Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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abends Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 52 e ee νν 
preis fũr bas Vierteljahr 330 Wark einschließlich 2 ueeeeee usw.) 
Bringgelbd in Lũbeck. Durch die Post bezogen ohne u 1Wt.d. 
Besteügeld 330 Mart. Einzelnummern 10 Vfa. 7 e 2 5 e 
& — — Beilagen: Vaterstãdtische Blãtter. — Der Familienfreund. 
Umisblatt der freien und hansestadt Lübed 162. Jahrgang Nachrichten für das herzogtum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz· und Verordnungsblatt ev gũrstentũmer Ratzeburg, Lübed und das angren 
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αο ννννν jende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Orug und Verlaa Gedrunder Borhers Gem. d. D. m Luhen. — Gescharrenanue Adrek baus (Kbbniastr. as) Fetniprecher o u. soo 
Ausgabe M. Große Ausgabe) Dienstag, den 4. Juni 1912. abend⸗Blatt Ur. 277. 
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ys 3 wissen reno mmistischen Wendungen und Aufbauschungen der sich die preußische Regierun ien d ü lizeidi S 
Erstes Blatt. hierzu 2 Blatt. Tatsachen über ihre Schwächen und Bedeutungslosigleit hin⸗ Streler in seinen ee e n 3 t 
eee eeee uenmer s Seiten wegtauschen wollen. Viele von ihnen sind geradenn wie inen mabgebenden Einfluß auf die Leitung des 
— — — — Pilze aus der Erde gewachsen ohne hinsichtlich der Leistungen Institutes. Die Beslehungen des Wolffbureaus sind nach 
Nnichtamtlicher Teil. eine ee den e lnn nn Reichsrundung in derselben Weise, wie von Stephan ge. 
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⸗ übergegangen. Mit der Zeit sind di i en i 
Die deutsche Reichsregierung und die fhe Telegraphenbuteau in Berlin zu sprechen lommen, Nndere geworden e ee ee n 
presse so haben wir es in diesem Weltinstitut mit einem Faltor zu Mitteilungen die Ansichten der Regierung wieder, sondern unsere 
tun, der vielleicht für die Beziehungen zwischen Reichsregie- Reichalegierung übt auch über die aus anderen Quellen slam— 
IV. rung und Presse der wichtigste von allen ist. Die Macht dieser enden pollischen Nachtichten eine Kontrolle aus, und gewisse 
o0 Lubed, 4. Juni. Einrichtung besteht nämlich darin, daß aus dieser Quelle Zweige der Berichterstattung dürfen nur in der von der Regierung 
Mit den bisher erwähnten Beziehungen der Reichsregierung die gefamste deutsche Presse ohne jede Ausnahme ihre bestimmten Form ausgeübt werden. Wir gehen darauf noch 
zur Norddeutschen Allgemeinen Zeitung sind noch keineswegs Nachrichten schö pfen muß, und daß als Folge auch ihre morgen näher ein 
alle Mittel erschöpft, deren sich der Reichskanzler und seine politisch⸗Iritische Stellungnahme vielfach von dem verstedt-offi⸗ — 
Staatssekretäre bedienen können, um die öffentliche Meinung, ziösen Geiste dieser Kundgebungen unbewußt beeinflußt ist. prinz Joachim in paris. 
namentlich unter Berücksichtigung ausländischer Polifik in Deutsch⸗ Ueber die Beziehungen dieses Wolffschen Bureaus zur 
land zu beeinflussen. Zunächst bestehen außer dem Pressebureau Regierung hat bezeichnenderweise der Staatsselretär des Neichs— Infor mation unseres Berliner Korrespondenten. 
