Full text: Lübeckische Anzeigen 1912 (1912)

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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. —— 2——— 
Amisblatt der freien und hansestadt Lübed o2. Jahrgang Nachrichten für das Herzogtum Lauenburg. die 
Beiblatt: Gesetz· und Verordnungsblatte e e gürsteniũmer Ratzeburg, Lũbed und das angren⸗ 
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nnnnnn—————— it Arcilo des Veriager sodie in det dabtbhliochen u tabeee zende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Orud und Verlag: Gebruder Borchers G.m. b. S. in Lübeg. — Geschãftsstelle Wreß haus (KZniastr. 465) Fernjprecer 0 u. 00 
Ausgabe M. Girße Ansgabe) mittwoch, den 3. April 1912. abend⸗Blatt Ur. 12. 
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3 der Ansicht, daß die Schlagfertigkeit und Einigleit der Partei liberale ist heute mehr denn je eine unerläßliche Notwendigkeit. 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. — 
g —— — zustellen ist. ie Anträge richten sich also kleinesfalls gegen sächlich heute schon eine Spaltung der Partei, die unbedingt 
det heutigen Nummer 6 — — die Jugend und noch viel weniger gegen Bassermann, dessen beseitigt werden muß. Er kann daher nur wieder gut werden, 
Nichtamtlicher Teil Stellung und Verantwortung gerade durch die Beseitigung wenn der Vertretertag den Beschluß des Zentralvorstandes zu 
il. der jetzt bestehenden Nebenregierung nur gefestigt werden wird. dem seinigen macht, zur früheren Einheit wieder zurüdkehrt 
— —7— st e u u mit der n und der Partei die alte bewährte Organisation wiedergibt, die 
* 3 ürfen, daß die Jugend se zu einer vernünftigen Reorgani— sie einst besaß und unter der sie groß geworden ist 
Unterschãtzung der Altnationalliberalen und sation bereit sein und dadurch zur Herstellung der Einigkeit 
Ueberschätzung der Jugendbewegung. die Sand e e e Juuendbewenung und die Anter H Kochmals Abgeordnete und Einwohn erzahl in den 
m——— Lübec, 83. April. schaähund, welhe die AuUnanonalberalen bis jett sichtlich von der verschiedenen Parlamenten. 
Man liest jetzt viel in der Presse davon, daß das Vor— Parleileitung erfuhren, hat lettere ganz naturgemäß verletzt, o Lubed, 3. Wril. 
gehen der Mehrheit im Zentralvorstande die Partei aufs und, ihrer Bedeutung entsprechend, zu stärkeren Gegenmaßregeln In unserem Leitartikel von heute früh hatten wir eine Pa⸗ 
empfindlichste schwäche und die gemeinsame Sache geschädigt auch nach außen hin gezwungen. Die Bedeutung eines kräf— rallelezwischen der Volksvertretunggübedsund 
habe. Eine wirkliche Schwächung aber hat die Partei nur tigen Nachwuchses für die Partei soll durchaus nicht verkannt derijenigen einer ganzen Anzahl ausländilcher 
durch die Spaltung der Reichstagsfraktion bei der Prä— werden. Andererseils aber besteht auch die Auffassung, daß der Staaten und deutscher Bundesstaaten gezogen. 
identenwahl erfahren, durch das Vorgehen derjenigen, die für Reichsverband der nationalliberalen Jugend diesen Nachwuchs In dem Abschnitt, in welchem wir die drei Sansetädte zum 
Bebel gestimmt haben. Denn diese nationalliberalen Fraltions- in einent erheblicheren Umfange bisher nicht geschaffen hat. Ob—⸗ Vergleich heranzogen, hat durch einen Rechenfehler die Einwohner⸗ 
mitglieder haben sich damit auherhalb der Vartei gestellt, wohl der Verband nunmehr seit 11 Jahren besteht, und im zahl pro Abgeordneten eine Null zu viel erhalten. Die ver— 
die Wähler im Lande verwirrt und irregeleitet und die Partei Laufe dieser Zeit durch seine programmatischen Erklärungen, gleichende Uebersicht muß mit der genauen Ziffer Lübeds lauten? 
