Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Erhohung der Lohnsäße um 20 Pig. fur diejenigen stäbdti— 
schen Arbeiter, die unter 4 Metäglich verdienen, und für die 
Retortenheizer abgelehnt. Der vom Burgermeister Lindemann 
gestellte Antrag, nach Abschluß des Rechnungsiahres 1910 Vor⸗ 
chläge zu Neuregulierung der Lohnverhältnifle 
Rer städtischen Arbeiter zu machen, wurde einstimmig 
angenommen. Der Haushaltsplan selbst, der im Ordinarium 
mit 21341 000 Mubalanziert, wurde gegen die sozialdemokra⸗ 
ischen Stimmen angenommen. 
Ahrensfelde, 2. März. Einbruchsdiebstahl. 
Zonntag abend beobachtete die Chefjrau des Krämers Heuer 
inen Spitzbuben, der durch das Fenster in den Laden ein—⸗ 
gestiegen war und sich dort zu schaffen machte. Wie die Frau 
nit dem Licht kam, verschwand er durch das Fenster. Der 
Polizeihund „Prinz“ aus Lübed wurde geholt und nahm 
osort die Spur, welche nach Wulmenau in die Wohnung 
ines Arbeiters führte, auf. Er wurde verhaftet und dem 
zerichtsgefängnis in Reinfeld zugeführt. Er steht auch im 
Berdacht, an einem vor kurzem ausgeführten Einbruchsdiebstahl 
n Krummesse beteiligt zu sein. .* 
Neumünster, 2. März. Kein zweiter Bürger— 
neister. Der Vorschlag, dem Oberbürgermeister einen zweiten 
Bürgermeister an die Seite zu stellen, ist zurückgezogen worden, 
za er auf Widerspruch gestoßen ist; man will sich nunmehr 
nit einem zweiten besoldeten Stadtrat begnügen und gleich- 
eitig die Stelle eines fünften unbesoldeten Stadtrats schaffen, 
owie die Zahl der Stadtverordneten um 3 auf 18 erhöhen. 
Risum, 2. März. Vermißt wird seit einigen Tagen 
zer Vorsteher der Geschäftsstelle der Westholsteinischen Bank 
jierselbst, Verleger Ewald. Eine Revision von der Filiale 
Tondern aus ergab, daß die Kassenverhältnisse volIständig 
n Ordnung sind. Ebenso sind die Vermögensverhältnisse 
jeordnet. —F 
Rendsburg, 2. März. Todessturz. Der aus Hirsch-— 
herg (Schlesien) stammende 28jährige Arbeiter Woiczyk slürzte 
bei den Erdarbeiten auf der Königskoppel ab und war 
ofort tot. . 
Hadersleben, 2. März. Ein großes Schaden—⸗ 
feuer vernichtete Dienstag im Lagerhaus des Manufaktur—⸗ 
warengeschäftes Hundewadt für etwa 65 000 MeSpiel⸗, Kurz⸗ 
und Wollwaren, sowie 45 000 Psd. Tabak der Hansenschen 
Tabakfabrik, außerdem ein Papier⸗ und andere Lager. 
Hadersleben, 2. März. Das Seebad Lakolk, das 
von der Kreissparkasse des Kreises Hadersleben mit 118 000 M 
beliehen ist, wurde mit Genehmigung des Kreistages unter 
inem Verlust von 90000 Mauan eine Altiengesellschaft ver— 
rauft. 
Schles wig, 2. März. Gestohlen wurden dem 
Kassierer des Kreiskriegerverbandes Rechnungsrat Schütze aus 
einem verschlossenen Schrank über 1400 Mein bar. 
Tönning, 2. März. Tödlicher Unglücksfall. Als 
ein Kommis des Kaufmannes Thode beim Ausprobieren neu 
eingegangener Revolver ein Geschoß herausnehmen wollte, 
mntlud sich der Revolver und die Kugel ging dem bjähr. Sohn 
Thodes durch die Schläse. Das Kind starb nach einigen qual— 
ollen Stunden. 
Sroßherzogtum Oldenburg, Fürstentunr Lübed. 
