Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

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3 RR586 —535 —38 —5318 —— 8 * * KBVB M— — * — I868 —3 —J——— 
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Sonntag, den 5. März IMI. Morgen⸗Blatt Nr. Uẽ. 
Ausgabe A. 
—⏑ 
Cagesbericht. — 
Qübeck, 5. März. 
Tae Miristerprüfung hat der selbständige Tapezierer Heinr. 
Friedr. Johs. Brand, Lübeck, wohnhaft hierselbst, am 3. März 
sp11 vor der Meisterprüfungskommission für Tapezierer in 
Lübeck bestanden; desgleichen der Töpfergelelle Joachim Her⸗ 
mann Goebel aus Moisling, wohnhaft Moisling, am 8. März 
911 vor der Meisterprüfungskommission in Lübeck. 
Die Volkszählung vom 1. Dezember vorigen Jahres 
ergab nach endgültiger Aufmachung 116599 Einwohner 
ür den Staat und 98656 für die Stadt Lübeck, d. h. 66 bezw. 
36 mehr als nach der vorläusigen. Die Zunahme gegen 1905 
jeläuft sich auf 10742 für dien Staat und 7115 für die Stadt. 
Die Resultate sind im einzelnen folgende: 
vestanden alle 11. — Won ben Cteuerleuten erhaelten die Herren 
zäger und Ivens das Prädikat „mit Auszeichnung bestanden“, 
ährend der Herr Reichsprüfungsinspektor beiden die Reichs— 
rämie zuerkannte. Von den Schiffern Großer Fahrt bestand 
derr Heege mit Auszeichnung, während Herrn Steinfurt die 
ubiläumsprämie der Schiffergesellschaft, bestehend in einem 
zachtglase, erteilt ist. Am gestrigen Tage wurde noch ein 
err für Küstenschiffahrt geprüft, konnte jedoch ein Patent 
icht erreichen. 
Die Namen der bestandenen Schiffer Großer Fahrt 
'nd: O. F. W. Franßen-Godesberg a. Rhein, C. A. Heege⸗ 
zöttingen, H. K. Hense-Berlin, J. P. W. Meislahn⸗-Neustadt, 
d. R. E. MüllerCelle, F. C. W. Steinfurth-⸗Brandshagen. 
Die Namen der bestandenen Steuerleute sind: H. W. E. 
Idermann-Ehrang Kr. Trier, R. E. P. Beschorner⸗Neuendorf, 
2. P. E. Beutel⸗Großstepenitz, H. G. A. Tahl⸗Greußen, W. J. 
5. J. Dreilich⸗ Lübech,. W. J. J. C. Evers⸗Wismar, O. C. 
Glüsing⸗Grömitz, W. L. Hahlweg-Kolpin, C. Ivens⸗Schles⸗ 
g. A. E. J. Jäger⸗Lübech, W. C. E. F. Krüger-Schwerin, 
K. Lengs⸗Dortnrund, E. V. L. Meinhold-Marienburg, G. 
iebisch Blazeowißz, P. R. O. Riechel-Braunschweig, J. M. 
zchacht ⸗· HA amburg. 
Für mittlere Hochseefischerei hat bestanden: 5. 
W. Seeger-Neudarchau, Hannov. 
Schiffer Kleiner Fahrt: P. J. Ahrens⸗Kreuel, M. 
.Bormann⸗Klosterbuch, M. F. W. Braun⸗Ahlbech, J. C. 
zruhn⸗Landrecht b. Wilster, R. G. B. Duhr⸗-Fürstenwalde, P. 
l. Grauer-Carstensen-Lochstedt, P. K. Frerks⸗Wyk a. Föhr, A. 
F. Giese-Stendal, H. A. J. GöttschBorsteler Baum, J. 
. Gries⸗Rehberg, H. F. Hansen-Keitum, H. D. Joost-Jagel, 
. C. T. Kropp⸗Burg a. Fehmarn, F. W. Menge⸗Rawitsch, J. 
doltzau⸗Rumfletherdeich. A. H. Ohlsen⸗Schaalby, E. H. G. 
zaul⸗Niedernwöhren, G. Piontek-Kiel, C. H. F. Ramm-⸗Sehe⸗ 
edt, K. W. J. Riedel-⸗Stargardt, P. Schuster⸗Kgl. Neudorf, 
d. F. Setter⸗Schleswig, G. F. Volk⸗Heide, H. F. S. Vor⸗ 
Ichmidtshöfen⸗Hechthausen, A. H. Weishaupt-Holsterhausen. 