durch diese Saltung in grobe Gefahr gebracht. Die als durch seine Richtlinien, durch seine besonderen Parteitage ꝛc. viel Die Sansestädte;: 
Philister verhöhnten Warner und Mahner im Lande, die dieses von sich reden gemacht hat, zählt er im ganzen deutschen Reiche en 
Verhalten aus Sorge für die Partei und die Wohlfahrt des noch deine 20000 Mitglieder. Das ist ein ziemlich dürftiges Lübed 42 25 557— 
Reiches ta delten haben daher der nationalliberalen Sache Ergebnis bei all der aufgewandten Werbearbeit. Auf derarlige Hamburg 160 ca. 5 500 
einen großen Dienst erwiesen wenn man auch mit der Art Leistungen kann unsere Partei in zahlreichen Wahlkreisen, be— Bremen e 150 ca. 1600 
und Weise ihres Vorgehens nicht ganz einverstanden gewesen sonders im Westen, zurüdblien, wo Wahlkreise mit 25000, Da, wo wir in der 2. und 3. Spalte des erwähnten Artilels 
ein mage Auch die Varteiführer, die in dieser unglüd 26 000. 34000, 483 000 nationalliberalen Stimmen zu linden des Lübeder Verhältnisses von Abgeordnetenzahl zur Bevölle⸗ 
lichen Situation die Zügel hängen ließen sind von der Ver— find und dazu noch in überwiegend Arbeiter-Wählkreisen. Und rungsziffer Erwãhnung taten, wird infolgedessen die von uns 
antwortung für die heutige Krisis nicht freizusprechen. der Bochumer Bergmann Hekmann mit 43 257 nationalliberalen nachgewiesene Tendenz der relativ stärksten 
Es war deshalb auch notwendig, daß eine ungeschminkte Stimmen, den die Reichstagsfraktion lediglich dem Erfolge der Vollsvertretung Lübeds unter fämtlichen er— 
Aussprache im Zentralvorstande stattfand Sätten jene Aus— Altnationalliberalen zu verdanken hat, lann gewiß auch als eine wähnten Parlamentennochganz welentlich ver— 
einanderseßzungen nicht stattgefunden und wären diele Vor— zeachtenswerte Leistung verzeihnet werden. Betrachtet man stärkt. Wenn wir über Bremen sagten, daß hier die Ver— 
gänge nicht ausdrücklich mißbilligt worden, so würde das sodann die Reichstags- und Abgeordneten-Mandale der Partei hältnisse nur wenig anders als in Lübed liegen, so läßt sich das 
von den Wählern im Lande einfach nicht verstanden worden sein. im ganzen. so ergibt sich, daß weitaus die meisten in Wahl— nach der obigen Uebersicht aufrecht erhalten. Aber das Bild 
Die Anträge auf Aenderung der Jugendorganisation sind kreisen erfochten worden sind, in denen überhaupt keine Jugend— von Samburg verschiebt sich ganz wesentlich. Mit etwa 5500 
lediglich von dem Gedanken getragen, die Vartei und deren bereine bestehen. Einwohnern pro Bürgerschaflsmitglied kann es nicht mehr mit 
Kinigleit durch Unterstellung der Vereine einer gemeinsamen Wurde also einerseils die Bedeulung der nationalliberalen den vier Königreichen in eine Reihe gestellt werden, sondern nur 
Leitung zu fördern und zu stärken. Sie sind rein sachlich Jugend erheblich überschäßt, so sprach man andererseits den mit derjenigen Gruppe von Bundesstaaten, die eine kleinere Ein— 
und frei von jeder persönlichen Spitze. In der ganzen Er— altnationalliberalen Kreisen so gut wie jeden größeren Anhang wohnerzahl als Lübed haben; denn bei diesen bewegt sich die 
oörterung in der Presse hat sich bis jeßt auch laum jemand in der Wählerschaft ab. Man redete geringschätzig von Ecken Zahl der auf einen Abgeordneten entfallenden Einwohner zwischen 
gefunden, der an und für sich die gegenwärtige Organisation auf jungliberaler Seite. Der Eden wurden aber allmählich so 4 6000. Während aber Hamburg 160 Bürgerschaftsmitglieder 
der Jungliberalen für richtig hält. Sogar eine jungliberale viele, daß nach den Vorgängen in der letzten Zentralvorstands— zählt, beträgt die Zahl der Wgeordneten in diesen Lleineren 
Zeitung, die Düsseldorfer Zeitung, schreibt, daß die national— sitzung die Ueberzeugung wohl eine allgemeine geworden sein Staaten (als Lübech) nur zwischen 12 bis höchstens 18. Immerhin 
liberale Jugend durch ihre besondere Vertretung auch in den wird, daß man die Ecken überall im Reiche findet und die Zahl muß trotzdem für Hamburg festgestellt werden, daß ein Bürger— 
Landesverbänden und in der Gesamtorganisation eine Be— der Altnationalliberalen, auf dem Boden der Gesamtpartei schaftsmitglied die reichlich fünfmal größere Zahl von Ein— 
vorzugung geniebe, die ihrem ziffermähßigen stehenden. tatsächlich zu niedrig eingeschätzt worden ist. Auf wohnern als in Lübedch auf sich vereinigt 
Mitgliederbestande nicht entspreche. Zu den An— alle Fälle ist in der letzten Sitzung des Zentralvorstandes dar— 
trägen führten also nur organisatorische Erwägungen und iber Klarheit geschaffen worden und das ist die wesentliche Die Reichspartei in Nöten. 