Oldenburg, 2. März. Ter Landtag erledigte die 
ßzeratung über den Antrag, der aus die Wählbarkeit der 
Volksschullehrer in die Gemeindevertretung abzielt. Der Fi⸗— 
nanzausschuß berichtete über die Petition des Olden— 
urger Kriegerbundes. Ter Kriegerbund wünscht, daß 
in Anbetracht des 40jährigen Gedenktages des Friedensschlusses 
1871 eine angemessene Summe aus der Staatskasse bewilligt 
verde, um an hilfsbedürftige Kriegsveteranen eine einmalige 
sͤhrengabe geben zu können. Der Ausschuß erklärte, daß er, 
benso wie im Vorjahre, dem Gedanken einer Ehrengabe wohl⸗ 
wollend gegenüberstehe, glaube aber, daß es Reichssache sei 
end von einer Beihilfe absehen müsse; hinzu komme noch, 
daß die meisten Städte und Amtsverbände unseres Groß-⸗ 
— 
ind daß Steuerermäßigung als dauernde Beihilfe in der vor— 
iegenden Einkommensteuernovelle vorgesehen ist. Da keine neue 
Gesichtspunkte in der Petition angesührt und auch dem Aus— 
schuß nicht zur Kenntnis gekommen sind, beantragte der Aus— 
chuß einstimmig Uebergang zur Tagesordnung. 
*EFr. Eutin, 2. März. Der Männer-Turnverein hat 
beschlossen, am 23. April im Schloßhotel eine Feier mit turnerischen und 
theatralischen Aufführungen zu veranstalten. Turnwart Braasch er⸗ 
tattete Bericht über den in Kiel abgehaltenen Gauturntag. Das Gau⸗ 
nurnfest des Ostholsteinischen Turngaues wird in Schönberg i. H. abge⸗ 
jalten werden. — Verkauft hat Oberpostassistent Petersen sein 
Wohnhaus Auguststraße und den Braaheschen Garten an Fleischbeschauer 
Barg. — Verkauft hat die Ehefrau Meetz, Sieversdorf, ihre Katen⸗ 
telle an Ziegeleiarbeiter Heinze dortselbst. 
Fr. Malente, 2. März. Gekauft hat Zimmermeister Steffen 
som Zementsteinfabrikanten Jörgensen einen Bauplatz, Gremskamp, 
Zimmermeister Beuch, Hutzfeld, von dem Hufner Wehde daselbst eben⸗ 
alls einen Bauplatz. 
Ahrensbök, 2. März. Verkäufe. Das Haus des 
Maurermeisters Steenboch, Tankenrade, kam gestern hierselbst 
sur Zwangsversteigerung. Das höchste Gebot wurde von Kauf—- 
mann Meyer, Lübeck, mit 3200 Mabgegeben. — Dem Ver—⸗ 
nehmen nach verkaufte Landmann Otto Schmahl, Kesdorf, 
eine 110 To. große Landstelle für zirka 102000 Mean Land— 
nann Petersen, Obernwohlde. 
Lanenburg. 
d. Lauenburg, 2. März. Für die nächste Haupt⸗ 
törung der Zuchtstiere im Verband „Rotbunte Holsteiner“, Zucht⸗ 
ezirk für die holsteinische Geest im Kreise Herzogtum Lauenburg, sind 
olgende Körorte in Aussicht genommen: Siebenbäumen, Steinhorst, 
Schiphorst, Sandesneben, Breitenfelde, Kühsen, Klein-Berkenthin, 
stlempau, Einhaus, Hollenbek, Büchen⸗Bahnhof und Schwarzenbek. 
Die Stiere sollen bis zum 12. März bei dem Vorsitzenden der Körkom⸗ 
nission, Hofbesitzer Hartmann⸗Oldenhütten bei Nortorf, angemeldet 
verden 
Geroßherzog tümer Medcllenburg. 
Schwerin, 2. März. Eine Ausstellung auf dem 
BSebiete der Säuglingspflege wird im Anschluß an 
ie diesjährige Landesgewerbe- und Industrie-Ausstellung hier— 
elbst veranstaltet. Der Landtag bewilligte für sie einen Bei— 
rag von 2000 M. 
