Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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ci ochentags morgens 7 m2 * Meareis Eusgabe A und B) fũr die 
22222 33 schelnend. Bezugs⸗ 2 — — Zeile 20 Pfg. Aleine Anzelgen (Arbeitsmarkt usw) 
reis das Vierteljahr 3,30 Wart einschließlich I5 Pfg. fũr Auswãrtige 30 Pfg. f. Geschästl. Mit · 
bnobei in Lubed. Durch die Poß bezos re teilungen 1Mt. d. Zeile. Tabellen· a schwieriger 
vellegeld 830 Marl. Einzelnummer a 10 via Satz den Auforderungen entsprechend hõher. o 0 
— 222 — — Beilagen: Vaters*ische Blãtter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und tanse nadt Libes V— e en 
dnunasblatt: Eine ununterbrogene Relhe der Jahrgãnge der Cabeand en dn· gürstentũmer Ratzeburg. Lubed und das angren⸗ 
Gesetz und Verordnung * n 
Beibl e vom Grandungs· Jahre 17651 2 ab, befinden is i d olst ini che Gebiet. 
— p ri des νÊ ν αννν νννν zende medlenburgische und holsteinis 
Orug und Veriag: Gebruder Borchers G.m.b. S. in Lübeg — d isstelle AWreß hans Goñniastr. 8 ern vrecher 8000 u. 90001. 
Ausgabe M. Große Ausgabe) Sonnabend, den 27. April 1932. abend⸗Blatt Ur. 212. 
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N zugehen lassen Hätte er den Erlaß dem Bundesrat selbst men, während der Soßialdemotrat Sug 18014 und der Na— 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. utgeteilt, fo würde dieser zu dei Aenderung der bisherigen tionalliberale 4655 Wähler auf ich dereinigten. Bei der Stich— 
—2——⸗ 2 Praris wahrscheinlich sofort Stellung genommen haben. wahl siegte Traeger mit 15 629 über 183925 soßialdemokratische 
Umfang der heutigen NRummer 6 Se Der Erlaß gehörte vor den Bundesrat, als die Behörde, Sumnmen 
— — — die die Ausführungsbestimmungen über Reichsgesete zu treffen WMit großen Hoffnungen sind die Sozialdemotraten diesmal 
Nnichtamtlicher Ceil. hat und daher auch nicht umgangen werden darf, wenn in den Kampf gezogen. Ihr hark revisionistischer Kandidat 
ein Bundesstaat grundlegende Aenderung an diesen Be— Hug, im ganzen Wahlkreis seit vielen Jahren als olden— 
Bayern und das Reich stin mungen beabsichtigt oder schen ins Werk gesetzt hat. burgischer Landtagsabgeordneter und als ewiger Reichstags— 
Herr v. Sertling hat nun das nachgeholt, was er von kandidat bekannt, erfreute sich weit über die Partei hinaus 
Berlin, 27. April. Anfang an hätte tun sollen. Er gibt damit zu, nicht persönlicher Sympathien. Außerdem war die Organisation 
Durch die gestrige Jesuiten-Interpellation im Reichstage ist korrekt gehandelt zu haben und hat in dieser Erlenntnis im Gegensatß zu denen der bürgerlichen Parteien des Wahl⸗ 
der Schleier über manchem Geheimnisvollen der seinen Erlahß zurüdgezogen. Oder sollte ihm diese Erkenntnis kreises in tadelloser Verfassung. Schließlich trat die sozial— 
letzten Zeit gelüftet worden. Wir verstehen jetzt, warum der auch erst von Berlin aus beigebracht worden sein? demolratische Partei auch sofort nach Ttaegers Tod mit ihrem 
Reichslanzler weder bei der Hin- noch bei der Rückfahrt Der Bundesrat wird nun zu entscheiden haben, was belannten Kandidaten in eine umfangreiche und tiefgehende 
pon Korfu das Bedürfnis empfunden hat, in München eine als verbotene Ordenstätigkeit in Zukunft gelten soll, und Wahlagitation ein. „Diesmal oder nie war der Wahlspruch, 
Aussprache über den bayerischen Jesuitenerlaß mit dem Mi— was nicht. Dabei kann man dem Bundesrat den Vorwurf unter dem sie ins Feld zog. Die Fortschrittler hatten dem 
nisterpräsidenten v. Sertling herbeizusühren. Die bayerische Re⸗ nicht ersparen, daß er nicht gleich beim Erlaß der Aus— gegenübern von vornherein einen schweren Stand. Erst am 
zierung hatte nämlich unmittelbar nachher, als sie dem Reichs— führungsbestimmungen vom 5. Juli 1872 eine Definition der weiten Ostertage konnten sie ihren Kandidaten proklamieren, 
lanzler auf dessen amtliches Ersuchen ihren Erlaß gesandt hatte, Ordenstätigkeit gegeben hat. Der Mangel dieser Definition der zwar in der Gesamtpartei, aber weniger im Wahlkreise 
