Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

diesem Charakter, um ein einheitliches Bild zu erzielen, 
möglichst Rechnung zu tragen, also mindestens in Touristen-, 
Sport⸗ oder Sommerkostüm zu erscheinen. Die Einladungs 
karten werden demnächst verschickt. Sollte versebhentlich 
jemand übergangen sein, so wird gebeten, sich- bei der 
Firma F. W. Kaibel oder beim Kassierer des Stadttheaters, 
wo der Vorverkauf stattftindet und Vormerkungen entgegen— 
genommen werden, zu melden. Unsere Künstlerschar wird 
zur Unterhaltung ihrer Gäste ihr Bestes bieten. Also 
auf zum Künstlerball. 
b. 5⸗ Uhr⸗Tee. Der Baterländische Frauen-Verein vom 
Roten Kreuz veranstaltet am Montag, dem 27. Febr. seinen 
zweiten und letzten Teeabend in diesem Winter. Auch bei 
dieser Veranstaltung werden wiederum eine Reihe don Vor—⸗ 
trägen die Stunden verschönern helfen und den Teeabenden, 
die sich ja einer außerordentlichen Beliebtheit erfreuen, noch 
weiter neue Freunde zuführen. 
b. Neuer Frauenverein. Der 7. Diskussionsnachmittag findet 
Dienstag, nachmittags 5 Uhr im Evangelischen Vereinshause 
statt. Das Referat über „Was fangen wir mit unseren schul— 
entlassenen Töchtern an?“ hat Frau Else Breinig. 
b. Der Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft, Abt. 
Lübeck, hat, wie schon mitgeteilt, für Donnerstag, 2. März, 
um 7 Uhr in der Ges. z. Bef. gemeinnütziger Tätigkeit Frau 
von Eckenbrecher-Braunschweig zu einem Vortrag mit farbigen 
Lichtbildern: „Südwest-Afrika, Land und Leute, Erwerbs— 
möglichkeiten der deutschen Frau“ gewonnen, worauf wir noch— 
mals hinweisen. 
b. Kaiser-PTanbrama. In dieser Woche können wir 
eine hochinteressante Tour in die wundervolle Hochregion des 
Wettersteingebirges unternehmen. Vom Königshaus führt der 
Weg zum Teufelsgsätß übers Plateau zum Frauenalp in 
Zickzackwindungen an einer Quelle vorbei, bis zu einer breiten 
Einsattelung ans Dreitorspitzgatterl zur Meilerhütte, wo eine 
Rast und Stärkung nötig ist. Die schroffen roten Gratzacken 
der östl. Torlspitze lassen sich leicht Uuber den südl. Schroffen 
unter der Kammhöhe umgehen. Bei einem massigen Turm 
wird der Grat erklommen. 
Nusse, 18. Febt. Ein Knabe als Lebensretter. 
Vor einigen Tagen vergnügten sich hier mehrere Knaben auf 
dem Eise. Hierbei geriet der gjährige Sohn des Schuhmachers 
Br. an eine erst am vorigen Tage abgeeiste Stelle, die nur mit 
dünnem Eise bedeckt war, brach ein und wäre ertrunken, wenn nicht 
der 10jährige Sohn Otto des Landbriefträgers Kruse den Mut 
und die Geistesgegenwart gehabt hätte, auf dem Bauche kriechend 
sich der Unfallstelle zu nähern; es gelang ihm auch, den Ver—⸗ 
inglüchtten zu erfassen und aufs Trockene zu ziehen. 
Kp. Nusse, 19. Febr. Der Verein für Kranken— 
»flege in Nusse, Ritzerau und Poggensee hielt 
Freitag bei J. Cahts eine Generalversammlung ab. Es wurde 
der Jahresbericht erstattet, die Abrechnung vorgelegt und 
mehrere Anträge erledigt. — Der Verein besteht erst ein Jahr. 
