Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

programmattsche Würdigung. Fur das Ausland be— 
deutet diese Seite der ersten Betätigung des neuen Ministeriums 
leine Ueberraschung; auf die franzbsische Kammer selbst konnte 
damit um so weniger Eindrudk gemacht werden, je zahlreicher 
die Abgeordneten sind, die erst vor wenigen Tagen für eine 
internationale Einschränkung der Rüstungen gestimmt hatten. 
Gegen konfessionelle Parteien 
hat sich der bekannte Theologe unter den deutschen Hoch— 
schullehrern, Professor Dr. Adolf Harnack, im bemerkens— 
werter Weise kürzlich ausgesprochen. Solange eine kon— 
sfessionelle Partei vorhanden sei und den Gläubigen einbilde, 
zur vollen Kirchlichkeit gehöre auch, daß man als 
Staatsbürger kirchlicher Parteimann sei, fehle 
die erste Grundlage zum konfsessionealken Frieden 
der Staatsbürger und zur gemeinschaftlichen Arbeit flur 
das Staatswohl. 
Es ist klar, daß diese Ausführungen Harnacdcs in erster 
dinie sich gegen das Zentrum richten, das zwar 
gelegentlich behauptet, keine konfesstonelle, sondern lediglich 
eine politische Partei zu sein, aber mit dieser Behauptung 
allgemein wenig Glauben findet. Aber auch die evan— 
gelische Orthodoxie darf die Feststellungen des gefeierten 
Gelehrten auf sich beziehen. Prof. Harnack mahnt mit 
begründeter Besorgnis: „So reich an Kräften ist unser 
Vaterland nicht, daß wir ruhig die konfessionelle Ent— 
fremdung mit ansehen dürfen in der Ueberzeugung: es 
wird doch stark bleiben! Wir müssen die Entfremdung 
eindämmen und auf ihr eigenes Gebiet beschränlen, und 
wir müssen des Glaubens leben, der kein Wahnglaube 
ist, dah es ein Gebiet der Verständigung für jeden guten 
Deutschen gibt, nämlich die Pflege deutscher Art und die 
treue Sorge für die Gesundheit und Stärkung des deutschen 
Staates“. 
Inland und Ausland. 
Duutiches Rech. 
Der deutsch⸗schwedische Handelsvertrag. Der Wirtschaft⸗ 
liche Ausschuh ist heute zum drittenmal zusammengetreten, 
um sich mit den deutsch⸗schwedischen Handelsvertragsverhand- 
lungen zu beschäftigen. Es handelt sich in erster Linie um 
eine Begutachtung der in den bisherigen Verhandlungen der 
deutschen und schwedischen Unterhändler erzielten Ergebnisse. 
Die Reichsverwaltung ist mit den an dem Handelsvertrag be— 
sonders interessierten Kreisen in ständiger Fühlung geblieben. 
Sachkundige Vertreter der in Frage kommenden Industrie— 
zweige sind bis in die letzte Zeit zu einzelnen Fragen 
gehört worden, und die Entgegennahme von. Anträgen zur 
Aufklärung etwa vorhandener Zweifel wird auch noch weiter⸗ 
hin fortgesetzt werden. 
Die Rede des püpstlichen Gesandten v. Mühlberg in der 
Etatsdebatte des Auswärtigen Amtes. Bei der General— 
debatte über den Kultusetat wird heute, Mittwoch, wis 
die Korrespondenz Woth meldet, auch der Etat des Mini— 
steriums des Auswärtigen zur Debatte gestellt werden. Bei 
dieser Gelegenheit wird die Regierung Stellung zur Rede 
des Gesandten v. Mühlberg in Rom am 27. Jan. nehmen. 
