Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

nung, die für uns entscheidend ist, bekämpft worden, daz wir nam— 
9 in technischer Beziehung das Heer auf der Höhe halten — 
Ienn wirtlich die Sozialdemokratie ich in der Richtning entwiclelt, 
aß sie eher zur Zustimmung zu einer Militärvorlage geneigt ist, so 
llte fie der Abg. Speck deswegen nicht mit Spott überschütten. 
zr Iprach auch von, dem Anschluß der Sozialdemokratie an die 
irgertiche Linke. Mir ist davon nichts bekannt, darüber wird 
ie Sozialdemokratie zu entscheiden haben, ob sie sich entwickeln 
dill. Es war mir aber interessant, aus den Ausführungen des 
son. Sped herquszuhören, daß er diesen Anschluß, für wohl⸗ 
aͤliger für die Sozialdemokratie ansieht, als deren früheres Zu⸗ 
Ammengehen mit dem Zentrum bei den Wahlen von 1907 und in 
en folgenden Jahren. (Sehr gut! links.) Was für die Artisle⸗ 
se gefendert wird, bewegt sich durchaus auf technischem Gebiet. 
abei möchte ich unser Einverständnis mit dem Vorgehen der 
Nilitärverwaltung aussprechen, die Offiziere und Gemeinen für 
ie Maschinengewehr-Abteilungen aus den Infanterie-Regi— 
ientern zu entnehmen. In diefem Punkt hat die Militärverwal⸗ 
ng die erforderliche Rucksicht qu die Sparsamkeit genommen. 
Lenn sie meint, daß diese Verminderung der Kopfstärke der In— 
interie unbedenklich ist, so sollten wir keine Bedenken dagegen 
rheben. Wir erklären uns durchaus nicht in einer Art Hurra⸗ 
zimmung für die Vorlage, sondern, nach ernster Prüfung ihrer 
anzen Tragweite. Wir sind auch nicht geneigt, die Militärver⸗ 
allung über den in der Vorlage gezogenen Rahmen hinauszu⸗ 
rangen. Das Parlament soll in erster Linie guch die Interessen 
— — 
us keine Konsequenzen aus dieser ——— Die Vorlage 
bauf dem Gedanken aufgebaut, daß sie zunächst auf die Lage der 
deichsfinanzen Rücksicht nimmt und die Neuformationen 
uf die letzten Jahre mit ihren voraussichtlich reichlicher zur Ver⸗ 
uͤgung stehenden Einnahmen aufbaut. Ist aber die Nilitärver— 
„aͤltung wirklich sicher, daß späterhin auch reichlichere Einnahmen 
ur Verfůgung stehen, kann sie dafür eine Bürgschaft übernehmen, 
ind ist fie bereit, gegebenenfalls auf eine entsprechende Erhöhung 
er Friedenspräsenz zu verzichten? Gewiß hat, eine Bindung 
sre Schattenseiten. Beim Flottengesetz haben wir die 858— 
macht, daß über die ursprüngliche Annahme hinaus Mehrfor— 
rungen gekommen sind, weil die aei usw. stiegen. 
us dem Flottengesetz kann man also einen günstigen Schluß für 
Bindung nicht ziehen. Auch hier kann man mit Sicherheit 
rauf rechnen, daß bei der tatsächlichen Ausführung des Gesetzes 
»r 104 Millionen hinausgegangen wird. Ich bhege einige 
eifel, ob der Grundsatz: keine Ausgabe ohne, Deckung, beim 
inguennats⸗Gesetz späterhin noch aufrecht erhalten vlebt. Die 
zführungen des Schatzsekretärs in der Kommission waren in 
ser Beziehung auch nicht frei von Sorgen. Er hat, den Vor—⸗ 
alt gemacht, daß die Einnahmen des Reiches aus den neuen 
uern spãter reichlicher fließen als jetzt — diese Wendung hat, er 
Stenogramm in Sperrdruck gesetzt —, daß auch später die 
rundsatße der Sparsamkeit weiler durchgeführt und nicht neue 
orderungen erhoben werden. Ich bin etwas steptisch, ob diese 
brausseßungen in Erfüllung gehen, obwohl der Antrag einiger 
rlauchter und edler Mitglieder des Herrenhauses sich mit dew 
zuf an den Reichskanzler wendet: Bethmann Samiel hilf! In 
alte es auch für ganz ö — ob aus der Wertzuwachs⸗ 
euer auch nur die 21,8 Millionen einkommen werden, die wir 
Is dauernde Ausgabe für diese Militärvorlage brauchen. Auf 
einen Fali dürfen die Beteranen zu kurz kommen. Diese Zu⸗ 
bendungen dürfen nicht an den Ertrag einer bestimmten Steuer 
seknüpft werden. Ebenso ist es zweifelhaft, ob 1914 der Abbau 
es Grundstück⸗ Umsatzstempels erfolgt. Aber, wir sollen 
heute nicht nach, neuen „Steuern rufen, sondern 
nüfsen mit den vorhandenen Mitteln auszukommen suchen. 