herrn v. Bethmann wissen lassen, daß sie beabsichtige, beim hat zu vielen bewußten und unbewußten Umgehungen des aut bekannt war. Durh eine eifrige Redetätigkeit suchte er 
Bundesrat einen Antrag auf Definition der verbotenen Ordens Jesuilengeseßes geführt, auch in Preußen. Es ist für den und seine parlamentarischen Parteisteunde zu erseten was 
matigleit zu stellen. Sie hat, wie der Reichskanzler im Reichs⸗ Bundesrat auch nicht schmeichelhaft, daß er sich geirrt“ hatte, der heimgegangene Traeger an persönlichen Begiehungen zum 
tage weiter mitteilte, dielen Entschluß nicht nur sofort ausge— als er die Redemptoristen und Väter vom Beiligen Geist Wahlkreise vorausgehabt hatte. Eine intensive Kleinarbeit durch 
führt und allo den Antrag im Bundesrat eingereicht, sondern unter die jesuitenverwandten Orden aufnahm, die im Jahre mehrere Agitationszentralen sette in den verschiedenen Be— 
ie hat auch ihren Erlaß gleichzeitig auber Kraft gesetzt so ie94 auf Antrag Bayerns und Preußens zur Niederlassung zirken des Wahlkreises ein und süchte vor allem die bisher 
dab jetztim ganzen Deutschen Reich das Jesuiten— jim Deutschen Reich wieder zugelassen worden sind im Jeverlande noch wenig geübte Drganisation der Stimmabgabe 
gesetwiederumnahderb isherxigeneinheitlihen i eigen Imeresse wnd man der Ensscheidung des am Wahltage zu fördern. 
Braxis gehandhabt wird dur die weitere gleich— Bundesrates entgegensehen. Sie wird ihm nicht ganz leicht Nach dem vorstehenden Ergebnis ist anzunehmen, daß die 
nine Prn wirh der du erwatlende Beschluh des Bundbes fallen. Wegen dieser Schwierigkeit mag er der Desinition übrigen bürgerlichen Parteien durch ihre Stimmabgabe ver 
a e er a e di vein ” e bereits im Jahre 1872 aus dem Wege gegangen sein Ja, hindern, daß der 111. Genosse in den Reichsstag kommt. 
1 9 ⁊* 28 — 28 ⁊* 2 
Münchener Regierung es der Muhe wert gesunden hat, diesen n 3 e diee Bos 
tinfachen Sachverhalt der politischen Welt mitzuteilen Viele unn n n n dnen een an n nde i e n να ie age am osporus. — 
unnütze Shreiberei und Aufregung wãre vermieden worden, die jetige Verzgerung wohl am leichtesten erklären aus dem * Bie erfahren sind alle Sensationsaeruchte über de 
manches schiefe Urteil wäre unterblieben, und vor allem wären 23 2 * jüngste Bewegung der russischen Flotte, die mit dem Plane um— 
bie Rea v len Verk alanle Bedürfnis heraus, zuvor von zuständiger Seite einige Rechts— gehen soll, den Bosporus zu forcieren, nicht ernst zu nehmen 
d egiterungen sel esser weggerommen. eichstangle gutachten einzufordern. Es ist anzunehmen, daß, wenn In unterrichteten diplomatischen Kreisen rechnet man nicht mit 
wurde von einem Teil der Presse mit Mißtrauen behandelt, inehr ischen sreunhen und Bahern eine einem derartigen Gewaltschritt Rußlands Auch alle anderen 
weil er außer zwei Kundgebungen in der Nordd. Allg. Zig. n eeeeee ee ee e aee ee nb nie er einen Vorschlag den Rußland borberen 
weiter von sich hören ließ Schlechter kam Herr von u iele Gerundage eten mit de epenalis wilt und den e en sadn e e 
mn Seit en de enkbe und muß sich die bayerische Regierung der Entscheidung des blick vien einfacher, als die eifrige öffentliche Meinung waähr— 
e rliner offiziöser Seite wur i Bundestates unterwerfen haben möchte nämlich die, daß bezüglich der Vermittlungs— 
en ee t n nnn d lon n nuen velrrnn ee und dul 3 
Reichskanzler e vor seiner Abreise nach Korf en amt— r internationalen Presse einen solchen 
iche n Worlaut des baneischen Eclasfen noch nicht gekannt Stichwahl zwischen Dr. Wiemer und hug. Gesichtspunlt nicht gebracht haben 
Herr v. Bertling hatte freilich größere Ursache zur Schweig— Oldenburg, 26. April. Bei der heutigen Reichstags— 5 
samkeit, er wollte das Geheimnis, daß er einen vollständigen Ersatzwahl im zweiten oldenburgischen Wahllreise Varel-Jever Die Grundlagen für Rußlands Politik in Europa. 