Sportsegler waren die Herren: Bracht, Ingenieur, Ber⸗ 
in, Graewe, Rittmeister a. D. Berlin, Hahn, Ingenieur, Berlin, 
tleinschmidt, Oberleutnant, Berlin, Krüger, Apotheker, Berlin, 
andt, Kaufmann, Berlin, Pommerende, Bankprokurist, Schwerin, 
zosselt, Stud. jur. Kiel, Reschke, Königl. Handelsrichter Berlin, 
chumacher, Ingenieur, Berlin, Thier, Kaufmann, Berlin. 
Lübeder Feuervorsicherungs⸗ Verein von 1826 auf 
zegenfeitigkeit in Lübeck. In der Generalversammlung des 
zereins am Sonnabend wurde der Jahresbericht für das Ge— 
häftsjahr 1910 erstattet und auf den Vortrag der Revisoren 
em Vorstande und dem Aufsichtsrate Entlastung erteilt. Das 
rgebnis der Jahresrechnung ermöglichte es, dem Reserve— 
»nds insgesamt 14280,49 M zuzuführen. Turnusgemäß 
hieden aus dem Aufsichtsrate die Herren W. Bülle und Rat 
dhoff, ferner als Revisor Herr G. R. Harms aus; die drei 
erren wurden wiedergewählt. Wit dem gestrigen Tage ge— 
örte Herr W. Bülle, der Delegierte des Aufsichtsrates, letzterem 
5 JZahre als Mitglied an; dieses Umstandes wurde in beson— 
erer Weise gedacht. 
. Eisladung. Mit einer vollen Ladung Blockeis ist 
zer am Freitag der norwegische Dampfer „Rex“, Kapt. 
zalvesen, für die Lübecker Eisgenossenschaft von Kragerö (Nor⸗ 
egen) eingetroffen. Der Dampfer wird gegenwärtig am 
adtseitigen Kai unterhalb der Bedergrube entlöscht. 
D. Einsuhr englischer Steinkohle. Für die Firma L. 
zossekfl Ke Co. werden hier in nächster Zeit die Dampfer 
Frisia“ und „Vera“ mit Steinkohlenladung von England 
rwartet. „Frisia“ soll am Kohlenlager beim Einssedel, „Vera“ 
m Kohlenlager o berhalb der Drehbrücke im inneren Hafen 
ntlöscht werden. 
»Statistik der deutschen Brüderhäuser. Die Gesamtzahl 
er aus den vereinigten deutschen Brüderhäusern hervorgegan— 
enen Brüder beträgt zurzeit 3226 gegen 2762 1908. Be— 
onders stark wächst die Zahl der Gemeindehelfer und Jugend⸗ 
sleger. In dieser Gruppe sind gegenwärtig bereits 363 
zrüder tätig gegen 247 1908. Auch die Erziehungsarbeit 
at immer mehr selbständige Hausväter (301) und Gehilfen für 
Nefttunas⸗ und Maisonfäusor und für MAnstalfen für koöonfir 
E 
mierte Zöglinge gefordert. An Gebhilsen stellen die vereinigten 
Bruderhäuser jetzt 680, während im Jahre 1908 erst 488 ge⸗ 
ählt wurden. Von letzteren freilich ist ein Teil in der Qran— 
enpflege tätig. Auch auf dem Gebiete des Heib wyeas 
st eine kleine Vermehrung festzustellen; wir zählen jetzt 288 
elbständige Hausväter in Herbergen zur Heimat, aus Brü— 
derhäusern hervorgegangen. 