des Auswärtigen Amtes auch bei unteren Einzelressorts der posltamtes Stephan im Reichstage einmal erklärt? „Wenn ich Zu der aus Paris gemeldeten Reise des Prinzen Joahim 
Reichsbehörden verwandte Einrichtungen. Am vollendetsten sind eine wichtige Nachricht habe, so teile ich sie sofort dem von Preußen nach Paris erfahren wir, daß dieser Buch 
sie wohl in der Nachrichtenabteilung des Reichsmarineamtes, Wolffschen Bureau mit, damit sie in alle Welt geht, und das bereits vor emniger Zeit stattgefunden hat. Der Prins ist 
die zu zahlreichen selbständigen Journalisten oder Vertretern Wolffsche Bureau hat die Verpflichtung dazu nach dem Ver⸗ natürlich lediglich als Privatmann in Paris gewesen. wie ja 
von Zeitungen Begiehungen unterhält. Leider vermögen wir trage, der mit ihm gemacht worden ist.“ Die engen Beziehun— auch der Kaiser selbst in früheren Jahren als Prinz sich wieder⸗ 
hieser gesbidt an gengenen Olgonsaion im Reĩdamatinegnite gen des Wolff Burenus gur Reaierung haben von Anfans der sen in Vorie aufaeballen bat 
eine eetn Pressebedienung beim Kriegsministerium nicht Gründung dieses Instituts an bestanden. Sie haben übrigens 
gegenüber zu stellen. Die Zahlen, mit denen jetzt der deutsche einen interessanten historischen und wirtschaftlichen Hintergrund. 1 
Wehrverein hervorgetreten ist, haben zum Teil überraschend Als nämlich im Jahre 1865 die von Dr. Wolff mit einigen d elulan⸗ in Zununstekries 
gewirlt und wir sind geneigt anzunehmen, daß v. Seeringen Blättern abgeschlossene Interessengemeinschaft wegen der Liefe— n Generalleutnant in Bahern sendet der Rheinisch- West 
vom Reichstage wohl wesentlich mehr erreicht hätte, wenn er rung von kelegraphischen Börsennachrichten ihren Plan auch fälischen Zeitung folgende bedeutsame Ausführungen, die wir 
durch ein geschiktes Pressebureaun und durch eine sogenannte politische Nachrichten in den Bereich ihrer telegra⸗ der weitesten Aufmerlsameit besonders in der von den 
pffiziöse! Militãr⸗Korrespondenʒ den Boden für die dringenden phischen Berichterstattung zu ziehen, durch Mangel an Be⸗ Welschlingen irregeleiteten elsaß-lothringischen Bevölkerung 
Forderungen des vBeeres rechtzeitiger und besser vorbereitet triebskapital nicht ausführen lonnte und die Gefahr bestand, empfehlen. 
hätte. Auch von einem lebhaften Alslausch wissenswerten Mate dal die bereits erwähnten auslandischen Telegraphenagenfuren Munchen, 30 Mai 
rials des Reichestatistischen Antes namentlich über die hervor⸗ Reuter und Havas auch in Deutschland Boden gewinnen könnten, An Nr. 264 des Tag lese ich einen Auffaßz von 
stechendsten Fragen unseres Wirtschaftslebens und unserer Wirt⸗ da wandte sich Dr Wolff mit der Bitle um Unterstützung an Dr. Ir Curtius Die Gefuhle der Elfasfer⸗ der ja manche 
schaftspolitik ist bisher nicht in dem Umfange die Rede, wie es den König selbst. An 4. März 1865 erging dann an Dr allgemeine Wahrheiten enthält, aber h von durchaus 
wohl wünschenswert wäre. Und doch sprechen viele Zahlen, die Wolff folgendes königliche Sandschreiben: 2 falschen Voraussetzungen e mihn unwidersprochen 
den letzten Jahren von Theoretikern und Praktikern zur „Ihrem Mir vorgelegten Plane, durch eine Atltien Gesell bleihen eile. Davon, daß man bersuch hat, den Elsässern 
eurteilung wichtiger nationaler und internationaler Fragen schaft Ihrem telegraphischen Institute eine ähnliche Ausdeh— mit unziemlicher Aufdringlichkeit deutsche senan und 
aufgestellt und durch besonders großßügige Gruppierung ge— nung zu geben, wie dies eine englische Altien-Gesellschaft zu Sprache beizubringen, wie Curtius schreibt, kann ar 
wonnen worden sind, häufig mit einer Evidenz, die wirklich tun im Begriff steht, kann Ich nur Meinen ganzen Beifall leine Rede sein; wogegen ch aber e Parteien 
verdiente, daß sie von den Reichsbehörden ständig und in zollen und es würde Mich sehr freuen, wenn bewährte patrio— Plibo dane, die sich in besonderer Wen ven 
e ereu mit einem belehrenden Text der tlische Finanzmänner, wie die Herren von Oppenfeld, von deutschen Ralionalgefuhls 8 ee n mn 
uß ent erde Auf die übrigen „offiziö— Magnus, Bleichröder, sich mit Ihnen zu dem Geschäfte einigen weite Kreise des deutschen Volles auflehnen, ist das heraus— 
orre 1 e 8 on⸗ ee e Mir sehr wichtig und notwendig, dah fordernde Auftreten der sogenannten Nalionalisten, der Herren 
en in dies hrichten, in Preußen ein i i i amain pie si 
die hauptsächlich für die Beeinflussung der deutschen inneren englischen e n et 22 Wellent⸗ Hryletn San Preiß nd wie lie 
Politik in Frage kommen, gehen wir hier nicht weiter ein. Ebenso Berlin, d. 4. März 1865 n en e dielr Auftreten nicht empfinden 
übergehen wir die ganze Zahl derjenigen politisch-literarischen Wilhelm.“ n; rn leen renn en. 
