Full text: Lübeckische Anzeigen 1911 (1911)

xreten lätzt. Die 8 
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der Agdie I an Löhnunge. 
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Preubischer Landtag. 
Abgeordnetenhaus. 
(WB. Sitzung.) 
V Berlin, den 13. Februar.“ 
Am Ministertisch: v. Dallwitz. 
Min desident v. Kröcher eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 18 
Auf der Tagesordnung steht die Fo ung der — 
— — — — Fortsetzung zweiten 
Etat des Mintsteriums des Innern. 
Zur Geschaftsordnung bemerkt 
Abg. Frhr. v. Zedliß sag Im Interesse der rechtzeitigen 
Fertigstellung des Etats bin ich von der Mehrheu beauftragt 40 
rklären, daß wir bexeit sind, die Etagtsberatung zu kdon— 
tingentieren. Nun liegen zu diesem Etat eine große Zahl 
von Anträgen vor. Ich beantrage, daß diejenigen Antraͤge, 
die in Wirklichkeit nicht zum Etat gehören, von der Tagesordnung 
wgesetzt werden. Derartige Auträge innen bis nach der Er— 
edigung des Etats zurückgestelli und dann zur besonderen Ver— 
bdandlung überwiesen werden. 
ubg. Dr. Pachnicke (Ept,): Wir legen Wert darauf. 8 
um Etatagestellten Anträge auch wirklich zur er; 
andlung kommen. 
Abg. v. Heydebrand (k.): Ich bin mit der Anregung des 
Ibg. v Zedlig einverstanden. Vie Garantie, daß alle zum Etat 
eftelllen Anträge später zur Verhandlung kommen, können wir 
icht übernehmen. Eine Bevorzugung dieser Anträge gegenüber 
mderen kann nicht stattfinden. IJ 
Abgs. Hirsch Soz); Auch wir wollen der rechtzeitigen Fer⸗ 
igstellung des Etats kein Hiundernis bexeiten; ich bitte, daß man 
iseren Fraktionsrednern gestattet, auf die Materien unserer 
üne einzugehen. 
Abo. Sc. Porich (Ztr.): Meine Freunde stimmen der An⸗ 
regung des Abg. v. Zedlitz vollständig 3. 
Abg. Fischbeck Gpt.). Ich bitte, der Anregung des Abg. 
dirsch Folge zu geben. 
Abg. —S Gnatlib.); Ich schließe mich der Anregung,des 
Abg. Dr. Pachnicke an, daß die zum Etat gestellten Anträge spä⸗ 
er wirklich zur Verhandlung kommen. 
Da fich gegen den Antrag Zedlitz kein Widerspruch erhebt, 
vird er ohne — Abstimmung angen o m men. 
Abg. v. Goßlersst): Der gefährliche Zündstoff Polizei ist be⸗ 
eits in ausgiebiger Weise behandelt worden, sodaß eine friedliche 
chatie eimchen fann Wir haltenges nicht für richtig. daß die 
te s ibrem Kreise eine allau große Parteitätiakeit ent- 
vickein; wir koͤnnen aber auch die Agitation der Liberalen gegen die 
adrate hicht bill jgen. Die Linke will den Landrat zum Staats- 
rger zweier Klasse machen, der sich in seinen politischen Rechten 
icht belaligen darf. Da machen wir nicht, mit. Die Linke sollte 
hebenten daß die landliche Bevölkerung konfervativ ist, nicht gus 
aeheneb sandern aus wirtfchaftlichen Gründen. (eifall 
echt 8. 
vbtgha Linz (Ztir.!? Wir erwarten, daß die Rheinprovinz die⸗ 
enigen Selbiberwaltungseinrichtungen belommt, wie sie andere 
Zrodinzen haben. Wir halten es fuür notwendia, daß die Staats⸗ 
usotitat auf allen Gebielen aufrecht erhalten wird. Die Rede, die 
er Berliner Polzeiprasident über das Verhalten der Schutleute 
halten hot nachdem die Richter ihr Ürteil über die Moabiter 
Ire eelt hasten, iann nicht unwidersprochen bleiben. 
