Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

Virektor Dr. Felber-Berlin. Die vorgelegten und im wesent⸗ 
lichen gebilligten Leitsätze gipfeln in dem Gedanken, daß 
den Inhalt des wirtschaftlichen Lebens der 
Kulturvölker in erster Linte der Binnenverkehr 
bilde, demgegenüber der internationale Güter⸗ 
austausch nur eine untergeprdnete Bedeutung 
habe. 
Zu dem Streit des Rrof. Ludwig Bernhard gegen die 
drei anderen Ordinarien der Staatswissenschaften erfährt die 
Frankf. Ztg. daß Herr Bernhard Mittwoch beim Kultus⸗ 
minister eine Beschwerde gegen Herrn Professor Sering 
eingereicht hat. Das genannte Blatt weiß nicht, auf was 
diese Beschwerde sich bezieht, nimmt aber an, daß sie 
einer der letzten Erklärungen des Prof. Sering gelten soll. 
Der Kultusminister, der diese Beschwerde nun zu prüfen 
hat, wird, wie man erwarten darf, sich wohl nun mit dem 
zanzen Fall und nicht nur mit irgend einer Einzelheit des⸗ 
elben zu heschäftigen haben. 
Das Sinausschieben der Reichstaswahlen. Auch die 
Schles. Ztg. meldet aus „zuverlässiger Quelle“, daß sich die 
Regierung nach eingehenden Erwägungen entschlossen habe, 
die nächsten Reichstagswahlen erst im nächsten Jahr statt— 
finden zu lassen. Der Termin soll so spät als möglich an— 
jesetzt werden. An eine Auflösung des Reichstages ist in 
einem Augenblick gedacht worden. Da die Legislaturperiode 
im 24. Januar nächsten Jahres abläuft, müssen bis zu 
diesem Tage die Neuwahlen erfolgen. 
Ein Pftuchiater für die Strafgefetzbuchlommission. Wie 
mitgeteilt wird, soll als psychiatrischer Sachverständiger der 
bekannte Psychiater Geheimer Medizinalrat Professor Dr. 
Möhly der Kommission beitreten, die zur Feststellung eines 
amtlichen Entwurfes für ein deutsches Strafgesetzbuch am 
4. April d. J. unter dem Vorsitz des Miinisterialdirektors 
a. D. Lucas zusammentreten soll. Im preußischen Landes⸗ 
Dekonomie-Kollegium ist der Wunsch geäußert worden, daß 
auch ein Vertreter der Landwirtschaft an den Be— 
ratungen teilnehmen soll. Hierüber ist bisher eine Be— 
timmung nicht getroffen worden. Da es sich um ein 
reichsgesetzliches Vorgehen handelt, wuürde auch nicht die 
»reußische Behörde, sondern event. der Landwirtschaftsrat 
in Frage kommen. Sinmsichtlich der Vertreter der 
Presse usw. ist bisher eine bestimmte Auswahl 
der Persönlichkeiten noch nicht erfolgt. Richtig ist 
die Meldung, daß Prof. Kahl-Berlin, Prof. Frank⸗Ta⸗ 
hingen, v. Hippel⸗Göttingen, Senatspräsident Lindenberg⸗ 
Berlin, Justizrat Leonhart Friedmann-Berlin als Rechts— 
anwalt und Reichsgerichtsrat Ebermayer-Leipzig der Kom— 
nifssion angehören werden. 
Der angeblichee Rücktritt des preußischen Handelsmanisters. 