Bureaus in Berlin, die nur sehr schwache oder überhaupt keine Dieses Interesse des Staatsoberhauptes hatte Erfolg: Eine 3 en e e stachtung. Doch es ist 
e e zu den Regierungskreisen unterhalten, aber trotz⸗ Kommanditgesellschaft auf Atien wurde gegründet und der Be— puntte aufmertfam zu nachen di 2 
2 häufig zum großen Schaden der Provinzpresse mit ge— trieb in größerem Makstabe beaann. Bei dieser Gründunag sicherte Stardnuntt aus biete ie rtsel vn dnghhev 
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Ins Sonnenland. stattlicher brauner Sudmarotkaner im weißen Burnus Man besuchte vornehme mauische Häuser, und die Damen 
Ein Echiffsroman vom Mineimenn von Auny Wolbe. n e ern e nen in ehr ulligen besichtigten einen Harem, heiß beneidet von den Männern, die na— 
¶9. Fortsehung.) übernommen und daß die aenen el e nicht hinein durften. Man stieg hinauf zu der von hohen 
Copyright 1910 by Anny Mothe, Leipzig. lungen sich unbedingt an ihren Führec halten mühßten. Dabei in e e nn 33 e 
Mit Aufbietung aller Kraft aber entzog sie sich ihm, lie shlug er mit einer Peitsche. die er in der Hand hielt. mit hof, lunstoollem Garten und hercicher Moschee 
rüdie bis an die äußerste Kante der Bank und sagte ruhig luen Slagen um sich, um so nur einen kleinen Platz für Am Kasbato e über 
und fest: n die Europäer zu schaffen die fast von den auf sie einströmenden us n ator genoß man die überraschende Aussicht auf 
lht also Gii. Wir wollen nichts Vahliches zwischen Einseborenen erdrudt wurden. 7 weihe von Tanger, auf den Strand und auf 
uns dulden. Es war ein großes Glüch, daß wir hier eine kurze Die Peitsche schaffte ihnen dann auch wenigstens etwas n ee innen enn urh welen lih goldyee 
Weile so stift nbeneinanden sen bunten nichts Fremdes Bewegungsfreiheit und umageben von der bunten, schreienden Tno r 
zwischen uns, uns ganz allein gehörend.“ und scherzenden Menge, ging es an dem neuen Leichterhafen Sat ann war man plötzlich auf dem großen Außenmarkt 
Er sah ihr mit innigem Blich in die Augen. Wie schön und Zollspeichern vorüber durch das von zwei Batterien ver— 5 a e u 
sie war. Wie eine zarte weiße Blume erschien sie ihm, von teidigte Hafentor, hinein in die alte Stadt. in * h ernn e 
unsagbarem, holdem Liebreiz überflutet. 2 Die engen, schmutzigen, steinigen Straßen, die durch Fuhr— e e Aari 3 
„Du hast recht, Joriede,“ antwortete er leise, „nichts werkle gar nicht zu passieren sind, boten ein phantastisches t * mmen, b Gũ und Joriede sich in diesem 
Sãßliches soll zwischen uns treten, und darum bitte ich dich Bild. osen 9 ern ee der alle auseinanderriß, plötzlich 
gönne mir ein ekurze Stunde. Ich muß dich sprechen: Die abwechselungsreichen Trachten der Mohammedaner mit * se 7 aen pen. 