Rüdzug angetreten hat, möglichst lange behütet wissen. Er erhielten Hug (Soz.) 12125, Dr. Wiemer (ortschr. Vollsp.) St. Petersburg, 26. April. 
hatte sich überzeugt, mit der Inkraftsetzung seines Erlasses 10854, Dr. Abrecht (natlib.) 1883 und Frhr. v. HSammerstein Die Reichsduma begann heute die Beratung des Etats 
nicht nur einen politischen Fehler, sondern auch einen Verstoß GB. d. L) 92 Stimmen. Es findet also Stichwahl zwi— des Ministeriums des Aeußern. In der Minister— 
gegen den Bundesrat begangen zu haben, indem er nicht schen Dr. Wiemer und Sugstatt. Aus einigen kleinen loge hatten der Ministerpräsident, der Minister des Aeußern 
diesem, als der Gesamtvertretung der deutschen Regierungen Bedirlen steht das Resultat noch aus. und andere Minister Platz genommen. Die für das Publikum 
in Berlin. sondern ieder Regierung einzeln den Erlaß hatte Bei der letzten Wahl entfielen auf Traeger 12204 Stim— helsimmsen Logen maren üherfüll 
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vielleicht so irgend etwas wie die Vorsehung eines Menschen dem Bootsded waren, und sahen über deee 
Ins Sonnenland. ein. Sie haben mich zwar“ — jetzt wurde ihr Lächeln Meer. 
Ein Schiffsroman vom Mittelmeer von Anny Wothe. chelmisch —7* „Klabautermann getauft, Sie sehen, auch Etwas Tiefes, Stilles, Feierliches war plötzlich zwischen ihnen. 
(19. Fortsetzung.) das weiß ich, en Ganz von ferne her jagte vie in wilder Flucht ein Stoß 
Copyright 1910 by he, gen, was einmal laut gesagt wurde — aber ich hoffe, da weißer, mächtiger Schaumrosse über die Wellen. Immer näher 
ie heuen n gn 2 22 ich diesen Namen, der mich löstlich anmüsiert hat, doch noch stürmten sie, hoch auf bäumten sie sich in trotziger Wehr, 
in n n — wenigtens etwas zuschanden machen werde.“ dann brachen sie sich in hoch ausspringendem Gischt an dem 
— m n dee ent ich, daß Güul nagte verstimmt an seiner Unterlippe weißen Schiff, das wie ein Pfeil durch die Wellen schoß. 
Wilen n ee nrn 3 Dieses Mãdchen war doch zu rüchsichtsloßs ihm alles so Und wie ein Lauschen war es zwischen den beiden Ein— 
iinden erden. das Rechle u lun und ng n gerade ins Gesicht zu sagen. ʒ samen auf dem Bootsdech. Als klängen Kindermärchenträume 
Ihnen viclleit Ehe und ewnsen hcen u Verzeihen Sie, bemerkte er ein llein wenig verlegen, aus den Wellen auf, sie beide in ein großes, herrliches, bisher 
n e e „ich habe allerdinas in bezug auf Sie das Wort „Kla— ungelanntes Sonnenland zu loden. 
MWar nolllen Sie danin fagen? bautermann“ gebraucht, als ich Sie noch nicht kannte und Ein schrilles Lachen durchbricht plötzlich die Stille und die 
ihe en ann nd n n ente Anlliß sie so unbewegt am Steuer sitzen sah. Aber das kann Sie schmale Schiffstreppe flattert elwas herauf. 
