Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Juternuationale Hygiencausstellung Dresden 1911. Aus Wilhelnmis— 
haven meldet uns der Draht: Die Marinegeneralärzte Dirksen und Ruge 
lind zu Vorstehern der Marineabteilung der internationalen Hygiene⸗ 
ausstellung Dresden ernanut worden. 
Einfuhr dänischen Magerviehs nach Schleswig⸗Holftein? Der 
Vorstand des Bundes der Viehhändler Deutschlands hat in Anbetracht 
der garoßen für 1911 noch bevorstehenden Viehknappheit dieser 
Tage einstimmig beschlossen, beim Bundesrat vorstellig zu werden, in 
Rücksicht darauf, daß über die Hälfte des in Schleswig Holstein vorhandenen 
Magerviehs infolge der hohen Viehpreise bereits zur Abschlachtung und 
zum Konsum gelangt ist, zu gestatten, daß als Ersatz dänisches Magervieh, 
elbstverständlich unter Berücksichtigung aller Vorsichtsmaßregeln, nach 
Schleswig⸗Holstein eingeführt werden darf. Zu diesem für die augen⸗ 
blickliche Lage bezeichnenden Antrag bemerkt die „Allgem. Fleischer⸗ 
Ztg.“: „Bleibt der gestellte Antrag ohne Erfolg, dann werden infolge 
Mangels an Magerviehdieg roßen Weidenplätze in den Warschen 
n diesem Jahre brachlie gen, und ein großer Teil Deutschlands wird 
dann vor einer Fleischteuerung stiehen, welche alles bisher Da⸗ 
gewesene übersteigen dürfte.“ 
Die Fernsprechgebührenordnung gescheitert. Wie man in Ber— 
liner parlamentarischen Kreisen annimmt, dürfte die Fernsprech⸗ 
gebührenordnung nminmehr doch als gescheitert zu betrachten sein. 
Der Haushaltausschuß wird, wie neuerdings verlautet, den ihm noch⸗ 
mals überwiesenen Entwurf vorläufig nicht beraten, da er der Meinung 
ist, daß er seine Schuldigkeit getan habe, für eine nochmalige Beratung 
des Entwurfes aber kein ausreichender Grund vorliege und eine noch⸗ 
malige Beratung nur dann zweckhmäßig wäre, wenn der Ausschuß die 
Abänderungswünsche des ganzen Reichstages kennen gelernt hätte. 
Uber den Etand des Vaues der afrikanischen Kolonialbahnen 
am Ende des Jahres 1910 werden im amtlichen „Kolonialblatte“ drei 
Berichte veröffentlicht. Darnach hat bei der Usambarabahn die 
Gleisspitze km 278 erreicht, die Strecke ist bis km 272 für betriebsfähig 
erklärt worden. Bei der Kameruner Nordbahn war der Ober⸗ 
bau bis km 150,5 verlegt. Bei der Hinterlandbahn in Togo 
ind die Erdarbeiten bis km 162,4 fertiggestellt. Die Strecke Nuatijä- 
Blei (km 137,8) ist Mitte Oktober dem öffentlichen Betriebe übergeben 
worden. 
Die Geschützfabrik Ehrhardt und der Belgrader Zwischenfall. 
Wie aus Berlin von unterrichteter Stelle mitgeteilt wird, ist die 
lußerung des serbischen Kriegsministers Goikowitsch, der deutsche Ge— 
sandte in Belgrad, Herr v. Reichenau wäre ein „Bruder“ des Generals 
o. Reichenau, der im Direktorium der Ehrhardtschen Geschützfabrik 
sitze, unzutreffend. Beide Herren sind tatsächlich nur entfernte Vettern, 
und General v. Reichenau befindet sich im Aufsichtsrat der Rheini⸗ 
schen Metallfabrik. Ebenso falsch ist die Unterstellung, daß der deutsche 
Besandte in übertriebener Weise für die genannte Fabrik eingetreten 
sei. Er hat sich, wie das seine Pflicht ist, lediglich für die deutsche 
Industrie verwendet im Gegensatz zu der französischen Firma Schneider 
u. Creusot, wobei er weder zu Gunsten Krupps, noch zu Gunsten 
Ehrhardts eingetreten ist. Er handelte also lediglich in der Wahr⸗ 
nehmung der Interessen der beteiligten deutschen Industrie. Im 
übrigen ist dem Gesandten selbstverständlich eine weitere Einwirkung 
oder gar Entscheidung in keiner Weise gegeben. Diese bleibt, wie es 
in der Natur liegt, lediglich der serbischen Regierung überlassen, die 
viederum eine entsprechende Kommission gebildet hat, die sich mit 
der Prüfnng des in Betracht kommenden Materials usw. zu be— 
iassen hat. 
