Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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Wochentlich 13mal (Wochentags morgens und ve 2* — — —— 
abends, Sonnkags morgens) erschelnend. Bezugs — — Anzeigenpreis QAusgabe 4 und ) für die 
Bringgeld in Lũbec. Durch die Post bezogen ohne 1 B vVsg. fũr Auswãrtige 80 Pfg. f. Geschãftl. Mit⸗ 
Bestellgeld 330 Marl. Einzelnummer a 10 Vig. 2 teilungen 1Ml. d. Zeile. Tabellen· u. schwieriger 
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Beilagen: Vaterstãdtische Blãtter. — Der Familienfreund. es den Anlorderungen entlorechend böbe ↄ o 
Amtsblatt der freien und hansestadt Lübe 162. Jahrgang Nachrichten sur das Herzogtum Lauenburg, die 
beiblat: Gesetz und Verordnungsblatt —— —— Lar Fürstentümer Ratzeburg, Lũbed und das angren⸗ 
ννννν α — — — —— ——2 zende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Drud und Verlag: Gekrũnder Borchers G. m. b. S. in Onko7 lttelle Adrenhaus õnialtr. 46). Fern sprecher 9000 u. 9001 
Ausgabe M. Große Ausgabe) Montag, den 8. Juli 1912. Abend⸗Blatt Ur. 340. 
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3 beginnt der Befreiungsprozeß dieses Landes vom Auslande. nnse be igenen Lande — ieri 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. Eine ähnliche Emanzipierung ist aber natürlich für uns, die een e eeen en abe 
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3 niemals innerhalb der schwarz⸗ weiß⸗roten Grenzpfähle zu er— bedacht fein. Schutmaßregeln zu ersinnen Gegenwärtig is 
Nchlamtlicher Ceil — zeugen imstande sein werden, volllommen ausgeschlossen. e Uchellegenhen allechings noh so groß, dab dir goll 
er Te ZDIn dieser unserer Schwäche zeigt sich die Ueber— politisch einer großen Anzahl von außereuropäischen Ländern 
legenheit derjenigen Länder, die die Rohprodulte zu er— egenuber derart verfahren können, daß wir die Rohprodulte 
zeugen en Und je mehr sich in einem Lande die Er— welche wir für unsere eigene Ibunrie brauden zollfrei berein- 
die dunm des deusen een 
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ttons ine ee ng diese Rohp materialien in von uns veredelter Art darstellen, mit nicht 
Es läßt sich nicht verkennen, daß gerade in denjenigen ge fortschreitender kultureller Entwidlung in immer um⸗ Uunbenächtlichen Zöllen belegen. Diese Zölle kragen natürlich 
Kreisen, die von der Notwendigkeit der Aufrechterhaltung ren Mahe selbst zu veredeln vermag. Bei einer als⸗ mmer nur den Charakter von Finanzzöllen. Gewiß können 
unseres starken Exportes für unsere gesamte Volkswirtschaft n umer weiter fortschreitenden Zultur muß dann not⸗ wir diesen Zuschlag auf unsere Erzeugnisse auch weiterhin 
iberzeugt sind, sich nicht mit Unrecht eine gewisse Beunruhigung e der fur uns noch gefahrliwere Augenblick ein⸗ so lange ertragen, als die detteffenden Länder auf dieselben 
wegen der Zulunft unseres aroben internationalen Handels en m ein solches Land anfängt, den Wettbewerb mit angewiesen bleiben und eine oene Industrie bei ihnen sich 
bemerkbar macht. Zwar geht die Hauptausfuhr aus Deutsch⸗ jenigen Industriestaaten aufzunehmen, für deren Exportpro nicht entwidelt. Wir haben sogar di Finanzzöll 
at a b dukte es bisher nur als Käufer in Frage kam. Es tri i gar von diesen Finangzzöllen. 