os ist bemerkenswert, daß die Mahnung zur Sparsamkeit an 
e Militärverwaltung gerade vom Reichsschatzsekretär ausge— 
prochen wurde. Nach unserer Meinung ist Sparsamkeit im 
ilitar Etat auch möglich. Wir erinnern nur an die Armee-In⸗ 
pelieure, Gouberneure und Kommandanten. Zu unserem Be⸗ 
uern ist es auch nicht gelungen, zum Ausgleich für die Ver⸗ 
nehrung der Friedenspräsenz eine VBerminderung der 
dav e herbeizuführen. Die dagegen vom Kriegsminister 
sestend gemachten Gruünde kann ich nicht als durchschlagend an— 
rtennen Er meinte, die Flieger-Abteilung sei abhängig vom 
vetter, deshalb könne die Kavallerie nicht ausgeschaltet werden. 
Ausgeschaltet“ werden soll sie auch gar nicht. Wir wünschen nur 
ne Verminderung. Die Kavallerie ist abhängig vom Terrain. 
Lachen rechts.) Wonn wir neue Formationen schaffen, so nehmen 
vir an, daß auf der anderen Seite andere Einxichtungen dadurch 
ntbehrlich werden. Auf die auswärtige Politik einzugehen, wird 
ich später Gelegenheit bieten. Wenn aber der Abg. Stücklen von 
dußland als von unserem Erbfeind gesprochen hat, so ist diese 
luffassung historisch nicht richtig und für die Gegenwart nicht 
utreffend. Das Problem der Ab rüstung muß auch im Deut⸗ 
chen Reichstag ernsthaft erörtert werden. Herr Stücklen spricht 
,on einem Friedens-Humbug der bürgerlichen Parteien; eine 
olche überhitzte Uebertreibung ist ebenso wenig angebracht wie 
ie kühle Ablehnung der Abrüstungs-Ideen als Utopie. Die 
stüstunglasten werden immer drückender; der Zweifel, ob wir, 
venn es damit weitergeht, auf die Dauer unserer Verpflichtung 
utf sozialpolitischem Gebiet nachkommen können, drängt sich 
mmer wieder auf. Durch Mehrheit-Beschlüsse wird ja eine Er⸗ 
eichterung der Last der Riüstungen nicht herbeigeführt werden 
önnen, wohl aber sind internationale Vereinigungen denkbar. 
Deshalb ist bedauerlich, daß ein bereits gegeben gewesener An⸗ 
aß, diesem Gedanken näherzutreten, abgelehnt worden ist; eine 
Wiederholung solcher Stellungnahme wäre ein schwerer diploma⸗ 
tischer Fehler. Wir nehmen die Vorlage an, wollen aber die 
nnere Struktur der Armee überhaupt vervollkommnet wissen; 
ille Bevorzugungen und Zurücksetzungen, die nicht in militäri⸗ 
chen Tüchtigkeitserwägungen begründet sind, müssen aufhöären. 
Beifall links.) 