Rückzug Professor Rades. Es verlautet aus zuverlässiger 
Quelle, daß Vrofessor Rade schon vor einiger Zeit bei seiner 
Anwesenheit in Thorn sehr scharfe Vorwürfe von ostmär— 
kischen Freunden der christlichen Welt erhielt, die seine anti— 
aationale Grenzpolitik entschieden verurteilen. Er hat wörtlich 
Besserung für seine Extravaganzen gelobt und 
will seine außerdem kostspieliie Grenzmarken-Kor⸗— 
respondenz allmählich etngehen lassen. Anscheinend 
soll der von den Pastoren Schmidt-⸗Wodder und Vogel-Holle⸗ 
büll geleitete Nordmark-Friedensverein, der nach 
seinem fast voͤlligen Fiasko in Nordschleswig selber jetzt haupt⸗ 
sächlich bei dem großstädtischen Radikalismus wirbt, Rades 
dänenfreundliches Werk fortsetzen. Darauf deutet 
auch ihr gemeinsames Auftreten in Hamburg hin. 
Der Kaliantrag des Zentrums. Die Budgetkommission des 
Reichsstages verhandelte gestern in Anwesenheit des Staats⸗ 
sekretärs des Reichsamts des Innern, Dr. Delbrücck, und 
des preußischen Handelsministerss Sy do w über die Ver— 
vendung der Kaliabaaben. Von der Regierung wer—⸗ 
un gegen die Durchbrechung des Kaligesetzes (5 27) und gegen 
Ueberweisung des größten Teiles der Nhaohen an die 
Thornsen sehen wir wohl zum letztenmal. Er sieht recht 
oerfallen aus.“ * 
Der Alte nickte ihnen zu. 
„Heil, heil, ihr zwei vom Gorlingshof. Ihr habt den 
Fluch gebrochen. Vor der Liebe muß die Nebelfrau weichen, 
da kann sie keine Schleier mehr weben. Ich habe sie nicht 
mehr gesehen. Sie ist in einer bangen, dunklen Nacht für 
immer ins Meer gestiegen.“ 
Er legte die Hand beschattend über die lichtlosen Augen 
und richtete sie weithin über das Meer. 
Das lag im verglühenden Abendschein wie eine Purpur— 
wiege. 
Turch die Abendluft klang wie verzitternder Glockenton das 
schwermütige Schifferlied der Alten „Soiahoi“ zu Reimar und 
Undine herüber. J 
Die hielten sich stumm bei den Händen und sahen die 
Meereswellen kommen und gehen. Sie standen, bis der Abend 
sank und die Nebel leise aus dem Wasser emporstiegen. Ihre 
Seelen waren voll Preis und Tank. 
Die Nebelfrau sahen sie nicht. / 
— Ende. — 
Theater, Kunft und Wissenschaft. 
Luabech, 8. März. 
Stadttheater. 
„Modelle“, 
Schauspiel in 4 Akten von Johannes Tralow. 
Uraufführung. 
„Wiodelle“ ist bis auf den letzten Aklt ein gutes Theaterstüd. 
Pe weist Buhnenwirkungen auf, die uber das alltäglich Rou— 
tinierte hinausgehen. Und es sind Ansätze da, welche, aus 
geführt, weit mehr als ein Theaterstüch ergeben hätten. Die 
Charakterführung ist sicher und die Exposition ausaezeichnet 
— rein technisch genommen. 
Das Schauspiel behandelt einen Stoff, der unzaͤhligen 
Kuünstlerromanen zugrunde liegt, den Kampf der genialen Ge⸗ 
hilfin und der beschränkt praktischen, verständnislosen Ehefrau 
um die Seele des Künstlers. Der Stoff ist dankbar und Tralow 
hat ihn stellenweise in origineller Beleuchtung gezeigt. Aber 
e « ist piel Romanhaftes in sein Drama gekommen, Dinge, 
NReichskasse schwere Bedenken erhoben. Staatssekretär Delbrüch 
weist besonders darauf hin, daß die im Gesetz festgelegten 
Rechte — der Kaliindustrie — nicht verkürzt werden dürfen. 
Die verbündeten Regterungen seien nicht in 
der Lage, die Anträge des Zentrums und der 
Zozialdemoktraten annehmen zu können, Auch der 
preußische Handelsminister Sydow wendet sich gegen die An— 
räge. Die Redner der Konservativen, der Reichspartei und 
»er Nationalliberalen teilen den Regierungsstandpunkt. 
