Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

treicht von den geforderten Beamten 8 Posträte und 2 Ober⸗ 
ʒostinspeltoren. 
W. Sydows Hansabund⸗Rebe. Die Behauptung, daß Han⸗ 
elsminister Sydow sein Amt verlassen werde, um einen Ober⸗ 
rästdentenposten zu übernehmen, wurdéẽ auch gestern noch auf— 
echt erhalten und geglaubt. Wie es indessen hieß, geht Sydow 
nicht nach Münster, Jondern nach Stettin. Die Nachricht, daß 
»er Posener Oberpräsident v. Waldon den Stettiner Posten 
ibern immt, wäre haernach nicht richtig. Oberpräsident von 
Westfalen soll der Schwiegersohn des verstorbenen Frhrn. von 
er Recke, der Landeshauptmann Dr. Hammerschmidt, werden. 
Zon amtlicher Seite wurde es noch gestern mittag bestritten, 
atß Herr von Sydow sich mit Rücktrittsgedanken trage. 
W. Reichstagswahlkreis Ansbach⸗Schwabach. Im Reichs— 
agswahlkreise Ansbache Schwabach haben die Konservativen den 
Abgeordneten Hufnagel wieder aufgestellt. Der Kampf wird 
ich besonders heiß gestalten, da sich die Kräfte der in Frage 
ommenden Parteien ziemlich gleich verteilen. Für die Libe— 
alen kandidiert wieder der Landtagsabgeordnete Prof. Quidde, 
er bei der letzten Wahl nur deswegen nucht gewählt wurde, 
beil die Sozialdemokraten durch Wahlenthaltung die Wahl 
zufnagels begünstigten. 
Frankreich. 
WM. Rücktritt des Generalgonverneurs von Algerien. 
Paris, 28. Febr. Der Generalgouverneur von Alge— 
ien, Jonnart, zeigte nach einer Blättermeldung dem scheiden⸗ 
en Minöfterpräsidenten Briand telegraphisch seinen Rücktritt 
an. Es keißt, Jonnart, der Depulierter ist, habe damit eine 
‚olztische Demonstration vollziehen wollen und besürchte, daß 
ie neue Richtung, die die letzte Kammerdebatte erwarten lasse, 
iie allgemeinen Interessen des Landes schwer schädige. Jonnart 
sat den Generalgouverneurposten in Algerien seit nahezu elf 
zahren inne. 
W. Die französefchze Ministerkrifis. Die gesamte Vresse 
rörtert eingefend Briands Schreiben. Die combinisti— 
chen Blätter krittsieren es ziemlich scharf und erklären, wenn 
zriand bei seinen Reformversuchen scheiterte, so sei es dar⸗ 
uf zuruckzuführen, daß seine treuesten Freunde entschiedene 
zegner der Entwicklung der Fortschrittsnolitis seien 
Neueite Nachrichten und Telearamme. 
Berlin, 28. Febr. Die deutschoöschwedischen Han— 
elsvertragsdverhandlungen werden wahrscheinlich in- 
ierhalb der nächsten acht Tage beendet. Deutschland hat in 
»er Frage der Erzausfuhraus Schweden einen Erfolg 
erzielt, Schweden in der Einfuhr von Sahne und Pflaster— 
stte inen. Dem wirtschaftlichen Ausschuß, der zum 8. März 
einberufen worden ist, werden die Akten vorgelegt, darauf 
exfolgt die Unterzeichnung des Protokolls, dann kommt die An⸗ 
relegenheit unverzüglich vor den Reichstag. 
Berlin, 28. Febr. Wegen eines gemeinsamen Buß⸗ 
end Bettages im ganzen Reich und der Festlegung 
bes Osterfestes sind von der preußischen Regierung Ver⸗ 
bandlungen angebahnt worden; doch bestehen nur sehr geringe 
Tussichten, daß man zu einer Einigung in dieser Frage kommt. 
Wt. Drwesden, 28. Febr. Wie der Sächsische Landesdienst 
neldet, wird sich in Vertretung des Königs Prinz 
Johann Georg zu den Krönungsfeierlichkeiten n ach London 
»egeben. Auf Einladung der englischen Majestäten wird auch 
ßrinzessin Johann Georg ihren Gemahl begleiten. 