DD Der große Wanderzirkus E. Blumemseld Wilwe, der 
in der mittelschlesischen Stadt Guhirau zu Hause ist, kann 
n diesem Jahre, wie schon einmal erwähnt, auf ein hundert⸗ 
ähriges Bestehen zurüchlicken. Von kleinen Anfängen 
at er sich in diesen hundert Jahren zu einem großen, geach- 
eten Unternehmen entwickelt, das überall in Deutschland, 
uch in Lübed, wo es auf seinen Wanderfahrten für kurze 
zeit, seine Zelte aufschlägt, gern gesehen wird. Auch in Lübed 
at sich der Zirkus hauptsächlich mit seinen vorzüglichen Lei— 
tungen in der Pferdedressur volle Anerkennung erworben. Aus 
Inlaß des Jubiläums veranstalteten die jetzigen Inhaber, 
zebr. Blumenfeld, am letzten Mittwoch eine größere Feier, die 
ei reger Teilnahme von geladenen Gästen, unter denen die 
rädtischen Behörden von Guhrau besonders genannt seien, 
inen glänzenden Verlauf nahm. 
Daie „Vaterstãdtischen Blätter“ Nr. 10 werden mit der 
zeutigen Nummer a usgegeben. Inhalt: Lübeder Plakat-⸗Kunst. 
Mit 8 Abbildungen.) — Esperanto⸗Lehrgang IV. — Wochen⸗ 
chrontt 
mehr 
1910 ge wegger) v. *F 
Innere Stadt353043 33566 — 619 — 
bincie ....... 627092 ñõ 095 7697 14,0 
und zwar 
Sl. — ......217267 14 457 28109 19,5 
St. Lorenz.332565 30 729 2526 8.2 
St. Gertrüd1232270 9909 —A 24.9 
Schiffe im Lübecher Hafen — 821 784 37 50 
5 tLübet.. 99656 91541 7115 7.7 
ee 5..... 2138 1952 186 9.6 
Schuͤfe im Travem. Hafen .. 24 65 — 41 — 631 
* iinaee .. 13781 12 299 3 482 22,3 
und zwar 
—8 Bezirk...2639 2501 95 3,6 
usse.. 50 95 42 2 
Behlendorf * —12 —75 
Muͤhlentor ⸗Vezirk 125 3— 
Moisling.... 80 7 
Genin 0 J 
»olstentor⸗Bezirk. .. 
Vorwerk.. 37* 
Krempelsdorf... 1. 
3 urgtor-Bezirk 971 3 
Schlutuv..... 1005 5St 
Jiraelsdorß. * F 6 1.9 
travemünder Bezirk. — 1757 146460 
Kückniz... 147 1238 842,2 
Siems. — is 403 2457 
dandgebiet · 17843 14318 3627 253 
Staat... 116599 108s 857 10 742 10,1 
O Nautischte Prüsungen. Am Montag, den 20. Febr. 
). J. begann die erste diesjährige Vrüfung für Seeschiffer großer 
Fahrt und für Steuerleute auf der hiesigen Navigationsschule. 
Hemeldet hatten sich 8 Schiffer und 21 Steuerleute, von denen 
; und 16 bestanden haben. An den Haupttermin schloß sich 
ür die Schiffer eine Sonderprüfung im Schiffsbau und Maschinen- 
mesen, für die Steuerleute eine soiche in der Gesundheitspflege 
ind ersten Hilseleistung bei Ungkücksfällen an Bord von Kauf— 
ahrteischiffen. Von den bestandenen 6 Schiffern unterzogen sich 
»er Prüfung im Schiffsbau 4 Herren; in der Maschinenkunde 
ießen sich 5 prüfen, von denen 4 für bestanden erklärt werden 
onnten. Von den bestandenen Steuerleuten unterzogen sich 
4 Herren der Sonderprüfung in der Gesundheitspflege, 13 haben 
iiee Prüfung bestanden. — Der Reichsinspektor für die Schiffer— 
ind Steuermannsprüfungen, Geh. Reg.Rat Dr. Schrader aus 
Berlin, wohnte den Verhandlungen bei. Herr Reg.Rat Dr. 
