Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

chtung von Beaniten⸗Ausschüssen, Sicherung des Koalitionsr 
d nerkennung der Organisation . dt ————— 
——— ß r Techniker beim Ueber⸗ 
amit ist die zweite Beratung des 
erde ueieet a Etats der Marine⸗— 
Rächste Sißung Freitag Uhr: üͤ jet 
iantschou, Etat des Reichsiustizamts. iat sur das Ochuvaebiet 
Schluß 654 Uh⸗ 
Preußischer Landtag. 
Abgeordnetenhaus. 
28. Sitzung. W 
Berlin, den 16. Februar. 
Am — Irhr. v. Schorlemer. 
ni — ** . Porsch eröffnet die Sißzung um 11 Uhr 16 
nuten. 
Auf der Tagesordnung stehen zunächft die Anträge der Abgg. 
driins (natlib) u. Gen. und des Abg. Dr. v. Woyna (freikons.) 
heir. die 
Winzernot. 
Die eneien sordert in einer Resolution die Regierung 
auf, ene eldmittel zur Unterstützung der Winzer in fämt- 
ichen westlichen Weinbaugebieten bereitzustellen zur Bekämpfung 
»es, Heu- und Sauerwurms, und sonstigex Rebschaädlinge. Die be— 
villigte Summe ist an die betroffenen, Gemeinden zu überweisen, 
ind zwar 60pro Mexrgen. Die Hälfte der Summe ist späte— 
tens zum J. März, der Rest zum 1. Juni d. Is. zu zahlen. 
Dazu liegt ein Antrag Ahrens (kons.) n. Gen. vor, der sich in 
einem ersten Teil mit der Resolution decki, der aber den Zuseß ent 
zält, daß die Voraussetzung zur — von Staatsmitteln die 
Bewährung von Mitteln seitens der Provinzial- gege Bezirksver⸗ 
zände mindestens in 333 Höhe und zum gleichen Zweck pir soll. 
Abg. Dr. v. Woyna sfreikons.); Den, Winzern muß ausreichend 
jeholfen werden. Dazu scheint uns die Resolution der Kommission 
aicht 83 Weg zu sein. Wir bitten um Annahme des An— 
rags Ahrens. 
Minister Frhr. v. Schorlemer; Der Beschluß der Kommission 
st nir die Regierung unannehmbar. Seine Durchführung 
vürde ungefähr 4200 0600 An erfordern. Eine solche Staaisbeihilfe 
jst gegenüber dem wirklich vorhandenen Nolstande entschieden zu 
hoch. Gört, dgh— Der eet leidet außerdem an dem Mangel, 
daß eine finanzielle Mitwirkung der beteiligten Kreise, Gemeinden 
ind Provinzialverbände nicht vorgesehen ist. In Uebereinstimmung 
mit dem Finanzminister bin ich der Meinung, daß im großen und 
zanzen die für die Bekämpfung des Heu- und Sauerwurms im 
aufenden Jahre ausgeworfenen Summen ageend sind, die wir 
ereits zur Verfügung Chehe haben unter der Dene daß 
vie Kommunalverbände der Rheinprobinz sich an dieser Beihilse be— 
teiligen. „Die Winzer müssen belehrt werden und I auch selber an 
der Bekämpfung der Schädlinge beteiligen. Wir find bereit, für 
die in Aneig genommenen zinslosen Darlehen die Satne beigu. 
teuern. 15 Prozent sollen den Kreisen erlassen werden. ir rech⸗ 
nen mit der Möglichkeit, daß mehrere Hunderttausend 
Mar!l zur Verfügung geftellt werden müssen Diese Summe kann 
ils ausreichend zur Beseitigung des Notstandes bezeichnet wer— 
en; dadurch wird es ermöglicht werden, die Winzer in ihrem Er— 
verbsstand zu galien. Ich bitte um Annahme des Antr—as 
Ahrens. (Beifall. 