W. Koburg, 28. Febr. Der König von Bulgarten 
st heute vormittag zum Besuche des Herzogs und der Herzogin 
iach Gotha abgereift, um von dort heute noch die Weiter⸗ 
eise nach Sofia anzutreten. 
W. Budaprst, 28. Febr. Die Ungarische Delegation nahm 
zas Marinebudget und den außerordentlichen Kredit für den 
zau der Schlachtschiffe an und sprach dem Marine⸗ 
ommandanten ihr Vertrauen aus. Bei der fortgesetzten Be— 
atung des bosnischen Kredits erklärte der Finangz⸗ 
finister, die Regierung beschränke keineswegs die Rechte des 
hosntschen Landtages. Man müsse ihn aber manchmal er—⸗ 
nnern, die Grenzen seines Wirkungskreises einzuhalten. Die 
Bevölkerung Bosniens betrachte die Verfassung als eine brauch⸗ 
bare Einrichtung; zu einer Ausgestaltung könne man erst schrei⸗ 
ten, nachdem man Erfahrungen gesammelt habe. Der Mi— 
nister drückte seine wärmste Sympathie für den Wunsch des 
Fürsten Schwarzenberg aus, daß das bosnische Problem in 
ölligem Einvernehmen aller Beteiligten gelöst werde. 
We Madrid, 28. Febr. Die Blätter wollen wissen, daß die 
Beziehungen zwischen Spanien und dem Vati— 
an gegenwärtig krätisch seien. Staatsfekretär Merry del 
Val lehne es ab, die Mrhandlungen mit Spamien wieder an⸗ 
uknüpfen, wenn die Regierung sich nicht verpflichte, mit der 
Zurie ein vorläufiges Einvernehmen über alle schwebenden 
neligionsfragen zu schließen. Spanien habe nur den Vorschlag 
emacht, daß die spanischen Bischöfe nach der Einbringung des 
Rereinsgesetzentwurses ihre Ansicht äußern sollten. 
Wt. Belgrad, 28. Febr. In der heutigen Sktupschtina, 
n der das Saus die Beratung der Nachtragskredite für 
Beschaffung von Gebirgsbatterien fortsetzte, ergriff der Kriegs— 
ninister das Wort, um auf einzelne Angriffe oppositioneller 
Abgeordneter gegen die Heeresverwaltung zu erwidern, und 
zrklärte, er sei zu der Ueberzeugung gelangt, daß es am 
zünstigsten sei, die Annahme der Nachtragskredite zu ver—⸗ 
agen und für Beschaffung der Gebirgsbatterien eine neu« 
Ausschreibung vorzunehmen. In diesem Augenblick, schloß der 
Minister, gebe ich mine Demission. Während seitens der 
ZDpposition gegen die Ausführungen lebhaft protestiert wurde, 
erließ der Minister den Saal und der Vorsitzende unterbrach 
zie Sitzung. Nach Wiederaufnahme derselben erklärte Minister⸗ 
zräsident Pasitsch, mit Rücksicht darauf, daß der Kriegsminister 
vegen des Widerftandes, auf den die von ihm eingebrachte 
Hesetzesvorlage bei der Opposition gestoßen sei, seine Demission 
zegeben habe, ziehe die Regierung diese Vorlage zurück. Nach 
»ereinzelten Protesten oppositioneller Abgeordneter gegen die 
etzte Rede des Kriegsministers wurde die Sitzung geschlosfen. 
Wt. Douglas (Arigona), 28. Febr. Mexikanisché 
Aufständische nahmen nach einem Kampf die Stadt Fron⸗ 
Jers —o 
Berlin, 28. Febr. Die Nachforschungen nach dem Bürger⸗ 
meister Trömel aus Usedom sind von der Kriminal⸗ 
golizei mit Eifer weiterbetrieben worden. Zahlreiche Meldun⸗ 
zen über das angebliche Auftauchen liefen ein; sie erwiesen 
ich aber bei näherer Nachprüfung als unzutreffend. Die— 
triminalpolizei ist der Ansicht, daß ein Verbrechen oder ein 
Unglücdsfall nahezu ausgeschlossen ist. 