kbuchholtz vom Reichsgesundheitsamte in Berlin war erschienen, 
im der Prüsung in der Gesundheitspflege beizuwohnen, nachdem 
hier ein gegen früher bedeutend verlängerter Kursus eingeführt 
ist. — Die Verhandlungen haben die Woche vom 20. Febr. bis 
um 27. Febr. in Anspruch genommen. Am 28. Febr. vegann ein 
weiterer Termin für Schiffer kleiner Fahrt, der wegen der 
zroßen Menge von Anmeldungen in zwei Abschnitten abge— 
zalten werden mußte. In der ersten Abteilung wurden 31 
Seeleute geprüft, und zwar 30 für die Kleine Fahrt, 1 für 
nittlere Hochseefischerei, Islandfahrt. — Diese Prüfung nahm 
»ie Tage vom 28. Febr. bis 2. März. in Anspruch. An 
etztgenanntem Tage begannen die außerdem gemeldeten 11 
Zerren ihre Arbeiten. Die letzte Gruppe bestand aus Sport⸗ 
eglern, die, ohne Seefahrtszeit, durch Erlaubnis des Reichs— 
anzlers und des Senates zugelassen werden durften. Aus 
der Gruppe J bestand der Prüfling für die mittlere Hochsee— 
ischerei. Von den übrigen 30 Gemeldeten haben 25 bestanden, 
vährend 5 Herren das Ziel nicht erreichten Die Jachtseaser 
9* 
—— — — 
d. Hansathrater. Man schreibt uns: Für den diesmaligen 
ür nur eine Woche verpflichteten Varietéspielplan ist als 
zauptattraktion „Die Macht der Musik“ gewonnen. Die beiden 
Punderkinder Herta Althoff (8 Jahre) und Edith Althoff 
5 (Jahre) bringen im Verein mit ihrem Vater Alsons Althoff 
zne musikalische Szene, die in einer Pantomime dargestellt wird. 
Im die Palme des Abends dürften sich ferner die Rech— 
ymnastiker Bert de Brun Frio, die ausgezeichneten Exzen— 
riques⸗Tänzer Bachus ene das Kunstgesangsduett 
rus der Biedermeierzeit Dr. Erwin und Sophie Hemmer und 
zie übrigen Künstler streiten. Die noch ausstehenden Vorzugs⸗ 
arten, die wochentags eine wesentliche Preisermätßigung haben, 
erlieren mit Ablauf dieses Spielplans ihre Gültigkeit. 
b. Zahrmarktsrummel 1911. Nur wenige Tage trennen 
ins noch von dem Feste unserer Bühnenkünstler, das Dienstag 
ait aller Pracht in den Stadthallen gefeiert wird. Montag 
vird mit dem Ausschmücken der „Festwiese“ begonnen. In 
länzendem Rahmen soll das Fest erstehen, es sind weder 
Mühe noch Kosten gescheut, den Abend über Festlichleiten 
ihnlichen Charakters zu erheben. Vor allem wird der Fest. 
eilnehmer auf das allerbunteste unterhalten. Sämtliche Solo— 
nitglieder haben für den ganzen Abend ihre Kräfte der 
mten Sache zur Verfügung gestellt. — Der Kartenverkauf, 
en in liebenswürdiger Weise die Firmen F. W. Kaibel und 
Itto Borchert sowie der Kassierer des Stadttheaters, Herr 
daul, übernommen haben, geht sehr flott, so daß auf ein 
usverkauftes Haus zu rechnen ist. Von den reservierten 
dogen, für die ein Aufschlag von 10 Mefür die Loge erhoben 
bird, sind nur noch wenige zu haben. Man möge sich recht⸗ 
eitig danach umsehen. Die lübeckischen Geschäfte bringen der 
geranstaltung das größte Interesse entgegen und haben in 
eichhaltigster Weise die auf dem Festplatz aufzustellende 
Lombola unterstützt. — Das Fest wird also großartig, und 
eder darf die Gewikheit haben, daß er sich köstlich amüsieren 
nird 
b. Engel in der Kunst. Am Dienstag, dem 14. März, 
ietet in der Stadthalle der Verein für das Deutsch— 
um im Auslande einen Festabend von ganz eigener Art. 