Abg. Müller-Koblenz (Ztr.): Es handelt fich nicht nur um die 
Beseitigung der Not des Winzerstandes, sondern um bie Erhaltung 
des gefährdeten ganzen rheinischen Weinbaus. Man will die Kreise 
zu den Notstandskosten heranziehen. Die Kreise sind aber infolge 
der Winzernot selbst in einer Notlage, Der Antrag Ahrens sebt 
alles in das Ermessen der Regierung. Wir bitien um Annahme der 
Resolution der Kommission. Beifall im Zentrum.) 
Abg. Dr. Cruger pag Vp.);, Bei der Beurteilimg. der 
Pinzernot muß man auch die Begleiterscheinungen, z. B. die dadurch 
ervorgerufene Notlage des Handwerks berücksichtigen. Wir bitten 
m Annahme der Resolution der Kommission 
Abg. Engelsmann (natlib.): Es handelt sich hier um einen Feld⸗ 
ma, da darf nicht geknausert werden, ich bitte ebenfalls um An⸗ 
nahme des Antrags der Kommission. 
Abg. v. Pappenheim (kons.) begründet den Antrag Ahrens. 
Anser herzliches Mitleid mit der Not der Winzer darf uns nicht dazu 
ühren, das Unerreichbare zu verlangen. Der Kommissionsantrag 
st für uns anannehmbar. Warum wollen Sie den alten Grundlatz 
reisgeben, wonach bei Linderung von Noiständen die Provinz sich 
ebenso beteiligen soll wie die der Staat? 
Die Debatte wird geschlossen. 
Der Antrag der Kommission wird gegen die Stimmen 
der Konservativen und Freikonservativen angenommen; die 
ibrigen Anträge sind dadurch erledigt. 
Hierauf wird die Beratung des 
Etats des Ministeriums des Innern 
xim Kapitel Polizeiperwaltunag von Berlin und Um—⸗ 
xxbung fortgesetzt. 
Abg. Rosenow (fortschr. Vp.): Infolge der Moabiter Vor— 
ãnge ist das Vertrauen der Bevölkerung zur Polizei nicht. ge⸗ 
estigt und die Stagatsautorität nicht gestärkt worden. Der Polizei- 
hräsident danf bei der Köonzefsionserfeilung von Véer⸗— 
kehrsu nternehmungen nicht eigenmächtig vorgehen, son⸗ 
ern joll die Interessen der Allgeme nheit berücksichtzgen. Wenn der 
Polizeipräsident die Konzessionserteilung der Bahn Nord-Süd davon 
bhängig macht, daß sich Berlin mit Tempelhof einiat so ist dieser 
Ztandpunkt nach keiner Richtung haltbar. Auch können wir Es nicht 
illigen, daß der Stadt Berlin die Ueberiragung der Wohl- 
ahrtspolizei ohne Angabe von Gründen adaelehnt worden ist. 
luch die Regierung würde der dieser Uebettraaung un fahren, des 
alb möge sie der Stadt Berlin in dieser Frage erigedenfamimen. 
Beifall links.) 
—.Minister des Innern v. Dallwiz: Was den Wunsch der 
Ztadt Berlin nach Uebertragung der Wohlfahrtspolizei beirifft, 
o hat im Jahre 1805 eine Kommission darüber beraten. Von 
em Ergebnis dieser Kommissionsberatung ist der Staatsregie⸗ 
ung keine Mitteilung gemacht worden. (Soöͤrt! Hört!) Die Frage 
der Konzessionserteilung zu Eisenbahnen gehört nicht in mein 
Ressort, und ich kaun dem Abg. Rosenom keine Auskunft darüber 
jeben. Die Polizei hat in erster Linie die ae das Publikum 
u schützen. Bei Ausschreitungen hat sie die Aufgabe, die Ord⸗ 
ung wiederherzustellen und den Aufruhr zu daͤmpfen. Wenn 
hierbei Unbeteiligte zu Schaden kommen, so ist das bedauerlich, 
»s läßt sich aber nicht vermeiden. (Beifall rechts.) 
Abg. FIrhr. v. Zedlig (freikons.): Die gey Bemerkun⸗ 
jen der Sozialdemokraten haben dargetan, daß ihre Anschauun⸗ 
jen mit Voterlandsliebe und Gottesfürcht in Widerspruch stehen. 