Abg. Frhr. zu Putlitz (kons.): Unser Heex muß schlagfertig 
rhalten bleiben, um allen Anforderungen im Ernstsall nachkom⸗ 
nen zu können. Die Form der Vorlage, die sich auf 5 Jahre ver⸗ 
eilt, zeigt, daß eine unmittelbar drohende Gefabhr micht 
»orhanden ist; sie dient der Vervollkommnung und Ausge⸗ 
taltung des Heeres und ist darum bexechtigt. Es handelt sich nur 
noch um ihre Höhe, deren Notwendigkeit ist uns überzeugend nach— 
gewiesen worden. Unsere Heeres-Ausgaben sind wohl recht hoch, 
aber sie haben der Nation den Frieden erhalten und dadurch ihre 
wirtschaftliche Blüte geschaffen. Mit der richtigen Sparsamkeit 
in der Verwaltung werden wir auch die Kosten decken. Die natio⸗ 
nalen Parteien werden hoffentlich die Vorlage einmütig anneh⸗ 
nen, das wird seinen Eindruck auf das Ausland nicht verfehblen. 
Bravo rechts.) 
Ahg. v. Liebert (Reichsp.): Unsere jetzige Vorlage hält das 
richtige Maßz inne, sie entspricht der Forderung der Ver⸗ 
assung, daß 1 Proz. der Bevölkerung dem Heere anzugehören 
zat. Wir stimmen nicht nur der Vorlage zu, sondern auch der 
Auswahl der zu verstärkenden Truppenteile. Eine Verminderung 
»er Kavallexie wäre namentlich Rußland gegenüber nicht 
erechtfertigt. Mit der Vaterlandsliebe der Sozial⸗ 
emokraten hat es seine eigene Bewandtnis. Wir meinen 
as Vaterland mit dem Kaiser an der Spitze, die Sozialdemokra⸗ 
en aber meinen die Republik. Von ihnen geschiebt alles, um die 
berteidiaungsmittel unseres Landes zu verderben und in den 
SIchmutz zu ziehen, das beweisen ihre Preßerzeuanisse, in denen 
er Fahneneid als Zwirnsfaden bezeichnet wird, über den man 
ticht stolpern könne. (Lebh. hört, hört! und aroße Uneiabe.) 
Ihr Poleriand verleuanen sie. (Lebh. Pfui! rechts. Lärmebad. 
303. 
Kriegsminisier v. RB Der Abg. Stücklen hat hier ein 
xhreiben der Deutsschen Munitions- und Waffen⸗ 
bril von 1907 erwähnt. Ich weise nur darauf hin, daß von dem 
Beneraldirektor dieser Fabrik dies Schreiben lediglich in die fran— 
vsische Presse hineingebracht worden ist, um Anhaltspunkte für die 
Beurteilung der französischen Heeresverwaltung zu bekommen. Die 
»utsche ern hat mit dieser Fabrik bereits im Jahre 
906, ein Jahr, ehe dies Schreiben ergangen war, einen Vertrag über 
Naschinen gewehre abgeschlossen, und zwar nicht für 40, sondern nur 
ur 622 Millionen Mark. Die Söhne unseres Vaterlandes werden für 
hve Aufgaben im Dienste des Vaterlandes trefflich geschult Gewiß 
ommen auch Fea in der AUsbildungder Mannschaften 
or, wir find sa keine unsehlbaren ——— wenn aber solche Fehler 
orlommen, so möchte ich bitten, sse nicht zu verollgemelnern.“ Das 
utsche Heer ist gesund nach dieser Richtung Ich komme zur Militaͤr— 
An Wenn sich erst so spät um das Wort hebeten habe, so ist es 
cheben. weil ich zunächst die Redner dor Parteien au Worle kom 
nen lassen wollle. Das ist geschehen, und ich glaube, mit der Auf- 
ahme sir die Vorlage bei allen nationalen Parteien gefunden hat, 
ann das deutsche Volk zufrieden sein. Die Parteien sind mit der 
egterung überzeugt, daß ein schlagfertiges deutsches Heer für die 
Hachtftellung Deutschlands heute eine unbedingte Notwendigkeit ist, 
ind daß eine Vernrehrung der für unsere militärische Situgtion in 
zetracht kommenden — — unbedingt notwendig ist. Es 
