Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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Wochentlich 13mal Wochentags morgens und s 458 e* eigenpreis (Ausgabe a4 und B) für di 
abends Sonntags morgens) n — 91 en 
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Bestellgelb 8.20 Mark. Einzelnummer ⁊ 10 Vig. p * Sat den Auforderungen entsprechend hoͤher. 0 
Beilagen: Vaterstãdtische Blãtter. — Der Familienfreund. 
Amisblatt der freien und Hansestadt Lũbed 162. Jahrgang Nachrichten sür das herzogtum Lauenburg, die 
heiblau: Gesetz und Verordnungsblattt tt aete dirstentümer n * und das angren⸗ 
—t ————sp arai der verne i al ende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Driid und Verlag. Gebruder Ber en k sñ — Gel cÊ Adre haus Koniastr as Ferniorecer n. Q⏑ 
Ausgabe A. (Große Ausgabe) Sonnabend, den 25. Mai 1932. Abend⸗Blatt Nr. 262. 
Tã In den Pfingstfeiertagen fallen aus Der lonservative Führer A. J. Balfour spricht sich in zweche erbaut werden, wird Britannien hier— 
3— Montag die Morgen⸗ und AÄbend-Ausgab einer für Deutschland sehr warm und liebenswürdig gehaltenen durch allerdings nicht der Pflicht der Bewah— 
am Montag die Morgen- un end-Ausgabe, u2 hꝛ ; 2 2 
un dicuen die orgen Ausgabe v Einleitung über die Verdienste aus, die sich Deutschland um rung der Standhöhesentsprechender Stärkever— 
g — praen⸗ g die Kultur der ganzen Welt erworben hat, und er betont auch hältnisse im Interesse nationaler Sicherheit 
der „Lübeckischen Anzeigen“ 31 die Tatsache, daß bisher noch nie deutsche und eng— enthoben, aber es hätte wenigstens keinen 
Die Expedition ist geöffnet am ersten Pfingsttage lische Waffen sich gekreuzt haben. Dann fährt er Grund zur Beunruhigung, geschweige denn zum 
vormittags von 8 bis 9 Uhr und am zweiten Pfingst- fort: Uebelwollen. Macht es aber Deutschland Ens— 
lage vormittags von 1 bis 12 Uhr. Wenn die Engländer sich davon überzeugt halten könnten, land leicht, diesen Gesichtswintel zu wählen? 
8 225 2. d daß eine deutsche Flotte ausschließlich Verteidigungszwecken Die äußeren Merkmale der Sachlage scheinen folgende zu sein: 
Inserate für die Dienstag⸗Abend⸗Ausgabe werden ienstbar sein solle d. d. also Abwehremdlchtenn degen Die gabhte Militar nnd eitaroble Seemahht 
bis Dienstag mittag 12 Uhr erbeten. event. Angriff — würden sie nichts danach fragen, wie groß der Welt verstärktihre Armee und Marine, sie 
sebrüder Borehers 6.m. b. h. diese Flotte sei denn ein Angriffskrieg gegen vermehrtdiestrategischen Eisenbahnlinien, die 
Versag der cilmen An eigen·. Deutschland ist für sie undenkbar. Es gibt, wie zu Grenzstaaten führen, und zwar nicht nur zu 
— e e e e r — —— — — ich höre, viele Deutsche, die dieser Behauptung stark entgegen— denen, die selbst mächtige Armeen besitzen, son— 
treten; sie ist jedoch kein Paradoxon. Wenn wir auch von dern auch zukleinen, dienurneutralzubleiben, 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. allen Rücksichten, die auf unserer Vollsmoral fußen, absehen, wünschen für den Fall, daß ihre gewaltigen 
AUumfang· der heutigen Nummer 6 Seiten muß doch die Erwägung voranstehen, daß wir ein Handelsvolk Nachbarnunglückseligerweisezutriegführenden 
— — —— sind und ein Krieg, welchen Ausgangs auch immer, dem Handel werden sollten. Zu gleicher Zeit verfügt sie so über die 
