Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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preis fũr das Vierteljahr 8300 Wart einschließlich 4 — — —— ——— Zeile 20 Pfg. Aleine Angeigen Erbeits marlt usw.) 
ringoeld in Libeg Durhh die vᷣon berogen vhn⸗ B Pig. fũr Auswãrtigs 30 Plg. . Geschaftl. Ait· 
Bestelgeld 320 Marl. Einzelnummera 10 Vfa. d. 32 22 ä 
— Beilagen· Vaterstãdtische Blãtter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und hansestadt CLũbed 162. Jahrgang Nachrichten für das herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz und Verordnungsblattttt gũrstentũmer Ratzeburg, Lübeck und das angren⸗ 
537 h. besindet sich 
4 ννννν — νννν zende meclenburgische und holsteinische Gebiet. 
Dru und Verlag: Gebrüder Bor *rs G. mih S, in Lre Adrekhaus (Köniastr. 46). Fern sprecher 9000 u. 90001 
Ausgabe M. Gtohe Ausgabe) Montag, den 24. Juni 1932. Abend⸗Blatt Ur. 314. 
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3 Ausgleichsmöglichkeit wie bei den Reichstagswahlen im Deut— Weshalb Roosevelts Stern sinkt. 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. schen Reich. Bremens Wahlrecht ist viel vollsfreundlicher als London, 22. rnen n n der Mor⸗ 
Amfang der beungen Nummer 6 Seiten d und e e e ning Post berichtet· Allgemein wird iert zuaeacben. da 
en — übertragen, würde es dort die Wahl von vielen Sozialdemo Roosevelt, indem er persönlich nach Chikago ging, einen 
nicht kraten in den Landtag herbeiführen. Interessant ist es, dah perhängnisvollen polilisen sehler gemacht hat. 
— ichtamtlicher Teil. in der Bürgerschaft auf die Möglichkeit eines Verschwindens der Der Roosevell von Ohsler Bah, den ein gewisser Nimbus um— 
— Selbständigkeit hingewiesen wurde für den wob Uund der wegen leiner beländigen Ruhe und Klugheit 
; all. daß durch ein neues Wahlrecht Bremens Parlament und geachtet wurde, ein anderer als der, den man seit 
Zum Kampf um das Reichstagswahl⸗ Regierung einer sozialdemokratischen Mehrheit ausgeliefert 2 in 42 nn tkonnte, wie er in seinem 
recht in Bremen werden würden. Die sogialdemokratische Prefse Zimmer mit gerötetem Gesicht erregt auf und ab raste, Ver— 
höhnt und schimpft in allen Tonarten über die wünschungen ausstieß und jeden Augenblick seine Ansichten 
Lübecdck, 24. Juni. „rücständigen Liberalen“ änderte. Er bot durchaus keinen erhebenden Anblick und be— 
In Ergänzung unserer telegraphischen Meldung vom Frei— 5. 5 unruhiĩgte seine Freunde sehr. Gestern abend mutzten ihn 
tag morgen über die Ablehnung des sozialdemokratischen Wahl— Deutschland und die russische Flottenvermehrung. iue e vr binaen d o 
rechtsantrages in Bremen geht uns von dort folgende, die 22 meng beschimpfte und ihr Drohungen entaenenschleuderte · 
poliischen Verhaunisse in der Bremer Bürgerschaft recht GSuformation von unseren Auslands Verichterstatter.) Bisher war Roosevelt Uũger als seine eet b 
tiv beleuchtende Zuschrift zu: Die sozialdemokratische Fraktion In der Vermehrung der russischen Flotte wird in Berliner rn eae din n e e ae 
eeen eneaft hanle benen en Siene des polinschen Kreisen eine Bebrohnng Deutschlands niht ebügt geeaun een ereg 
heutigen, den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen nicht wie ja überhaupt noch niemals die russische Flatte die deutsche Iru verntte er ae selteuen —27 
ie forderung, aus dem Konvent auszuziehen, brachte er sie in 
mehr entsprechenden Klassenwahlrechts sür die Wahlen zur Flotte und umgekehrt bedroht hat. Die Ausführungen, welche in eeien unangenehne Lagen Dann wieder als seine 