Berlin, 28. Febr. HSeute kam die Privatklage des Schwie⸗ 
xervaters des Grafen Pfeil, des Baurats Heim, gegen den 
Schriftsteller Leo Leipreiger vor dem Schöffengericht Char⸗ 
lo trenbuta zur Verhandsung 
W. Stettin, 28. Febr. Der Arbeiter Schmidt aus Kö— 
igsfelde, der am 24. Juni wegen Ermordung des Gendarmerie— 
vachtmeisters Wippis aus Neuwarp zum Tode verurteilt ist, 
ourde heute sfrüh hingerichtet. 
Schwerin, 28. Febr. In Großwockern bei Teterow wurden 
eute morgen der Stationsjäger Kuehm und seine Frau im 
zett tot aufgefunden. Man glaubt, daß es sich um Mord 
und Selbstmord im gegenseitigen Einvernehmen handelt. 
Rendsburg, 26. Febr. Zu Streitigkeiten zwischen Kanab⸗ 
·rbeitern kam es in der Schutzhosbaracke. Der dabei fest⸗ 
enommene Arbeiter Velten brachte dem Aufwärter Knudsen 
icht Messerstiche in den Kopf und drei in die Hand bei, 
rflüchtete sodann und sprang, als sich ihm andere Versonen 
n den Wes stellten, beim Conventgarten in den Kanal. Augen⸗ 
eugen versichern, daß der Arbeiter ertrunken ist. 
Leipzig, 28. Febr. Der hiesigen Polizei gelang die Fest— 
ahme einer gefährlichen Sochstaplerin; die unter dem 
tamen einer von Löbbede Beziehungen mit Offizieren unter⸗ 
ielt und eine Anzahl Herren schädigte. Die Festnahme ge— 
chah in einem eleganten Weinrestaurant. Die Verhaftete 
ntpuppte sich als eine aus Berlin stammende Kellnerin namens 
zisenbach. die schon mehrere schwere Zuchthausstrasen ver⸗ 
üßt hat. 
München, 28. Febr. In dem bekannten Pschorrausschank 
n der verkehrsreichen Neuhäuserstraße kam es zu einem schwe⸗-⸗ 
en Faschingserzeß von Studenten. Ein Schutz⸗ 
dannsaufgebot wurde zur Hilfe gerufen, um die raufenden 
duhestörer zu bewältigen. 
W. Rouen, 28. Febr. Die vor vier Tagen in der Nähe 
yon Berville in einer Mergelgrube derschütteten zwei 
Arbeiter leben noch. Als die Rettungsmannschaften 
an die Schachtwand klopften, machten sich die Verschütteten 
n der gleichen Weise bemerlbar. Man hofft, bis morgen abend 
u ihnen gelangen zu können. 
W. Narwa, 28. Febr. Wie die auf der Insel Seitskar 
elandeten Fischer erklären, wurde auch der Rest der fünf—⸗ 
lundert bei der Insel Lavansaari auf einer Eisscholle aufs 
Neer getriebenen Fischer his quf zwei Ertrunkene 
rerettet. 
W. Charbin, 28. Febr. Gestern sind dreizehn Chi— 
esen an der Pest gestorben. Die chinesischen Behörden 
rückten den Wunsch aus, daß Dr. Sawkins als Leiter 
es hiesigen Pestkrankenhauses an der Antipest- 
onserenz in Mukden teihnehme. Zur Aufsuchung von Pest⸗ 
eichen sind in einer Entfernung von 50 Werst auf beiden 
zeiten der ostchtnestschen Bahn drei Sanitätskolonnen abge— 
angen, eine vierte Kolonne sucht die Umgegend Charbins ab. 
Newyork, 28. Febr. Die von John Hopkins in Balti— 
nore begonnenen Versuche Wasser als Betäubungs— 
rittel zu verwenden, sind jetzt von Dr. Joseph Saphir 
un Newyork mit gutem Erfolge weiter fortgesetzt worden. Dr. 
zaphir erklärt die Betäubung durch Wasser fuür höchst einfach, 
or allem aber für gefahr los. Durch unter hohem Drud 
ingespritztes Wasser wird eine Pression auf die Nervenenden 
usgeuübt und eine lokale Betäubung erzeugt. Nach etwa zehn 
Ninuten läßt die Betäubung nach, ohne irgend welche Begleit— 
rscheinungen, wie die meisten anderen Betäubungsmittel zur 
jolge zu haben. Dr. Saphir hat die Wasserbetäubung im New⸗ 
sorker Volkshospital in zahlreichen Fällen erprobt und so— 
zar bei schweren Operationen, wie Entsernung des Blind— 
arms angewendet. 