der Polizeiproͤßdent han erkärt. auf Grund, eingehender Unter⸗ 
uchung aller Einzelfälle sei festaestellt, daß die Schußleute kein 
adei ireffe daß ore Thre unangetaflet sei, Und vorher hatte das 
*icht estaefleltt daß Verfehlungen der Schusleute, in einzelnen 
allen vorgekommen seien. Verartige sich widersprechende Urxteile 
laatlicher Organe sind zu bedauern. Beim Erlaß von polizeilichen 
dorschriflen sollte man vorher sorafältiag vrüfen ob sie notwendig 
ind d ee en Borführungen sollte 
ie Polizei eine schärfere Kensur üben. Ar: 
Die Zensur solte auch dagegen einschreiten, daß die Geistlichen 
uf den Bühnen als Schurken und Lumpen hingestellt werden. 
Beifall im Zentrum.) F 
Vunister“8FJunern v. Dallwitz: Die Bemuhungen, das 
Schreibwert verden Behörden einzulchräuken, find 
Asher von Erfolg nicht begleitet gewesen, weil die Geschäfte fort⸗ 
vahren“ wachfen. Zur Vermehrung des Schreibwerks trägt auch 
ie Gepflogenheit des Parlaments bei, auf Grund von Zeitungs⸗ 
achrichten Aufragen an die Regierung zu richten über An— 
gelegenheiten, die noch nicht einmal den Lolalinstanzen bekannt 
aind“ Die deshalb notwendig werdenden Nachforschungen er⸗ 
vordern n tuůrlich ehr viel Schreibereien. Ueber die vom Abg. 
inz erwähnte Rede des Rolizeipräsidenten von Ber; 
cAn Uegt mir ein authentischer Bericht nicht vor. Es erscheint 
mir aber natün ich, wenn der Polizeipräsident sich bewogen ge⸗ 
fühlt hat, die in der Oeffentlichkeit erfolgten Verunglimpfungen 
ind Beschimpfungen der olizei als unbegründet zurückzuwe sen. 
Fin Eino⸗iff in das Gerichtsurteil war nicht beabsichtigt Eine 
ẽntlastung des Oberverwaltungsgerichts. ist Gegen⸗ 
land der Erwägung. Das Hauptgewicht hierbei wird aber we⸗ 
iger auf die Bermehrnng der Richter als guf eine organische 
ůsssceftaitung gelegt. werden. Wenn sich Bedenken gegen die 
Zulbafssung, bon Thegterstücken erbeben, so ist es wün⸗ 
chenswert, aß sich die Polizeipräsidenten mit dem Berliner Vo⸗ 
izeipräsidenten in Verbindung setzen. 
Abg. Dr. Lohmann (nI): Den Bemerkungen des Abg 
betr. die Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit kann ich nu 
heipflichten. Wenn man sieht, welch lite rarischer un 
ildrlicher Schund unserer halbwüchstgen Zugend vielfach in. 
ie Haände gesbielt wird, so kann einem ein Schrecken durch die 
dnochen gehen. Der Minister hat kürzlich erklürt, es sei ihm kein 
Jall bekannt, der Veranlassung geben könnte, gegen die politische 
Betätiaung der Landräte vorzugehen. Hält er es denn für zu⸗ 
ãssia, wenn z3. B. der Landrat v. Maltzahn es als Auf⸗ 
abe des Landrats bezeichnet hat, einen freisinnigen Gutsbesiher 
uf die rechte Seite zu ziehen? Daß der Adel bei der Besetzung der 
jöheren Verwaltunasämter bevorzugt wird, läßt sich nicht 
euanen, ebenso wird niemand bestreiten wollen, daß die Laud⸗ 
äte eine konservative, agrarische Politik treiben. Der Abg. Dr. 
