Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen bekämpfte Ellen—⸗ 
Ggen die Marineforderungen und erklärte, daß zur Verteidi- 
neng der österreichischen Küste und des österreichischen Han- 
els keine Dreadnoughts notwendig seien. Redner beantragte, 
demt Marinekommandanten das schärfsle Mißtrauen wegen der 
inseitig mit Ungarn über die Marinelieferungen getroffenen 
VBereinbarungen auszusprechen. Freiherr v. Gautsch wies ziffern⸗ 
näßteg nach, daß die Finanzlage des Staates zwar zu einer 
zesonderen Zufriedenheit keinen Anlaß biete, aber eine gute 
Entwickelung verspreche, und erklärte, es sei Pflicht der Regierung 
und auch des Parlaments, tätiger als bisher zur Hebung der 
Volkswirtschaft beizutragen und durch die Herstellung des Frie— 
dens in Böhmen eine wichtige Vorbedingung für die materielle 
Wohlfahrt der Monarchie zu schaffen. 
Frankreich. 
W. Das neue französsche Min'sterium. Paris; 1. März. 
den Blättern zufolge wies der mit der Bildung des Kabinetts 
etraute Monis, als er Delcasse das Marineministerium anbot, 
arauf hin, daß Delcassé seit vier Jahren für die Marine 
iberaus erfolgreich gearbeitet und sehr nützliche und einschnei⸗ 
vende Refoxmen erzielt habe. Erst kürzlich habe er von der 
Kammertribüne herab Worte gesprochen, die überall großen Ein— 
»ruck hervorgerufen hätten. Er wolle sich aber vorher mit 
Im auch über die äußere Politik des neuen Kabinetts ins Ein— 
dernehmen setzen und ihn deshalb wegen der Persönlichkeit, der 
»as Ministerium des Aeußzern öbertragen werden solle, zu Rate 
iehen. Delcassé erklärte sich mit dem Anerbieten Monis einver⸗ 
tanden, daß das Porteseuille des Aeußern zunächst dem 
Zenator Ribot angeboten werden soll. Berteaux sjagte zu einem 
Berichterstatter, daß das neue Kabinett so ziemlich fertig sei 
ind sich zweifellos om Montag der Kammer vorstellen werde. 
W. Paris, J1. März. In der Fumanits bezeichnet Jaurès 
die Art des Rücktritts des bisherigen Generalgouverneurs von 
Algerien, Jonnart, vels sfandalös. Jonnart habe nicht das 
Recht gehabt, in solcher Weise gegen das Kammervotum zu 
emonstrieren. 
W. Paris, 2. März. Senator Monis bot Ribot das 
Portefeuille des Auswärtigen an. Nachdem Ribot abgelehnt 
jat, begab sich Monis zu Poincars, der prinzipiell seine Beihilfe 
m Aussicht stellte. 
Rußland. 
V. Aufwendungen für die Luftschtffahhrt in der Reichs⸗ 
uma. Petersburg, 1. März. Die Reichsduma nahm ohne 
Lebatte den Bericht der Landesverteidigungskommission be— 
reffend die Bewilligung von 29370 Rubeln für 1912 und 1913 
ur Verstärkung der Luftschifferobteilung, der Obergeniever⸗ 
valtung sowie für das Komitee zur Bearbeitung von Luftschiff⸗ 
ahrtsfragen an und genehmigte den Bericht der Kommission 
iber den dem Kriegsministerium zur Veranstaltung von Aero— 
zlanwettflügen für 1911 zu gewährenden Kredit von 25 000 
kubeln. 
Balkanstaaten. 
W. Offizielle Erllärung über den griechnschetür dischen Grenz⸗ 
wischenfall. Berlimn; 1. März. Der hiesigen türki— 
chen Botschaft ist über den Grenzzwischenfall bei 
Domenikon folgende Depesche zugegangen: 
Konstantinopel, 28. Febr. 