sine Korrespondenz behauptete, aus der Antwort des Staats- 
ekretärs Delbrück auf die Interpellation über die Zu— 
affung fremder Werte an deutschen Börsen habe man 
den Eindruck gewonnen, daß bei dem Reichskanzler und 
dem Staatssekretär des Innern das Verhalten des preußi— 
schen Handelsministers nicht in allen Punkten Beisall ge— 
funden habe, wodurch die Gerüchte über einen bevorstehen⸗ 
den Wechsel im preußischen Handelsministerium neue Nahrung 
fänden. Hierzu wird offiziös geschrieben: daß in der 
danzen Frage von Anfang an über jede Einzelheit eine 
oöllige Uebereinstimmung in den Ansichten aller beteiligten 
Stellen vorhanden gewesen ist. Dafür spricht auch der 
Umstand, daß bereits im vergangenen Jahr bei der be— 
antragten Zulassung einer fremden Anleihe zur Berliner 
Börse der preußische Handelsminister seine Entscheidung voll⸗ 
kommen im Sinne der Grundsätze getroffen hat, die der 
Staatssekretär des Innern bei der Beantwortung der In— 
tlerpellation aus wirtschastlichen und politischen Erwägungen 
als maßgebend fsür die Behandlung derartiger Fragen auf— 
zestellt hat. F 
Hochschule und Modernisteneid. Die Ortsgruppe 
VMünchen des Deutschen Hochschullehrertages hat sich der 
Leipziger Resolution gegen diejenigen Mitglieder 
rkademischer Lehrfkörper, die den Antimodernisteneid geleistet 
2s nicht gekonnt. Sie hätte eine schwere Schuld auf sich 
geladen, als sie meinen Vater zum Manne nahm, ohne Liebe 
Sie ist daran gestorben, meine Mutter, und Großvater meint, 
ich hätte nun doppelt die Pflicht, für andere zu leben und 
nicht an mich zu denken. Das ist mein Los, Herr.“ 
„Nein, Dorret. Die Kinder sollen nicht büßen sür der 
Eltern Schuld.“ —— 
Das blonde Friesenmädchen atmete wie befreit auf. 
„Nicht wahr? Und da meint Ihr auch, daß ich nicht nötig 
habe, Olafs Frau zu werden? Großvater sagt, es gibt 
Hochzeit.“ — 
Wie Erschreden ging es über die gespannt forschenden 
Züge des Seemanns, dann aber huschte ein leises Lächeln 
darüber hin. 
„Sieh, sieh, der alte Seebär hat einen guten Geschmac. 
Sabt Ihr ihn denn lieb, den Herrn Oheim?“ 
„Nein, gar nicht. Großvater meint, wenn er stirbt, dann 
hätte ich niemand mehr, und da wäre es vielleicht gut, wenn 
ich Olafs Frau würde.“ 
Ein langer, prüfender Blich Timms überflog die knospende 
sunge Gestalht. W 
„Darf ich Euch heimgeleiten, Dorret?“ 
Sie sah ihn erstaunt an. 
— „Gewiß, Herr. Aber wir gehen dem Winde entgegen. Wird 
s Euch nichts schaden?“ — 
„Mit Euch, Dorret, nein! Wenn Ihr mir Euren Arm 
reichen wollt?“ . 
„Gern, Herr, stützt Euch nur ordentlich auf mich. Mein 
Arm ist stark und ich führe Euch den bequemsten Weg.“ 
Graf Timm legte lächelnd den Arm in den ihren. —X 
„Nun wird mir der Heimweg ieicht.“ 
„Und ich freue mich dessen,“ gab fie zurück. „Kommt, 
Herr.“ 
Heiter plaudernd, soweit es der immer stärker werdende 
Wind zuließ, schritten die beiden fsungen Menschenkinder Arm 
in Arm dahin. Ein schönes, ein srohes, ein glückliches Paar. 
Tinm erzählte, was Dorret schon von Undine wußte, daß 
es noch nicht möglich gewesen, Graf Reimars Aufenthalt zu 
erfahren, und daß Timm entschlossen sei, so lange als Undines 
Gast int Gorlingshof zu bleiben, bis Reimar heimkehrte. Er 
sprach auch davon, daß alle im Schlosse gleich ihm Fridruns 
Abreise als Wohltat empfänden, daß aber dennoch ein Bann 
auf allen Bewohnern des Schlosses lastete, eine beängstigende 
Schwuͤle, die, wie er selbst furchte, einen Sturm bedeute. 