die llare Ueberzeugung, daß es ein Unding ist, eine Partei Vorbedingung im Frieden. Im Reichstage hat die Reichspartei, so schreibt man uns 
in Spitzen zu organisieren. Man ist deshalb in Dieser in und muß in einer einheitlichen Organisation von patlamentarischer Seite, einen schweren Kampf um ihr 
weiten Kreisen der Partei, selbst des jungliberalen Flügels wieder hergestellt werden. Eine Mittelpartei wie die national Dasein zu führen. Sie ist, wie man sich erinnert, nur in der 
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Ins Sonnenland r meine Damen. Kennen Sie die Geschichte von Adam und u Jungen, den Ihre starte Band sehr nach— 
5. rücklich davor wahrte, daß der Bengel über 2 iel, 
Ein Schiffsroman vom Mittelmeer von Anny Wothe. „Almächtiger!“ lachte der Backhfsisch ungeniert auf. „Jetzt eine so e rn m 
achdrud verboten.) fängt der Unglücsmensch schon wieder mit seinen Witzen an. Bei wieder in Stimmung bringen, die uns der Herr Amtsrichter 
Copyright 1910 by Anny Wothe, Leipzig. Visch hat schon dutzendweise damit aufgewartet.“ mit seinem ewigen Portwein so insam ruiniert hat.“ 
Durch das Ligutische Meer zog ein weihes Schiff. Ruhe! rief ein junger Mann mit lustigen, blauen Augen Zum Wohle, gnadiges Främeine bemerlle seelenruhig der 
Der „Miteor“ war es, der eeinen schlanken, weißen Leib e „Wer iett noch einen einzigen Witz zum Amtsrichter, sein Glas erhebend. Auf die Märchenstimmung.“ 
lief in die blauen Muten tauchte. Bel n g m Pin zu r Ilse-Dore Serwett und ihre Freundin Seidi Riemerstädt 
Lustig wehte die Sapag-Flagge darüber hin uf ie Bowle! belr stigte der Amtsrichter mit uner⸗ lachlen hell auf. Baron Gül von Wernhagens Augen aber 
i den Sooled halle lich ein Ueiner Noher Kreis von schütterlicher Ruhe und fullte sich ein neues Glas. suchten schon wieder da drüben die schwarze Frauengestalt, die 
Men hen sammengefunben, die sich gestern noch nicht getanm, e e e über die Brille an der Reling lehnte, während ihr lang schleppendes, schleier— 
und die heute schon ganz vertraut miteinander waren. Es gab Tie Me, e ch Si artign ewnd i eeian n Wiude wehrr 
ja auch so viel zu sehen, zu fragen, ꝛu viel Neues und Schönes bog sich ja r lich vor Vergnũ 3 ein e e ee e 
jlrnde auf jeden ein. mn e hh hereen überflammte ihr blasses Gesicht. Die etwas groben Nasen— 
Die edel geschwungenen Höhenzüge der Apenninen warn längst n üneralnang eintcuern me m m e e Nügel der scharf gebogenen Nase bebten, und der feine, rote 
perschwunden. San Remo war vassiect. Wie ein blauer Traum sellschaft jett warten 2 gen h r⸗ Augen schon 
tauchte Ospedaletti mit dem Bergstädtchen Coldirodi aus einer 7 er wandie ser wieder hell auf, und sie shmollte, indem sie die weile Sports 
eilen Suc m ber gerne auf. eaen enee e e ee jacle von weicher Wolle sest über der schnalen Brust zusammen— 
Bordighera mit seinem Kap, seinen dichten Olivenhainen und hoss⸗ et Aer Lell genen de Seeltantbei zog e ne 3 e e sehen B 
h wn „Sui, i ösen Augen sehe, Baron 
Bo e snuner im Sonnengold. ie sollten uns ein Märchen erzählen, Baron Wernhagen,“ Was haben wir Ihnen denn geland“ 