st darauf hingewiesen worden, daß die Heeresvorlage eine gewisse 
xrvingerte Bedeutung erhalten hätte. Ich habe in der Kommission 
hewiesen, daß das nicht der Fall ist. Mein Amtsvorgänger hat bereits 
1903/09 den Umfang der setzigen Vorlage so stizziert, wie es jetzt 
atsächlich eingetreten ist. Solche Militärvorlagen erwachsen nicht 
uus den Bedürfnissen des Augenblicks, sondern auf Grund jaährelanger 
lufmerksamer Beobachtung der dabei in Betracht kommenden Ver 
zältnisse unserer Nachbarn. Es ist uns der Vorwurf gemacht worden, 
vir hätten Lücken aufgemacht. Ich kann das wicklich nicht ein— 
ehen, wir haben nur die bestehenden Lücken nicht in dein Umfange 
jeschloffen. wie es vielleicht vom vein militaͤrischen Standpunkte autz 
vůnschenswert wäre. Daraus kann man der Militaͤrverwallung 
einen Vorwurf machen. Es war ein etwas recht schwerer — 
ür die Militärverwaltung, und fie hat es getan mit Rückficht auf die 
Finanzlage. Andererseits muß man bedenken, die Ausbildung 
der eeweb rpren einen gewissen Ersatz bietet. Eine 
Lerminderung der Kavallerie infolße der Luflschiffe kann für 
ms ernsthaft nicht in Frage kommen. Tie Kavallerie dient ja nicht 
illein zur Aufklärimg. P auch zur Vorhinderung der feindlichen 
Aufklärung. Und selbst wenn man das —8 ausveichend 
rweitert, wird man die Kavallerie zur Verhinderung der Aufklärung 
er feindlichen Kavallerie e entbehren lböͤnnen. Dazu kommt das 
Petter. Wenn ein Nebel und elwas Wind eintritt, dann kann man 
Aie Luftschiffe nicht verwerten, soll esß da heihen heute wird micht mu 
gespielt. Die Kosten des Heeres find gewiß recht hoch, niemand weiß 
as hesser als die Heeresverwaltung, aber wir siehen vor der Frage 
in starkes Heer mussen wir haben entsprechend den Verhältniffen 
Es gibt da nur zwei Eventualitäten, entweder eine Plötßliche 
Rüstung, wenn eine Kriegsbedrohung eintritt, oder ein a 
ge planmäßiger Ausbau ünferes Hee— 
es. Ich meine, für Deutschland ist eine allmähliche, ruhige, 
lanmäßige, wicht überete Ruüstung das Richtige das is auch 
om finanziellen Standpunkt aus das Beffere. Was nutzt n 
Falle einer Kriegsbedrohung eine plötzliche Rüstung? Sie kommt 
ann zu spät. Wenn der Krieg vor der Tür steht, dann müssen 
»as Heer und die FNotte so t sein, daß sie den Feind von 
den Grenzen des Vaterlandes abhalten konnen Sind denn 
ie, Ausgaben für Kulturbedürfniffe bei uns in Drurcpland so 
—553 ich Ire nicht. Ich hatte eine Auffiellung machen lassen 
er esamtkosten des Heeres und der Floite und andererseits der 
ctats sämtlicher Bundesstaaten. Darnach berechnen fich pro Kopi 
»er Bevölkerung die Ausgaben für Heerund —A 
iuf 155 Prozent der gesamten Ausgaben; für alle übrigen Aus 
gben, also auch für die Kultur-Ausgaben, bleiben 81 Prozenl 
ihrig; das ist gegenüber Frankreich Lin recht günstiges Verhatt— 
nis, dieses gibt für Heer und Flotte 31 Prozent aus, GHört, hört!) 
ich glaube, daß mit Rücksicht auf unsere geographische Lage mit 
wei Fronten die erste Zahl im Verhaltmis zu dem Voltsver— 
nögen eine geringe ist. Ich möchte hier einen früher von mir ge⸗ 
rauchten Ausdruck wiederholen, daß die deuischen Heeres- 
1usgaben eine Art Versicherüngsprämie find. Es 
ommt weiter in Betracht, daß das Geld, was uns die Wehrmach 
ostet, doch zum größten Teil wieder in das Volk zurückließt. 
