Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
»reis jür das Vierteljohr 3,30 Mark einschließlich 
Bringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen vhne 
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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtzblatt der freien und Hansestadt Lübed 901. Jahraang Nachrichten sor das Herzogtum. auenburg, die 
zeiblatt: Gesetz· und Verordnungsblatt e — htga hürstentũümer Ratzeburg, Lübed und das angren⸗ 
E ι, zende meclenburgische und holfteinische Gebiet. 
Drud und Verlag: Gebrüder Borders G.m. b. S. in Lũbed. — Geschãftstelle Adreb de⸗ Wanlanr. 46). Fernsprecher 9000 u. 8001. 
Ausgabe E. Große Andgabey Donnerstag, den 9. März 191. 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
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Umfang der heutigen Numr⸗ Geiten. * 
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Nichtamtlicher Teil. J 
Krieg zwischen Merkio und den 
Vereinigten Staaten? 
D. Lübeck, 9. März. 
Die Tatkraft der amerikanischen Regierung, die, seitdem 
derr Taft Präsident der Vereinigten Staaten ist, in der aus⸗ 
värtigen Politik besonders deutlich zum Ausdrud kommt, soll 
allem Anschein nach bestimmt sein, auch in Mexiko die Ruhe 
rieder herzustellen, die bereits seit einem halben Jahr durch 
inen blutigen Bürgerkrieg gestört worden ist. Wie der Tele— 
zraph aus Newnyork meldet, hat der Präsident eine Mobili⸗ 
ationsorder erlassen, nach der 20000 Mann angeblich zu 
Manöverzwecken sich an der mexikanischen Nordgrenze zu ver— 
ammeln hätten. Die Höflichkeitsformel des Mansövers gilt 
nermutlich mehr Europa als den Mexikanern selbst; denn von 
iesen kann kaum ein ernsthafter Widerstand gegen einen 
zinmarsch nordamerikanischer Unionstruppen erwartet werden. 
)och auch von europäischen Mächten würde vermutlich kein 
Widerspruch gegen ein solches Eingreifen der Washingtoner 
Regierung in die innerpolitischen Verhältnisse Mexikos erhoben 
verden, vorausgesetzt allerdings, daß jene ihre Aufgabe wirk— 
ich lediglich in der Wiederherstellung der verfassungsmäßigen 
zustände in Mexiko suchten. Sehr zu bezweifeln dagegen 
st die Nachricht, die gestern einige Berliner Blätter aus 
London brachten, wonach die englische und deutsche 
Regierung in Washington vorstellig geworden 
wären und die amerikanische Regierung zum Schutze ihrer 
Ztaatsangehörigen in Mexiko aufgefordert hätten, widrigen— 
'alls die beiden Mächte diese Aufgabe selbst in die Hand 
iehmen müßten. Von der deutschen Regierung kann man 
edenfalls sicher sein, daß sie ein solches Ansuchen nicht gestellt 
jat, denn es entspricht nicht den Gepflogenheiten des deutschen 
Reiches. den Schutz seiner Staatsbürger in einem fremden Lande 
iner dritten Macht anzuvertrauen. Aber auch die Haltung 
»er englischen Regierung, die sie bisher gegenüber dieser Frage 
ingenommen hat, läßt die Vermutung als sicher erscheinen, 
zaß sie ebenfalls ihrem Vertreter keine derartige Order ge⸗ 
zeben hat. Wenn also bisher weder Deutschland noch England 
iich veranlaßt gesehen haben, entsprechende Maßregeln zum 
dchutze ihrer Staatsangehörigen in Mexiko zu ergreifen, so 
iegt das sicher nur daran, daß deren Schichsal bis jetzt jeden⸗ 
alls noch nicht bedroht erscheint. 
Daraus folgt aber freilich noch nicht, daß auch die 
Bereinigten Staaten sich jeder Einmischung in die mexikanischen 
Vorgänge enthalten mükfen. Denn das überwiegende politische 
— — — 
Abend⸗Blatt Nr. 125. 
Interesse, das die Vereinigten Staaten an Mexiko nehmen — 
zegenüber dem rein wirtschaftlichen Interesse der europäischen 
Maächte in der mittelamerikanischen Republik —, muß verständ⸗ 
icherweise anerkannt werden. Sollte sich die Nachricht von 
er schweren Erkrankung des Präsidenten Diaz 
ewahrheiten, und sein hohes Alter spricht bereits für ihre 
Nichtigkeit, so würden sich damit zugleich Verschiebungen 
n der auswärtigen Politik Mexikos ergeben, die 
en Vereinigten Staaten leicht unangenehm werden könnten. 