Bei Cunitza an der türkisch-zriechischen Grenze wurden zwei 
ürkische Soldaten auf ftürkischem Gebiete von zehn griechischen 
Soldaten hinterrücks überfallen und lebend nach dem griechischen 
Wachthosten geschleppt, wo sie auf die roheste Weise erschlagen 
vurden. Der griechische Präfekt sowie der Militärkomman— 
zant verweigerten dem türkischen Konsul gegenüber die Aus— 
ieferung der Leichen der beiden Erschlagenen, und zwar mutmaß⸗ 
ich aus dem Grund, weil dieselben auf eine infame Weise ver⸗ 
tümmelt worden sind. Der Präfekt gibt offiziell zu, daß der 
dod beider Opfer auf griechischem Gebiete stattfand. Die türki⸗ 
che Regierung hat sofort die zur Einleitung einer eingehenden 
IAntersuchung notwendigen Schritte, damit die Verantwortungas— 
rage festgestellt werde. 
W'. Rücktritt des serbifchen Kriegsmnifters. Belgrad, 
l. März. Der Rücktritt des Kriegsministers erregt all⸗ 
jemeines Aufsehen. In seinem Entlassungsgesuch erklärt er u. a. 
r könne dem deutschen Gesandten keine Genugtuung geben, 
veil dieser sich in der Tat für die Militärlieferungen interessiert 
zabe. Weiter behauptet er, der deutsche Gesandte sei Serbien 
egenüber. das ein selbständiger Staaft sei. zu weit gegangen. 
seuelte Nachrichten und Telegramme. 
Die Denkschrift des Reichskolonialamtes. 
iV* Berliun, 1. März. Die auf Ersuchen des Reichstages 
rusgearbeitete Denkschrift des Reichskolonialamtes: „Unter 
relchen Voraussetzungen und in welchem Umfange das Schutz⸗ 
jebiet durch direkte Besteuerung zur Dedung der Kosten heran⸗ 
uziehen ift, die aus den Kriegsmaßnahmen in diesem Schutz- 
Jebiet erwachsen“ ist dem Reichssstage soeben zugegangen. Die 
Denkschrift bringt eine genaue Untersuchung der kolonialen Fi— 
ianzsysteme der fremden Staaten und von desen Verhalten in 
inalogen Fällen. Sie beginnt mit dem spanischen und portu— 
siesischen System, kommt dann auf das holländische, das bel— 
zische, das nordamerikanische und das italienische System zu 
prechen, um mit einer Untersuchung des französischen und des 
mglischen Systems zu enden. Es ergibt sich aus dieser Unter⸗ 
uchung, daß die Belastungen der Kolonien mit den Kosten aus 
den Kolonialkriegen, obwohl einzelne Länder sehr schwer unter 
)en Kriegen zu leiden hatten, von Nordamerika, Frankreich und 
dtalien nie, von England nur ganz ausnahmsweise den Kolo— 
rien auferlegt wurden. Derartige Auflagen wurden nie als 
Steuern erhoben, somdern als Anleihen von der betreffenden 
tolonie Ubernommen. Dieses Vorgehen bewährte sich nur dann, 
vwenn es ohne starke Belastung der Kolonie erfolgen konnte. 
stach der Denkschrift ergibt sich hieraus für unsern Kolonialbesitz, 
daß dieser zur Deckung der Kriegskosten jedenfalls nur heran— 
zezogen werden kann, wenn hierdurch die finanzielle Bilanz nicht 
jeeinträchtigt und die wirtschaftliche Entwickelung nicht gehemmt 
rird. Zurzeit seien aber in keinem deutschen Schutzgebiete die 
Berhältnisse derartig, daß ihnen eine Kriegskostenanleihe oder 
Kriegssteuern zugennttet werden lönnten. 
W. Berlin, 1. März. Morgen nachmittag 3 Uhr soll die 
irsprünglich für den 9. Februar in Aussicht genommene feier⸗ 
iche Einfütrung des Prinzen Joachim in das Gardegrenadier⸗ 
egiment im Beisein des Kaiserpaares, der Prinzessin Viktoria 
Luise und der kaiserlichen Prinzen geschehen. 