Zall hat neulich von dem liberalen Gretchen gesprochen, das mit 
em glänzenden Blockgeschmeide geschmückt war. Steht es nicht 
nit dem irchlichen Bücherverbot im Widershruch, wenn der Aba⸗ 
dr. Ball den Faust liest? (Große Heiterkeit) Jedenfalls scheint 
nir Herr Dr. Ball ein gefährlicher Modernist zu sein. 
Erneute Heiterkeit.) Die Konservativen wundern sich über ein 
eitweiliges Zusammengehen der Liberalen mit den Sozialdemo⸗ 
raten, während man dem Kentrum ein derartiges Kooperieren 
mit den Sozialdemokraten nicht verarat. (Beifall links.) 
Abg. Frhr. v. Zedlitz (sk.): Seit der Keit, als Herr b. Beth⸗ 
nann Hollweg Minister des Innern wurde, ist für die Besetzung 
»er Aemter, die „Tüchtigkeit entscheidend gewesen. 
die politische Betätigunaga der Landräte 
st nicht zu verwehren, sie darf nur nicht von 
53 erfolgen. GSehr richtig 56 
Der Landrat darf nicht der Agent der jtweiligen Regierung sein. 
In dieser Beriehung ist m der Vergangenheit gefehlt worden. Daf 
der Staat die Landräte für ihren Dienstaufwand entschädigt, is 
zecht und billig. Der Polizeipräfident von Berlin hätte 
ich nicht in Widerspruch zu dem Gericht setzen sollen. Der Tadel 
iber die Ordensauszeichnungen der Polizeibeamten ist unbegründet. 
Die Regitrung hat das Recht und die Pflicht. Beamte, die sich be— 
vährt haben, auszuzeichnen. Die Stadt Berlin verlangt Einfluß 
auf die Polizei. Das kann nur dann geschehen, wenn die ganze Or- 
zanisation von Berlin, die jetzt zu schwerfällig ist. anders gestaltet 
ist. Beifall, rechts. 
Abg. Hirsch-Berlin (Soz.): Die Regierung will keine Partei- 
zegierung sein, gegen unsere Partei gehen aber namentlich die 
interen Verwaltungsorgane kleinlich und schikanös vor. Die Poli— 
zei macht sich durch Beaxbotevon Theateraufführungen 
bielfach lächerlich. So durfte die Dame von Maxim erst aufgeführt 
werden, nachdem der Pfarrer in einen Lehrer verwandelt worden 
war. Unverständlich war das Verbot des Auftretens der russischen 
Sänger, weil sie die Kleidung sibirzscher Gefangener trugen. Un⸗ 
gerechtfertigt ist auch das rigorose Vorgehen der Polizei gegen die 
Freie Vollsbühne, die für die Volksbildung außerordentlich viel ge— 
an hat. Gang vnglaublich sind die Vorwände, die man findet, um 
eine Anzahl von Sozialdemokraten nicht in die Wählerlisten 
rufzunehmen. So hat das Oberverwaltungsgericht die Aufstellunng 
»er, Wählerlisten in Rixdorf dreimal beanstandet. Das Ver— 
einsgesetz wird in schikanöser Weise gegen uns 
ingewandt. Die Ausweisung des Professors Halb⸗ 
vachs, der die Moabiter Vorgänge kritisiert hat, war ungerecht⸗ 
ertigt. Die Polizei hat in Moabit auf gana Unbeteiligte einge⸗ 
chlagen und sie mit den unflätigsten Schimpfworten traktiert. 
dadurch haben Herr v. Jagow und seine Garde eine große An⸗ 
ahl von Leuten zu Sozialdemokraten gemacht. Es ist kein Zweifel 
grüber, daß Kriminalbeamte den Sozialdemokraten gegenüber 
uls Lockspitzel auftreten. Wir werden nicht aufhören, für ein 
nerbessertes preußisches Wahlrecht einautreten. 
Präsident v. Kröcher: Nach dem mir vorliegenden Steno⸗ 
ramm, hat der Abg. Hirsch gesagt: Die Polizeibeamten haben 
Leute, die in den Myabiter Unruhen sistiert waren, auf der Wache 
in niederträchtiger Weise beschimpft und mißhandelt. Ich rufe 
den Redner für diese Aeußerung zur Ordnung. 