Begegnete man demselben anfangs vielfach mit Gleichgültig— 
teit oder Mißtrauen, so hat sich das Blatt fast ganz zugunsten 
des Vereins gewendet. Das zeigte sich auf der gut besuchten 
Versammlung, das beweisen auch die neuerdings erfolgten 
zahlreichen Beitritte. Dieser Erfolg ist in erster Linie der 
alücklichen Wahl einer Krankenschwester zuzuschreiben, die mit 
Gewissenhaftigkeit und großer Liebe die Kranken pflegt, auch 
im Hauswesen ordnend und helsend zugreift; sie machte im 
Sahre 1248 Besuche. Leider steht der Verein pekuniär trotz 
des Beitrages der Hanseatischen Landesversicherung von 200 
Mark noch auf schwachen Füßen. Es wurde daher beschlossen, 
von solchen Hausständen, die noch nicht beigetreten sind, in Zu⸗ 
kunft ein Eintrittsgeld von 1.Muzu erheben, welches sich mit 
jedem Jahre der Nichtmitgliedschasft um 1 Mierhöht. Ohne 
milde Beiträge wird man aber vrrerst nicht auskommen. Pastor 
Harder, dem Vorsitzenden des Vereins, wurde für seine Mühe⸗ 
waltung der Dank der Versammlung ausgesprochen. 
j. Behlendorf, 19. Febt. Die Meiere i Lankau⸗ 
Behlendorf bezahlte, ebenso wie im vorigen Monat, 8,4 
Pfennig pro Liter aus. 
Hanfeftadie. 
Hamburg, 19. Febr. Eine der ältesten ham— 
burgischen Eigenarten, der alljöhrlich zwei Tage vor 
dem Pfingstfest stattfindende Lämmermarkt, soll verlegt werden, 
da der bisherige Platz vor dem Lübecder Tor immer mehr durch 
Staatsbhauten eingeengt wird. 
Großherzogtum Olßdenburg, Fürstenium Lübed. 
ESchwartau, 19. Febt. In der Versammlung 
des Landwirtschaftl. Vereins wurde von Herrn 
Hartmann-Lübeck der von ihm erfundene Drahtspanner vor⸗ 
geführt. Der praktische Apparat fand allsettig Beifall. Der 
Vorsitzende verteilte hierauf die Diplome für langiährige 
treue Dienste. Es erhielten Diplom und silberne Miedaille: 
F. Beth⸗Gr. Parin und H. Wickenberg-Stodelsdorf. Das 
Diplom: Arbeiter H. Wiggers, Schwartz, Cords und Suksdorf 
in Seeretßz, Arbeiterin Meier-Ovendorf und Dienstmädchen 
Schomann-Horsdorf. Zum Schluß hielt Generalsekretär Dr. 
keeder einen Vortrag über den Schutz gegen Maul- undKlauen⸗ 
seuche. 
Eutin, 19. Febr. Mit dem schon länger projek— 
tierten Erweiterungsban der katholischen 
Auch ein Spaziergang. 
(Aber nur vor den Kulissen.) 
Der verehrte Herr Verfasser der „Lübecker Spaziergänge“ 
kat uns schon lange des Vergnügens beraubt, seine drolligen 
Plaudereien zu lesen. 
Sollte er sein Dola far niente nun hinter den Kulissen 
genießen? Das wäre schade! — Vor den Küulissen sieht 
man ihn selten. Man munkelt, er brüte an einem neuen Ei 
einer Laune. 
Als getreuer Begleiter auf seinen Spaziergängen folgte 
ch ihm unentwegt wie man zu sagen pflegt durch dick und 
dünn und knüpfte meinen Geistesfaden an den seinen, bis er 
riß! Der Faden, wohlverstanden. Jetzt stand ich da, des 
Schichsals Tücke trotzend, und suchte meinen Pfad allein. Ob's 
mir gelingt, den drei Parzen die Arbeit zu erleichtern. Ich 
wags's und berichte Euch, was ich in Lübecks Mauern schaute. 