Erfolge der Fürsorgeerziehnng in Hannover. Die Fürsorge— 
erziehung hatte in Preußen nach der vom Mimnisterium des Innern 
hergestellten Statistik das Ergebnis, daß bisher 60 bis 70 Pro⸗ 
zent aller mämnnlichen und weiblichen Fürsorgezöglinge sozial 
brauchbar geworden fsind. Die Provinz Hannover gehörte, 
was die Erfolge betraf, zu den drei günstigsten Provinzen. 
Desterreich⸗ Ungarn. 
Graf Aehreuthal bleibt. Der „Pester Lloyd“ bezeichnet das Ge⸗ 
rücht, der Urlaub Aehrenthals sei der Vorbote seiner Demission, als un⸗ 
sinnige Kombination. Graf Aehrenthal sei wohl krank und bedürfe der 
Erholung, aber er sei nicht so krank, daß er auf sein Amt verzichten müsse. 
Was Graf Berchtholt betreffe, der als sein Nachfolger genannt werde, 
so sei in politischen Kreisen bekannt, daß es große Mühe gekostet habe, 
ihn zum Verbleiben im Staatsdienst zu bewegen. Was die Berufung 
des Botschafters in Konstantinopel, des Grafen Pallavicini, 
zum Stellvertreter des Grafen Aehrenthal betreffe, so sei diese mit 
der Rangordnungbegründet. 
W. Oesterreichische Delegation. Budapest, 1. März. 
Fresio⸗Parvisic erklärte, Oesterreich Ungarn brauche keine 
Dreadnoughts. Der beste Schutz der Küste und der 
sandelsmarine seien die Einrichtung von Kriegshäfen, eine 
Torpedobootsflottille, Unterseeboote und Minenschiffe; er ent⸗ 
halte sich der Abstimmung. — Dobernig führte aus, die 
deutschen Parteien lämen nach reiflicher Ueberlegung zu 
der Erkenntnis, daß die Ablehnung der Militärforderungen 
mit der Stellung einer staatserhaltenden Partei und mit 
den Pflichten, die das Bundesverlältnis Oesterreich⸗ Ungarn 
nuferlege. Uunvereinbar sei. — Geßmann nahm den Handels— 
an der Seite einer ungeliebten Frau, deren Stolz, deren Härte 
auch mein Leben zerstörte. Du verkennst aber Undine, wenn 
du meinst, sie würde dich halten. Ein einziges Wort genügt, 
dich für immer freizumachen. Sprich es aus!“ 
Mit blassem Gesicht und gesenkten Augen stand der Graf 
eine Weile wortlos. dann die Augen langsam hebend, sagte er 
tonlos: 
„Es ist vielleicht schon geschehen. Wenn es Sie aber 
beruhigen kann, Gräsin, so will ich Ihnen heute sagen, dah 
ich Undine tief und innig liebe.“ 
Einen Augenblick herrschte Totenstille in dem Gemach. Es 
war, als höre man das laute Herzklopfen der beiden Menschen, 
die sich hier gegenüber standen. 
Dann aber schrie Fridrun laut und gellend auf, und hastig 
nach ihrem Schleier greifend, stürzte sie in wilder Flucht aus 
dem Zimmer. 
Graf Reimar schloß hinter ihr die Tür. 
DTann legte er wie in stummer Qual die Hände über die 
Augen und stöhnte auf: 
„Wie konnte ich mich nur hinreißen lassen, ihr das zu 
lagen. Sie gerade durfte das nie erfahren.“ 
Müde trat er zu seinem Schreibtisch, um allerlei Papiere 
zu ordnen, denn der heutige Tag sollte sein letzter auf dem 
alten Schlosse sein. Morgen verließ er für immer den Gor— 
lingshof und seine Frau, die für ihn nur ein Schatten war, die 
Nebelfrau, wie Ekke Thornsen fie genannt. 