—V ideß die — in 
Moabit, unter sozialdemoktratischer Suggestion 
jestanden haben, halte ich aufrecht. Es ist kein Zweifel, daß die 
Sozialdemokraten die Schnld an den Moabiter Vorgängen tra— 
zen. Ich halte es nicht für angezeigt, daß einzelne Zweige der 
Wohlfahrtspolizei an Berlin übertragen werden. Ich kann dem 
ba. Cassel nicht zustimmen, wenn er behauptet, Berlin stehe in 
eder Beziehung auf der Höhe. 
Abg. Cafsel (Fortschr. Vp.): Ich habe niemals behauptet, 
daß Berlin überall auf, der Höhe Jedenfalls ist der Vorwurf 
uinbegründet, daß Berlin rückständig ist. Die Erwerbung des 
dempelhofer Feldes hätte füir Bexlin erst dann Wert gehabt, 
venn das Tempelhofer Feld auch eingemeindet worden wäre, 
vas wir nicht erxeichen konnten. Die Behauptung, daß wir in 
der Stadtgemeinde Berlin Wahlen * politischen Rücksichten 
nachen, i hr Bei der Wahl des Oberbürgermeisters 
dirschner spielte die Parteikonftellation keine Rolle. Die gehässige 
Fritik des Herrn von Zedlitz ist eine unbegründete Hetze gegen 
Berlin, Berlins Lob ertönt im Ausland von allen Seiten Aber 
im Inland, nörgell man an Berlin herum, weil seine Bevölte— 
rußg sich überwlegend zur Opposition bekennt. Das soll uns aber 
—— unbeirrt unsere Ueberzeugung zu vertreten (Rei— 
na inks. 
Abg. Hammer (kons.): Es waãre zu wünschen gewesen, daß 
die Herren Cassel und Rosenow einen solchen Eifer, wie sie hhu 
zeigen, bei den Verhandlungen üͤber die Nord-Suͤdbahn be— 
ndet bätten, die bereits vor zehn Jabhren eingelcktet wurden. 
Vas soll aus den Verhandlungen über den Berliner Zweckver⸗ 
and werden, wenn die bürgerlichen Abgeordneten den Berliner 
zwist mit soicher Leidenschaftlichkeit hier erörtern? 
Nach weiteren Bemerkungen der Abqgqg. Rosenaw (Fortschr. 
Kpt.) und Dr. Liebknecht Eom) werden die Gehälter der höhe⸗ 
en Polizeibeamten in Berlin bewilligt. 
25 Reimer⸗Görlitz (kons.) empfiehlt die Reliktenversorgung 
der Polizeidiätare. 
Abtg. Dr. Wendtlandt (natlib.) tritt für bessere Avancements⸗ 
verhältnisse der Bureauassistenten im Meldeamt ein. 
Beim Kapitel RPolizelverwaltung in den Provinzen?“ bringt 
Albsg. e e) Wünsche betr. anderweitige Organisa- 
ion der Polizei in Oberschlesien, speziell in er zur rge 
Minister v. Dallwißz: Wegen des Wunsches des Abg. Goebeb 
yweben Verhandlungen. 
Abg. Hoff (Fortschr. Vpt.) beschwert sich darüber, daß die 
ztadt Kiel durch das neue Polizeikostengesetz so schwer belastet 
st, daß fie über Wo 000 A mehr zahlen muß als früher. Auf eine 
Infrage des Redners exwidert 
Geheimrat Baubach: Die Schußzleute bei der Kieler Werft 
verden vom Reich bezahlt. 
Hierauf wird die Debatte geschlossen. 
Abg. Ströbel (Soz.) bedauert, daß ihm durch Schluß der 
debaite die Gelegenheit genommen worden sei, die standalösen 
Justande der Poltzeiberwaltung in den Provinzen zu schildern. 
der Redner wird bei feinen Ausführungen wiederholt zur Sache 
ind zweimal zur Ordnung — worauf ihm vom 
sn Wentes das Wort zur Geschä orbnung entzogen 
bird. 
Auch der Abg. Hoffmann erhält wegen eines Zwischen⸗ 
ufes einen Ordnungsruf. 