Jon sämtlichen im Etat zur Verfügung gestellten Summen gehen 
uur 14 Millionen für Material, das wir in Deutschland nicht 
aufen können, in das Ausland, alles andere kommt in das Von 
urück. Der Heeres-Etat ist also, wenn ich mich fo ausdrücken 
ar nur ein Durchgangsposten. (Heiterkeit) Verkennen Si. 
auch nicht die Vorteile, die das Heer in anderer Beziehung bat, 
vas es in körperlicher Beziehung für das Volk leistet. Ich kann 
zhnen einen Ausspruch von den englischen Arbeitern entgegen— 
salten, die sich hier in Deutschland zu Stuüdienzwecken aufgehal⸗ 
en haben. Diese haben nach den englischen Zeitungen ertlärt, 
inen großen Eindruck hätten sie von der Wirkung der allgemeinen 
Lehrpflicht gewonnen. Das Aussehen und die Haͤllung der Leute, 
hre Genauigkeit und Arbeit sei eine ganz andere. Man bemerte 
lichts von der Schlappheit, auf die wan in englischen Werk⸗ 
ätten stoße Gört/ hört H; das ist ein Beweis von ganz neu⸗ 
raler Stelle dafür, was das Heer für das Vost leistet. Es Lommt 
veiter in Betracht die Erziehung auf ethischem Gebiet. Wir 
ringen Pflichttreue und Vaterlandsliebe in das Volt hinein, 
eistige Spannkraft und Energie. Ich bin der Meinung, daß 
ie großen Fortschritte, die Deutschland in den Jletzten 40 Ichren 
uf —— technischem und wirtschaftlichem Gebiet 
emacht hat, nicht allein von unsern siegreichen Kriegen her⸗ 
ühren und dem Mitlliardensegen, sondern im vesentlichen auch 
ius der Erziehung, die unser deutsches Volk durch die aligemeine 
Wehrpflicht ein ganzes Jahrhundert lang genesten 12. Leb⸗ 
zafter Beifall.) 
Abg. Korfanty (Pole): Meine politischen Freunde können sich 
us verschiedenen Gründen nicht mit der Vorlage befreunden. 
die Mehrbelastung. des Volkes ist zum Teil viel größer 
As man wohl sonst annimmt. Ohne neue Steuern werden wir 
uuf die Dauer nicht auskommen können. Wir bewilligen nichts 
vas nicht durch die laufenden Einnahmen seine Deckung findet. 
deutschland hätte nicht den Abrüstungsvorschlag Englands mit 
iner Handbewegung ablehnen sollen. Die Heeresverwaltung 
rägt dazu bei, daß die polnische Bevölkerung ihrer Nationaluat 
ntfremdet wird. Das ist für uns ein weiterer Grund für unfere 
iblehnende Haltung. 
Abg· Liebermann von Sonnenberg (Wirtsch. Va.); Einer⸗ 
eits tritt vor uns die Notwendigkeit, unfer Heer echnisch zu 
ervolkommnen, andererseits bestehen finanzielle, Bedenten. Vie 
Borlage ist zwischen veiden Auffaffungen ein Ko mpromsß, 
ind zwar ein glückliches. Das Volk erkennt die Notwendigkeit der 
ꝛeeresverstärkung und wird und kann ruhig ihre Kofien tragen. 
Beifall rechts.) 
Abg. Dr. Heim (Ztr.): Der Kriegsminister meint, die Hee⸗ 
eskosten seien eigentlich keine Ausgabeposten. sondern ein durch⸗ 
ehender Posten. In welche Taschen fließt denn dieser Dem 
zentrum hat man früher den Vorwurf gemacht, Ausgaben ohne 
deckumg gemacht zu haben. Das ist nach den Tatfachen nicht be⸗ 
echtigt. Allerdings enthaͤlt die Vorlage keinerlei Auskunft über 
ie Deckung. In der Kommission ist allerbinas daruͤber ge— 
prochen worden, man ist aber nicht weiter gekommen. als Hoff⸗ 
ungen auszusprechen, daß Deckung vorhanden sein werde. DNuch 
je Ausfsihrungen des Schatzsekretärs befriedigen nicht; die von 
ym zugesagten Ermäßingungen einiger Steuern werden kaum ein— 
xeten. Infolge dessen ist auch von einer Aufbesserung der 
dannschaftslöbhne nicht, die Rede gewesen. idie wirt 
heckung nicht mehr vorhanden sein; ja niemand weiß, wie groß 
ie Belastung durch diese Vorlage uͤberhrupt sein wird. (Zurus 
es Abg. Ledebour: Also lehnen Sie abl Heiterkeit.)döer 
itte, warten Sie doch etwas, Sie sind doch nicht so jung(Große 
ʒeiterleit.) Die Belastung der folgenden Jabre kennen wir gat 
icht, die Einnahmen sind jedenfalls nicht vorhanden. Mit ér— 
parnissen allein wird hier nichts erreicht werden. Die perfoönliche 
belastung des platten Landes, das viel mebr Sol— 
aten stollt, als die Städte (ehr richtiglh), fällt ftark ins Gewicht. 