wWe Berlin, 1. Märs. Die Nordd. Allg. Zig. schreibt: 
der serbische Kriegsminister gab seine Entlassung 
inwittelbar nachdem der deulsche Gesandte wegen einer vom 
Minister gegen ihn ausgesprochenen Insinuation einen dar— 
ruf gerichteten Antraag gestellt hatte. Die Entlassung des 
Triegsmenisters wurde dem deutschen Vertreter vom Winüter 
»es Aeußern Milowanowitsch amtlich mitgeteilt. Außerdem 
ieß der Minister des Auswärtigen der kaiserlichen Regierung 
ein Bedauern über das Verhalten des Kriegsministers aus— 
prechen. — Wenn serbische Blätter noch andere Gründe für 
en Rücktritt anführen, ändert dies, gleichgültig ob ihre Be— 
auptungen richtig oder nachträglich ad hoc aufgestellt sind, an 
em Vorstehenden nichts. Ebenso sind nachträgliche Aeußerun— 
jen des Scheidenden selbst für die kaiserliche Regierung und ihre 
zJertretung in Belgrad belanglos. 
We. Berlin, 1. März. In der Budgetkommission 
es Abgeordnetenhauses teilte der Minister mit, daß 
uf der Brüsseler Weltausstellung die deutsche und die 
reußische Schulausstellung die Anerkennung der ganzen Welt 
efunden haben. Die preußische Schulausstellung wird im Aus— 
ellungspark am 7. März dem Publikum zugängig gemacht. 
ie Kommission nahm einen Zentrumsantrag auf Vermehrung 
er Hilfsschulen für schwachveranlagte Kinder der Volksschulen 
n, den betreffend die Wahrung des konfessionellen Charak- 
ers der Vollksschulen gegen die Stimmen der Freikonserva— 
ven, Nationalliberalen und Freisinnigen, serner mit dem— 
lben Stimmverhältnis einen Antrag des Zentrums und der 
eutschlonservativen, bei vermehrter Einführung von Rektoren 
n den Volksschulen den Einfluß der Kirche auf die Schule 
iche rzustellen. 
W. Berlin, 1. März. Unter der Ueberschrift „Eine 
Lngelegenheit des Herrn von Jagovw“ brachte die 
zrankfurter Zeitung eine Notiz aus Berlin, in der es heißt, 
ah zwischen Herrn von Jagow und dem Herausgeber des 
Pan“, Paul Cassirer, eine Affäre schwebe, die, wis nun 
ekannt sei, Anlaß zu lebhaften Diskussionen geben werde. 
zerr von Jagow hat an die Gattin Cassirers, die Schauspieler in 
illa Durieux, einen Brief gerichtet, der von ihrem Gatten 
ls der Versuch einer außergesellschaftlichen Annäherung aufge— 
ißt wurde. Nach der B. 3. a. M. liegt der Angelegenhesit 
»lIgender Sachverhalt zugrunde: Jagow hatte einer General—⸗ 
robe beigewohnt und bei dieser Gelegenheit die Schauspielerin 
ennen gelernt. Am andern Tage erkhielt die Dame einen 
zrief von Herrn von Jagow, in welchem er unter Hinweis 
arauf, daß er die Theaterzensur ausübe, erklärte, daß er 
as Bedürfnis habe, Schauspieler kennen zu ler— 
len. Er frage an, ob er sie am Nachmittage des nächsten 
kages besuchen dürse. Sie möge die Adresfe mit dem Ver—⸗ 
nerk „Eigenhändig abzugeben“ versehen. Die Dame fühlte 
ich verletzt, doch wurde die persönliche Seite der Angelegen⸗ 
jeit nach der Frankfurter Zeitung inzwischen beigelegt. Da—⸗ 
segen veröffentlicht Polizeipräsident on Jagow im Ber— 
iner Lokalanzeiger eine Erklärung, in der es heißt: „Was 
»er „Pan“ gegen mich persönlich schreibt, ist mir gleichgültig, 
vill sich Herr Cassirer beschweren, so möge er den Instanzen- 
veg beschreiten.“ 
W. Münfter (Westfalen), 1. März. Bischof Dingelstad 
ist seit einigen Tagen ernstlich erkrankt. 