Abg. dr. Bell (Hentr.) bittet den Minister, die Wünsche der 
doligeideamten, insbesondere im rheinischewestfaͤlischen Industrie⸗ 
ebiel, die nach der Verstgatlichung der Kommunalpolizei in den 
ztagtsdienst getreten sind, zu beruͤcksichtigen. 
Agbe Barischer (Zemri)“ vbedauert die Schädigung der Zucht 
on reinrassigen Polizeihunden durch Einstellung von 
ichtreinroffigen Polizeihunden, besonders in den Kommunal⸗ 
erwaltungen. 
Abg. Hoffmann (Soz.): Die Polizeihunde sollten nur zur 
Auffindung von Verbrechern benußt werden. Es ist aber zu 
darnen vor einer mißbräuchlichen Verwendung der Velizeihunde. 
umal da es vorkommt, daß sie ganz unbeteiligte Versonen an⸗ 
allen und beißen. 
Hierauf wird die Sitzung abgebrochen und die Weiterbe⸗ 
atung auf heuete abend 74 Üühr vertagt. Schluß 46 Uhr. 
Ebendsitzung.) 
Am Ministertisch: v. Dallwitz. J 
Vizepräsident Krause eröffnet die Sitzung um 7 Uhr 
Minuten. 
Die zweite Beratung des 
Etats des Ministeriums des Innern 
wird bei dem Titel „Distriktskommissare in der Provinz Posen“ 
rtgesetzt. J 
867 Ströbel (Soz.) bemerkt zur Geschäftsordnung, 
aß der Präfident in der Tagessitzung ihm zu Unrecht das 
Bort entzogen habe, indem er nicht vorher dreimal zur 
zache gerufen, sondern nur zweimal ermahnt worden sei, zur 
zache zu sprechen. 
Bizeurüsident Kraufe unterbricht den Redner, indem er er⸗ 
lärt, daß ex jetzt, während der Debatte, nicht Geschüftsordnungs⸗ 
ragen vorbringen dürfe. — 
Abg. Ströbel bemerkt, er könne iederzeit zur Geschäftsord⸗ 
zung sprechen. 
Bizeprüfident Kraufe hleibt bei seiner Behauptung. 
Abg. Liebknecht unterstützt die Ansicht d Ströbel. 
Abg. Schiffer (natlib.) bemerkt zur Geschäftsordnung, daß de 
Bizeprasident ja nicht die Besprechung der Wortentziehung übere 
haupt nicht zulasse, sondern nur in diefem Augenblick. Man 
önnte vielleicht am Schluß der Debatte hierauf zurückkommen 
Das Haus tritt hierauf in die materielle Debatte ein. 
Abg. Viered (freikons.) wünscht, daß alle Distriktskommissare 
mit Dienstwohnungen ausgestattet würden. Zur Hebung des 
Staudes müsse man den älleren Distriktskommiffaren den Tilel 
Polizeirat verleihen. Auf der Taätigkeit der Distrikiskommiffare 
beruhe neben dem Landrat das Wohl und Wehe der Kreise, 
Abg. Mogk (natlib.) schließt iich dem Vorredner and 
Das Kopitel wird hierauf bewilligt. — 
Beim Kavitel Landgendarmerie“ spricht 
Abg. Viereck (sreikons.) seine Freude darüber aus, daß eine 
Neuregelung der Dienstaufwand-Entschädigungen 
ür die Brigadiers eingetreten sei und daß eine größere Kabl von 
diensiwohnungen für Gendarmeriewachtmeister und Gendarmen 
zeschaffen sei. 
Alle Gendarmen müßten Dienstwohnung erhalten. Kßu wünschen 
ei, daß den Fußgendarmen Polizeihunde gegeben würden. Tas 
zchreibwerk müsse möglichst eingeschränkt, ein Tag im Monat den 
vendarmen freigegeben und ihnen auch Urlaub erteilt werden. 
w Abg. Hammer (ons.) schließt sich dem Vorredner in allen Ein— 
elheiten an. 