NReine Ahstimmung mache ich hier, wie auch sonst bei Heeresvor⸗ 
agen, abhängig von der Deckung, die sogleich da sein muß, nicht 
erst in der Zukunft, gesucht werden muß. Desbalb stimme ich 
egen die Vorlage. (Ahal links.) 
Abqg. Noske (Soz.): Wenn Herr v. Liebert hier zitiert, mu 
nan. sich stets fragen, wieviel davon wahr ss. Außerdalb des 
Hauses hat Herr v. Liebert fieis bewußt und, systematifch gegen 
die Sozialdemokratie mit der Unwahrheit operiert. Glocke. ver 
Zräsident xuft den Redner wengen dieser Aeußerung zur 
Irdnung.) Das trifft auch zu, bei dem Vorwurf, die Sozial- 
mokratie trage die Schuld an den Attentaten. Der, Schag⸗ 
ekretär, ailt bei den Agrariern insolge feiner finanziellen 
Zedenken als militärfeindlich. Herr Wermuth verbunden nit der 
„oataldemokratie, welch' ein Bild! (Heiterkeit.) Niemals ist uns 
ingefallen, unser Land und seine Küsten wehrlos zu mochen; Herr 
Dr. Heim kennt die Gründe für unfere prinzipielle Ablchning 
anz genau. Die heutigen Redner haben dem Weltfrieden nicht 
edient. Mit platonischen Liebeserklärungen ist dem Weltfrieden 
icht gedient; die Varlamente müssen da eingreifen und die Re— 
sierungen zur Abrüstung zwingen. Wie in Deutfehlaud, 
o haben die breiten MRassen der anderen Völker kein Intereffe am 
trieg, das ist der hohe Wert der internationalen Bestrebungen 
or Sozialdemokratie. Bir kommen immier tiefer binein in di— 
Schuldenwirtschaft. Wir lehnen die Vorlage ab, da wir zuc die⸗ 
gierung kein Vertranen haben können; — 
Slaatssekretär Wermuth: Nachdem ich von zwei Seiten provozier! 
worden bin will ich nicht unterlassen, zu erklären, daß die Finanz- 
verwaltung die Anforderungen durch das neue Präsenzgesetz so— 
zusagen in das Finanzprogramm der nächsten Finanzperiode mit quf—⸗ 
genommen hat und daß sie sest entschlossen ist, die dadurch entstehenden 
jeuen Ausgaben auf der Grundlage der jetzt sich darbietenden 
Deckungen o hne Jnanspruchnahme neuer Steuer— 
guellen durchzusühren. In rosigem Lichte habe ich die Finanz- 
lage damit nicht erscheinen lassen. Auch in der Kommission habe ich 
alle meine Erklärungen mit einem großen Fragezeichen versehen 
das ist das Fragezeichen, das ein seiner Verantwortlichkeit bewußter 
Staatssekretär allen seinen Erklärungen hinzugefügt hat. Es ist uns 
gelungen, die Anleihe ganz wesentlich herabzudrücken. Für die näch 
en e haben wir mit Ueberschüssen zu rechnen, aber für 191 
nüssen wir doch vorfichtig sein. Bei den Eisenbahnen haben wir einen 
xecht günstigen Stand; aber wir wissen nicht, ob diese Konjunktur an 
»auert. Die Zölle und Steuern haben auch in den letzten Monaten 
eine günstige Entwicklung genommen. Von der Werlzuwachssteue 
erwarlen wir trotz der Einschränkungen, die Sie gemacht haben, doch 
ioch ein günstiges Resultat, aber Vorsicht bleibt geboten 
datürlich können wir für die Verteilung der Lasten auf die einzelnen 
dahre keine Garantie übernehmen. Abg. Heim hat zweifellos über— 
rieben. Ich werde von allen Seiten wegen meiner Sparsamkeit mit 
Zorwürfen überschüttet, sodaß ich fürchten müßte, die Sparsamkeits 
gestrebungen würden im Keime erstickt werden. Wir wollen kein« 
de. negierende, sondern eine kraftvolle, zielbewußte Sparsamkeit am 
echien Platze, damit wir auch den neuen Anforderungen nach, 
wmmen. 