Der Abend kam herauf, der letzte Abend. Dröhnend warfen 
die Meereswellen große Eisschollen an den Strand, und durch 
die Luft ging ein Brausen. 
Der Nebel stieg. Den ganzen Hof hüllte er in dichte 
Schleier, und vom Meere her jagte es herauf wie ein Ge—⸗ 
penst, verdusternd, unheilkümdend, unentrinnbar wie das 
Schichsal. * 
stẽorsekcrung folaft) 
ninister Weißkirchner gegen den Vorwurf in Schutz, er 
zätte in den Marinelieferungsangelegenheiten die Verteidi— 
zung der österreichischen Interessen vernachlässigt. Kramarcz 
rat für die Demokratisierung des Heeres ein, das ein 
Vollsheer werden müsse und bezeichnete das Verhältnis 
zwischen den Offizieren und Mannschaften der Marine als 
zorbildlich für das Heer. Er erklärte, die Tschechen könnten 
den Heeresforderungen nicht zustimmen, weil sie zu der 
Regierung nicht das Vertrauen hätten, daß sie eine groß⸗ 
zügige Finanzreform durchführe. Delugan sprach sich für 
zis Einschränkung der Rustungen aus. Bartoli bekämpfte 
nie Marinekredite als überflüssig sowohl wegen der ruhigen 
volttischen Lage als auch im Interesse freundschaftlicher 
Beziehungen zu Italien. 
Geroßbeitaunien. 
LO 
2. März. In seiner Erwiderung auf Anfragen bezüglich des öster⸗ 
reichisch⸗ ungarischen Flottenbau⸗Programms erklärte MeKenna, 
has Marinebudget für 1911/12 sei von den Delegationen noch nicht 
endgiltig angenommen worden. Jede für den Bau der vier 
Dreadnoughts Osterreich⸗ Ungarns vorgeschlagene Summe könne noch 
abgeändert werden. Die einzige offizielle Fnformation, 
velche die Regierung über den Bau besitze, sei daß ein Dread⸗ 
rought Mitte, ein zweiter Ende dieses Jahres vom 
Stapelgelafsen würde. 
SFrankreich. 
Das Programm des Kabinetits Monis. Als Ergebnis der Be— 
prechungen zwischen Monis und den Persönlichkeiten, die in das neue 
dabine tt eintreten sollen, läßt sich bezeichnen, daß die neue Regierung 
die Politik der Verweltlichung der Schule fort— 
etzeen wird, jedoch unter strenger Vermeidung jeder Art von Verfol 
ung. Sie wird unter Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherhei 
rür die soziale Verbrüderung zu wirken suchen, 
die Listen wahl mit dem Proportionalsystem vorschlagen, 
bei den Eisenbahngesellschaften für die Wiederanstellung der entlassenen 
Beamten sich verwenden, dagegen an dem Gesetzentwurf über die Unt e r⸗ 
drückung der Sabotage festhalten. Indes sollen die Bestim⸗ 
mungen des Entwurfs, die den Eisenbahnangestellten das Recht des Aus⸗ 
standes nehmen, gestrichen werden. Außerdem wird die Regierung die 
Sinführung der Einkommensteuer weiter betreiben. 
Spanien. 
Der Batikan und die Regieruug. Rom, 1. März. Der Osser⸗ 
atore Romano veröffentlicht eine Note, in der sich der Vatikan 
zereit erllärt, auf den Vorschlag der spanischen Regie— 
zung betreffend die Wiederaufnahme der Ver— 
andlungen über Verminderung ber Orden und 
neligiösen Kongregationen und Auslegung der Artikel 
9 und 30 des Konkordats unter folgenden Bedingungen einzugehen! 
l) Die neuen Verhandlungen sollen die Bestimmungen des Kon— 
ordats und die Grundsätze des kanonischen Rechts derart zum Aus⸗ 
gangspunkte nehmen, daß keine Anderung in der juristi— 
schen Stellung der Orden und Kongregationen ohne vov⸗ 
herige Berständigung mit dem heiligen Stuhl 
eingeführt wird. 2) Die Verhandlungen sollen auf den 
Teil des Bereinsgesetzes, welcher die religiösen Gemein⸗ 
chaften behandelt, aus gedehnt werden. 53) Die spanische 
KRegierung darf während der Dauer der Verhandlungen keine 
Verfügung erlassen, die den Verbandlungen vorgreifen könnte 
Hhor 40 Jahren. 