W. Rom, 1. März. Das Blatt Italie beschäftigt sich 
nit einem in Vorbereitung begriffenen originellen Plane, 
m Jahre 1917 einen modernen Kinderkreuzzug nach 
dom ins Werk zu setzen. daß keißt, es soll von klerikaler 
Seite eine große Pilgerfahrt 7⸗ bis 10jähriger Kinder arran⸗ 
iert werden, die den Papst Pius über die Kränkungen 
der Italiener trösten und ihm für die Gnade der neu ein— 
eführten Kinderkommunion danten sollen. Die Italie regt 
run ironisch die Idee an, auch einen Kreuzzug von Babys“ 
u organisieren, um dem Papst für die Gnade der Taufe zu 
anken. 
WV. Düntirchen, J. März. Der angebliche Schriftsteller 
zuetz, der an Bord des Dampfers „Cordoba“ einen deutschen 
Nechaniker ermordete und dann flüchtete, wurde in Hirson 
Dep. Aisne) verhaftet. 
We. Valenciennes, J. März. Der Mörder des deut— 
chen Mechanikers Schutt, Otto Juetz;, dessen Verhaftung 
urch den Bahnhofskommissar in Valenciennes erfolgte, legte 
in Geständnis ab. Wie der Mörder angab, tötete er 
en Mechaniker Schutt, um sich den homosexuellen Annäherun— 
en desselben zu eintziehen. Juetz raubte sein Opfser aus 
ind begab sich nach Valenciennes, wo er auf dem Bahn— 
of verhaftet wurde. 
We. London, 1. März. Nach einer Lloydsmeldung aus 
zahia ist der Dampfer „Hohenstaufen“ auf Barra Falsa auf—⸗ 
elaufen. Er warf 1000 Säcke Kaffee über Bord. Der 
dampfer wird löschen müssen, um über die Sandbank hinweg⸗ 
ukommen. Leichter können nicht längs des Schisffes gelangen. 
W. Konstantinopel, 1. März. Das Riesenseuer in Kus— 
„undschuck ist in einer Militärbäckerei zum Ausbruch gelkommen, 
eren Ofen wegen Feuergefährlichkeit beseitigt werden sollte. 
Vassermangel und der Umstand, daß mehrere Brandherde 
sorhanden waren, erschwerten die Belämpfung des Feuers. 
ẽs sind 120 Häuser, 8 Läden und mehrere Pferdeställe ver— 
hrannt. Eine Anzahl Pferde ist in den Flammen umgekommen. 
25 Fischerboote in Gefahr. 
W. Koöpenhagen, 1. März. B.ei llarem, ruhigem Wetter 
zing gestern die Fischerslotte von Skagen aufs Meer hin— 
us. Gegen Mittag erhob sich ein schwerer Schneesturm. 
00 Boote konnten den Hafen erreichen, 250 Boote mit 90 Mann 
zesatzung wurden aufs Meer hinausgetrieben. Gegen 9 Uhr 
bends kam die Nachricht, daß sie auf der westlichen Seite 
er Landzunge von Skagen gesichtet worden seien. Da aber 
on neuem ein Sturm losbrach, so wurden die Boote zum 
weiten Male aufs Meer hinausgetrieben. Die Fischer schwe— 
zen in böchster Lebensgefahr. 
Deutscher Reichstag 
W. Verlin,. 1. März. 
Die zweite Lesung des Militäretats wird fortgesetzt 
eim Kapitel Bekleidung und Ausrüstung der Truppen. Heirzu 
iegen Resolutionen des Zentruns auf Berückichtigung der 
zandwerkerorganisationen bei Heereslieferungen und Berück— 
ichtigung der Heimarbeiter bei diesen Lieferungen vor. 
Abg. Pauly Cochem (ZItr.) bittet um staatlichen Schutz 
zer Lohgerber, im Interesse der Armeeverwaltung, die heute 
aum noch gegerbtes Leder auftreiben könne. 
Abg. Albrecht (Soz.): Wir wenden uns gegen die Miß— 
ände in der Organisation der Bekleidungsämter und gegen 
ie Nebenbeschäftigung der Militärhandwerker und fordern 
is Abschaffung der Oekonomiehandwerker und Einstellung von 
ziviltandwerkern. Zu verurteilen ist die Anfertigung der 
Sekleidungsstücke in den Strafanstalten. Die Resolutionen 
es Zentrums sind Überflüssig, wenn unsere Resolution zu 
em späteren Titel, dan bei der Vergebung von Arbeiten die 
Arbeitsbedingungen, Tarifverträge usw. innegehalten werden 
ingenommen wird. Verboten werden sollte die Nebenbeschäfti— 
mnung der Arbeiter an den Bekleidungsämtern. Die Arbeiter— 
russchüsse sind in ihren Rechten zu sehr beschränkt. 