Nnichtamtlicher Teil. und dem Kredit, zu welchem der Sandel im Abhängigkeitsver— Gliederung ihrer Flotte, daß sie (die Machh) ihre Flotten nacht 
— hãältnisse steht, einen Ruin bedeutet. An zweiter Stelle sollte im Augenblick schlagfertig machen kann. Es istbegreifbar, 
3 3 3 die Erwägung stehen, daß wir eine politische Nation daß dieses alles nur veranstaltet sein mag, um 
Balfours Ansicht üher die deutsch⸗englische sind und ein von uns provozierter Krieg an sich gegen Angriff unüberwindlich zu machen; 
Frage. einem Tage die mächtigste Regierung und die solch ein Zielpuntkttwäregewißlichzuempfehlen, 
geschlossenste Parteiauseinandersprengen wür— wenn auch die zu seiner Erreichung eingesetzter 
0 2ubed, 356. Mai. de. Zum dritten darf die Erwägung nicht außer Betracht Anstrengungen dem außenstehenden Beobachtet 
In der Depesche an der Spitze unseres Leitartilels von bleiben, daß wir ein Inselvolkund als solches als weit über das Maß jeglicher Gefahrabwehr 
heute früh wurde bereits darauf hingewiesen, daß der Aufsatz völlig von der Seezufuhr für Nahrungsmittel hinausreichend erscheinen müssen. Wenn älle 
des englischen konservativen Fuhrers Balfonr in den Bespre— abhängig sind weder für heimische Verteidi— Völler im gleichen Ausmaß unüberwindlich ge— 
chungen der englischen Blätter ein ganz besonderes Interesse ge— gung, noch den Auslandsdienst übereinansehn— macht werden könnten würde der Frieden zwel— 
sunden habe. Wer nun den Aufsatz Balfours liest, den wir in liches Heer verfügen und deshalb um völlig felsohne wohl kostspielig aber immerhin ge— 
den solgenden Zeilen zum Abdruck bringen, den wird das kaum ungleiche Einsätze zu spielen gezwungenwären, sichert erscheinen. Unglücklicherweise kaunn keine 
wundernehmen. Nicht nur die hohe politische Bedeutung des falls Deufschland in dem Kriegs Saßardspiel Analyse der deutschen Kriegsvorbereitungen 
Verfassers im Lande selbst, sondern vor allem auch das, was er unser Gegner sein würde. Gerade diese letzte Erwä— uns in Wahrheit zeigen, welchen Zweden sie 
sagt, machen das wohl verständlich und es will auch uns scheinen. gung möchte ich einsichtige Deutsche wohl abzuwägen bitten, zugedacht sind. Eine schrederregende Waffe ist geschmiedel 
daß wir vorläufig den die Stimmung der Konservativen Eng— wenn sie den brikischen Stand- und Gesichtspuntt recht begreifen worden, jedes Jahr fügt etwas zu ihrer Wirkungskraft und 
lands zum Ausdrud bringenden Darlegungen Balfours und wollen. Es kann in ganz wenigen Leitsätzen klar gemacht Macht zu; sie ist ebenso furchtbar für Angriff⸗- wie für W 
vielleicht noch den liberalen Ansichten Edward Greys, wie sie werden: Es aibt zwei Wege auf denen ein seindliches Land wehrzwede Welchem Endzwed sie aber ursprünglich zugeführtf 
in den Worten des Chefredakteurs Spender von der mini— zerschmettert werden lann. Es klann entweder erobert oder aus— worden ist und in welchem Dienste sie schließlich Verwendung 
steriellen Westminster Gazette zum Ausdruck kommen, gehungert werden. Wenn die Deutschen Herren in unsern hei— finden wird, kann, wenn überhaupt, nur durch weiler abliegend, 
noch am ehesten entnehmen können, was wir für die nächste mischen Gewässern würden, würden ihnen Brikannien gegenüber Betrachtungen festgestellt werden. 