Abg, Heine (natlib.) tritt für Verbesseriung der Bezüge der 
Rstrikt-Offiziere und Vermehrung der Dienstwohnungen 
ir die Gendarmen ein. Auf seine Anregung erwidert ein 
Regierungskommissar, daß der Fonds für außerordentliche Re⸗ 
nunergtionen, und AUnterstützungen für Oberwachtmeifter 
uind Gendarmen Beamten zugute komme, die basonders 
Mieten zablten oder Krankheitssülle in ihren Familien 
oätten. 
Das Kapitel wird bewilligt. 
Die Sozialdemokraten beantragen, die Regierung zu ersuchen 
die politaͤsche Geheimpolizei abzuschaffen 
Abg, Hoffmaun (Soz); Die politische Geheimpolizei ist ein 
— e der Em hie Preußens. Die Intelligenzen der 
olitischen Geheimpolizel könnten anders vervendet werden. 
die Geheimpolizei kämpft 8 die Sozialdemokratie und doch 
st es nur dieser zu danken, daßz der Gewalt-Anarchismus bei uns 
einen Boden findet. Ich konnte noch vieles üͤber Lockspitzel⸗ 
ffären berichten, ich will aber auf die Geschaftsiage des Haufes 
dückficht nehmen. (Heiterkeit) Der Redner e dann noch 
ange Zeit fort und bemerkt u. a.: Was man frübher mit Hülfe 
s Sozialistengesetzes gemacht habe, mache man jeßt durch den 
Beheimfonds. 
Darauf vertagt sich das Haus. 
Abg. Ströbel (Soz.) kommt nochmals auf die Wortent⸗ 
nrehung zurück und bezieht sich aun einen Varagraphen der 
sgeschaftsordnung. 
Prasident v. Krächer erwidert, der Paragraph beziehe fich 
ediglich auf Ieinen eines Redners zur allgememnen De— 
natte. Da Ströbel zur Geschäftsordnung gesprochen habe, so habe 
x sich für verpflichlet gehalten, nach eigenem Ermessen die Rechte 
der Geschäftsordnung zu wahren. 
Abg. Strabel will nochmals auf die Frage eingehen, wird 
iber vom Präsidenten daran verhindert. 
Vom Aba Ströbel ist ein Schreiben eingegangen, in dem 
er gegen den ihm gestern erteilten Ordnungasruf Ein⸗ 
bpruch, erhebt. Der Präsident wird wegen der Abstimmung 
über diesen Einspruch das Rähere bekannigeben. 
Morgen 11 Uhr: Fortsetzung der heutigen Tagesordnung. 
Schluß nach 1043 Ubr 
Dãmmerzustãnde vor Gericht. 
In verschiedenen der letzten Zeit ist von der 
Angetlagten zu ihrer Entlastung angeführt worden, daß fie die Ta— 
n einem krankhaften Zustand von Erinnerungsverlust, elnem sogen 
dämmerzustande, begangen e Die Kenntnis von der Exissenz 
ines krankhaften Verlustes der Erinnerung ist dadurch in breitere 
Folksschichten gedrungen, und nicht Vien wird deshalb bon gewitzten 
zerbrechern bei der Gerich isverhandlung das Vorhandensein eines 
olchen Dämmerzuftandes Es ist dann nicht immer leicht 
ür den Sachverständigen. ukellen. ob dieser QAustand nur vorde 
piegelt wird oder wirklich vorgelegen hat. Au], Grund Jeiner aen 
faͤhrung als sorensijchet Sachverständiger gibt nun Dr. Forsiet in 
er Umschau eine Analyse — Dämmerzustände und erörtert die 
Frage, wie man einen sich damit verteidigenden Verbrecher eventuell 
Aatben tönne. Bei durch. erbliche Veranlagung, chronische Vergis⸗ 
uing, Epilepsie usw. dazu veranlagten Personen —* manchmal plöß⸗ 
sch' die Erinnerung aus, um nach einiger Zeit, gewöhnlich nach 
Ztunden oder Tagen ebenso plößlich wiederzutehren. Bisweilen ist 
er in einem solchen Dämmerzustande Befindliche von einem nor— 
nalen Menschen nur dadurch verschieden. daß die Erinnerung an sein 
—5— Leben ganz oder fast ganz Waee zu sein pflegt. Sein 
sand iss daher für einen ihm fremden Menschen schwer zu erlennen. 