Bürgerschaft das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl— in der russischen Duma bei Gelegenheit der Beratung des e n aren n dab e 6 gehanden 
recht einzuführen. Die Sozialdemokratie hatte auf die neuen Flottenprogramms gemacht worden sind, entsprechen, ale e e en ea icher e 
in diesem Jahre erfolgte Gründung einer Fraklion der Fort— so meint man, durchaus der politischen Situation. Eine be— un zu hehen Uund fur chn summen Vormittags hatte er 
schrittlichen Volkspartei ihre Soffnung ge— sondere Maßnahme von deutscher Seite in der Richtung einer hie Balegaten von hrem eesrechen nsbunden und 
fetzt. Diese Fraktion hat aber bisher nur 18 Mit— abermaligen Flottenverstärkung kann die Angelegenheit wohl hen anmeimgetei, n, vas ihnen zutduntte. Als seine 
glieder von den 150 der Bürgerschaft gefunden während die nicht zun Folge haben Fleunde ihn e Visseien belehri hatten bat er sie von 
ee Fraktion über 14 versügt. Der seuem himmelhoch, ihm beizustehen und ja für seine Er— 
pzialdemo kratische Redner geißelte das bremische Achtkllassenwahl⸗ * 53 
lysten und wies auf die Flammenzeichen in Budapest hin. In Deutschland und England. e der aufregenden Tagungen haben alle 
Wnchen idt das brenshe Wahnechl den Berufetasen die Die bsterreichiseh · ungarijche Sande mer in Londen bringt Delegierten arg mitgenommen. Selbst die robuste Natur 
hier die Stützen des ganen Erwerbelebens lind, eine ihnen eine Klage, die für uns sehr interessant i Sie sagt, daß sosseens bal ha i aibeeee 
zukommende Vertretung, die auch schon deswegen nicht fehlen sich der Export Oesterreich Ungarns nach Eng n ist er völlig n sich usanmengesunten Sein Gang 
darf, weil die Bürgerschaft an der Verwaltung durch ihre Depu— land in den leßten Jaähren außerordentlich ver— ade und shlaff. Die Ausen haben vollis 
tation teilnimmt und diese mit bestimmten Berufssseuten beseht schlechtert und allein in den beiden Vorjahren sich das verloren 
muß. Schon jetzt werden 68 Bürgerschastsvertreter Konto mit England um 2209000 Estrl. zum Nachteil der öster⸗ 
urch allgemeine Wahlen berufen, und die bürger ihe Linke hat teichisch ungarischen Monarchie verschoben hat. Die Handels— 
jetzt einen Antrag eingebracht, diese Zahl von 68 auf 100 zu kammer weist demgegenüber auf Deutschland hin, dessen Inland und Ausland. 
vermehren, so daß die bevorzugten Klassen nur noch 50 Mit— Handelsbeziehungen zu England ein gangz anderes Bild Deutsches Raich. 
glieder haben würden. Dieser Antrag unterli gt noch den Be— geben. Die britische Einfuhr nach Deutschland hat sich in den Zur nationalen Arbeiterbewegung in Deuischland wird uns 
ratungen einer Kommission, hat aber wenig Aussicht. Es ist letzten zwei Jahren danach um 6.8 Mill. Ostrl. und die deutsche aus Essen geschrieben: Der Hauptausschuh für die nationale 
nun interessant, daß der neue sozialdemokcatische Antrag dies— Einfuhr nach England trotz des enormen Zuderausfalls um Arbenerbewegung Deutschlands, dem u. a. der Bund deutscher 
mal 30 Stimmen fand gegen die ablehnende Mehrheit von 57 7,5 Mill. Lstrl. erhöht. Der Gesamthandel stieg demnach um Werkvereine, der Bund vaterländischer Arbeitervereine, der 
Stimmen bei schwach besetzter Bürgerschaft. 20 bürgerliche 14,3 Mill. Lstrl. Verband seemännischer Berufsvereine und andere ähnliche Ver— 
Stimmen hatten die Sozialdemokraten unterstützt, dar— Die mahßgebenden Faktoren der österreichisch-ungarischen bände angeschlossen sind, hält am 29. und 30. Juni und am 