Malchin, 2. März. Landtag. Auf heute sind kom— 
missarisch deputatishe Verhandlungen über die Ver— 
rafsungsangelegenheit angesetzt, so daß die Plenar- 
itzung heute ausfallen wird. Ein Strelitzer Reskript betr. 
Aufhebung der Kommunalsiteuerfreiheit der 
Seisthichen wurde angenommen. — Der Kommitte über—⸗ 
viesen wurde olle Strelitzer Vorlage um Landeshilfe für die 
Btrelitzer Strecke der projektierte Neben-Chaussee von 
ürstenberg über Bredereiche zur Landesgrenze. Die 
chaussee soll nachher in Preußen weitergeführt werden. 
Schönberg; 2. März. Mit der Erhöhung der 
dontribution um zwei JZehntel, wie sie vom Landtag 
ngenommen ist, werden alle Steuerzahler des Fürstentums 
etroffen. Am wenigsten einverstanden mit dieser Neuerung 
erden die Beamten sein, die hier infolge des alten Steuer— 
esetzes von 1852 seit langeni die Meistbesteuerten sind. Da 
on je 300 Mubarem Einkommen bisher 5 MiSteuer zu ent—⸗ 
ichten war, ist dieser Satz jetzt auf 6 Mugestiegen. Ein Be— 
mter mit 3000 MeEinkommen hat demnach 60 MiSteuern 
u zahlen, während Geschäftsleute, Aerzte und andere Per— 
onen mit höherer Einnahme noch nicht die Hälfte zahlen. 
— Die Landessparkasse sfür das Fürstentum ist zur 
Inlegung von Mündelgeld für geeignet erklärt. 
— — 
Sportnachrichten. 
Die kaiserliche Jacht „Meteor“, welche während des Winters 
uSeebecss Dock zu Geestemünde lag, wird heute Donnerstag 
on dem Torpedodivisionsboot „D 7“ nach Kiel geschleppt 
jerden. Sie soll dort auf der Kaiserlichen Werft ein neues 
zuder erhalten. Die Jacht der Kaiserin „Iduna“ wird erst 
m April nach Kiel übergeführt werden. 
Der erste Flugplatz in Schleswig-Holstein ist fertiggestiellt. 
zr liegt im Vorort Kronshagen bei Kiel und besitzt eine Länge 
on 1000 m. Die kurvenartig angelegte Flugbahn ist doppelt 
lang. Es sind fünf Hallen gebaut, die fast alle mit Ein— 
ad Zweidecker sowie einem Rotationsflieger besetzt sind. Der 
lugplatz Kronshagen kommt an Größe dem von Johannis— 
hal bei Berlin gleich. Die bekanntesten. schleswig-holsteinischen 
nd Hamburger Flieger, wie Mordhorst, Kohlscheen und H. 
Berner⸗Kiel, Heine-Neumünster, Nielsen und Lübke-Hamburg 
jerden noch in diesem Jahre Flüge veranstalten. Eine 
zliegerschule, die erste unserer Provinz, wurde kürzlich er— 
ffnet. Sie steht unter der Leitung des bekannten Apiatikers 
Zzteffen und bildet Flieger bis zur Erlangung des Führer— 
ugnisses aus. 
Das erste diesjährige Ludwigslufter Rennen findet am 
. Mai statt, dafür werden 11000 Muäan Preisen ausgesetzt. 
ür dies Rennen haben schon Ehrenpreise gestiftet der Groß— 
erzog, die Prinzessin Heinrich XVIII. Reuß, Herzogin Paul 
riedrich und der HRamburger Rennklub. Vom Verein kleiner 
andwirte, dessen Mitglieder sich voraussichtlich an einem 
lachrennen der Landwirte beteiligen werden, steht ein Ehren— 
reis in Aussicht. Für das zweeite Rennen hat schon die 
zroßherzogin einen Ehrenpreis bewilligt. In Aussicht stehen 
u diesem Rennen Ehrenpreise von der Stadt Ludwigslust, 
on den Damen des Vereins und vom Ministerium für ein 
engst-Prüfungsrennen. Der für 1911 aufgestellte Voran— 
hlag des Ludwigsluster Rennvereins weist eine Einnahme 
on 22575 M 10 Pf. und ebenso große Ausgabe auf. In 
en Vorstand wurden wiedergewählt: General v. Schmidt— 
zauli auf Charlottental, Bürgermeister Jantzen-Ludwigslust 
nd Ingenieur Jürgens-Hamburg. Neugewählt wurden: 
stajor v. d. Schulenburg-Parchim, Rittmeister v. Trotschke— 
udwigslust, Rittmeister Jürgen von Flotow-Schwerin, Ritt— 
reistetr Max v. Senden-Parchim, Oberleutnant Joach. von 
terber⸗-LZudwigslust, Graf Otto Grote-Varchentin, Flügel— 
djutant Maior Freiherr Otto v. Heintze-Schwerin. 