ganz klar soll es zwischen uns werden. Morgen abend ist wieder ihren weißen und farbigen Burnussen, braunen Dschellabas, gel— S Sie standen sich zwischen Märchenerzählern, Gaullern und 
Tanz auf dem „Meteor“. Alles wird sich auf dem Prome— ben Pantoffeln. bunten Airbans leuchteten in der Sonne ed en in r unarn 
nadendech und in den Gesellschaftsräumen zusam endrängen Daßwischen ernst und fesersih die schwanen Kaftans der Nben it und breit kein Europäer. der zu ihnen gehörte, nur 
und das Bootsdech wird menschenleer sein. Darf ich dich, für die es Vorschrift ist, Kaftan und roten Fez“ zu tragen. raunes schwatzendes und schreiendes Voll, das sich wild 
wenn die anderen tanzen, da oben erwarten?“ Doriede war unwilllurlich wieder an die Seite ihres Mannes um * drunate. z7— 
Er brach jäh ab. Das Bodt hielt an einer schlüpfrigen, geflüchtet, was er mit Befriedigung aufnahm. — W Za glühte es selig in beider Augen auf, und ohne ein 
schmalen, hoch hinameigenden Treppe. — As er sie in Güls Gesellschaft aus dem Boot steigen sah, vort Lgte u Jorede n en leinen 
Joriede wurde durch das Anstoßen des Bootes einer Ant— hatte er finster die Stirn gerunzelt, jeßt aber schien u 2 selbst will es so,“ flüsterte er ihr heiß 
wort enthoben, denn der maächtige Sudanneger ik dem röten und heiter, und je länger er gewahrte, daß Gul sich von Jotede 2421 ist bie nächlle Stunde unler Joriebe. 
hob sie ohne weiteres hoch empor und stellte sie auf fernhielt. desto vergnügter wurde er un n u ssen.“ n 
die Treppe. Er wandile fi g * „VMan wird uns vermissen.“ wandte sie schüchtern und 
dl folgte schnell und sahte ihre Hand, um sie zu stüh gan — — —— 
Hand, um sie zu stützen. pton zu, und als er fah. daß Joriede am A iegend, wenl die 
„Antworte,“ flehten seine Augen. lleinen Herwett einherschritt und er bn nn n nnr e u 
Sie blieb stumm. Am Hafendamm empfing sie wüstes Gesprach benertie ba hielt e seine Frau sar b sen im „Ohne Sorge.“ la die er lesse und glngich zurud Wir 
Geschrei, als sie diesen erreichten. — und er vergnügte sich nach Zetzenslnst in der re sind zur echten Zeit wieder am Safen. Wir werden nicht die 
Im Umsehen war sie wohl von mehr als zweihundert Ma⸗ gebung ünd n nzigen sein, die lich verlaufen haben.“ l 
Negern und Juden umringt, die alle ihre beiden hibshen nd aeiselten n kin suhes inder mãrchengefuhl war plotzlich in ihnen als 
ien — In den Gewnhl wor e lie lo in der sendartigen vhantastischen Umoebung des fremn 
Gül und Joriede lämpften sich layfer durch die Andrän— eee e ν er jemand im Auge ben Londe d 5 eneee 
genden bis hin zu einer Gruppe von Pfssagieren des Meteors“, wurde, verlangten e 22 2 dahin schritien ¶ nner weter in das gewnhl bes Marties 
in der auch Boddenhusen auf seine Frau wartete, und in der wurden, gab es hier und ——— bmein md de inne r dnen eene 
auch Jente Lörnsen und Gerda Gazoni sichtbar wurden losten sich. n sich viede h wal und die Gruppen * Du und ich wir beide, nt nnn 
ders zu schlieken. Sie hielfen sich bei den Sänden und sahen sich mit grohen,
	        
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