and nach den europäischen Ländern, in denen sich die Verhält- ma in Frage kam. Es tritt somit allerdings indirelt, den Vorteil, daß eine einheimische Industrie 
nisse infolge gleichartiger kultureller Zustände einer gewissen e solchen Entwĩcllung der Verhãaͤltnisse im den auher⸗ in solchen Ländern gerade infolge der Struktur dieser Zölle 
nn nen so daß tief einschneidende Veränderungen sleen andenen a Rücwirkung schwer einen Boden finden lann. In dem ugenblia aber, 
nicht n e bh e n en ue e gebietes in dem 6 ne seen ern ia dem gleichwohl in einem soichen Lande sich das energische 
n sollten. Anders liegen die Verhältnisse m ande. und gan erseits die Kon⸗ Bestreben durchsetzt, sich eine eigene Industrie zu schaffen 
aber in den Ländern des Orients und der übrigen Weltteile, urrenz dieses Landes auf dem We ltmarlt. eine Zonlurrenz da folgt einer soldhen Entwidiung das Sinlen inere 
ind e sind wir in einem Maße angewiesen, daß ald nne rin würde als durch beliebige Exportes auf dem Fuße. Die Vereinigten Staaten vor 
rgendein Rüchchritt in unserem Export nach diesem oder jenem erung der Rohprodulte für den ausländischen Käufer Amerika bilden hierin ein lehrreiches und warnendes Beĩ 
Lande für ganze Zweige unserer Industrie von den weit— auch die Möglichkeit eines Exportes nach denienigen Ländern, spiel. Solche Bestrebungen haben sich dort seit ungefähr vierzi 
agendsten Folgen sdadlichen Sinne sein nuß. die als Bezugsquellen von Rohprodukten für uns nicht in J 53 * n 
rn oen adal Nisen se s Jahren gezeigt, ihre Anfänge liegen aber noch weiter zurüd 
Erhöht wird die Bedeutung dieser außereuropäischen Län— j d ausge o en lem wurde — und ihren für uns immer betrüblich rdenden Result 
der für uns 55 Wenn man diesen Gedanken weit lat und d e 
unseren gesamten Erport aber auberdem noch infolde a lintenn auten uiter perlat und zu drx stehe.n wir seit zwei Jahrzehnten gegenüber. In anderen Ländern 
daß wir, ebenso wie die anderen europäischen e a ee e Vorstellung gelangt, daß ein Land i sich ahniges seit iwe hren und bt berden 
—— 
ba cane beebe 53 so würde amit der Zeitpuntt kommen müssen, in welchem n See e e 2 Mbal blel 
unterliegen, daß snn n e a wir auch die Rohprodufte, welche wir für ue nen e ls ner An drie rennie n en ne 
Anem mehr oder weniger grohßen Teil selbst erzeugt von vorn en onsund ie ehr au brzaen en Qd mann; leren nt 
e e denen es an solchen Erzeugnissen gebricht, und n ulnee deren Aufgabe in der Veredelung der Transportmittel u ake; 
ie wir gleichwohl ohne dieselben nicht auskommen können, e besteht. vermögen die hierzu verwandten und die alten Kulturländer de cn r m 
irtschaftlich üerlegen ist. Diese Ueberlegenheit uint aller v Aunlande wennnen erntte sn tt neeen eenn eee e 
dings solange nicht in realer Form in Erscheinung, als das ls ihr Gewinn aus dam Absatz dieser Industrie⸗ Ein 3 epenn 
diese Rohprodukte erzeugende Land nicht imstande ist, dieselben erunisfe nan dem Auslande lo arr ist. wie die Wett min 33 eeee e ee n r 
selbst zu veredeln, sondern gezwungen ist, sie an das Ausland betraat din e osum eferdert Ilt der Fewinn Instrukti de en h 
abzugeben, aber gleichzeitig die Erzeugnisse der aus seinen aus dem Absatz nach dem Auslande größer als die für enn n ei eer ee 