Neuefte Nachrichten und Telegramme. 
Zzum franzosischen Kabinettswechsel. 
W. Paris, 2. März. Zu Unterstaatssekretären wurden er— 
annt: Für das Innere Emile Constant, Kultus Malvy, Post 
nd Telegraphie Chaumet und Künste du Jardin-Beaumetz. 
U'. Varis, 1. März. Poirrier und Jeanneney 
aben im letzten Augenblick die Uebernaähmedes Handels— 
ezw. des Justizportefeuilles abgelehnt. Monis 
at nunmehr dem Senator Pains das Handels- und dem 
zenator Develle das Justizportefeuille angeboten. Da letzterer 
urzeit nicht in Paris anwesend ist, kann eine Antwort nicht 
or morgen erwartet werden. 
W. Paris, 1. März. Cruppi, der Minister des Aeußern, 
wurde gewählt wegen der glänzenden Rolle, die er als 
andelsminister in der Debatte über den Zolltarif und in den 
zerhandlungen über diesen Gegenstand gespielt hat. Er hielt 
imjener Zeit viel bemerkte Reden, in welchen er für eine 
oIlpolitische Mäßigung und eine auf Verträgen aufgebaute 
Birtschaftspolitik eintrat. In einer Zeit, wo wirtschaftliche 
ragen in den internationalen Beziehungen eine überwiegende 
tolle spielen, konnte die Uebertragung des Ministeriums des 
leußern an den früheren Handelsminister als eine äußerst 
rünstige Lösung angesehen werden. 
W. Varis, 2 März. Wie die Agence Havas meldet, wird 
»as neue Kabinett in seinem Programm in bezug auf die 
uswärtige Politik betonen, daß es den festen Willen hat, an 
»en bestehenden Alliancen und Ententen festzuhalten. 
Paris, 2. März. Ribot und Poincaré haben den Eintritt 
n das Ministerium Monis abgelehnt, Ribot unter Berufung 
uf seinen Gesundheitszustand, Poincaré, der sich Bedenkzeit 
beten hatte, weil er wünscht, daß Millerand ein Portefeuille 
halte, damit die Zusammensetzung nicht ausschließlich com— 
istisch sei. Nachdem dann auch der Seinepräfektt de Selves 
as Ministerium des Aeußern abgelehnt hatte, nahm schließlich 
Truppi an. Um 7 Uhr abends leilte Monis folgende Liste mit, 
die er dem Präsidenten Zallisres unterbreitete: 
Ministerpräsident und Inneres; Monis, 
Arieg: Berteaux, 
Marine: Delcassé, 
luswärtiges: Cruppi, 
Interricht: Steeg, 
Arbeit: Boncour, 
dandel: Poirier, 
dolonien: Messimy, 
Ackerbau: Massé, WB 
Deffentliche Arbeiten: Charles Dumont, 
Zustiz: Jeanneney; 
Unterstaatssekretäre: Post: Chaumet, Inneres? Con⸗ 
stant, Kultus: Malvy, Kunst: Dujardin-⸗Baumetz. 
Diese Liste bedeutet ein radikales Sammlungsministerium, 
n dem Delcassé, Berteaux und Cruppi ausschlaggebend find. 
W. Varis, 2. März. Monis wird nach der Antwort Pams 
nd Develles die neuen Minister dem Präsidenten Fallidres heute 
achmittag vorstellen. Gestern abend hatte Monis mit seinen 
Nitarbeitern eine Besprechung. Der Meinungsaustausch ergab 
ollständige Uebereinstimmung in den großen Richtlinien des 
zrogramms, das dem Parlament unterbreitet wird. 