Engel in der Kunst“ nennt sich die Darbietung. Darstellungen 
on Engeln in lebenden Bildern nach alten Meistern wechseln 
nit musikalischen Vorträgen ab. Die lebenden Bilder werden 
on Damen und Kindern der hiesigen Gesellschaft gestellt, 
ür die musikalischen Vorträge haben eine Reihe Damen und 
zerren ihre Mitwirkung zugesagt: die Damen Klara und 
Ida Herrmann, Frl. Marie Schlesinger aus Leipzig, Herr 
Ar. E. Reuter, Herr Organist Stahl seien nur genannt. Ferner 
berden acht Damen und acht Herren von der Vereinigung für 
irchlichen Chorgesang den gemischten Chor bilden. Frl. Betke 
vird den Prolog sprechen. Die Gruppen werden dargestellt 
iach Werken von Fra Angelico, Perugino, Botticelli, Dona—⸗ 
ello, Stepyhan Lohner, Dürer und anderen. Eintrittskarten 
ind jetzt nur noch bei F. W. Kaibel zu haben, wir werden 
sebeten, hierauf besonders hinzuweisen. 
b. Geistliches Konzert in St. Aegidien. Wir werden ge—⸗ 
seten, nochmals darauf hinzuweisen, daß das Konzert pünkt⸗ 
ich 6 Uhr beginnt und die Türen während der Vorträge ge—⸗ 
chlossen bleiben. 
b. Vortrag. In der Gem. Gesellschaft wird Donnerstag, 
en 9. ds., 8124 Uhr Frl. Ch. Buchholz über den 2. Teil 
es .Themas „Rettunasarbeit an Indiens Frauenwelt“ 
prechen. 
53. Frühjahrssahrten der Samburg-Amerika Linie im 
mittelmeer. Die von der Hamburg-Amerika Linie in diesem 
zahre bisher ausgeführten Orient- und Mittelmeersahrten 
aben sich eines außerordentlichen Zuspruches erfreut. Welcher 
ßeliebtheit sich die Vergnügungsreisen zur See erfreuen, kommt 
ierdurch zum Ausdruck. Kein Italien⸗Reisender sollte diecses 
rdand verlassen, ohne eine Fahrt auf dem schönen Mittelmeer 
nternommen zu haben. Die Hamburg⸗Amerika Linie bietet 
ierzu besondere Gelegenheit, indem sie sür März und April 
och mehrere Mittelmeerfahrten mit ihrem Dampfer „Meteor“ 
rusführen läht. Diese Fahrten nehmen teils in Genua, teils in 
zenedig ihren Anfang und zeichnen lich durch ein besonders 
ielseitiges Programm aus. Die Riviera GVillafranka, Nizza, 
Nonte Carlo), die verschiedensten Häfen an der Küste Afrikas 
Algier, Tunis, Tripolis, Tanger), die Inseln Mallorka und 
Nalta, Griechenlands Gestade (Katakolon und die Jusel 
dorfu), Sizilien (Messina, Palermo, Syralus), Venedig, 
Neapel, die Adriatischen Häfen Abbazia. Gravosa und Cottaro, 
zia Inseln Teneriffa und Madeira, sowie der Hafen Lissabon 
verden auf den verschiedenen etwa 13. bis 23tägigen Ressen 
elucht. 
MWelterer Tagesbericht ssebe 3 Blatto 
vor und hinter, den Kulissen. — 
Lübecker humoristische Spaziergänge von 
Ernst Albert. 
XX. 
Endlich komme ich mal wieder dazu, spazieren zu gehen! 