Spokane (Washington), 28. Febr. Sier ist die Beulen⸗ 
zeit aufgetreten. Bisher sind drei Versonen gestorben, sech⸗ 
ehn erkrankt 
Deutscher Reichstag 
W. Berlin, 28. Februar. 
Die zweite Lesung des Militäretats wird fortgesetzt. 
luf Antrag des Abgeordneten Kunert (Soz.) wird das Kapitel 
Oelitärkassenwesen mit dem Kapitel Militärintendanturen ver⸗ 
unden. 
Abg. Kunert (Soz.) Es muß, verlangt werden, daß in 
aese Kapitel vollste Klarheit gebracht wird. Es bestehen gesetz⸗ 
»idrige Geheimfonds, hauptsächlich zur Unterstützung von Offi⸗ 
ieren. So steht der König von Sachsen an der Spitze eines 
erartigen gesetzwidrigen Fonds, der gewissermaßen eine Versor⸗ 
ung des verarmten Adels darstellt. Es bestehen in diesem 
ronds korrupte Zustände, die an russische Verhältnisse erinnern. 
Wir werden alles tun, um hierin Wandel zu schaffen. 
Sächsischer Bundesratsbevollmächtigter Generalmajor Frhr. 
. Salza und Lichtenau: Schwarze Fonds, die sich aus Etat⸗ 
rsparnissen zusammensetzen und die nicht an die Reichskasse zu⸗ 
ückgegeben werden, haben wir in Sachsen nicht, wohl aber haben 
ir Fonds, die aus Stiftungen und Zuwendungen sich zusammen⸗ 
ten. Aus diesen Fonds werden Offizieren, Unteroffizieren 
ind Mannschaften Unterstützungen gewährt in solchen Fällen, wo 
er Militaͤretat keine Maittel übrig hat. So ist der Kriegsbeute⸗ 
Inds völlig legal, ebenso der Offizier-Kasino-Fonds, die Dienst- 
lterszulagen- und der Montierungssonds. Viele andere Fonds, 
ie der Abgeordnete Kunert erwähnte, zum Beispiel den Sand— 
Inds, kennen wir nicht. Von Geheimniskrämerei darf man im 
zerkehr der Behörden nicht reden. Natürlich muß manches ge⸗ 
eim behandelt werden. Jedenfalls muß ich diese Angriffe auf 
as entschiedenste zuruckweisen. 
Abg. Erzberger (Zentr.): Ich habe früher die Vermutung 
usgesprochen, daß Fonds in der Armee vorhanden sind, die, 
»eil aus Ersparnissen gebildet, sich der Kontrolle des Reichssstags 
atziehen. So liegt es z. B. beim sächsischen Montierungs- 
onds. Die Anklagen des Abg. Kunert treffen nicht zu. Er 
ennt den Etat gar nicht, trotzdem er ein alter Abgeordneter ist. 
Abg. Kunert (Soz.r Meine Behauptungen fsind nicht 
viderlegt. 
Abg. Werner (Deutsche Resormpt.) tritt für Besserstellung 
ver Intendantur⸗Sekretäre ein. 
Abg. Erzberger (Zentr.): Der Abg. Kunert hat ledia⸗ 
ich eine Rückzugskanonade ausgeführt. 
Departements direltor Generalleutnant Wachs: Die schon 
ei der ersten Lesung vorgebrachten Beschwerden des Abg. Werner 
iber die Verhältnisse m dDen Intendanturbureaus sind unzu⸗ 
reffend. Unsere Beamten werden allen, auch den schwierigsten 
Jufgaben, wie Afrika und Ostasien sie gestellt, gerecht. 
Abg. Noske (Soz.): Nach Mütteilungen in der Budget⸗ 
ommission bewährte sich die Amtendantur in Südwestafrika durch⸗ 
uss nicht. 
Abg. Werner GRefpt.): In der höheren Intendanturkar⸗ 
iere fehlt es an der genügenden Zahl geeigneter Bewerber. 
Kriegsminister v. Heeriugen: Wir erhalten genügend Be— 
umte. Auch ist es nicht richtig, dok die Beschwerdeführer über⸗ 
haupt nicht gehört werden. 
Nach einer Erwiderung des Abg. Werner (Ript.) schliept 
Rde Pehafte. Der Tites wird hewilligt 
Es folgt: Titel Militérseelsorge. 