W. Berlin, ?. März. Die Antworten der Bun des« 
egierungen auf die Frage des Reichskanzlers, 
b den Wünschen des Neichstags entsprechend weitere Zuge 
ländnisse bezüglich der Verfassungoreform für Elsaß-Lothringen 
emacht werden könnten, sind noch nicht vollzählig ein— 
etroffen. Es ist zu erwarten, daß binnen kurzem eine Eini— 
ung unter den Bundesregierungen erzielt wird, in der Richtung, 
aß drei Bundesratsstimmen an Elsaß-Lothringen für wirt— 
chaftliche Fragen zugestanden werden. 
— 
ichen Volkspartei hat seine ordentliche Jahressitzung auf 
zonntag. den 19. März, anberaumt. Nach Rechnungslegung 
bird sich der Ausschuß mit den Vorbereitungen für die kom⸗ 
nenden Reichstagaswahlen befassen. 
W. Berlin, 1. März. Da sich in Innern Kameruns, 
egünstigt durch das schwierige Gelände, noch immer Einge⸗ 
orene aufhalten, die sich der deutschen Herrschaft entziehen 
vollen und die anderen Volksstämme gegen die Weißen gaufzu— 
eizen suchen hat der Fouverneur angeordnet, daß 
egen dieKuhestörer energisch vorgegangen wird. 
luf seine Anordnung wird der Kommandeur der Schutztruppen 
ine neue Unternehmung gegen die Bapeas durchführen. Die 
Rauer der Unternehmung wird auf wenige Wochen berechnet. 
W. Berlin, 1. März. Die Konservativen beabsichtigen, 
m preußischen Abgeordnetenhause bei der nächsten 
assenden Gelegenheit die Regierung zu befragen, wie lie 
sch augenblicklich zu den Ostmarkenfragen ver— 
ält, und sie um Aufklärung über die Gründe zu ersuchen, aus 
enen sie bisher nicht in der Lage war, das Enteignungsgesetz 
nzuwenden. Diese Angelegenheit hat die konservative Fraktion 
„es Abgeordnetenhauses bereits bald nach dem Zusammentritt 
»es Hauses beschäftigt. 
W. Berlin, 1. März. Die Reichstagskommission zur Vor— 
eratung des Kurpfuschergesetzes entschied sich heute dahin, 
in allgemeines Verbot der Fernbehandlung 
icht duszusprechen sondern nur ihre Auswüchse zu bekämpfen. 
dann gab es eine lange Aussprache über die Behandlung 
nittels mystischer Verfahren, wie Gesundbeten usw., die zum 
Teil einen heiteren Verlauf nahm. 
— 
nen die Stadtverordneten die Magistratsvorlage wegen der 
zinführung einer kommunalen Biersteuer mit 
8 gegen 31 Stimmen an. Der Beschluß wurde von den 
Zozialdemokraten und dem Publikum auf den Tribünen mit 
därm und Mißfallensäußerungen besgleitet. 
W. Rotterdam, 1. März. Die bei der Zweiten Kammer 
ingebrachte Tabaksteuervorlage schlägt eine Umsatz- 
reuer von zehn Prozent vor. Die Steuer wird aus— 
hließlich vom Kleinhandel erhoben und trifft den Verkauf 
„on Rauchtabaken Zigarren, Zigaretten und Schnupftabak. Die 
-teuer fritt am 1. Januar 1912 in Kraft. Der Reinertrag 
er neuen Steuer wird auf 33 Mill. Mgeschätzt. Bisher war 
er Taba. in Holland ganz steuerfrei. 