unter allerdings ethiche, die aus taktischen Gründen Monarchie werden von der Kammer aufgefordert, diese Dinge 1. Zuli in Essen seine diesjährige Tagung ab, mit der die 
han delten und genau wissen, daß hier niema s elwas aus der und ihre Ursache zu studieren. Deutschland kann mit den Aus— Hauptversammlung des Bundes deutscher Werkvereine verbunden 
sozialdemokratischen Forderung werden kann. Die bürgerliche führungen der Kammer sehr zufrieden sein. Sie beweisen wie— ist. An dieser Tagung werden als Ehrengäste der Oberpräsi— 
Presse lehnt dann auch das allgemeine Wahlrecht für die gesamte derum, daß England und Deutschland. beide, das größte In— dent der Rheinprovinz Frhr. v. Rheinbaben, sowie eine große 
Bürgerschaft ab, da unser kleiner Stadtstaat damit den größten teresse an einer gegenseitigen sfriedlichen Entwiclung haben. Anzahl führender Persönlichkeiten aus der deutschen Industrie 
Gefahren ausgesetzt wäre, weil die sozialdemokratische Masse D.L. q. teilnehmen. Die in dem Hauptausschuß zusamm n esglossenen 
schon das Reichstaasmandat in Händen hat Es oibt hiet keine — Verbände slind in der deantschean Arkeitan ne neue 
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Ins Sonnenland Gül dachte dasselbe, er mochte aber nicht fragen, wo Jente „Erschreden Sie nicht,“ bat Zente Lörnsen, ihren Arm um die 
Ein Schifforoman van mmar Anne Wothe weilte. — zitternde Frauengestalt legend, „es ist nicht so schlinm, als es 
„Sie ist in die Stadt gefahren,“ erklärte Joriede. „Ich erst aussah. Ein Unfall mit dem Aukomobil, das Ihren Gatten 
G6. Fortsetzung.) bat sie darum, weil ich gern allein sein wollte, aber nun fehlt zur Gesandtschaft fahren sollte.“ 
Copyright 1910 by Anny Mothe, Leiprig. sie mir. Sie ist so gefestigt, so gleichmäßig. In ihrer Nähe „Er ist tot!“ schrie Joriede auf. „Sie wollen mich nur 
Und inmer wieder — muhß man fromm und still sein.“ schonen.“ 757— 
Gespenst zum Herzen. en n die Joriede sah wie prüfend in Güls Gesicht. MNein, er lebt!“ antwortete die Aerztin. „Ich selbst 
Nun erfullt es sich. Fester knüpfte sie dann den Uchtgrauen Schleier über ihr habe ihn gesehen. Ich kam mit Mister Hampton zufällig des 
Mude schrut er nachdem er lange einsam im Rauchzimmer lociges Braunhaar mit den roten Lichtern, und als er noch Weges, und wir veranlaßten die Ueberführung Ihres Gatten ins 
nesessen um Promenabended anpor, immer schwieg, fuhr sie fort: Krankenhaus. Freilich, ich darf Ihnen nicht verhehlen, dab 
Und da kam ihm Joriede bn muden, schleppenden Schritten „Ich kann eine lähmende Angst nicht los werden, Gül. sein Zustand bedenklich ist, namentlich scheint mir das eine 
langfam entgegen. Ueberall sehe ich grinsende Larven. Die Lust scheint hier Auge schwer verletzt, außer einem Beinbruch, aber die lräftige 
Er schrint hastig auf sie zu und ergriff ihre Sand. wie glühendes Feuer. Ich kann laum atmen. Fühlst du nicht Konstitution von Boddenhusens lãßt annehmen, daß er vielleicht 
DZonede fragte Wernhagen sanfte n was malt dich? Be— auch die sengende Glut, die uns das Herz verdorrt und die doch den Unfall glüclich überwindet.“ 
reust du?“ Sinne verbrennt?“ dDoriede sah Jente Lörnsen wie wahnsinnig ins Gesicht,. und 
Si schuttelte den Kopf und bligte ganz geistesabwesend „Du bist krank, Joriede. Du solltest dich schonen. Noch dann irrten ihre Augen zu Gul, der, ganz erstarrt von dem 
por sich hin ein einziger Tag, und wir fliegen wieder hinaus auf das leuch— soeben Gehörten, unbeweglich verharrte. 