enn man weiß, daß gerade der Praäsident in einem 
„ahen Anschluß an die Vereinigten Staaten das 
Vohl der ihm anvertrauten Republik erblickt hat, während 
erade die Aufrührer in einer Verdrängung des 
ordamerikanischen Einflusses, des politischen so— 
zohl, wie des des Geldes, ihre Aufgabe suchen. Aus den 
inzelnen Nachrichten nun, die bisher über den Verlauf der 
Inruhen eingelaufen sind, läßt sich ein zusammenhängendes 
Zild über den Gang der Ereignisse nur notdürftig machen 
zo viel aber scheint gewiß, daß die Regierungstruppen, 
eren militärische Unbrauchbarkeit leider gut be— 
annt ist, nicht imstande sind, der Unruhen Herr zu werden. 
zin Sieg der Aufrührer aber würde nicht nur eine 
ßertreibung der jetzigen Republik, sondern Au⸗ 
leich auch eine ernsthafte Gefährdung der 
rmerikanischen Kapitalien und der Staats— 
zürger der Union bedeuten. Dieser soll offenbar 
vurch die Mobilisierung amerikanischer Truppen zuvorgekommen 
verden. 
Es ist ferner nicht uninteressant zu hören, daß manche 
Zenner der amerikanischen Politik der Ansicht sind, der eigent⸗ 
iche Unruhstifter in Mexiko sei niemand anders, gals der schlgue 
)ankee, der auf diese Weise sich die Indanchteu berschaffen 
vill. mit herrschender Faust in die Verhältnisse der südlichen 
achwesterrepublik eingreifen zu können. Daß dieses Eingreifen 
etzten Endes nichts anderes bedeuten würde, als eine An— 
liederung Mexikos an die Union, kann nur ein 
daie leugnen, dem die Theorie des „größeren Amerikas“ 
nbekannt ist. Man ist geneigt, der Ansicht, die solches über 
en Yankee äußert, recht zu geben, wenngleich Beweise dafür 
jeute noch völlig fehlen. Aber diese können leicht entstehen, 
nenn man den Einmarsch der amerikanischen Truppen in Mexiko 
ielleicht binnen kurzem erleben wird und dann die politischen 
rolgen, die sich daran knüpfen, persönlich beobachten kann. 
zs wird sich dann zeigen, wer recht gehabt hat in der 
charakterisierung amerikanischer Politik. 
gierung zu dem Geständnis bereit finden ließ, das In—⸗— 
struktionsrecht für diese Stimmen dem Statthalter zu 
übertragen und die elsaß⸗-lothringischen Stim⸗— 
nennicht zu zählen, falls nur durch diese Preu— 
en die Mehrheit im Bundesrat erhalten würde. 
zim Üübrigen soll das Stimmrecht Elsaß-Lothringens für alle 
Ingelegenheiten ausgeübt werden können, nicht bloß für 
virtschaftliche. Wie bekannt, hatte der Staatssekretär Dr. 
Delbrück bereits im Reichstage die Ansicht vertreten, daß 
ich rein politische von wirtschaftlichen Dingen schwerlich würden 
useinanderhalten lassen und daß, wenn man Elsaß-Loth— 
iingen ein Stimmrecht im Bundesrat verleihen wolle, man 
zies nicht auf wirtschaftliche Angelegenheiten beschränken 
onne. 
Wie im einzelnen die Vorschläge lauten, wird 
xst aus den heutigen Mitteilungen Delbrücks 
u entnehmen sein, es muß aber cuch abgewartet werden, ob 
nicht die preußische Regierung ihrerseits eine Sicherheit da— 
jegen verlangt, daß sie im Bundesrat nicht lediglich durch die 
lsaß⸗lothringischen Simmen in die Minderheit gebracht wer— 
»en kann. Jedenfalls werden, wenn Elsaß-Lothringen auf 
ver angedeuteten Grundlage eine Verfassung er— 
halten soll, verschiedene einschneiden de Aenderungen 
invermeidlich sein. 
die Grundzüge des Abkommens zwischen Hhandelstag 
und Hansabund. 