Da man bei einem Frühschoppen, wie früher, nicht mehr 
‚das Neueste“ sammeln kann, also hinaus in Lübeds Groß— 
tadtgetriebe! Was „Neues, Nervenkitzelndes, Tagesneuig— 
leiten“ hören, war mein erster Gedankle, aber wo? Halt,; 
rin Gedanke, die „Elektrische“‘é, Mühlentor —Burgtorlinie: das 
reine Parlament. Du fährst so lange, bis du genug Stoff 
Jesammelt 
Rirche soll demnächst begonnen werden. Für die Lettung und 
Aussührung des Baues kommen nur hiesige Firmen in Betracht. 
die Bauleitung wurde Architekt C. Klücher übertragen. 
Oldenburg, 19. Febr. Landtag. Abgeordneter 
Müller-Brake berichtete namens des Ausschusses für die Denkschrift 
ind die Besoldungsvorlagen über die Denkschrift betreffend die 
Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung. 
Großherzogtümer Medllenburg. 
88 Grevesmählen, 19. Febr. Ein Feuer älcherte 
das Wirtschaftsgebäude zu Rolofshagen in der Bothmerschen 
Brafschaft ein. Das Herrenkaus, welches mit dem Wirt—⸗ 
chaftshaus verbunden und deshalb bei dem starken Wind 
n großer Gefahr war, konnte von den Löschmannschaften 
les waren 3 Spritzen zur Stelle) gerettet werden. Aufge— 
zangen ist das Feuer wahrscheinlich auf der Mädchenstube 
ruf eine bisher noch nicht aufgeklärte Weise. 
Nehna, 19. Febr. Goldene Hochzeit feierte das 
Alrenteiler Rosesche Eheraar, Piere stor'. Der Großherzoz ließ dem 
zubelpaare ein Glückwunschschreiben nebst einem Geldgeschenk 
iberreichen. — Auf der hies. Deckstation werden aus 
»em großh. Landgestüt zu Redefin folgende drei Hengste sta— 
ioniert: 1. „Xantus“, schwarzbraun, geb. 1893; 2. „In—⸗ 
zenius“, Fuchs, geb. 1899 und 3. „Schulrat“, braun, geb. 
1902. Die Stutenkörung findet Mittwoch, 22. Febr. auf dem 
Schutzenplatze statt 
die Straße als Erzieherin der Menschen. 
Von J. Tews.“) 
Diese Formulierung wird manchem, der die Nachtseiten 
des Straßenlebens kennt, als eine sinnlose Phrase erscheinen, 
und auch wer nur die harmloseren Erscheinungen kennt, die 
nan auf Straßen und Plätzen an herumlungernden jungen 
Bürschchen Tag für Tag beobachten kann, wird von der Päd⸗ 
igogik der Straße nicht viel wissen wollen. Und doch ist die 
Straße eine Erzieherin, eine wichtigere, einflußreichere viel— 
leicht, als wir alle es wissen und uns eingestehen mögen. 
Wie wirkt nun die Straße der Großstadt auf den Menschen? 
Auf der Straße ist alles RNeußerlichkeit und Schein. 
Wir kleiden uns vollständig und sorgfältig, wenn wir die 
Straße betreten. Alles Intime und Eigenartige soll möglichst 
zurücttreten. Auf der Straße der Großstadt tritt der Mensch 
o auf, wie er gesehen werden win. Alles ist für das Auge 
des Mitmenschen berechnet, alies nach außen gekehrt. Die 
Straben der Kleinstadt und des Torfes spiegeln am Werktag 
»as Verufsleben der Bewohner in allen seinen Formen und 
Abstufungen wider. Das Arbeitsfeid ist zugleich das Straßen— 
leid. Anders in der Großstadt. Hier haben auch die Arbeiter 
and die Fabrikmädchen für den Gang zur Arbeitsstätte und 
zurück ihr Straßenkleid. Auf der Straße der Großstadt treten 
ie sozialen Unterschiede in der äreren Erscheinung stark zurück 
lles drängt auf möglichste Einförmigkeit und Gleichheit. Tas 
unte Bild einer mittelalterlichen Stadt, in der die Kleidung 
en Stand markierte und markieren sollte, ist völlig ver— 
chwunden. Je mehr die Arbeit ron der Straße selbst und aus 
er Straßenfront der Häuser verschwunden ist, je mehr sie sich 
n die Hinterhäuser, in die Fabriken und Geschäftshäuser zurück⸗ 
sezogen hat, um so mehr verschwindet auch der Arbeitsroch 
zon der Straße, und in den daeutschen Großstädten, in Berlin 
peziell, mehr als beispielsweise in Paris. 