(Fortsekung folat“ 
saben, augeschlossen und hält auch für notwendig, 
»atßz die akademischen Kollegien und Körperschaften in Aus— 
übung der akademischen Selbstverwaltung die weiteren Folge— 
rungen dieser Resolution ziehen. Die Ortsgruppe München 
erklärt insbesondere, der vorbehaltslose Schwur der 
Theologen, für alle Zukunft eine bestimmte Meinung 
haben zu wollen, gelte auch außerhalb der wissenschaft⸗ 
lichen Welt als ein Verstoß gegen die guten Sitten!s 
Der Modernisteneid wird auch von den Mitgliedern 
hder Straßburger katholisch-theßlogischen Fakul-— 
ät geleistet. Wie die Straßb. Post aus guter Quelle 
rfährt, hat der Privatdozent an der Straßburger 
ratholisch⸗theolo gischen Fakultät Dr. Mathias den Anti⸗ 
nodernisteneid bereits geleistet. Dr. Mathias liest über 
Kirchenmusik und ist außerdem noch Organist im Münster und 
berühmter Orgelspieler. 
Tagung des Gesamt⸗Wasserstraßzenbeirats. Der Minister 
der üffentlichen Arbeiten hat den Gesamtwasserstraßen-— 
veirat auf den 4. März zu einer Sitzung nach Berlin ein—⸗ 
herufen. Auf der Tagesordnung stehen: 1. Die Wahl des 
kändigen Ausschusses; 2. Berichte Uber das Fortschreiten der 
zauarbeiten am Rhein⸗Weser⸗Kanal, an den östlichen Wasser⸗ 
traßen, UÜber den erweiterten Grunderwerb und über die 
Wohlfahrtseinrichtungen bei den Wasserstraßenbauten. 
Der Oberprafident von Westfalen gestorben. Wie wir 
ereits heute morgen berichteten, ist der Oberpräsident der Provinz 
Westfalen gestorben. Dr. phil. hon. o. G. W. Eberhard 
Frhr. v. d. Recke v. d. Horst ist am 2. April 1847 in 
Berlin geboren. Er war 1877-81 Landrat in Eckernförde, 
vurde 1887 Regierungspräsident in Königsberg und 1889 
n Duüsseldorf, war vom 8. Dezember 1895 bis 2. September 
899 preußischer Minister des Innern und seitdem Oberprä⸗ 
ident der Provinz Westfalen. Als Avantageur hat er beim 
2. Garde-Drag.⸗Regt. den Feldzug 70/71 mitgemacht; er 
var Rittmeister a. D. ferner Kurator der Universität Münster 
ind Thef der Dortmund-Ems-Kanal⸗Verwaltung. 
Ferien⸗Kursus über Redelunst, Vollswirtschast und staats⸗ 
zür gerliche Foribildung. Ueberall hört man jetzt den Ruf 
ach staatsbürgerlicher Erziehung. Jedoch findet der ein— 
elne wenig Gelegenheit, seine volkswirtschaftlichen und 
ozialen Kenntnisse zu erweitern. Deshalb ist der obige 
Zursus, der von Bund Deutscher Bodenreformer 
n der Osterwoche vom 18.-22. April in Berlin veranstaltet 
vird, mit lebhafter Freude zu begrüßen. Die Vorträge 
iber Redekunst, die Adolf Damaschke, selbst ein Meister 
der freien Rede, halten wird, werden mit Uebungen statt— 
finden, wie sich überhaupt an jeden Vortrag eine freie 
Aussprache anschließen soll. Besonderes Interesse werden 
die Vortragsreihen „Kkinführung in die sozialen 
Probleme der Gegenwart“, „Grundlagen der 
Volkswirtschaft“, „Städtische Sozialpolitik“ 
erhalten. Ebenso werden die Vorträge über „Die kon⸗ 
titutionelle Fabritke und „Kernfragen im Or— 
anisationswesen“ viel Aufklärung und Anregung 
bringen. Zwischen den WVorträgen werden Belichtigungen 
von Baugenossenschaften, sozialen Einrichtungen usw. geplant. 