Damit schließt die Debatte. Es folgen persönliche Bemerkungen 
Ueber 8 1 wird morgen namentlich abgestimnt werden. Die 
anderen Bestimmungen und Resolutlonen dazu werden an— 
genommen. 
Darauf wird der Etat für die fich aus der Vermehrung der 
Friedenspräsenzstärke ergebenden Ren derungeninder Orga— 
ilsatigndes Heeres nebst einer von der Kommission bean— 
ragten Resolution betr. Vorlegung einer epreh über das 
gesamte Zulagewesen und Löhnungszuschüsse beraten. 
Dieser Teil des Etats wird ohne Debatle bewilligt und die 
Resolution angenommen. 
Darauf wird Vertagung beschlossen. 
Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr: Heeres⸗Etat. 
Schluß 72 Uhr. 
Preubischer Landtag. 
Herr enhaus. 
5. Sitzung. 
Berlin, den W. Februar. 
Am Regierungstisch: Handelsminister Sudow. 4 
Prästdent Frhr. v. Manteuffel eröffnet die Sitzung 1 Uhe 
iß Minuten. 
Der Bericht der Matrikelkommission mit den darin 
enthaltenen Anträgen zu den Versonalveränderungen im Hausfe 
wird ohne Debatte genehmigt. 
Der Nachweis über die Landgestüte für 1910 und ihre Be⸗ 
triebsresultate für 1906/07 werden nach dem Bericht der Aarar⸗ 
lommission durch Kenntnisnahme erledingt. 
Die Nachrichten von dem Betriebe der staatlichen Bera⸗, 
Hütten- und Salinen-Verwaltung beantragt die 
Handelskommission ebenfalls durch Kenntnisnahme für erle— 
igt zu erklären. Das Haus stimmt dem zu. 
Es fsolgt die einmalige Schlußberatung über den Gesetzent⸗ 
wurf zur Aenderung der Landgemeindeordnung, für 
Hannover. Der Entwurf wird obne Debatte unveränderi 
angenommen. 
Es folgte der Entwurf über die Verlegung der Lan- 
desgrenze gegen das Königreich Bayern an 
der preußischen Gemeinde Achberg, Oberamt Sigmaringen, und 
ein gleicher Entwurf über eine Verlegung der Grenze an der 
Sisenbahn von Münster am Stein nach Scheidt; beide werden 
ohne Debatte unverändert angenommen. 
Hu einer Petition des Gemeindevorftehers zu Lübars, die 
fiskalischen Waldungen des Forstbezirks Tegel uneingeschränkt zu 
erhalten, beschliezt das Haus nach dem Antrage der Agrarkom- 
nission Ueberweisung als Material. Eine Vetition der Handels— 
ammer zu Saarbrücden bittet um ausreichende Versorgung der 
Zaarbrückener Industrie mit Kokskohlen aus dem staatlichen Saar- 
oblenbergbau und Herabsetzung der Kotskohlenpreise, der Fots- 
zreise und Fabrikationskohlengreise des staatlichen Saarkohlen- 
berabaus. Die Handelskommission schlagt Uebergang zur Tages— 
ordnung vor. Das Haus geht aur Tagesordnung über. F 
Der Reichsverband der HutdetgiUisten Deutschlande 
ommt um Unterdrückung der auf Erzielung von Sonderrabat 
gerichteten Bestrebungen der Beamten⸗ und Lehrervereine ein; 
Die Handelslommission schlägt dem Hause Ueberweisung ais Ma— 
zerial vor. Das Haus beschließt in dem Sinne. 