Die Straße erzieht die große Menge für gefällige 
ßewegungen, für schöne Kleider, für an— 
prechende Manieren. Snsbesondere betrachtet die 
*xrau die Straße als das große Buch, in dem sie 
Mode und Lebensformen in immer neuer Man— 
nigfaltigkeit studiert. Mancher Ausgang unterbliebe 
ohne diesen Zweck. Die Neugier veranlaßt mehr Spazier— 
zänge als das Bedürfnis, dem Körper Bewegung zu verschaffen. 
Was die andern anhaben, was getragen wird und was man 
nfolgedessen selbst haben muß, das lehrt die Straße am be— 
juemsten und vollständigsten. Die Straße ist aber auch die 
roße Lästerallee, in der die lieben Nächsten nach allem, was 
iußerlich erscheint, durchgehechelt werden, und an dieser lieb— 
lichen Beschäftigung nebmen auch die Kinder oft altklug schon 
teil 
Jeärmer nun der Mensch ist, um so mehr bedeutet sür 
ihn die Straße. Für das ärmere Kind ist die Straße Garten 
und Spielplatz. Dem Erwachsenen, der sich von zahlreichen 
Stätten der Erholung und der Erheiterung dadurch ausge— 
chlossen sieht, dah er die Entrees nicht zahlen kann, bietet 
die Straße Erholung, Belebung, Anregung. Sie ist ihm 
Ressource und Theater. Alle Schätze, die im Hause des 
Reichen zu finden sind, kann der Arme oft nur auf der 
Straße, vor den glänzenden, lhell erleuchteten Schaufenstern 
kennen lernen. 
Aber weil alles auf das Aeußere, 'den Schein berechnet 
sst, macht die Straße der Großstadt oberflächlich. Sie bietet 
»on allem etwas, aber nichts Dauerndes und nichts Ganzes 
kin Leben, das auf die Straße berechnet ist, verliert seinen 
mneren Gehalt. Unzählige Tausende gestalten ihr Leben so, 
daß sie sich in den elementarsten Bedürfnissen die empfind— 
2) Wir geben in obigen Ausführungen einen Auszug aus 
dem neu erschienenen Büchlein „Großstadtpädagogik“ wieder. 
Sammlung Natur und Geisteswelt. Verlag B. G. Teubner, 
Leipzia. Preis 1,25 M 
7T 
Neben mir zwei Damen, sie sp—rachen gut lüb—sches 
Deutsch und behandelten die Kaffee — Güten des Schweizer— 
auses im Vergleich zur Forsthalle, dazwischen etwas Topf—⸗ 
uchen, Nebelfrau, Schwartauer Waldhalle und Kinematograph. 