An den Fürsten Bülow bat die nationalliberale 
Versammlung in Lyck, in der Abg. Bassermann 
prach, ein Begrüßungstelegramm geschickt. Wie die Mas. 
Z3tg. meldet, ist am Montag fsolgendes Antworttelegramm 
eingegangen: „Roma, 18. Febr. 1911. Justizrat Erbe, 
Lyd. Für freundliche Begrüßung und anhängliche Gesinnung 
rüfrichtigen Dank. Fürst Bülow“. — Der Kreuzztg. ist die 
Rede Bassermanns in Lyck ebenso stark auf die Nerven 
gefallen, wie die des Abg. Paasche mit der Parole: 
Stramm gegen rechts!“ Man werde, so droht sie, im 
Osten die Wähler über den heutigen Nationalliberalismus 
auftlären. Das sei bis jetzt versäumt worden. 
Der Reichskanzler und das nationalliberal⸗-konservative 
Rededuell. Von einer dem Reichskanzler nahestehenden Seite 
hören wir, dah Serr v. Bethmann über das scharfe 
Auftreten der Konservativen im preußischen Abgeordneten⸗ 
hause gegen die nationalliberale Partei schwer verstimmt 
isf. Der Reichskanzler sieht in dem scheinbar ernsten Zer— 
Theater. Kunit und Wissenschaft. 
Lübeck, 17. Febt 
Hansatheater. 
Gastspiel der „All Abroad“ Company. J 
Der frühere, aus mehreren Sprachen zusammengesetzte Name 
st abgekürzt, sonst aber ist alles beim alten geblieben. Nur 
sefiel mir gestern, offen gestanden, das ci-devant Pari— 
iennen⸗Ensemble bedeutend besser, als in der Stadt⸗ 
salle. Mag sein, daß die ganze Art im Rahmen des Hansa— 
dheaters fich günstiger ausnimmt. Fraglos können die Dar⸗ 
tellenden den leichten fast hastenden Ton, der für dieses 
Henre angezeigt ist, im Hansa-Theater besser festhalten, als in 
»er unakustischen Stadthalle. Tins haben sie leider unver— 
indert mit hinübergenommen: die endlosen Pausen. Ich weiß 
ehr wohl, mit welchen Schwierigieiten im Hansa⸗Theater das 
Umbauen verknüpft ist, das jedesmalige Resultat ist ja auch 
»ei der „All Abroad“ Company höchst exfreulich — aber 
in arger Mißstand bleiben die langen Unterbrechungen. Ge⸗ 
ade bei diesen, häufig auf des Messers Schneide gaukelnden 
Sächelchen wird die Stimmung der Hörer nicht ungestraft 
ortwährend zerrissen. 
Ueber die vier gegebenen Stücke ist nicht viel zu sagen. 
Sie sind, mit einer Ausnahme, recht starker Tabakl. Am 
jesten sind entschieden die ersten beiden. „Das Loch im 
Strumpf“ ist wirklich sehr ergötzlich, wenn auch maßlos frivol, 
ind wurde ganz reizend gespielt. Wenn Marion Chri⸗—⸗ 
toph nur nicht gar so viel girrend lachen wollte, es wirkt 
ei der Höhe ihres Organs irritierend. Die Gewandtheit ihres 
Zpiels und die Art, wie sie ihre wundervollen Toiletten trägt, 
will ich dagegen gern anerkennen. Ihre Hauptrolle hatte 
ie übrigens im dritten Einakter. Das zweite Stück: „Der 
Detektiv“, gibt dem Verfasser, Herrn Paris, Gelegenheit, seine 
wirklich staunenswerte Verwandlungssähigkeit zu zeigen, wäh—⸗ 
cend diese Kunst im „Disziplinararrest“ schon sast zu einem 
Tlownstrich wird. Hervorragend auf Charaktermasken versteht 
sich auch Alfons Fink, während Ferdy Immler elegante 
Lebemänner, auch in Kammerdiener-Eslarpins, vornehm zu 
vertörpern weih. Die Ausstattung, welche Direktor Paris 
bietet, ist reich und geschmackooll in der Boudoirszene, und die 
Doppelzimmer sind praktisch und übersichtlich. Damen- sowohl 
wie Herren-Garderoben sind hypermodern und apart. 