Hierauf vertaat sich das Haus. 
Nächste Sikung Dienstag 11 Uhr: Fortsetzung und Arbheiter⸗ 
unhnungsgesetz. 
Schlusß nach 44 Uhr. 
—— 
Die russische Dorfmedizin. 
Liebliche Bilder aus dem russischen Leben malt im Rußkose 
gogatstwo ein ehemaliger Apotheker namens Polubarjew. Er 
chreibt: Unter den Heilmitteln, die in unsern Apothelen ohne 
xztliches Rezept abgegeben werden, befindet sich eine für den 
ußeren Gebrauch (für Einreibungen) bestimmte ziemlich beißende 
ind betäubende Flüssigkeit, die unter dem schönen Namen Kin— 
erbalfam? betannt ist. Diese Flüsfigkeit trinken die russischen 
Bauern schon längst anstelle von Schnaps, wie sie Aether, dena⸗ 
urierten Spiritus und ähnliche Köstlichkeiten trinken. Man 
rinkt den „Kinderbalsam“ in der Apotheke selbst aus dem Apo⸗ 
heter⸗NNeßalas; man trinkt viel, und die Vorräte verschwinden 
jald. In dichten Haufen strömen die Bauern an Feiertagen 
irekt auus der Kirche in die Apotheke, um „Kinder“ zu trinken. 
Kinder? trinken guch die, die Hoch niemals Schnaps getrunken 
saben, denn Kinder“ ist eine Medizin; sie schmeckt zwar wider⸗ 
ich, wird aber troßdem in staunenswert großen Dosen getrunken, 
veil es ja eben ein „heilsames“ Getränk ist. Es trinken Männer, 
rinken aber auch Frauen und Kinder; die Frauen bezahlen das 
Heumiitel“, wenn sie nicht bei Kasse sind, mit Hausprodukten: 
nit den von ihren Hühnern gelegten Eiern, mit selbstaewebten 
ʒandtüchern, mit Butter usw. „Gib mir eine große Tasse Kinder, 
r Crinnerung, an den Toten“, sagte ein Bauer. „Hast du 
heldeNaturlich!“ Ein Rubel wurde auf den Tisch geworfen. 
neinhalb Pfund Kinderbalsam“ trug der Bauer ins erste Vor⸗ 
immer. Dort faßen auf dem Fußboden die Mutter, die Frau, die 
Zrüder des Käufers. Aus dem Meßglase gab er zuerst, der Mutter 
u rinten; die alle Frau murmelte irgend etwas vor sich hin, nahm 
inen Schluck und dab das Glas zurück, worauf der Käufer es 
eer brant dann tranken die Frau, der erste Bruder, der zweite 
Fruder und fo weiler nach der Allersfolge. Alle waren sie so— 
ben vom Kirchhof, wo sie den Vater beerdigt hatten, gekommen. 
xs ist Brauch, auch die Totenfeiern in den Apotheken zu begehen. 