¶h weh dah ich kein Recht babe so n Ihnen zu reden, poch gar nict kwnken denn der labautelmann i ein Weiße Röcke und Schleier, die sih wie toll im Winde 
gerr Baron antworkete sien es Nen schöpfendeih ee sreundliher Kobold, der als auter Geist auf dem Steuer- blähen, und dann steht, die dünnen weißen Batiströcle ein— 
auch nur der Frau egen. die Ihre vir u Und die tade Wache hält. Unsere deutschen Matrosen kennen ihn alle. fangend und sie eng um den Körper ziehend, lachend Gerda 
mir eine wirkliche und aufrichtige Freundin gewesen. Durch ein Dusenn t s gue * li htt Gazoni vor dem erschredten Paar. 
Ihre Mutter kenne ich Sie so gut. Alles Edle und alles Böse „Ja, nur, daß der „reundliche Geist“ mit dem Sie mich „Tag, Berr Baron!“ ruft sie, dait dem Kopfe nicdend, auf 
in Ihnen, alles Herrliche, aber auch alles Leidenschaftuche so liebenswürdig verglichen haben,“ lachte Jente auf — wie dem ein weißer Schleier einen großen weißen Panama ge— 
Aufflammende, das Ihnen so leicht zum Verderben wird. n ihr da aen srnd n Set Stunde e etr s sesselt hält, Gül entgegen. 
Und weil ich Sie kenne, darum möchte ich Sie heute so sinkende Schiff verläßt. Sobald der „Klabautermann“ am Na, was sagen Sie nun? Da bin ich!“ 
secht don Heizen bitlen, lören Sie den Frieden Mer anderen Steuer fehlt, ist das Schiff verloren. Glauben Sie daß ich Gül war es, als hätte er enen Schlag empfangen. 
Seele, mit der der Zufall Sie hier zusammengeführt hat, nicht. auch in der Stunde der Gesahr verschwinden würde? Fassungslos sarrte er in das Geficht der Sängerin, 
Wollen Sie mir das versprechen bei dem Andenken an Ihre Gül sah ihr ernst das ragende Gesicht. 712 Es fiel ihm gar nicht ein. die Mutze zu ziehen. 
Miller?“ MNein, das glaube ich nicht,“ gab er zu, ihr herzlich die Gerda lachte übermütig auf. 
Guls Augen sprühten flammend auf. Hand entgegenstredend. „Hoffentlich erarren iiht ar Salzsäule. Wollen Sie 
„Sie wissen?“ Verzeihen Sie mir den Klabautermann“.“ muich nicht belannt machen?“ 
„Nein, ich weiß nicht, ich ahne nur, und ich möchte gern Jente legte ihre Hand traulich in die seine. Dabei sah ihr Auge einigermaßen belustigt in Jente Lörn— 
ein armes Weib vor Leid bewahren, das ohnehin schon „Aber ich bitte Sie, es macht mir ja Spaß, denn der sens Gesicht, die bei der flüchtigen Vorstellung, zu der Gül 
schwere Bürde trägt.“ Klabautermann“ hat ja auch noch eine andere Aufgabe sich nur widerwillig verssand, ein llein wenig und so fremd 
Gül lachte bitter auf. Zu wachen, zu warsen. So lange er wachend und unbewegt und kühl den Kopf neigte. 
„Sie dürfen ohne Sorge sein, Fräulein Doktor. Das am Steuer sitt, zieht unser Schiff sicher seine Bahn.“ Das fehlte auß noch daß diese Person, die Gerda schon 
arme Weib, um welches Sie zittern, ist weit davon entfernt, Gül beugte sich tief hernieder auf Jentes Sand, aber in Monte Carlo flüchtig begegnel ind ihre Lachlust erregt 
nit nur irgend einen Schlag des Hetzens zu weihen. Sie jäh ließ er sie wieder fallen, ohne sie zu küssen. hatte, weil der Lodenmontel im Tuielsaal doch zu lomisch 
lönnen wirklich gans ruhig sein.“ Was sollten Galanterien — wie er sie anderen Damen auch wirkle, noch tat, als steige sie zu ihr herab, wenn sie mit 
„Das freut mich von Herzen.“ meinte Jente einfach, dem erzeigte — Jente Lörnsen, dem „Klabautermann“?“ ihr sprach. 
Baron frei und offen ins Gesicht sehend. „Ich bin nämlich Dunlelblau, fast schwarz gähnten jebßt die weiten Wellen— Gerda Gazoni sah daher sehr hochmütig über Jente Lörn— 
o töricht, fuhr sie mit einem ganz wunderbaren, liebreizenden täler aus der Tiefe. sen hinweg, die mit einem leichten Gruß an Gül vorüber das 
Lächeln um den Mund fort, mir einzubilden. ich könnte Schweigend anden die belden. die einzigen die noch auf l Sonnended entlana schritit d Booeen verschwand
	        
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