Abg. Vogel (natlib.): Anzuerlennen ist entgegen der An— 
icht des Vorredners, daß die Leitung der Bekleidungsämter 
ehr wohl fachmännisch ist. Die Qualität der jetzigen Leder— 
ieferungen läßt sehr zu wünschen übrig. 
Abg. Voigt⸗Hall (w. Vag.): Die Besitzer unserer Eichenschäl— 
waldungen müssen geschützt werden. 
Abg. Wehl (natlib.): Das Zusammenarbeiten der Leder—⸗ 
jereinigung mit der Militärverwaltung hat sich bewährt. Trot— 
em könnte ich empfehlen, die Kommissionäre, die die“ Ge— 
chãfte vermitteln, auszuschalten durch eine geeignete Persön— 
ichkeit in den Bekleidungsämtern, die direkt mit den Get. 
ereien in Verbindung tritt. Dadurch würden Hunderttau— 
ende gespart. 
Generalmajor Staabs: Wir stehen auf dem Standpunkt, 
daß wir nur das widerstandsfähigste Leder gebrauchen können. 
Nach unseren Ersahrungen haben wir keine Ursache, das mit 
Lohe gegerbte Leder abzuschaffen. Die Zahl der Arbeits. 
räfte in den Bekleidungsämtern ist keinesfalls zu hoch, ebenso 
teht es mit der Beamtenzahl. Die Inanspruchnahme der 
Ztrafanstalten ist geboten, namentlich auch in Rüchssicht auf den 
driegsfall. Der Forderung, das Handwerk zu berüchsichtigen, 
verden wir insofern entsprechen, als wir die seit Jakren 
sür uns tätigen Handwerker auch künftig vorzugsweise be— 
ücksichtigen. Den freien Arbeitern Nebenbeschäftigung zu un— 
ersagen, steht uns nicht zu. 
Württembergischer Bundesratsbevollmächtigter General 
dorrer: Die Arbeiter sind bei uns durchaus mit den be— 
tehenden Zuständen zufrieden. 
Abg. v. Putlitz (kons.)!: Nach unseren Erfahrungen haben 
die Bekleidungsämter sich glänzend bewährt. — Das kleine 
zandwerk sollte möglichst berücksichtigt werden. 
Abg. Sommer (Vpt.): Wir begrüßen die Organisation 
der Bekleidungsämter mit Genugtuung, wenn auch die Leiter 
nehr kaufmännisch ausgebildet werden müßten. 
Abg. Duffner (Itr.): Die Bezirkskommandos sollten den 
Reserve⸗- und Landwehrofsfizieren, die im Pr'vatberuf Fachleute 
sind, nahelegen, ihre Uebungen kei den Bekleidungsämtern 
zu machen. Das Sqhmiergelderunwesen ist dank dem guten 
Heist, der auch in diesem Teile unseres Heeres herrscht, ganz 
erschwunden. 
Abg. Böhle (Soz.): Die M'litärverwaltung begünstigt 
zie Heimarbeit und damit die Lohndrückerei. 
Kriegsminister v. Heringen: Tie VBelleidungsämter müssen 
durch Offiziere verwaltet werden. Le'stungsfähige Kaufleute 
zekommen wir sür ihr Gehalt nicht. Aber diese Offiziere 
müssen Aussicht auf ein Avancement haben; sie inüssen hier 
eiine Lebensliellung finden. Arbeiter, die sich sozialdemokra— 
tisch betätigen, können wir in unseren Werkstätten nicht dulden. 
Abg. Wirdeberg (Z3tr.) begründet die Resolution, bei den 
Armeelieferungen Heimarbeiter zu beschäftigen. 
Las Kapilel wird bewilligt. Die dazu vorriegenden, Zen⸗ 
trumsresolutionen werden angenorumen. 