Durch die geöffnete Tur drang Geräusch. Es traten ein drei 
dinder, darauf ein Weib und hinter ihr ein Bauer. alle sehr er⸗ 
ealSiederiahus, hier ist euer Platz nicht!“ schreit der Bauer 
a Hroßer Entrüftuug Man geht Arznei holen, sie aber wollen 
ufen“ dDer Bauer schreit, daß es im ganzen Hause zu hören 
Was hat man dir geiand . Um was Handelt es sich 
ennb fraut der Apotheker. ‚Euer Wohlgeboren, die verdammten 
krunkenbolde haben sich drauhen, auf der Sitzlade breit gemacht 
nd lassen deinen hinein.“ Der Apotheker tritt in den Flur hin⸗ 
s, wo sich jeinen Augen eine interessante Szene darbietet: 
Ada fünfzehn Bauern haben die ganze Diele im Korridor be⸗ 
eht und sriuten aus einem Teebecher, den sie irgendwo erwischt 
haben, Kinderbalsam. Auf den Knien eines jeden von ihnen 
segt ein Imbiß. Auf den Stufen liegen drei Trunkene und 
chnarchen um die Wette. Ein altes, krankes Weib mit verbun⸗ 
enen Augen iaftei mit einem Stod umher, um den von den 
Berauschten verlegten Weg zu finden. „Liedexliche Hunde, laßt 
dich doch durch in die Apotheke.“ sagt se. Ein Bursche, den 
ie nit rem Stock beruührt hat, springt in die Höhe und ver⸗ 
etzt'iht cinen Stoß, daß sie dopfüber in den Straßen⸗ 
Vunih fliegi. Peier, Peter!“ ruft der Apotheker ins Laboratoium 
inein Der Diener VPeter, ein handfester Bursche, eilt herbei, kreme 
elt die Aermel auf und beginnt mit philosophischer Ruhe die ganze 
Mehspes auf die Straße zu werfen. Vom Vorhau htnabsteigend, 
eht sich die ganze Zechgesellschaft unter den Fenstern der Apothek 
ruf den Bürgersteig, und der Becher mit Kinderbalsam kreist von 
enem durch die Runde. Unterdessen beginnt Peter einige im tiel 
sien Schlaf liegende Konsumenten des „Arzneimittels“ bei der 
Juͤßen auf die Straße zu schleppen: einen neben den andern legt e 
e fauberlich in Reihe und Glied nieder. Dadurch gewinnen einigi 
atsachlich Kranle die Möglichkeit, endlich in die Apothele zu ge⸗ 
angen. 
Die rasch zusammengebrauten Arzneien werden verteilt, und vann 
eginnt wieder der flotte Absatz des Kinderbalsams. Gegen 114 Uhr 
ascheint in der Apotheke ein Mönch, verrichtet sein Gebet, grüßt 
irtig, zieht einen Zettel aus der Kutie, setzt die Brille auf die Nase 
ind sagt: „Geben Sie mir Kinderbalsam“, worauf er abzulesen 
nn Ein Pfund, ein Pfund, zwei Pfund, ein Pfund, ein 
Pfund ..“ Der —B langt aus dem Kasten die schon zurecht- 
emachten hervor. „Halt einmal! Wieviel Pfund haben Sie 
chon hingestellt?“ fragt plötzlich der Mönch. „Fünf? Stimmt nicht. 
Pir wollen noch einmal zählen! Stellen Sie si daher .. Für den 
ater Fai ein Pfund, für den Pater Michail ein Pfund, für den 
zater Pewel zwei Phnd für die Laienbrüder auch zwei Pfund...“ 
egen zwanzig Fla chen haben sich angesammelt. „Das ist nun alles, 
pas ?“ fragt der Proviser., Nur leine Uebereilung! Ich möchte noch 
ine sonblundssaiae wem * di 5 2 dur das Bru⸗ 
— n ru n Diener, der alles in einen 
ind dem Mönch auf den Wagen legt. Korb vackt 
Jeden Abend, so erzählt Polubarsew weiter, kamen in der Apo— 
hele die Honoratioren der Stadt zusammen, die eine fidele Gesell⸗ 
chaft bildeten. Jede Minute fast wurde der heilkräftige Kinderbalsam 
xrumgereicht. Zu einer bestimmten Zeit wurden die Spieltische auf⸗ 
zestellt, und die Apotheke wurde zum Spielllub. Während der Jaht-— 
närkte erschienen die Pferdehändler. handelten hin und her, schlugen 
ib und zu einander in die Hand und begossen schließlich den Handel, 
ndem sie sich mit Kinderbalsam „urierten“. In der Apotheke 
xerrschte dann ein furchtbaver Skandal, der den Kranken den Zutritt 
mmöglich machte. Wurde es zu arg, so erschien der Riesenkerl Peter 
uf der Bildfläche, packte den Skandalmacher beim Kragen und hatte 
hn im Nu auf die Straße geworfen. Zuweilen sentte sich sein kräf⸗ 
iger Arm auf die Schulter „rebellischer“ Kranker, die gar zu dringend 
die schnelle Hergusgabe einer Arznei forderten und die Apotheke eine 
Schenle schimpften. Ende September, wenn die — 
ammlung eröffnet wird. erscheinen die bäuerlichen Deyutierten in 
er Apotheke, um den Kinderbalsam zu probieren. Der Provisor haf 
igens 5 fie enen enngen wh so einen, der veßen lasfen 
ann. inige der utierten agen sogar i t i 
ap w — * p schlagen sogar ihr Standquartier in 
8 ist, wie der Gewährsmann des Rußkole Bogatstwo ver⸗ 
ichert, ein nach der Natur gezeichnetes Bild der russischen Kleinstad 
und Dorsapothele und ihres Finderbalsams. 0D 
Vermischtes. 