Ift freilich kommen auch während des Dämmerzustandes Handlungen 
or, die auch von einem Laien sofort als krankhaft erkannt werden. 
Das wichtigsfte Kennzeichen für die Fesistellung eines Dämme— 
ungszustandes ist nachher die völlige Erinnerungslosigleit an alle 
Vorgange, die der Kranke während dieser Zeit erlebte. Bisweilen 
äßt sich die ppeeer Dämmerzustandes nur dadurch evident 
eweisen, daß dem Verbrecher während der gleichen Zeit Handlungen 
achgewiesen werden, die ein Vorhandensein seines vollkommenen 
Zewußtseins außer Frage stellen. Dieser Fall lag bei einem Ver— 
recher vor, der, in der Annahme, sein Komplize sei verhaftet und 
abe einen gemeinsam begangenen Raubmordversuch eingestanden, 
in voufland ges Gestaͤnbdnis aͤblegte. Ris er mertie, daß der Mit 
chuldige verstockter geblieben war als er, wiederrief er seine 
ngaben, indem er in geschickter Weise einen Daͤmmerzustand 
D Während er tatsächlich schon viele Wochen in Untersuchungs⸗ 
— —— 
zefängnis befinden, gab vor, von dem Geständnis nichts zu 
vissen und leugnete, die Tat ausgeführt zu haben. Er gab genau 
sen Zeitpunkt an, an dem er verhaftet wurde, wußte auch, wann 
x vor den Untersuchungsrichter geführt worden war, aber von 
em Geftaͤndnis wollte er nichts wissen. Er müßte es in einem 
dãmmerzustand abgelegt haben, die Details seiner Erzählung 
nüßten aus Feeneen über das Verbrechen stammen, die 
r ee o unwahrscheinlich auch dieser Dämmerzustand er⸗ 
chelnen mochte, so konnte er doch als völlig unmöglich erst dadurch 
arwiesen werden, 8 festgestellt wurde, der Verbrecher habe sich 
vahrend der Zeit des angeblichen Dämmerzustandes in einer 
inderen gegen ihn ee Sache mit großem Raffinement 
inter Anführung aller in Betracht kommenden Punlte verteidigt 
Vird die Straftat selbst durch einen Dämmerzustand entschuldigt, 
o lassen — aus den Alten gewöhnlich bestimmte Anhbaltspunkte 
ür die Wahrheit oder 6 dieser ee gewinnen. 
Inpecibe omplizierte Leistungen, die auch eine neue Gedanken— 
ätigkeit erfordern, lönnen in einein Dammerzustande üherhanpt 
nienals korrekt ausgeführt werden. Dafür führt Jorster den 
Fall eines Musikers an, bei dem festgestellt wurde, daß er während 
der Ze eines von ihm behaupteiten Dämmerzustandes pünktlich 
ur Oper gegangen war und sogar in der „Elektra“ von Strauß 
eine Partie von Ansang bis zu Ende gespielt hatte. Das wirk⸗ 
iche Vorhandensein eines Dämmerzustandes wurde erst erwiesen 
als sich aus einer Anfrage bei dem Direktoxium der Oper ergab, 
daß er während dieses Abends vielfach falsch gespielt hatte und 
von seinen Kollegen häufig unterstützt werden mußte. Bisweilen 
vird auch ein vorhandener Dämmerzustand geleugnet. Dies tat 
ein Soldat, den sein Pferd vor den Kopf gestoßen hatte und der 
araufhin die Garnison verließ und eine Reihe zusammenhang- 
oser Handlungen ausführte. Er leugnete zumächst den 
mendid, weil er fürchtete, daraufhin den Abschied 
u erhalten, dann geen er ihn zu und leugnete ihn später be⸗— 
onderer Familienverhältnisse wegen wiederum. Das Vorhanden- 
ein des ———— konnte einwandsfrei dadurch erwiesen werden 
aß festgestellt wurde, er habe gar keine Erinnerung an die —* 
Zeit und der von ihm egebene Bericht über sein Verhalten 
wãhrend des Zeitraums sei falsch und ungenau. D 
Farbenrausch in der Herrenmode. 