Der Deutsche Handelstag und der Hansabund haben, wie 
vir vor einigen Tagen mitteilten, ein Ahkommen über die 
Abgrenzung der beiderseitigen Arbeitsge— 
prerte geschloffen. Die Grundlagen Reser erfreunchen Ab— 
nachung beruhen auf dem Gedanken, daß eine ersprießliche 
Arbeit, der bestehenden wirtschaftlichen Korporationen im 
kKahmen ihrer Zuständigkeiten vor allem dadurch gefördert 
zird, daß der Hansabund seinen Saätzungen entsprechend 
ich mit den großen wirtschaftlichen und wirt— 
chaftspolitischen Fragen beschäftigt, ohne in 
as Tätigkeitsgebiet der Sonder- und Fach— 
ereinigungen einzugreifen. Unter diesen Ge— 
ichtspunkten haben sich der Deutsche Handelstag und der 
zansabund dahin verständigt, daß der Hansabund Fragen, 
ie in die Kompetenz des Handelstages, der Handelskammern, 
»er Sonder⸗ und Fachverbände fallen, und ebenso Angelegen— 
heiten minderer Bedeutung, aus seiner großzügig zu füh— 
tenden Arbeit ausschaltet und diese den hierfür in Betracht 
rommenden wirtschaftlichen Vereinigungen überläßt. Das Ab— 
ommen dient aber auch dem Bestreben, die für die im 
deutschen Handelstag vertretenen Kreise des deutschen Ge— 
verbestandes wichtigen sachlichen Arbeitsen des Handelstages 
»urch die Organisationen des Hansabundes weitesten Kreisen 
ugänglich zu machen, und diese, soweit angängin, mit den 
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hegabte Söhne auf die höheren Schulen der Vandesresidenz und 
ieß sie studieren, wenngleich man daheim vielleicht die Geistes— 
ildung weniger um ihrer selbst willen schätzte, sondern als das 
Mittel zur Erlangung eines angesehenen und einträglichen Le— 
»ensberufes. 
Der „Erbe“ aber brauchte sich nicht mit den Wissen⸗ 
hasten zu plagen, wenigstens vor einigen Jahrzehnten nicht; 
er „könnte es besser haben“. Auch die Töchter blieben zu 
Hause und wirtschafteten lieber im Hause, in Küche und Milch- 
eller, oder selbst auf der Heuwiese, als daß sie sich mit den 
Wissenschaften abgaben. 
Die Marschbauern sind ein siolzes Geschlecht, stolz auf 
hren Besitz, der sich oft Jahrhunderte hindurch in der Fa— 
nilie fortgeerbt hat. Sie hängen zäh am Alten und Her— 
jebrachten und sehen hinab auf alle, die „nichts besitzen“, 
nögen sie auch noch so vornehm, gelehrt und talentvoll sein. 
Sie sind von Haus aus intelligent, sind gastfrei, herbergen 
jern und geben dem Gaste vom Besten, ohne sich selbst zu 
dergessen, und rühmen sich ihrer Scholle. Sie haben einen 
ausgeprägten Familiensinn, große Heimatliebe und zähe Aus— 
zauer und haben schon manch einen der ihrigen auf große 
Züchtigkeit erfordernde Posten gestellt 
Die Sommerferien waren gekommen. O, du fröhliche 
Jugend! Mit welcher Freude begrüßest du die kurze Zeit 
»er Freiheit, der Ruhe, des Genusses! Der Tag, der vor dir 
iegt, gehört dir! Was kannst du alles vornehmen, was für 
Zpaziergänge machen und was für Streiche! Du weißt kaum, 
vo beginnen bei der Ausführung all deiner Ferienpläne. Die 
Zonne hat schon einige Stunden lang in dein Fenster ge— 
chienen, ohne daß es dir eingefallen wäre, aufzuwachen. Ta 
hlägt es acht Uhr. Acht? Islt es nicht, als ob die lang— 
amen Schläge, die für gewöhnlich einer gestrengen Stimme 
zleichen, die dich unerbittlich für den ganzen, hellen, sonnigen 
Vormittag in das dumpfe Schulzimmer verweist, dich auch 
eute mahnen? Du fährst erschreckt aus sühen Träumen auf, 
ie Gewohnheit ist eine Macht auch über den Schlaf. Du 
eibst die Augen und springst entsetzt aus dem Bett, als eben 
er letzte Schlag verhallt — zu spät, zu spät! wie du 
cähnst. Aber bald wirst du munter und erinnerst dich: es sind 
a Jerien! 
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Die elsässische Verfassungsfrage. 
Wie in gut unterrichteten Kreisen verlautet, ist der 
VPiderstand Bayerns und Sachsens gegen die Ver—⸗ 
eihung der drei Bundesratsstimmen an Elsaß-Lothringen da—⸗ 
murch überwunden worden, daß sich die preußische Re— 
Ob sie wohl kommen wird? 
Von Renata Greverus. * 
MNachdruck verboten.) 
