glanz der Julisonne das Treiben bestrahlte. 
Platz genommen hatte und die Toaste und lauten Cheers“ der der Bahn und nach kurzer, angenehm verlaufener Fahrt ge— RKurt war von dem Speltalel vollständig verwirrt. 
distinguierten Gesellschaft anhörte, griff er sich wiederholt an langten die Ressenden nach Newyorl. Man hielt sich hier nicht ieber Onlel,“ wandte er sich an Bradbury, ist das hien 
den Kopf, um sich zu vergewissern, ob er auch nicht etwa träume. auf, was Kurt äußerst lieb war, denn er fürchtete, vielleicht wirkii ein so vornehnes Seebad, vie du mir sagtesne Me 
Sein Glüd schien ihm fast zu groß. Vor kaum vier Monaten doch noch von irgend einem Fenier zufällig gesehen und be— kommt es fast vor wie eine Vogelwiese!“ 
hatte er den Boden dieses Landes als heimatloser Flüchtling helllgt zu werden, sondern man suhr gleich nach Caslle Gar— „Mein lieber Junge,“ sagte Bradbury lachend, „ich hal 
bhetreten und heute sak er als gefeierter Glüdspilz an einer hen und bon dort n mnen einen snellen Dampier nahsn dir nun schon hundertmal aesagt. dak du dich in Amerile
	        
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