zeim Geibelplatz stiegen sie aus, über ein bei der Gröpelgrube 
efindlichs „Mo disten-Atelier im Wiener Ge— 
chem ack“ lebhaft konversierend. Zwei kleine angehende 
kheaterfreunde stiegen ein, sie debattierten lebhaft, welchen 
ztücken sie die Ehre ihrer Auwesenheit angedeihen lassen 
ollten — „Alt⸗Heidelberg“, der „Geschiedenen Frau“ oder 
er „Revolutionshochzeit“. Der eine kleine Fenschmecker über— 
immte den anderen mit dem Schlagwort „Le roi“, zu deutsch 
Der König“, der sei ganz neu und dabei könne man franzö— 
isch lernen. Seine französische Aussprache bedürfe noch sehr 
er Verbesserung und da wohl das ganze Stück in beiden 
S„prachen gespielt würde, müsse man unbedingt davon Nutzen 
iehen und hineingehen. Der Titel des Stückes deute schon auf 
twas ganz historisches und der Inhalt desselben wäre einfach 
iassisch, das hätte ihm schon sein älkerer Bruder gesagt, der das 
Stuck in Berlin gesehen hatte. — Neulich hätte er „Die Jung⸗ 
rau von Orléans“ gesehen und „Ter König“ (Le Roi) wäre 
ioch viel schöner, hätte sein äeteser Bruder gesagt, und der 
zarte viel von fransösischen Klassikern. 
Ich lächelte und brummte vor mich hin „Der Skandal“. Der 
leine aufgeweckte Schuler, hellhörig wie er war. überletzte meinen 
ichsten Beschränkungen auferlegen, nur um für die Strahe 
jerüstet zu sein. Das junge Mädchen braucht ein hubshe 
Kleid und einen modernen Hut, aber es hat oft nicht satt a 
essen, macht keine Ersparnisse, kauft und liest kein Buch. 
Die Straße ist der Moloch, dem wir alle unendlich viei 
pfern. e s 
Das Wogen und Drängen, das Fluten und Treiben der 
Broßstadtstraße wirkt auch auf das Geistes- und Gemütsleben 
ein. Die Straße regt auf, sie macht lebhafter. Der Müde, 
der Kranke, der Gelähmte erfreuen sich an den kaleido— 
kopischen Bildern des Straßenlebens. Darum sind 
Srkerund Balkons so beliebt und werden um so mehr 
verlangt, je weniger die Straße selbst das ruhige Zuschauen 
jestattet. 
Briefkaften der Redaktion. 
X.. Eutin. Das Fernsprechnetz der Erde umfaßt nach 
einer amerikanischen Zusammenstellung nach dem Stande vom 
l. Januar 1910 etwa 10 269 000 Sprechapparate und 38678 000 
tilometer Leitungen, die einen Wert von 6 Milliarden M 
zarstellen. Die meisten Sprechstellen haben die Vereinigten 
Staaten von Amerika mit 7083 900. Es folgen Deutsch- 
band mit 940 966, England 615 900, Kanada 239 200, Frank⸗ 
rteich 211600, Schweden 171400, Rußland 155 715. Alle anderen 
Länder haben weniger als 100000 Sprechstellen, Oesterreich 
39 500, Dänemark 86 000, die Schweiz 73 300, Japan 71 400 usw. 
Das dichteste Fernsprechnet von allen Städten der Erde hat 
dos Angeles in Kalifornien mit 60000 Sprechstellen und 
240 000 Einwohner oder 25,4 Sprechstellen auf 100 Einwohner. 
Dann folgt Stockholm, wo 58000 Sprechstellen auf 340 000 
Finwohner oder 17,1 auf 100 Einwohner entfallen. Die Zahl 
»er Ferngespräche wird jährlich auf mehr als 19 Milliarden 
eschätzt. Von diesen kommen 134 Milliarden oder 70 040 
zuf die Vereinigten Staaten. Der Fernsprechbetrieb beschäftigt 
twa 260000 Personen. 
W. Z., Mühlenstraße. Der Reichstag des Norddeutschen 
ßundes wurde am 19. Juli 1870 durch eine Thronrede des 
—O 
eit empfing Graf Bismarck die französische Kriegserklärung, 
»as erste amtliche Schriftstück in der ganzen Angelegenheit, 
zas er sofort in der folgenden ersten Sitzung des Reichstags 
nitteilte. Amtliche Schriftstücke sind also überhaupt nicht ge— 
vechselt worden, ein Beweis für die Leichtfertigkeit, mit der 
die Franzosen den von ihnen unter allen Umständen gewollten 
Krieg angezettelt haben. 