Der diesjährige Parteitag der demokratifchen Vereinigung 
indet vom 4. bis 6. Juni in Gotha statt. Außer ge— 
chäftlichen Angelegenheiten stehen auf der Tagesordnung die 
Themen: „Politischer Rückblic und Ausblick“ und die „Zu— 
ünfk unserer Wirtschäftspolitike. 
Erzberger als Zählkandidat in Neumünster. Im 7. schles⸗ 
wig⸗ holsteinischen Wahlkreis Kiel-Neumünster⸗Rendsburg ist der 
Reichstagsabgeordnete Erzberger als Zählkandidat des Zen—⸗ 
trums für die bevorstehende Reichssstagswahl aufgestellt. Er 
wird in Kiel und wahrscheinlich auch in Neumünster reden. 
Vorbereitungen zu den Reichstagswahlen. Im Wahlkreis 
Hildesheim ist 1907 — nur mit Hilfe der Sozialdemokratie 
— in der Stichwahl gegen den nationalliberalen Landgerichts⸗ 
rat von Campe der konservative Abg. Feldmann ge— 
vählt worden. Er kandidiert nicht wieder. An 
einer Stelle haben die Konservativen im Verein mit dem 
tBund der Landwirte und dem Zentrum den Generalsekretär 
Zürn aufgestellt. Die Mationalliberalen haben am 
Zonntag nach dem Hannov. Cour. den Rechtsanwalt Dr. 
bildemeister-Bremen aufgestellt. 
Der Präsident des Reichsmilitärgerichts, General der In— 
anterie von Linde-⸗Suden, der seit 1906 auf diesem Posten 
teht, beabsichtigt demnächst in den Ruhestand zu treten. 
Als seinen Nachfolger bezeichnet man in unterrichteten 
treisen den früheren Kriegsminister und jeßzigen komman— 
dierenden General des 7. Armeedorps in Münster, General 
der Kavallerie von Einem. 
Daͤe Affäre Jagow. Polizeipräsident v. Jagow ist vor— 
gestern zu dem Minister des Innern, Herrn v. Dallwitz, 
zefohlen worden, um sich zu der in der letzten 
Zeit vielfach besprochenen Affäre zu erklären. Diese Er⸗— 
lärung ist, wie verlautet, sür Herrn v. Jagow nicht 
»öllig befriedigend ausgefallen, so daß man in 
eingeweihten Kreisen doch stark mit der Möglichkeit 
eines Rücktritts des Herrn v. Jagow rechnet. 
Die eisaß⸗elothringische Verfassungsfrage. Wie wir hören, 
isjt die Kommission ssür die Beratung der elsabß— 
dvothringischen Versassungsvorlage auf den 
nächsten Donnerstag einberufen worden. Es eroibt sich 
daraus, daß die Beratungen innerhalb des Bun— 
desrats zu einem Abschluß gekommen sind und daß 
eine einstimmig angenommene Lösung gefunden worden ist. 
Das Ergebnis der Beschlüsse des Bundesrats, das 
zisher n och geheim gehalten wird, wird am Donners⸗ 
dag der Kommission mitgeteilt werden, und es 
vird sich dann bald ergeben, ob auf der neuen vom 
Bundesrat geschaffenen Grundlage mit einer Annahme des 
Gelsetzes gerechnet werden kann. 
Belgieu. 
Brüusseler Weltausstellungsprozesse. Im Anschlusse an das 
Urteil der Sachverständigen über den Brand auf der 
Weltausstellung wurde etwa ein Dutzend Millionenpro— 
esse von seiten der Aussteller sowie der Versicherungsgesell— 
schuften gegen das Ausstellungskomitee und die Stadt Brüssel 
angemeldet; unter ihnen ein Prozeß der englischen Regierung 
auf 1254 Millionen Franken Schadenersatz. Die Garantie— 
umme von zwei Millionen, die der Staat dem Komitee be—⸗ 
willigte, wurde von den Klägern beschlagnahmt. 
GoßbLritannien. 