eigenen, wie aus den Rohmaterialien anderer Länder her— die Dedung des einheimischen Konsums nötigen Beträge, so s sudern in u e e 253 
uten rel Produkte wiederum aus dem Ausland be— eine günstige Handelsbilanz und damit einen s n n n 
siehen muß. wachsenden Wohlstand der Nation, wie dies bei uns in den udieren zu oönnen. die in der ez 
So lange ein solches Verhältnis zwischen uns und den letzten Jahrzehnten der Fall gewesen ist. Im umgekehrten teffenden Branche Besonderes leisten. Früher war es noch 
hetee eee Ländern besteht, so lange ist der gegen— dalle muß aber auch die entgegengesetzte Wirlung eintreten. t ne ne aenn sde 
eg see se u n —7 cen, weil die In ie Erzeugnisse im großen Um— 
ahtleen lnd ul e eee ne fange durch Handarbeit hergestellt wurden. Heute ist das 
e n kulturellen Entwicklung dahin der europäischen nisticunt Arin nn eerdenn eeeene 
ist, die eigenen Produkte selbst veredeln zu lönnen, zu— kultur sind die meist 7 e * ediglich Sache des Kapitals, sowie des 
nächst natürlich rg ie meisten von ihnen noch nicht imstande ge— Zolles. den die betreffende Regierun den Arti 
— nur zur Decung des eigenen Konsums. do wesen ihre eigenen oder fremden Rohprodufte für die Be- ageschützz werden soll. 7 u be nn 
5 bet 3 * 5 v S 2 5— — — — ——— ——— — 
Das Duallamãdchen. un n 4 Ladung aus Mecklenburg er— „Sven ist ein Naturschwärmer ohnegleichen,“ siel Werner 
Kolonial⸗Roman ein Glas davon haben? Alschar ein. „Ich habe den langen Weg herauf dafür herhalten 
von Jesco v. Putttamer-Dresden. ueh r nnnit kannst du mich verjagen, Sven.“ Werner müssen. Wenn man erst die Teopenlandschaften 8838 wie 
(7. Fortsetzung.) 5— S uarn achen erschallen. „Zu prediast Maßigleit, ich, so sehnt man sich nach den deutschen Buchenwäldern zurüch.“ 
mng. Machdrud verboten.) n glich eine gute Dosis Chinin, bis es nicht mehr Nach einem kurzen Steigbügeltrunk brachen die Freunde 
wi 3 mein Bursche!“ sagte Sven Begmanns zu sich, „du * un hu e ern in rne auf. An dem gewaltigen Massiv des Famerunpils hingen wie 
uf hoffentlich sphalb niche wieder naschen oder uberhalpi ntt ann hat man Gelegenheit, seine Natur auszuprobieren, gewöhnlich schwere Regenwolken und schufen ein düsteres Bild des 
ein m allemal kuriert sein; das ist neinen Rum⸗ und Genever— u r e Lepen hier auhint — edet Fun uulel hoch in die Wollen hinaufragenden Gebirges. Fast schwart 
vorrãten jedenfalls seht diensiche en n bald st schüttelt es mich bedenklich, schaute der Urwald herüber, der zuweilen bis an die Küst— 
Als Werner kurg darauf eintraß um ihn zu der beabsichtiglen e nnn schon iat In Buea am herantrat. Alles Leben schien in ihm erdrückt zu sein. Dunkel— 
nah Soppo abeholen lnerbrach er dag Einraunen nr e * ee ist besser, dorthin schwarz drohte auch der tiefgründiae, vullanische Erdboden mi 
st und rief dem noch immer den Kranken ieig — eneee die e nicht so seiner wilden, urwüchsigen Produktionskraft zu ihnen herauf 
iterspielenden Nbop zu— — e bald um meine Versetzung nach Eine überhitzte Treibhausluft lagerte sich unten im Tal darüber 
Vviar binaus S nnnit ich dem scheußlichen Fieber entrinne.“ während oben in Soppo und Bueg eine wundervolle Kühl— 