Die Tagesordnung ist erledigt. 4.8 
Der demnächst zu bexatende Entwurf über die Pflicht 
Fortbildunasschulen, soll einer besonderen Kommiffion 
zon 15 Mitgliedern überwiesen werden; die Vorlagen über die 
Zweckverbände einer besonderen Kommission von 25 Mitgliedern 
Die Kommissionen werden sich noch heute konstituieren. 
p· 3 Sitzuna Ende nächsten Monats: Tagesordnung: 
Dhlu⸗ 
Vermischtes. 
Der Inpne⸗ eines Vergnügungsballons in Berlin. Inmitten 
des lebhaftesten Karnevaltreibens, das am Mittwoch abend auf 
einem im Krollschen Etablissement am Königsplatz veranstalteten 
Alpenfest herrschte, ereignete sich, wie en kurz gemeldet, durch 
Absturz eines über der Bühne schwebenden kleinen Luftschiffes ein 
Vien n Unglücksfall. In den gesamten Räumen des Kroll— 
chen Eiablissements haite die —— Ruden «“ Scheerer aus 
her Potsdamerstraße einen Alpenball veranstaltet. Etwa 3000 Gäste 
ummelten sich in bunten Gebirgstrachten nach den Klängen von 
ünf Kapellen in frohester doshingest mmung in den weiten Räu— 
nen. Die Hauptanziehungskraft übte der Theatersaal qus, wo ein 
zanorama der Pößtaler Alpen den Bühnenhintergrund ausfüllte. 
)or diesem Fenerama spielten sich auf der Bühne die heitersten 
zenen ab: Hier liesen zwei stark frequentierte Rutschbahnen von 
er linken Seite nach an in das deleroeschoß hinab, und einige 
Neter zurück ehe eiwa vier Meter über dem Bühnenboden 
ex „Zeppelin, Sektion Brandenburg“. Der Ballon war in etwa 
cht Meler Höhe an einer Gleitbahn befestigt und vermochte in 
iner Gondel zwei Personen aufzunehmen. Die Maschinisten des 
deuen Königl. Opernhauses bewegten ihn mit den Händen auf 
einer Schiene und hatten also stets Gelegenheit, sich von dem Zu—⸗ 
n der technischen Einrichtung zu überzeugen. Plötzlich, gegen 
2 Uhr morgens, riß das Seil, an dem die Gondel schwebte, und 
run stürzte der Ballonkorb in, die Tiefe. Zwei danebenstehende 
derren der Festleitung, denen sich ein Gast zugesellte, sahen den 
dorb hinabstürrzen und vermochten durch schnelles Zugreifen noch 
die Wucht des Sturzes zu mindern. Die Insassen, ein Herr und 
eine Dame, nahmen durch den Sturz ans der Höhe von vier Metern 
aur unexheblichen Schaden. Von den etwa zwanzig Personen, die 
auf der Bühne standen, wurden zwei, von der Gondel gestreift, ohne 
nennenswert verletzt zu werden. Alsbald strömten zahlreiche Schau— 
lustige herbei, die sich an der Beseitigung der Gondel beteiligten 
ind dem Vorsall eine humoristische Seite abzugewinnen suchten. 
Plötzlich fiel unter lautem Krachen eine etwa einen halben Zentner 
chwere Eisenschiene herab, ein Teil der Gleitbahn, an der sich der 
Ballon bewegte. Der 25jährige Artur, van Dam, der einzige Sohn 
es Antiquitätenhändlers und Hoflieferanten Jacques van Dam, 
»er sich unter den Zuschauern befand, brach, von dem schweren 
vewicht getroffen, lauflos zusammen. Das etwa zwei Meter, lange 
ewi hatte ihm die Schädeldecke zertrümmert. Ein junges 
Hädchen war an den Füßen getrefsen und erlitt einen Nervenchok, 
er sie einer Ohnmacht nahebrachte. Ter schwer verletzte van Dam 
vnrde nach der Charité gebracht, wo ex bald nach seiner Aufnahme 
tarb. Seine Leiche wurde polizeilich beschlanahmt. Trei Herren. 
ie beim Sturz des Ballonkorbs unbedeutend veorletzt purden er: 
nesten von den Samaritern der Feuerwehr Hilie
	        
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