Beim Kapitel Garnisonverwaltung, Serviswesen brachten 
zie Abg. Kölle (w. V.) und Werner (Ref.) lokale Wünsche vor. 
detzterer trat ebenso wie Abg. Wil⸗-Straßburg (Itr.) außerdem 
ür Besserstellung der Maschinisten ein. 
Abg. Irl (Z3tr.): Garnisonbauten und dergleichen werden 
ohme Zuziehung Sachverständiger vergeben. Tas führt zu 
chweren Unzuträglichkeiten. 
Abg. Weber (nl.): Die Kantinen auf den Schießplätzen 
verden nicht immer in der richtigen Weise vergeben. Es 
ollte dort keine Monopolstellung für die Beteiligten ge— 
eschauffen werden. 
Abg. Will⸗Straßburg fragt an, ob nicht die Schießübun— 
jen und Manöver im Winter vorgenommen werden könnten. 
Die den Schießplätzen benachbatden Bauern würden erheblich 
n der Sommerarbeit geschädigt. 
Generalmajor Staabs: Durch Anlegung neuer Schießplätze 
vird den bisherigen Mängeln abgeholfen werden. 
Das Kapitel wird bewilligt, ebenso mehrere weitere 
Kapitel ohne Debatte. Beim Kapitel „Pferdebeschaffung“ 
lagt. 
Abg. Böhle (Soz.) über die unzulässige Konkurrenz der 
Krümperfuhrwerke für die Privatfuhrwerke. 
Generalmajor Waudel: Wir stehen auf dem Standpunkte, 
zaß die Krümperfuhrwerke nur streng nach Vorschrift benutzt 
verden dürfen. Verstöße sind zu ahnden. 
Abg. Becker-Köln (Z3tr.): Der Remontebedarf sollte mög— 
ichst mit inländischen Pferden gededt werden. 
Abg. Weber: Dem Mißbrauch der Krümperfuhrwerke isi 
nit Entschiedenheit entgegenzutreten. 
Weiterberatung Donnerstag 1 Uhr: Fortserung. 
heer und Flotte. 
W. Berlin, 1. März. Der Ablösungsdampfer „Neckar“ 
nit dem Transport aus dem Kiautschougebiet und den von 
»em Flußkanonenboot „Tsingtau“ abgelösten Offizieren und 
Mannschaften auf der Heimreise ist am 1. März in Singapore 
ingetroffen und setzt am 2. März die Reise nach Colombo 
Leylon) fort. „Bremen“ ist am 28. Febr. von Punta 
lrenas (Miagelhanstraße) nach Bahia Blanka (Argentinien) 
egangen. „Jaguar“ ist am 28. Febr. in Schanghai ein— 
etroffen und geht am 3. März von dort in See. Fluß— 
anonenboot „Tsingtau“ ist am 28. Febr. in Canton, „Scharn⸗ 
orst“ mit dem stellvertretenden Chef des Kreuzergeschwaders 
im 1. März in Tsingtau eingetroffen. „Tiger“ ist am 1. März 
n Batavia eingetrosffen und geht am 5. März von dort in 
Zee. „Panther“ geht am 4. März von Lüderitzbucht nach 
dapstadt. „Brandenburg“ und „Möwe“ sind am 28. Febr 
n Wilhelmshaven eingetroffen. Poststation für das Kommands 
er Hochseeflotte auf „Hela“ für den 3. bis 6. März Wil—⸗ 
elmshaven, vom 7. bis 8. März vormittags Bremerhaven, 
sann Kiel, für „Hansa“ bis zum 13. März Eckernförde, 
ann Kiel. 
Vermischtes. 
Mordversfuch aus vershmähier Lieke. In Leipzig feuerte 
Rontag abend in der zehnten Stunde die Schneiderin 
luguste Scharf vor dem Hause Brendelstraße 4 auf ihren 
Zräutigam, den Kaufmann Habendank, der dort in 
er ersten Etage wohnt, aus einer Browningpistole einen 
zchuß ab und verletzte ihn schwer am Unterleib. Er wurde 
ofort ins Krankenhaus gebracht, wo er in der dritten 
Morgenstunde starb. Die Täterin wurde in Haft ge— 
rommen. Die Tat ist aus Rache geschehen, weil die Eltern 
des Bräutigams die Vereinigung der beiden jungen Leute 
nicht wünschten.
	        
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