Der Tod des Barsns Albert von Rethschild. Wie aus Wien 
erichtet wird. äußerte sich die Fürstin Pauline Metternich über den 
erstorbenen Baron Albert von Rothschild: „Ich habe den Baron 
nehr als vierzig Jahre gekannt, schon zur Zeit, als ig in Paris 
ebie. Damals stund en Vater an der Spitze des Bankhauses. Er 
war ein vornehmer Charakter. Das zeigte sich darin, wie er sich 
zu seinem Reichtum verhielt. Geld hatie für ihn nur Weri, wenn etr 
amit wohltätig e oder etwas schaffen konne, wie sein Palais in 
Vien, seine Jagdgüter Waidhofen und Langau. In Orten, wo er 
Besitzer war, gab es nicht einen Armen, was zum Teil seiner ver⸗ 
torbenen Frau Bettina zuzuschreiben ist. Ueber Finen wohltätigen 
Zinn kann man nicht genug Rühmendes sagen. Er liebte es nicht, 
venn man ihn lobte, er gab gern, aber mit Ueberlegung. Man 9 
in der ee lelnen Begriff, wie sehr er in Anspruch ge⸗ 
ionimen wurde. Vor zwei Tagen habe ich ihm einen jungen Mann 
empfohlen, dem die Mittel fehlten, um das medizinische Dottor⸗ 
ramen zu machen. Vom Krankenlager aus erledigte er die Ange—⸗ 
egenheit in nobelster Weise. Von seiner Persönlichkeit ist zunaͤchst 
eine Einfachheit aedee Sein Wesen wor ernst und konser— 
bativ. Für das Moderne hatte er keinen Sinn. Als Sammler liedie 
er das Alte. Als Theater⸗ und Konzertbesucher bevorzugte er das 
můsante Genre. Er hegründete diese Reigung damit, daß das Leben 
hnedies ernst genug sei. Er war ein guter ein treuer 
Freund und ein patriotischer Oesterreicher.“ Von anderer Seite wird 
ins aue Wien noch gemeldet: Durch den Tod, des Barons Albert 
on Rothschild wird dem österreichischen Staats säckel eine unerwartete 
roße Einnahme zufließen. Wie groß die Hinterlassenschaft ist, laht 
ich augenblicklich nicht einmal schäßungsweise angeben. Naf dem 
Ableben des Freiherrn Nathangel von Rothschild floß dem Fiskus 
ine, Erbschaftssteuer von beiläufig neun Millionen zu. Die Erb— 
chaftssteuer von der Hinterlassenschast Baron Albert von Rothschisds 
vird nahezu 20 Millionen Kronen betragen. Diese große Einnahme 
ie dem Staat zufällt, wird eine ganze Reihe von politischen und 
dneinistratton Schwierigleiten lösen. So erfährt die Frage der 
Berländerung“ der Wiener Krankenanstalten eine Lösung Das Kap 
ital, aus dem die Wiener Spitäler erhalten werden dird hauͤpt 
ächlich aus dem Erträgnis der Erboschaltesteuern gespeist Da ditse 
n den letzten Jahren seht gering waären, wurde der Spndife * 
J 
altung des Landes Niederosteneich 
e en de e n eae adttd 
aben. Nun sind alle Schwwierigkeilen it ein ne e
	        
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