Abaq. Roth (W. Vag.) führt Klage über Abkommandierun— 
zen zum Abendmahl. 
Departementsdirektor Generalleutnart Bacmeister: Die 
Zeute gehen freiwillig zum Abendmahl. 
Abg. Boigthall (W. Vag.) bittet, der Mannschaft mög⸗ 
lichst den Sonnabend Nachmittag freizugeben. 
Der Titel, sowie mehrere solgende werden ohne, oder nach 
unwesentlicher DTebatte bewilligt. 
Beim Titel Beamte und Unteroffiziere als Ge— 
Jaltsempfänger tritt 
Abg. Sommer (Vpt.) für ein zrnerelles Verbot der Privat- 
raxis für Büchsenmacher ein. 
Generalmajsor Wandel: Wenn man sür die Veterinäre 
Privatpraxis verlangt, ist es nicht einzusehen, weshalb man den 
büchsenmachern sie verbieten will. 
Abg. Zubeil (Soz.): Die Zivilmusiker leiden vielfach Not. 
Da sollte die Militärkonkurrenz möglichst eingeschränkt werden. 
Wie überflüssig die Militärkapellen vielfach sind, beweist ihre 
»t monatelange Abwesenheit von der Garnison. 
Abg. Kopsch (Vpt.): Die Herabsetzung des Bestandes de 
Diilitärbapellen von 42 auf 36 Mann, die durch die Vermeh— 
ung der Friedenspräsenzstärke geboten war, ist noch nicht ge— 
ügend. 28 Mann pro Kapelle würden vollauf genügen. 
Generalmajor Wandel: Die Militärverwaltung ist bemüht, 
dia Bestimmungen, die eine unbillige Konkurrenz der Militär— 
apellen verhindern sollen, streng durchsuführen. Eine 
herabsetzung der Bestände der Kapellen ist nach 
dem Gutachten von Kennern nicht möglich. wenn 
ie ihren Zweck überhaupt noch erfüllen würden. Das 
Spielen in Nachtcafss ist verboten. Die angeführten Ein— 
elfälle sind teils belanglos, teils unbegründet. 
Abg. Görde-Brandenburg (natlib.): Die Maßnahmen der 
deeresverwaltung gegen die unbillige Konkurrenz der Milttär—⸗ 
apellen zeitigten gute Erfolge. 
Abg. v. Richsihofenn (kons.!: Will man den Zivilmusikern 
ain weiteres Feld ihrer Betätigung eröffnen, dann sollte man 
afür sorgen, daß die Musikautomaten möglichst aus den Wirt— 
chaften verbannt werden. 
Generalmajor Wandel: Den Militärbüchsenmachern muß 
nit Rücksicht auf ihre berufliche Ausbildung Gelegenheit ge— 
jeben werden, sich, wenn auch in engen Grenzen, als Privat— 
züchsenmacher zu betätigen. 
Abg. Zubeil hält seine Behauptungen aufrecht. 
Abg. Graf Praschma (Ztr.): Der Kampf gegen die Miilitär— 
nusiker geht entschieden zu weit. 
Generalnmajor Wandel: Unsererseits geschieht das Mögliche 
hie bier laut werdenden Wünsche zu befriedigen. 
Der Titel wird schließlich bewilligt. 
Im weiteren Verlauf der Debatte fragte 
Abg. Görck-Brandenburg (natlib.): In der sozialdemokra— 
tischen Presse sind Schauergeschichten von Leichen— 
chteßen in Spandau verbreitet worden. Ich bitte um 
Luskunft, ob diese verbekenden Mitteilungen auf Wahrheift 
aeruhen. 
Generalmajor Wandel: Ich bin dankbar dafür, daß mir 
velegenheit gegeben worden ist, mich hierüber zu äußern. 
ks haben in Spandau Schießversuche stattgefunden, um die 
Berwendungssähigketkt der modernen Geschosse zu erproben. 
Auf nackte Leichen ist nicht geschossen worden. Es handelt sich 
um in Kisten verpackte anatomische Präparate. Diese Versuche 
ind nötig, im Interesse der Chirurgie wie der Wehrindustrie 
Abg. Noske (Soz.): Der Regierungsvertreter hat tat— 
ächlich festgestellt, daß auf Leichenteile geschossen worden iß 
ind zwar von den kommandierten Mannschasten. Empfind— 
ame Menschen müssen von Grausen ergrijfen werden. 