er Feigte auf eine schwere Peitsche aus Nilpferdhaut, die an Melnne eln ee rnn 
einem Nagel hing — „tostest du diese hier!“ an qun j w in ualla im Aussterben, die Joßplatte über— æEin herrliches Stũd Erde.“ sagte Sven Bedmanns, gan 
Der duallabun de jhneite emee und suhr mit einen Sah in „um mindesten ein aanz erträglicher Platz,“ hielt in den Anblich versunken. „Ich finde es sehr begreiflich, daß 
Ture hinaus die — e 38 tn en das Gouvernement hierher verlegt wurde. In Dualla wirlte 
sie Soen gerich michienen ane eler 3 und Soppo haben es die Hitze schon in den wenigen Tagen meines Hierseins lähmend 
F e 8 sich glorreich offenbart! Ist es nicht so? nn wieder einnal tief afi n sieanr e e eee ee e en n 
aul, diebisch und gefrähig, das sind die liebenswürdigen een iner fen, wäh ie Nerven un⸗ es wächst die Kraft, Großes zu unternehmen und zu voll— 
kigenschaften dieser Duallas, Aufgeblasenheit und Jähzorn fehlen ee 7 und 8 v e dr ã eee eee e erssese 
en auch nicht, damit haben wir hier zu rechnen,“ Jahre hindurch hier h n un gunn u s. 
gle Weiner Ansdar. —7* hie sh üssen. dann würden sie ihr gestedtes Ziel zu exreichen.“ 
MNette Aussichten. die du mir da bornalsten bln unde eden 56 vn einte Wernet gedehnt i 
iel Sven e An 4 5 Werner gedehnt auch der beste Wille 
Bedmanns ein, „ich habe in den ersten ehe eee eeee r dem langiahrigen Genossen seiner lann Fehlschläge erzielen. In Kaämerun ist noch nicht alles, 
un von meinem hiesigen Posten. Dabei soll ich noch die e sich das Leben viel freund⸗ wie es sein sollte· m— 
uschsaltorei wieder beleben, eine Aufgabe, bei der sich mein 72 ider vorgeste lt, aber schon in der ersten Zeit „Das fühle ich am eigenen Leibe,“ fiel Lionel Grotter 
Voraander denn nhenn dt n n Schleier, das Bi von Sais ein, „ich werde heute aus meinem Herzen keine Mördergrube 
a dich nicht darum, Sven! Und doch ist eine berlennbaren Wahrheit d Pane rer u sei n vn 3 
edition ins Buschland immerhin inter * bui e . 55— ird hie Regierungs⸗ — khie Militärstatidn eingerichtet 
men de n er 4 n ne e rn pünktlich in Soppo ein, um Lionel Gibt es leine praltischen Vorbilder hierfür? Der Neger i 
feiern, wie sie fallen Soen Und n Kamerun bat man es 27 u uen me slehentnes Sren diet eine einheitliche Autorität vor sich sehen, sonst werden Zweife! 
doppelt nötig. Sei nur erst ein Jahr hier, dann wirst du es schon von weitem entgegen dint n m a 
i nachfühlen. eLib und Seele stumpfen in dieser brütenden ein derartig meterhoh ẽ e e ee in rcn n ene e ee ee e eu eren 
ie ahn enn innen ni le Nune ebelen atben a en 3 Elefantenaras und Io ausgedehnte in Dualla, unsere meisten Bezirksamtmänner fast alle halben 
„Aber strenge Mäßiglkeit in allem soll doch das Malaria— i a e habe ich mir nicht vorgestellt. Die paar Jahre die Stellung wechseln, ehe sie in ihrem Amtssitz warm 
sieber fernhalten,“ erwiderte Sven. „Trink täglich sterilisierte e n e durchquerten, machten aus dem bteiten geworden sind und das nötige Verständnis für die Gegend erlangl 
i e e Ê α” eel e ichts aus. Für mich war der aanze Eindruck ein ge— haben,“ fiel Werner ein. Ich möchte keinen derartigen Posten 
betleiden: kaum hat solch Herr mit autem Willen Verbesserunget
	        
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