Der Saal war nicht sehr gut besetzt, die endlosen Pausen 
riesen ein paarmal Aeußerungen des Unwillens hervor, im 
ibrigen waren die Hörer sehr bheifallsfreudia. 8.0.B. 
würfnis der beiden Parteien eine bedenkliche Gefähr? 
dung seiner Sammlungspolitik, da er sich bis— 
her immer mit der Hoffnung getragen hat, alla gemäßig— 
ten bürgerlichen Parteien zu den kommenden Reichstagswahlen 
auf einer mittleren Linie zu vereinigen. 
Zum Straßburger Journalistenstreil. In der Angelegen⸗ 
heit des Journalistenstreiks im Landesausschuß 
hat der mit dem Wort „Pressebandit“ bezeichnete Rechts 
anwalt Bruno Weil den Abgeordneten Preiß zu einer 
ozialdemokratischen Versammlung in Kolmar zur Recht, 
ertigung geladen. Preiß zog es vor, nicht zu er⸗ 
cheinen. Der beleidigte Weil hielt eine längere energische 
Abwehrrede, in der er die Feigheit charakterisierte, die eins 
im Schutze der Immunität ausgesprochene Beleidigung dar⸗ 
telle. Preiß reiste an demselben Tage nach Paris ab. 
Hansabund und Landwirischaft. In der gestrigen Haupt⸗ 
»ersammlung des Ortsverbandes Groß-Berlin des Hansa— 
zundes wurde nach lebhafter Diskussion folgende Reso⸗ 
ution angenommen: Gegenüber den geflissentlichen Ent— 
tellungen des Bundes der Landwirte, der zu agitatorischen 
Zwecken behauptet, der Hansabund stehe der Landwirtschaft 
feindlich gegenüber, fordert der Hansabund die Leitung des 
Bundes der Landwirte auf, den Nachweis für diese Be— 
zauptung zu erbringen. Der Hansabund erkennt im 
begenteil die Notwendigkeit einer blühenden, 
kräftigen und gesunden Landwirtschaft an. Die 
Behauptung des Serrn v. Seydebrand, daß der 
Zansabund eine verhetzende Tätigkeit entfalte, kennzeichnet sich 
als eine demagogische Agitationsarbeit. Der 
hansabund weist die in unverantwortlicher Weise erhobenen 
Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. 
Oeste rreich⸗ Angarn. 
Die zweijährige Dienstzeit. Der Heeresausschuß der 
Zesterreichischen Delegation setzte die Beratung über das 
zeeresordinarium fsort. Die Delegierten Ellenborgen und 
ztanek sprachen die Befürchtung aus, daß die zwei— 
ährige Dienstzeit in der geplanten Form der 
ßevölkerung keinen Vorteil bringen werde. Graf von 
Auersperg und Traun erklärte, da die Beurteilung der 
NRotwendigkeit der Forderungen für das Heer Sache des 
Vertrauens zur Kriegsverwaltung sei, werde er für die 
zeereskredite stimmen. Er frage, ob die dreijährige Dienst—- 
zseit mit einem entsprechend mäßig erhöhten Präsenzstande 
nicht vorteilhafter sei als die zweijährige Dienstzeit in 
ver geplanten Form. 
Italien. 
Das Befinden des Papftes. Osservatore Romano schreibt 
In dem leichten, wie man sagt, durch Erkältung derursachten 
Inwohlsein des Papstes ist seit vorgestern eine so merk⸗ 
iche Besfsferung eingetreten, daß der Arzt den Papst 
jestern früh fast vollständig wieder hergestellt fand. Wegen 
»er kalten Witterung riet er dem Papste jedoch, sich noch 
einige Tage Schonung aufzuerlegen, bevor er die täglichen 
Audienzen wieder aufnehme. 