W. Petersburg. 1. März. Reichsduma. In der Abend— 
itzung, die bei stark besuchtem Hause und überfüllten Tri— 
mnen eröffnet wurde. und einen äußerst erregten Ver— 
auf nahm. gelangten die Onterpellationen über die Vor— 
änge auf den Hochschulen zur Besprechung. Der Referent für 
ie erste von der Rechten eingebrachte Resolution machte die 
zrofessoren für den größten Teil der ungesetzlichen Handlungen 
n den Universitäten verantwortlich, da sie die sür das Reich 
eltenden Universitätsgesetze und Statuten verletzten. Er sprach 
ch für die Annahme der Interpellationen aus, da Enthül— 
ingen auf diesem Gebiete nur denen gefährlich werden könnten, 
ie die Jugend aufreizten, um sie für ihre eigenen Absichten zu 
rißbrauchen. Je eher der Jugend die Augen geöffnet würden, 
esto besser sei es für die Jugend wie für die Wohlfahrt und 
Vürde des großen russischen Reiches. 
W. Petersburg. 1. März. Petersburger Nachrichten aus 
Pladiwostok besagen, daß in Pekting ein Thronwechsel 
sevorstehen werde und damit die Europäer ge— 
ährdet seien. Irgend eine als zuverlässig anzusehende 
zestätigung dieser Gerüchte liegt bis zur Stunde 
licht vor. An unterrichteter Stelle mißt man ihnen keinen 
5lauben bei. Aus Peking ist in letzter Zeit nichts bekannt 
eworden. 
V. Aonstautiuopel, 1. März. In der Deputiertenkammet 
riff bei der Beratung des Budgets der Führer der Volks— 
artei den Finanzminister an wegen der Finanzgebarung; er 
esprach ferner die Beschlüsse des Zionistenkongresses, betr. 
ie Ansiedelung von Isräeliten in Palästina und WMlesopotamien. 
zr erklärte, die letzte Anleihe mit Frankreich sei nicht zustande 
ekommen, weil der Finanzminister mit zionistischen Banken 
rbeiten wollte. Der Großwesir bezeichnete die Behauptungen 
es Redners als ein Märchen und erklärte den Zionismus für 
in Phantasiegebilde. Ubei DTullah bezeichnete die Opposition 
ls böswillig, worauf sich bei den Oppositionellen ein großer 
z5turm erhob. Der Lärm und die Schimpfszenen dauerten 
ange an 
W. Saloniki, 1. März. Wie amtlich gemeldet wird, fanden 
in der griechischen Grenze in der Nähe von Domenikon seit 
sorgestern Reibereien zwischen griechischen und fürkischen Sol— 
saten statt. Mehrfach sind, trotz des Einschreitens der Offi— 
ere, Schüsse gefallen. Auf fürkischer Seite sind zwei Sol— 
aten gefallen, mehrere wurden verwundet. — Bei Diskata 
tieß eine türlische Patrouille auf eine achtköpfige griechische 
zande, wobei drei Griechen getötet wurden, während der Rest 
lüchtete. Türkischerseits wurden 7zwei Soldaten verwundet. Amt- 
siche Meldungen aus dem Wilajet Stutari besagen, daß sich die 
rage verschlechtert hat. Es werden militärische Vorsichtsmaß- 
egeln angeraien. — Drei bewaffnete Griechen, die die Grenze 
egen Narota zu überschritten, wurden durch die türkische Grenz⸗ 
vache erschossen. 
W. Paris, 2. März. In Vigneux bei Corbeil. dem Schau—⸗ 
latz blutiger Arbeiterausstände, legten 100 Steinbrucharbeiter 
iie Arbeit nieder und zwangen teilweise durch Drohungen 
ind Mißhandlungen 1000 Erdarbeiter, sich ihnen anzuschließen. 
zur Wiederherstellung der Ordnung ist ein starkes Gen— 
armerieaufgebot nach Vigneux entsandt. 
W. Sazebroud. 2. März. In BSouderham, wo der 
Nörder Juetz am Dienstag gesehen wurde, wurde in einem 
zraben die Brieftasche des ermordeten Mechanikers gefunden. 
ie einen auf den Namen Schutt lautenden Kontrakt über 
sie Anstellung als Mechaniker und Visitenkarten enthielt, 
ußerdem die Klinge des Rasiermessers, mit welchem die Tak 
usgeführt wurde, und ein Schlüsselbund mit dreißig Schlässeln. 
ie der Mörder weggeworfen hatte. Die gefundenen Gegen—⸗ 
ande wurden versiegelt
	        
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