1. Kapitel. 
Am Unterlaufe der Weser, wo sie sich von der Freien 
ind Hansestadt Bremen abwärts zu einem der bedeutendsten 
Ströme Nordwestdeutschlands entwickelt, liegen die fruchtbaren 
Marschen. Das niedrig liegende Land ist durch starke Deiche 
vor den aus der Nordsee gespeisten Fluten des Stromes 
zeschützt, die, ehe noch die Erdwälle stark und hoch genug 
waren, um ihnen Trotz zu bieten, über das üppige Weideland 
nit seinen stattlichen Viehherden und über die blühenden 
Marschdörfer dahingingen — den Menschen und ihren Wohn⸗ 
tätten und Werken Verderben bringend. Endlich, nachdem 
man durch Schaden klug geworden, wurde die Sicherung 
der Stromufer zum Gegenstande ernster Studien gemacht und 
tetiger, behördlicher Kontrolle unterstellt. Die jeßt ganz all— 
mählich und flach ansteigenden, bedeutend erhöhten Teiche 
bieten den andringenden Fluten weit mehr Widerstand, als 
die früher steilen Wälle; und an den sogenannten Schlängen 
— das sind aus massigen Steinen, Pfählen, Buschwerk, Erde 
und Kies hergestellte Zungen, die bis an die Fahrtiefe des 
Stromes reichen — bricht sich die erite Kraft der Wasser. schon 
ehe sie den Fuß des Deiches erreichen. — 
Hinter den Deichen erstreckt sich weithin das fruchtbare 
Marschland mit seinem fetten Kleiboden, den üppigen Vieh— 
veiden und Dorfschaften, deren vereingelt liegende stattliche 
Bauernhöfe zum Teil noch Spuren der Befestigung gegen die 
einstmals verheerenden Stromfluten aufweisen. 
Nicht im Schweiße ihres Anzgesichts, sondern im Voll—⸗ 
behagen essen die Marschbauern ihr Brot, und zwar mit reich— 
sicher Butter darauf und anderen quten Dingen dazu. Denn 
die Arbeit der Fettweidenbesitzer ist leichter, rascher beschafft 
ind unendlich viel einträglicher als die! deit anderer Land⸗ 
eute. Getreidebau wird nur soweit betrieben, als es zum 
eigenen Bedarf nötig ist. Im Üübrigen treibt man das präch— 
tige Vieh auf die Weiden, wo es Tag und Nacht verbleibt, 
wo es sich mästet und den Boden zugleich düngt. Die Milch— 
lühe bringen reichlicheren Ertraaga als irgendwo sonsit, und 
im die Herbstzeit wird das Mast- und Zuchtvieh auf die großen 
Viehmärkte gebracht oder nach England ausgeführt und füllt 
dohne viel vorhergegangene Arbeit seinerseits dem Besitzer 
ie Taschen. Nur so viel Gras wird zur Heuernte geschnitten, 
die zur Ueberwinterung des noch nicht zum Verkauf be— 
timmten Viehbestandes notwendig ist. 
So findet man durchweg unter den Marschbauern eine 
ehäbige Wohlhabenheit. Sie sehen stolz auf die sich um 
eringen Gewinn plagenden Geestbauern herab. Die Nei— 
ung zu äußerem Luxus und einem guten materiellen Leben ist 
ie Folge des ohne viel Geistesarbeit erlangten Wohlstandes; 
yre „gebratenen Ochsen“ und „cemästeten Schweine“ sind 
a sprichwörtlich geworden, und der starke Rotwein fließt 
‚ei manchen unter ihnen reichlich und gilt als vorbeugendes 
Nittel gegen das Marschfieber. Die Prunkgemächer der reichen 
Zesitzer überbieten an Luxus die der Städter, wenngleich 
ie Familien sie für gewöhnlich unbenutzt dastehen lassen und 
infachere Wohnräume vorziehen, in denen sich zeitweise auch 
as Gesinde mit aufhält. 
Langsamer als der äuhßere Luxus ist eine höhere Gei— 
esbildung unter den Marschbauern üblich geworden; man 
brauchte“ sie nicht, um ein guter Bauer und Viehzüchter 
u werden. Der Sohn erlernte vom Vater, vom älteren 
zesinde und in früher praktischer Ausübung, was ein früch— 
iger Bauer zu seinem Fortkommen brauchte. Von gelehrten 
dingen viel zu wissen, galt als überflüssig oder gar schädlich, 
a es die Gedanken und die Lust von der praktischen Arbeit 
blenle. 
Der landesrechtliche Erbe der Bauernstellen des Ste— 
inger⸗ und Butjadingerlandes im Herzogtum Oldenburg, des 
hönsten Marschlandes an der Unterweser, ist unter großer 
naterieller Bevorzugung allemal der jüngste Sohn. Die älteren 
zrüder werden, je nach dem Barvermögen der Eltern, ander⸗ 
zeitig versorgt oder bleiben als Mitarbeiter, d. h. Knechte, 
inzelne sogar auf der heimischen Stelle. Manche suchen durch 
inheirat mit einer Erbtochter zu einer Landstelle zu kommen. 
ündere, die nicht Bauern werden wollten, besuchten die Han⸗ 
els⸗ oder Seemannsschule in Bremen, da sich die am Strom 
ufgewachsenen praktischen Marschensöhne dem Kaufmanns⸗ oder 
zeemannsstande am ehesten zuneigten. Später erst schickte man
	        
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