In einem EaAtrablatt der Lübedischen An— 
zeigen vpom Donnerstag, dem 2. März 1871 findet sich 
folgende offizielle Nachricht aus Bordegux: 
Bordeauz, 1. März. Die Nationalverlammlung 
Idʒ Jeiedenb Victhnsnaen mit 546 gegen 107 Stimmen 
ratifizier 
MR 
Toe⸗beicht. 
üibeck, 2. März. 
0 In der Generalversammlung des Deutschen Vereins für 
das nördlicht Schlesweg EOrtsgruppe Lübech) am Mittwoch im 
Hause der Gemeinnützigen Gesellschaft erstattete der Schrift⸗ 
wart, Herr Landwirtschaftslehrer Winckler, den Jahresbe⸗ 
ticht. Dem Bericht entnehmen wir, daß der Verein, der am 
19. November 1890 aus der Notwendigkeit heraus gegründe 
vurde, der dämischen Agitation und ihrem angriffsweisen Vor 
jehen eine allumfassende Organisation entgegenzusetzen, auf eine 
MOjährige erfolgreiche Entwicklung zurückblicken konnte. Der 
zdauptdank dafür schulde der unermüdlichen deutsch-kolonisa— 
orischen Betätigung des Vorstandes unter Leitung des jetzigen 
rdandgerichts direktors Dr. Hahn. Im letzten Jahre ist der 
Verein wiederum um etwa 1000 Mitglieder angewachsen, so 
daß er jetzt über 12000 Mitglieder zählt; hiervon entfallen 
iuf die Ortsgruppe Lübeck etwa 150 Mitglieder. Der Haupt— 
zerein ist emsig tätig gewesen, durch offizielle Vereinsver— 
instaltungen und durch die neu eingerichteten geselligen Deut⸗ 
chen Abende stets in würdiger Weise national stärkend und 
ozial ausgleichend weiterzuarbeiten. Auch die Ortsgruppe Lübechk 
jat fich in alter Weise an den allgemeinen Deutschen Abenden 
jeteiligt. Der Jahresbericht schließt mit der rückschauenden 
Betrachtung, daß man dank der endlich konsequent deutsch-koloni⸗ 
atorisch vorgehenden Regierung auch auf die Resultate des 
etzten Jahres mit ziemlicher Befriedigung zurückblichen könne, 
rotzdem müsse man sich noch immer auf die Defensive be— 
chränken. Im Kampf um die heimatliche Scholle seien unsere 
Landwirte hinsichtlich des Grund- und Personalkredits immer 
ioch ungleich ungünstiger daran, als die deutschfeindlichen Ele—⸗ 
nente. Die in Aussicht genommene Gründung einer gemein—⸗ 
nützigen Bauernbank wird hoffentliich den gewünschten Erfolg 
haben und hierin noch Wandel schaffen. — Der Kassenbericht der 
Drtsgruppe, erstattet von dem Kassenwart Herrn Rendant Lan⸗ 
renheim, ergab bei einer Einnahme von 364,29 Mund 
iner Ausgabe von 360,78 Mäam Jahresschluß einen Kassen⸗ 
zestand von 3,51 M. 