M. F., Fackenburger Allee. Bis zum Jahre 1907 war 
Farnegie diejenige Person der Vereinigten Staaten, welche die 
zöchsten Steuern zahlte, nämlich jährlich 2820 Mill. M. Hierauf 
öste ihn eine Dame ab, Frau Russel Sage; sie führte noch 
44 Mill. Memehr Steuern ab. 
E. W., Schwartau. Jawohl. Oft kommt es vor, daß 
'ich Leute, die sich photographieren lassen wollen, zu diesem 
Zwecke absonderlich frisieren, schminken, kleiden, oder bei der 
Aufnahme das Gesicht verziehen, etwa aus Beklemmung, oder 
in dem Bestreben, sich ein besonderes Aussehen, einen schönen 
Blick, eine geistreiche, interessante Miene usw. zu geben. Die 
ich so verstellten bilden sich dann leicht ein, en tstellt 
vorden zu sein. Man frisiere, kleide, gebe sich also möglichst 
wie sonst, wenn man auch etwas angeregt und etwas freund⸗ 
ich erscheinen darf. Sonst geke man immer nur zum Altelier, 
venn innerlich und äüußerlich Sonne scheint; heiteres Licht ist 
gerade zu diesem Zweck sehr notwendig. Im übrigen sei be— 
nerkt, daß sich karierte Stoffe, Schleifen, Schlipse gut aus— 
tehmen. Brünette dürfen nicht zu helle Kleidung tragen, auf 
einen Fall weiße oder hellblaue. Vorsicht bei Vrofilstellung! 
durch die weltbekannte Annoncen -Expedition 
daasenstein & Voꝗler A.G. veröffentlicht, haben 
jen Vorzug der Billigseit und bestmöglichste 
Aussicht auf Erfolg; wir leissten alle Neben- 
arbesten kostenlos und liefern unserer Kund-— 
schaft effektvollste Inserat-Entwürfe vollständig 
LUBECA. Iaptt ibi Idoon 31. 
— — —— 
dauten Gedanken mik „LDe scandal“ und lobte triumphierend den 
Herrn Theaterdirektor, dem er die Vereicherung seiner französischen 
Kenntnisse verdanke. 
Ein kräftig aussehender Herr, der ein Umsteigebillet für den 
Zohlmarkt genommen hatte, mischte sich ins Gespräch und sagte: 
„Unsinn! Die wahre Kunst bekommt ihr nur im Hansatheater 
u sehen, da lernt ihr alle Sprachen: pariserisch, budapestisch, 
ibroadisch!“ Ich enthielt mich nue mit Mühe der Bemerkung: 
„Der Anfang wäre mit dem „Loch im Strupf“ gemacht und 
»as Ende fände im „Disziplinar-Arrest“ statt. 
Jedenfalls sagte noch der ute Mann: Dort sieht man die 
ladte Wahrheit und noch viel mehr, das weit gesünder sei als 
indere vielfach gepriesene Aufklärungen. 
Der strebsame Sprachenfreund machte noch einige Versuche, 
Hennarini auf deutsch und Tannhäuser auf französisch wieder⸗ 
ugeben, und die Haltestelle Rathaus war erreicht. Wonach 
ch so sehr ausgeschaut hatte, den Verfasser der Spaziergänge 
Vor und hinter den Kulissen“, hatte ich nur flüchtig im Vor— 
berfahren gesehen. Der dichte Nebel ließ ihn nur einen Moment 
neinem Auge frei, ich konnte ihn leider nicht erreichen, sonst hätte 
ch ihn gefraat: „Nun, lieber Freund, haben Sie sich in Ihre 
Zirschkäfersammlung zurüchgezogen? Der Frühling locht uns 
dald, Sie müssen mit hinaus zum — „Spaziergang!“ 
18 „Bpedtator.
	        
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