Die Kosten der Königs⸗Krönung. Die Voranschläge für das 
aim 31. März 1912 endende Jahr enthalten für den Zivildienst 
1. a. auch eine Schätzung der Kosten der Krönungsfeier. Der 
getrag für diese ist auf 32700000 Mark festgesetzt wor— 
»en. Von dieser Summe werden die Unkosten des Lord 
Zteward, des Lord Chamberlain und des Oberststallmeisters 
zestritten. Sollte irgend ein Ueberschuß sich herausstellen, so 
vird dieser an das Schatzamt überwiesen werden. Unter den 
leineren Ausgaben stehen 195 000 M, wovon allein 35 000 
Mark für den Tower ausgegeben werden. Während der 
Krönunaswoche wird ein großer Zustrom von Fremden er— 
ja ganze Szenen, die nur empfunden, aber nicht gesehen sind. 
So gleich im ersten Aklt des Malers schöne Erzählung von 
einer einsamen Insel, eine Offenbarung seines verborgensten 
Seins und Wesens. Als Eaposition ist diese Erzählung vor— 
refflich als Vorgang vor dieser um ihn versammelten Ge— 
ellschaft ganz unwahrscheinlich. Natürlich spielt auch das be— 
rühmte ideen- und figurenreiche Gemälde eine Rolle, das ein 
Dichter, aber kein Maler entworfen hat, dessen Leinwand noch 
zum Ueberfluß bei der Aufführung so klein gewählt war, 
dah alle Gestalten selbst in puppenhaften Dimensionen darauf 
einen Platz gefunden hätten. Am stärksten ist der roman⸗ 
zafte Einschlag am Schluß des letzten Aktes. Diese Schnell⸗ 
nalerei im Mondschein isst nicht nur maltechnisch ein Nonsens, 
ie wirkt auch fast so, und das ist weit schlimmer. Und 
dieser Schluß bringt das Stüch um einen großen Teil seiner 
Wirkung. Die Modellszene im Atelier des zweiten Aktes 
nit der großen Erwartungspause ilt für den Erfolg, besonders 
vei einem blasierten Publikum, nicht ungefährlich. Der dritte 
Akt ist wohl der beste, wenn er auch a,. Innerlichkeit dem 
ersten und zweiten nachsteht. Im letzten Akt wirkt das 
uftreten aller handelnden Personen Schlag auf Schlag nicht 
genügend motiviert. 
Eine Theaterfigur, wenn auch eine glücklich gezeichnete, 
si der Professor Spalding. Hier ist unverkennbar etwas 
Zudermann⸗Geist. Ich betrachte diese Herrgottstellvertreter und 
Jadenzieher im Leben immer etwas steptisch. Meistens sind 
sie es erst hinterher: wenn das unbegreifliche Leben die 
Fäden geknüpft und ein Gespinst geschaffen hat, und diese 
lugen Leute glauben das Wiuster einigermaßen zu erkennen, 
dann stehen sie groß da: denn sie sind die Schöpfer! 
Fur diesen strupellos klugen Genußmenschen ist Bruno ws 
bersönlichkeit zu wuchtig, ihm sehlt die Glätte, die suffisante 
Ueberlegenheit. Er posiert gar zu sehr Intriguant und Ueber⸗ 
nensch. Aber im Rahmen seiner Perlsönsichkeit schuf er eine 
inheitliche Figur. 
Sofie Betke hatte einen grohßen Abend. In prächtigem 
Fxlluß der Linien, in großem Stil führte sie die Maria durch 
ille zartesten Gefühlsnuancen hindurch. Die Töne der Liebe 
varen voll schlichter Aufrichtigkeit, und im letzten Akt, wo 
Henußsucht und Lebenslust und nicht uuletzt die Überfeinerten 
vartet und infolgedessen müssen die Kronjuwelen, die im 
Tower von London aufbewahrt werden, einen verstärkten 
Schutz erhalten. Die Wächter der Juwelen erhalten 6000 M, 
3860 Misind für Extra⸗ePolizeidienste vorgesehen und 14 200 
Mark für sonstige Wärter. 