Der Deutsche Abend, diesmal einberufen vom Deut⸗ 
schen Verein für das nördliche Schleswig, schloß 
sich unmittelbar an die Generalversammlung der Ortsgruppe 
ieses Vereins an und wurde vom Vorsitzenden Herrn Amts— 
richter Seitz mit herzlichen Begrühungsworten an die zahl—⸗ 
reich erschienenen Zuhörer eröffnet. Herr Landwirtschaftslehrer 
Wincler hatte das Referat übernommen; er sprach über 
das Thema: „Landflucht, Landhunger in unserer 
NRordmark“. Er wies einleitend auf die zwingende Not—⸗ 
wvendigkeit der Germanisierung unserer national gefährdeten 
deutschen Grenzmarken hin. In den östlichen Provinzen des 
Reiches, besonders in der Ostmark Posen, habe das heraus— 
tordernde Auftreten des an Grund und Boden gewinnenden 
Panslawismus einen immer bedrohlicheren Charakter ange 
iommen. Als damn die dort mit erheblichen pekuniären Opfen, 
ingewandten feindlichen kolonisatorischen Bestrebungen ihrer 
zwed nicht erfüllten, habe die preußische Regierung auf Drän— 
jen das Enteignungsgesetz geschasfen. Schleswig-Holstein se 
m allgemeinen und besonders im nördlichen national gefähr⸗ 
»eten Gebiet ein Acerbau und Viehzucht treibendes Landgebiet 
und die Existenzs der wenigen mittleren und kleineren Städte 
ei durchaus abhängig von einer lapitalkräftigen, ländlichen Be— 
bölkerung. Mit größter Sorge müsse man daher gerade in 
diesen Grenzbezirken die stetig wachjende Verschuldung des länd- 
lichen Grundbesitzes verfolgen. Redner verbreitete sich dann aus— 
führlich über die Ursachen der unverhältnismähig hohen und 
drückenden Verschuldung in der deutschen Grenzmark und das 
Zurückdrängen des Deutschtums und führte hierbei u. a. an 
das Steigen des Bodenwertes und die schädlichen Wirkungen 
eines oft unzwedmäßigen Erbrechts. Bei Besprechung der letzte 
ren Ursache zitierte der Vortragende mehrere Stellen aus dem 
bedeutsamen Wetke des Professors Dr. Sering „Erbrecht und 
Agrarverfassung in Schleswig-Holstein“. In eingehender Weise 
»esprach Herr Windler fsodann die wirksamsten Mittel gegen 
die vielerlei die Kolonisierung hemmenden Einflüsse, besonders 
die Verschuldung des Landbesitzes. Hierbei haben sich insbe⸗ 
sondere schon praktisch bewährt die Rentengutsbildung (Ar—⸗ 
beiterrentengüter), die schleswig⸗holsteinische gemeinnützige Sied 
lungsgenossenschaft e. G. m. b. H. zu Kiel, und die gemein— 
nutzige Kleinsiedlungsgenossenschaft Fadersleben e. G. m. b. H 
Ddie Rechte und Pflichten aller dieser segensreich wirkenden In— 
iitute führte der Redner an Beispielen usw. anschaulich vor 
Augen. Zum Schluß erwähnte er auch noch die geplante Grün— 
dung der gemeinnützigen Bauernbank und appellierte auch an 
das Interesse und den Opfermut des Publikums. Der Vortrag, 
der den lebhaftesten Beifall der Zuhörer fand, löste eine ange— 
regte Aussprache aus. Es wurden noch verschiedene Anfragen 
über einzelne Punkte aus dem Vortrage an den Referenten ge— 
slellt, die dieser auch meist in zufriedenstellender Weise beant— 
worten konnte. 
o. Die Zahnpflege in den Schulen. Im Anschluß an 
einen vor wenig Tagen gebrachten Artikel mit der obigen Ueber— 
ichrift bringen wir eine Zuschrift des hiesigen zahnärztlichen 
Vereins zum Abdruck, in welcher es folgendermahen heißt: Der 
zahnärztliche Verein in Lübeck hat bereits vor etwa 6 Jahren 
dem damaligen Herrn Vorsitzenden der Oberschulbehörde eine 
kingabe betr. die Zahnpflege in den Volksschulen unterbreitet 
und sich zwecks Ermöglichung dieser sür die Volksgesundheit 
so wichtigen Maßnahme der Behörde unentgeltlich zur Ver— 
ügung gestellt. 
Die neuen Hundertmarsscheine. Zu den vielen Beschwerden 
die über die künstlerische Ausgestaltung der neuen Hundertmark 
cheine erhoben wurden. sind jeßt noch neue Mängel hinzuge— 
lommen. Aus Bankkreisen werden die neuen Hundertmarl— 
cheine insolae ihrer unnötigen Länge als sehr wenia handlich 
hezeichnet. Besonders wird darüber Klage geführt, daß die 
neuen Scheine entweder infolge ihrer Farbe oder durch einen 
anderen Stoff zusammenkleben, sodaß in Kassenbetrieben ein 
schnelles Arbeiten mit den Scheinen sehr erschwert wird. 
Sturmwaruung. Die Deutsche Seewarte in Ham— 
burga meldete Donnerstag vormitiag: Minimum 745 Süd⸗ 
norwegen. Gefahr stürmischer, zunächst südwestlicher Winde. 