NMãrchenhaft,“ schwärmte ein blonder Badckfisch, der heute rief Ellen Sampton, eine junge Malerin, mit einem schmalen, Er wandte sich zu ihr, und sine Augen tauchten tief und 
schon mindestens zehnmal die Reiseleiter“, so hatte man die blassen Gesicht und großen, graublauen Augen, zu einem Herrn verhelßungsvoll in die hren 
schmale Schiffstreppe launig getauft, die vom Promenadendedh hinüber, der, abseits von den anderen an einem Mast lehnte und Beteihen Sie. sagte er leise, galant die lleine Sand der 
zu dem Bureau des Reiseleiters führte, hinangestiegen war, um augenscheinlich gar nicht auf das leichte Geplänlel der anderen jungen Malerin an die Lippen führend, „ich war manmaen 
irgend etwas Nebensächliches zu erfragen. geachtet hatieessss ben ih win n bessen venn iih gerabe ——— 
Der Reiseleiter“ hatte so saahlende Augen und gab so Seine leuchtenden, braunen Augen, in denen seltsame, bläu— erzählen kann. Vielleicht behagt Ihnen ein Spiel⸗ fuhr 9 
höflich Bescheid und er lachte gar nicht, selbst wenn man etwas liche Lichter schillerten, hingen wie gebannt an einer dunklen lauter, sich fragend im Kreise unsehend, fort. „Mir in 
Dummes fragte wie es zum Beispiel vorhin Ise Dore Her⸗ Frauengestalt, die in einiger Entfernung einsam an der Reling soeben eine seltsame Erinnerung.“ 
getan, nämlich· welchen Zug man von Hamburg nach verharrte und ganz in sich versunken auf das Meer starrte. Die letzten Worte waren nur Ellen Sampton verständlich. 
uelmen mut jetzt. nach Mrikla und Madeira Standen wirklich die Toten auf Los!“ riel Ilse-Dore Herwett und kniff ihrer Freundin 
17 n ——— Wie ein Schauer ging es durch die hohe, kraftvolle Gestalt Heidi, die, bis an die Nasenspitze zugededt, langausgestrect 
Ishse⸗ ut ut ein klein wenig und lehnte sich noch tiefer des Mannes, der, sich jetzt mühsam bezwingend, sich dem jungen in ihrem Liegesessel faulenzte. in den Arm. „Jetzt wird es 
ihten Lied tuhl zurũch verschraͤnlte die feinen Fühchen über⸗ Mädchen zuwandte, das ihn um ein Märchen gebeten hatte. fein! Wir brennen vor Begierde, Herr Baron.“ 
en r die unden Arme unten den Kopf und wiederholte Sie uberschatzen mich, gnãdiges Fräulein,“ gab er in ver⸗ Wieder suchten die Augen Gul von Wernhagens die 2 
e egsh: bindlicher Haltung zurüd. der hohen Frau zu umfassen, die noch immer unbewegli 
— „Nein,“ lachte Ellen Hampton, die kleine, graziöse Ameri- an der Reling lehnte.. 
sun Seelvankheit werden wir kriegen, wenn es so weiter lanerin, übermütig auf, indem sie ihre weiße Wollmütze fester Der schwarze Schleier, der sich über das klupferbraung 
* u der dide Amtsrichter Degenhardt dazwischen, in⸗ über das feuerrote Haar zog ind ihre schimmernden Zähne Haar legte, hatte sich etwas gelöst und enthüllte funkelnde 
ich energisch ein Glas Portwein einschenkte. „Zum 1 jzeigte. „so entlommen Sie mir nicht. Ich hörte vorhin, wie Lichler, welche die Sonne in das lichtbraune Geloch streute.
	        
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