Frankreich. 
Die Minderiährigen in der Fremdenlegion. Durch eine 
offiziöse Mitteilung wird die römische Meldung bestätigt, 
wonach der Erlaß von 1910 uüber den Eintritt von Minder— 
ährigen in die Fremdenlegion von dem französischen Minister—⸗ 
rate am 11. Februar 1911 aufgehoben worden ist, nachdem 
der italienische Botschafter in seiner Reklamation hingewiesen 
hatte, daß die Weigerung des französischen Kriegsministers, 
einen minderjährigen Fremdenlegionär freizulassen, den Be— 
timmungen der Haager Konvention widerspreche. 
heer und Flotte. 
Stapellauf eines deutschen Panzerkreuzers. Außer dem 
Linienschiff „Ersatz Hildebrand“, das die Kaiserliche Werft 
in Kiel für den 22. März zum Stapellauf bereit macht, 
wird in diesem Monat, und zwar voraussichtlich in den 
etzten Tagkn, der Panzerkreuzer HA von der Blohm 
C Voßschen Werft in Hamburg zu Wasser gebracht werden. 
„H“ ist ein Schwesterschiff des im Laufe des Sommers 
yon der Hamburger Werft zur Ablieferung gelangenden 
Panzerkreuzers „Moltke“. Der neue Kreuzer unterscheidet 
sich von diesem aber insofern, als er keine Admiral— 
stabseinrichtungen erhält. 
Tagesbericht. 
Lübeck, 8. März. 
Ueber das Hallenschwimmbad fprach am Dienstag nach⸗ 
nittag. Herr Prof. Dr. Hoffmann im Neuen Frauenver⸗ 
ein. Besonders bemerkenswert aus dem Vortrage ist, daß der 
Plan jetzt außerordentlich schnell in allen Kreisen der Bevöl— 
kerung neue Anhänger findet. Außer dem J. Lübecker Schwimm⸗ 
berein und dem Lübecker Verein für Schulgesundheitspflege 
iind es jetzt die Lübecker Turnerschaft, der Männerturnverein, 
der Turnverein Gut Heil, der Lehrerturnverein, der Lübeder 
Ballspielkllub von 1903, die Lübecker Sportvereinigung, der 
Seminarfußballklub, der Deutsche Radfahrerbund, die Lübecer 
Rudergesellschaft von 1885, der Lübecker Ruderklub und der 
Fechtverein: also der gesamte Verband der Vereine für Körper— 
»flege. Möge die Bürgerschaft hieraus ersehen, wie dringend 
»as Bedürfnis nach dem Hallenschwimmbade ist! Kleinmut 
und Aengstlichkeit sind nach der jahrelangen Erziehung zur 
Freude am Wasser durch den J. Lübecker Schwimmverein in 
Lübeck nicht mehr am Platze. Da Herr Prof. Hoffmam das 
Wichtigste aus seinem Vortrage in 10 Thesen zusammengefaßt 
hat, mögen diese statt eines Berichtes hier folgen: 1. In 
zanz Deutschland gibt es jetzt nur noch sehr wenige Städte 
pon Lübeds Größe ohne Schwimmhalle. 2. Dieselben Gründe, 
die andere Stadtverwaltungen, selbst die viel kleinerer und 
veniger bedeutenderer Städte, zum Bau von Schwimmhallen 
Zeranlaht haben, gelten auch für den Stadtstaat Lübeck. 3. Die 
Schwimmhallenfrage ist eine Kulturfrage: Wenn eine Stadt 
uus Sparsamkeitsrücksichten keine Schwimmhalle baut, so be— 
deutet dies dasselbe, als wenn eine Familie aus Sparsamkeit 
das Waschwasser sparen wollte. 4. Besonders für die Schul— 
ugend ist das Hallenschwimmbad eine Notwendigkeit. Es ist 
richt allein Sache der Eltern, den Schäden abzuhelfen, die 
zurch das Sitzen verursacht werden, sondern auch Sache des 
Ztaates, da dieser die Jugend durch seine Geseze zum 
zchulsitzen zwingt. 5. Eines der besten Mittel gegen die 
Schädigungen durch die Sitzhaltung und ihre Folgen ist das 
tlassenbaden. Das Rückgrat wird im entgegengesetzten 
Zinne gebogen, die Atmung wird auf ihr Maximum gebracht. 