Signal Südweltsturm. 
— ZAAIZ— 
b. Stadttheater. Aus der Theaterkanzlei schreibt man 
uns: Dienstag findet die Uraufführung des neuen Schau— 
spiels von unserem heimischen Dichter Johannes Tralow: 
„Modelle“ statt. 
b. Gothaer Lebensversicherungsbank. Nach vorläufiger Fest— 
stellung betrug 1910, im 82. Geschäftsjahre der Bank, der Zu⸗ 
ganng an neuen Versicherungssummen 73354 Mill. M; er über— 
stieg den des vorletzten Jahres um 724 Mill. M, und war über⸗ 
haupt der höchste Neuzugang, den die Gothaer Bank in einem 
Jahre erreicht hat. Seur günstig ist auch der Sterblichkeits 
verlauf im Vorjahre gewesen, da durch Ableben von Bankbk— 
mitgliedern gegen 3 Mill. Mweniger als 10909 fällig geworden 
sind: hiernach darf eine entsprechende Steigerung des Jahres- 
Aberschusses erwartet werden. Nach Abzug aller Abaänge er⸗ 
höhte sich der Gesamtbestand an eigentlichen Lebensversiche⸗ 
rungen auf rund 1050 Mils. M 
Hanfestdte. —— 
BHamburg, 2. März. Ein langgesuchter Geld«- 
spindtnacdcer, der Nietenwärmer P. ist jetzt verhaftet worden. 
Die Festnahme des Geldschrankeinbrechers geschah gestern morgen, 
als P. noch schlief. Schon seit Wochen hatte die Kriminalpolizei 
eine Spur der Täter gefunden, die alle in der letzten Zeit (etwa 
seit JZahresfrist) Kusgeführten Geldschrankeinbrüche in der⸗ 
selben Weise begangen haben. Die Polizei konnte aber noch 
nicht zur Festnahme des Nietenwärmers P. schreiten, da die 
Verdachtsmomente anfangs nicht genügend waren. Erst nach⸗ 
dem sich die Kette der Beweise geschlossen hatte, wurde der ge⸗ 
meingefährliche Mensch verhaftet. Nach der bisherigen, noch 
nicht beendeten Untersuchung hat der Verhaftete sich in etwa 
ünfzig Fällen des Geldschrankeinbruchs schuldig gemacht. Er 
war nicht nur in sämtlichen Stadtteilen Hamburgs, sondern auch 
in Altona tätig. Die von ihm bei seinen Geldschrankeinbrüchen 
erbeutete Summe wird sich wohl auf mehrere HKundert- 
tausend Mark belaufen. 
Bremen, 2. März. Industrietage werden von jetzt 
ab jeden Freitag um 1 Uhr mittags an der Börse eingerichtet, 
die den Industriellen und Fabrikanten Bremens und seiner en⸗ 
geren und weiteren Umgegend und den Kaufleuten, die mit 
den Fabriken im Verkehr stehen, Gelegenheit zu mündlicher Aus⸗ 
prache geben und die Anknüpfung neuer Geschäftsbeziehungen 
erleichtern, andererseits den Fabrikanten selbst die Möglichkeit 
tine⸗ Meinunasaus tausches über gemeinsame Interessen bieten 
ollen 
Schles wig⸗Hohstein. 
Altona, 2. März. Der städtischeHaushaltungs⸗« 
Nlan schließt in Einnahme und Ausgabe mit 21242 967,00 M 
zegen 19 868 235,80 Meim Vorjahre ab. Davon entfallen au 
»as Ordinarium 18 886 000 M (17 610 000 M), das Extraordi⸗ 
sarium 1185 750 M (1130 783,90 My, den Stadterweiterungs 
fonds 1135 020,00 M (1093617, 40 My, Leihhaus 11095 M 
(11682 M), Spar⸗ und Leihkasse 25 102 M(22 152 M). 
Kiel, 2. März. Die Stadt-Kollegien beschlossen 
die Erhöhung der Zuschläge für die Einkommen- und Gewerbe— 
teuer auf 250 0. Die Vorlage über Einführung einer komnm⸗ 
nalen Biersteuer wurde, weil aussichtslos, zurückgezogen. 
In zweiter Lesung wurde der sozialdemokratische Antrag ark
	        
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