Zukunft von der Haltung Englands Deufschland gegenüber zu beide Wege offen stehen. Wenn hingegen Brikannien zehnmal Sier nähere ich mich dem schwersten, weil 
erwarten haben. Herr der Nordsee wäre, würde es Deutschland gegenüber doch delikaten Teil meiner Aufgabe. Ich will 
Auf die Ausführungen Spenders lommen wir morgen keinen beider Wege offen haben. Ohne überlegene einleitend feststellen, daß die gewöhnlichen Engländer — und 
früh in einem Artikel „Suprematie oder Gleichbe— Flotte würde Britanniennicht längerals Groß ich für meine Person gewiß — nicht glauben, daß der 
rechtigung“ noch näher zurüd. An dieser Stelle beschränken macht gelten; hingegen würde Deutschland ohne irgend— große Körper des deutschen Volles Linen An⸗ 
wir uns vorläufig auf eine Wiedergabe der Worte welche Flotte die größtte Macht Eüropas bleiben. Es ist also atriff auf die Nachbara zu machen wünscht, oder 
Balfours, um daran einige sritische Bemerkungen zu nicht mehr als der blanke Instinkt des Selbst— daß die deutsche Regierung dieses beabiihligr 
lnüpfen, zu denen sogar die Daily Chronicle uns die erhaltungstriebes, der England zwingt, nicht Ein Krieg, an dem die bewaffnete Mannheit 
rechte Sandhabe bietet, wenn sie laut Depesche von heute allein in Rechnungemit dem Anwachsen der frem— halb Europas teilnehmen würde, kann nicht In— 
früh sich gegen Balfours Ansichtwendet, alskönne den Flotten zu bleiben, sondern auch sorgsam halt bedach samen Wunschen wederfuürsiatioen 
man aus den deutschen Rüstüngen auf eine die Motive der Erbauer derselben abzuwägen. nosch für Slaalamänner bilden Die Gefahrliegt 
aggressine Vaolitikvpon unserer Seite schliekben Menn diesfelben ledialich für Verteidiaunagas an anderer Stelle 6e 
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— — — — —— —— — — erererrr e — — — 
J Ins Sonnenland. Das war ein lustiger Abend auf dem Neteor!, und Tochter hier so frei auf dem Schiff herumlaufen lassen, anstatt 
Ein Schiffsroman vom Mittelmeer von Anny Wothe. n sangen dunn aucb noch die ungen. ben Menschen⸗ jür ordentliche Aufsicht zu sorgen. Mein Sohn hat bis 
2do indet, lustig um die Wette: „Sah ein Knab' ein Röslein jetzt meine Erlaubnis zu einer Verlobung noch nicht erhalten, 
2.9 setzung.) steh'n“ und „Am Brunnen vor dem Tore“. und ich denke auch nicht daran, sie zu erteilen.“ 
n Copyright 1910 by Anny Nothe, Leiprig. Wie hell und klar sich Ilse-Dores süße, junge Stimme Und die Tir ing Shoß αα Lauschte sie von 
ee beide über die Bowle, als wollte sie Mensings weichem Bariton anschmiegte. Lied um Lied schallte, dannen. 
as lköstliche Naß vor unberufenen Augen schüten. Miß Sampton die Gläser Uangen melodisch und von den weißen Rosen, die Der R d er dru Tãnen 
blieb ruhig liegen, kreuzte die hübschen Füße übereinander und die Bowle kränzten, stieg ein leiser, süßer Duft. eeenne Abe rnn r ß 
en 3 * Noch sind die Tage der Wien,“ inlonierte Gernhausen, küssend: * rine ult und laole ile berrben 
„Es kommt nur darauf an, was ür Männer. d, ei eithi s dur sti N mei z 
tun Sie die Männer raus, ebent wir u e eln erhebend. Und weithin hallte e dutch das stille in es gar nicht so böse, man muhß ihr nur 
Der Steward stand unschlüssig. Ihr Frohlichen singt, weil das Leben noch mait. e un eeen 
„Meine Damen,“ nahm Mensing lachend mit einer tiefen 3 ist ja die blühende, goldene Zeit, Kleines.“ 
Verbeugung das Wort, „wir sind unglüchlich, daß wir hier doch sind die Tage der Rosen, Und zu Frau Ri a t, die verzweifelt die Händ 
Festgelage so grausam stören müssen, aber wir hatten eine Die Tage der Rosen.“ rang nr n iuerp edndn dle derwe seln vin nde 
solche Sehnsucht nach unseren , Meteor“ und unseren verwaisten, Niemand hatte bemerlt, daß durch das breite Fenster am ede en nädige F en i 
holden Frauen, daß wir es bei den arabischen Tänzerinnen, Gang nach dem Rauchsalon sich einen Augenblick das ganz elneen n e ene 
die man uns vorführte, nicht aushielten, sondern spornstreichs entsehle Gesicht der Frau Justizrat Gernhausen gezeigt hatte. heute bitten wir weniaste Aen nn eeÊn 
us us n lz rat erh astens um Ihren provisorischen Segen. 