Jedes Kind lernt schwimmen, jedes genießt außerdem die 
Vorteile regelmähiger Hautpflege. 6. Brausebäder sind nur 
ein Notbehelf: von allen Arten des Badens ist das Schwimmen 
die beste, die beste von allen besonders für die Jugend 
uind das noch kräftige Alter. 7. Wenn auch die Hallenbãder 
nicht den Wert der Seebäder erreichen, so stehen sie bei ord— 
nungsmähßigem Betriebe unseren Flußbädern doch an Rein⸗ 
ichkeit gleich. 8. Für Mädchen ist das Hallenbad ebenso wichtig 
vie für Knaben: seine Errichtung ist eine Forderung der Volks⸗ 
gesundheit insgesamt. 9. Da das Hallenbad der Volks gesund⸗ 
zeit dienen soll, so müssen die Preise (wie etwa in Ham⸗ 
aura) niedrig sein:? die Gemeindeverwaltung darf einen jähr— 
Sinne sie vom Geliebten forttreiben, blieb sie überzeugend 
ind sympathisch wie bei den verzweifelten Hohnesworten der 
olgenden Szenen. Ihre äußere Erscheinung deckte sich ein— 
drucksvoll mit den Offenbarungen ihres Innenlebens. 
Vollwertig ihr zur Seite stand Stahl-Nachbaur als 
Maler Peter Fehrs. Das Gedrüctsein des ersten Aktes wie die 
erstokte und gelassene Verzweiflung in einzelnen Szenen des 
etzten entsprangen derselben sensiblen, weichen und lenkbaren 
zünstlerseele, der man den Aufschwung an der Leiche der Ehe— 
rau nicht glauben kann — wenigstens nicht für die DTauer. 
ztahl-Nachbaur zeigte, ich möchte sagen, eine Intimität des 
Zpieles und der Sprechweise, die einzelnen Szenen unsagbar 
eine Reize hinzufügte. Im Verein mit Irl. Betke wußte 
r während der gefährlichen Aktmodellszene das Mublikum in 
Bande zu schlagen. 
FIrl. Bilgers Art lag die liebesstarke, aber etwas dümm⸗ 
iche Frau Fehrs gar zu wenig, schon äuherlich, trotzdem suchte 
ie ihr mit gutem Erfolg so weit wie möglich gerecht zu werden. 
Ztanislaus Fuchs stattete den auf der Grenze der Trottel⸗ 
jaftigkeit balancierenden, vor Selbsteinschätzung blinden Ehe— 
nann der Maria mit seiner liebenswürdigen Komik aus. 
Robert Scholz spielte den guten Freund Rudolf Wolter 
pmpathisch und dezent. 
Die Regie des Herrn Brunow hatte sehr Anerkennens— 
wertes geleistet und Szenerie und Szenen harmonisch abge— 
timmt. 
DTas Publikum, das sich augenscheinlich im Banne des 
Stüdes und der Darstellung befand, war schon vom ersten Akt 
an so beifallsfreudig, daß der Verfasser sich an der Rampé 
zeigen konnte. Am wärmsten war der Applaus wohl nach dem 
dritten Aft CO.B. 
Kleine Mitteilungen. Erik Meyer-Helmund, der 
beliebte Liederkomponist, hat soeben im Verlag „Harmonie“, 
Berlin W. 9, ein neues Lied „Ueber die Heide“ 
erscheinen lassen, das besonderer Beachtung wert ist. Der 
poetische Text stammt von Andreas Christoff Graff. Das 
Lied ist melodiös und gut sanglich, die Begleitung nicht 
schwer. — RuggieroLeoncavallo, der seit einiger Zeit 
in Florenz weilt. arbeitet an einer neuen Operette, die
	        
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