Der Frühling, der bekanntlich alles neu ma 
n der Hexrenkleidung eese —* Wie RX 
lagen über die farblose Ronotonie und Einförmigkeit unserer 
mäünnlichen Gewandung zum Schweigen bringen werden. Wagen 
ich die Londoner Modeschöpfer auch nicht an Rock und Bentlei⸗ 
er heran, so hüllen sie doch dafür das Accompagnement der Klei⸗ 
Aung in einen Farbenrausch. Schlinse, Taschentücher, Strümpfe 
ind Unterkleidung strahlen in starken koloristischen Ltzenen 4 
önigliches Purpur wird, vielleicht an die Kronungsfeeruchken n 
inklingend, als Hauptfarbe der Krawatte vorgeschrieben; dã 9 
nman aber diese Farbenfanfaren, dann muß man zum idet 
inige exotische Ornamente in der Krawatte haben oder seine 
—I Win de Die Taschentücher — 
untem Glanz; cferti ĩ 
u eie d· inittiat sigegeg einen 
Lroͤpe de Chine, und so können sie denn das Euntziicken; 
en se penn og utzücken jedes Neo⸗ 
nteeVanieeaee aet bg Zu 
Unbestimmtheit des To— 
ies, sondern nur durch die Starke d e aemhet des Jot 
cheiden. Hier eine Symphonie i Wineieen eng ee 
— 
⸗ farbenen bis zum Altgold i 
mnderez Sntn in e e hn 
e ce e ehe uwmert 
ach⸗ und Ponceau⸗Rot. Ein —— anen y 
urch ein siartes Spingigrün e aschentuch fällt wieder 
e actte uze belehte Lurvurroi 
der hiuraler n bi hosishetsrasean ihueriswher 
u einem phantastischen Kunstwerk gefialten — Iuehe 
intersten Regionen der Kleidung, bis zum Hem dinnt 
edrunen an den ea e dan e dis urrur vor. 
— 
zanz aus Purpiurseide. Ein anderer Farb Adeenne w 
lips Sandianbe demd und uteetun der Strünme 
datmionie zufammensceht, dr die veu au ginger ingiaen 
— —— —58— Rebelgrau er⸗ 
* — Londoner Rebel leme ert —* 
ondern den i en, gr F J Mer at, 
——— suger ———— 33 — wie fie im 
Kurpur fehlt auch nicht an den Schuhen; e erree 
appen festgefeßzt; außerdem wird die ee de ee 
nirch breite Schleifen verschöni. e Abitihetlebina wuic ue 
Grau ist der Hauptton, der i 
— 8* der in 2* 2 
81 Zungchn chent. dieses — nin ergee 
ra 7 — 
—5 — bet ———— —8 ie en J ene 
eichnungen von der merkwürdigfte ⸗ man, daß fie 
ae e eigen Siegetatt gieit eithesten 
B ein Stoff, der aus kleinen Rhomboi 
pon schwarzen Linien durchkreugt e eent. die 
Linien in den benachbarten R eden wghe die Vichtuns det 
n ombo — 
o ee ene weiße — —— 87 
ein erer gestreifter arauer Sioff alt ei * 
don Maitblau und einen feltfam i Irbalt eine Linie 
n bei ehaeteepe sen Jicaakiaden . Die 
mer — 
———— 
nen Schlitz im Rücken und vi z g 
luch die Ueberröce baben dndier euovi der Wanschette. 
ehen von denseten ie der eetezdeigen 
Zylinder erhält einen etwas niedrigeren — 8 
ein wenig schmaler, und die ganze Form * derzJand n um 
de e Wit dem surnaen ane eun 
ich auch die sehr breitrandigen St t 
— q rohbiite hervorwagen 
J eliebt waren. Fine exot 
ierung der Herrentoilette, die der reich e eeee 
ie eett diee reichen Farbigkeit eine weitere 
die ein Londoner e — — —AI powehen 
andersfarbige Westen für —S 
J 4 j 4 
ege rey mit, Spitzen besetzt und garniert sind und seden⸗ 
e eap und vornehm wirken werden, wenn fich die in 
ensragen so konservative Herrenwmelt mit ihnten befreundet. 
— 1 —
	        
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