zu den heimischen Penaten zurüdkehrfenn Wie stehen wir „Wo ein Lied erklingt, wo ein Kuß sich beut, Er sagte es lachend, aber doch mnit einem tief 
nun da?“ Da heißt's, noch ist blühende, goldene Zeit, Shen; ee eent uen arer 
Gernhausen und Heidi Riemerstädt sahen sich beglüdt in Noch sind die Tage der Rosen, 3 in den blauen Augen, so daß Frau Riemerstãdts Antlib 
die ie ne der en 5 wurde und sie zuletzt. Heidi aus dem Rauchnimmer ziehend 
Fräulein Stubenrauch aber sagte anerkennend: Großartig. klang es noch einmal. Da sprang Ilse- Dore mit einem kleinen e — ind. wi 4 
Wirklich die einzigen Braven unter den „Meteoriten“!“ Schrei in die Söhe, denn soeben sah sie Seidis und Gernhausens * dr me unpassend Kind. wie unnahsend! 
MNa imd unfere Belohnung sragte Gemnhanfen und augte Mutter ihre Gesichter an die Scheiben der Fenster pressenn onnerwetter sagte Ilse⸗Dore anerkennend zu Gernhausen, 
begehrlich auf die Bowle. In demselben Augenblid standen die beiden Mütter — Frau ba * Vut 2 88 ih wirlid u 
Is nich!“ rief Ilse⸗Dore, sich eine neue Zigarette an— Winchen Herwett schlief längst den Schlaf der Gerechten — auch an e t m unmel wien i Sampton. lommen 
zündend. „Das fehlte auch noch, hier mit zu kneipen, wo wir schon in der Tür, und die Justizrätin rief, während Frau Rie— 7 swnst ir Ver w lle urere don Mat shusenden 
Ihnen eben Feindschaft fürs ganze Leben geschworen.“ merstädt nur verzweifelt Heidi, Heidi!“ schrie e e sund dasnn nnle an ende doh ochn 
Ziãulein Stubenrauch aber das tliche Madchen das keinem Was geht hier vorꝛ 33 
Serrn einen Korb geben konnte, süllte mit verschämtem Lächeln „Nichts Besonderes, Mama,“ antwortete ihr Sohn, auf— e eee e et e den eg 
die Gläser und sagte begütigend: springend und Heidis kleine Hand fest in die seine lehnend Si lind n Prachtkerl und enn Sie Beidi nicht glüͤcklich 
„Kinder, diese sind gar nicht gemeint. Sie sind ja umge— sagte er: „Ich habe mich soeben nur mit Heidi Riemerstädt ver— n wrn r von i rlat lein 
lehri iah fie — lobt, und wir bitten um deinen und Frau Riemerstädts Segen.“ Gernhausen lachte ihr strahlend ins Gesicht. 
Meinetwegen fief Mih Hampton, „es ist ja so wie „Willst du?“ fragten dabei seine Augen die kleine Heidi. Assessor Mensing aber zog ohne Umstände Ilse-Dores Sant 
jo mordslangweilig Und die nickhte glücsselig und lächelte den entseßten Müttern so an seine Lippen und lachte ihr zu? 
ur 4 m wie ein Schornstein strahlend zu, daß beide einer Ohnmaht nahe waren. „Noch sind die Tage der Rosen.“ 
i As aber Mensings Glas hell an das ihre klang Die Frau Justigzrätin aber faßle sich zuerst und sagte Da riß sich Ilse-⸗-Dore los und slürn ie ei i 
27222 i e sig — ürmte wie eine lleine 
aufleuchtenden Blidh in die Augen hochmütig zu der gelnicten Frau Riemerstãdt: Wilde davon, in ihre Kajüte. 
ie las in einem Zug leer. Das baben Sie nun meine Liebe. davon. dakß Sie Ihre Sortsekun⸗ Jolat.)
	        
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