Bei dem Hundewetter war es ja ganz unmöglich, oder man 
zjätte sich einen Schnupfen zugezogen, und verschnupft will 
ch doch nicht werden. Heute ist gerade ein schöner Tag, also 
aus mit der Elektrischen. Die fährt jetzt auch staatlich und mit 
zroßstädtischer Einrichtung. Zuerst haperte es etwas, wie bei 
eder Neuerung ja erklärlich, so daß manchmal der Schafsner, 
wenn er vorn gelocht hatte, hinten den Anschluß versäumte 
und mit dem nächsten Wagen nachfahren mußte, oder ein höherer 
Beamter war beim Billettausgeben mit behilflich — aber jetzt 
jeht aalles tadellos. „Das kommt nur auf Gewohnheit an“, 
seißt es im „Faust“. Ein anderes Zitat aus „Faust“ kann 
nan jetzt auch in der Sandstraße im Schaufenster verkörpert 
ehen als Reklame der Webekunst: „Wo ein Tritt tausend 
Fäden regt, — Die Schifflein herüber, hinüber schießen, — Die 
Fäden ungesehen fließen, — Ein Schlag tausend Verbindungen 
schlägt.“ „Faust“ werden wir ja auch bald an drei Abenden im 
Stadttheater sehen, aber Goethes, Faust“, nicht den französischen 
mit Musik, sonst mußte wieder die Titelübersetzung auf dem 
Jettel stehen wie beim „König“, denn da konnte jeder lernen, 
daß der König le roi auf französisch heißt. Das Theater soll 
a auch eine Bildungsftätte sein. Nach der Vorstellung vom 
e roi habe ich zufällig ein Familiengespräch belauscht. Der 
Herr Vater sagte ziemlich entrüstet: „Tas Stüd ist doch eigent⸗ 
'ich unanständig.“ Die Frau Mutter antwortete: „Ich finde 
's gar nicht mal so schlimm.“ Die ldaum dem Bachkfischalter 
ntwachsene Tochter aber rief lachend: „Ich finde es einfach 
leizend!“ — Das finde ich auch reizend, denn dem Reinen ist 
ailes rein. sonst fönnte auch Fauft“ nicht degeben werden. 
xks darf nur nicht rückwirkend sein! Das ist aber hier nicht nur 
ei der Gehaltszulage in höchst angenehmer Weise der Vall, 
ondern auch beim Hansätheater, wo dieselben Künstler vom 
ztadthallentheater rückwirkend sich gehäutet haben, und in neuer 
zäutung nun weiterspielten. Neulich ist ein „Verein früherer 
zereinsmitglieder“ gebildet worden. Da sieht man doch, daß 
s bei den schlechten Zeiten noch Geld genug gibt. Darum 
achsen auch die Sparbanken zusehends aus der Erde, was am 
esten jetzt an der Ecke FischergrubeBreite Straße beobachtet 
erden kann. Immer höher und höher wächst der prächtige 
zau, und das bloßgelegte Wandgemälde, welches Jahrhunderte 
eschlummert, wird nach kurzem Lichtblick wieder Jahrhunderte 
erschwinden. Eine noch zu erkennende Figur stellt die Spar—⸗ 
mkeit dar. Ein gutes Omen sür die Bank, wenn die Spar⸗ 
mleit bei ihr gleich eingemauert ist. Die Banken hätten eigent⸗ 
ch am 1. März, bei der Auszahlung, für die Beamten bis 
2 Uhr nachts geöffnet sein müssen, und die Vergnügungslokale 
me8 Uhr geschlossen, denn der Sparsamkeit muß man die Hand 
ieten. Kürzlich wurde ich sogar zum Sparen gezwungen, denn 
h wollte mit einem neuen Hundertmarkschein (es war gerade 
ach dem Gagetag) Blumen kaufen. Lachend sagte mir aber 
ie Verkäuferin, als ich den langen Bilderbogen mit Notizblock 
nder Seite, hingab: „Ach, Herr Albert, das ist ja Theater⸗ 
eld! Sie sind doch immer der Spaßvogel!“ So erging es 
nir in noch zwei Geschäften, sodaß ich mit hundert Mark in der 
lasche sparsam sein mutzte. Hoffentlich bietet mir zum Künst⸗ 
zrsest jemand einen neuen Hundertmarkschein, als Direktor des 
daritätenkabinetts, an. Ich würde ihn auch nicht wechseln, 
y»ndern — behalten. Dafür könnte er sich das seltenste Stück 
us dem Kabinett käuflich erwerben, kogar den sprechenden Hund, 
em ich mit unendlichen Mühen das Sprechen eines Schlagers 
er Saison in reizvollster Weise beigebracht. würde ich dafür 
ingeben.
	        
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