Portugal. . * 
Das Sandels abkoumen mit Fraukreichnt. Das Handels⸗ 
ibkommen mit Frankreich ist gestern unterzeichnet worden. 
Nuland. J 
Rulssische Drohungen gegen China. Die Birschewija Wiedo— 
mosti kündigt die bevorstehende Bekanntgabe eines wich 
tigen, auf die chinesischen Unstimmigkeiten bezüglichen Doku— 
ments an, da „die Chinesen fortfahren, Ausflüchte zu machen 
ind ihre feindselige Haltung zu bewahren“. Es sollen 
energische Maßnahmen“ ergriffen werden, um China „zurecht⸗ 
suweifen“, wobei aber die friedliche Stimmung dolumentiert 
werden solle. Vorgestern fand aus diesem Anlaß eine Be— 
ratung beim Kriegsministerium statt. 
Balkanstaaten. 
Dia Beziehungen zwischen Rumänien und Grie venlanud. 
Der Minister des Auswärtigen Gryparis erklärte auf eine 
die Wiederaufnahme der diplomatischen Be— 
ziehungen zwischen Rumänien und Griechen⸗ 
land betreffende Anfrage des früheren Ministerpräsidenten 
Dragomir, die rumänische Regierung habe der griechifchen 
zteinen Vorschlag in dieser Angelegenheit unterbreitet. Die 
vetfreundeten Mächte hätten, fügte der Minister hin⸗ 
zu, gleich nach dem Abbruch der Beziehungen zwischen 
beiden Mächten ihre wohlwollende Vermittlung angeboten 
und seien weiter TJaneta. au vwermiftteln 
Tagesbericht. 
Wegweiser für die neuen Bestimmungen über die 
Reichswertzuwachssteuer von Grundstücken. 
O Lübeck 17. Febr. 
Wenn auch in dem neuen Zuwachssteuergesetz, 
mit Wirkung vom 1. Jamuar 1911 schon am 1. Aprib 
d. J. in Kraft tritt, die Grundsätze und Bestimmungen des 
Gesetzes an sich klar und einfach feststehen, so sind doch 
die wirtschaftlichen Beziehungen, die sie regeln wollen, oft 
recht kompliziert. Deshalb dürfte eine kurze, von uns be— 
absichtigte Darstellung in der Form von Artikeln über die 
wesentlichsten Bestimmungen gerade für die Grundb e⸗ 
itzer von Interesse sein und ihnen die Orien⸗ 
tierung in den zahlreichen Paragraphenganf? 
wesentlich erleichtern. 
Aus welchem Anlaß wird die Zuwachssteuer erhoben? 
Die Reichszuwachssteuer ist eine indirektte Steuer. Eine 
direkte Steuer würde vorliegen, wenn periodisch — etwa 
alle 5 Jahre — alle Grundstücke nach ihrem Wert eingeschätzt 
und von dem dabei festgestellten Mehrwert eine Steuer 
erhoben würde. Die Reichszuwachssteuer wird aber nur 
erhoben, wenn eine eingetretene Wertsteiges 
rüng durch Veräußerung realisiert wird, wenn 
also der Eigentümer bei Veräußerung des Grundstüds einen 
höheren Preis erzielt, als er als Erwerbspreis gezahlt hat. 
Es muß also eine Uebertragung des Eigentums an dem 
ßrundstüct. also eine Auflafsung des Grundstüds 
tattgefunden haben. 188 1, 4) 
Doch wird die Steuer auch fällig, wenn ein 
Veräußerungsgeschäft, zB. ein Kaufvertrag ge— 
schlossen war und innerhalb eines Jahres die 
Auflassung nicht erfolat. (6 5.) Als solche Geschäfte 
gelten auch Uebertragungen der Rechte des Erwerbes aus dem 
Veräußerungsgeschäft, aus Anträgen zur Schließung eines 
oschen. Erklärungen. für einen Dritten erworben au haben.
	        
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