„Er ist fort, Gul.“ sprach sie dann endlich, sich init der Sand tende Meer, der Heimat und dem Glüde entgegen.“ „So wenden sich unsere Wege, Gul,“ lãchelte sie mit ganz 
die wirren Loden aus der Stirn streichend, „ohne jeden Abschied Sie lächelte trube. „Ins Sonnenland wollten wir, Gül, und verzerrten Zügen, indem sie lanasam aufstand und sich schwer 
ist er gegangen.“ nun erkennen wir wie müde Pilgerleute, daß uns unsere Fübe auf Jente Lörnsens Arm stützte, „und wir finden den Weg ins 
Sast du es anders erwartet, Joriede ?“ nicht tragen. Was siehst du so erschredt in die Ferne? Siehst Sonnenland nicht mehr. Reinen Herzens sollten wir sein. 
MNein, aber ich hatte ihm doch noch so viel zu sagen. du etwas? Kommt jetzt das Unheil?“ reinen Herzens, Gül.“ Und sich zu ZSente wendend, fuhr sie sort; 
Weißt du, die Kinder, es ist so viel zu bedenken, er weib „Ich sehe Jente Lörnsen,“ entgegnete er, näher an die „Führen Sie mich zu ihm, ich will ihn sehen, führen Sie mich. 
ja gar nicht Bescheid Reling tretend. „Sie kommt in größter Eile mit Mister Hamp— „JDoöͤriede!“ warnte Gül. Eine heiße Angst quoll in ihm 
Gül überflog die blasse, fast samenbrechende Gestalt Jo— ton hierher Ihr Gesicht ist bleich und sie hastet förmlich empor, und noch etwas andertes, wie ein Taumel erfaßte 
riedes prüfend. — die Schiffstreppe hinauf.“ m 2 
Augenscheinlich hatte sie die ganze Nacht durchwacht. Eãal schrie Joxiede ganz laut. „Halte mich, jetzt, jett ch sehe so klar meinen Weg, Gul,“ sagte Joriede und 
„Du kannst ja alles schreiben, doriede,“ tröstete er, „dein kommt das Ende!“ strecte ihnen die Sand entgegen. Es muß sein, Gül. So stirbt 
Anwalt wird alles ordnen.“ Im Augenblick stand er bei ihn aber er nahm sie nicht in das Glüd in einer einzigen Nacht.“ 
Sie sah ihn groß, fast fremd an seine Arme. Er konnte es nicht, denn der Amerikaner und die DDarf ich dich begleiten, Joriede?“ fragte er, seltsam er— 
„Es ist alles so schwer, Gül,“ gab sie zurüch junge Aerztin betraten soeben das Promenadended. schütlert von ihrem starren Schmerz und der unheimlichen 
Er nickte. Er hätte es nicht über sich vermocht, in diesem Jente Lörnsen schien Mister Hampton etwas zuzuflüstern, da Gelassenheit ihres Wesens. 
Angenblick auch nur ihre Hand u berühren, und doch gewahrte neigte er ernst den Kopf und schritt, den Sut lüftend, weiter— „Nein,“ wehrte sie ab, „diesen Weg muß ich allein finden 
er in ihren trostlosen Augen, daß es ihr zum Bewußtsein kam dDente Lörnsen trat hastig auf Joriede zu. ganz allein, nur Jente Lörnsen soll mich begleiten“ 
wie fremd er ihr gegenüberstand. Ist er tot?“ fragte Joriede mit unheimlicher Festigkeit. Sie stützte sich schwer auf Jentes Arm, die sie sorgsam 
Willst du disß nicht ein wenig ausruhen, Joriede?“ „Verhehlen Sie mir nichts, Fräulein Doltor. Ich sehe es an führte. 
fragte Gül, einen Liegesessel zurechtschiebend. Ihrem Gesicht, daß Sie mir etwas Unheimliches zu künden Gül sah den beiden Frauen mit dem Blick eines Ster 
Willenloswank sie darauf nieder. haben, und mein Herz sagt mir schon seit länger als einer benden nach. 
„Wenn doch 2 isen same.“ murmelte sie dann vor Stunde, daß etwas geschehen ist, das alles mit einem Schlage Jente Lörnsen hatte nicht ein Wort mit ihm gesprochen 
sich hin verãndert.“ —Iee
	        
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