Abg. Mugdan (Vpt.): Solche Versuche sind unbedingt 
cötig, nicht bioß im Interesse der Wissenschaft, sondern im 
Interesse der lebenden Soldaten. (Sehr richtig!! Anders kann 
nan die Wirkung der kleinkallbrigen Gewehre gar nicht stu⸗ 
hieren. Dasselbe was man gegen die Schießversuche sagt, 
ann man gegen jede Anatomie sagen. 
Abg. Roske (Sos.): Das Volk empört sich, weil seine 
Ingehörigen noch im Tode zu solchen Versuchen benutzt werden. 
Abg. Mugdan: Es kandelt sich nicht um Armenleichen, 
ie in den Anatomien verwertet werden, sondern um Leichen ˖ 
von Strafgefangenen, die keine Angekörigen haben. 
Abg. Frank-Mannkeim (Soz.): In Preußen ist es sogar 
erboten, eine Leiche zu verbrennen. Bedenken der Pietät, 
zeichen als Zielabjekte zu verwerten, bestehen nicht. 
Generalmajor Wandel: Der Artikel entspricht der Wahr⸗ 
zeit nicht. Dae Soldaten sollen nicht angelernt werden, auf 
zater und Mutter zu schiehßen. Von den Präparaten, die ver⸗ 
üllt waren, war nichts zu sehen. Die Schießübungen wurden 
orgenommen in einer Entfernung von 1000 und 1600 sowie 
3300 Metern. Es handelt sich nur darum, aktuelle Uebungen 
orzunehmen, um die Art des Schußkanals zu prüfen. Zu 
iesen Uebungen werden nicht alle Soldaten verwendet. 
Nach kurzen Ausführungen Mugdans, Noskes und Görcker 
zrandenburg und Zieisch (Soz.) erklärte Kriegsminister von 
zeeringen: Wir erhalten die Präparate aus der Anatomie, 
ie sie durch ihr Personal in Kasten mit Leinewand verhängt 
600 bis 2100 Meter entsfernt aufstellt. Die Soldaten haben 
eine Ahnung, was dort steht oder was dahinter ist. Die Sacht 
st augenscheinlich durch Klatsch ausgekommen. Die Versuche 
ind eine unbedingte Notwendigleit im Sinne der Humanität 
Abg. Carstens (Vpt.): Hier handelt es sich um Interessen 
des deutschen Volkes. Er würde den Reichstag nicht ver⸗ 
tehen, der hiergegen etwas einzuwenden hätte. 
DTas Kapitel wird bewilligt, ebenso das Kapitel Natural: 
verpfleaguna. Meiterberatung Mittwoch 1 Ubr. 
Hheer und glotte. 
W. Berlin, 28. Febr. „Seydlitz“ mit dem Ablösungs. 
ransport für „Cormoran“ auf der Ausreise ist am 27. vebr. 
n Genuag eingetroffen und setzt heute die Reise nach Neapel 
ort. „Hansa“ ist am 27. Febr. in Plymouth eingetroffen 
nd setzt am 1. März die Reise nach Eckernförde und Kiel fort. 
Sleirner“ ist am 27. Febr. in Vigo eingetroffen und setzte 
n demselben Tage die Reise nach Malaga fort. „Deutsch- 
and“, „Brandenburg“, „Möwe“ und „Carmen“ sind am 27. Febr. 
on Kiel nach Wilbesmshaven gegangen. 
Pc—αn_N Kurs-und Marktberichte. 
W. Berlin, 28. Februar. Sehlusskurse. 
Iltimo⸗urseo. 27. 28. VUltimo-Lurse. 27. 26. 
ubock-Buchen. Pis. 188.37 16875 AIbs. -Am.-Pacekett. 14137 14425 
omhardon 1975 19— odeutsch. Lioyd 108.87 108.25 
rlin. Handelsges. 171.50 172.50 aAurahutte 173.— 17350 
utsche Bank 269.50 269.25 Bochnmer 23475 234.37 
)resdener Hank 165.50 165.682 DHortmund. Unio —. 15 
isconto-Gommand. 199.75 199.62 )ynamit-Trust 18750 187.62 
—— 21237 Prirat-Diskont: 8* 
Sehlagg Foo
	        
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